Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 102 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 102, 20. XII. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 9 Briefe von einer Orient-Reise Von C. Z. Klötzel, Jerusalem / Vgl. die Heisebriefe in Nr. 97 und 700 3. Waffenstillstands •Tag in Damaskus Als Ich am frühen Nachmittag von Beirut abfuhr, begann man die Front des Gebäudes, das dem ״Cercle Miiitaire‘" gehört, mit blau-weiß-roten Fahnen zu schmücken. Ich achtete nicht weiter darauf und wurde erst wieder daran erinnert, als, lange nach Dunkelwerden, von der Höhe eines Gebirgszuges, der Blick auf Damaskus frei wurde. Die Stadt lag wie ein Märchen aus ,Tausendundeiner Nacht' zu unseren Füßen, gebadet in ein Meer von Licht. Die Konturen ganzer Straßen- Fronten waren von Tausenden von bunten Glühbirnen nach* gezogen. _ ״Was für ein Fest feiern Sie heute?“ fragte ich einen meiner Mitreisenden, einen Syrer iri elegantem europäischen Anzug und Fez, der mir unterwegs in bestem Französisch und mit großer Freundlichkeit die Gegend erklärt hatte. ״Wir? Wenn Sie die Syrer meinen, die haben mit dieser Illumination da unten nichts zu tun. Die französische Garnison feiert den Waffenstillstandstag.“ Der 11. November! Wer reist, vergißt leicht selbst ein historisches Datum, zumal wenn seine Bedeutung so schnell zu verblassen beginnt, wie die des Schlußtages des ״letzten aller Kriege“. Wovon hatten wir uns an diesem Nachmittag unterhalten, während wir durch die friedlich-schöne Berg- und Waldlandschaft des Libanon fuhren? Vom Kriegsschauplatz in Abessinien. ״Die Syrer haben mit dieser Illumination nichts zu tun“, hatte mein Reisebegleiter gesagt. Ein Gang durch die Stadt schien ihm recht zu geben. Jedes der zahlreichen Gebäude, deren Fassaden lichtübergossen waren, trug eine Inschrift, die es als eine Kaserne, ein Stabsquartier, ein Regieningsdepartcment oder eine Polizeistation auswies. Vor jedem marschierte ein militärischer!1osten in Paradeuniform auf und ab. Ein paar Villen, die Flaggenschmuck trugen, waren leicht als die Residenzen französischer Offiziere und höherer Beamter zu erkennen. Zwei oder drei der großen Hotels hatten von blau-weiß-rotem Tuch etwas spärlichen Gebrauch gemacht Die Minaretts einiger Moscheen waren illnmimcrt, wie am Ramadan. Aber kein einziges arabisches Haus zeigte irgendwelchen Schmuok, und abgesehen davon, daß es in der ganzen Stadt von Soldaten mit Nachturlaub wimmelte, war von Fest- Stimmung nicht das mindeste zu merken. Wenn die Leute von Damaskus den Waffenstillstandstag nicht boykottierten, so ignorierten sie ihn jedenfalls. Die enttäuschten Syrer Und doch — so dachte ich — ist dieser 11. November der Tag, an dem auch im Schicksal Syriens die endgültige, entscheidende Wendung emgetreten 1s1, die Lostrennung von der Türkei und der erste Schritt zu nationaler Selbständigkeit besiegelt wurde. Wenn schon der Waffenstillstandstag noch gefeiert wird, vielleicht hätten die Araber von Damaskus doch einigen Grund, wenn nicht die französische Trikolore, so doch die Flagge der Republik Syrien aufzuziehen? In einigen Jahrzehnten wird man vielleicht so denken und empfinden, heute ist davon in Damaskus, dem energischsten und geistig überlegensten Zentrum des arabischen Nationalismus, keine Rede davon. Heute erinnert dort der ll. November mehr an das, was man durch ihn verloren zu haben glaubt, als was man in der Tat durch ihn gewonnen hat. T. E, Lawrence schildert in seinen Büchern über den arabischen Aufsfand sehr eindrucksvoll den psychologischen Augenblick, in dem er diesen Aufstand entfesselte. Es war in den ersten Wochen seiner Mission, in l)scheddah, dem Hafenplatz für Mekka. Man saß im Zelt Husseins, damals noch Seherif des Hcdsdms, und der spätere so unglückliche König fragte ihn, wie ihm die Stadt gefalle. ״Es ist ein schöner Ort“, antwortete Lawrence, ״aber er liegt sehr weit von Damaskus!“ Dieses Wort entzündete die Phantasie seiner Hörer — und mit ihm begann eine Entwicklung, die ihren Höhepunkt fand, als die Beiluincii-Rcgimenter des Hedschas mit ״Laurins“ an der Spitze dieses ״weit entfernte“ Damaskus wirklich besetzten. Der Climax folgte allerdings die Anticlimax auf dem Fuß. Lawrence konnte gut — und gutgläubig — den Arabern!)amaskus als die zukünftige Hauptstadt ihres Reiches versprechen. Der Sohn Husseins, Faisal, durfte sich eine kurze Zeitiang König von Syrien nennen. Aber das alles hinderte nicht, daß der 11. November nicht die Versprechungen des Colt.neI Lawrence erfüllte, sondern die geheimen Klauseln des brifisch-französisehen Sykes-Pieot-Vertrages, und daß Damaskus, statt zur Hauptstadt des arabischen Reiches, zu der des französisehen Mandatgebietes Syrien wurde. Wer die geistige Situation in den arabischen Ländern verstehen will, darf nicht vergessen, wieviel verletzter Stolz, wieviel unmittelbar nach scheinbarer Erfüllung betrogene Hoffnun״ die Formung der arabischen politischen Denkweise beeinflußt hat ... Schauspiel vor leerem Parkett Rauschende, wilde Musik lockt mich an das Fenster. Ueber den großen Platz vor dem Hotel zieht ein militärischer Fackelzug. Die Kapellen der ganzer! Garnison begleiten ihn, und wenn die Hörner der Neger-Regimenter und die Fanfaren der Tscherkessen-Kavallerie schweigen, entlocken die kleinen, gelben Anamiten ihren Instrumenten exotische Märsche. Aber das Ganze ist sozusagen ein Schauspiel vor leerem Parkett. Es fehlt die grolle Menschenmenge, es fehlt die Bevölkerung dieser Stadt, um den Fackelschein zu reflektieren und der Musik die richtige Resonanz zu gehen. Die Zuschauer am Straßenrand sind dünn gesät, meistens Soldaten auf Urlaub und die kleinen französischen Beamten mit ihren Familien. Die Araber in den Kaffeehäusern blicken nicht einmal auf, während der Zug vorüberzieht, und zwischen den Takten eines schmetternden Marsches hört man das Winseln eines arabischen Grammophons, das abzustellen man nicht für nötig gehalten hat ... Militärische Parade Am nächsten Morgen sind es immerhin einige Tausende, die die große Rennbahn umsäumen, auf der die Parade stattfindet. Dem Besucher aus Erez Israel fällt hier in erhöhtem Maße der Unterschied auf, der in dem Verhalten der militarisehen Behörden im englischen und iin französischen Mandatsgebiet zu beobachten ist. In Palästina gibt es nur europäische Truppencinheiten, und der ganze Miiitärapparat ist so gut wie unsichtbar, tritt nur hei notwendigen Gelegenheiten für das Publikum in Erscheinung. In Syrien sieht man fast nur Koionialtruppen, und das Militär — neben der Polizei und der sehr starken Gendarmerie — scheint allgegenwärtig. Meine Kenntnis der französischen Kolonial-Arniee ist nicht hervorragend, aber ich glaube sagen zu dürfen, daß von all den defilierenden Truppen nur ein einziges Regiment aus Landeseinwohnerii bestand, und zwar auch nicht etwa aus Arabern, sondern aus Tscherkessen, die von den Türken in Syrien (und Transjordanien) angesiedelt worden sind. Es gab Neger-Artillerie, nordafrikanische Spahi-Regimcnter, anamilische Infanterie. Alle diese Truppen mit französischen Offizieren und teilweise auch Unteroff/ieren, während ein paar Spezialwaffen, 2. B. motorisierte schwere Artillerie und Tanks, ausschließlich von Franzosen bedient wurden. Während auf den Tribünen die französische Kolonie und das offizielle Syrien sich um den Haut Conmiissaire und den Präsidenten der syrischen Republik scharten, säumten das weite Feld Tausende von Zuschauern, die mit brennendem, wenn auch nicht durchaus freundlichem Interesse den Truppenbewegutigen zusahen. Wenn die Tribünen dem Haut Commissaire, dem die Parade kommandierenden General oder nach dem Spiel der Marseillaise applaudierten, blieb dieses Pubiikutn stumm. Nur zweimal wurde es zu stürmischem Beifall hingerissen. Einmal, als drei Kavallerie-Regimenter in vollem Galopp über das Paradefeld sprengten — wie sollten da die Kinder des Landes, das die edelsten Pferde züchtet, gleichgültig bleiben? Und dann, als mitten in der militärischen Prozession die — Feuerwehr in feuerroten Autos mit goldenen Helmen einherzog — in Damaskus offenbar eine Einrichtung der Garnison. Die Feuerwehren der ganzen Welt, von New York bis Tel-Awiw, dürfen in diesem Applaus eine Ehrung sehen für jene Truppe, die alle soldatischen Tugenden besitzt und gegen nichts ficht, als gegen ein verheerendes Element . . . 4. ’ Besuch bei ״Abu George“ Es gibt in Damaskus ein kleines Restaurant, ״La Rosairie“, das insbesondere von Unteroffizieren und Gendarmen besucht wird, dessen Wirt aber jahrelang den weit höheren Rang eines palästin ensischen Polizeinspektors innegehabt riat. Außerdem ist ״Abu George‘‘, wie Mr. George Brvant einst von den Arabern im Distrikt Akko, in Nazareth und in Galiläa genannt wurde, zur Zeit eine kleine literarische Bcrühmtheit in Erez Israel. Grund genug, die ״Rosairie“ aufzusuchen und mit Mr. Bryant eine Stunde zu plaudern. In die Literatur hat ihn sein Freund und Berufskollege Duff gebracht, ebenfalls ein ehemaliger palästinensischer Polizeioffizier, dessen Erstlingsbuch ״Sword for Hire“ in England ein wohlverdienter literarischer Erfolg und in Palälästina eine kleine Sensation war (in der ״J. R.“ kürzlich besprochen). Es zeigte uns das Leben im Lande in einem ungewohnlichen und darum ebenso interessanten wie dokuinentarisch wertvollen Ausschnitt. Es gab Aufschluß über eine Periode der Entwicklung der öffentlichen Sicherheit des Landes, die aus dem Bewußtsein der schnell lebenden Palästitienser fast schon verschwunden war, aus jenen ersten Jahren nach dem Krieg, in denen die Rückkehr in geordnete und gesetzmäßige Verhältnisse hierzulande nicht weniger schwer war, als sonst in der Welt. Dein jüdischen Leser erüffnete es Einblicke in Seiten des arabischen Volkslebens, die zu kennen immerhin wertvoll ist, so sehr man in ihrer Be- Urteilung zurückhaltend sein sollte. Kurz: man bat innerhalb und außerhalb Palästinas diesen ״Polizeibericht“ mit großem Interesse gelesen, und im jüdischen Publikum wurde er um so freundlicher aufgenommen, als der Verfasser zu den wenigen britischen Beamten in Palästina gehörte, die in den Unruhen von 1029 sich mit großer Energie beim Schutz der jüdischen Siedlungen hervortaten. Abu George, sein Freund und Waffengenossc, war auch in dieser Hinsicht mit ihm eines Sinnes, In Afuleh und Meseha wird man sich seiner aus diesen schweren Tagen mit Anerkenn*: :g erinnern. Und er seihst — nun, man braucht nur zu sagen, daß man aus Palästina kommt» und ״Abu George“ öffnet die Schleusen seiner irischen Beredsamkeit und die Schatzkammern seiner palästinensischen Erinnerungen. 70״ Prozent Wahrheit“ Ich stelle an ihn eine Frage, die unter Autoren erlaubt ist, obgleich es bei ungünstigerer Beantwortung nicht fair gegen Duff wäre, die Antwort zu veröffentlichen. ״Wieviel in dem Buch, das Duff über Sie geschrieben hat, ist dokumentarische Wahrheit und wieviel . . . dichterische Freiheit?“ Abu George denkt einen Augenblick mit der Gewissenhaftigkeit des Beamten nach, der etwas zu Protokoll geben soll. ״Ich denke, man kann sagen: 70 Prozent absolute, unverfälschte Wahrheit, und 30 Prozent Duffsche Phantasie.“ Nun, 70 Prozent Wahrheit gereichen jedem Buche zur Ehre, mit weniger als 30 Prozent Dichtung ist kaum auszukommen, soll die Sache nicht langweilig werden. ״Und woher kannte Duff Ihre Erlebnisse so genau? Sie waren doch meistens in verschiedenen Distrikten?“ — Die unsagbar blauen Augen Abu Georges funkeln vor Vcrgnügen: ״Ich habe ihm die von mir geschriebenen Poiizdbcrkhte gegeben, d. h. meine Kopien davon. Als ich den Dienst verließ, habe ich sie mir zum Andenken mitgenommen.“ Duff und Abu George sind nicht im besten Einvernehmen mit ihren höheren Vorgesetzten aus palästinensischen Polizeidiensten feschieden. Ihr Temperament, das sie zu ausgezeichneten xekutivorganen machte, stempelte sie gleichzeitig zu unbe- Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, Joachimsthaler Straße 4344־ Mitglied der jOdigchcn Gemeinde Telefon ßtimarck 6506 Zusendung nach allen Stadtteilen quemen Untergebenen. Wie die ״Memoiren“ so mancher Heerführer und Staatsmänner in erster Linie geschrieben wurden, um die eigenen Taten zu verteidigen, so sind auch Duffs Bücher zum feil Apologien für ihr Verhalten während ihrer Dienstzeit. Die Kritiken, die diese Bücher in Palästina selbst er» fahren haben, werden natürlich von diesem apologetischen Charakter weitgehend bestimmt. Abu George, im nicht allzu fernen Damaskus, liest diese Kritiken mit großem Eifer, und manche verletzen ihn bis aufs tiefste . . . ״Da hat jemand geschrieben, wenn gewisse Dinge in Duffs neuem Buch wahr sind, so sei es gewiß nicht schade, daß er und ich den Dienst quittiert haben. Worüber ist man so entrüstet/1 Darüber, daß wir offen zugegeben haben, in Fällen, in denen es nicht anders möglich war, das Beweismaterial, das das Gericht von uns forderte, durch Prügel herbeigeschafft zu haben. Sie können in diesem Lande und unter englischem Recht niemanden verurteilen, wenn sic nicht genügende ,evidcnce‘ haben. Und nun bringen Sie einmal Araber dazu, sagen wir einmal in einem Mordfall, als Zeugen die Wahrheit zu sagen, zumal dann, wenn ihm die Blutfehde droht, falls durch seine Aussage der Angeklagte gehenkt wird. Oder wenn es sich um Banden-Verbrechen handelt und ganze Dörfer in der schwersten Weise terrorisiert werden'. Schon unter harmlosen Verhältnissen sagt ein Araber freiwillig nicht die Wahrheit —■ vielleicht eine Folge der langen türkischen Unterdrückung. Ein Araber rückt mit der Wahrheit nur unter Zwang heraus, nur wenn er Angst hat Und in schweren Fällen helfen alle Indizien nicht, wenn nicht Aussagen vorliegen. Wir haben niemals geprügelt, um etwas von den Leuten zu erfahren, was wir nicht schon wußten. Aber es war oft das einzige ״Mitte! — und ist es noch heute! —■ um einen an sich ganz klaren Tatbestand in der Form der durch das Gesetz geforderten Aussage zur Kenntnis des Gerichts zu bringen. Man kann das Prügeln lassen — aber dann wird man nur sehr wenige Verbrecher bestrafen können, nur weil man die Zeugen nicht dazu bringen kann, die Wahrheit zu sagen. |>as ist für den betreffenden Beamten gewiß bequemer und schlitzt ihn gegen schlechten Leumund .-׳ aber der Sache der Ueredrtigkeit ist damit nicht gedient. Gegen Orientalen europäische Methoden anwenden, heißt ein Narrenparadies aufniaehen . . Das Mädchen Latifa Ich nehme mir vor, auf der langen Wüsten fahrt zwischen Damaskus und Bagdad über dieses wirklich sehr wichtige und schwere Problem nachzudenken. Im Augenblick liegt mir daran, Abu George aus seiner Erregung in ruhigeres Fahrwasscr zu bringen und ich frage ihn nach einer der interessantesten Figuren des neuen Buches, der Araberin Latifa. Das war ein junges Mädchen \on einem Stamm in Obergaliläa, die sich in Abu George verlieht hatte und ihm unter große! Gefahr Nachricht von bevorstehenden Ueberfällen und Plünderungen gab. Diese Episode hatte ich stark in Verdacht, zu den 30 Prozent Dichtung zu gehören, die Abu George als Lcgicrungsbestandteii seiner Lebensgeschichte zugab. ״Nein“, sagte er, ״Latifa ist keine erfundene Figur, sie lebt noch heute und ist mit einem jungen Mann ihres Stammes verheiratet. Sie ist auch wirklich in mich verlieht gewesen -— obwohl sie wußte, daß ich verheiratet war. Niemals hat sie irgendeinem anderen Polizeioffizier Nachrichten gebracht ...“ Abu George starrt nachdenklich in die Ferne, als schwebe über den Bergen Damaskus’ irgendwo das Bild der liebenden Latifa. Dann aber fügt er trocken hinzu: ״Natürlich habe ich sie anständig bezahlt, aus dem Geheimfonds der Polizei. Sie muß eine ganz hübsche Mitgift gehabt haben, als sie geheiratet hat . . .“ Ach, Abu George, manchmal möchte man jemanden prügeht, weil er im entscheidenden Moment freiwillig . . . die Wahrheit sagt! Lloyd George, der sich gegenwärtig auf einer Reise in Marokko befindet, hat der dortigen Zionistischen Organisation, die ihm ein Begrüßtinpslelegrninm sandte, wie folgt geantwortet: ״Ich weiß das Telegramm, in dem die Grüße und Wünsche des /ionistischen Landesverbandes zum Ausdruck gebracht werden, außerordentlich zu schätzen. Ich beglückwünsche die Bewegung zu 'der beim Wiederaufbau des Nationallleims bereits geleisteten großen Arbeit und wünsche ihr weiter Erfolg.“ Zur Metamorphose des Orients. Von der gewaltigen Wandlung, die im Nahen Osten heute vor sich geht, gibt ein Bericht einen Begriff, den wir der Wochenzeit 1111 g eines amerikanischen Mädchen •Colleges ״Smith College Woekiv“ entnehmen. 111 diesem College ist die Tochter des Minister- Präsidenten von Irak, Sa bi ha I luschiim aus Bagdad, als Studentin eingetreten und hat sich einem Reporter der Zeit- Schrift gegenüber über ihren bisherigen Studien gang geäußert. ״Was am meisten Eindruck in Amerika auf mich machte“, sagte sic, ״war der Rat, den mir hier eine Köllegin gab; sie sagte mir, wenn ich in 1(0111 hin, so müsse ich midi so benehmen wie die Römer.“ (Line nette Formel für Assimilation; in Smith College studieren übrigens unseres Wissens auch recht viele amerikanische Jüdinnen.) Sahiha erzählte weiter, daß sie in Bagdad als Tochter des Ministerpräsidenten immer mit zwei I.eihgardisten ausgehen müsse und sich nicht frei bewegen könne. Sie ist entzückt von der amerikanischen Freiheit und hat die Absicht, die ganzen Vereinigten Staaten mul Kanada während der Ferien zu bereisen. Sie berichtete dann über das amerikanische College in Beiruth, dessen Vorbcreitungsschule sie zwei Jahre lang besucht hat. Früher war sie an einer höheren Schule in Bagdad, die unter Regierungsicitnng stellt und wo sclbstver« stündlich arabisch die Ihitcrrichtssprachc ist, während in Beiruth alles englisch gelehrt wird. In der Bagdadcr Schule wurde auch Kochen und Gartenwirtschaft gelehrt. Sabiha beabsichtigt, ihre Studien sp 111er an der Berliner Universität fortzusetzen. In Beiruth, so erzählt sie, gehen die Mäddien europäisch gekleidet und auch ohne Schleier» während sie in Bagdad verschleiert gehen mußte. Sie interessieren sieh vor allem für Politik und für soziale Probleme. Das Oemeinschaffsbcwußtsein und alles, was mit Sclhslregierung zu tun hat, steht im Vordergrund, Besonders erwähnenswert ist das ״soziale Sommerlager“ in rückständigen syrischen Dörfern, wo College-Studenten Unterricht und soziale Fürsorge erteilen. Im übrigen freut sich das junge Mädchen, das früher auch Aegypten und Palästina bereist hat, an dem amerikanischen College weniger persönlichen Beschränklingen unterworfen zu sein als in Beiruth, wo die Mädchen eine streng« Hausordnung befolgen mußten. — Wenn man bedenkt, in welcher strengen Zurückgezogenheit noch bis vor kurzem die Frauen des Orients gelebt haben, kann man die außerordentliche Umwälzung ermessen, die eine solche Aenderung der Lebensweise und der Bildung für das gesamte Leben der arabischen Nation mit sich bringt. ■P11111..|U.U.lH:Wa 1 G e s c h a H * * .0 i e Saude (p&gw Jtaefimv ■ ■ ■\ Jfapftwssec. ._. _ vornehme abgetönte D ü ftscHöpf u h g Betörend wie das Antlitz einer* schönen Fron