Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 102 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 10 JÜDISCHE RtmDSCWAB Nr. 102, 20. XU. 1935 ״Die Krone Davids“ Erstaufführung im Kulturbund Breslau Der Mangel an geeigneten Bühnenstücken führte den Breslauer Kulturbund zu dem großen Spanier Cal der on, von dessen zahllosen Werken man das biblische Drama ״Die Locken des Ahsalom“ hervorholte, das ,,Habima“ seinerzeit mit vielem Erfolge als ,,Die Krone Davids“ aufführte, und das 1931 der damals in Breslau tätige Regisseur Otto Zoff frei nachgediehtet hat. Seine Bearbeitung lag unter dem neuen Titel dem jetzigen Spiel zugrunde. Nikolai Elias c h o f f, mit der Inszenierung betraut, bog den Schluß, sehr zum Vorteil für das Ganze, derart um. daß nicht inehr Ton tuu'li rechts: Hvn Spanier (!)acttl) — llansi Schottcii/cl.s (I hanutrj .- II. Schindler (Ahsalom) — Segatl — If. M!•׳ roiril: l'Jt,ah) — Huftier Foto : Cur! 1׳(nfl..r, Bretlaa Absaloms Ktnpüning und jähes Ende den Schwerpunkt der Handlung bilden, sondern die Person Davids, der durch (mvaUlH'FTM'haii und blutige Kriege in Schuld verstrickt ist und dosen Vi n'elihingcn durch seinen Lieblmgssolm Salomon gesühnt \4 erden, den < um dazu auserschen hat, das Heiligtum zu bauen. Alle ehe l.ieigiiisse, von denen das zweite Buch Samuel berichtet, sind liier zu einer wahrhaft erschlitternden Tragödie verknüpft; da das romantische Element bisweilen allzu stark betont ist, telilt dem Werk freilich die letzte dramatische Spannung. Die Wiedergabe war, /11 mal wenn mau an die Bescheidenht.it der ranmilehen mul finanziellen Mittel denkt, eine künstlerische Tat. Was Eljaschoff und seine Helfer im Aufbau und in der Bildwirkung aus der kleinen, primitiven Bühne gemacht haben, verdient uneingeschränkte Bewunderung, auch bezüglich des reibungslosen Szenenwechsels. Die von der Breslauer Kunstgewerblerin Alice Cohn entworfenen fiostüme erwiesen sich in ästhetischer Beziehung als ußerst fein; stilistisch ist das schwierige Problem, den Ausdruck einer ganz bestimmten biblischen Epoche zu schildem oder ihn mit dem der Calderon-Zeit zu verbinden — auch das wäre diskutabel — nicht restlos geglückt. Von den Hauptdarstellern überragte Ben Spanier alle übrigen durch Erscheinung, Sprache und Gestaltungskraft. Diesem König David glaubte man seine Vaterliebc und die Echtheit seiner Schtnerzensausbrüche. Der Amnon Alfred Lichtensteins war ein Dämon mit allen Symptomen hemmungsloser Gier — eine der besten schauspielerischen Leistungen. Hermann Schindler gab den Absalom zwar sehr beherrscht, doch mit etwas zu zähein Pathos. Bis ins letzte überzeugend war Hansi Schotten f eis als Thamar, da sie gerade für solche Rollen den inneren Adel der Haltung und des Tones hat. Als wichtige und zuverlässige Stützen des gut ausgeglichenen Ensembles erwiesen sich außerdem Erna Cohn (früher: Lorenz) als Seherin Teuca und Herbert Meyerowitz (früher: Mcyhoff) als Joab. Die von Heinrieh Markt zusainmcngcsteilte Bühnenmusik war ein nicht zu unterschätzender Gewinn der Aufführung. Martin Hausdorff Zeitschriftenschau ״Das Schächtmesser als Symbol der Weltanschauung“. In der Zeitschrift des Nationalsozialistischen Deutschen Aerztebundes ״Z i e 1 u n d Weg“ (Heft 22) finden wir einen Aufsatz von Prof. Max Müller über ״Das Schlachten als Ausdrucksweise rassischen Denkens und Handelns“, worin der Verfasser u. a. folgendes sagt: ״Jede Rasse hat ihre eigene Art im Denken und Handeln, so auch das deutsche Volk über das Schlachten und Töten der Tiere. Der Nationalsozialismus will die Tiere schnell und quallos getötet haben.... Heute denkt man allgemein mit Grauen an diese Zeit zurück, in der in den deutschen Schlacht- oder besser gesagt Schächthöfen die Schochcts mit ihren Schachtmessern als ein uns fremder Typus hcrumlicfen und für Jud und Christ schachteten. Das Schächtmesser des Schochet war eben mehr als ein kultisches Instrument zum Schneiden und zum Töten. Das Schächtmesser war das Symbol der Weltanschauung, es war das Zepter, mit dein das Judentum Machtwillen, Machtstreben und Machtbesitz bekundete. Das Schächtmesser besagte, daß der jüdisch-liberalistische Geist herrschte und die Macht hatte. Und über die Schächthöfc vollzog sich weiterhin auch die Ein- Wanderung ostjüdischer Schächter, mit denen die jüdische Rasse in Deutschland ihr Blut und damit ihr rassisches Denken und Handeln auffrischte...“ Der Verfasser berichtet dann über das Gesetz vom 24. April 1933 über das Schlachten von Tieren und bemerkt: ״Ein direktes Schachtverbot hat auch die nationalsozialistische Reichsregierung bisher nicht erlassen, wiewohl ein solches angezeigt wäre. Denn die zionistisch-völkischen Juden sind es, die das Schächten als rassisch-rituelle Handlung betrieben haben wollen und die, nachdem die SA. ihre Schächtmesser kassiert hatte, das Schächten wieder cinzuführen suchen.... Das grundsätzliche Verbot des Schächtens und das Verbot der Einfuhr von Schächtfleisch nach Deutschland wäre aus rassischen, kulturellen, weltanschaulichen und tierschützerischen Grund- Sätzen durchaus angezeigt.“ — Ohne auf diese Ausführungen einzugehen, sei nur bemerkt, daß die Erwähnung des Zionismus in diesem Zusammenhang völlig abwegig ist Judentum und Tabu. Im Dezemberheft der Londoner Zeitschrift ״Contemporary Review*“ veröffentlicht Julian Frankl yn einen Aufsatz ״Tabu and the Jews“. Der Verfasser führt aus, es gehe ein jüdisches Denken, das sich vom arischen unterscheide. ״Der jüdische Glaube ist mehr als eine Religion — er ist ein Lebenssystem, eng verwandt dem Tabusystcm der primitiven Stämme... Der jüdische Glaube ist wesentlich ein sittlicher Glaube.“ Franklyn stellt religionsethnologische Betrachtungen über das Schweinefleisch verbot an und vertritt die (wohl richtige) Auffassung, daß daraus nicht der Schluß gezogen werden könne, daß die Juden in prähistorischen Zeiten ״Leute des Schweinctotcms“ gewesen seien, sondern sie äßen dieses Fleisch nicht, weil sie das Tier eben als ״unrein“ betrachten. Auch die Beschneidung gehöre in diesen Zusammenhang; sie sei nicht rational zu erklären, sondern werde ״auf Geheiß Gottes“ geübt und aus keinem anderen Grund. Der Verfasser fährt dann fort: ״Das Gesagte sind wenige Punkte, in denen die Gesetze Israels und das Tabusvstem übereinstimmen; aber das wenige genügt, einen gemeinsamen Ursprung zu zeigen. Das Tabusystem wird bei den nichtarischen Stämmen Indiens, aber nicht unter den arisch sprechenden Völkern Indiens und Europas gefunden.“ Was aber bleibt nun, wenn das Tabusystem zerstört ist? Bei den Primitiven bedeutet das: Auslöschung ihres Seins. ״Bei den Juden ist es etwas anderes, weil sie das Leben ihres Wohnlandes — zusätzlich zu ihrem Tabuleben — führen.“ Der Autor macht sich dann selbst den naheliegenden Einwand, daß im Laufe der Emanzipation diese Bindungen so stark zerstört worden sind, daß seine Auffassung sich in der Gegenwart nur schwer rechtfertigen läßt. Eine Autwort vermag er auch nicht zu geben. Beim amerikanischen Publikum sind Anthologien und Saminelbände sehr beliebt. Soeben hat Leo W. Schwarz im Verlage Farrar & Reinhart in New York einen stattliehen Band von beinahe 800 Seiten herausgegeben, den er ״The Jewish Caravan“ benennt und der Erzählungen jüdischer Autoren aus dem jüdischen Leben von beinahe 3000 Jahren enthält. Die Sammlung soll die soziale Entwicklung und den Reichtum jüdischen Lebens während dieser ganzen Zeit darlegen. Der Satnnielband beginnt mit biblischen Erzählungen, bringt viel aus der Hagadah, aus der mittelalterlichen Welt, aus dein Chassidismus und endet mit einer reichen Auswahl aus dem hebräischen, jiddischen, deutsehen, französischen und englischen jüdischen Schrifttum der Gegenwart. Das Schicksal des Judentums in unseren Tagen in den Vereinigten Staaten, in der Sowjetunion und in Palästina wird besonders ausführlich geschildert. PALÄSTINA TONFILM Jerusalem Nächste Vorführungen in KÖNIGSBERG Sonntag, den 22. Dezember, 11.30 Uhr Montag, den 23. Dezember, 14 Uhr Sonntag, den 29. Dezember, 11.30 Uhr Scheuburg-Lichtspiele, Hagenstraße 23a Karten von RM. h— b's RM, 2, ת׳ו Vorverkauf bei Kahan & Pape, Vorst. Langgasse, Bazar zur Rose, Hufenaliee, und an der Kasse. 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