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Jüdische Rundschau · 1935-12-20 · Heft 102 (20.12.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 102 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 102, 20. XII. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 7 Harun Eine Erzählung von Lotte Baerwald, Jerusalem Bei meinen Nachbarn, den Konsulsleuten in Jerusalem, lerrschte große Verwirrung, als eines schönen Tages der Kawaß (d. h. Konsulatsdiener) mit der Wiener Köchin durchbrannte. Das Haus war voll Logierbesuch, und am nächsten Abena sollte ein diplomatischer Empfang stattfinden. Eine Köchin meldete sich glücklicherweise schnell — wo aber in der Geschwindigkeit einen Kawassen finden? Der Konsul setzte eine königliche Belohnung für den aus, der ihm den geeigneten Mann brächte, aber alle, die ihm vorgestellt wurden, taugten nichts. Am späten Abend, als die Läden in den Straßen geschlossen wurden, kam der schiefe Kaufmann aus dem Sjiezereigeschäft an der Ecke und sagte, sein Schwager, der Mann von de־ Schwester seiner Frau — das wäre der rechte Kawaß für den Herrn Konsul. Die Konsulin mochte den schiefen Kau.marm nicht leide!*. Seine Ware war nicht die beste, er wog schlecht und seine hübsche Frau und die beiden Kinder sa ■e;1 verschüchtert und oft verweint aus. Aber guter Rat war teuer, und das Entscheidende blieb, daß der Schwager — so versicherte der Kaufmann — genau die Figur des entlaufenen Kawassen hätte und gleich für den morgigen Empfangsabend in die kostbare goldgestickte Kawassen-Uniforin schlüpfen könnte. Am nächsten Morgen kam der Ersehnte. Er war ein Bagdader Jude, ein junger starker Bursche mit krausem schwarzem Haar und kugelrunden Schokoladen- Augen. Die Kawassen-Uniform sali wie angegossen. Er grinste vor Stolz über sein ganzes rotbackig׳s Pausgesicht, und die Frau Konsulin fand nichts an ihm auszusetzen. Von nun an hatte das Konsulat seinen guten Engel: Harun. Harun heizt und klopft Teppiche, er holt die Post, macht Botengänge, Bestellungen und Einkäufe mit bemerkenswerter Intelligenz, er bedient bei Tisch wie ein gelernter Kellner und spricht perfekt hebräisch, arabisch, englisch, deutsch, französisch und seit kurzem holländisch. Er verehrt und liebt den Herrn und die Frau Konsul und das junge Fräulein des Hauses wie Halbgötter, und nur manchmal dünkt er sich selbst ein Gott: wenn er bei offiziehen Gelegenheiten in seiner prächtigen Uniform mit Fe 1 und langem silbernem Türkensäbel vor seinem Konsul 11erschreitet. Wo der profanen Menge jeder Zugang versperrt ist, bahnt er stolz den Weg für sich und seinen Herrn, und der Anblick vom High Commissioncr, von Fürsten und Prinzen des Orients und Okzidents ist keinem vertrauter als Harun. Merkwürdig nur — Harun, der an allen Ereignissen im Konsulat den innigsten Anteil nimmt, er spricht niemals etwas über sein eigenes häusliches Leben. Man weiß nur, daß er sehr fromm und orthodox lebt und nichts im Hause der Herrschaft ißt; und einmal erzählte er, daß seine Fra 11 das fünfte Kind, eine Tochter, geboren hatte. Ein andermal sandte er einen Boten mit der Nachricht, sein Vater sei gestorben und er würde acht Tage nicht in den Dienst kommen. Als der Konsul ihm darauf einen Trauerbesuch machte, hockte Harun zwischen heulenden, betenden Männern und Frauen, selber heulend und betend auf dem Fußboden, seine Kleider zerrissen und sein rotbäckiges Gesicht mit Bartstoppeln gespickt. Nach acht Tagen erschien Harun wieder im Konsulat. Sein Bart begann sich schon zu kräuseln, und nach vier Wochen sah er aus wie ein wilder Mann, ln dieser ZHt waren gerade viel Tischgäste im Haus, und jedesmal, bevor die Gäste erschienen, beschwor Harun die Konsulin, ja den Eingeladencn mitzuteilen, daß er nur wegen der Trauer unrasiert sei. Als vier Wochen vergangen waren, spielte sich dann jene echt orientalische Szene ab, die unter Scpharden, Jemeniten und Persern noch allgemeiner Brauch ist: Harun spaziert auf der Straße und wird von seinen Freunder! überfallen, bedrängt und beschworen, seiner Trauer zu entsagen und endlieh — trotz seines Widerstandes — in einen Barbierladen geschleppt. Noch bis zum letzten Augenblick wehrt er sich und beteuert, daß er seinen Vater ewig betrauern wolle — da hat ihn der Barbier schon eingescift und unter Heulen und Jammern schabt er ihm das schwarze Lockengekräus«! vom Gesicht herunter. Am nächsten Tag ist Harun wieder rosig, frisch und strahlend im Konsulat — als rare nichts gewesen. So blieb er auch die nächsten Monate — freundlich, fröhlich, Hilfsbereit und schweigsam-aber dann kam er neulich, am 2. November, dem Balfour-Tage! und sein gutes Gesicht glänzte in so unwahrscheinlicher Freude, daß jeder sehen mußte — etwas Herrliches war geschehen! Und so war cs auch: seine Frau hatte ihm das sechste Kind, einen Sohn, geboren! Abraham sollte er heißen nach dein vor Jahresfrist versterbenen Großvater. Man stelle siel! eine europäische Familie in gleicher Lage vor: ein neumintD.wan/.igjähriger Familienvater, der mit dein Gehalt eines kleinen Subalteriibeamten Frau, fünf Kinder und die verwitwete Mutter zu ernähren hätte — — die Freude bei der Geburt des sechsten Kindes wäre wohl minder groß gewesen als bei Har!!!!. Harun aber lud seine Herrschaft zur Rrith ein, und Fest und Feier waren von unvergeßlicher Würde und Schönheit. Harun war Gastgeber und König, der gefeierte, bejubeite Mittelpunkt einer mit ihm feiernder!, jubelnden Gcincinde. Mit seinem Schwager, dem widerwärtigen Kaufmann, kam er den Ehrengästen, der Koitsulsfamilie, ein großes Stück Weges entgegen und führte sie durch Straßen mit niedrigen Häusern und vielen An- und Aufbauten ans Brettern und Wellblech, wie sich das eben In einem Armeiivierte! im Lauf der Zeit ansammclt. Dann!nachte er vor einem höheren Haus halt und geleitete seine Gäste eine gebrechliche Außenstieg« empor in «inen langgestreckten wciRgekalkten Raum. Einige Ocllampen hingen ein bißchen schief von der Decke herunter, und eine kleine mit Stoffen behängte Tribüne war an der Ostwand zwischen zwei schmalen Bogenfenstern aufgebaut. Das Ganze war die in Ihrer Kümmerlichkeit unendlich rührende Synagoge der armen persischen Gemeinde in Jen!-׳ salerri. Der Raum war überfüllt von heiteren aufgeregten Mensehen, die mit ihren dunklen Gesichtem und farbigen Kaftanen einem Bilderbuch von Tausend und einer Nacht entstiegen schienen. Die Frauen, besonders die alten, vielfach weiß und nonnenliaft verhüllt, saßen auf der Holzempore und preßt«!! ihre Oesichter mit den großen Augen und länglichen Nasen hart gegen das enge Gitter, damit ihnen nichts von dein Vorgang־ entgehe. Andere dagegen hatten sich in den Saal geschlichen und versuchten listig vorzudringen, wurden aber ohne viele Umstände immer wieder in den Hintergrund gestoßen — aus gutem Grund. Der Anblick des Blutes bei der Besclmeidung machte nämlich nach orientalischer Uebcrliefcrung sündenfrei, und die Männer der Gemeinde nehmen diesen Vorteil selbstverständlich für sieh in Anspruch. Der Konsul aber mit seinen Damen saß auf der Bimah, wo man alles am besten übersehen konnte: Harun im Gebetmantel wird von seiner Mutter, einer stattlichen Frau in brauner Seide, gesegnet, dann singt ein Mann, der als großer Sänger gilt, ein Freudenlied, in dessen Kehrreim die ganze Gcmeinde einstimmt, die Frauen mit jenen hohen Trillern im Diskant, wie sie auch hei den Mohammedanern üblich sind. Dann wird das prächtig ausgeputzte Neugeborene herein- DAS FERNE LAND . . . niedergeschrieben in ein Tagebuch am IS. Oktober 1918 Von Karl Darmstädter, Mannheim Boten des Lands am Meer kamen. Wir lauschten. Fühlten wir je, daft schwer Sehnsüchte rauschten? Weift! du, was Zukunft droht? Wecke die Mannen! Israels Schicksalsnot gilt es, zu bannen! .Grüftt uns der Väter Flur, grüftt Tal und Bergei Nehmt unsrer Treue Schwur und baut am Werkel' - — - Nimm mit dir Golfes W dich zu geleiten, IHM den geweihten Or! neu zu bereiten « , Sie kämpften Tag und Nacht. Nie war ein Müder, Sie hielten standhaft Wacht, heilige Hüter. IHM deiner Kinder Scher gläubig zu bringen, dafe, erlöst aus Gefahr, sie IHM lobsingen. Sie nur erlahmten nicht, kühn und stolz. Bauende. Wir sahen fernes Licht und blieben - Schauende . . . Daft sich unendlich mOhn die IHM Entfernten, entsagend in Wüsten ziehn. säen und ernten ־. . Glühende Liebe rtef. Wenige gingen, weil noch die Stunde schlief. Viele zu zwingen . . * * Boten des fernen Lands kommen . Ein Fragen hebt an: .Krönt neuer Glanz Mühsal und Wagen?' Da traf der Kriegsflut Schwall des Landes Ufer - da ward sein Widerhall warnender Rufer. Tönt wieder sphärenher gewaltig: ES WERDE? Quillt wieder reich und schwer Segen, der Erde?-- * Brandroter Trümmersdvein sprach zu dem Volke: Aufrichter sollst du seint Diene und folget Öde und Sumpf zerbrach. Völker ersiaunen. Stunde, die schlief, ward wach! Hört die Posaunen! Höre vom Väterland uralte Kunde: Volk, das sein Heim nie fand, nütze die Stunde! Wächter vom hohen Berg künden den Morgen. Segen wird deinem Werk, Volk, sei geborgen 1 Irdischem Blick verhüllt ist noch dein Morgen. Noch ist umwölkt dein Bild, Vielen verborgen. Spielt nicht am Bergesgrat goldenes Glühen? Israels Tränensaat keimt und wird blühen. Iiiii1i1i1iiiiii1iiiiiiii1iimmiiiiiiii1ii1imi1imii1iiiiiiniiiiimiiiiiiii!iiiiiiiiiiii!iiiiii!niiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiii1iiiiii!i1iii[iiiiii getragen, gefolgt von einigen ehrwürdigen Männern in Tnrban und buntem Kaftan. Einer von diesen Alten nimmt auf der Bimah die Beschneidung vor. Als das Blut fließt und der Säugling schreit, bricht die Gemeinde in Jubei aus, und ein alter hoher Mann im mattlila Gewand und schwarzem Turban führt händeklatschcnd und singend mit dem glückliehen Vater Harun im Mittelpunkt des Bethauses einen Tanz auf, der mit Händeklatschen und Singen von der Gemeinde begleitet wird. Harun läuft der Schweiß über das Gesicht. Er singt und jubelt und tanzt — und dann besinnt er sich auf seine Wirtspflichteii. Er nimmt die Glückwünsche seiner Herrschaft entgegen und küßt ihr — nicht etwa wie ein Diener, sondern wie ein Grandseigneur seinem Fürsten, die Hände. Unter Jubel und Händeklatschen setzt sich der Festzug endlich in Bewegung. Der Säugling wird vorangetragen. Harun folgt mit der Konsulsfamilie und hinterher die Gemeinde. Wo der Zug vorbeikommt, öffnen sich Fenster und Türen und die bekannten Freudentriller erklingen — bis die Wohnung Haruns erreicht ist. Die Wohnung besteht aus einem winzigen Vorraum und einem Zimmer, in dem drei Betten, ein Schrank und ein Tisch steht, der unter der Last von Torten und Süßigkeiten fast zusamunenbricht. Harun bat an nichts gespart! Die junge Frau, den Säugling an der Brust, empfängt in ihrem liochgetürmtcn Bett mit stiller Würde die Iwcindrängenden (niste. Harun stellt seine Kinder vor: den zwölfjährigen Mordechai, die zehnjährige Simeha, den achtjährigen Esra, den fünfjährigen Mosche und die zweijährige Zipora — lauter prächtige kleine Haruns - d. I1. man weiß nicht, ob sie nicht der Mutter gleichen, denn sie hat dieselben kugclrunden leuchtenden Augen und die gleichen roten Backen wie ihr Mann. Harun und sein schiefer Schwager reichen Süßigkeiten und Erfrischungen herum und nötigen die Gäste zum Zu- FWI GIAITIACHAIT Zt RIÜRHIRIWiH IRT- SeuAni.lCHF.R INTERESSEN VON IN DFITMHFAN» WOHNHAFTEN 0»FH WOIINHUT GEWESENEN Jl'DEN M.B.II. In Ziisammeiittrbeit mit den zentralen jttdlselien Orgaiiisationen In Deutschland UNSERE NEUEN GESCHÄFTSRÄUME BEFINDEN SICH BERUN W15 KURFÜRSTEN DAMM 214 TFF.: II BISMARCK J78S/J7H9 /׳ TELEGR. 1 lNTERESStNHII.1T SPRECHSTUNDEN: MONTAG BIS FREITAG 1012־ UHR (NCR NACH VORHERIGER ANVFELDCNG) Unser neuer Romans »Die letzte Station״ Von LEO IIIII SC II In der nächsten Nummer beginne״ wir mit dem Abdruck unserer neuen Roinanbeilage ״Die letzte Station“ von I< eo Hirsch. In dieser spannenden Erzählung schildert der Autor das Vor- und das Nachspiel einer Auswanderung. Ein Jude verlaßt Deulsrliland, Kiez Israel ist sein Ziel, und ein kleiner Ort in der ehemaligen Provinz Posen ist die letzte Station der Reise in ein neues Leben. Von dieser Station, die nach dem Kriege polnisch geworden ist, war der ,.Held“ vier Novelle damals nach Deutsch-!and ansgevvandert wie nahezu alle seine nicht[)(ilnischcn Landsleute, und nun, Ihu seiner zweiten Auswanderung, von Deutschland nach Palästina, findet er von den Juden, die, das Städtchen bevölkerten, kaum mehr als Erinnertingen und Gräber vor. Noch einmal und wie zur Spiegelung seiner letzten Ausfahrt erlebt er in der allen verlorenen Heimal das frühe und von den Wirren jener ersten Nachkriegsjalire getrübte Abenteuer seines Herzens und seinen ersten Judenschmerz wieder, und wie zum Ausgleich vergangener tragischer Schuld begegnen ilmi in ihrer neugewonnenen Lebensform die unvergessenen Figuren zu erneutem, nun aber versöhnlich sicli lösendem Konflikt — wie entschwebende Schatten auf dem sieh lichtenden (irund eines von vorn beginnenden Daseins. ׳ mn iiiiimiiiiuuimiihi 11111,1 .............1:1 .. Juden und Christen Hin französisili-katliolisdhcs Rudi Oscar de Ferenzy, Les Juifs, et nous Clireticns. Priface du T. R. V. Devaux Siipericur General des I’retics-Missioiiiiaires de Notre Dame de Sion, Paris, Flaumiarion l'LSä. Das Huck! 1' c r e n z y s ist ein kailioii •dies Buch. Das Buch eines Mannes, der tieI in der gesehlo-senen Wr!tansehau- 1mg des Katholizismus vcrwui/elt i-t und der aus ihr heraus zu dem jüdischen Problem Stellung nimmt. Das Judentum ist ihm vor allem das Volk des Altem l'e tamentes ,,In patrie de nos;'mies־' (S. 55). Aus dieser Liiisteilung heraus fühlt Ferenzv vor allem seine Verbundenheit mit dem religiösen Judentum und steht einer ״laizistischen" Bewegung' wie dem Zionismus fremd gegenüber. Wie er wanne Worte für das religiöse Judentum li.idct, so sieht er 111 der Losung großer Teile des jüdischen Vo.kcs von der Lehre der Ifihel die Ursache ihres Unglückes. Ls ist vor allem die jüdische Lehre und ihre Anhänger, die Fcreu/.y, der erbitterte üeg- 11 er der Freimaurer und Freidenker, gegen ihre Feinde verleidigen will. Er zeigt in seinem Buch die Unsachlicllkeit der Angriffe gegen den I almud, dessen sittliche und moralische Höhe er unterstreicht. Es Kt besonders aneikenneuswert, daß Ferenzy selbst in den l allen, in denen er Juden im antireligiösen Lager sieht, diese Erscheinungen aus der unglücklichen Lage und Geschichte der Juden zu erklären versucht. Ferenzy beschönigt auf der anderen Seife nichts mul er erspart den Juden keine Kritik, zu der ihm der Materialismus und der Rationalismus manclicr Juden _ Anlaß gibt. Um der ״christlichen Gerechtigkeit willen“ wird Fercnzys Buch jedoch auch den Juden gerecht. Vom Standpunkt der jüdischen Nationalbcvveguiiß aus, die in diesem Werk nur eine Nebenrolle spielt, ist bemerkenswert, wie energisch sich Ferenzy, ein angesehener Vorkämpfer der christlichen Lehre, gegen Frcidenkcrtum^ und revolutionären Geist in Frankreich, gegen den Vorwurf, ein ״Judenknecht“ zu sein, verteidigen uiuii. Ferenzv zitiert eine große Anzahl von Briefen, die ihm fromme Katholiken, selbst katholische Priester, gesandt haben, und die eine scharf antisemitische Note aufweisen. Diese Auseinandersetzung zcigl, wie tief der Antisemitismus in fran/ödsehen konservativen Kreis«!! verwurzelt ist. K. Eine jüdische Kinderfibcl. Dem fühlbaren Mangel an geeigneten l mterrichtshiiclicrii für die jüdische Schule kann erst allmählich abgehoben werden. Soeben ist eine F i b e I erschienen, im Aufträge des Jüdisdieii 1 ehrer-Verbandes in Deutschland, von Ulli Marx beaibeitct, mit Bildern von Otto Schloß und Walter ller/berg (Verlag Rudolf Schick K Co., Feig׳';;', die einen ersten Versuch darsiellt, im Llcmcntar-l hiferricht die Dinge der nächsten Umgehung 'des Kindes, die ja dem kindlichen Erleben zunächst entgegentreten, mit jüdischen Motiven zu kombinieren. Uns scheint dieser Versuch sehr gut gelungen. I )!c Fibel ist auch i!1 ihrem Aeußern überaus geschmackvoll nnsgeslnitct, Fs ist rin Zeichen der Z.eit, daß die Beziehung zu Palästina wie selbstverständlich hervortritt, und zwar nicht mir die historische, sondern die aktuelle, die sieh daraus ergibt, daß ״die Tante aus Jerusalem״ geschrieben hat. Dies ist gewiß ein neues Element der Fr/ielimig jüdischer Kinder. Natürlich sind biblische Motive sowie die ie-ttage entsprechend verarbeitet. Wir hoffen, daß das Erscheinen dieses Buches bald zu einer Fortsetzung ennuflgeii wird. Ein hebräisches Quartett von Raliel Rufi! S i 11 a s o 11 n ist soeben erschienen. Das Spiel Aiclinct sieh dadurch ans, daß nicht auf jedem Blatt die vier zu einem Quartett gehörenden Namen gedruckt sind. Auf diese Weise soll das Kind beim Spiel nach den! Biklzcichcn fragen, um bald die zu einem Quartett gehörenden X'ameil auswendig zu lernen und zu erfragen. Das Ziel des Spieles ist, daß das Kind die hebräischen Namen, die für das Quartett benutzt sind (Feiertage, biblische Orte, Personen usvv.), beherrschen lernt. Mark Twain ״Die Abenteuer des Toni Sawyer und Huckleberry Finn“, dieses entzückende Kinderbuch, ist in einer neuen deutschen Ucbersetzung in einer sehr netten Ausgabe als dicker Band von 500 Seiten vom Verlag Williams ft Co. (Berlin) licrausgegeben worden. Mark Twain, dessen 100. Geburtstag erst kürzlich gefeiert wurde, nannte sich einmal den ״amerikanischen Scholcm Alecliem‘‘; sein Humor ist naiv und packend, und Kinder aller Nationen! werden ihn lieben. Walter Trier hat das Buch voll Laune und Geschmack illustriert. greifen, und kein Lord kann die Honneurs seines Hauses mit greäßerem Stolz vertreten als der junge strahlende Bagdader Jude in seinem engen, mit Menschen vollgepfropften Zimmer. Dann begleitet er seine Ehrengäste auf den Heimweg. Der widerwärtige Kaufmann will sich wichtig machen und spottet über den Kinderreichtum seines Schwagers; er sei klüger, er hätte mit zweien genug. Harun lacht sein gutes Kinderlachen. So Gott will, bekommt er noch viele Kinder, sagt er, und den kleinen Ahraham überhaupt, den hätte Gott ihm gesandt als Trost für den verstorbenen Vater — der Name des Herrn sei gelobt! (Diese Erzählung ist Herrn und Frau Fan t'riesland in Freund* srhaft zugeeignet — Jerusalem, Aon. 1935, Lotte Baerwald)

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