Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 102 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seife 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 102, 20. XII. 1935 Ein jiddischer Text Wir gehen unseren Lesern heute eine Leseprobe aus einem jiddischen Originaltext, in lateinischer Schrift trän• skribiert. Wir glauben, daß cs für viele von Interesse sein wird, auf diese W'vise durch Sei bst-Tätig 11 eit in die Volkssprache der jüdischen Massen einzudringen. (Red.) Der Pfennig ל> Von S. I. Agnon Die Geschichte eines Armen, der mrj Schabbat-Abend aus dem Bethause in seit! Haus zuriickkelirte und am Weg einen Pfennig sah: Es sprach der Arme: ״Wie günstig ist die Stunde diesem Menschen! Aber was soll icli tun; heute ist Schahbat, und ich darf ihn nicht aufheben. Würde ich ihn vor dem Dunkeln gefunden haben, so hätte ich mir dafür zwei, drei Rosinen gekauft und Weit] zum Kiddusch gemacht, oder ich hätte mir Weizenbrot gekauft, oder sonst etwas, um den Schabhat damit zu ergötzen.“ Er ging nach Hause und empfing den Schabbat ohne Wein und ohne Weizenbrot und ohne sonst etwas, zum Ergötzen, und machte den Kiddusch über Schwarzbrot. Am Morgen, als er in das Betliaus ging, sagte jener Arme: ״Ich werde gehen und ihn besehen. Wenn nicht einer von jenen, die nichts vorn Schabhat wissen, auf ihn geschaut hat und ihn genommen hat, werde ich ihn an seiner Stelle finden.“ Als er dorthin kam, sah er, daß es nicht ein Kupferpfennig war, sondern eine Münze aus Silber. Es sprach der Arme: ״Was hat der Mensch für Glück über Glück; er glaubte, einen Pfennig zu finden und fand ein Silberstück. Mit großer Versuchung versucht mich der Heilige (gepriesen sei Er).“ Hob seine Füße und ging ins Bethaus. Nach dem Gebet sprach der Arme: ,Jetzt werde ich ihn nicht mehr finden. Viele sind an ihm vorheigegangen, und viele haben ihn gesehen. Ist es möglich, daß sie nicht auf ihn geschaut haben, und ilni nicht genommen haben? Jedenfalls werde ich hingehen; wenn sie ihn nicht genommen haben, werde ich sehen, 011 er wirklich aus Silber ist, und wenn sie ihn genommen haben, werde ich von verbotenen Gedanken befreit werden und nicht mehr an ihn denken.“ Ais er dorthin kam, fand er ihn an seiner Stelle liegen, erade so, wie er gestern abend gelegen hatte und wie er am borgen gelegen hatte; aber gestern war er ans Kupfer und am Morgen war er aus Silber. Und jetzt, wahrhaftig!, ist er aus Gold. Wenn dies nicht ein Werk der Zauberei ist, so ist es ein Werk der Sonne, Die Miltagsonne beleuchtet die Münze, titui sic sieht aus wie Gold. Jedenfalls, wenn sic auch nicht aus Gold ist, aus Silber ist sie sicher. Da sann der Anne in seinem Herzen, wieviel Sachen man für diese Münze kaufen könnte. ״Ich brauche sie nttr auf zuheben — plötzlich sind alle Freuden der Welt in meiner Hand: Weißbrot und ein Tropfen liranntweiii und Hering und all die andern guten Sachen, mit «,lenen man Ergötzen schatten kann für den Sehn bhat und für den Körper (es sei geschieden zwischen ihnen).“ Es bückte sich der Arme, einmal und zweimal, aber die Schabllat-!hircht war über ihm, und er kehrte in sein Haus zurück, mit leeren 1!finden. Piim Miinlia ging־׳ er nicht zu der Atün/e, Er sprach in seinem Herzen: ,,Wer weiß, ob ich mein ein Trub widerstehe. Am Schabbal, wo alle Läden geschlossen sind, da konnte ich dem Trieb widerstehen, anders jetzt, heim Mincba. In noch einer Stunde macht man die l.ädcn auf, mul die Düfte von Essen und Trinken steigen von ihnen auf in die Nase des Menschen. Ich habe Angst; vielleicht werde ich nicht widerstehen,“ Aber manchmal ist der Trieb im Menschen hartnäckiger als der Mensch. Er redet aul seinen Trieb ein, und der Trieb redet ihm entgegen. Der sagte zu ihm: ״Sage ich dir denn,׳ du sollst sic in die Hand nehmen, aber wenn man sie mit dem Fuß wegschiebt und sic beiseite rückt, oder einen Stein über sie stiilpi, damit nicht irgendeiner kommt und sie nimmt....“ Als er das Minclia-Gchet beendet hatte, bedachte er sich und ging zu der Stelle. Sehen ist keine Sünde. Es war die Zeit der Dämmerung. Die Sonne war im Scheiden und cs gingen goldene Strahlen von ihr aus. Als der Arme zu der Münze kam, fand er sie an ihrer Stelle liegen, und es war nicht eine Münze, sondern viele Münzen waren es. Vielleicht nicht wirkliche Münzen; möglich, daß jene Münze auf ihre Umgebung misstraute, wie es die Art einer Münze ist, die in den: -Müll fällt, und der ganze Müll glanzt von ihr. Jedenfalls, jene Münze war von Gold. Wenn sich der Arme huckte mul sie nähme, so konnte er sich zwei oder drei Wochen ernähren. Was sind denn alle Bedürfnisse eines Armen; mit einem Cioki-I )inar kannst du ihn viele Wochen erhalt di. Es sagte der Arme: ״Wir gut für mich, daß mein Haus leer ist mul ich von der dritten Mahl/dt befreit hin. Nun habe ich Zeit, hier zu stehen und die Münze zu betrachten. Ein Dummkopf war der, der s.ine Mim zeit in den Müll legte. Glaubt er denn, daß sic wachsen werden und Früchte bringen? Ich an seiner Stelle bitte sie an meinem 1 ler/en verwahrt, und immer, wenn meine Frau und meine Kinder <twac zu essen verlangten, würde ich ihnen sagen: ,Vielfraße, die ihr seid, zu essen wollt ihr?' Gleich würde ich einen Golddinar nehmen und irr 11 1;׳׳ laden gelmn. Es komme dies und das über mich, wenn er sich beim ,Modimgebct‘ so gcbückt hat, wie er sich vor mir hucken wurde.“ Noch ehe der Amte seinen Körper so nach unten gedrückt hatte, wie es die Art der 1 lämlier ist, wem! sie eine Goldmünze schien, kam es ihm in den Sinn, ob dies nicht ein Teufclswerk sei, daß der Satan ihm die Geldstücke llingelegt hätte-, um ihn in Versuchung! zu fuhren. Gleich lichtete er sich! in den Hutten auf und sagte; ״Schäker, der du bist! Steht im Mull und treibt seinen Spott mit einem Juden, Er brauch* nicht ni luten und fiat Zelt für Dummbeiten; aber ich 1111115 711 Aheml beten und habe keinen Sinn für solche Spöttereien?‘ Gleich riß er sich von seinem Platz. Jos und lief in das Betliaus. Nach dein Abendgebet hatte er schon gar keine Lust mehr, auf diese *Münzen zu schauen. Er sagte: ״Genug, daß sie mich den ganzen Tag /■uni besten hatten.“ Als er seine Augen von ihnen abkehrte,!!linkten sic ihm zu wie Golddinare, die funkeln. Als er dies sah, sagte er zu sich selber: ״Jetzt, wo der heilige Schalbat aus ist, will ich sehen, was 50 sehr glänzt.“ Er bückte sich und sah, was kein Auge sieht, und was keine Hand zählt. Er streckte seine 1!and aus und warf alle Dinare in seine Taschen, bis seine Taschen davon voll waren. Vielleicht waren seine Taschen Mein — keineswegs, sondern groß waren sic; vielleicht waren die Dinare!eicht — komm nur und sich, was er für einen Dinar kaufte: Wein Ende dieses Monats feiert die Judenheft den 100. GEBURTSTAG des ״Groflvatcrs" der neuen heb!■• Literatur MENDELE MOCHER S/PORIM Die ״Jüdische Rundschau“ bringt in der nächsten Hummer eine illustrierte Sonderbeilage, die dem Diditer gewidmet ist I 8—für Treppen, Läden, IW1 Zimmer und KOchen I lanejrojs halolu Von Jizchok Lejbusch Perez ״Shidowski prasdnik!“1) macht der kutscher un git a fajf, un di ferd, was hotten gerechent sich opzuschtclcn ba| der jidi scher krctsclune־), flien wajter, wi fajl fun bojgen glitscht sich der schüfen ibern frischgcfaienem schnej... Der general — fun die kantonisten1) — hot ejeh bemerkt dos ejnzige flctnel, wos hot arausgekukt fun der farfrojxener schaub durch dos Icchel, wos es hot sich alejn ufgetaut. ״Wos far a jontew is es?״, tracht er. Er wi! sich dermanen nemen fun idische jomim-tejwim. ״Purim“, — dermant er sich. Wos is asejns ״Purim“? Er dermartt sich: safrati... a reach fun safran... bajm fisch sizt a fremder id mit a rejte fatschejlc1) in band, in der fatschejle is do kupern un silbern geld ... er wil noch ... er derzejlt epes a majsse... kranke kinder... kirnpetorin»)... zi an agune...8). Mer gedenkt er nisclit. Er bot geliert fun purimschpiler, nor gesen hot er sej ntscht; er flegt cinschlofcn, ejder di purimschpiler selten gekumen zu sej ... in ek sclitot hoben sej gewojnt... efscher hot er amol gesen un fargessen... zu morgens flegt men arausgejm af sehtelzcn in gass ... er hot mejre gehat: tnen ken aropfalcn — es flegt ihm kalt wern arum harz un dem kop fardrejn... Dem id mit der fatschejle gedenkt er... a schwarzer id, er flegt rcjden un schprizen mit tabak fun der nos... fui! Un dcrnoch wos gejt? Dacht sich em: pcssach ... Wos is pcssach?... Etj, in der ״hcjligcr gcschichte“schtejt ... mizraim ... jarden... wejsst er?... Er gedenkt di mutcr, wi sie puzt un rajbt di klamke7) fun tir ... dikc tropen schwejss rinen ihr fun ponim ... Dcrnoch: mazes! — Es werd ein warm arum alten harz! ״Zi benitzcn sej dem! Mut, zi ncjn?“ Er hot kejnmol in ilerheiin fun blut nit geliert... dort sogt men ober af sicher ... i!1 onhejlr) 110t er sich geschpart5) ...a/uiid10) vvejss er schejn alejn ißt... a kasche af asejne lajt! Nor schejn glas is gewen bajm tisch ... ejn becher in ek tisch, a grejssser, mit rejte btlder... Epes af a gast hat men gewart. Zi is er gekumeii? — er gedenkt schojn nit. für die Havdole und Weizenbrot und Hering und alle übrigen Dinge, die dem Leib gut und der Seele nicht schlecht tun, und dann blieb von dem Dinar noch Restgeld in seiner Hand. Er kehrte fröhlich in sein Haus zurück. Bis er sang: ״Es war ein frommer Manu“ hatte die Frau einen vollen Tisch für ihn gerichtet. Er wusch seine Eliinde, und er und seine Hausgenossen setzten sich hin, um zu speisen, und sie taten jenem Km'khlein Lus wohl, das von nichts Geruiß hat, als nur van der vierten Schabhat-Mahlzeit, und auch der übrige Körper genoß. (Das Knöchicin Lus ist ein Wirbelknochcn, der bestehen bleibt, wenn der ganze übrige Körper zerfällt und um den sich der Mensch beim Ruf des Messias neu bilden wird.) Von jetzt an und 1'n •Zukunft entbehrte der Schabbat nichts. Auch er und sein Haus entbehrten nichts. Weil er einen Schabbat der Armut wahrte, ward ihm gegeben, viele Schabbate des Reichtums zu wahren. Ueberseizt von Mar ff. Turnowsky-Ptnner .... 1 ..111111111.... Erez!Israel In wehe ,Worte warst Du gebannt. Als Ich Dich ln alten Gebeten fand. Du alles Land. Nun hal midi die Sehnsucht nach Dir entsandt. Und was mich liebend an Dich band. Erkennt, dafe Ich Dich nicht gekannt, Du altes Land. Ich halle In TrSumen Didi erschaut: Die Erde blutet, der Himmel blaut — Jetzt hal Dein Atem den Pulsschlag gestaut. Die Erde ruft, das Blul erbaut, Die Erde dursiet, der Himmel taut, h hab' erschauernd Dldi erschaut. )er Himmel ist hoch die Erde ist helfe. Ihr Fordern Ist Schweife. Ihr Dünger Ist Schweife Aus zähem Mühn wächst des Segens Reis, Wächst aus der erstarkten, schwieligen Hand Auf altem Boden das junge Land. Jerusalem, Kislev 5696 Ge non i/ern וווווווווווווווו1ווו1וווווווווווווווווווווווווווו!1ווווווו!וווווווווווווו1ווווווו»ווווווווווווווו!וווו1ו11ו1ו1ו1ו11ח!ווו1ווו1ווווו1וווו11וו1)11וווו!וו1ו1ווו!וו Bild und Tempel. In der ״Internationalen Kunstweit“, die Adolph Donatli herausgibt, berichtet im NovembcrhtH Gusti Perl mann (T el-Awiw) über die Ausgrahungen Professor Sukeniks in Palästina, und zwar speziell über die Aufdeckung der Synagoge von Beth-Alpha. Die Dar- Stellungen aut dem Mosaikfußboden werden genau besclirieben um! zum Schluß heißt es: ,,Die Gelehrten suchten lange Zeit nach einer Erklärung, warum die ausgegrabenen Synagogen, trotz der strengen kultischen Vorschriften und trotz, des ausdrücklichen Verbots, Menschen und Tiere darzustellen, oft bildliche Darstellungen von Lebewesen aufwiesen. In einer alten Handschrift des Jerusalemer Talmud tand erst vor kurzem Professor Epstein (Jerusalem) eine Stelle, nach der Rabbi Abbun der Alte im dritten Jahrhundert nach (Öhristi Ausnahmen vom Verbot der bildlichen Darstellung gestattet hat, doch nur mit der Beschränkung lür Begebenheitert aus der biblischen Geschichte und nur in Synagogen. Diese Erlaubnis wurde erst im sechsten Jahrhundert n. Chr. wieder aufgehoben, so daß alle ausgegrabenen Synagogen, die bildliche Darstellungen von Menschen und Tieren aufweisen, in diesen Zeitraum fallen.“ Anschläge kostenlos la Refer. / Gegr. 1392 Dcrnoch gejt a griner jontew... wi asej sej rufen es, wejsst er nit... epes puter-gebek, kawe... di rosinkes, wos er flegt arausnaschen, gedenkt er... Epes a kurzer jontew... er gedenkt nor, as dem jontew flegt der foter schlofen schpet in tog arajn... far wos? wejsst er schojn nit. Dernoch gehen ״kutschki“11) — dos alt maul farkrimt sich em mit a chejsik-sclimejdiePJ ״a idische datsclie13) afn hojf, baj di ... baj di ... fui!“ Er gedenkt noch, epes a frucht flegt tuen halten, a zitrem zi an eppel ... a besemel1*) in der band... un dcrnoch hot men di ächtender geschmissen... rejne gezendiner! Aha, dernoch fener!'=>)... Er falt arajn in andre gedanken: sajn erschtcr trit aruf af der lajjter 1s gewen a fon... sewastopol! Er git!lischt di fon ... a fass briht, er halt! A hand hejbt 011 breneii — er chapt di fon in der linker hand arajn. .. er falt af der fon, drikt si zu mitn bojeh, men ken si nit farncincn, er bekamt a schtoch, falt ergez Ln scheol tachtije16)... un — chapt sich uf in schpital... Dem erschten krajz bekumen! Dem kutschers rufen wekt ihm. Men fort schojn langsam durch a lange gass in a sehtetel... in bejde sajtea fenster kuken araus flemlech ... sej zitern wi far schrek ... Fu!1 a hajscl gejt imez araus un singt sich iber: ״hanej* rojs halolu ...“ ״Hanejrojs halolu...“ Jo, asej mus er hejssen, der Jontew: hanejrojs halolu ... Der weg wert zurik glat, die ferd rajssen sich wi tajwo• lim17), der general fartracht sich gor olui gedanken. (Kürzung, Transkription und Fußnoten von Dr. Rabinomtz, Leipzig) J) Jüdischer Feierlag. s) Wirtshaus. 3) Jüdische Knaben, die unter Nikolaus I. den Eber״ entrüo-ii. oft auch gewaltsam getauft wurden. *) Schnupftuch. ’■>) Wöchnerin (Kindheiterin). *) Frau, deren Mann s-cr.ilmllen ist und die nicht wieder heiraten darf, 7) Klinke 8) Im Anl.mg.!l) Oe.,]!errt, gewehrt. 1(>) Jetzt. 1'j Hüllen. ls) Spott-Lächeln. la) Villa. ״) Kleiner Besen. 15) Fahnen. 16) Schwarzer Abgrund. 17) Teufel. Chanukkah in arabischer Beleuchtung Von Dr. Walter Fische! (Jerusalem) Der berühmte arabische Schriftsteller des 10. Jahrhunderts, al-Biruni, hat in einem den jüdischen Fest- und Fasttagen gewidmeten Kapitel seines Hauptwerkes ״Chronologie der alten Völker“ eine Reihe merkwürdiger Legenden mitgctcilt, die dazu dienen sollten, den Ursprung der jewciligen jüdischen Festtage zu motivieren. Die von ihm ־vorgebrachtc Purimlcgende wurde an dieser Stelle (15, 3. 1035) bereits mitgeteilt. Es dürfte nicht uninteressant sein, zu erfahren, wie al-Biruni den Ursprung des Chanukka 11 festes darstellt. 25״. Kislew — Beginn von Chanukkah, das Fest der Reinigung. Es dauert acht Tage und die Juden zünden während dieser Zeit an der Tür der Vorhalle (Ihrer Häuser) Lichter an. Für jeden Bewohner des Hauses wird ein Licht in der ersten Nacht, zwei Lichter in der zweiten Nacht usw. angeziiiidet, bis schließlich acht Lichter in der achten Nacht brennen. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, daß sie ihren Dank für die Reinigung und Heiligung des Tempels Gott gegenüber von Tag zu Tag erhöhen. Der Ursprung dieses Festes ist folgender: Antiochus, König der Griechen, hatte die Juden lange Zeit verfolgt und unterdrückt. Die jüdischen Mädchen pflegte er vor ihrer Heirat in einem unterirdischen Gewölbe zu vergewaltigen. Von diesem Gewölbe führten zwei Seile nach oben, an deren Enden Glocken befestigt waren. Wenn der Tyrann die rechte Glocke läutete, wurde ihm eine Frau zugeführt, und wenn er die linke Glocke zog, wurde sie wieder herausgeführt. Nun hatte ein Jude acht Söhne und eine Tochter; diese Tochter war verlobt, und als der Bräutigam sie heiraten wollte, sagte der Vater der Braut: ״Gib mir Bedenkzeit, denn ich stelle hier vor zwei Entscheidungen. Wenn ich dir meine Tochter zur Frau gehe, wird sie durch den verfluchten Tyrann entehrt werden und kann nicht mehr deine recht* mäßige Frau sein. Wenn sie sich dem Tyrann nicht unterwirft, dann werde ich durch ihn zugrunde gehen.“ Der Vater machte seinen Söhnen darob große Vorwürfe, die sehr verärgert wurden. Der Jüngste unter ihnen sprang auf, zog sich Frauenklei( lang an, verbarg einen Dolch in seinen Kleidern und ging an das Tor des königlichen Palastes und benahm sich wie eine unzüchtige Frau. Als nun der Tyrann die rechte Glocke läutete, wurde er ihm zugefiihrt, und als er mit ihm allein war, tötete er ihn und schlug ihm dem Kopf ab. Er zog dann die linke Glocke, verbarg den Kopf irgendwie und wurde wieder hcrausgelasscn. Deshalb feiern die Juden das Fest an diesem und den folgenden Tagen, entsprechend der Zahl der Brüder dieses Jungen.“‘ Diese Legende, in der offenbar Motive der Judith-Geschichte mit der Erzählung von Hanna und ihren Söhnen vermischt sind, wird in ähnlicher Form auch von arabischen Historikern des 14. Jahrhunderts tradiert. Ein Bilder-Alef-Beth. Hermann Fechenbaeh hat soeben in! Schockcn-Verlag ein ganz reizendes Buch für Kinder erscheinen lassen, und zwar ein hebräisches Bilder- Alef-Beth. Das Buch enthält für jeden Buchstaben des hebräischen Alphabels eine Bilderseite mit der Abbildung eines Tieres, dessen Anfangsbuchstabe mit dem betreffenden Buchstaben des Alphabets übereinstimmt. Die Bilder sind von Fechenbaeh leicht koloriert. In einer besonderen Mappe sind die Bilder als Umrißzciehnungen nochmals lose beigegeben, so daß die Kinder sie nun selbst farbig ausmalen oder auch durchpausen können. Die Bilder können auch als Vorlage für Aussagen in Holz oder Nachformung in Tonerde dienen. So ist dieses Bilderbuch zugleich eine vielseitige Anregung für Zeichenarbeit wie ein einfaches Mittel zur Erlernung des hebräischen Alphabets und einer großen Reihe von hebräischen Tiernamen. Es wird den Kindern nicht weniger Spaß machen als ihren Eltern und Lehrern, die sich an ihren Fortschritten erfreuen. Die schöne Ausstattung des Bandes verdient besonders hervorgehoben zu werden. -n. Großes Lager in Cocos-, I ■v84■ Mamtiardstr. 19 früher• MUnzelr. 17