Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 102 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 102, 20. XII. 1935 JOD ISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Chanukkah - Blatt Das Chanukkah-Licht Stimme des Volkes Als endlich der Tempel zu Jerusalem von den heidnischen Greueln wieder gereinigt war und die heiligen Lampen darin vor» dem letzten Kriiglein Oel nun schon ein paar Tage braunten, da lief das Volk zusammen, um das Wunder zu schauen. Aber die da standen und starrten und staunten, waren nicht eines Sinnes und Glaubens. Solche waren darunter, die da sagten: ״Wenn man sparsam ist, wie lange kann ein einziges Kräglcin Oel reichen!“ Andere legten einen Finger an die Nase und meinten aus scheinbar tiefem Nachdenken: ״Wenn das Oel gut ist, gibt es sich nur tropfenweise an die Flamme hin. Denn jedes Ding und Wesen, das gut ist, hält auf sich." Und wieder andere sahen zweifelnd in das flackernde Licht, blinzelten und flüsterten den Nachbarn ins Ohr: ״Wir wollen bleiben und warten, bis die Lichter erlöschen. Es kann ja nicht mehr lange dauern. Denn wo kein Oel, da kein Licht.“ Nur die wenigsten standen stumm vor dem Wunder und wußten, ohne daß sie es Wort werden ließen: ״Nicht das Oel macht die Flamme, sondern der Glaube.. .״ Der Oclhändlcr Auch einen Oelhändler trieb es täglich mehrere Male in den Tempel vor die Lichter, da er ja in seinem Laden kein Tröpfchen zu verkaufen hatte. Er rang verzweifelt die Hände und knurrte: ״Wer wird künftig noch viel Oel kaufen, wenn eine Neige davon so lange vorhält? Ich fürchte, wir werden eine schlechte Konjunktur in Oel bekommen.“ Und einer seiner früheren Kunden, ein Gerber, stieß ihn unsanft an und schalt: ״Hast du mir, du Betrüger, je solches Oel verkauft? Gottlose Ware hast du mir geliefert, da du selbst gottlos bist.“ Der Böse Am achten Tage, da das Licht im Tempel aus Gottes Gnade brannte, stand einer davor, wie gerade die Priester Oel herbeibrachten, das eben von geheiligten Händen hergestellt worden war. Der Mann sah mit verkniffenen Augen zu, wie die Diener des Herrn, betend und vor Freude weinend, das frische Oel ausgossen in die Schalen und begann zu schimpfen: ״Warum greift ihr dem Allmächtigen vor, ihr Dummköpfe? Braucht er euer Oel? Man hätte abwarten sollen, wie lange das Wunder noch währen wird. Ihr habt kein Gottvertrauen. Euer Oel stinkt zuin Himmel.“ Ein Tempcldicner wollte Hand an den frechen Schreier legen — da war er verschwunden. Es ist Armilus, der Ver- Sucher in eigener Person, gewesen. Die Kinder Vor dem Tempel trieben spielende Kinder ihr Wesen, Sie waren ausgelassen, klatschten in die Hämie und riefen in einem fort: ״Seht, seht, wie der Allmächtige das Licht immer größer und heller brennen läßt! Es leuchtet bis hierher auf die Straße und hoch in die Luft hinauf.“ Dabei hoben sie ihre Augen und guckten in die Höhe, wo kein Licht war. Aber sic sahen es dennoch und glaubten daran, trotzdem sie die Lampen im Tempel, die durch das Wunder Gottes brannten, gar nicht gesehen hatten. Für diese Kinder vor allem hat der Herr die Lichter im Tempel genährt. Hermann S i n s h c i in c r Menorah als Pflanze Der kürzlich zum Lektor an der Universität Jerusalem ernannt• Botaniker Rubinowitsch, einer der besten Kenner der palästinensischen Flore und Histori- - - ker des palästinen- '' ■ sisch m Pflanzen- Volks-Musik zu Chanukkah Von Erich Werner, Saarbrücken Es ist merkwürdig, wie verschiedenartig die musikalisehen Formen und Eindrücke sind, die sich mit dem Chanukkah-Fest verknüpfen. Wenn man bedenkt, daß das jüdische Volk für die Mehrzahl seiner Feiertage sich jeweils eigene Mek ־׳ יי ״ ' ::t, die mit dc.u G,.״,:.״cr der '־este scheint..r unzertrennlich verbunden sind, so wird es den aufmerksamen Hörer seltsam berühren, daß es der Chanukkah- Melodien so wenige gibt, und ferner, daß sie musikalisch sehr ungleicluvertig sind. In Deutschland und überhaupt bei allen Aschkenasim gilt ja als das Chanukkahlied unser ״Moaus zur“, über dessen sonderbare musikalische Zusatnmensetzung (es besteht aus zwei deutschen Kirchenliedern und einem alten Schehnenlied des 15. Jahrhunderts) ich hier vor zwei Jahren ausführlich gesprochen habe. Diesmal seien die ״Originalmelodien'S d. h. die einzelnen Ursprünglichen Teile des ״Moaus zur“ in Noten angeführt. Wenn auch vom künstlerischen Gesichtspunkt aus die ganze Melodie wegen ihrer bunten Zusammenstellung nicht gar hoch zu bewerten ist, ja sogar als typisch für das ideenarme Kunsthandwcrk des Ghetto angesehen werden muß, darf trotzdem das Lied keinesfalls unterschätzt werden; denn es ist ein offenkundiges lind beweiskräftiges Dokument für die Jahrhunderte alte und innige deutsch-jüdische Symbiose. Der zweite festliche Text des Chamikkali-Abcnds ist das ״Haiicraus halolu“; es wird in Deutschland nach den verschicdcncn Welsen gesungen, oft auch nur rezitiert. Mir ist eine ostjüdisclie Melodie des ״Haneraus“ bekannt, in der der Text nach Art eines talmudischen ״Lcrn-Nigun“ intcrpretiert und zersungen wird. Lernstiicke nennt der Ostjude alle jene Niggunim, in denen ein —• meistens talmudischer — Text in Form einer Predigt oder Schrifterklärung den Zuhörern mit ausgesprochen didaktischer Absicht vorgesungen und so übermittelt wird. Es gibt ziemlich viele solcher Lehrstücke, und sie sind entsprechend den Jeschiwoth, an denen sie entstanden, häufig sehr subjektiv und persönlich gefärbt. .Achnlich den Lehrkanfateii auf biblische Sprüche, die die evangelische Kirchenmusik des Hochbarock in Masse hervorbrachte, sind auch diese Lernstiicke des Ostjuderitiims sehr eng mit dem Text verbunden und beleuchten ihn, auch durch oftmalige Wiederholung, von den verschiedenen Seiten. Den Anfang dieses ״Lern-hancraus“ geben wir in Notenbeispiel II. Im Gegensatz zu den Aschkenasim kennen die sepiiardischen, persischen und jemenitischen Juden unsere ״Moaus zur “-Weise überhaupt nicht, begnügen sich vielmehr beim Vortrag dieses Textes mit einer einfachen Rezitation. Den Anfang eines persisch-buch arischen ״llaneraus 11alolu“ geben wir in Nofenbeispicl II b. Die Weise ist im Gegensatz zur vorhin angeführten ostjüdischen recht eintön 1g und macht einen ausgesprochen armseligen Eindruck. Wir sehen also, daß das Chanukkah-Fcst nur bei den aschkc- Basischen Juden einen deutlichen musikalischen Einschlag aufweist. Außerhalb der Liturgie finden sich bei den Ostjuden noch einige sehr hübsche F a m i I i e n 1 i e d e r für Chanukkah, die in ihrer Musik und ihrem jiddischen Text alle in der chassidisehen Gefühlswelt zu Hause sind. Von den zwei Beispielen, die wir nachfolgend geben, ist das zweite, weil entschieden nachempfunden, textlich nicht ganz vollwertig und darum nur bruchstückweise zitiert. I. Oj chanuke, oj chanuke, a jomte-w a schcjncr A lustiger, a frcjlielicr nito noch asejncr Alles lacht in Diejdlaeh spiln mir Sudi״-heiße I.atkcs c(it an a schier. Geschwinder zinl Kinder 1 Jic dininke Lichte lach on, Sogt ״al hanisdm“ Lobt Gu t für die nissim un kumnit gieher tanzen in kon. Jehurio hat fort rilx-11 dein Ssojne, dem Rezearh, l'n hot int Ueth-hainikdosch gesungen ״Fanmtueach“ Hie Stadt Jeruscholajin! hot wieder ojfgclcht Un zu a neues Lehen hot jedercr gestiebt. Dariber dem Giber Jehuilo ha-Makkabi lobt hojcli! Soll jeder besonder bedingen dem Wunder Un lieben das Volk solt. Ihr ojeh! II. Zint on lichtlach, dininke schejne [ sej soln hrennen ejne, noehejne. hu, Jehudoh, cjbig lebst Du / Acht Tcg z.tifrideri / singen nur Du, Jehudoh, cjbig lebst Du / Acht Tcg zuliidcn / singen nurjiden/ Acht Tcg ganze / klingt unser Schir. * Dagegen ist, rein musikalisch betrach.tet, das zweite Lied bedeutend origineller; seine Melodie, deren synkopenreicher Rhythmus noch in einigen neuen palästinensischen Liedern nachklingt, ist in Notenbeispiel III angeführt. Naturlieh soll das Lied getanzt werden, und sein straffer Rliythmus erzwingt geradezu die Bewegung. Auffallend daran ist der ständige Wechsel zwischen c und eis, der aus dem im Osten viel geliebten ״Ahawoh-Babboh-Steiger“ herrühren könnte. ln einigen balkanisehen Gemeinden, die ja nun größten Teil sephardisch sind, wird sogar auch das Hallcl-Gcnet, das während der Chanukkahtage Bestandteil des Morgengebetes ist, nach einer eigenen, kirchlich gefärbten und stark verzierten Melodie gesungen. _ * , * IVfr gehen nachstehend zu den im vorstehenden Aufsatz enthaltenen jiddischen Liedertexteis eine von Mascha Kaie ko verfaßte deutsche Uebcrsetzung: כ3מ <ד״*0 בדותי gemeint sein müssen. Rubinowitsch entdeckte der Menorah, dk bekanntlich schon in ein jüdisches Symbol nachweisbar ist, aus der ist, und zwar handelt es sich um die Aach1 nensisjien Pflanze Salvia. Im Rahmen des 1 sind einige schöne Exemplare dieser Pflanze stand za sehen. AuJ den ersten Blick wird der Form der Menorah deutlich. Unser ß Pflanzen des J rusalerner Museums. GcsckvinAer י Steckt, K in! Irr, Die zierlichen DirhfeUni an! Sprecht : ״Al 1 lani-ini . . Danks Gott für die ,,Nis-dm“, und tretet Den Feind vertrieb Jchuda. — sein wa Drin man ,,I.;!1n׳uzcm!d* und all d Die Stadt Jcruscholajim eiMand zu ihikt Und neues Wollen ward nun ״anz Liad Drum laßt uns jetzt, lohen Jeliuda-Makkahi nach Brauch! Mit Tanzen und Klingen. Das Wunder besingen. — Und lieben das Volk laßt 11ns auch! II. Zündet, nun Kerzen, zierliche feine. Sie tiiugcn leuchten, eine und noch eine Jchud.1- Makkabi, ewig lebst du! Aehr Tage sorglew mm<jh־h wir Juden: Du. Jdiüda, ewig lebst du; Aeht Tage sorglos fingen wir Juden, Ael'it volle läge klungt uu:׳cr Dual .. . zum Tanzen schnell an! d der Temj xd wieder, e hohen Li<!ier, 1 DcIkui, gegeben. O Chanukkah. o Chanukkah, du liebliches Fest. Voll Floh i hkeit und Du*!, wie bich kein zweites Alles iarht, heim TrendcKpiclen hier, Siedcndhciße Puffer schmausen wi 1! nennen laßt! Jüdisdie Thea(er in Amerika Die j ü dischen T h e a t c r i 11 N c w Y o r k konsumieren eine Menge leichter Kost, die mit mehr «der weniger boulevardmäßigeni Aufwand ausgestattet w ird. I fas jüdische Ensemble von Morris Schwarz, das ein/ige wirk] 1. Theater jiddischer Sprache in Amerika, ist seit , Tournee. Zur Zeit gastiert Morris Schwarz mit ,.| in Warschau. Im Bronxcr Mackenlev-Squarci dieser Tage die Uraufführung eines Yolksspiels und Tanz von Ji/.chak Friedmann statt. 1 )ns Stun pyrossen“ (Zigaretten) und ist um einen gleichnnniigen Sclilager hcnungesehricben, mit dem Hermann Jablokr>w unter dein iiotnc de guerre ,,Der Pojaz.“ seinerzeit eine ungewöhnliche Karriere gemacht hat. Im Publie-Theater gastierte Meiiachein Rubin als ״Tewje, der Milchhändler" (nach Scholcm Alejehern). Der jüdisch-nationale Arbeiterverband hatte mehrere Vorstellungen für seine 1e Kunstlcr- Untaten auf »che Kalb‘“;realer fand mit Gesang:; heißt ״Pa- Noten-Beispiele I. Die Bestandteile des *Moeu» xarM a) Choral: Nun freut Euch. Hebe Christcng’tncin (!524) ■~p~ (M. Luther, J.J. Waltiter) ׳&► b) ,,Rorate coeH“» Mainzer Cantual 1567 c) Volkslied; Ich weift mir ein Maidlein hübsch und fein (vor!549) 11. a) Ostjüdische» ״Haneram halolu1 b) ,,Haneraus halolu*' der persischer* und bucharUchen Juden (Nach Idclsohn} DB. Jiddisches Chanukkahlied [>״ f Lrh. nicht mad - 11 hi «narhnu (%e«| hat - *־hu -o:׳m Ha-ntf-roth l»a - I mod •b - hn, •I ha ־ tu-tw*», wett haptirkan, weaJ hjßwuroth. Relief des Titusbogens in Rom. Zug der Römer mit den crlmiti-t n Tempelgerälen Foto: Sou«n1aM te» brenne« (««, noch ein«. di “ “ itaoLe «sbejne, •*J f- Du, Je ״ hu big lernl t*u Aeht Tee iufne^eß-. znzn־.7־j AeM Teg. 4*n» Mitglieder gckjuit. Ein anderer Star ries Public-Thcators, Ji/.chak Feld, spielt in dieser Saison die Hauptrolle von ״Sdilrmto Salrnans Hochzeit“, einer musikaliselten Komödie. II, Kalmanowitschs Drama ״ln einem Haus aus Glas“ wird nacli seinem Erfolg am Broadway' nun auch im jüdischen Parlcway-Theai er in Brook- Ivn gegeben, ln! liopkinson- Theater spielen Julius! Natanson, Louis Heymaim und Abc Groll Louis Freiinatins ״Der Preis der Sünde ־. Die Stars Ludwig Satz und Mich .11 Midialesk» spielen im Second Avenue- Theater die Hauptrollen im A. OlschnnetHds Operette ,,Ein Jontow ittt Städtei“ mit solchem Lrt’otg, daß ihr Gastspiel um weitere zwei Monate v e r 1 ä 11 g e rt w o 1'd e r» ist. Das l.yric-1 heater, da 15 jetzt ״Verlassene Frauen“ spielt, kündigt eine neue Operette von zwei narnhaften europäischen Autoren an. Der populäre Rezitator Al llaris nat in seinem neuem Programm u.;1. einen Monclog von J. D. Berk»- witsch ״Menacliern Mendel in Erez Israel“ wesens, der insben >1 sondere auch die in ־w Bibel und falmuct 0 | genannten Pflan- 1 zen identifizierthat.;t I errichtete aus eige— ner Initiative bei der d niversifiit ein. u J Botanisches Muse- I um, das eine der 5׳ i grollten Sehens- 1 Würdigkeiten istm ß 9 In die.san Museum בwird an Hand der 0 iS h ule in Fulästina ד. 0 geh!!!denen / flann * zen nachgewiesen, ׳r / weide Pflanzen an '1 versdliedenen Sielr ג 1. len des althebreiisdien Schrifttums e auch, t/o/i die form י' sehr fiüher Zeit als ׳• -1 e 1 N <1 t ur entnommen 1!! ildung einer palösfi- •-1 >ofattisAicn Museums / in kon!. rviertem Zu-;־ 13 die Ärmlichkeit mit r ) 1U1 zeigt eine dieser b '; ׳' נ,-ו il 1- 1 n j 0 n n s 0 a 3 ■t I יו t l