Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 101 (17.12.1935)
- Date
- 1935-12-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» סו jüdische Rundschau Nr. 17 ,וסד. xn. 1935 Lina Wagner ■Tauber! Aus Palästina kommt die Traucrnachricht, daß Frau Lina Wagner-Tauber dort im 61. Lebensjahr gestorben ist. Lina Wagner-Tauber ist aus der Frühzeit der zionistischen Bewegung in Deutschland nicht wegzudenken. Zusammen mit ihrem unvergeßlichen Mann, Jakob Wagner, hat sie sich unermüdlich für die Verbreitung und die seelische Verankerung der zionistischen und jüdischen Oesinmmg unter den Juden Deutschlands eingesetzt. Sie verstand, daß eine Bewegung wie die zionistische nicht nur von theoretischer Oedankenarbeit und praktischer Handarbeit existieren könne, sondern daß es auch auf Menschliches ankommt, auf Güte und Weichheit, Menschenliebe und Beseeltheit. Das war der natürliche Beitrag der Frau. Durch ihr Dichten und Trachten, aber noch mehr durch ihre persönlichcs Vorbild hat diese streng religiöse und idealistische Frau der jüdischen Volkssache gedient und den jungen Juden im wahrsten Sinne den Weg?1! den Müttern gewiesen. Sie war die langjährige Vorsitzende des Jüdisch-nationalen Frauen- Vereins Berlin, setzte aber ihre Arbeitskraft überall dort ein, wo sic ein Bedürfnis hierfür sah. Vor allem dachte sic stets an die Kinder, die junge Generation. Für sic hat sie geschrieben, ihnen galt aber auch ihre praktische Arbeit. So ist ihre große Leistung das Kinderheim ״A h a w a 11“, dessen Mitbegründerin und erste Vorsitzende sie viele Jahre war und dessen Bestund sie durch die Kriegsjahrc hindurch zu erhalten wußte. Frau Wagner-Tauber war auch zionistische Repräsentantin in der Jüdischen Gemeinde Berlin. Als die nun Verewigte die Selmsudit ihres Lehens durch lieber- Siedlung mit ihren Kindern nach Palästina krönen konnte, war sie keine unkriiisthe Bewunderin, sondern bei allem ülucksgeluhl über die neugewonnene Heimat verstand sie auch, mit scharfem Blick menschliche Mangel des palästinensischcn Gemeinschaftslebens zu erfassen. Sie litt darunter und sie wollte hebe!1, eiug! dien, erziehen, in unverminderter Aktivität. Leider war es ihr nicht lange vergönnt, im Lande zu leben und zu w irken. Ihre zahlreichen Freunde in Palästi 11a und in Deutschland bedauern den Heimgang dieser gütigen und 11 ne! mm! liehen krau und zionistischen Mitkämpferiu aut das tiefste. Wasser für Jerusalem Fast ein Skandal Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Jerusalem, 6. Dez. 1935 Die Oeschichte der Wasserversorgung J e r u s a - lern 5’) ist so lang, da 15 sich, so scheint es, nur noch die liistoriker darin auskciinen. Seitdem das Wachstum des neuen letusa'.cm begann, beschäftigt die Frage einer ausreichenden Wasserversorgung die Administration des Landes, und das Departement für öffentliche Arbeiten hatte hier eine Gelegenheit, sich ewigen Ruhm zu holen. Ist es doch keine Kleinigkc-it, die Felsenburg der Jcbusiter i1׳ den judaischen bergen so mit Wasser zu versorgen, daß die Bevölkerung nicht mehr durstig ist und eine Entwicklung der Stadt gewährleistet wird. Das Departement ftir öffentliche Arbeiten wäre bei einer guten und raschen Lösung dieser interessanten Aufgabe des größten historischen Ruhmes sicher gewesen. So wie die Dinge sich aber entwickelten, erntete das Deparicment nicht nur die berechtigte Kmpörung, sondern, was viel schlimmer war, schließlich das Hohngclächtcr des ganzen Landes. Demi wenn man auch, was das langsame Tempo von Verwaltungs/weigcn bei Neuerungen betrifft, im Lande allerhand Kummer gewöhnt ist, so hatten wir so etwas wie den Bau der Wasserleitung Ras EI-Ejn—Jerusalem doch noch nicht erlebt. Es erübrigt sich, hier alle Abenteuer dieses Leitungsbaues aufzu/ahler! und daran zu erinnern, daß der Termin der Er- Öffnung des Werkes immer wieder um Monate und Halbjahre hcrausgcsc!’f)ln׳n wurde. Jerusalem w .ו aderte durch einen durstigen Sommer nach dem andern, und wenn die verwöhnten Europäer in den neuen Hausern darüber klagten, daß man dauernd mit dein NX asser in den Dachtanks sparen müsse, so standen die geduldiger! eingeborenen jüdischen und arabischen Familien in den Armenvieilcln Schlange, um Trink- Wasser zu bekommen - - von Waschen und ähnlichen Linusgewolitibcitcn 1:1;’־c zu ■;!•hweiirni. Die Lininhrung neuer Gewerbe in der i lauptstadt, die Anlage von Garten, die ganze Mndcrin-br;u;:e der Stadt wuitie durch den Wassermangel schwer behindert. Aber es handelte sich nach den offiziellen Berichten immer nur um ein (Klar Wochen .- oder Monate. I'ml ab der 1 ligli Gomniissiomn־ in diesen! Sommer auf Brlanb fuhr, war er ׳■ und mit ihm Palästina — sicher, daß jetzt alle Hindernisse überwunden seien und noch vor Linsetzen der Regen ze it Jerusalem geradezu in den Wasserfluten des Ras Ll-Ljn seine eigen würde. Aber die Roh nun״ war wieder einmal ohne das Departement für öffentliche Arbeiten gemacht. Die R ö 11 11 ז ז, die endlos lange die Chaussee von Jerusalem nach Ludd gesäumt hatten, verschwandet! zwar na׳ h und nach in den ausgehobenen Kanälen, die Pumpstationen wuchsen in den Bergen empor, aber dann sickerte plnt/!ich ein Gerücht durch, «Ins zu Beginn jeder fnr einen Witz hielt, sich aber zuletzt als wahr heratwstcilte; die Wcrkkitimg hatte bei ihrer Materia'ibcstekung in London gewisse Verbuiduiighteile ver• essen — und Wieder kein Wasser für Jcrusa• cm! Die erregte ntorgenlaiuiiselie Phantasie sprach bereits von der Sendung der fehlenden Teile init Luftpost, wobei nur leider übersehen worden war, daß cs sich um Dinge handelte, die mehrere Tonnen schwer waren. Jerusalem schwankte zwischen Weinen über die wiitcrgclieiulc Wassersnot und Lachen über die 7.11 stände bei den Public Works. Aber schließlich kamen dann doch die Teile an, zwar nicht per Aeronlan, aber doch per Schiff und Bahn, der High Gommissioner kam vom Urlaub zurück und wird vermutlich im Departement mit seinem!erstaunen über den Fortschritt des Werkes nicht zuriickgehaltcn haben - er begnügte sich mit einer öffentlichen Rechtfertigung des Stadtrates von Jerusalem, der mit der Sache nichts zu tun hat, und der Fest- Stellung, daß das Public Works-I)epai'o.neiit fiir die Angelcgcnhcit verantwortlich sei.... -- und jetzt mußte doch endlich das Wasser kommen. Es kam aimh, aber leider nicht in di« Reservoirs von Jerusalem, sondern zu einem guten Teil auf die Jaffa- -Jerusalem-Straße, denn bei dem ersten Pumpversuch platzte ein Teil der Röhrcnverbindungen, und jetzt heißt cs erst einmal für das Departement reparieren, für die Jerusalemer < י ■ein'd haßen mul -- nicht etwa auf das crusrilemer Wasser, sondern auf den nächsten Unglücksfall ei der Werkleitung warte!!.... Unterdessen ist der Regen gekommen und füllt die uralten SaioiTionstcichc bei Bethlehem, die zusammen mit den Wiistenqueilen Jerusalem versorgen. Wir haben Zeit, auf die nächste trockene Saison zu warten. Ob dann wohl das sagenhafte ״Wasser für lerusaicin“ wirklich durch nicht platzende Kohren fließen wird? *) Siehe auch den Artikel von Dr. Fritz Kahn in Nr. 99. Welzmann über die Krise Jerusalem, 11. Dezember. (JTA.) Die Mitarbeiter der Versuchsstation und des biochemischen Instituts in Rechovvoth veranstalteten zu Ehren Dr. Clmim Weizmanns eine Begrüßung, an der u. a. auch B. Katznclson, J. Sprinzak und E. Golomb teilnahinen. In seiner Antwort auf die Anspräche erklärte Weizmann u. a.: ,,Ich werde mit Lob überschüttet, bevor ich noch mit der Arbeit begonnen habe. Ich bin mir der großen Verantwortung fiir die kommenden Jahre bewußt. Es ist mir nicht leicht gefallen, mein Einverständnis zu der Ucbernalune der Leitung zu gehen, denn immer, wenn Ich die Leitung übernehmen soll, treten Aenderungcn in der Lage ein. Bisher war alles ruhig, alles blühte, und man sprach von Prosperity; und auf einmal ist der Horizont unseres Lebens ein anderer geworden. Kaum bin ich an die Arbeit hcrangcgarigen, da trat auch schon eine Art Krise ein.“ Er glaube nicht, fuhr Dr. Weizmann fort, daß dies aut einen schlechten Stern zurückzuführen sei. Die Aciulerunt; der Lage halte er für eine bloß vorübergehende. ״Ich hoffe“, sagte Dr. Weizmann, ״daß wir unsere Arbeit in derselben Weise wie einst fortsetzen werden. Wir werden die Schwierigkeiten, deren Gründe außerhalb des Landes liegen, überwinden. Die internationale Lage, die diese Nervosität hervorgerufen hat, wird sich zum (inten ändern.“ ״Jedenfalls“, schloß Dr. Weizmann, ״führen wir jetzt eine große kolonisatorische Aktion, eine großzügige üeulat Haarez, durch, Arbeit gibt es mehr als früher.“ Von der Woche Sir Arthur Wauchope machte der Stadt Haifa einen Besuch. Er versprach bei dieser Gelegenheit der Stadt• Verwaltung, daß die Palästina-Regierung eine Subvention von 18000 Pfund in diesem Jahre der Stadt gewahren würde; im nächsten Jahre solle die Subvention erhöht werden und '33 (HX) Pfund betragen. Weiterhin werde eine Beihilfe von 25 000 Pfund für die Anlegung öffentlicher Parks gewährt werden. Der üesamtüberschuß der Regierungsein• nahmen per Ende Oktober betrug über sechs Millionen Pfund. Im Hinblick auf die Pläne der Palästina-Regierung, die Autonomie der Stadt Tel-Aviw in bezug auf das Polizeiwesen auf/ulieben, gab Bürgermeister Di zeug oft 1m Tel-Awiwer Stadtrat die Erklärung ab, weder die jetzige noch eine kommende Stadtverwaltung werde ihre Zustiinmutig zu einer Armierung des Statuts der Tel-Awiwer Polizei geben. Es wird darauf hingewiesen, daß die von der Palästina-Regierung angestrebte Vereinheitlichung zur Folge hätte, daß englische und arabische Polizisten in Tcl-Awiw verwendet werden, die die hebräische Sprache nicht verstehen und denen die jüdischen Gebräuche fremd sind. Vor dem llaifaer Gericht fand unter dem Vorsitz des Richters Siierwcll der Prozeß gegen die vier Wächter des Bodens der Mesliek Company, die der Tötung des Bedtiiijen Mohammed el Alyan und des Tötungsversnchs an vier anderen Beduinen am 19. August auf dem Gebiet von Kuskus Tab ou n beschuldigt waren, statt. Der Beduine Saldi Kassam sagte aus, er und vier andere Beduinen hätten zwei jüdische Traktorführer am Pflügen hindern wollen, bei dent daraut folgenden Zusammenstoß hätten die vier jüdischeu Wächter gefeuert. Das Gericht verurteilte den Wächter Jizcliak Hankin zu zehn Jahren Zuchthaus, die Wächter Murdecliai Misrachi, Josef Domai und Arje Abrahamson zu zwei Jahren Gefängnis. L)ie arabische Zeitung ״Felestin“ teilt mit, daß italienische Agenten sich bemühen, arabische Arbeiter in Palästina fiir Eritrea zu engagieren, wobei hohe Löhne von 1 Pfund täglich versprochen werden. Bisher sollen 72 Arbeiter engagiert worden sein. Die Zeitung teilt mit, daß wöchentlich 20 italienische Bewohner Pahistinas sich nach Italien begeben, um an dem afrikanischen Krieg tcilzunehmcn. Der palästinensische Radiodienst wird Ende Januar eröffnet, die Wellenlänge beträgt 419,1 m, die Stärke des Senders 20 Kilowatt. Die Kosten der Errichtung der Station in Ramallah werden £ 30—35 000 betragen. ln der Haifacr Gartenstadt Hadar Hakarmel wurde der Grundstein zu einer von der Alliance brachte Universelle gestifteten Schule gelegt, die den Namen des kürzlich verstorbenen Präsidenten der Alliance, Prof. Sylvain Levi, tragen wird. Die Schule wird 1000 Schülern Platz bieten, die Kosten sind auf 12 000 Pfund veranschlagt. Der palästinensische Außenhandel Jerusalem, 10. Dezember. (J. T. A.) Aus einer amtliehen Statistik über den palästinensischen Außenhandel ist zu ersehen, daß im Juli d. J. Waren für 1 461 000 Pfund nach Palästina importiert wurden. In demselben Monat des vorangegangenca Jahres betrug der Wert des Imports 1 143 000 Pfund. An erster Stelle unter den Importländern steht England mit 256 000 Pfund, dann folgen Deutschland mit 178OCX), Syrien mit 131000, die Vereinigten Staaten mit 128 00!) und Rumänien mit 113 000 Pfund. Der Export ist im Juli auf 76911 Pfund gegenüber 48 780 Pfund im Juli 1934 gestiegen. An der Spitze der Exportländer stand Syrien, wohin Waren im Werte von 43 000 Pfund ausgeführt wurden. Das Nationalvermögen Palästinas In der letzten Nummer der Zeitschrift ״Baajot Misschar wokalk,11a“, die vom Verbände der Kaulleule Tel-Awiws herausgegeben wird, versucht Dr. Adler die Hölle des Nationalvermögens Palästinas zu berechnen. Nach dieser Berechnung, die alle Wirtschaftszweige des Landes mit Ausnähme des Wertes des Rodens berücksichtigt, beträgt das Nationalvermögen 115 000 000 Pfund. Diese Berechnung stützt sich auf eine Schätzung für die einzelnen Wirtschaftszweige; in Pflanzungen (mit Ausnahme des Wertes des Bodens, auf dem die Pflanzungen stehen) sind nach dieser Berechnung £P 18 000 000 investiert, in anderen Zweigen der Landwirtschaft £P 12 000 000, in Industrie und Handwerk £P 9 000 000, in Verkehrsmitteln (Eisenbahn, Häfen, Autobusse, Post usw.) £P 4 000 000, in Geld und Wertpapieren £P 1 500 000, in Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden £P 15 000 000, in Regierungsmittcln, die sich im Auslande befinden, £P 11000 0()(), im Vermögen von Privatpersonen, das sich im Auslände befindet, £P 4 000 000, in Möbeln, privaten Mobilien usw. £P 9 500 000. Von diesem Nationalvermögen befinden sich nach der Berechnung ür. Adlers im Besitz von Juden £P 56 500 000, im Besitz von Arabern £P 39 500000, im Besitz der Regierung £P 11 500 000, im ‘ Gemeinschaftsbesitz (Geldumlauf) £P 6 000 000, im Besitz der verschiedenen religiösen Körperschaften (Klöster, Kireben usw.) £P 1500 000. PalAstincnsischc Komödie! •Die Hexe“ von Goldfaden T el - A w i w, Anfang Dezember 1935 Abraham Goldfaden gründete vor noch nicht 60 Jahren das erste jiddische Ensemble und wurde damit Vater des hebräischen und jiddischen Theaters überhaupt. Unabhängig von dieser organisatorischen Tat, war er ein über den Durchschnitt begabter Dramatiker, dessen Feder eine große Zahl von Stücken und Operetten entstammt. Wenn man ״Die Hexe“ heute in das Repertoire der hebräischen Bühne übernimmt, so iibt man damit einerseits einen verdienstvoller! Akt der Pietät, andererseits gewinnt man ein Stück, das bei aller Naivität nichts an Bühnenwirksamkeit verloren hat. Den eklatantesten Beweis hierfür lieferte vor wenigen Jahren Granowsky, dessen eindrucksvollste Inszenierung unvergessen ist. Die ״Palästinensische Komödie“ bemüht sich mit Aenderungen und modernen Einlagen um originelle Gestaltung dieser Märchen-Operette. Aber mit solchen Aeußeriichkeiten ist es nicht getan. Um Goldfaden zu beleben, bedarf es vor allen Dingen einer Atmosphäre, die sich deutlich zu unterscheiden hat von den Uranfängen jüdischen llicaters, das einstmals von Bänkelsängern tmd Spaßmachern dargeboten wurde. Die Regie Michael Gor’s erweist sich ir! diesem Sinne als reichlich unzu'änglich. So kommt cs zu einer Aufführung, bei der die traditionelle Musik zur ״Hexe“, von Mark Lawry bearbeitet und dirigiert, als erfreuliche Reminiszenz zu begrüßen ist, zu der Genia Berger einige hübsche Bühnenbi Id er beisteuert (Hexenküche, Marktplatz, Cafe in Stambul), die jedoch darstellerisch Provinzniveau zeigt. Lediglich die eingelegten Tänze von Noemi Lif und dem sehr begabten Grötesktänzcr Cogan fallen aus dem Rahmen. Daß man ln dein letzten Akt zwischen jüdische Volksmclodien einen schmalzigen Tango hineinschmuggelt, ist eine grobe Geschmackiosigkcit. Manfred Gei• Tanzabend in Tel-Awiw. Als Gertrud Kraus, eine der bekanntesten Wiener Tänzerinnen, im vergangenen Jahr nach Palästina übersicdelte, hatte sie sich liier mit zahlreichen Gastspielen bereits eine Gemeinde geschaffen. Noch nie» mals sah man sie aber so konzentriert und stark wie an diesem Abend, an dem sie sich nach Jahresfrist mit ihrer in ihrem eigenen Tel-Awiwer Studio herangebildetcn Gruppe dem Publikum vorstellte. Idee, Musik, Bewegung sind untrennbar verschmolzen, lassen wirkliche '!';!::/Schöpfung erstehen, dargeboten mit virtuoser Technik. Ihr ״Choral“ mit Caesar Francks Musik hat Bnrlachsches Format. Knapp und ausdrucksvoll in den ״Metamorphosen“, vor allem der Chopiiische ״Wind“, und wunderbar feinfühlend, ohne jede musikalische Untermalung ״Baun!“. Der zweite Teil des Prograinms hat eine stark dramatische Note durch den bekannten und wiederum in seiner Farbigkeit sehr originell wirkenden Sarasate (״Der seltsame Gast“), und vor allem durch einen marionettenhaften ״Hunger-Song“, in dem die Gruppe sich sehr bewährt. Die beiden Themen des Schlußteils ״Chamssm-Zyklus“ und ״Zwei Tänze nach hebräischen Melodien“ legen Zeugnis ab von dem Umsetzen palästinensisch-jüdischen Erlebnisses in Tanz. Freilich hat man es wohl — besonders im ״Chatnssin-Zyklus“ ~ einstweilen mit Skizzen zu tun, die später zur vollen, zusammenhängenden Komposition ausge formt werden dürften. Unabhängig davon bleibt die Wirkung des ״Abend-Songs“ und des temperamentvollen ״Tanzes mit der Trommel“ haften, Manfred Gei« Aus der Geschichte Jerusalems. Im Seminar für die Geschichte Jerusalems, das von der jüdischen Gesellschaft zur Erforschung der palästinensischen Altertümer abgchaltcn wird, hielt dieser Tage der bekannte Historiker Dr. B. Meisler ein interessantes Referat, das der Geschichte Jerusalems im Licht der neuesten archäologischen Forschungen und Ausgrabungen gewidmet war. Nach diesen neuesten Forschungen bestand Jerusalem bereits etwa 3!KK) Jahre vor der Christliehen Zeitrechnung, d. 11. über 1(H)0 Jahre vor der Eroberung Palästinas durch josua. Jerusalem wurde, wie es scheint, durch einen alten semitischen Stamm gegründet, worauf schon der rein semitische Name der Stadt nindcutet. Während der ägyptischen Herrschaft, besonders im 14. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung, blühte Jerusalem auf und spielte damals im ganzen Vorderen Orient eine große Rolle, wie aus den Inschriften von Tel-Amama zu ersehen ist, die vor 156 Jahren in Aegypten entdeckt wurden, ln jener Zeit gehörte zu Jerusalem eine ganze Reihe von Ortschaften der Umgegend, darunter auch Bethlehem. Eine kurze Zeit nach der Einwanderung der Juden nach Palästina befand sich Jerusalem in den Händen des Stammes Juda, jedoch nicht fiir lange. Bereits etwa im 13. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung ■wurde Jerusalem durch die Jeßussiter erobert, die die Stadt von neuem befestig* ten, eine starke Mauer um sie zogen und auch außerhalb der Mauer eine Siedlung schufen. In den letzten Jahren wurde eine ganze Reihe von Jcbussiter-üräberi! an verschiedenen Plätzen in der Nähe Jerusalems entdeckt, darunter auch an der Stelle, wo heute der Palast des High Gommissioner» steht. In der Zeit König Sauls war Jerusalem die einzige niclitjüdische Stadt auf dem Wege von Hebron nach Sichern. Die Eroberung Jerusalems durch König David war also ein Ereignis von großer Bedeutung. In der Zeit König Davids wurde Jerusalem zum politischen Mittchmikt Palästinas ge• macht. David war auch der erste, der die Stadtgrenze aus gedehnt hat. In der Zeit König Salomos wuchs Jerusalem noch mehr. In ganz alter Zeit umfaßte Jerusalem eine Fläche von kann! 15 Dunam, in der Zeit König Salomos bereits eine Fläche von 50 Dunam. Jahresbericht der Mißdal Insurance Co. Ltd. Die Gesell• Schaft veröffentlicht ihren ersten Jahresbericht. Der Board of pirectors teilt in diesem mit, daß die Hoffnungen, die auf die Gründung einer nationalen Versicherungs-Gesellschaft in Palästina gesetzt wurden, sich erfüllt haben. Insbesondere wird darauf hingewiesen, daß es der Gesellschaft gelungen ist, die maßgebendsten nationalen Institutionen als ihre Klien* ten zu gewinnen. Der Umfang des im ersten Jahr getätig* ten Geschäfts war, obwohl die Gesellschaft bei der Akzep* ticrung von Risiken besonders konservativ ist, sich von ver• sicherungsfremden Geschäften fernhält und Zahlungen nur in bar annimmt, sehr befriedigend. Der Schadensverlauf war günstig. Das Lebensportefciiille per Ende des ersten Ge• schäftsjahrcs beläuft sich auf £!’ 86 600. Das Firc-Dcpart* ment hat 3422 Policen abgeschlossen und das Unfall-De* partement 681. Die Gesamtprämien-Einnnhnie in diesen beiden Abteilungen beläuft sich auf £P 24 488 887. Der gesamte Ocwinn ist den Prämienreserven zugeftihrt worden- Ins• gesamt betragen diese Reserven £P 11 320. Aus dem Bericht ergibt sich, daß das gesamte Kapital und alle Prämien ausschließlich im Lande angelegt sind. Nur das bei der Regierung zu stellende Depot inacht davon eine Ausnahme. Die palästinensischen Mitglieder des Boards of Directors sind gegenwärtig: Edouard Aghion, Eisig Brudny, Jacob japhet, Cmanucl Neumann, Bernhard A. Rosenblatt, Aryeh Shenkar, Eng. S. Tolkowsky, M. B. E. Managing Director ist Dr. George Halpern. (Schluß des Palästina-Teils)