Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 101 (17.12.1935)
- Date
- 1935-12-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr.7ו,וסו. xn. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seife II Wie gestalte ich den Schabbai? BRIEFE AN DIE REDAKTION Für Schabbat, 21. Dezember Wochenabschnitt ״Wajeschew" (1. B. M. Kap. 37—41 u. 4. B. M. Kap. 7.) I; Unsere Sidra enthält den Beginn der J o s e f s g e schichte. Wir werden bei diesem Oneg Schabbat versuchen, die Josefsgeschichte in der Betrachtungsweise anderer Darsteller kennenzulernen. Die 12. Sure des Koran enthält ,viele Teile der Josefsgeschichte, unter Verarbeitung einer Reihe midraschischer Quellen. Wir nehmen an, daß sich in vielen Orten eine deutsche Ausgabe des Koran befindet. Für Gruppen, die schon etwas fortgeschritten sind, empfiehlt sich die Darstellung unseres Wochenabschnittes im Sefer Hajaschar (Berlin, Benjamin Harz 1923) in schönem und jeichtem Hebräisch geschriebene Erzählungen und Midraschim, die den in der Bibel nur angedeuteten Stoft weiterführen und vertiefen. Insbesondere finden sich da interessante Ausführungen über Josefs Verhalten in der Grube und über «eine Auseinandersetzung mit seinen Brüdern. Als dritte Quelle ziehe man Josephus׳ Altertümer II. 2—8 heran. Auch dort ist die Darstellung außerordentlich verlebendigt und durch eine Reihe von Midraschim ausgeschmückt. II. Eine grundlegende Bemerkung zur Deutungsmethode des Schriftverses findet sich in Kap. 37, Vers 2 in dem Kommentar von Raschbam, der ein Enkel von Raschi war. Er berichtet dort von einer Unterredung mit seinem Großvater, der erklärte, daß, wenn er noch Zeit gehabt hätte, es nötig gewesen wäre, einen Kommentar zur Bibel zu schreiben, nur unter Berücksichtigung des e i n f a c h e n Wortsinnes. Bekanntlich ist es die Eigenart des Kommentars von Raschi, aggadische und einfache Wortdeutungen miteinander zu kombinieren. Aus dieser Vermischung sind dann häufig Mißverständnisse erwachsen. Das veranlaßte Rabbi Schtnuel ben Meir, seinen Enkelsohn, zu der hier angeführten Erklärung, die man im Text lese. Daran schließe man dann eine Unterhaltung über die verschiedenen Möglichkiten und Methoden einer Bibelexegese. Als Haftatah wird gelesen: Secharia, Kap. 2, 14 bis 4, 7. Der Zusammenhang mit Schabbat Chanukkali wird vor allem hergestellt durch die Vision vom Leuchter, die der Prophet hat. Man lese die Haftarah in der Uebersetzung von Bubcr-Rosenzweig vor. I. E. Vom Sinn und Wesen des Chanukkah - Festes Die beiden kommenden Schabbate stehen im Zeichen des Chanukkah- Festes. Es wird vorgeschlagen, daß in den Bünden und Gruppen der Gruppenführer an diesem Öneg-Schabbat ein kurzes Referat über die geschichtlichen Voraussetzungen des Makkabäerkampfcs um die Befreiung des Volkes und über das Wesen des Festes hält. Dabei soll von der geschichtlichen Situation Palästinas unter der Griechenhcrrschaft ausgegangen werden und anschließend sollen die Hellenisierungstendenzen und die Verfolgungen, die unter Antiochus IV. Epiphanes eingesetzt haben, besprochen werden. Man vergegenwärtige sich dabei, welche Kreise des jüdischen Volkes damals von der Hellenisierungsbewegung ergriffen waren, in welchen Formen der Abfall vom Judentum zum Ausdruck kam und wie es zur Entweihung der Stadt Jerusalem und des Tempels gekommen ist. — ln dieser Zeit aer äußeren Knechtung und der inneren Zerrüttung erstanden dem Volke seine Erretter und Befreier in der Gestalt der Priesterfamilie der Chase 11 monaim aus dem kleinen Städtchen Modein, das an der Straße von Jerusalem nach Jaffa lag. Von hier aus erwuchs das Widerstandszentrum gegen die fremde heidnische Macht, und als diese besiegt und ihr Einfluß gebrochen war, ging man an die Reinigung des Tempels und der Tempelgeräte und feierte zum erstenniai am 25. Kislew des Jahres 165/164 v. Chr. in Jerusalern das Fest der Tempelweihe, das von |ehuda Makkabi zum Andenken an die Wiederherstellung des Tempeldienstes für die Folgezeit festgesetzt wurde.?חניכו bedeutet demnach nichts anderes als die Einweihung Die Ilebräisdie Universität und die Landeskunde Palästinas Jern**lem, den 2. Dezember 1835 Sehr geehrte Redaktion! In der ausführlichen und liehetollen Besprechung, die Ilr. Fritz Kahn, Jerusalem, dem neuesten Werke ton Professor Bodenheimer gewidmet, hat, stellt er an die Hebräische Universität Jerusalern die Forderung, sich der Landeskunde Palästinas zu widmen. Soweit diese Forderung besagt, daß ein wichtiges Tätigkcitsgebict weiter ausgebaut werden soll, besteht sie durchaus zu Recht. Soweit sie aber den Anschein erweckt, als sei in dieser Richtung bisher nichts oder so gut wie nichts geschelicn, muß ihr durch einige bcriclitigende Tatsachen entgegengetreten werden. Die beiden natürlichen Zentren der Universität sind die Wissenschaff Tom Judentum und vom Orient einerseits, die Landeskund« andererseits. Die erst genannten Bemühungen sind wesentlich, wenn auch nicht ausschließlich, hist or ischer Natur, die zweitgenannten vor allem der Erforschung der Gegenwart gewidmet. Ihnen dient: das ״Institut für Landeskunde Palästinas“ mit seinen botanischen, zoologischen, geographischen, mctoorologi sehen Abteilungen, ihnen das toologi- «die Museum der Universität, ihnen das Museum der in Bibel und Talmud genannten und heute noch vorkommenden Pflanzen, die Laboratorien für Schädlingsbekämpfung aller Art, die Abteilung für Bodcnpriitung, für Hygiene (Malaria) und noch vieles andere mehr. Auch die Meinung von Dr. Kahn, Bodcnhcirncrs Buch sei die erste der Veröffentlichungen der Universität, die der naturwissenschaftlichen Erforschung des Landes dient, ist durchaus irrig. Erwähnt sei nur der ״Pflanzenbcstinirrier“ für Paiästina, ein über 400 Seiten starkes Werk im Quartformat, das A. Eig, N. Sohari und N. Feinbrunn von der botanischen Abteilung der Universität in de. ren V'erläge im Jahre 1931 herausgegeben hat, und das eine genaue Klassifizierung, lateinische und hebräische Benennung, sowie hebräische Beschreibung der in Palästina vorkommenden Pflanzen enthält. Auch kleinere Arbeiten der Landeskunde erscheinen dauernd in der hebräischen und nicht- Genf, den 8. Dezember 1935 Sehr geehrte Redaktion! Der Bericht von Manfred Georg in Nr. 88 Ihres Blattes über den Tod des ״Bürgermeister■, der verschwundenen Prag“ erinnert an das schöne literarbche I).-nkmal, das Stefan Zweig dem Typ dieser Sonderling׳.■ ihres Berufes in einer seiner kleineren Erzählungen ge-etzl fiat: ,,Hin 11mendcl“ (fn.-cl - Biteherei Nr. 408). Zweigs Figur ist der von hebräisehen F.i׳ rlipfCS.a'.; größere Zusammcnfa .s-ungen simt im Laufe der Zeit mit. Sici icrheit zu erwarten. Von der ))!,!< •irisrhen Sci'e her ist die Landt" -kundc Paüist inas erst jüngst. w ieder <1 iireh eia WerU'rr״'. KU ■ins, der das Kathevlor für die <'-.■׳wr.il )hin Palis!Inas inne hat t über T-whichtc des paluTe 1vn-i -׳Ten Ji sclinws bis zum Abachi UL. ( ies Talmud V‘ (hebrausch) ״ rinn Irrt wc!rden. ]!0< ha. In -Voll Ernst Simon Autoritäten und ratsuchenden St ut len ten 13c Turnte kle ine £alizisi he Ju< k- Jakob M tTvUd in der W ieiie r VorTtdt, , im Kmhan und o) ׳me 1 )oki or! bei , <! ler, wenn er \V1 rkiieicht״ 1! h: 11 tc ־— M Ol an. v> i r mit Sn dar 1 Zweig■ Wut' d ni<T nvt!!ein ז (! urfen — Sr in ein •' ״ sTcren K Gilt in IT.: d si• :. er in n!• i י-. ׳1: naen״e- -1.. n U-1 a 11 ׳Sri! war, de. \ י;! ■ :׳/ 3! ו,׳!’׳• 1: Ernantiel Weiner Buch h Sndler - T ypen und wurde im Laufe der Zeit zum Feste der Tempelweihe durch di־' Makkabäer schlechthin. — An Literatur wäre Dubnow, Geschichte Bd, 11, Kap. 3 ff., und das soeben im Schocken Verlage erschienene Bändchen ״Die Makkabäer“ von Elias Bickermann besonders zu empfehlen. Wir lesen bei Bickermann die ausgezeichnete geschichtliche Einführung S. 8 ff. und ziehen manche Parallele zu der jüdischen Situation in den Jahrzehnten der Emanzipation und der Assimilation. — An Geschichtsquellen sollte man auch noch die Makkabäer- Bücher I und ii und Josephus, Jüdische Altertümer, XII. Buch, Kap. 7 ff. lesen und besprechen. Eine sinnreiche Midraschsteile sagt über das Chanukkah- Fest folgendes: Das Chanukkah-Fest der Chaschmonaim ist eines der sieben Weihefeste, die in der Zeit von der Erschafft!•־;! der Welt bis zur Ankunft des Messias gefeiert werden. Die Späteren sahen das Hauptmotiv des Festes in dem Wunder vom Oelkrüglein (Sabb. 21b). Josephus (Jtid. Altert. XII, 7, 7) nennt Chanukkah das ״Fest aer Liehter* und deutet es dahingehend: .weil, wie ich glaube, die freie Ausübung unserer Religion uns unerwartet wie ein Lichtstrahl aufgegangen ist“. Es scheint, daß zu seiner Zeit das Anzünden der Lichter den wesentlichen < }erhalt des Festes bildete. Erst nach der Zerstörung der Tempels wurde in Jawne das Ritual des Lichtanziindens fest bestimmt, das sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Wir sprechen noch in diesem Zusamm .'«hang über die Festes-Formen, die am Chanukkah zum Ausdruck kommen. Neben dem Ritual des Lichtanziindens wird die besondere Feierlichkeit durch eine in das Achtzehnbittengebet und 111 das Tischgebet eingeschaltete Danksagung für die Befreiung על הנסים und durch das Rezitieren des ganzen Hallet im Morgengebet zum Ausdruck gebracht. J. M. Als Lektüre für den Oneg Schabbat empfehlen wir Theodor Herzls Aufsatz ״Die Menorah“, enthalten im 1. Band der Gesamtausgabe von Herzls Zionistischen Schriften. ANTWORTEN DER REDAKTION Hadassa Braun. Bitte uns Ihre Adresse mitzuteilen, damit wir Ihnen antworten können. Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag,!7. Dezember: i i 11r<״ 1׳< :m ' (1R71:110 .׳׳־: u. a. Kuh::■!- stein. ■— S'r.H'.iiurg!349!. 13.39: u. M. :!!,!. ׳:In.־11״: Arabisches Wiegenlied; 21.30: u. a. D.mi: l>.:• Wu-t!■. . 1 .c>: 1-f<■n National (1500). 21.35: u. a.: M.ii.lcr: l.i.drf s f.ihicii.l.’n Gesellen. — Wien (50C): Konzert, am Finyel <1:1:10! t:1 von Mendelssohn-Gort ligiani. Mittwoch, 18. Dezember: Warschau (1345), 12.30: u. a. Mnszkowdö. — Wien (506), 13.10: u. a. Meverlirer. — 1 tu dn; .est 1 1550). 13.05: u. a. Rill'iii.ocin. —■ Siraliburg (349), 21.30: u. a. M״■.:1 :!•::•׳Im, Schouberjr. Donnerstag, 19. Dezember (nicht, wie zuerst bek;mn'f:c־>״l>en, am 15.): London National (261) und Drttiluich (1 500) und Brit. Reichskurzweile G. S. T.!6,86 und S-F.F. 19,82 (via Jerusalem-Kairo), 13-45 bis 14.05: Uebcrtragung aus der landtvirts-haitlichen Mädchenschule Nahalal: Einweihungs-Zeremonie des K!inig-Ge<»r0-Waldes, mit Reden des High Commissioners Sir Arthur Wauchope (englisch) und Ussischkios (hebräisch). - Bitdapi* 1 I 1550), 19.40: u. a. Rubinstein. — .\’or<l-Kr1״!nnd (449). 2c.30: Händtl: .Der Messias. — Rom (421), 20.50: u. a. Uastcl׳11״:vn ■Tedc.sco. — Luxemburg (1304), 22,30: u. a. Mendelssohn. Freitag, 20. Dezember! Luxemburg (1304), 13.30: u. a. Rubinstein. — Wien (506), 12: u. a. Mendelssohn; 16.05: Srhallpl״ Arthur Schnabel. — Warschau (17*5), 17.20: u. a- Korngnld. Sonnabend, 21. Dezember: Wien (506), 15.15: u. .־». Mehul: Joseph in Aegypten. ■— I.ahti (1807). 18.55: Ilalcve: Die Jüdin. .— London (342), 19.30: u. a. Weinberger. Tum- und Sportlehrer-Ausbildung. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Im Anschluß an das Gymnastikinstitut von Frau Alice Bloch, Stuttgart, Zeppelin- Straße 32, wird, gefördert vor! der Schuhabteilung der Reichs- Vertretung und dem Oberrat der Israelitischen Religionsetneinschaft Württembergs, ein einjähriger Lehrgang zur usbildung von j t! d i s c h e 11 Turnu 11 d S p 0 r t I c!1 r - kräften eröffnet. Schulgeld monatlich 35 RM. Billige Unterkunftsmöglichkeiten vorhanden. Gesuche um Zulassung sind umgehend an das obengenannte Institut zu richten.?24 du» dem Hebräischen von Dr. Mas• Mayer, Jerusalem Nachdruck rtrboten (Schluß) Die beiden anderen waren bereits wieder in die I.ehmblitte gegangen, und Sara stand mit aufgekrempelten Ärmeln ut» Lehmherd. Uri war draußen geblieben. Die Dämmerung, die die Gipfel der Berge und die einsame Terebinthe geheimnisvoll umschleiert hatte, umfing auch ihn. Lange Zeit lauschte er dem Weben der Nacht and der Stimme seines Herzens, die eins geworden waren. Als die Morgenröte aufleuchtete, erwachte er, stand rasch *uf, packte sein kleines Bündel, nahm seine Arbeitsgeräte und ging m die Berge. Uri stieg bergauf. Die Morgensonne war noch nicht aufgegangen, und die Striiurher des Dornbuschs trugen noch Tautropfen auf ihren winzigen Blättchen, als Uri zur Höhle kam, in der er mit dem alten Jcchiel die Schafe geweidet halte. Dort legte er sein Bündel hin. Er setzte sich auf den Felsen und hing seinem Denken nach. Ob es überhaupt Gedanken waren, wußte er nicht. Er spürte nur ein dumpfes liegen, das seinen Körper durchschauerte. Unwillkürlich nahm er Hammer und Meißel in die Hand und stieg den Berg höher hinan. Als er an eine rote Schicht des Steins kam, schwang er seinen Hammer und begann ihn zu behauen. Der verwitterte Steinüberzug sprang ab und darunter wurde rotgeäderter Marmor sichtbar. Uri setzte sich und wurde wiederum von der Unruhe »eines Denkens erfaßt. Jetzt zog an ihm das Oedland vorüber, die Wasserquellen, die Männer mit den struppigen Bitten, ein •chwarzer Berg, Mönche, schwarze Zcltbehänge, die Dämmerung eines Sonnenuntergangs, das Hufen des Hirten. Es war ihm, «1» ob er dies alles mit seinen Händen betaste. Aber wie dies alles erschienen war, so verschwand es auch wieder. Uri saß in angestrengter Spannung da, ohne zu wissen, daß seine Hand bereits wieder den Hammer schwang. Er fuhr fort, den Stein 711 behauen, gleich als ob ct vor sieb etwas sehe, das der Gedanke noch nicht fassen kann. Aber als er plötzlich zu sielt kam, sah er, wie durch einen dünnen Nebel ein bekanntes Gesicht, weiße wi’dwaclisende Haare über Selm Ilern und die entblößte Brust fallend, einen lebensvollen, jugendlichen Blick hinter flatternden Haaren, aufrecht und inachtvoll gegen das Oodland gewandt. Der ״alte Jechiel“! überkaai es ihn plötzlich mit der Klarheit eines Sehers, dessen Augen sich öffnen, und dessen Glteder freudige Trunkenheit erfüllt. Der Meißel sprengte harte Splitter ah, schnitt den Marmor und schmiegte sich zart an das rote Geiider des Steins. Der Tag war ihm zu kurz, die Nacht zu lang, und auch in den Stunden des Ausrollens arbeitete sein Denken unermüdlich, sammelte alte Erinnerungen, verband längst vergessene Widerhalle zu einer Melodie, klammerte sich an das Belief dos Marmors und an den feinsten Regungen der Seele des toten Jcchiel fest — bis er lebendig vor ihm stand. Als Sara am Morgen aufstand, bemerkte sic. daß Uri nicht da war. Als sie ihn auch nicht l>eim Vieh fand und er auch mittags nicht zurückgekoinmen war, nahm sie ein kleines Bündel mit Essen unter ihren Arm und folgte seinen Spuren in die Berge. Während sie noch unten stand, erb'ickte sie ihn hoch oben arbeitend. Aber der einsame Steinhauer am Berg war so sehr in seine Arbeit vertieft, daß ihr Herz ihr sagte, sie dürfe ihn nicht stören. Sie legte das Essen an den Eingang der Höhle neben sein Bündel und kehrte zurück. So tat sic Tag für Tag. Die rote Steinsäule begann Leben zu bekommen. Anfangs stand sie wie eine Gottheit der Vorzeit noch mit dem Berg verbunden, denn ihr Sockel war der Felsen selbst. Unter dem Meißel traten allmählich die Falten des Gewandes hervor, bis die gerade und aufrechte Gestalt eines Greises deutlich sichtbar wurde, ein Symbol des Glaubens an don Menschen und das Oedland. Manchmal versank Uri plötzlich in tiefes Nacbsinnen, wie wenn der Faden seiner Hand entglitten wäre, der ihn mit seinem Werke verband. Aber wenn er dann den Anblick des Sees und die Kahlheit der Berge in sich einsog, wurde seine Hand wieder sicher. Uri wußte, wer ihm das tätliche Essen an den Eingang der Höhle brachte, alter er batte nicht ,'1iiße, viel «lanilter rachzudcnken. Er gehörte nicht mehr sich selbst, sondern den Erinnerungen und Widerballen, den vergessenen 'Fönen und Gerüchen. Aber an dem Tnq-o, da Jeehiel, in seinen Mantel gehüllt, auf «lern Socke] das wilden Felsens stand, konnte t ri seine Einsamkeit nicht mehr ertragen. F.r irrte auf dein Berge umher, tim einen Ge führten zu finden, der an dem Glück, das ihn überwältigt halte, teilnrlime. Der Borg war öde Und menschenleer. Uri fühlte, daß sein Herz zu eng sei. die Freude zu fassen. Da sah er Sara den Berg zur Höhle hinansteigen. Uri trat auf einen I'elsvorsprung, winkte ihr mit de« Händen und rief wie trunken: ״Sara! ,Sturm•Sara' 1 llascli! Komm!“ Und als Sara gekommen war und vor der in Stein gebauerten Gestalt Jechiels stand, überkam Uri plötzlich eine unendliche Schwäche. Er sank auf den Stein und weinte wie ein Kind —- Am nächsten Tag machte sich Uri mit einem Joch Ochsen, die einen Dreschsclilitten hinter sich lierzogen, vom ״Hügel der Ruhe“ auf dem Weg zum Berg auf. Die anderen ginge*» mit ihm. Sie legten die Statue vorsichtig auf den Schlitte« und führten sie ins Oedland hinab. Uri lenkte die Tiere auf dem ihm vertrauten Weg, und hinter dein Schlitten gingen Sara und die beiden anderen. Sie waren bereits an den 1*1 atz von Naifs Schloß gekommen, das immer noch ohne Dach stand, und an die gelben, vertrockneten Pflanzungen. Uri lenkte die Tiere ins Tal, blickte nach allen Seiten und erkannte auch den Ort wieder, an dem damals die Redter aus dem Hinterhalt hervorgebrochen waren. Hier wäre« sie um den Leichnam dos alten Jcchiel galoppiert Hier hielt Uri die Tiere an. Die anderen kamen heran, vereint hoben sie vorsichtig die Mnrmorstatuo herab und stellten sie auf. Als sie gerade damit fertig •waren, wurden Hupen von Automobilen hörbar und die lauten Stimmen der Leute, die von der ״Station Müde“ zum ״Hügel der Ruhe“ heraufkamen. Die Leute hielten, stiegen ab und stellten sich vor den» Marmordcnkmal in der Runde auf. Zu ihren Herzen, die siel» in den müden Körpern nach Ruhe sehnten, sprach der Geist des ״alten Jechiel“. ENDE 35 t in sich annt lorn, iick, keit irde,