Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-12-13 · Heft 100 (13.12.1935) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 100 (13.12.1935)
Date
1935-12-13
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653917--27877-2689335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

*ן *#ז«* JtlOISCWE RUNDSCHAU Nr. 100, 13. XII. 1935 Die Wahlen in Tel Awiw Wie aus Tei-Awiw gemeldet wird, ist die Wahlbewegung im lebhaften Gange. Im Laufe dieser Woche haben eine große Menge von Wahlversammlungen stattgefunden, und auch durch die Presse, Flugzettel und Plakate wird eine starke Agitation für die einzelnen Parteien getrieben. Wie bereits berichtet, sind im ganzen 24 Listen zu den am 15. Dezember stattfindenden Wahlen eingereicht worden. Diese übertriebene Zersplitterung kann wohl keineswegs als ein Zeichen besonderer Staatsbürgerlicher Reife aufgefaßt werden, und es ist kein W'undcr, daß auch die palästinensischen Zeitungen sich dazu mit Bedauern äußern. So z. B. schreibt Gfickson im ״Haarez“, man könne hier beobachten, daß das politische Parteienspiel nicht bei den wirklichen prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten Platz greift, sondern um seiner selbst willen als eine Art Sport betrieben wird. Es sei schon jetzt Idar, daß viele der eingcreichten Listen die hinterlegte Bürgschaft von 75 Pfund verlieren werden, weil sie keinen einzigen Kandidaten durchbringen werden. Charakteristisch sei, daß die Zersplitterung sogar innerhalb der einzelnen Gruppen Platz gegriffen nabe. So seien unter den Listen zwei Arten von ״Kaufleuten“, zwei Arten von ״Einwanderern aus Polen“, zwei Arten ״Sefardim“ usw. Das einzige Tröstliche erblickt Glückson darin, daß diesmal auch das Zentrum, das hei den vorigen Wahlen hinter den Flügclparteien fast völlig zurücktrat, in Erscheinung trete. Vielleicht wird es manche unserer Leser interessieren, wenn wir hier ein Verzeichnis der eingcreichten Listen wiedergeben. Um die 15 Mandate bewerben sich folgende 24 Listen: 1. Liste Dizcngoff, 2. Misrachi und Unparteiischc Orthodoxe, 3. Liste ״Pro Tel-Awiw“, 1. Vereinigte Orthodoxe (einschließlich Agudas Jisroel), 5. Handwerker- Zentrale, 6, Hapoel Hamisrachi, 7. Vereinigung der organisierten Handwerker, 8, Vereinigung der Hausbesitzer, 9. Kaufleute, 10. Vereinigung der Einwanderer aus Polen, H. Revisionisten, 12. Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland und Oesterreich (Felix Roscnblüth, l)r. Horowitz, Ing. Ornstein, Nadja Stein), 13. Mieter-Organisation, 14. Zentrale der kleinen Kaufleute, 15. Arbeiter-Organisation (Aronowitz, Sambarsky, Dow Hos), lb. Zionisten aus Polen, 17. Zentrum (Vizebürgermcister Rokcacb, Dr. Bogratsdiow), 18. Verband der Unparteiischen Orthodoxen (anscheinend Sefardim), 10, Hausbesitzer, 20. Jemeniten, 21. Progressive (Dr. Glückson, Dr. Mossinson), 22. Sefardim. 23. Linke Poale Zion, 24. Unparteiische Jemeniten. Die neuen Pläne des Organisationen Departments Bei einer von der Palästina-Exekutive veranstalteten Pressekonferenz äuHerten sich die Mitglieder der Exekutive. David Ben Gurion, Rabbi Fi sch mann und J. Grunbaur» über die Aufgaben des Organisation«- Departments der Exekutive und die Bedeutung seiner Verlegung rach Jerusalem. Die Redner betonten besonders die Notwendigkeit einer verstärkten zionistischen Erziehung der jüdischen Massen. Nach einer Periode der Spaltung habe die Bewegung auf dem Luzerner Kongreß wieder eine Einheitsfront geschaffen. Dies darf sich aber nicht mir auf die Exekutive beziehen, sondern muß auch die Organisationen in allen Ländern ergreifen. Es müßten einheitliche zionlstische Verbände geschaffen werden, um die in einigen Ländern noch vorhandene Assimilation zu bekämpfen and die Gleichgültigkeit weiter jüdischer Massen zu brechen. Das Organisations-Department setzte sich als Ziel, im kongreßlosen Jahr 56% eine Million Schekel znhler zu erreichen. Während des Jahres 1936 werde in allen in Bctracht kommenden Ländern, vor allem in Polen und in Amerika, gemeinsame zionistische Konferenzen aller Parfeien einberufen werden, um in jedem Land eine geeinigte zionistische Organisation herzustcllen. Von der Woche Dr. Weizmann war am 8. Dezember bei Sir Arthur Wauchope zu Gast. Die Palästina-Regierung hat einer! Fünf-Jahresplan zur Aufforstung des ganzen Landes aufgestellt. 5000 Dunarn sollen jährlich mit Baumen bepflanzt werden. Die Regierung hat 1000 Pfund für die Aufforstung des Oelberges, mit Rücksicht auf seine historische Bedeutung, extra budgetiert. Der stellvertretende Direktor des Boden-Departements der Palästina-Regierung, Mosche buch an, scheidet aus dem Dienst. Er ist einer der wenigen jüdischen höheren Bcamten, die schon im April 1921 in den Dienst der Palästina- Regierung getreten sind. Die Stadtgemcinde Tel-Awiw hat Henrietta Szold in Anerkennung ihrer Verdienste auf dein Gebiete jüdischer Sozialfürsorge das Lhreiibiirgerrecht verliehen. Miss Szold ist die erste Frau, der diese Ehrung zuteil wird. In ciiwr außerordentlichen Versammlung der Aktionäre der Gesellschaft N i r wurde beschlossen, das Kapital durch Emission von Vorzugsaktien in Nominale von 40 000 Pfund und gewöhnlichen Aktien im Gesamtbetrag von 30 0011 Pfund zu erhöhen. Das eingetragene Gesdlsdiaftskapital wird dadurch die Summe von 145 000 Pfund erreichen. Die Stadt Tel-Awiw befaßte sich mit einem Vorschlag der palästinensischen Eisenhahnverwaltung, in Tel- Awiw und der unmittelbaren Nachbarschaft fünf Straßenbrücken und zwei Un tergrund-Uebergänge für Fußgänger zu errichten. An den Gesamtkosten von 40 000 Pfund will sich die Regierung mit einem erheblichen Betrag beteiligen. In Haifa wurde der Grundstein zu einer neuen Schule der Alliance israelite im Hadar Hacarmel gelegt. Der Bau, der 1000 Schüler aufnehmen soll, wird 12000 Pfund kosten und soll nächsten Oktober vollendet sein. Mit Rücksicht auf den kürzlich erfolgten Tod des Alliance-Präsidenten Sylvain Levy wurde die Zeremonie ohne besondere Feierlichkeit abgehalten. Die Hitachduth Haikarim gründet auf einem ihr von der Pica im Pardeß Chana zur Verfügung gestellten Terrain von 300 Dunarn eine landwirtschaftliche Schule. Auf die Bitte der Vereinigung hat nunmehr auch der Jüdische Nationalfonds ein angrenzendes Grundstück von 150 Dunarn, das für die Pflanzung von Obst- und Waldbäuitien geeignet ist, zu demselben Zweck übergeben. Der Waad des Hadar Hakarinel hat eine Aktion durchgeführt, um die Reinlichkeit in dieser neuen jüdischen Stadt am Karmel zu erhöhen. Im Rahmen dieser auf dem Hadar Hakarme! durchgeführten ״Sauberkeits-Woche* wurde Basler Hof, Basel! Das gut gelahrte Haus Zimmer ab Fra. 4.50 | Briefe von einer Orient-Reise Von C. Z. Klötzel, Jerusalem 2. Die ״Universität des Nahen Ostens“ (Vgl. den ersten Artikel und die Vorbemerkung in Nr. 97) Beirut, im November ״Wir haben in diesem Wintersemester insgesamt 1343 Schüler und Studenten“, sagt mir der junge Amerikaner, der der Sekretär der ״American University of Beirut“ ist. ״Sie kommen aus allen Landern des Nahen Ostens. Ihr Palästina z. B. ist fast mit einem Sechstel dieser Zahl vertreten, genau mit 217 Anmeldungen. Die Palästinenser — Juden und Araber zusammengezählt — sind die zweitgrößte nationale Gruppe unter unseren Studenten, nur die Republik Libanon stellt — mit 588 Mann — ein größeres Kontingent. Auf Palästina folgt Syrien (109), Irak (86), Aegypten (68), Iran (38). Es studieren 13 Transjordanier bei uns, 12 Türken, 5 junge Leute aus Saudi Arabia, 11 Sudanesen, 5 Albanesen, 1 Abessinier, 1 Mann aus Aden, 2 Malaien und 5 Bewohner der Insel Sansibar. Die größte religiöse Gruppe unter unseren Studenten bilden die sunnitischen Moslems (366), dann kommen die Griechisch-Orthodoxen (296), die Protestanten (214), die Juden (125). Außerdem haben wir Drusen, Bahais, Schiiten, Assyrer, Chaldäer, Ncstorianer, Maroniten, Kopten, Grcgorianer — von den bekannteren christlichen Sekten ganz abgesehen. Sogar einen Anhänger Zoroasters haben wir.“ ״Und weichen religiösen Charakter trägt die Universität selbst?“ ״Sie wurde vor mehr als 70 Jahren (1862) von der Protestantischen ,Amerikanischen Mission in Syrien‘ gegründet. Mit der Zeit hat sie ihren Missionscharakter völlig verloren. Wenn hier Proselyten gemacht werden, so nicht für eine Konfession, sondern für die Wissenschaft — und fiir gegenseitige Toleranz. Unsere Lehrerschaft ist fast genau so national und religiös gemischt, wie die Schülerschaft. Hier itn Nebenzimmer werden Sie Herrn Appelrodt finden, dessen Eltern aus Polen nach Palästina erwanderten, und der als Student zu uns kam. Heute ist er eine der maßgebendsten Persönlichkeiten der Universitäts-Verwaltung. Auch wird es Sie wohl interessieren, Herrn Professor Oppenheimer kennenzulernen, der früher in Frankfurt a. M. tätig war und seit zwei Jahren unser Röntgeninstitut leitet. Oder Herrn Professor Kreier, einen deutschen Vollarier. Und wenn Sie in unsere ,Schule für Krankenschwestern‘ kommen, werden Sie in der Oberschwester eine Palästinenserin begrüßen können... Amerika• Interassan ״Und was hat das alles... mit Amerika zn tun? Welchen Vorteil bringt diese Universität den Amerikanern?“ Der junge Amerikaner lächelt: ״Sie mögen es glauben oder nicht: gar keinen! Wir haben ebenso wenig politische oder kommerzielle Absichten, wie wir heute noch religiöse haben. Wir haben nur den Ehrgeiz, für die arabische Kultur di»'׳wj!eistcn/wasEdw’Seiebwrne utid Oxford einmal für die lateinische ,geleistet jhaben, wir wollen sie über eine tote Epoche’, MhüBertcttSh. 'Phiktrsch,1* wlfc wir einmal sind, begniigen־ wir iffts" dabei nicht mit Philologie und Philosophie im weitesten Sinne. Wir schulen die junge Intelligenz des Nahen Ostens in einer Reihe von praktischen Berufen. Wir bilden Aerzte und Zahnärzte aus, Apotheker und Hebammen, Chemiker und Krankenschwestern. Auf unserer Handelsschule lernt man nicht nur die Grundzüge der Nationalökonomie, sondern auch Buchführen, Schreibmaschine und Reklamekünde. Unsere sprachliche Ausbildung in Englisch und Französisch wird allgemein als erstklassig bezeichnet. Wir haben Kollegs über ,Die Geschichte des islamischen Denkens1, über ,Die Entstehung des modernen Englands‘, über ,Praktische Astronomie‘ und über ,Straßenbau‘. Unser ,Musik-Institut‘ gibt nicht nur theoretischen Unterricht, sondern vokale und in- Strumentale Ausbildung. Wir schmeicheln uns, mindestens auf dem Gebiete der Medizin nicht nur ein Lehr-, sondern auch ein Forschungsinstitut zu sein. Aber von all dem hat Amerika gar nichts —- ausgenommen die Sympathien, die wir ihm hoffentlich erwerben.“ Reiche Ausstattung Für diese Sympathien haben die Amerikaner nicht nur den Enthusiasmus einer ganzen Reihe älterer und jüngerer Gelehrter aufgebracht, sondern auch einige Millionen Dollars. Selbst wenn man in Betracht zieht, daß die wissenschaftliche Forschungsarbeit, insbesondere auf medizinischem Gebiet, in großzügiger Weise durch die Rockefeller-Stiftung finanziert wird, bleibt doch noch ein beträchtliches Kapital, aus dessen Zinsen der gesamte Lehrbetrieb gedeckt wird. Durch das Riesengelände der ״American University of Beirut" zu wandeln, muß für jeden Freund der ״Hebräischen Universität“ in Jerusalem das Erlebnis eines kombinierter! Wach- und Wunschtraums sein. Sie ist mit einem Reichtum ausgestattet, wie ihn wohl nur amerikanische Universitäten kennen. Eingebettet in einen wundervollen Park liegen Hörsäle und Laboratorien, Kliniken und Sportplätze, Studentenhäuser und Bäder, — selbst ein astronomisches Observatorhim fehlt nicht. Die Gebühren für die Studierenden sind nicht gerade billig, aber sie stehen in keinem Verhältnis zu der hervorragenden Ausrüstung, die diese Hochschule in den Dienst ihrer Lehrtätigkeit stellt Wissenschaftliche Leistung Ich fragte Professor Oppenheimer, ob diese ״Upiversität des Nahen Ostens“ in Hinsicht ihrer Leistungen mit europäischen Hochschulen zu vergleichen sei. ״Ich kann natürlieh nur über mein eigenes Gebiet zuverlässig urteilen“, antwertete er, ״also über die medizinische Ausbildung. Ich muß gestehen, daß ich mit großem Mißtrauen den Ruf hierher annahm — und auch nur zur Probe. Nun, die Probezeit ist längst überschritten und ich fühle mich sowohl als Mensch wie als Wissenschaftler hier sehr wohl. Wenn ich allerdings geglaubt hatte, auf meinem Spezialgebiet etwas Neues bringen zu können, so habe ich mich getäuscht: die amerikanisehen Kollegen hier verstehen von der Röntgenologie nicht weniger als ich. Die wissenschaftlichen Leistungen, die aus unseren Kliniken und Laboratorien hervorgehen, sind beachtenswert. Und die ,Schwcstern-Schule‘ dieser Universität ist ein Musterinstitut, das selbst dem berühmten Vorbild fo Charlotten bürg nichts nachgibt.“ ״Und wie steht es hinsichtlich der Schülerschaft?“ ״ich habe hier eine Spezies gefunden, die wir in Europa nicht kannten: den dummen jüdischen Studenten. Denn in schneller Auffassungsgabe gibt der arabische Student dem jüdischen nichts nach, während manche Juden, insbesondere orientalischer Abstammung, hinter dem Durchschnittsmaß der Begabung Zurückbleiben.“ , _ ״Es gibt also keinen wesentlichen Unterschied zwischen jüdischen und arabischen Hochschiilern?“ ״Doch. Einen solchen wesentlichen Unterschied gibt es. Der arabische Student hat im allgemeinen wenig Sinn für abstrakte Forschung, er sucht in der Wissenschaft vornehmlich den praktischen Zweck, ln dieser Hinsicht ist ihm der jüdische Kommilitone überlegen ... wenigstens heute noch.... Blick zum Scopus Die ״Hebräische Universität Jerusalem“ und die ״Amencan University of Beirut“ sind nicht nur Nachbar-Universitäten, sondern sie haben auch in ihrem Aufbau manches Gemeinsame. Fragt man hier in Beirut nach den Beziehungen zwischen den beiden Hochschulen, so erhält man die Antwort: ״Wir stehen in den freundschaftlichsten Beziehungen zueinander.“ Indessen spürt man bald heraus, daß diese Freund- Schaft offenbar reichlich platonisch ist und daß die maßgebenden Beiruter Instanzen etwas verschnupft sind. Jedemfalls scheint es zu praktischer Zusammenarbeit, die in vieler Hinsicht möglich und in jeder wünschenswert wäre, bis jetzt so gut wie gar nicht gekommen zu sein. Das ist vom jüdisch-palästinensischen Standpunkt aus sehr bedauerlich und so sollte alles geschehen, um diesen Zustand zu ändern. Man sollte in Erez Israel nicht vergessen, daß man den Beirutern gegenüber eine gewisse Dankesschuld hat. Diese Universität hat jahrzehntelang junge Leute aus dem Jischuw in vorzüglicher Weise für ihren Beruf ausgebildet, und es wird noch eine beträchtliche Zeit dauern, ehe die Hebräische Universität sie voll wird ersetzen können. Das Beiruter Immatrikulations-Register für dieses Wintersemester weist auf: 17 jüdische Schüler fiir allgemeine Medizin, 6. für Pharmakologie, 6 für Zahnheilkunde, 10 Lehrschwestern,',die in Beirut eine Ausbildung erfahren, die ihnen Jerusalem vorläufig nicht geben kann — von den 25 jüdischen Studierenden der philologisch-philosophischen Fakultät ganz abgesehen. Es kommt aber noch ein anderer Gesichtspunkt hinzu. Die ״American University of Beirut“ ist der einzige Punkt im ganzen Orient, an den! jüdische und arabische Hochschüler und Hochschullelirer miteinander in Berührung kommen, und zwar in einer rein sachlichen, völlig entpolitisierten Atmo- Sphäre. Wir müssen wünschen, daß diese ebenso seltene wie «richtige Gelegenheit, geistige Berührungspunkte zwischen luden und Arabern herzustellen, von seiten der ׳Hebräischen Universität auf das nachdrücklichste gefördert wird. An der außerordentlichen Hochschätzung, die man in Beirut für den wissenschaftlichen Rang der Jerusalemer Universitat_ hegt, kann kein Zweifel sein. Dagegen hat es den Anschein, als wenn einige Mitglieder der Jerusalemer Professorcnschaft, insbesondere solche, die ihr noch nicht allzu lange angehören, keine ganz zutreffende Vorstellung von der Ebenbürtigkeit ihrer Beiruter Kollegen haben. Aus diesem Irrtum scheinen Mißverständnisse entsprungen zu sein, deren Folgen für Jerusalem bedauerlicher sind ab für Beirut. Glücklicherweise sind diese Mißverständnisse leicht zu behebart. Der neuen Universiiätsleitung in Jerusalem darf man genügend Einsicht und Energie Zutrauen, um •die Beziehungen zu der so viel älteren Nachbar-Universität über das Mal) ״freundsehaftlicher Anerkennung“ zu enger wissenschaftlicher Zusammenarbeit zu steigern. Das Hochschullehen des Orients macht starke Wandlungen durch. In Kairo gibt es eine nationale ägyptische Universität, in Konstantinopel eine türkische, in Bagdad sind amerikanisChe Jesuiten am Werk, in aller Stille eine Hochschule fiir den Irak aufzubauen. Will die Hebräische Universität nicht eine, unter vielen sein, will sie in Zukunft jenen Rang einer ״Universität des Nahen Orients“ einnehrnen, der heute noch der ״American University of Beirut“ zukommt, so wir3 sic dieses Ziel nur auf Grund jenes geistigen Wettbewerbs erreichen, dessen Voraussetzung Kooperation ist. r— MAGISTER KIRSCH—י Der •ute Likör Magl1:sr׳Uk9rlabrlk, MOnctien VII eine Reihe von Versammlungen abgehalten, in denen aut die Notwendigkeit hingewiesen wurde, für Reinlichkeit in den Straßen zu sorgen. Gruppen von Schülern und Sportleuten zogen durch die Straßen und erteilten dem Publikum Weisungen, wie man für Reinlichkeit zu sorgen hat. Die Ergebnisse des Ende April/Anfang Mai abgehaltenen Palästinensischen Examens für Anwälte aus dem Auslande (Foreign Advocate’s Examination), woran sich 97 Kandidaien beteiligt haben, wurden jetzt bekanntgegeben. 13 Kandidaten haben bestanden, darunter aus Deutschland Dr. A. Blum, Dr. E. Katzen5tein, Dr. F. Perles, Dr. L. Schocken und Dr. Sommerfeld. Als Mitarbeiter Kurt Blumenfelds wird Dr. Ernst Simon in der Abteilung der Hebräischen Universität für Information und Propaganda tätig sein. Anläßlich des 50. Geburtstages des hebräischen Schriftstellers J. D. Berkowllich fand unter dem Vorsitz von Dr. Saul Tschernichowskl ein vom hebräischen Pen-Klub Palästinas veranstaltetes Bankett statt. Die Handelskammer in Nablus beschloß, versuchsweise Seife aus Olivenöl nach Indien auszuführen. Kritisches zur Tel-Awiwer Messe Anläßlich der beginnenden Vorbereitungen zur Messe in Tel-Awiw schreibt Mosche Smiianski im ״Bustenai“: ״Seit Jahren, seit wir begonnen haben, die Ausstellungen in Tel-Awiw zu machen, habe ich Bedenken, und es scheint mir, daß jetzt die Zeit gekommen ist, um sie öffentlich zu äußern, zu einer Zeit, wo die fremde Einfuhr und der Dumping unsere Lage im Lande immer mehr bedrohen. Ich stelle mir immer die Frage: Für wen stellen wir aus, für u nsere Industrie oder für die ausländische? Eine Ausstellung, welche auf der einen Seite die hochentwickelte ausländische Industrie zeigt, auf der anderen Seite die beginnende hei* mische Industrie, kann für diese letztere keinen Gewinn, sondern nur eine Bedrohung bedeuten. Gewiß hat es für uns einen großen Wert, unsere Produktion den Bewohnern des Landes und der Nachbarländer, deren Industrie rückständig ist, vorzuführen. Aber .welches Interesse haben wir von unserem Standpunkt aus, das letzte Wort der europäischcn Industrie neben dem ersten Wort der heimischen auszustcllcn? Die Besucher müssen doch den ersteren den Vorzug geben. Wer weiß, ob nicht gerade diese Ausstellun- •—!י dischen Konkurrenz nicht zu halten vermag. Die Zeit ist gekommen, Nutzen und Schaden dieser Ausstellungen gegen* einander abzuwägen.“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.