Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-12-13 · Heft 100 (13.12.1935) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 100 (13.12.1935)
Date
1935-12-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653917--27870-2689328
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 100, 13, XII. 1935 JODlSCHf »UN5SCHAIJ Seife 9 Büchersammlting für die Jugendalijah Von Margaret« Moses Jungs Menschen aus Deutschland, verbunden mH deut» schem Sprachgut und deutscher Kultur, wandern aus nach Erez Israel, in das Land unserer Väter, das das Land unserer Jugend geworden ist. Diesen Menschen ist durch die Jugendalijah die Möglichkeit zu einem neuen Leben gegeben, sozusagen wird ihnen durch diese Alijah erst ihr Leben, das sie mit Bewußtsein gestalten sollen, zum zweitenmal geschenkt. Sie wissen es, diese jungen Menschen, daß ein arbeitsreiches, ein schweres Leben ihrer wartet. Aber sie wissen auch, daß es ein aufrechtes, ein echtes, ein gesundes Leben sein wird. Diese jungen Mädchen lernen Hebräisch neben der körperliehen Arbeit; sie mühen sich um unsere heilige Sprache, die dort die Sprache des Alltags, die Sprache des Lebens sein wird. Aber es ist nicht immer Ident, in einer neuen Sprache zu denken, in ihr aufzugehen. Und wenn diese Menschen in den Stunden der Erholung nach geistiger Anregung verlang«, nach Entsjvannung, vielleicht nach Belehrung, so ist es «in fast Unmögliches, von ihnen zu erwarten, daß sie auch hier in der Entspannung nach dem hebräischen Buch greifen. Diese schwerarbeitende lugend wird, zumindest die ersten zwei Jahre, die Möglichkeit haben müssen, sich an deutschen Büchern auszu ruhen und zu belehren. Wir wissen all die Einwände, die dagegen vorgebracht werden. Wir haben cs uns sorgsam überlegt, ob wir die Forderung erheben dürfen, daß nur das hebräisch« Buch der Freund unserer jungen Menschen sein dürfte. Wir wollen versuchen, uns Bilder aus dem Leben diesen jungen Menschen vor Augen zu führen. Ein ldjähriger Junge etwa, der seit einem halben JahT landwirtschaftlich gearbeitet hat, erkrankt an Papataschi. Er liegt mH Fieber zu Bett. Nachdem die ersten Tage der Krankheit vorüber sind, hat er das Bedürfnis zu lesen. Er wird nicht in der Lage sein, ein hebräisches Buch durchzuarbeiten, denn zu einer solchen Arbeit reichen seine Kräfte nicht aus, Aber ein deutsches Buch, ein guter Roman, ein Schauspiel von Goethe werden ihm ein ungeahntes Geschenk bedeuten. Ein anderer, ein älterer Chawer, liegt an einer Darmerkrankung zu Bett. Auch ihn verlangt es danach, seinen Geist auf nicht allzu anstrengende Weise zu beschäftigen. Er bittet um ein deutsches Buch, aber in der Kwuzah sind nur zwei vorbanden, und die werden gelesen. Welche Erfrischung wäre es dem Kranken, wenn er eines der vielen herrlichen Büch« aus dem Bücherschrank seiner Eltern zur Verfügung hätte. Wir wissen von einem 16jährigen Jungen, der innerhalb einer dreiwöchigen Krankheit einige Bände von Dubnow von Anfang bis zu Ende durchgelesen hat, in deutscher Sprache allerdings, und daß der Junge sein Krankenzimmer verlassen hat mit dem glücklichen Gefühl, in der Zeit, die ihn seiner eigentlichen Arbeit ferngehalten hat, sein Wissen um die Geschichte seines Volkes ungeheuer bereichert zu haben. Die Krankheit war für ihn dadurch zu einer Quelle der Be* lehrung geworden. Aber nicht nur im Krankheitsfall ist es den jungen Menschen Bedürfnis, ihren Geist weiterzubilden. Es liegt vielleicht tief im jüdischen Menschen das Bedürfnis, die jahrhundertelange Tradition, Geistiges in sich aufzunehmen und zu verarbeiten. Und dieses Bedürfnis ist es wert, gepflegt zu werden. Miß Szoid hat uns bei ihrer letzten Anwesenheit in Berlin gesagt, wie wichtig es ihr erscheint, daß die Menschern der Jugendalijah die Beziehung zum deutschen Kulturgut nicht verlieren. Wie leicht können wir dafür sorgen, daß ihrem Wunsch entsprochen wird! Viele Haushaltungen werden aufgelöst, viele gute Bücher können von den Auflösenden nicht mitgenommen werden. Die Zentralsammelstelle für die Jüdische National- und Uni• versitätsbibliothek nimmt auch solche Bücher, die für di« Jugendalijah bestimmt sind, dankbar entgegen und leitet si« nach Erez Israel weiter. (Berlin W15, Meinekestraße 10.) Wir sind überzeugt, daß es nur dieses kurzen Hinweises bedarf, um der Sammelstelle eine Fülle bester Literatur zut Verfügung zu stellen. Ihr Chenukkati - GeicHsnk: Hygiene und Judentum Ein prachtvoll•! Sammelwerk, in Ganzltintn ge• bunden, von der gesamten jüdischen und Fach• presse bestem rezensiert, {•tat rum ermäßigten Prei! von fcM 3•—. Zw beziehen durch all« |üd. Buchhandlungen oder durch den V*H«*o Jac. Stern licht, Oraadan AIS Die soziale Grundlage der Makkabäer-Siege Dr. Adolf Damaschke, der am 30. Juli dieses Jahres, also kurz vor Vollendung seines 70. Geburtstages am 24. November, starb, schreibt in seiner gerade tür unsere Gegenwart wieder so bedeutsam gewordenen, unvergängliehen Schrift: ״Bibel und Bodenreform“ folgende beachtenswerte Sätze: ״Bald nach der Rückkehr (der Juden) aus der babylonischen Gefangenschaft begann wieder die Nichtachtung der mosaischen Gesetze, die Land und Menschen in Knechtschaft zu bringen drohte.“ — Da war es Nehemia, der mit fester Entschlossenheit die soziale Ordnung auf eine gesunde Basis stellte. ״Ich brachte eine große Gemeinde wider sie — —. So gebet ihnen nun heutigen Tages wieder ihre Aecker, Weinberge, Oelgärten und Häuser und den Hundertsten am Oelde, am Getreide, am Most und am Oel. — Da sprachen sie: Wir wollen es wiedergeben und wollen nichts von ihnen fordern und wollen tun, wie Du gesagt hast. Und ich rief den Priestern Und nahm einen Eid von ihnen, daß sie also tun sollten.“ Dieser neue Aufbau der alten sozialen Ordnung, fährt Dr. Damaschke fort, schuf wieder einen lebenskräftigen jüdischen Bauernstand, der die Siege der Makkabäer ermöglichte, der noch einmal ein jüdisches Reich aufrichtete.“ — Es wäre sehr zu wünschen, daß die herauswandernde und Heranwachsende jüdische Jugend mit der Bodengesetzgebung Moses vertraut gemacht würde, den Dr. Damaschke m ״Bibel und Bodenreform“ ״jene gewaltige, durch die Zeiten ragende Gestalt nennt, auf die alle wichtigen Einrichtungen und Gesetze des jüdischen Volkslebens zurückgeführt werden“. Selbstverständlich müßte zugleich, der Aufnahmefähigkeit des jeweiligen Alters entsprechend, die Wissenschaftliehe Erweiterung und Ergänzung der Bodenlehre, wie sie Henry George, Adolf Damaschke und Franz Oppenheimer feschaffen haben, den jungen Menschen übermittelt werden, amit endlich ein Geschlecht heranwächst, das gelernt hat, in der Bodenfrage den wichtigen, wohl fundamentalen Schlüssel zum Verständnis der Geschichte der Juden in ihrer Vergangenheit, den Ausblick auf Lebensmöglichkeiten in der Zukunft kennenzulernen. _Otto Juliusburger Die jüdische Keramikerin Lea Haipern hat, wie uns aus Amsterdam geschrieben wird, Arbeiten ausgestellt, und zwar im Jüdischen Museum Amsterdam (anläßlich des 300jährigen Gemeindejubiläums), im Stadt. Museum zu Amsterdam (het Stedelijk museum) im Rahmen einer Bauausstellung, und im eigenen Atelier. Es ist keine freundliche ansprechende Kunst, die Lea Halpem sehen läßt, dazu ist sie zu ehrlich und zu kräftig. Es liegt hier etwas Derbes, Verwurzeltes über ihrer Arbeit, wie man es bei einer Frau nicht vermuten würde. Eine große Sicherheit in der Formgebung, ein unerträgliches Gefühl dafür, was des Töpfers ist, scheint eine der hervorragendsten Eigenschaften der Amsterdamerin zu sein. Die Arbeit trägt einen stark persönlichen Charakter. Unter den jüdischen Sachen sei hier hingewiesen auf eine herrliche Sederschüssel mit einmodellierten Tierfiguren, eine Menorah in Türkis, die organisch aus ihrem Material herauswächst, sowie noch auf einige andere Kultgegenstände, von denen sieb etliche im Jüdischen Museum zu Berlin befinden. Stücke ihrer Kunst befinden sich in allen Museen Hollands, in Amsterdam, Haag, Utrecht, Groningen usw., sowie in Privatsammlungen des In- und Auslandes. Das Königshaus in Holland hat einige Stücke angekauft. Unbekannte Dokumente Theodor Herzls. Der Wiener Herzl-Forscher Dr. Tulo Nussenblatt hat im Archiv der Pariser Akademie der Wissenschaften bisher unbekannt gebliebene politische Dokumente Theodor Herzls gefun- Funden. Diese ziemlich umfangreichen Aufzeichnungen sind von Herzl selbst in der Akademie der Wissenschaften in Paris in einem geschlossenen Umschlag, kurz bevor er Paris verlassen hatte, hinterlegt worden. Nach den Satzungen der Akademie weiden derart hinterlegte Dokumente erst nach Ablauf einer langen Frist nach dem Tode des Hinterlegers geöffnet. Der Testamentsvollstrecker Theodor Herzls, Direktor M. Reichenfeld, hat dem Zionistischen A.-C. über diesen Fund berichtet. Das Herzl-Archiv in Wien bemüht sich, die Freigabe dieser Niederschriften Herzls zu einem früheren Zeitpunkte zu erlangen._ Im Alter von 64 Jahren starb in Warschau der jüdische Anwalt Saiomon Etting er, «in Urenkel des Wilnaer Gat». Schach Bearbeitet von J. Mieses Die nachstehende um die Meisterschaft gespielt. Partie wurde der Welt am als 24. im Wettkampf 28. November in Delft Euwe Weiß 1. d2—d4 2. c2—e4 3• £2 -g3 4. L cl—d2 Holländische Eröffnung. Alechin Schwarz L c8~b7 «7—e6 fr—f 5 L fS—b4f Lb4-e7 Es wäre verfehlt, in den beiden leUten Zügen von Schwarz einen zwecklosen Tempoverlust zu erblicken, da ja der Läufer sofort nach e7 hätte gehen können. Die feine strategische Absicht, die diesem Manöver zugrunde liegt, tritt beim 7. Zuge zutage. 5. L fl—g2 S g8—18 6. S bl—c3 0—0 7. S gl—£3 S 18—e4 8. 0—0 . Jetzt erkennt man, warum Schwarz den Zug Lei—d2 provorierth.it: wäre das Feld d2 frei, so hätte Weiß hier mit Vorteil 8. S e3X«4 nebst S f3—d2 spielen können. 8. L e7—dB 9. S c3X«4 fS'Xe4 10. S f3—el I. 1»xd4 11. L g2Xc4 L d4y.b2 Diese Spielweise ist von fraglirhem Werte. 11. , , ., d7d5 .19 . 8י 12(1 .20 Auch hier dürfte h2—h4 stärkere Fortsetzung sein. 20. D 17!7 Stellung nach dem 20. Zuge Schwarz. die V 21. Dg6-g5 . Auf 21. Dg6 -g4, Ta8—d8 darf nicht 22. S f3 —g5 geschehen, wegen 22. .... D 11'xM. 23. T fr-'!2, TtDvdlt usw. Weiß mußte zunächst 22. T dlxd8, T fP, . dR und dann erst 23. S f3 düifte den Vorzug verdienen, — £5 snielcri. Na. h 23. . . ., 12. L e4Xh7f K gSxh7 I) 17f3, 24 Dr4 — h5 hat 13. D dl—c2f K h7—8״ Schwarz d.irm mit Schwierig- 14. Dr2Xb2 Sb8—c« Veiten zu k; mpfen wc geil der 15. )(i n . Drohung: £3- •g4. Ein anderes und vielleicht ch.m- 21. T n8.- dB cenreichercs System für Weiß he- 22. h2—h4 T tIS'.'dl steht in!5. L,d2--c3, T>d8— e7, 23. T flydl S c6 - ri4! 16. 12-— f4 nebst 5 gl-13, Damit ist der Angriff von Weiß ahgr-1 hlni'rn. 18, e4—c5 . 24. I,,-3'-d4 rSVrH Ein sehr ebarrenreirhes Raurrn- 25. Tdl/d4 I, b7Xf3 Opfer, das schon de:wegerk hu- 26. T d4- H I) f7 h5 recht igt; ist, weil er, dir v׳'׳n Damit rr zw in nt Alechin ein Schwarz geplante Fortsetzung «:8 Bruif r nf-nd *pir- , da׳, zweifellos für —e5 verhindert. ihn £Hn:-f1£ 1;t. 1«. d6Xc5 27. T I4X*8+ K g8Xf8 17. Ld2—c3 Dd8—e7 28. I")5״ ~f4f D h5 17 Verführerisch ist hier das Qustli- 29. 0 i4vi3 D f7Xl3 tätsopfer 17. . . ., T (8X13. Nach 30. c2x!3 e6—r 5 18. e2Xf3, S c6.d4 wurde 31. Kgl - fl b6—b5 Schwarz dann eine sehr gute 32. K (1.c2 c7.c5 Stellung 'nahen, aber Weiß spielt Hier laßt si׳ h der Weltmeister zunächst 18. T al—dl!. den hier en gehen. Wie nach- 18. Tal—dl b7—b9 träphVh« AnaK־sen ergaben, führt. 19. D b2—c2 . a7—a5 rum Gewinn. Besser wäre wohl 19. h2—h4. 33. K e2—c3 .. Die Partie wurde hier auf Vorschlag von Alechin als remis abgebrochen. — Eine variantenmäßige Analyse dieser Stellung Ist natürlich nicht möglich. Es ergibt sich aber bald, daß Weiß, trotz des Doppelbauern, auf dem Königsflügel eine Bauemformation einnehmen kann, die den schwarzen König dort festhält. Daher werden die schwarzen Bauern auf dem Damenflügel vom weißen König aufgchalten. Aus jüdischen Schachvereinen Dte Schichableihing de* Bar Kochbi Leipzig hat dir offiziellen Ein- Udungen für das vom 25. bis 20, Dezember in Leipzig statt findend« Turnier herausgehen lassen. Für das M׳■ister■׳■׳■ 'haft«n1rmer sind die Meldungen fast aller hervorragenden Spider ein^fgan^en. Die Xennungen für das Xebentumier sind n־׳»rh Dicht rthpc;rhlo^/n. Gleichreitig werden sich in ILeijn!״ die Schach veranfwor* liehen der einreinen Bezirke 2u organisatorischen Bcspro hungen einhnden. ״Nein!“ — wurde ein leises, aber entschiedenes Murmeln von einem Ende des Lagers bis zum anderen hörbar. ״Nein!“ — sagte Agar wie im Echo, und sein Haar, das seit seiner ersten Ansprache an di« Arbeitdeute stark ergraut war, leuchtete silbern in der Sonne. — ״Aber wenn ihr ein« neue Heimat errichtet haben werdet, werden alle Leute de» Lagers zu euch kommen und sehen, wie euer Leben in der neuen Heimat aussielit. Sie werden kommen, um euch zu fragen, ob Gerechtigkeit in eueren kleinen Häusern wohnt Si« werden euch fragen, ob die neue Ordnung des Lebens da» Herz des Oedlandsohnes und das Iierz des Weißen gemeinsam ergriffen hat, ob sic stark und erhaben genug ist, um allen in der Welt zu sagen: kommt und seid wie wir! Ob sie human genug ist, den Geist des Kindes zu erziehen, bis es sagt: ich ebe das Oedland, seine Bäume und seine Tiere, sein Wasser und vor allem: ich liebe den Menschern in ihm und überall.“ Noch einen Augenblick überblickte Agar die Versammlung auf dem Platze, dann trat er an die Abziehenden heran, um von jedem Abschied zu nehmen. Alle winkten mit den Händen und warfen letzte Blicke auf die ״Station Müde“, In den Beilien der neuen Siedler stand auch Jizchak, der Steinhauer, mit einer neuen grauen Bluse, die ihm zu weit war. Die Bluse gab ihm wieder das Aussehen «ines besehe!• denen, stillen Mannes, wie er es immer zuvor gewesen war. Als man die Waggons des Zuges zu laden begann, Stieg Issar von seiner Lokomotive und ging an Jizchak heran: ״Jetzt ist also die Zeit zum Abschiednehmen gekommen, Jizchak 1“ sagte er und wischte seine Hand an der Lederhose ab, ״Du kannst dir’s noch Überlegen, Issar“ — antwortete ihm Jizchak — ״komm, geh mit uns nach dem ,Hügel der Ruhe‘! Mögen andere an deiner Stelle die Lokomotive II I führeol“ Aber Isgar schüttelte den Kopf: ״Was »II ich auf dem ,Hügel der Ruhe‘ anfangen? Id» bin doch allein. Du nimmst Channa mit dir, und ihr arbeitet dort beide, sie im Haus und du auf dem Feld. Aber ich habe außer der Lokomotive II I keine Hilfe. Und es tut mir auch nicht leid.“ AVälirond er sprach, fielen die Spitzen sein« Schnurrbart» über die Mundwinkel herab, und unwillkürlich strich er über di® Lcdertaschen an seinem Gurt ״Ich wünsche euch viel Gutes *u eurer Arbeit am neuen Ort!“ — schüttelte er Jizchak und den anderen die Hand. ..Wir wollen es noch dieses Mal probieren, und falls...“ — so schloß Jizchak und schlug kräftig in die H«nd de» Mechanikers. Die Automobile hupten, die Leute kletterten hinauf und setzten sich auf ihre Bündel und Arbeitsgeräte. Issar blieb stehen und schaute ihnen nach, bis die Waggon» seines Zuges geladen w׳aren und es an der Zeit war, mit seiner Ix>komotive von der ״Station Müde“ abzufahren. Issar legte Kohlen nach, zog die Hebel der Lokomotive, gab einen lauten, langgezogenen Pfiff und lenkte die Maschine nach dem hügeligen Talgrund. Der Weg ging am Fei- Ehain beim Kloster vorbei und lief zum großen Gewässer ab, das ihm gegenüber lag. Die Sonne glühte über dem kahlen Oedland und dem ruhigen, schweren Gewässer. Ein Fuchs war mitten im Lauf stehengeblieben, blickt* hinter sich auf die Lokomotive und schlich verängstigt ins Gestrüpp. Die Lokomotive näherte sich den wie Tore sich öffnenden Bergzügen. Sie gelangt* in die große Ebene am Ufer de» Gewässers. Dort lagen, längs den Schienen aufgeschichtete Stöße von Holz und Eisen. Issar bremste die Maschine, gab *inen Pfiff un’d gelangte mit seinen Waggons an die Rampe, die erst gestern den Schienen entlang angelegt worden war. Auf der Rampe stand ein hoher, weitausladender Eisenträger mit weißen Isolatoren und acht gespannten Kabeldrähten. Zwischen den Holz- und Eisenstößen arbeiteten Hunderte von Männern in Staub und Schweiß, und als sie die Lokomotivp Issar» sahen, richteten sie sich einen Augenblick lang auf, wischten sich den Schweiß ab und sahen ihn mit zuvorsichtlichen Blicken an. ״Station Arbeit* hieß der Ort SCHLUSSKAPITEL A nsbliek Ais Sara eine« Tage« mit dem großen Siedlung«- Programm, das sie am Täura mitgeoracht hatte, in die Lehmhütte trat, hörten di« drei bärtigen Männer tu wie jemand, der, an Stille gewöhnt, plötzlich lautes Lärmen hört Sie waren eben vom Feld gekommen, hatten ihre Mäntel noch um und den Hirtenstab in der Hand. Morgen werden die Feldmesser kommen, am die Böden zu vermessen, die neue Siedlung festzulegen and die Straften nach Teura und nach der ״Station Müde* abzustecken. Von der Hauplchaussee, die vom Werkareal nach der ״Station Müde“ geht, wird man eine Seitenstraße nach dem ״Hügel der Ruhe“ abzweigen. ״In wenigen Tagen kornmen tausend Siedler von den Leulen des Werk«. An ihre Stelle sind bereits tausend andere zur ,Station Arbeit‘ entsandt Die neuen Siedler werden sofort mit dem Ban der Wohn- und Wirtsrlinflshätiser und der Be- Wässerungsanlagen beginnen. Der ,Hügel der Buhe‘ wird zu einem Hügel des Lärms werden.“ So sprach Sara und drehte sieh vor Freude um ihr* eigene Achse. Die Jungen Männer schauten sie an, versuchten ihrer Verstörtheit. Herr zti werden und lächelten. Sie sahen sieh in der lathmhiitte um und blickten wehmütig den Lehmherd und die kleine Schafhürde an. Obwohl das alles armselig und kümmerlich war, waren die drei traurig geworden. Sie gingen hinaus und schauten in die anhrerliende Dännncrting des Abends, und es schien ihnen, als ob sie die blau verschleierten Berge ein letztes Mal sähen und es von allem Abschied nehmen hieße. Sara, die ihre Trauer fühlte, sah sie eindringlich an und sagte still: ״Ist es euch wirklich leid, jetzt, da ein großer Lebensträum wirklich zu werden beginnt?“ Sie fanden keine Antwort, und jeder schaute nach einer andern Seite. Nur Uri sagte leise: ״Es ist rnir wirklich leid, Sara. Leid um die Kahlheit, die bis jetzt nicht von Gut und Böse wußte, leid um die schöne Stille des Landes, des Wassers und des Himmels.“ ״Aber das Wichtigste, Uri, ist doch das Leben selbst“ —■ sagte Sara. Uri achtete nicht auf sie und fuhr leis© fort: ״Leid ist es mir um diese Weiten, die jetzt eng ■werden, and um den Anblick des Urzeit,liehen, der jetzt verschwur*- den wird.“ Aber Sara schüttelte heftig den Kopf und sagte mit Nachdruck: ״Niemand von uns weiß mit Sicherheit zu sagen, was de!r Sinn des menschlichen Daseins ist Aber eines wissen wir mit Bestimmtheit: solange es auf Erden Hungernde gibt, muß der Boden ihnen Brot wachsen lassen; solange es Darbendo und Entbehrende gibt, muß das Ocdl.ind ihnen Arbeit gehen. Es gibt nicht« Heiligeres und Höheres als das Brot, das der Mensch durch seiner Hände Mühe verdient.“ Uri schwieg und hatte auch nicht recht auf Sara« Worte gehört. Ihn hatte ein Sturm der Gefühle ergriffen, der ihn in» weite Oedland, zum *chwarzen Gestein des Basalts, zu den grauen W »••erwogen hin au»trieb. (Schluß folgt)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.