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Jüdische Rundschau · 1935-12-13 · Heft 100 (13.12.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 100 (13.12.1935)
Date
1935-12-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 100, 13. Xfl. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 7 Eine Frau.rettet ein fremdes Volk L M. Sick: Karen Jeppe• — J. F. Steinkopf, Stuttgart. Die Sechzehnjährigen hatten früher eine stille Liebe zu dieser warmherzigen dänischen Erzählerin Inge borg Maria Sick, die ihnen von der Kindheit der ״Jungfrau Else“, von ihrer Mutter, die das Leben immer von der Hochzeitseite, und niemals von der ״Kirehhofseite“ ansah, viel Mutiges und Helles zu berichten wußte. Aber seit langen Jahren waren sie ihr entfremdet — hartes Leben hatte jene sommerliche Romantik verdrängt. Nun aber steht die Märclienen/iililerin von dazumal wieder vor uns. Aber jetzt erzählt sie keine freundliehen Märchen mehr — Helden bilder zeichnet sie nach, die das Leben formte. Und nun erschüttert sie uns mehr und kommt uns näher als je vorher. Das Leben der Mathilda Vkrede, des ״Engels der Gefangenen“, jener finnischen Frau, die unerschrocken in die Gefängniszellen ging, erzählte sie zuerst. Jetzt aber gelangte sie auf den geheimen Wegen, die geistige Magnete sic führten, zu einer Frau, die uns fuden ganz, besonders nahe kommt, obwohl kein Tropfen üdisches Blut in ihren Adern floß. Das ist die Gestabt der dänischen Lehrerstochter Karen ן[ e p p e, die ihr ganzes Leben dem heldenmütigen und tmgliickichen Volke der Arm c n i e r geweiht hat. Wir alle haben den nun mehr als dreißigjährigen Leidensweg dieses Volkes miterlebt; Franz Werfel hat eine Episode daraus in seinem Buche vom Musa-Dagh fcstgehaltcn. Hier aber handelt sichs nicht um ein Epos, an dem des Dichters Phantasie ihren An• teil fordert — hier handelt es sich um nackte Tatsachen, die ergreifender sind als jedes Dichtwerk. Das armenische Volk lebte seit Jahrhunderten unter eisernem Joche ״eingeklemmt zwischen zwei gezogenen Schwertern der Gewaltherrschaft der Türken und den Kaub- Überfällen der Kurden‘״ ~~ .'׳Wir sterben täglich“ können sie mit dem Apostel Paulus sagen. ״Aber siehe, wir leben“, dürfen sie mit!bin hinzufügen, Woher haben sie diesen imerschütterliehen Willen zürn Leben? — Das ist ein göttliches Geheimnis. Das armenische Volk hat noch eine Aufgabe zu erfüllen.... Feinde können versuchen, seinen Namen auszu* löschen; aber was über dieses Volk im Buch des Lebens steht, das ist noch nicht zu Ende. — So spricht der armenische Pater, den Ingcborg Maria Sick in den Lagunen von Venedig traf. So sprach auch die bescheidene und heldenhafte Frau, der sie ihr Buch widmete. Als junges Mädchen schon, als sie noch Mathematik an der Schule des Professors Fredricksen in Dänemark lehrte, wurde sie von dem Schicksal der Armenier gepackt; gegen den Willen der Ihren zog sie aus, um mitten unter ihnen helfend zu wirken. Sie leitete das Kinderheim in Urfa und erlebte nun mit ihren Schülern und Freunden die furchtbaren Zeiten der armenischen Verfolgungen im Weltkrieg, das Hininorden von armenischen Männern und die grauenhaften Verschickungsziige der unschuldigem Frauen und Kinder, die dann meist damit endeten, daß die Gefangenen in der Wüste starben oder arabischen Räuberstämmen zum Opfer fielen. Aber Karen leppes eigenste Wirksamkeit kam erst nach dem Friedensschfuß, als sie trotz ihrer geschwächten Gegundheit von neuem liinaiiszog, um im armenischen Flüchtlingslager von Aleppo den Resten des versprengten Volkes beizustehen. Hier hat sie dann zunächst ein ganzes Netz von ״Suclistationen“ errichtet; es gelang ihr auf diese Weise, etwa 1W1 armenische Frauen und Kinder wieder aus der mohammedanischen Gefangenschaft zu befreien. Für die Flüchtlinge wurde unter ihrer Führung zunächst eine neue Stadt außerhalb Aleppos erbaut, wo mehr als 50000 Menschen in Gütergemeinschaft lebten. Karen Jeppe war — wie einst jene Amerikanerin Corona Mattuck — der gute Geist der neuen Siedlung. Aber damit crseh«')[yfte sich ihr Wirken noch nicht. Da fhr klar wurde, daß diesen Menschen damit auf die Dauer nicht geholfen sei, reiste sie beherzt zu dem Beduinenhätiptling namiim Pascha und bat ihn um Siedlungsland. Schon im Jahre 1924 wurden die ersten Kolonien Tel Armen und Tel Samen angelegt. Die Armenier glaubten sich zu den Feldern ihrer Heimat zurückversetzt und fanden sich rasch in das bäuerliche Leben wieder hinein, aus dem sie vertrieben waren. Karen Jeppe war ihnen eine unermüdliche und von allen als Autorität anerkannte Beraterin in diesem Frauenstaat, dem erst allmählich Männer wieder nachwnchsen. Die Lehrerin aus Dänemark, die in den Dörfern im Gyllinger Walde aufgewachsen war, hatte immer behauptet, ein Volk dürfe nicht von der Scholle getrennt, nicht der ursprünglichsten, gesündetsten Weise, sich zu ernähren, entfremdet werden. Wer im Schweiße seines Ange-sichts das Feld bestellt und sein Korn darauf baut, der besitzt ein unverlierbares Gut. Und sie sah nach den Juden, die dieses uralte Volksrecht seit Jahrhunderten so gut wie verloren hatten. ״Was die Juden als Volk verloren, was sie an Fähigkeiten und Eigenschaften einbüßten, weil sie seit Jahrhunderten von der Scholle getrennt waren, das ist wohl nicht schwer festzusfdlen“, sagt iiue Dolmetscherin Irigeborg Sick. Und sie fährt fort: ״Noch immer ist dies Vermissen denen in Palästina schmerzlich bewußt, trotz ihrer bewundernswerten Energie und ihres mutigen Willens.“ So schaffte Karen Jeppe in den letzten zehn Jahren an ihrem großen Plan, ungefähr 150 00(1 Armenier, die sich nach dem Kriege in Serien niedergelassen hatten und in den Städten ein armseliges Dasein führten, auf dem Lande anzusiedeln. Ein grausames Geschick rief sie vorzeitig von ihrem Werk: im Alter von 59 Jahren fiel sie einer Malaria zum Opfer. Der Schmerz eines ganzen Volkes hat sie zu Grabe geleitet. Diese tapferste der Frauen hat selbst einmal bekannt, wie *ie bei ihrer Rückkehr zu dem verlassenen und vertriebenen Volke der Armenier nach dem Weltkriege eines Abends auf dem Schiffe von Alexandria nach Beirut von einem Anfall verzweiflungsvoiler Schwermut gepackt wurde: das Mittel• meer lag dunkel, jeder der matten Wellenschläge schien ihr die eine Antwort zu geben ״Hoffnungslos!!“ ״Da plötzlich drang Gesang zu ihr herauf. Ein Chor von jungen, klaren Stimmen... Fremde Worte, die Karen nicht verstand... aber eins davon war ihr doch bekannt, ein Wort, das immer vviederkehrte: ״Jerusalem! — Jer u s a 1 e m!“ Hunderte junget jüdischer Kolonisten waren es, die *ich auf ihrem Wege nach der heiligen Küste befanden und in Jaffa ans Land gesetzt werden sollten. Träger des Größten vielleicht, was in unseren Tagen geschieht: Menschen, die nach Jahrhunderten der Verbannung in das ferne Land zurückkehrten, das ihnen nicht verloren gehen konnte, weil sie bei ihrer Rückkehr zu dem verlassenen und vertriebenen Worte der Hoffnung festhielten: ״Im ri ächsfen Jahre in Jerusalem!“ Die Geschichte von dem Mädchen aus Dänemark, das zur Retterin eines unglücklichen Volkes wurde, liest sich wie eine Legende aus unserer Zeit. Bertha Badt-StrauB Im Alter von 54 Jahren ist der Leiter der Abteilung für Bibelwisscnschaft und jüdische Literatur am Jcwish Theological Seminary in New York, Prof. Morris Le* vine, gestorben. Der Ferne Osten Nora Waln: Süße Frucht, bittre Frucht, China, Wolfgang Krüger-Verlag, Berlin. 4,50 RM. Der Tilel des englischen Originals dieses Buches lautet ״The House of Exile“, das Haus des Exils, ein Name, der den jüdischen Leser sofort anspricht. Das ״Exil“, um das es sich handelt, ist das Ausscheiden eines Mitglieds einer chinesischen Familie aus der geschlossenen Hausgcmeinschaft und Uebersiedlung in einen anderen Teil Chinas, wo sich die inzwischen ständig angewachsene und begüterte Familie auch nach 600 Jahren noch im Exil vorkommt. Welche ungeheure Lebensmacht eine geschlossene Tradition darstellt, können wir aus der Schilderung dieses Buches ermessen. Die Atmosphäre des chinesischen Lebens ist religiös und geistig durchtränkt, selbst Dinge des Alltags erhalten eine philosophische Note. Wenn in den Grundstein des Hauses Lin ein Spruch eingcmeißelt ist, der lautet: ״Nicht bunter Klinker, noch weißer Putz und blaue Dachziegel machen ein Haus schön; und auch geschnitztes Rosenholz, Goldbrokat und klarer grüner Jade können allein einem Heim nicht Reiz geben. Ein Mann von edler Gesinnung mächt selbst ein Haus aus Lehm schön; eine Frau von vollkommenem Ilerzeti, mag ihr Gesicht auch pockennarbig sein, verleiht ihm Reiz“ — so erinnert uns das fast wörtlich an Aussprüche jüdischer Weisen. Diese Welt der Verbundenheit, des Ahnenkults, des langen Gedächtnisses und der Seelenkultur wird nun durch den Einbruch der modernen europäischen Einflüsse und durch die Zerstörung der alten Ordnungen aufgelöst. Die Verfasserin, eine Christliehe Amerikanerin, die in eine chinesische Familie aufgcnommen wurde und das chinesische Leben von innen kennenlernte, sowie die politischen Ereignisse des letzten Jahrzehnts aus nächster Nähe miterlebte, gibt uns eine eindringliche und packende Schilderung, in der auch die großen Figuren der chinesischen Revolution und der Bürgerkriege auftreten. Das Problem, wie Sun Yat-sen cs richtig sah, besteht in der Synthese der nun einmal unvermeidlich einbrechenden westlichen Welt mit den Grundlagen der alten chinesischen Kultur und in der Formung einer aus diesem Auflösungsprozeß neu erstehenden ״echten Volksgemeinschaff“. Davon ist China anscheinend heute noch weit entfernt. Aber weil es hier um einen Vorgang geht, der in wechselnder Abstufung und Färbung ein allgemeines Problem der asiatischen Völker des 20. Jahrhunderts ist, und weil der Ferne Osten immer bedcutungsvoller für die Weltpolitik wird, ist dieses Buch — ganz, abgesehen von dem poetischen Reiz der Schilderungen und dem heißen Atem der Geschehnisse — Jür uns von einem speziellen Interesse. k Jüdische Volkskunde Dr. Mark Wischnitzer: ״Die Juden in der Welt. Gegenwart und Geschichte des Judentums in allen Ländern.“ Berlin, Verlag Erich Reiß. ״Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen.“ Wischnitzers Buch bringt des Interessanten und Wissenswerten eine solche Fülle und noch dazu in so leicht verständlicher, klarer Sprache, daß man ihm viele Freunde nicht nur wünsehen, sondern auch Voraussagen kann, zumal wir nichts ahnliches wie dieses jüdische Lesebuch besitzen. Besonders den vielen Menschen, die erst seit kurzer Zeit ein stärkeres Interesse an jüdischen Dingen verspüren und von der ungeheuren räumlichen Ausdehnung der jüdischen Geschichte, der Mannigfaltigkeit jüdischer Volksschicksale und vor allem von den Kräften und Formen des heutigen jiidischen Lebens in der Galuth noch wenig wissen, wird man dieses Buch ebenso gern in die Hand geben w ie den jungen, heute vielfach in der schweren Arbeit der Berufsumschichtung stehenden Menschen, die zum Studium schwieriger ■wissenschaftlicher Werke nicht Zeit noch Kraft haben. Aber selbst diejenigen, die sich schon intensiver mit jüdischer Oeschichte und Gegenwartskunde befaßt haben, werden hier viel Interessantes finden. Besonders manche Kapitel — wie das über die Mittelmeerinseln — bringen eine Menge reizvoller historischer Details, die wohl wenig bekannt sind, und vielleicht noch wichtiger sind die Ausführungen über das jüdische Leben in den ״neuen“ Ländern, wie etwa Kanada, Australien und Südafrika oder Südamerika. Oertliche und berufliche Verteilung, Anteil an der kulturellen Entwicklung, jüd. Parteien, Vereine, Zeitschriften — über all dies werden wir hier, wenn auch kurz, unterrichtet. Freilich soll nicht verschwiegen werden, daß diesen Vorzügen auch gewisse Mängel des Buches gegenüberstellen. Daß in einem kleinen, schmucken Band von etwa 400 Seiten Geschichte und gegenwärtige Lage, ja sogar auch noch die Finwanderungsaussichfen der Juden in allen Ländern der Welt gründlich behandelt werden könnten, wird gewiß niemand erwarten, und am wenigsten hat sich wohl der Verfasscr darüber Illusionen hingegeben. Ebenso ist es selbstverständlich, daß die Schilderungen des Buches im allgemeinen nicht auf tiefschürfenden eigenen Forschungen beruhen, sondern eine gelungene Zusammenfassung und Popularisierung vorhandenen Materials darstellen. Als ein vermeid!) arer Fehler des Buches erscheint uns dagegen die Schwäche des geistigen Bandes, das die vielen Teile zusammenfaßt. Wir lesen immer wieder von Vertreibungen und Wanderungen der Juden, — Ereignissen, die sich unter den verschiedensten Himmelsstrichen wiederholen. Aber wir verstehen nur sehr unvollkommen die Hintergründe und Ursachen, geschweige denn das innere Oesetz dieses in unheimlicher Aclinlichkeit bis in die neueste Zeit hinein immer wiederkehrenden Judenschicksals. Nun ist gewiß die Judenfrage in jedem Lande verschieden, ja man kann sagen, daß sich die Gesamtheit der Landesverhiiltnisse religiöser, kultureller, sozialer, wirtschaftlicher, innen- und außenpolitischer Art immer in gewisser Weise in der Judenfrage widerspiegelt. Infolgedessen wäre ein tieferes Eingehen aut die Judenfrage jedes Landes eine ungeheure Erweiterung des Themas. Aber die Judenfrage hat neben diesen ständig und von Ort 711 Ort wechselnden Zügen auch gewisse andere, die zwar nicht völlig konstant sind, aber sich zeitlich doch nur sehr langsam wandeln und in großen Ländergruppen nahezu gleich sind. Einen großen Teil dieser konstanten Züge der Judenfrage kennt wohl gerade Dr. Wischnitzer aus seiner täglichen Arbeit sehr gut, und es erschiene uns als wichtige Bereicherung des Buches, wenn der Verfasser zum mindesten Türkisch 8 Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, Joachimsthaler Strafle 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde T«Mw Büaank 6506 Twihn; n»c6 «IW• StuHURm für die Gegenwart diese allgemeinen Grund r üge der Judenfrage, sei es in der Einleitung, sei es als Resumö am Schluß oder.an passenden Stellen des Textes stärker herausarbeiten würde. Gerade wir suchen ja heut« das Gesetz der Galuth in der Erscheinungen Flucht. Eine stärkere Betonung gerade des Fragwürdigen im Leben des jüdischen Volkes schiene uns auch aus einem anderen Grunde erwünscht. Wischnitzer hebt bewußt (wie die Einleitung zeigt) den positiven Anteil der Juden an der kulturellen Entwicklung der verschiedenen Länder hervor. Wir hören viel von jüdischen Gelehrten und Künstlern, Staatsmännern und großen Unternehmern. Und cs ist auch sicherlieh gut, daß uns in dieser Zeit der Not und drohenden Entmutigung zum Bewußtsein gebracht wird, was Juden in aller Welt Großes geleistet haben. Aber erhalten wir nicht dadurch ein etwas einseitiges Bild, wenn nicht gleichzeitig auch die vielen negativen Erscheinungen jüdischen Lebens herausgearbeitet werden? Gerade in dieser Zeit der inneren Ersctifrttcrting sollte selbst der bloße Anschein der Apologetik vermieden werden. Wenn wir endlich noch darauf Hinweisen, daß zuweilen — z. B. in dem Abschnitt über die Tschechoslowakei — die Systematik zu wünschen übrig läßt, so haben wir uns wohl schon über Gebühr mit Beanstandungen aufgehalten. Aber diese sollten vor allein dazu dienen, für eine hoffentlich bald notwendige Neuauflage Verbesserungen vor־Zuschlägen. Im ganzen sei hier nochmals betont, daß Wischnitzers Buch eine außerordentlich erfreuliche Bereicherung unserer Literatur darstcllt; und gerade jetzt zu Chamikkah erscheint es zur rechten Zeit, um vielen Juden von der ihnen unbekannten jüdischen Welt anderer Zeiten und Länder zu erzählen und enntnisse zu vermitteln. Dr. Arthur Prins H Drei jüdisdie Jugendbücher der das der Leo Hirsch: Das Lichter 11 aus im Walde. Line Erzählung für die jüdische Jugend. Mit Bildern von L. Schwerin. Verlag Keilern, Berlin. B. Gclbart: Die Jungen vom ,,O lisch“. Mit Bildern vom Verfasser. Verlag Kodein, Berlin. Die Vier von Kinnereth. Jugendgcschiclitcu aus Palästina. Hgg. von Jaakow Simon. Mit Bildern von Bernhard Gelbart. Verlag Kedem, Berlin. Die Buchhandlung Kedem Hat sich des lange vernachinssigten jüdischen Jugendbuches an gern mimen. Vor ciniger Zeit schon gab sic das Buch von Böhm ״Helden der Kwuzah“ heraus. Jetzt erschienen drei neue Bücher; jedes von ihnen erfaßt einen anderen Teil der großen jüdischen Aufgabe, die wir an unseren Kindern erfüllen müssen. ״Das L i c h t c r h a 11 s i m V a! d e", das Leo Hirsch für die Kinder aufhaute, verrät schon in seinem Namen die beiden Mächte, die darin eine tröstliche Rolle spielen: die Chanukkahltchter und den Winterwald im Selmee. In dies gastliche Judenhaus mitten im Walde, das einem braven Fellaufkätifer gehört, der nicht viel Geld, aber dafür desto mehr Kinder sein eigen nennt, sind zwei kleine Großstadtkinder eingcladen, die bisher von ihrer jüdischen Abstammung nicht viel wußten. liier erleben sie nun einen Schabhat — den Schabbat Chanukkali — mit allen seinen Rci/cn und Vergnügungen. Kernstück der Erzählung bildet die Makkabäergeschichte, die der Hausherr seinen Gästen und den eigenen Kindern am Freitagabend so eindringlich erzählt, daß sie sich seltsam aufregend in ihre Träume verwebt — das kleine Mädel sicht sich als die Mutter der sichen Söhne und der Junge gar entdeckt eine Höhle in Erez Israel, wo , schaff über die Pinne des bösen Königs Antioclins zu bringen. Wie diese schwer erfaßbare jüdische Hcldcngcschichte der Phantasie der Kinder aus ihren verstreuten Quellen her zugänglich gemacht wird, und wie sich Schauriges und Ergötzliches nun in ihren Träumen zu einem bunten Teppich verwebt, das ist mit sicherer Kunst und zugleich mit warmer Einfühlung in die Kinderhyrzeii gestaltet. Und daß das Telegramrn, das am Freitagabend ankam und zur Verwunderung der kleinen Besucher den ganzen Schahbal warfen mußte, bis es geöffnet wurde, nun auch noch, 01s cs nach der Habdalalt geöffnet wird, die Nachricht enthält, daß kinderreiche Hausherr das Große Los gewonnen hat, ist ein prächtiger Schluß des Märchens, das hier mit Wirklichkeit einen freundlichen Bund geschlossen hat. Für etwas größere liiui wildere Jungen denke ich mir die Erzählung ,,Die Jungen vom O u sch“. Hier sind Eitern und Kinder nicht gleicher Meinung — wenigstens nicht anfangs. Ein Kinderheim ״Kindergliiek“, dessen Leiterin ein wenig bösartig Sybille Kratzer heißt, und die neugegründete Kwuzah Le/anim — ״Kwuzah der Lausejungen“ — werden einander gogenübcrgcsUllt. Der Held des Buches, der aus dem Kinderheim ausreißt und in der Kwuzah landet, wird sicherlich die Sympathien sämtlicher jugendlicher Leser haben. Der Gegensatz zwischen Wohlerzogenheit, die sich nur m heimlichen Si reichen austoben kann, und der fröhlichen Gemeinschaftsarbeit, die auch die Fernstehenden in den Kreis des ״(irisch“ zieht, ist scharf und lebendig gesehen — *enn es auch solche Karikaturen wie ״Tante Sophie“ heute wohl mir noch im Märchenbuch gibt. Nur müßte Gelbart, der diesem und dem folgenden Buch hübsche Bilder mitgab, auch ein wenig sorgfältiger korrigieren; irgendwo ist ihm sogar ein ״Handsatz“ stehengeblieben, mit dem die Kinder sicher weniger anfangen können als der Mann, für den die Angabe bestimmt war. Und ״Siddur-Awodah“ darf 'auch der schlimmste Lausejunge nicht mit ״Arbeits - O r d ״ c r“ übersetzen; Arbeits-Ordnung muß es heißen —• und danach müssen auch die Angaben über den Jungen, der dies Amt bekleiden darf, wie mir scheint, geändert werden. Das dritte Buch aus dieser Reihe, die auch von außen bunt und ergötzlich aussieht, heißt ״Die Vier von Kinnereth“ und spielt dort, wo die Jungen vom G11 sch alle hingehen möchten — in Erez Israel. Die meist aus dem Hebräischen übersetzten Erzählungen sind zum größten Teil von Bracha Chabbas und Jaakow Fischmann verfaßt; aus den Veröffentlichungen des Merkas Laiioar fibertrug sie Jaakow Simon ins Deutsche. Hier weht wirkliche Palästinaluft: keine großen Probleme werden gewälzt, aber das Leben in den Kwuzofh und ganz besonders in den Kindergemeinschaften ersteht lebendig vor uns. Vielleicht, daß manchmal — gerade wie in dem früheren Palästina- Buche ״Der Retter von Chula“ — die Grenze zwischen Kindergesellichte, in der etwas ״passieren“ muß, und journalistischein Stimmungsberieht nicht ganz innegclulten wird. Aber in den Glanzstücken der Reihe, den Vieren von Kinnereth, und dem Schlüsse der Sammlung, der Geschichte von den tapferen Kindern von Sdc-Kerem, die ausharren wollten, wenn die Großen auch die Siedlung verließen, lebt das neue Geschlecht der Palästina-Kinder treu dem Lande, das ihre Heimat geworden ist. -8s, Schmuck ,Uhren * Gold - Silber Jahren 1Juwelier 1}elmünte&

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