Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 100 (13.12.1935)
- Date
- 1935-12-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Jüdische rundschao Nr. 100, 13. XII. 1935 Mui.. M.W. Kaufmann 1 LEIPZIG CI II■fert alle Bücher und Chanukkahlauchtar bII110st jneint Sicburg, entbehrt Robcspierrc in der Dritten französisthen Republik jedes Denkmal, in der Republik, die sich als Tochter der Revolution fühlt, die aber in Wahrheit das echte Kind des 9״. Thermidor“ ist, an dem Robespierre« Macht und Leben zerbrach. Sieburgs Darstellung, die — durch zahlreiche schöne Illustrationen unterstützt — dem Leser zwar keinen gelehrten Apparat vorsetzt, aber in jedem Wort fundiert anmulet, ist nicht nur durch das Geschichtsbild, das sie gibt, bedeutend, sondem nicht weniger durch die Gegenüberstellung der ideelichen KräftCj die in jener Zeit miteinander rangen und auch heute noch in der europäischen Auseinandersetzung auftauchen. » ln unsere Gegenwart führt uns schließlich die Darstellung des Lebens einer bedeutenden Führergestalt unserer Zeit, des Befreiers und Schöpfers der modernen Türkei. Hans Froembgen schrieb ein Buch ״Kamal Atatürk, Soldat und Führer“ (Frauckhsche Verlagsbuchhandlung, Stuftgart). Dieses Buch gewinnt für uns nicht allein durch die interessante Gestalt seines Helden Bedeutung, sondern auch deshalb, weil das Lokalkolorit des Vorderen Orients und der Levante naturgemäß für uns besonders wichtig ist. Froembgens Buch ist von größter Begeisterung für seinen Helden getragen. Es ist eine lebendig geschriebene Reportage, die gelegentlich etwas romanhaft anmutet, aber doch einen interessanten Ueberbliek über die jüngste Geschichte der Türkei bietet. Gelegentlich scheint allerdings der Verfasser dem Wunsch erlegen /וו sein, in der Gestalt des Gazi eine allzu starke Parallelität zu Bewegungen aufzuzeigen, die in Europa zur Macht gekommen sind, und er übersieht dabei spezifUcItc Kräfte, die dem orientalischen l urkenvolk zu seiner Betretung verholten haben und die sich erheblich von den nationalen Kräften der westlichen Völker unterscheiden. Warum Froembgen in diesem Zusammenhänge die niehttiirkischen Völker der alten Türkei und des östlichen Mittdmeers gelegentlich beschimpft, ist nicht recht ersichtlich. Bei aller Sympathie, die ein Buchverfasser für seinen Helden und dessen Volk haben mag, geht es nicht an, daß er diejenigen, die in dem historischen Ereignis auf der anderen Seite gestanden haben, wir z. 15. die (.'!riechen, allzu schlecht behandelt. Daß die Juden neben anderen Völkern als ״Völkerauswurf der Mittelmeerkusten“ und als ״/.dies Unkraut" bezeichnet werden, sei in diesem Zusammenhänge nur nebenbei erwähnt. oe. Englische Geschichte Geschichte Englands. Von George Macaulay Trevelyan, Professor an der Universität Cambridge. München 1935, Verlag R. Oldenbourg. 13 M. Abgesehen von einem rein wissenschaftlichen historischen Interesse, ist die Geschichte Englands für Juden und insbesondere für Zionisicn beute ein Gegenstand von nicht zu unterschätzender praktischer Bedeutung. Denn England, als Mandatarmacht Palästinas, unter derem Schutz das Jüdische Nationalhcim entsteht, ist in einer eigentümlichen Weise berufen, eine Rolle in der jüdischen Geschichte zu spielen, und die Juden, die in dieser Entwicklung mitwirken, müssen wissen, mit welchem Faktor sie es liier zu tun haben. Dabei genügt nicht, wie man es oft hören kann, die Berufung auf Aeußerungcn diese! oder jener Einzclpcrsönlichkcit, denn wir müssen uns darübet klar sein, daß Ein/elpersönlichkcitcn vergehen, während es sich hier um einen Prozeß auf sehr lange Sicht handelt. Nur eine Erkenntnis der geschichtlichen Kräfte, die im englischen Volk wirksam sind, kann uns dazu befähigen, ein Urteil zu fällen, wie sich diese Kräfte auch in Zukunft auswirken mögen, wobei eine neue palästinensischc Politik ja die Aufgabe der positiven Aus- Wertung und Gestaltung des jüdisch-englischen Verhältnisses haben wird. Bisher können wir beobachten, daß es an einem gegenseitigen Verständnis häufig mangelt. Wenn wir also hier eine Geschichte Englands auzcigen, so tun wir es in dem Bewußtsein, daß eine Kenntnis des Werdens des tanzen Britischen Reiches zum Verständnis des gegenwärtigen ngland unentbehrlich ist. Die Geschichte von Trevelyan fibt in gedrängter Form eine Uebcrsiclit über die Entwicklung nglands von den frühesten Anfängen bis zum Ende des Weltkrieges. Die Darstellung ist äußerst lebendig, die großen Persönlichkeiten, die politischen, wirtschaftlichen und geistigen Probleme werden dem Leser eindringlich vorgefflhrt, wenn auch besonders in der neuesten Geschichte manches vielleicht allzu kurz behandelt wird, wahrscheinlich aus dem Bedürfnis, in einem vorgeschriebenen Rahmen zu bleiben. Im Rahmen dieser Gcschichtsdarstellung wird auch die Stellung der Juden in England erwähnt. Schon in den ersten Anfängen der Römerzeit gibt es Juden, die allmählich «ine bestimmte ökonomische Funktion übernehmen. Während des dritten Kreuzzuges, an dem auch Richard Loewcnherz teilnah in, ergab sich wohl zum ersten Male eine direkte Beziehung Englands zu Palästina. Dieses Abenteuer hatte aber keine größere Bedeutung für das Volksganze. Trevelyan bemerkt: ״lm niederen Vorne war die innere Teilnahme am dritten Kreuzzug gerade groß genug, um zu ein paar schrecklichen Judcnmetzeleien zu führen.“ Eine ausführliche Erklärung gibt T. für die Austreibung der Juden unter Eduard L (1290). Bis dahin verwendeten die normannischen und angewinischen Könige, wie viele andere Fürsten Europas, die Juden dazu, ihnen Bargeld auf ihre Einkünfte vorzustrecken. Da die Juden als einzige Geld auf Zinsen auslcihen durften, und dadurch über Kapital verfügten, dienten sie ״dem König als Schwämme, die sich mit dem Geld der Untertanen vollsogen, indem sic ihr eigenes gegen Wucherzinsen verliehen“, — freilich nützte dies auf die Dauer ihnen weniger als dem König, der ihnen dafür seinen Schutz verlieh. Der Haß gegen die Juden hatte nach T. eine doppelte Wurzel: erstens waren sie die Hauptgläubiger und zweitens die Ungläubigen. Viele Juden seien damals zu Reichtum gekommen, «loch wenn der König seine schützenden Arme einzog, kam es zu Judenmetzeleien. Die Vertreibung des Jahres 1290 hatte die Folge, daß das Geld- und Kreditwesen im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts in die Hände der Einheimischen überging. Ueber die Austreibung meint Trevelyan: ״Der Entschluß war nicht schwer zu fassen. Denn der König und seine Großen konnten nun bereits anderwärts, bei ,wucherischen‘ Christen, Geld aufnehmen.“ Schließlieh bemerkt T.: ״Als die Juden im 17. und 18. Jahrhundert wieder nach England kamen, fanden sie den Geldmarkt und die anderen geistigen Berufe fest in den Händen der Engländer. Zugleich hatte die eifrige Beschäftigung mit der Bibel den Haß gegen das auserwählte Volk abgeschwacFit. Aus diesen Gründen wurden die Beziehungen zwischen Juden und Engländern unter günstigeren Bedingungen wieder atifgenommen, als man sie noch heute in arideren Ländern findet, deren Bewohner nicht die Gabe oder nicht die Gelegenheit hatten, das Wirtschaftsleben selbst in die Hand zu nehmen.“ Daß der Name Menasse ben Israel nicht genannt wird, wundert uns nicht, da dieser zwar für die Juden viel, für die englische Geschichte aber wenig bedeutet. Im weiteren Verlauf der Darstellung wird die Beziehung der Juden zu England kaum mehr erwähnt. Nur bei Schilderung der industriellen Entwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird festgestellt, daß der Bedarf an Arbeitern fremde Ein- Wanderer ins Land zog, neben den Iren auch Juden aus Mittel- und Osteuropa in recht großer Zahl, so daß gegen Ende des 18. Jahrhunderts schon 20 000 in London, meist in großer Armut, lebten. ״Wenn nicht im 19. Jahrhundert Amerika aut diese beiden Völker eine solche Anziehung ausgeübt hätte, dann gäbe es jetzt in England viel mehr Iren und Juden als es tatsächlich gibt.“ Inzwischen hatte sich im 19. Jahrhundert der Gleichberechtigungsgedanke immer stärker durchgesetzt, als dessen Repräsentant T. vor allem Palmerston anführt, nach dem der ״kleinste b<- trügerische Jude aus Malta“ genau so als gleichberechtigter Bürger Anspruch auf den Schutz des Empire hatte wie jeder Hochgestellte. Von einem besonderen jüdischen Interesse ist die Figur D i s r a g 1 i s, deren Darstellung allerdings sehr komprimiert ist. Ueber eine so wichtige Aktion wie den Erwerb des Suezkanals finden sich bei T. nur zwei Zeilen: ״Er kaufte die Suezkanal-Aktien für England auf und stellte dadurcFi die Verbindung mit Aegypten her, was kurz nach seinem Tode große Folgen zeitigen sollte.“ Ebenso fehlt jede ausführliche Behandlung der englischen Tendenzen im Nahen Osten in der letzten GeschichtsepocFie. Auf 'eine Darstellung des Weltkrieges und dessen Folgen verzichtet der Verfasser mit Absicht, und so kommt es auch, daß die Erwerbung der Mandatsländer und insbesondere Palästinas mit keinem Worte mehr erwähnt wird. Aber schließlieh ist es ja auch nicht dies, was ein jüdischer Leser in dem Buche sucht, sondern gerade die allgemeinen Tendenzen und geschichtlichen Wurzeln der englischen Politik, und in dieser Hinsicht wird die aufmerksame Lektüre dieses Buches, das keineswegs für Gelehrte, sondern für ein breites Publikum geschrieben ist, einen großen Gewinn bedeuten. Ein nationaler Revolutionär Otto Zarek: Kossuth. Die Liebe eines Volkes. Bibliothek Zeitgenössischer Werke, Zürich. Unter den nationalen Revolutionären des 19. Jahrhunderts, die der Nationalitätenbewegung Ihr besonderes Qeprlge gaben, steht der Ungar Ludwig Kossuth an erster Stelle. Kossuth hat das Nationalgefühl des ungarischen Volkes zu einer mächtigen Bewegung entflammt, und er gehört zu jenen Pionieren einer Idee, die im Kampfe unterliegen, während ihr Leben Und Wirken zum tatsächlichen posthumen Sieg der Idee beiträgt. Das Leben Kossuths ist eine hinreißende Romanze. Zugleich zeigt es uns in einer kaum überbietbaren Eindringlichkeit das Zusammenwirken der geistigen Strömungen, sowie der politischen Tendenzen, die den modernen Nationalismus geschaffen haben. Otto Zarek, selbst ein Skeptiker in seiner Beziehung zu seinem Helden, deutet an, daB der jugendlich-ungestüme Furor dieser Bewegungen des 19. Jahrhunderts nicht immer vor der politischen Vernunft bestehen kann. Er nennt den Ausbruch der die großen Reiche zertrümmernden nationalen Partikularismen das ״geheintnishafte Paradoxon der europäischen Geschichte“. Gestützt auf das von Herder erweckte nationale Kulturbewußtsein wollte jede, auch die kleinste Nation, ihren eigenen Staat haben. Eine starke stützende Macht für alle nationalen Freiheit«, bewegungen des 19. Jahrhunderts war der angelsächsische Liberalismus. Während in England selbst die Liberalen sich für die Befreiung Irlands einsetzten, fand jeder idealistische Freiheitskampf eine Resonanz in den Kreisen der englischen Intelligenz und ebenso in Amerika. Viele Revolutionäre de« 19. Jahrhunderts — nationale und soziale Revolution lagen damals noch nahe beieinander — fanden in England ihr Asyl. So auch Kossuth, dessen nationaler Kampf von vielen Engländern so empfunden wurde, wie Lord Byron einen der ersten nationalen Freiheitskämpfe des Jahrhunderts, den griechischen, empfunden hat. Kossuth appellierte an Amerika, von wo fast 70 Jahre später Wilson, der Freund der ״kielnen Nationen“ (darum auch der Juden und des Zionismus), den partikularistischcn Nationalismus Europas 2um Siege führte; wobei freilich von Kossuths Heimat nur ein Torso übrig blieb, da sein eigenes Prinzip des Nationalismus sich nun gegen Ungarn kehrte. Diese Zusammenhänge werden hier deswegen betont, weil nur durch ihre Kenntnis auch die noch verbliebenen Nationalitätenfragen verstanden werden können: Nachdem die Völker des Balkans, Oesterreich-Ungarns, zum Teil aucFi des westlichen Rußlands, ihre nationale Selbständigkeit errungen haben, ist das Gebiet der nationalen Befreiungskämpfe nach dem Orient und in die Kolonialländer gerückt, die diese europäischen Ideen teilweise aufgenommen und modifiziert haben. Schon Kossuths Name wirkte von der Türkei aus auf den Orient. ״Seit Napoleon hat sich kein Name so ruhmvoll im Orient verbreitet wie der Kossuths“ (S. 535). Ein spezielles Kapitel in dem Buch von Zarek schildert den Anteil, den die Juden Ungarns an dem ungarischen Freiheitskampf genommen haben. Die Juden haben mit Begeisterung unter Kossuths Fahnen mitgekämpft. Der General Klapha berichtet, daß ein Zwölftel des Korps aus Juden bestand, und rühmt ihre große Tapferkeit, ln Szegedin, kurz vor der Katastrophe, läßt Kossuth im Reichstag die völlige Gleichberechtigung der Juden beschließen. Sein Innenminister Szemere sagt unter begeistertem Beifall des Hauses: ״Das Vaterland hat an seine jüdischen Söhne eine große Schuld abzutragen; ־eine Schuld so ungeheuer, daß es sie selbst in Jahrzehnten kaum tilgen kann. Die würdigen Heldensprößlinge der nihmgekrönten Makkabäer werden den Lohn in dem erhebenden Bewußtsein finden: ihref Ahnen würdig gegen Tyrannei und Gewalttat gekämpft, für Recht und Freiheit geblutet zu haben.“ Die Folge dieses Aktes, so führt Zarek aus, war, daß kurz daraut das siegreiche Oesterreich die Judenschaft den furchtbarsten Verfolgungen aussetzte. Wer denkt da nicht an die Vorgänge von 1919! Die Haltung der Juden, die von einer Seite gepriesen wird, gibt der anderen Seife Grund zu schweren antijüdischen Beschuldigungen — die Erkenntnis des sich hier manifestierenden Judenschicksals bleibt Zarek verschlossen. Der jüdische Autor überschreibt das Kapitel — wohl in Anspielung auf die zitierte Ministerrede —׳ ״Der Geist der Makkabäer“. W i r können diese Bezeichnung nicht gelten lassen, denn die Makkabäer haben für jüdische« Volkstum und jüdischen Glauben gekämpft, und nur wer dies tut — es muß nicht mit dem Schwerte sein darf zu ihrer Nachfolge gezählt werden. w. ELIAS AUERBACH ELIAS BICXERMANN HERMANN FECHENBACH S. J. AGNON SELMA STERN FRANZ ROSENZWEIG WÜSTE DIE אלף־־בית סיפור פשוט / רומן JUD SÜSS BRIEFE Ne u c 1 UND GELOBTES MAKKABÄER 1 Eia בשוכה ונחת/סיפורים Ein Beitrag Unter Mitwirkung von Neue« LAND Ein« Darstellung buntea Die nur deutschen und zur!Ernst Simon ihrer Geschichte »on den hebräisches Alphabet neuen Bande jüdischen Geschichte hierausgegeben und Geschichte Ursels Anfängen in Tierbildem 3 und 6 und ▼05 dm Anfängen bis zum Untergang des und mit MalirorUgen der Gesamtausgabe Edith Rosenzweig bis mim Tode Salomos Hasmonlerhausei Altes Alte• zu Ein Billig« *8» Buch Ausgabe Chanukka ffir Rinder an Ganzleinen Chanukka 320 Seiten 1 Leinen M 10.— Bücherei BA 4? / gib. M 1.25 44 Tafeln / Halbleinen M 4.— Band 5: M 3.25 / Band 6: M 2.75 362 Seiten / Leinen M 5.50 743 Seiten / Leinen M 12.50 £ H J dem DAS BUCH DIE SCHRIFT MARTIN BUBER A JACOB EIN LESEBUCH DIE den DER Verdeutadn DIE DAS DAS SAGEN DER Schocken PREISUNGEN ▼or. MARTIM BUBER CHASSIDISCHEN ERSTE BUCH SIEBENFACHE JUDEN Schocken (PSALMEN) gemewmm mit BÜCHER DER TORA LICHT Mythen, Legenden, Verlag Verdeutsch» FRANZ ROSENZWEIG GENESIS Gestalten und Stoffe Auslegungen Verlag ▼on Ueberseut und erklärt da Judentums in der gesammelt von MARTIN BUBER deutschen Dichtung M. J. BIN GOR.ION in in Berlin Billige ZtuammengcsteOt Berlin Neuausgabe ▼a» Sonderausgabe in dm Binden DBnndnukaasgabe Emanuel bin Gorioa Neu-Ausgabe _ 280 Seiten / Leinen M 5.25 Jeder Baad in Leinen M 8.50 230 Seiten / Leinen M 7.50!054 Seite! / Halbleder M 42.— 352 Seiten / Leinen M 4.80 788 Säten / Leinen M 7.50