Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 100 (13.12.1935)
- Date
- 1935-12-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische Rundschau Literatur ־־־ Blatt NR. 100,13. DEZEMBER 1935 Bialik- Literatur Lehre und Wirklichkeit Zu neuen Gesdiichtswerken Es ist zwar etwas banal, wenn wir sagen, In einer geschichtlich besonders bewegten Zeit zu leben, und wenn wir manchmal mit einer leichten Wehmut an jene Zeiten zurückdenken, in denen — wie es uns Heutigen scheint — der Geschichtsablauf wesentlich ruhiger vor sich ging als jetzt; dennoch ist an dieser Behauptung ein Körnchen Wahrheit. Vielleicht ist es nicht so sehr das Tempo der Geschichte und der Veränderungen, die die menschliche Gesellschaft erlebt, was unsere Zeit vor der Vergangenheit auszeichnet, als vielmehr die Intensität der geschichtlichen Wirkung auf das Leben des Einzelnen und der großen Masse. Wie etwa in vergangenen Geschichtsperiodem Krieg in der Hauptsache eine Angelegenheit derer war, die selbst ins Feld rückten bzw. der Bevölkerungsteile, die das Unglück hatten, dort zu wohnen, wo der Kriegsschauplatz war, während die Kriege unserer Zeit zu wahren Volkskriegen geworden sind, an deren Durchführung jeder Einwohner bis zum letzten Mann und zur letzten Frau irgendwie beteiligt ist, so gilt heute der Satz, daß die geschichtliche Wirkung bis in den letzten Winkel und bis zur letzten Person vorgestoßen ist. Dies ist auch der Grund, durch den das Interesse unserer Zeit so sehr auf geschichtliche Betrachtung hingelenkt wird und warum uns das Werden der Vergangenheit und die Regeln ־und Kräfte, die in ihr sichtbar werden, so sehr fesseln. In diesem Zusammenhänge richtet sich unser Blick zunächst aut Arbeiten, die durch vergleichende Ge■ Schichtsbetrachtung den Versuch unternehmen, in die tieferen Schichten des geschichtlichen Werdens einzudringen, die objektiven und die psychologischen Kräfte aufzudecken, die in ihm wirksam sind, und so zu einem tieferen Verständnis der Gegenwart zu gelangen. Von den Arbeiten, die auf diesem Gebiete in der letzten Zeit erschienen sind, haben wir bereits früher einmal das Werk des Berliner Historikers Kurt Breyiig erwähnt, der von einer umfassenden Weltschau aus den großzügigen Versuch unternommen hat, eine Strukturlehre des geschichtlichen Werdens aufzustellen. Wir haben auf Breysigs Werk ״Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte‘■ in diesem Zusammenhänge hingewiesen (s. ״Jüd. Rundschau“ Nr. 40 vom 18. Mai 1034), in dem Breysig über das Gebiet des Menschheitlichen hinaus vorstößt und. den Naturkosmos in seine Betrachtung der Geschichte miteinbezieht. Breysig hat diesem Werke einen weiteren Band folgen lassen, der den Titel trägt: ״Der Werdegang der Menschheit vom Naturgeschehen zum Geistgeschehen“ (Verlag M. & H. Marcus, Breslau 1935). Man ersieht schon aus dem Titel den systematischen Zusammenhang dieses Teils von Breysigs Werk mit dem genannt« ersten Bande. Der Verfasser macht, wie er selbst sagt, den Versuch, ״die großen Geschehenszüge, aus denen sich Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte zusammensetzen, als Einheit zu erkennen, d. h. die Formen von Geschichte zu bestimmen, die sie miteinander gemein haben und durch die sie sich voneinander scheiden“. Ist dieses der Zweck seines Gesamtwerkes, so will der zweite Band das Insgesamt der Menschheit«־ geschichte ins Auge fassen, insofern es sich aus dem Naturgeschehen allmählich bis zu der eigentümlichen Form von Geschichte entfaltete, die wir heute mit diesem Namen belegen. Es ist hier gewiß nicht der Ort, in eine Wissenschaftliehe Kritik von Breysigs Unternehmen emzutreten, das zu den bedeutendsten Versuchen dieser Art gehört, die in der letzten Zeit gemacht worden sind, und das — wie man auch zu seinen Ergebnissen im einzelnen stehen mag — von einer intuitiven und wissensmäßig großartig unterbauten Zusammenschau zeugt. Für uns ist besonders interessant, daß sich Breysig in diesem Bande u. a. mit dem Einfluß des Weltgeschehens auf die Entwicklung der Einbildungskraft im Glauben beschäftigt und in diesem Zusammenhänge auch auf das jüdische und christliche Gottesbild zu sprechen kommt. Er bezeichnet dieses Gottesbild im w׳esentliehen als identisch und sagt, daß ״von dem frühjüdischen Jahve und der Geschichte seiner Schöpfung her der Erbgang des Gedankens, der die Größe der Macht dies« Gottes von der Größe seines Welt-Werkes ableitet, bis zur Gegenwart reicht“. Es heißt sodann weiter: ״Und wenn von Staffel zu Staffel in der Gotteslehre des zuerst jüdischen dann Christliehen Gottes seine Schöpferkraft und seine Allmacht bis zu daseinswisseiischaftlicher, zu metaphysischer Wucht und Folgerichtigkeit gesteigert ist, wenn die Welt nicht mehr die Erde, sondern das All umfaßt, und wenn dies All als durch den Willen des Allerhöchsten aus dem Nichts erschaffen erscheint, so bleibt dadurch der Grad von Weltbestimmtheit, der schon dem Schöpfergott der Genesis eigen war, unangetastet... Mit allem Nachdruck muß eine wahrhaft mcnschheitsgeschichtlich« Sehweise in diesem Zusammenhang den ganz frühen, den jüdischen, bis in die Urzeit zurückreichenden Ursprung hervorheben. Denn es war sicherlich die eigentümlich realistische, auf nüchterne Erfassung der Wirklichkeit gestellte Geistigkeit des jüdischen Volkes, die dieser höchsten irdischen Gottesgestalt inren festen menschlichen Kern, ihre unzerstörbar« persönliche Plastik verliehen hat.“ Diese Anschauung ist gerade in einer Zeit interessant, in der gelegentlieh der Versuch gemacht wird, das jüdische Oottesbild von dem christlichen mehr oder weniger scharf abzugrenzen. ln einen! weiteren Abschnitt seines Buches beschäftigt sich Breysig u. a. auch mit den verschiedenen Versuchen der Selbstregelung des Geschichtsgeschehens und geht in diesem Zusammenhänge auf die französische Rcvolittion und die sich daran anknüpfenden Bewegungen ein. Er verfolgt in der französischen Revolution besonders die Realisierung der Rousseauschen Gedanken, von denen er sagt, daß sie durch die Revolution rn die Tat umgesetzt worden sind. Wir werden sehen, daß von anderer Seite gerade diese These stark bestritten und die Revolution in ihrem Endeffekt als die Wegbereiterin des Liberalismus, der viel stärker von Voltaire als von Rousseau herkommt, betrachtet wird. Die Bialik-Literatur in hebräischer Sprache ist nach dem Tode Bialiks bereits gewaltig angewachsen. Soeben ist der erste Sammelband des bei der jewish Agency errichteten ״Bialik-Instituts“ (״Mossad Bialik“) unter der Redaktion von akob K a h a t! Und F. Lachowcr erschienen. Das Buch öhrt den Namen ״Knesset“, eine Bezeichnung, die Bialik selbst für ein von ihm herausgegebenes Sammelbuch seinerzeit verwendet hat. Die neue ״Knesset“ soll alljährlich erscheinen. Das erste Buch ist ein stattlicher, schön gedruckter und gut ausgestatteter Band von 518 Seiten (Verlag Dwir, Tel-Awiw) und zerfällt in drei Abteilungen, von denen die erste, ungefähr ein Drittel des Buches umfassend, der Figur von Bialik gewidmet ist. Das größte Interesse knüpft sich natürlich an etwa im Nachlaß noch vorhandene Bialik- Werke. Die Redaktion teilt mit, daß der Nachlaß von Bialik, der einige ältere Manuskripte, Notizen, Bruchstücke enthält, noch nicht geordnet werden konnte. Erst in einiger Zeit wird klar werden, was davon zur sofortigen Veröffentlichung geeignet ist, was zu einer späteren Veröffentlichung und was unveröffentlicht bleiben soll. Im vorliegenden Band werden drei Stücke gebracht, erstens ein Bruchstück aus einer alten Fassung des berühmten Gedichtes ״Hamatmid“ (״Der Biiff-!er“), zweitens Bruchstücke einer Geschichte ״Baruch Edelmann“, deren Abfassungszeit noch nicht festgestellt werden konnte, drittens acht Gedichte, die Bialik weder in seine Sammelausgaben aufgenommen, noch anderswo veröffentlicht hat. Die Herausgeber haben diese Gedichte benannt ״Die äußeren Gedichte“, besser ״Die draußen gebliebenen Gedichte“, um anzudeuten, daß sie ״außerhalb“ der von Bialik selbst redigierten Sammlungen stehen. Es handelt sich um Frühgedichte aus den Jahren 1892—1899. Die Gedichte zeigen die Bialiksche Meisterschaft und sind zugleich ein Zeichen, welch strenger Kritiker er selbst an seinen eigenen Werken war. Einen überaus interessanten Beitrag zur hebräischen Literaturgeschichte stellen auch 43 Briefe Bialiks an Rawnizki aus den Jahren 1890—1900 dar. Der erste Teil des Buches bringt ferner eine ganze Reihe von Arbeiten und Abhandlungen über einzelne Werke Bialiks und die Eigenart seiner Dichtung. Unter den Verfassern dieser Arbeiten sind Lachower, D. J. Bornstein, Josef Klausner, Dow Stock, Düna burg, Wisla w s k y n. a. Der zweite und dritte Teil des Buches hat nichts mehr unmittelbar mit der Person Bialiks zu tun, sondern umfaßt — entsprechend der Kulturaufgabe des ״Bialik-Instituts“ — selbständige Arbeiten, Und zwar Teil II Dichtungen, Teil III wissenschaftliche Essays. Es kann an dieser Stelle nur eine summarische Aufzählung erfolgen, wobei eine spätere Behandlung einzelner wichtiger Beiträge Vorbehalten bleibt. Wir finden neben Gedichten von Schimonowitz, Tsctiernicliowski, Anda Pinkerfeld, Chalkin, Jakob Kahan, Schalom, Braudes, Erzählungen von Efieser Steimnann, Elischewa (der zum Judentum und zur hebräischen Literatur iibergegangenen Russin), Reisebriefe von Naliurn Sokolow u. v. a. Im wissenschaftlichen Teil berichtet Dr. Torczyner über die Ausgrabungen von Lachisch, Schermann über das erste hebräische Drama, Dr. Weinberg über ״Zionismus bei den deutschen Juden im Zeitalter der Aufklärung“. Ferner sind philolo gische und philosophische Aufsätze von Jecheskci Kaufmann, Chaim (Dr. Heinricn) Brody, dem Herausgeber der hebräischen Dichter der spanischen Epoche, Nahum Slousch, Hugo Bergmann, S. Zemach enthalten. Das ganze Werk ist eine würdige Ehrung Bialiks und zugleich eine große wichtige Erscheinung der hebräischen Literatur unserer Zeit. Gleichzeitig ist der zweite Band des Werkes ״B i a 1 i k, Dewarim scheb’alpe“ (״D er mündliche Biali k“) iiit Verlag Dwir erschienen. Dieser Band enthält ebenso wie der erste hier bereits (in Nr. 58 der ״J&d. Rundschau“) an- Bezeigte eine große Zahl von mündlichen Aeußerungen Bialiks.!och ist noch nicht das aufgezeichnet, worauf wir mit größter Spannung warten, nämlich das wirkliche lebendige Ei 11 ze 1 - gespräch Bialiks, wozu es freilich eines Eck ermann bedürfte oder der Zusammenarbeit vieler Eckermanns, da ja Bialik unzähligen Personen gegenüber schöpferische und von zündenden Gedanken erfüllte Privatgespräcbe geführt hat. ln dem Buche werden längere und kürzere Reden zusammengestellt, die Bialik bei verschiedenen Anlässen ge- Neben diesem umfassenden Werk, das die Spiegelung des Menschheitsgeschehens darstellt, hat Breysig in diesem Jahre eine kleinere Schrift herausgegeben: ״Psychologie der Geschichte“ (Verlag M. fk H. Marcus, Breslau 1935). Es ist eigentlich nur der erste Teil eines Werkes, das vom Sein und Erkennen geschichtlicher Dinge handelt Der zweite Teil, der bald erscheinen soll, wird sich mit der Forschungslehre der Entwicklungsgeschichte befassen. Das Buch ist ursprünglich aus Vorlesungen entstanden und soll, wie der Verfasser betont, keinen Gesamtbau einer Seelenkunde der Geschichte geben. Vielmehr handelt es sich um die Th־eorie einer solchen Seelenkunde, die von Breysig hier aufzustellen versucht wird. Auch diese Schrift richtet sich auf die gemein-־ samen Ziele der Natur- und Geisteswissenschaften und ist so ein Beitrag zu Breysigs Versuch einer G e s a m t s c h a u über alle Gebiete der menschlichen Erkenntnis, die seiner ganzen Geschichtsbetrachtung und seiner Geschichtslehre zugründe liegt * Aus den Bezirk« der historischen Abstraktion in die lebendige Geschichte selbst und zwar dort hinein, wo sie uns wie der Roman einer ganzen Generation anmutet, führen ein paar aridere Bücher, die wir hier erwähnen wollen. Wie bereits oben angedeutet, ist auf eine neue Darstellung der französischen Revolution hiuzuweisen, die soeben erschienen ist. Wir meinen das Buch von Friedrich Sie bürg, dem Pariser Korrespondenten der ״Frankfurter Zeitung“, über Rohalten hat und über die Berichte in verstreuten Quellen ztl finden sind. Unbegreiflicher Weise sind auch diesmal die literarisclien Quellen (wahrscheinlich Zeitungsberichte, Stenogram me usw.) nicht genannt, obwohl das bei so einer Chresto* mathie doch zur Beurteilung der einzelnen Beiträge uner״ läßlich ist. Wird ein Nachtrag oder der Schlußband diese Angaben bringen? Auch dieser Band enthält sehr wichtiges Material. Wir finden in dem Band z. B. die Reden Bialiks bei der Gründung der ״Gesellschaft der Freunde der Universität“ in Tel-Awiw und Recliowotli, sowie bei der Eröffnung der Universitätskurse in Tel-Awiw (diese Reden sind auch bereits deutsch in einer von der Universität herausgegcbeneii kleinen Broschüre erschienen). Weiler seien erwähnt eine Reihe von Reden über das hebräisch ■ Theater und über die Habimah, darunter auch solche aus Anlaß der verschiedenen Aufführungen der Flabimah. Mehrere Reden sind der hebräischen Sprache und ihren Problemen gewidmet. Von besonderen! Interesse sind zwei Einweihungsreden: die für das A c I! a d - H a a m ־ H a 11s und die über Ol! eTSchem (die von einem amerikanischen Philanthropen gestiftete Halle, in der der Oneg Schabbat in Tel-Awiw stattfindet) bzw. über Oneg Schabhat. Eine weitere Reihe von Reden (20 Stück) sind einzelnen hebräischen und jiddischen Schriftstellcrpersüniichkeiten gewidmet. Darunter sind sechs Reden über Acliad Haan! (als eine Nummer l!erechnet). Aus diesem Buch wird Bialik so recht lebendig. Es ist ein unerschöpflicher Reichtum darin, dessen einzelne Kostbarkeiten noch ausgewertet werden sollen. lieber Bialik im Gespräch, die Form, in der sich — trotz der Größe seiner Dichtung — seine vielfältige Persönlichkeit an! großartigsten manifestierte, berichtet auch eine kürzlich erschienene neue B i a I i k - B i o g r a p h i e in deutscher Sprache (Benjamin Klar: Chaim Nachm au Bialik. Leben für ein Volk. Verlag Josef Belf, Wien 2,h5 M.). Die Aeußerungen, •die liier angeführt werden, sind zum Teil der ״Jüdischen Rundschau“ entnommen, wo Hugo Bergmann sic ruitgeteilt hat. Unvergleichlich ist die geschilderte Szene in! Friseurladen, wo Bialik, ausgehend von der zufälligen Korrektur einer hebräischen Aufschrift, einen Lehrvertrag hält, der bis in die Ursprünge des jüdischen Volkstums zurückgreift. Klars Huch ist eine von warmer 1.icbe für seinen Gegenstand erfüllte Darstellung von Leben und Werk Bialiks. Das Buch ist populär geschrieben und enthält eine große Reihe von Zitaten aus Bialiks Werken. Der Autor ist sich bewußt, daß Bialiks Dichtung unübersetzbar ist, denn Bialik hat ja eine ״abgegriffene und geschwächte" hebräische Sprache vorgefunden und erst durch I liiiabsteigen in die tiefsten Schächte des Sprachschatzes die Sprache neu geschaffen. ״Nun strahlt und glänzt sein Wort in tausend Farben und Nuancen, singt und klingt in tausend Tonen und Untertönen •—■ und «las soll man im ersten Anlauf in der deutschen Sprache wiedergeben können, die noch heute um ihren Shakespeare, ja um ihre Bibel ringt?“ Eingehend behandelt Klar auch das Phänomen der eigenartigen Beziehung Bialiks zu Palästina. Mit der ihm eigener! Schwerfälligkeit vermochte er sich nicht im ersten Anstoß dem Leben anzupassen. Die Erwartung mancher gesinnungstüchtiger Leute, Bialik werde nach seiner Uebersietllung nun propagandistische Zionslieder dichten, wurde enttäuscht, Biaiik war zu sehr ein Mensch der inneren Wahrhaftigkeit, als daß er ohne innersten Zwang hätte dichten können. Er stand auch gerade dem Punkt Palästinas, wo sein Wohnsitz lag, der Stadt Tel-Awiw, die so voll Betrieb war lind einem ״Jahrmarkt“ glich, sehr kritisch gegenüber. Zudem hatte Bialik, der mitten im Volk stand, offenbar nicht die Kraft, sich /tiriickzuziehen und auf sich selbst zu konzentrieren. Klar legt hier wirklich den Finger auf eine Wunde. Denn viele, denen Bialiks Person und moralische Autorität als das größte nationale Kapital des Jischuw erschien, haben bedauert, daß er davon nicht zurückfultenderen und daher wirksameren Gebrauch machte. Das Buch von Klar benützt alle zur Verfügung stehenden (,Hudler!, gruppiert aber die bekannten Tatsachen in einer sympathisehen Weise und wird -- neben der hier bereits vor einiger Zeit besprochenen bedeutenden Bialik-Biographie Ernst Simons (Schocken-Büchcrei 37 iS) — sicherlich zur Popularisierttilg des Dichters unter den Juden des deutschen Sprachkreises beitragen. t. bespie r re (Socictäts-Verlag, Frankfurt am Main 1035). Wer den Gang des geschichtlichen Werdens spuren will, das wie in einen Brennspiege! eingeiaiigen Kl und in einer kristallklaren, lierrliehen Sprache zum Ausdruck kommt, der lese dieses Buch! Das ist keine Biographie des Mannes Hobespierre (mit dessen letzter Lebensnacht dieses Buch beginnt), sondern es ist eine Auseinandersetzung mit den menschlichen und geistigen Kräften jenes Zeitalters der französischen Revolulion, das eine alte Welt begrub und eine neue herauf führte, deren endgültige Gestaltung auch wir noch nicht: kennen, da wir noch immer von den gewaltigen historischen Erdstoßen, deren erster Ausbruch den französische!! König um Thron und Leben brachte, erschüttert werden. Der Tyrann, als der Robespicrre in die Geschichte eiiige-gangeu ist, tritt uns in Sieburgs glänzender Darstellung als ein Mensel! von eigentümlicher Geistesprägung entgegen, dem wir selbst dort, wo er durch ein Meer des Todes schreitet, nicht jede Sy inpathie versagen können, die von seiner Starrheit und Geradheit ausgeht. Sieburgs Buch ist dem Beweise gewidmet, daß dieser Robespicrre, der Vollstrecker des Rousseauschen ״eontrat sociale“, an der Verwirklichung seiner Idee zugrunde gehen mußte, weil die Menschen nicht das Heil im Lehen ■erstreben, sondern das Glück, für dessen Wert Rousseau und seine engsten Freunde keine Ader hatten. So triumphiert über die Vollstrecker der von Rousseau herkommenden Hevolutionsidee die liberale Republik, deren Kräfte v-on Voltaire ihre geistige Nahrung׳ bezogen. Und mit Recht, so Joachim Prim 3lCuftrierte 3J SBilbtafcln - 8 ®ilbern im Zcrt unb einer Aaste ijt 1m& bleibt tat 8cft־@cfd)enf be« 3uben £a« 12. SEaufenb liegt 90t. 3n?einenbatib 88W 5.&0 Zn bejttben burd) bl» tüblfdjen W inbbanbiungen Dam )dein* Geschenk im Taschenformat! 3n be* neuen jübifeben ©ammlung »®eflern unb $eute* erftbitnen Höbet! Het)I-Prictt, berautgegeben unb eingeleitet »01! Manfred Georg. Seinen SR3R 1.70 Joachim Prim: Bet /rtitagabenb, ©ebet unb ©in«. Btt gebedktt ®ifdj. €1n SSueb übet jflbifcbeO Cffcn u!1b Printen 90n Micha Michalowüg. Bit fdtünften Itgcnben sag btm tCalmab eon Manuel Schnitzer. &afablZ.stij. ©in Aulturbofuntetu in Sttnelboten, bog.». Af. Schnitzer. Seinen 9®t i.yo 3*0*1 bet ®inbdten IR no<jj unb ausitattimg eine Reine *ollbatleiL BRANDUS״CH■ VERLAGSBUCHHANDLUNG BERLIN W50 Seinen SRDJ 1.70 Seinen 5R2R 1.50־ Seinen 9MU 1.50 Karl Emil Franzos Set £>er flaffifdjc )übifcije Stotmti 486 ©eiten 23. 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