Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 99 (10.12.1935)
- Date
- 1935-12-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner B1111 d s eil an NR. 99, 10. DEZEMBER 1935 Kritik an Rosenzweig Vortrag Feuchtwangers im Lehrhaus Der mit Spannung erwartete Vortrag von Dr. Ludwig Feuchtwanger im Jüdischen I. c larhaus war für viele der zahlreicl» Erschienenen zweifellos eine Enttäuschung, Sie waren gekommen — so werden sie sagen — um darüber etwas m huren, wie Männer vom Schlage Franz Uosenzwtigs und Jakob Wassermanns zum Judentum gekommen sind und wie sie sich auseiriandergesetzt haben mit dieser diffizilen und ihrer (Jeueratioii noch so viel ferner stehenden Weit. Erfüllte dieser Vorfrag diese Hoffnungen? Schwebte er nicht in der Stratosphäre der Gedanken, wohin nur ganz wenige zu folgen vermochten? Hot der Vortrag nicht zu wenig Alateri.1! und zu viel Spekulation? Tat der Redner nicht gleichsam, als ob der durchschnittliche Hörer für ihn überhaupt nicht vorhanden \V;1 re? Die Kritiker, die! so sprechen, haben unrecht. /.\veiu!los : der Vortrag stellte auf!vrorilcntüclic Anforderungen, er verengte einen tintdenkeniki! I lerer und Set/t e .sehr vieles an philo- Sr ipliischcr Ihluoee van.ms. Aber es kam! 10:111 Zweitel bestehen, dahde u!1' •n I cuelit w;!:!!:ers eine w i t: h - t i lg e F I .1 p p e I II d t r 1; C - 1'01»יי Kikuler 1t r t e 1 i u 11 g und St, ihmgn.'tlnui /ei,. 1־■• . n.’v.! i ׳ lu.leten. Rosen av rig i«f im jüdisch et! Bvw;1!'>1-1 in, vor ahm!!!111 iet/tei! jahr/ehtü, zu einer so überrag■ ״;ln! M;׳!a!!!a w '.!״.!! ,1:!׳; er fast /ü!11 Mythos geworihn ist. .Man!!.!ז viel vwi schirr Bedeutung für die Wiederenves l.uiur des jüuli׳-־'!n1!׳ I crurMs geholt, von seiner Mitni'1'1; an der l’״u vr-v h an 1;iheluI>er~et,׳!m!g. von Seinem Mart> 1111:11 1:1 muht K!!:;sh.it und so ist jene gefuiilsmahige F-> m hu:!:׳ ,-u 11:1 -,1/1;11!׳ga; ti gen l'erSonliihheit entstanden, di־׳ tnr das lie,l;::־inis 1111s:!er Zeit midi Anlehnung;111 staike Vmluider /lugt, (iw :;In r einen Nachteil hat: dali sie wissen«- in.!hm h! 1 d.r. in ci-ten so gm wie nicht 1111(erbaut ist. Wer von den viden Id wimdeivi'11 Hosen Zweigs hat wuddidi seine I'•in 1! .׳.; ׳'!!־׳.- ׳ Y\ gelesen, so dali er ein tundiertes Drtiil sidi ,1!־!ahlmi ve! mdiditc•? 11 lieht w,inner hatte den Mut, eine f a c h p h i I os o - P 11 i י e 11 e lh uiti iiuiiu der R«׳~t11/wuidehm Werke vor/lltu Innen. .Mit 1.!!! Ir!:ca. :!der 1:0ו..'!י0־ analysierte er die geistige I mt v. 1cdl 101 i״! o!;m!.׳., die um der kl.is-i-oiien deutschen ITiilosophie 1111'eii .׳.:׳;!,׳׳;mg niniint und wahrend des Krieges in dir evpi e's|nn!,t1-,.ii-uv-t! ■eben Zeitstri utuing der Philo- Sophie iimmlet, ahn eine fallt wie k 1t! n 1g, die sieh jenseits des Juduitums vollzog,׳. List im Verlaufe seiner Krankheit entstand in ihm jene entscheidende Wandlung, die ihn zu einen! Lrweckcr der jüdischen Seele 111 achte. Man hatte den Eindruck, dali den meisten Hörern das Wesentliche des Feuchtwangersehen Vortrags nicht deutlich wurde: das hier nämlich eine scharfe S e h e i d ti 11 g z w i s e h 1: 11 der Pli i 1 o s o p 11 i e und der Persönlichkeit Rosenzweigs vorgenommen wurde. I )je Phi’.; :.״,uphie glaubte Feuchtwanger auf Grund seiner eiiggchemlen Studien nur mit Einschränkungen bejahen zu können, indem er auseinaiiilcrsef/te, worin die Zeitgebernden heit dieser ptiilosophisclien Arbeiten ticruht. Aber zur P e r s ö n I i e!1 k e i t Rosenzweigs sagte Feueiitwanger uneingeschränkt ja. Sein Weg zum praktischen Judentum, so miiiite der Redner, ist wesentlicher als seine Philosophie. Er ist ein leuchtendes Beispiel für die Möglichkeit einer jü<lisehen Erneuerung. Ihm! auch später in kleinem Kreise wiederholte hetiditwanger naclulnieklicb seine Verehrung für den Mi!!sehen Ihtseu/v.-eig. So kann von diesem Abend, wenn er von den hörern richtig verstanden wird, ein Strom neuer Erkenntnis;umgehen, wenn sie sieh recht bemühen, zu einer neuen I nirehai bei U1:1g dieser 1 ,!'״hleiue vo! zndiäuge!! und an den Steil selbst Imran/u!11:» 11!!!!!!.־. Gegenüber «!er |1ed11׳.׳tei11Je.1׳ Auseinandersetzung mit Rosenzweig ti.at die (iedsit W a > s e r!!1;1 11 11 s in d,a . 1 1t ergründ. Fairlitwanger bete dar, aus welchen Gründen sein Schaffen für uns heute wine < 1:1',ti.;keit vcii.,ren hat; ja, Feuchtwanger g in״ so־ er voc!!’, \\'.11!;1;! ,־>■׳•• ׳:v Werk als völlig iiherbolt zu In/1: ׳:: ' ׳, es habe zwar seine! imktiou iimcrliaih seiner Zut erfüllt, liabe uns jedoch nichts mehr 71t sagen. Zu einer positiv!« Steilmi:711 ׳m Judentum i^t Wassermann nicht gelangt, und k״m!ie!•r wohl amdi nach seinen ganzen Bildungs- Vor.11!•׳.t/unee:!!ii׳;!t. So hleilie er i:!l letztel! für uns der 10! ׳toten j!!ms ttiii v. i 1!e 1;1 |: robb mal v!־in11״ Sein ringenden jud ivlmn lut׳ lh I,־,!:eilen, der zum Schluß Seines Leliens verzw! iteil emgc־'.td]e11 muli, daii Sein Weg jn die Irre gefuhrt hat. (ii gt iiiiber <1 er l),:!11ii;..:1.:!1 Erscheinung in unseren Vortf;1W"׳aien, aus O!■fuhlm heraus auf Gefühle zu wirken (״Hegaisfmm־״“ auf Ko-ten der ״ISiUlutig“), war der Fcuchtwangersche Vortrag durch seine gedankliche Ehrlichkeit wohltuend, durch diesen Mut zur e i g e n e n U e b e r z e u g u n g, die auscsprochen werden mul?, auch wenn sie wehe tut; gerade im inne von Franz Rosenzweig. der selbst ein Freund der tmsentimentalen, unbedingten Wahrheit der Kritik war. 011 wir den Mut zur Wahrheit uns selbst gegenüber haben, das ist keine ausgeklügelte Frage. Es ist die Frage, die das Schicksal an uns heute stellt. __ Dr. N. Zionistisches Leben am Rande der Großstadt Zur Eröffnung des BZV.-Heims Heukölln Die Bezirksgruppen der Berliner Zionistischen Vereinigung in den verschiedenen Außenbezirken zeigen gewisse unterschiede gegenüber den westlichen und Innenbezirken. Während dort in groflcn Gruppen mit mehreren Arbeitsgemeinschaften ein regelmäßiges zionistisches Arbeiten möglieh ist, haben die Auftanbezirkc mit besonderen Sch wier i g k e i 1 c 11 zu kämpfen. An Mitgliedern sind die Gruppen nicht ein mal besonders klein, nur wohnen die Menschen so weit entfernt, —־ oder die Gruppen umspannen einen so großer. Raum —-, dali außer in einem sehr engen Aktivkreis an ein intensives Erfassen der Mitglieder nicht gedacht werden kann. Und um Menschen lieranzuziehen, muß ein Mittelpunkt sein, ein Heim, in dem man außer einer geistigen Atmosphäre auch ein wirkliches zionistisches Milieu schaffen kann. Im Bezirk Neukölln, der am 1. Dezember sein Heim eingeweilit hat, gibt es eine nicht kleine Gruppe und einige gut besuchte Kundgebungen der letzten Jahre, aber bis jetzt hat der wirkliche Konnex, das tatsächliche Erfassen der Mitglieder, gefehlt. Mit dem Heim ist ein alter Wunsch der Mitglieder in Erfüllung gegangen, die durch die Arbeit der Mitglieder des Arbeitskreises, insbesondere durch die Hilfe J. Schönfelds, sich, ein kleines, aber schmuckes Heim errichtet haben. Dr. I.eo Salingcr wies in seiner Begri'1- Bungsansprache auf die Schwierigkeiten hin, bis die Gruppe Neukölln überhaupt an langen konnte, zu arbeiten. Dr. Joachim Prinz als Hauptredner erinnerte an den jüdischer» Brauch, beim Bau eines Hauses etwas von der Wand auszusparen. Die Tatsache eines Heimes beruhigt, da die Arbeit weiter fortschreitet. S. T s c h e r t o k weiht das Heim, das siebente der BZV. Er erinnert an die Grundquellen jüdischen Lehens, die in Palästina und in der Golah vorhanden sind, denn ■ein volles jüdisches Leben ist nur in Verbindung mit den großen Dingen des Judentums möglich. Die Ansprachen waren durch musikalische Vorträge umrahmt. Walter W e r t 11 e i 111 e r und Marcel B 61 a i _ spielten auf der Violine eine Sonate von Händel. (Am Klavier Frau Hilde Salinger.) Sicgliert Steinfeld sang zwei Arien aus dem ״Elias“ von Mendelssohn. Sabine H e y m a n n sang mehrere hebräische und jiddische Lieder. Heinzwerner Goldstein * Eine Zionistische Ortsgruppe in Oranienburg. Am 4. Dezember fand in Oranienburg ein Vorfrag von Dr. Schwarz (Berlin) über das Thema ״Palästina und die Juden Deutschlands" statt. Rabbiner Dr. Klein (Dermsdorf) forderte dazu aut, der Zionistischen Vereinigung beizutreten. 21 Mitglieder erklärten sich hierzu bereit. Die konstituierende Eröffnung der Ortsgruppe soll in Kürze in Hermsdorf erfolgen. Feierstunde des Kulturbundes. Der Kulturkund veranstaltefe am vergangenen Sonnabendabend eine Feierstunde zugunsten der Jüdischen Winterhilfe, die ihren Zweck, für die Winterhilfe zu werben lind finanziell zu ihr beantragen, erfüllt haben dürfte. Der Abend wurde durch eine Ansprache von Dr. Kurt Singer eingeleitet, in der Dr. Singer in eindringlichen Worten den Sinn der Hilfsarbeit schP.derte und gegenüber den Schwierigkeiten unserer Zeit den Glauben an die anfbaueude Kraft unseres Schicksals «1 den Vordergrund stellte. Es folgt im ersten — ernsten — Teil des Abends das Arioso von Händel, das Susanne Löwenstein mit O rgelbegleitung von Erwin J o s p c mit ihrer wundervoll warmen und beseelten Stimme zum Vortrag brachte. Das Kulturbnndoreiiester unter Leitung _ von Josef Rosenstock spielte hierauf Mendelssohns Hebriden- Ouvertüre, deren Wiedergabe diesmal besonders, gefallen konnte. Den Abschluß dieses Teils bildete das Schicksalslied von Brahms, zu dessen Aufführung sich das Orchester des Kulturbundes, der Opernchor und der Kurt-Singer-Chor unter Leitung von Kurt Singer vereinigten. Die Bewältigung dieser außerordentlich schweren musikalischen Aufgabe stellt schon rein im Technischen eine bedeutende Leistung dar, die von den Hörern mit starkem Beifall aufgenommen wurde. — Der zweite Teil brachte Offenbachs Operette ״Ein Lh’mann vor der Tür“, deren Aufführung durch die Wamleroper des Kulturbundes an dieser Stelle bereits besprochen wurde. —n. Ausstellung ״Der Heilige Berg" Wir erhalten folgende Mitteilung: Am Sonntag, dem 15. Dezember, findet die erste öffentliehe Vorführung des Modells des Skulpturwerks ״Der Heilige Berg“ von Dr. Alfred N ossig statt. Das Jüdische Museum hat für diesen Zweck einen Raum zur Verfügung gestellt. Der Bildhauer und Schriftsteller Dr. Alfred Klossig hat in funfundzwanzigjähriger Arbeit das Modell eines figurenreichen symbolischen, religiös-nationalen Skulpturwerks von denkmalartigem Charakter, ״Der Heilige Berg“, vollen- <let. Es will ein Sinnbild des Judentums sein in seiner Verbundenheit mit den! Heiligen Lande und seinen Überlider• 1en ethischen Idealen. Das Werk ist vorläufig nur in relativ kleinen Dimensionen und in Gips ausgetührt. Nur ein Teil der Figuren ist bereits in Bronze gegossen. Der ״Heilige Berg“ ist der Berg Zion, das Symbol des verheißenen Landes, gleichzeitig aber auch das Symbol jenes ״Hauses des Herrn“, in dem sich dereinst nach den Weis• ff י ■' Aus der Monnmentalskulptur ״Der Heilig( Berg" tw־ Alfred Nossig. Gruppe der Helden: Juda Makkabi, Bar Kochba, Sun SO n. Foto: Noiaig sagungen der Propheten die Vertreter aller gerechten Völker versammeln sollen. Das Postament besteht aus einer Gruppe von immer höher aufsteigenden Felsspilzen, die eng aneinander geschlossen, wie ein einziger Block von unregelmäßiger ellip- (ischer Form emporragen. Jede Felskuppe trägt mehrere Gestalten, die durch ihren Charakter oder eine gemeinsam, vollzogene symbolische Handlung miteinander verbunden sind. Die Bekrönung dieses Felsentcmpels bildet die Mosesgruppe. Unterhalb derselben sieht man die Gruppen der Propheten, der Helden, der Könige, der Frauen u, a. Dank des amphitlieatralischen Aufbaus kann die gesamte Kompositioii mit einem Blick überschaut werden. An den Außenseiten des heiser!blocks schweben Cherubim, die das Heiligtum zu hüten scheinen. So tragt das Ganze den feierlichen, sakralen Charakter eines religiösen Palladiums. Zwecks Förderung der Vollendung des Werkes in edlem Material haben sich in mehreren Ländern Komitees bzw. Ir»itiativ-Ausscliiisse gebildet. So in Polen, in der Tschechoslowakei usw. In Berlin hat sich ein Initiativ-Ausschuß gebildet, an dessen Spitze Rabb. Di. Emil Bernhard Cohn steht. Unter dem Patronat dieses Ausschusses erfolgt nunmehr dia erste öffentliche Vorführung des Werkes, aut das unser Kunstreferent noch zuriiekkommen wird. Dela Lipinskaja trat am letzten Sonntag wiederum im ausverkauften Bach-Saal auf. Ihr Programm fesselte das Publikum wie gewöhnlich und riß es zu immer erneuten Beifallsstürmen hin. Am Flügel begleitete sie einfühlsam Dr. Max Lamm, dessen musikalische Vorträge zwischen den Figurinen ebenfalls gefielen. -i ■y 11 8i«m.3r6״;11 / PIANOS RADIO Kurfürsten dämm 20s a1[1mm1!tn1mm!t1t»1!111m1m1ffl11!1111!!1H111M111111!11t11u1111111111111111111mi11111umt111111mn1t| I DAS SPEZIALHAUS FÜR | DAMEN-KONFEKTION | j Qoldmann I I DRESDEN, AM ALTMARKT | Ciisnukhan-Senüungen für das Ausland besorgt prompt Camaia - Kaltee-fironrosterei Carl Max Josephs Bremen 1 Kaffee, Tee, Kakao, Konfitüren lleziehen s»te »lei» Immer au( *Ile Jllrtlse*ne Hundschau Feinste Weizenmehle Hafergrütze, HaKerftoeken fierstgrütze, Qraujen, Erbsen gibt unirr Nachnahme (Postu. Dahnvrvmnd) ab Max Rosenberg Jastrow (Grenzmark) Berliner Interessen- Im Auto nach Palästina ten ver- Ein Wegweiser für Autofahrer langen Herausg«geben vom Pal&stlna-Amt, Berlin unverbindlichen Reite-BeHchte, Entfernungstalein für die Balken- und Italienroubm Informationen über Transport, Zölle und Vertreter- Steuam, PsQ. und THptykfragen, Kosten, Ausrüstung, besuch Kartonand AdressenmaUrial, Uobersichtsskizze. Prela: RM 2r~ Zu bazMwit dur«b dM BvdihmM •dar d«r zionlsttsctien Vereinigung rar Deutschland Berlin W|S, Meinekestr. 10 / Postscheckkonto: Berlin 809! HEIRATSANZEIGEN fliotinn flomo Anh 30. intern schlanke Ulollllll• UdllUf Erscheinung, *ehr sytnp. Arußer«, musik. geb., geisti« rege, häuslich, lebensecht,, berufstat״ RM -5CXJ0.— Ersparn., m, grd peener Wösehev. Möhel-Aussf. sucut ivi. Etie!etnslimis.. gütig. Herrn 1. gesich.Position. Bildetf. erb. v. In* u, Ausid. unter H 503 a. d. 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