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Jüdische Rundschau · 1935-12-10 · Heft 99 (10.12.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 99 (10.12.1935)
Date
1935-12-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 99, 10. XII. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 5 Neue Bücher Die NationalbeweKung des 19. Jahrhunderts Hermann Oncken, Nation und Geschichte. Gesammelte Reden und Aufsätze. 517 S. 8 RM. G. Grote Verlag, Berlin 1933. Unter den in diesem Buch gesammelten Aufsätzen des bekannten Historikers, dessen Cromwellbuch mit seinen Hinweisen auf die Wirkung des Alten Testaments in der englischen Geschichte hier kürzlich besprochen wurde, ist die Mehrzahl den aktuellen Problemen der deutschen Nachkriegsgeschichte gewidmet; zu diesen hier Stellung zu nehmen verbietet der Takt. Aber diejenigen Aufsätze, die auf allgemeine Themen übergreifen, können für jedes Geschichtsbewufitsein, also auch vom jüdischen Standpunkt, gewürdigt werden. So z, B. wird eine Abhandlung wie ״Politik als Kunst“, worin die Erfordernisse eines wirklich echten Politikers, der ein Synthetikcr sein muß, sehr klar im Gegensatz zu manchen landläufigen Ansichten dargelegt werden, für jede handelnde Gemeinschaft, besonders für eine mit wenig politischer Erfahrung, wichtig sein. (Man denkt dabei an Weizmanns Worte: Ich bin Chemiker und daher Synthetiker...) Der Aufsatz ״Deutsche geistige Einflüsse in der europäischen Nationalitätenbewegung des 19. Jahrhunderts“ deckt die Quellen auf aus denen auch der jüdische Nationalismus entstanden ist: die beiden Ströme der Aufklärung und der Romantik und die besondere Bedeutung Herders als Schöpfers des Volks-Begriffs im Gegensatz zum Staat. Dieser Poppehtrsprung ist am jüdischen Nationalismus oft aufgezeigt worden, vgl. z. B. die bekannte Schrift von Krojanker (Verlag ״Jüd, Rundschau"). Sehr instruktiv wirkt dabei das Beispiel der Tschechen, die von den Deutschen den Nationalismus lernten, in dessen Namen sie dann ihre Lehrmcister bekämjiftcn; vgl. dazu das von Oncken angeführte Wort von Grillparzer, der, ein leidenschaftlicher Feind des Nationalismus, uen nationalen Tschechen Assimilation an das Deutschtum, d. 11. an deutsche Ideen, verwarf. Oncken hätte in diesem Zusammenhang auch die Schriften des tschc* chischen Philosophen Fm. Rädl, der den deutschen Einfluß auf die Entwicklung des tschechischen Nationalismus darstellt, erwähnen können. — Schließlich sei noch aus der großen, das Buch beschließenden Abhandlung ״Oreys Kampf um den Eintritt Englands in den Weltkrieg“ eine für uns interessante Stelle erwähnt. Dort wird geschildert, daß in den entscheidenden Augusttagen 1914 die englischen Wirtschattier, besonders die "Londoner City, gegen einen Krieg mit Deutschland waren; der ״Deutschenhasser Sir Evre Crowe“ entdeckte hinter diesen Widerstand den ״d c 111 s c h - j ü d i - sehen Londoner Bankier, der den patriotischen Eng- Linder verführe“, nämlich zur Politik der Neutralität gegenüber Deutschland. Diese aus englischen Quellen zitierte Episode ist eine hübsche Illustration zu der häufig gehörten absurden Floskel, der Jude sei der Kriegshetzer und habe auch 1914 den Krieg gegen Deutschland geschürt. W. I>in Buch über Ihn Saud Rupert Donhan: Die Auferstehung Arabiens — Ibn Sauds Weg und Ziel. Wilhelm Goldmann Verlag, Leipzig. Die Gestalt Ibn Sauds, des Herrschers über das I Innere Arabiens und einen großen Teil der Südwesiküstc des fl Landes, ist ein Faktor in der Weltpolitik geworden, mit der alle an den Verhältnissen im Vorderen Orient Interessierten rechnen müssen. Als ein Element der arabischen Politik berührt er nicht zuletzt die jüdischen Interessen in Palästina, das ja durcli seine geographische Lage wie seine Einwohner aufs engste mit der gesamtarabischen Politik verflochten ist, Den Darstellungen über den kometenartigen Aufstieg dieses Mannes, seine Persönlichkeit und seine weitausgreifenden religiösen, politisch-nationalen, dynastischen und volkscrz.ieherisehen Pläne gebührt daher unsere größte Aufmerksamkeit. Das Buch von Rupert Donkan ist für den, der diese Verhältnissc und ihre Entwicklung gar nicht oder nur oberfUichlieh kennt, ebenso spannend wie in vieler Hinsicht auch lehrreich. In einer mitreißend geschriebenen Reportage sehen wir die mannigfaltigen Lebensschicksale des heutigen Königs von Ncdsclul und Hedschas. Wir lernen die gewaltigen Schwierigkeiten kennen, die er überwinden mußte, sehen ihn als Kolonisator der beduinischen Bevölkerung seiner Heimat, als Gegner der haschiniitischen Familie des Emir Hussein von Mekka und seiner Söhne und auf dem Höhepunkt der Macht in der Gegenwart. Donkans Buch ist dabei gewiß nicht obicktiv. Der Verfasser ist in seinen Helden ״verliebt“; er benutzt in erster Linie die Quellen, die die Entwicklung von der Seite Ibn Sauds aus betrachten und sich gegen seine haschiniitischen Gegenspieler wenden. Das Material des Englünders Philby ist daher neben eigenen Reisen nach Arabien in erster Linie von ihm verwandt worden, während etwa die Rolle, die Philbys Gegenspieler Oberst Lawr e 11 c e, der Mitkämpfer des Emirs l'eisal in den Kriegsjahrett, spielte, verhältnismäßig schlecht wegkommt. Obwohl dadurch manche Fehlurteile unterlaufen, ist das Buch äußerst interessant. Der politische Gesichtspunkt, unter dem sein Verfasser die Dinge betrachtet, hat allerdings auch zu einem Fehlurteil über die Rolle der Half our-Dcklaration geführt, von der er sagt, daß sie ״die internationale Hochfinanz London entrissen hatte, um aus Palästina einen zionistischen Staat zu machen“. Trotz diesen Vorbehalten ist das Buch aber auch für den jüdischen Leser beachtlich. oc. Geschichte der Araber in Palästina l'.in Budi vtm Assnf Das Land Palästina hat mir einmal eine Geschichte gehallt; vielleicht darf man auch sagen: zweimal. Das erstemal, als cs jüdisch gewesen ist; das zweitemal in unseren Zeiten, da es wieder aiifängt, jüdisch zu werden. Zu allen anderen Zeiten hat Palästina ebensowenig eine einheitliche Geschichte wie einen eigenen Namen gehabt. Entweder war es Teil eines größeren Ganzen oder zerfiel selbst in verschiedene Einheiten. Wenn man es also unternimmt, eine Geschichte Palästinas in vorisraelitischcr, byzantinischer oder arabisch-türkischer Zeit zu schreiben, so geschieht Derartiges nicht, weil der Stoff als solcher dieses erfordern würde, sondern eben weil die Bedeutung, die Israel diesem Lande gegeben hat, es wichtig erscheinen läßt, seine Geschicke während aller 1ms erreichharcn Epochen der Geschichte zu erforschen. Damit ist aber schon gesagt, daß jedes derartige Unternehmen seine großen Schwierigkeiten hat. Denn wo ein Stoff sich nicht selbst begrenzt, sondern von außen her bc-stimmt wird, läßt sich bezüglich Auswahl, Wertung: und Anordnung nur seiden Einstimmigkeit erzielen. In der Tat hat sich noch kein Werk über die Gesamt!» e-sclüclite Palästinas zu allgemeiner Anerkennung durchsetzen können. Michael Assaf, der verdienstvolle Redakteur für arabische Angelegenheiten am ,,Dawar“, hat es unternommen, ״Die Geschichte der Araber in Palästina“ in einem 3bändigen Werke darzustellen, dessen erster Band, ein stattliches Buch von 400 Seiten großen Formats, nunmehr vorliegt, während der zweite Band in kürzester Zeit folgen soll (vgl. die Ankündigung in ״Jüd. Rundschau“ Nr. 54/1935). Die Tatsache, daß der Verlag einer Arbeiterzeitung es wagen kann, ein Werk von solchem Umfang über ein immerhin ziemlich spezielles Thema herausnihringen, und noch mehr die Tatsache, daß die Gesamtauflage von 3000 Exemplaren innerhalb eines einzigen Monats ausverkauft worden ist, beweisen, ein wie tiefes, weit über die praktischen Tagesfragen Iiirmisgehendes Interesse am Arabertum heute einen großen Teil der palästinensischen Judenschaft erfüllt. Dabei ist Assafs Werk durchaus nicht populär im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Ucherall werden die Quellen zitiert, viele wissenschaftliche Einzelfragen werden ausführlichst erörtert, der Vortrag ist flüssig, erfordert aber einen aufmerksamen Leser. Und dazu ist, wie oben angedeutet, der Stoff als solcher spröde genug. Handelt es sich doch um lokale Ereignisse, nicht um die eigcngcsetzliche Geschichte eines großen Organismus. lfm so höher ist es 7.11 bewerten, daß das Thema durch Assaf eine so würdige, absolut objektive, ja geradezu liebevolle Behandlung, und das Buch eine im Verhältnis zum außerordentlich niedrigen Preise vorzügliche Ausstattung — und ein wissensdurstiges Publikum gefunden hat Araber hat es um und in Palästina gegeben viele hun* dert Jahre, ehe die arabischen Muslime vor genau dreizehn Jahrhunderten das Land den Byzantinern abn alunen. Assvrische Triiimplimschriftcn, die Bibel, römische und griechische Schriftsteller — unter welchen vor allem Joseph us zu nennen ist — und vielfach auch die taimudische Literatur, dazu gewisse einheimische Inschriften und Grafitti und zuletzt die Unser neuer Roman: ״Die letzte Station” VON LliO IIIII SC II In der Novelle ,,Die letzte Stalion“, mit deren Abdruck wir nach Abschluß des Romans ,,Das Merk im Oed!and“ in der kommenden Woche beginnen, schildert Leo Hirsch das Vor- und das Nachspiel einer Auswanderung. Ein Jude verläßt Deutschland, Erez Israel ist sein Ziel, mul ein kleiner Ort in der ehemaligen Provinz Rosen ist die letzte Slalion der Boise in ein neues Leben. Von dieser Slalion, die nach dem Kriege polnisch geworden ist, war der ,,Held“ der Novelle «Jamals nach Deutschland ausgewandert wie nahezu alle seine nicht* polnischen Landsleute, und nun, bei seiner zweiten Au sw an <10rurig, von Deulsehland nach Paliislina, findet er von den Juden, die das Städtchen hevölkerlen, kaum mehr als Erinneruiigen und Gräber vor. Noch einmal und wie zur Spiegelung seiner letzten Ausfahrt erlebt er in der allen verlorenen I leimal das frühe und von den M irren jener erslen Nachkriegsjahre getrübte Abenteuer seines Herzens und seinen ersten Judensrhrnerz wieder, und wie zum Auselricb vergangener tragiseher Schuld («׳•regnen ihm in ihrer neugewonnenen Lebensform die unvergessenen l'ieuren z<1 erneulem. nun aber versöhnlirli sich lösendem Konflikt — wie entschwebende Schalten auf dem sich lichtenden Grund eines von vorn beginnenden Daseins. muslimisch-arabische Tradition ermöglichen cs, sich von jenen Arabern ein ziemlich deutliches Bild zu machen. A--.1t zog cs vor, die vorishuniscitc Periode kurz zu behandeln. Wie mir scheint, hat er recht daran getan. Demi 1:10.:<■11 auch jene vorislamischeii Araber in I ,al.1-.linn von ״>:׳,! i-ser lii.-torischer Wichtigkeit sein, insofern als sie zweit dlos ein wichtiges Substrat für die verhältnismäßig rasche Amhidcnni : des Laudes gebildet haben, so besteht doch wvni־! Koiuiiuiität zwischeu jenen alten, meist aramaisierteii und hclic-nisienen Schichten und den spateren, eigentlichen Aral)•.:׳::. In den Mittelpunkt des historischen I!!:cre-ses tritt Paliistina sofort mit dem E i 11 b r 11 e!1 der muslimischen Araber, denn alle entscheidenden Schlachten /mochmi diesen und den Byzantinern wurden;tut dem Boden Palästinas, lind zwar im Süden und int Osten des I.;indes, au-gelochteit. Auch in der folgenden Periode der <>111; 1! 1 :<J1'-ci 10:1 Kalifen batte Palästina noch zentrale BedetitmtDie 1 buntst,ult Damaskus war nicht weit, Shuiabra am Tiberia-sce war ein beliebter Aufenthaltsort mancher Kalifen, die wichtigste Front nach außen war die Seeküste Palästinas und Syriens, und die Stämme, auf die sich die Omnijaden vornehmlich stiitzien, zelteten besonderst im CM- und zum len auch im Westjordanland. Eine neue Hauptstadt, das auch noch heute wichtige Ra ml eh, wurde gegründet mul auch sonst manches Neue angelegt. Ob freilich die bei den oniajjadischen Herren so beliebten Latifundien dem lande Sogen 0:1er Unglück brachten, müssen die Wirtschaftshistoriker noch klären. Nach dem Sturz der Omajjaden ging cs allerdings daun auch mit Palästina bald sehr bergab, und die Araber, die eben Buch ein in der Weltgeschichte fast unerhörtes Beispiel von schneller, umfangreicher und tiefgehender Ausbreitung gegeben haften, mußten kaum zwei Jahrhunderte nach der Eroberung die militärische Hegemonie an T11 r k e u versclu'cdenstcr Herkunft ahgeben, und so ist es ja mehr oder weniger geblieben bis auf unsere Tage. Der vorliegende Band von Assafs Huch behandelt die eigentlich arabische Zeit, ״die Epoche eher arabi teilen Herr- Schaft in Palästina“, die aber Assaf vielleicht etwas weiter faßt, als es dem historischen Tatbestand ciir-prechen mag. Das Werk versucht, vor allem die mehr statischen Eiemente wie ״Bevölkerung“, ״Wirtschaftsleben‘‘, ״Administration“, ״Steuerwesen“, ״Religion und K:1:1׳1״• zu cru-siui und schließt mit einer wichtigen Studie über den Niedergang des Landes schon in jener verhältnismäßig frühen Zeit. Line Reihe nützlicher Register sowie eine Kaste vcrvoil-tändigen das Buch, das in jeder Beziehung eine erfreuliche Fr-clieiinnig auf dem palästinensischen Büchermarkt darstellt. S. 1). F. G <1 i t e i!1, Jerusalem Aua dem Hebräischen von Dr. Max Mayer, Jerusalem 29. Fortaetxeag Pfuchdrack »•rboUm 24. KAPITEL Abners Freilassung Als Lisa ins Zimmer Ruths trat, herrschte dort Dämmerschein und Ruhe. Das Neugeborene lag in einer wei- I«׳.\ 11׳i/w i1״/e. Ruth saß still im Zimmer und besserte weiße Leinenslücke aus. Seit einer M'oche hatte Ruth das Wörhncrinnenheim verlassen. Mil. dem schlafenden Kind im Arm war sie allein sicheren Schrittes durch die lärmenden Straßen gegangen. Zu Hause hatte sie alle Hände voll zu tun,וזננו den Winkel herzurichten, in dem das Kind heranwachsen sollte. Besucher, die gratulieren kamen, empfing sic mit lachendem Gesicht und zeigte ihnen das Kind. 1)ie Stille im Zimmer zwang selbst die einlrctcndcn Burschen vom ״Stall“, auf den Zehenspitzen 711 gehen. Auch die stille Sorge um das Schicksal Almers konnte die I.elwnsordnung nicht stören, die sieb jetzt den ganzen Tag um den Säugling drehte. Rutli kam Lisa entgegen, und als sie erfuhr, wer sie ist, bat sie Lisa, Platz zu nehmen. Lisa näherte sich behutsam und setzte siel». Sie schaute neugierig in die Ecke, wo das Kind lag. Dann sagte sie zu Ruth: ״Ich schütze Abner sehr, Ruth. Daher bin ich wohl berechtjgt, ihm jn seiner Reilrungnis zu Hilfe zu kommen. Ich habe erfahren, daß man ihn gegen eine Bürgschaft aus der Haft befreien kann. Da habe icht nun die nötige Summe für die Bürgschaft gebracht“ ״Aber wer weiß, ob und wann wir eine so große Summe Geldes wieder zu ז■ fick geben können“ — sagte ■Ruth leicht, erregt — ״ich fürchte, Fräulein Nasson, diese Gefälligkeit nicht aruichmen zu können.“ ״Und ich dachte, daß ihr Leute der großen Lager anders wäret als wir“ — sagte Lisa lächelnd — ״jetzt sehe ich aber, daß ihr in allem genau so seid wie wir.“ Ruth senkte «len Kopf, und Lisa sprach, ohne sie anzusehen: ״Es gab Zeiten, in denen ich dachte, daß die Weitherzigkeil des Lagermensrhen so groß ist wie die des Oedlands selbst. Das war für mich eine tröstliche "Vorstellung, Loute zu sehen, mit entblößter Brust, sonnenverbrannt und einem großen Werke bingogeben. Aber was vernichtet diese Weitherzigkeit? Eine kleine Ecke mit ihren vier engen Wänden —• und der Mensch des Lagers wird wie jeder Mensch.“ Ruth beugte den Kopf über die Leinen stücke. Leise sagte sie: ״Die Kraft des Lagers ist nur die der Arbeit Aber der Einzelne bleibt Im Getöse dieser Aid־,eit mit seiner Sorge für sich. Das Lager verschlingt nicht «len Menschen, mit Ausnahme einzelner, wie Ingenieur Agar. Die Leute des Lagers sind wie alle Menschen. Denn das Lager Ist ja nur organisierte Arbeit, die das Oodland erobert, aber der einzelne bleibt eine kleine Welt für sieb. Lisa sland auf, ging an die Wiege des Kindes, sah es an. und küßte es. Dann gab sie Ruth die Hand zum Abschied. Niedergeschlagen verließ sie Ru 1113 Zimmer und machte sicli auf den Heimweg.- Nachdem Ruth die Bürgschaft eingezahlt hatte, wurde Abner von Ix'iitnant Harris gerufen. Gelassen ging er zu Harris lind blickte ihr» ruhig und mich lern ins Gesicht. ״Man bat für dich die Bürgschaft hinterlegt, du wirst heute frei. Freust du dich nicht?“ Abner schwieg, denn er glaubte dem nicht, der mit ihm .redete, und er wollte ihm auch nicht zeigen, was in seinem Innern vorgehe. ״Deine Frau hat mir erzählt, daß du einen Sohn bekommen linst, und jetzt erwartet dich ein Leben in der Familie“ — fuhr Harris fort ״Jawohl, Leutnant Harri!.“ ״Jetzt ruht also eine doppelte Y1׳r,1nte<׳r(m1y ■vif dir. Abner. Darum rate ich dir, dich iiiehl wie׳!׳.!׳ in I luten zu stürzen, die «!11 nicht durrl isrliw 111111101 k« nn.rt.“ Aber Abner antwortete ihm enerirbeh: ״Der Mensch tut nlrlil immer nur da-, was!!! seinen Kriiften steht. M.'iiiehmal tut er׳;meii etwas mi Glaub.1:׳ an hin׳- lnensehliclie Kräfte. Sonst v <1 wie die Weil erstarren, 1 .(■nimmt Harris.“ ״Glaube!“ -— lächelte Harris — ״es!Mbl nur einen reellten Glauben und das ist ll<־11׳s<׳ha!'t und f e -1 < - Ordnung, Alles darunter ist Barbarei, alles darüber Wahnsinn.“ Abner hatte nur der! Wunsch, :ms dem Zimmer zu k<1mmen. Das Gespräch fortsei zon wollte er nicht, und seine Godanken verheimlichen, hielt er nicht für richtig. Harris warf einen Blick auf Almers Papiere, übergab sie ilmi, und plülzlieh entschlüpfte es seinem .Munde: ״Audi ich habe Sehnsucht nach Hause, nach dem Kreis meiner Familie, die vveit von hier wohnt.“ Abner sali ihn fragend und neugierig an. ״Das ist ein kleines ,Städtchen mit einer Kirche, die sclxm achthundert Jahre stellt“ —• sprach Harris wie im Traum —■ ״mit Straßen, deren Pflaster aus gebrannten Ziegeln bestellt.“ ״Und wer bindert dich daran, la'utnant Harris, deine Wanderungen im Oedlaml zu uni erbrechen und in dein Städteben zu rück z.11 kehren?“ ״Diese Oedlätider hindern mich. Sie gleichen zoologischen Gärten, die stets von einem erfahrenen Wächter mit starker Hand bewarbt werden müssen“ — verfiel Harris wieder in ärgerliche Stimmung. ״Nicht <110 Oed 1 iinder hindern dich. Leutnant Harris, sondem deine Augen, die sie für zoologische Gärten halten. Solange du sie nicht für \\ olinMiillen von Menschen hältst, die im Finstern ihren Weg suchen, wird deine Mühe umsonst sein.“ ״Da sprichst, nicht wie ein Weißer, Abner. Der weiß, daß Herrschaft seine Pflicht ist, und die Herrschaft ülx־r jedes Oedland eine Notwendigkeit,“ ״Ich spreche wie einer, der glaubt, daß jedes Oedl.-ind vom Erdlxidcn verschwinden muß, damit, eine gerechte l.eben»Ordnung auf der weiten Welt erstehe“ — antwortete Abu eff. 35 s an eviel ajale Gearmt iorn, tick, heit. ade, rzer icn. ckte < ichxeieine 1 ich irknal

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