Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 98 (6.12.1935)
- Date
- 1935-12-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 6. XII, 1935 Haushalts-Sorgen Die Mädchenhachscharah des Hechaluz Chaluzoth im Haushalt Um Zweijcl und Irrt Um er über die Behandlung der Mädchenhachscharah im Hechaluz im Hinblick auf die Ausbildung von Chaluzoth in Privathaushaltrn zu beheben, geben wir nachstehenden Uebcrblick über die Arbeit der Mädchenhachscharah des Hechaluz wieder, der uns vom Hechaluz zur Verfügung gestellt wurde. (Red.) Die Tatsache, daß der Hechaluz seit etwa •V1 Jahren alle Fragen, die mit der Haehscliarah der Chaweroth in Verbindunp stehen, in einer eigenen Abteilung, die von einer Chawcrah geleitet wird, bearbeitet, weist darauf hin, daß er sich aller Schwierigkeiten bewußt ist, die auf diesem Gebiet zu überwinden sind. Zwei Dinge fordert der Hechaluz von seinen Menschen: Die Erlernung eines Berufes, der vom wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkt ans für Palästina wichtig ist, und ein Bekenntnis zum chaluzischen Zionisnuis. Deshalb kann 7. B. eine an sich taugliche Berufsausbil<hing nur dann als I iachseharah anerkannt werden, wenn der betreffende Oliawer oder die Chawcrah durch eine intensive Mitarbeit in einer Gruppe des Hechaluz vor der Hachscharah bewiesen hat, daß er auch innerlich zur Bewegung gehört. Zur Erreichung' ries beruflichen Zieles der Mädchen nimmt der Hechaluz gern die Hilfe der jüdischen Frauenorganisationen in Deutschland Wi/o und jüdischer Frauenbund — in Anspruch, und eserscheint uns als ein Fortschritt auf den! Gebiete der Madthcnhachscliarah, daß diese Organisationen sie mit zu einer ihrer Aufgaben gemacht haben. Fs handelt sich dabei nicht um irgendwelche Zugeständnisse von der einen oder anderen Seite, sondern um die Wahrnehmung gemeinsanier Interessen um! um wirkliche Zusammenarbeit, wo immer es möglich ist. Frust hafte Differenzen hat es in der!7rage der beruflichen Vorbereitung der Mädchen für Palästina /wischen den beteiligten Organisationen niemals gegeben, sondern die Miliverständnisse tauchen immer bei einzelnen Frauen mit, die die Mädchenhachscharah nicht als einen 'Ieil des gesamten I lachsellarahwcrkes befrachten, sondern darin ein sondergebiet erblicken. Der ilethah!/ fordert von seinen Menschen nach einer mindesttns sechsiimnatlndien ZugeImrigkeit und intcii.-dven Mitarbeit in einem SniI 1 iechaluz eine mindest 11 ■j j;ihrige Ha cli s f I) a r a 11, die sieh je nach der Bewährung des Einzclne 11 auf zwei oder mehr Jahre auedehiien kann. Für die Mädchen stehen folgende Berufe zur Auswahl; Hauswirtschalt (mit besonderer Berücksichtigung der Massenküche, des landwirtschaftlichen Haushalts), Landwirtschaft (mit besonderer Berücksichtigung der Milchwirtschaft, der Oeflügclzucht, der Imkerei), Gärtnerei, Säuglingspflege, Krankenpflege. (Die Ausbildung als Kindergärtnerin kann nur in ganz, besonderen Fällen, wo perfekte hebräische Sprachkenntnisse und besondere Eignung nachgewiesen werden können, als Haehscliarah gewertet werden.) Die große Mehrzahl aller Chaweroth erfährt eine hausw i r t s e 11 a f 11 i c 11 e A u s b i I d u n g, was begrüßenswert ist, insofern jedes Mädchen darin bewandert sein sollte, aber was bedauerlich ist, wenn die hauswirtschaftliche Ausbildung bei vielen die einzige und ausschließliche Berufsausbildung bleibt. Die hier immer wieder beobachtete Erscheinung, daß die jüdischen Mädchen wenig Neigung für den Hauswirtschaftliehen Beruf haben, scheint sich bei der Alijali nach Erez Israel um/tikehren: Dort gibt es in den Städten ein Heberangfbot an H a 11 s a n gestellt c 11, vorwiegend Mädchen, die eine hauswirtsrhaftüehe Haehscliarah dnrehgcmacht haben und jetzt nicht aufs!.and gehen, weil sie die viel schwerere Landarbeit scheuen, VC’ir müssen daher immer darauf achten, unsere Chaweroth auch in andere Berufe cin/ufiihren, ungeachtet der großen Bedeutung, die wir der hauswirtschaftliehen Ausbildung heimessen. Als A 11 s h i I (1 11 11 g s s f ä t t e 11 stehen für die f lauswirtschoft I laushaituiigsscliiilen, l’rivntliau-lialtungeii, Heim- und Großbetriebe, Ghalii/heime und Hachseharahkihbiizim zur Verfiigung. Eine WallI bei der Besetzung bleibt dern Hechaluz nur bei den erstgenannten. Unter ihnen kann er die gut geeigliefen heraussuchen und nur dorthin Mädchen zur Haehscliarah schicken. Die Chaluzhcimc und Hachscharahkibbuzim müssen auf jeden Fall besetzt werden, weil ihr Bestand davon abhängig ist. Sie sind der Punkt, an dem die Kritik der Außenstehenden anzusetz.cn pflegt. Die erste Frage, die bei der Ausbildung im Bet 11 Chaluz oder Kibbuz auftaucht, ist die nach dem Ausbildner. NX' e r leitet die Mädchen an? Man hat vorgeschlagen, Hausinüttern oder Schlichoth aus Palästina diese Aufgabe zu übertragen. Schlichoth für diese Aufgabe brächten sicher die ideale Lösung aller Probleme; aber leider sind sie nicht zu haben, denn auch in Palästina braucht inan jeden fähigen Menschen, und cs kostet einen langen Kampf, bis ein einziger lür die Arbeit in Deutschland freigemacht wird. Das System der Hausmütter versucht der Hechaluz schon in einem gewissen Maße tlurclmifiihren. ln jedem Betli Chaluz arbeitet mindestens eine Chawcrah, die schon irgendeine banswirtscliaftiiche Ausbildung vorher durchgeniaeht hat und von der Wirtschaftsführung wirklich etwas versteht. Soweit es an solchen Chaweroth fehlt, helfen wir uns durch 1״ n s t r 11 k - t o r i 11 n e n“, die von einem Heim zum anderen fahren und auf Grund ihrer besonders guten Ausbildung und längeren Erfahrung den Mädchen in verhältnismäßig kurzer Zeit Amleitungeii geben können. Die ״Instruktorinneu“ sind Chaweroth des Hechaluz und passen sich infolgedessen ganz an das Leben des Heimes, in dern sie gerade arbeiten, an- Das zweite Hilfsmittel sind Kurse, die ebenfalls von Chaweroth geleitet «־erden und in denen solche Mädchen, die schon Vorkenntnisse besitzen, in sechswöciientlicher Ausbildung den letzten Schliff für die Führung eines Heimes erhalten. NX'enn alle unsere Maßnahmen vielleicht heute noch nicht genügen, um eine gute Haehscliarah der Mädchen im ßeth Chaluz oder Hachscharahkibbuz in allen Hillen zu gewährleisten, so ist es die Aufgabe aller daran interessierten Kreise, die bestehenden Hilfsmittel zu vervollkommnen. Aber inan kann nicht verlangen, daß Menschen, die der Gedankenweit des Hechaluz völlig fremd gegeniiberstehen, in die Haus- und Lebensgemeinschaft der Chaluzim aufgeiioinme-n werden. Dadurch würde vielleicht die fachliche Ausbildung der Mädchen besser, aber die Schaffung eines eigenen gesellsehaftlichen Lebens wäre sehr gestört. I >cr Versuch, solche Hausmütter atifzunelimen, wurde trotzdem schon in zwei Chalu7l1eimen gemacht, und er ist in beiden Fällen gescheitert. Audi die Ausbildung im P r i v a t h a 11 s 11 a 11 hat ihre Licht- und Schattenseiten. Hie Mädchen lernen dort peinlich und gewissenhaft zu arbeiten; sie lernen heute meist auch recht sparsam zu wirtschaften. Aber eine rationelle NXTrtschaftsfuhrung wird in den seltensten Fällen dort zu erlernen sein. Nur wenige Hausfrauen berechnen sich ihren Tagessatz, kontrollieren jeden Aheml, ob sie diesen Satz nicht überschritten haben. Sie haben in langer Erfahrung gelernt, wie man ״auskommt“, aber sie haben keine Hjushaltbuchfübrting, wie sie für jedes Betli Chaluz erforderlich ist, wo man eine ständige Kontrolle über den Verbrauch fiir Nahrung usw. hat. Und etwas Zweites fehlt der Ausbildung im Privathauslialt: die Umstellung auf primitive Lebensverhältnisse im NFolinen und Wirtschaften. Ein Jahr lang in einem gut bürgerlichen Haushalt gelebt und gearbeitet zu haben, ist eine sehr tnangelhafte Vorbereitung auf ein Leben der Arbeit in Palästina. Unsere Chaweroth müssen es fertig bringen, unter sehr "harten und primitiven Verhältnissen zu leben und zu wirtschaften, Verhältnissen, die in mancher Hinsicht weit primitiver sind, als in den Haclischarahkibbuzim hier. ()1111 c alle Kleinigkeiten des gut eingerichteten Haushaltes kochen und Sauberkeit zu halten, erfordert aber ganz andere Fälligkeiten, als sie die Chawcrah im Haushalt erlangt. Trotz allem; Der Hechaluz bejaht die Ausbildung im Familienhaushalt und fördert sie nach Kräften. Wenn mir wenige Mädchen des Hechaluz bisher im Privathaushalt arbeiten, so liegt es daran, daß der Anteil der Mädchen an der Haehscliarah überhaupt viel zu gering ist — kaum ein Drittel aller Menschen auf Haehscliarah beträgt der Anteil der Mädchen ■— und daß die übrigen Ausbiklungsmöglichkeiten, die erwähnt wurden, entsprechend berücksichtigt werden. Besonderer Ablehnung ist die Forderung des Hecluduz, die wenigen Chaweroth, die er für die Hausarbeit zur Verfiigung stellen kann, in einigen Städten zu konzentrieren, begegnet. Es liegt uns daran, diese Mädchen besonders zu erfassen, eigens einen Menschen mit der Kontrolle ihrer Hachscharah zu befassen, um zu vermeiden, daß der Haushalt allein die Lebenshaltung unserer Mädchen bestimmt. Die übliche Snifarbeit ist dafür nicht ausreichend, denn sie muß soviel an Kenntnissen vermitteln, daß für die Fragen der Einzelnen, wie sie gerade im Haushalt auftreten, kein Raum ist. Wenn man überdies bedenkt, daß der Umfang der gesamten Haushalthaclischarah heute kaum 50 Menschen erreicht, obwohl wir allmählich von jedem Mädchen verlangen, daß sie vor oder nach der übrigen Haehscliarah mindestens ein halbes Jahr im Haushalt arbeitet, dann wird man die Konzentrierung dieser Chaweroth eher verstehen. Senta Punfud Ein Wort an die Zionistinnen Von Hedwig Möller, Hamburg Wenn der Zionismus als erste größere Organisation bereits im Jahre 1897 der jüdischen Frau die volle Gleichberechtigung gegeben hat, so hat er damit bewiesen, daß er die wichtige Aufgabe der Frauen im Leben des Volkes, insbesondere beim Aufbau des Landes, richtig erkannt hat. Es ist deshalb notwendig, von zionistischer Seite immer wieder um Frauenproblcme und Fraticnaufgaben Sorge zu tragen. Ich möchte also zu den Zionistinnen über die Steilung der jüdischeu Frau zu dein Hausgehilfinnengesetz sprechen, und zwei Gesichtspunkte hervorheben: 1. Es ist sicher so, daß jüdische Haushaltführung im Zeichen der Not noch bedachtsamer und überlegter geschelien muß wie in Zeiten normaler Entwicklung, denn jedes Verschwenden jüdischen Volksvermögens, jeder unnütze Verbrauch jüdischer Kraft bedingt Verlust an jüdischer Volks- Substanz, NVohl ist es Aufgabe der jüdischen Frau, sparsam und gut zu kochen, pfleglich ihren Haushalt zu führen, daß die äußere Kultur des jüdischen Hauses nicht verloren geht, aber nie dürfen die Hausfrauenpflichten Frauen so erfüllen, daß keine Frische, keine innere Spannkraft bleibt, um Mann und Kindern das zu sein, was sie mehr denn je bedürfen: Ruhepunkt und innerer Halt. Dazu kommt noch eins; die Reihen unserer alten Mitarbeiterinnen lichten sich immer mehr, es muß der Stolz der zionistischen Frau, trotz vermehrter häuslicher Arbeit, sein, noch Zeit zu haben für ihre Pflichten der Allgemeinheit gegenüber. Es geht nicht an, daß drüben weniger Boden gekauft, weniger Schulen errichtet werden, weniger Geld den Wizo-Institutionen zufließt, weil Frau X. und Frau Y. in Deutschland ihre häuslichen Arbeiten selbst machen müssen. Man kann konzentrierter arbeiten und den Haushalt vereinfachen, um Tür allgemeine Aufgaben Platz zu schaffen. In aller! Städten sind Nachschuhingsktirse fiir Frauen errichtet, und man sollte unsere Frauen auch im Hinblick auf ihre spätere Uebersiedlmig veranlassen, ihre häuslichen Kenntnisse so sehr wie möglich zu vervollkommnen. 2. Es geht in Palästina ein heftiger Kampf um die jüdische Arbeit in allen Arbcitszweigcu. Sollte es nicht auch hier möglich sein, von Ausnalimefällen natürlich abgesehen, mit jüdischem Personal anszukonimcn? Es sind in den in Betracht kommenden Jahren genug jüdische Mädchen geboren worden, es sind längst nicht alle davon verheiratet, es sind prozentual viel weniger Mädchen ausgewandert als jungen, schaffen wir den jüdischen jungen Mädchen Arbeitsbedingungeri in unseren Haushaltungen, daß cs für sie verlockend ist, den Beruf der Hausgehilfin zu ergreifen! Und noch ein Drittes: gerade wir Zionistinnen, die wir in Palästina eine bessere soziale Ordnung herstellen wollen, sollten doch mit gutem Beispiel vorangellen und diejenigen jungen Mädchen, die wir, sei es als Chaluzah, sei cs an Stelle unserer Hausgehilfin, in unserer Hausgemeinschaft atifnelimcn, wirklich als Mitarbeiterin oder als Tochter aimisehen. In früheren Jahren waren die Zionistinnen nicht nur die Pionierinnen, die als erste ins Land gingen, sondern auch die Pionierinnen in Idee und Vorbild. Es ist notwendig, daß auch heute die, die sich unserer Idee anschließen, sie in großen und kleinen Dingen in die Tat umsetzen. 4000 Dunam Boden aus 50000 blauen Büchsen Keren Kajemeth Lejisrael (Jtld, Nationalfonds) E.V., Berlin WlS Postscheck-Konto: Berlin Nr. 28247 setzte seinen \\!>!׳ nacli Toura fi >rI. Als er sich dein Gebiet der Stadt naht'iie, sah er Biidcii l’Liclien, auf denen Dornen wuHicrlen, mul crnBe < iiJiütide, die öde und stumm dalagen. Trotzdem blieb er ״!,faßt. und als er zum Haus Nassons kam, Slice er mit -iehe>01! Schritten di«' Treppen hinan. Als Aear ins Zimmer trat, waren bereits alln Finanzleute versammelt, und nachdem sie sieh gesetzt hatten, eröffnete Nasmחי : ,.Dieses Mal 11 nbeii wir uns in der klaren Absicht versammelt, darüber I!e-elduß zu fa-s-n, ob es aus dieser fatalen Situation einen \u-wec cihl oder!lirlil. Möglicherweise müssen wir uns nun ein für allemal nistcii, daß die Eroberung des Oedlands durch große 11111101 rie- und Wirisrh a ftsuntcrnehmutigen ein Traum ist, in dem wir uns gewiegt, haben und aus dem wir nun endlich aufwaelien müssen. Jeder von uns kann wohl mit Recht behaupten, daß er alles getan habe, was in seiner Macht und seinen finanziellen Möglichkeiten gestanden hat. I nscre 1 ntemehmungen sind Zeugen der gesunden Grundlagen, auf die wir unser Gebäude und das des Oedlanrls zu stellen gedarbten. Vielleicht Indien wir die Kraft des Kapitals übersehälzt. vielleicht gab es unter uns solche, die sich zu weit ins Oeclland vorgewngt haben. Ich meine damit nicht gerade JerhiH, der weiter als alle anderen gegangen ist. Nein. N on ihm wußten wir ja im vorhinein, daß ihn eine fixe Idee beherrselile, und wir naben ihn oft genug vor seinem Weg gewarnt. Vielmehr auch wir, die wir hier sitzen, haben vielleicht manche Schritte getan, deren reale. Sachlichkeit an- *!!zweifeln ist: Hel leicht haben wir zu große Investitionen gemacht und auch manehmal die Grenze unserer eigenen finanzielten Kräfte überschritten.“ ״Heule liegt“ — so fuhr Nassen nach einer kurzen Pause fort — ״das riesige Kapital von zehn Millionen Pfund Sterling11 ־ nl.1tlg. An 11ns liegt es nun, ob dieses Kapital weiter nutzlos liegen bleiben soll, oder oh es uns gelingen wird, ihm Leben einzuhauclien. Dich, Ingenieur Agar, haben wir zu diescr Beratung gerufen, da wir uns der Worte erinnert hallen, die du damals zu uns über das Werk im Oedland gesagt, hast. Deine NN'orte wirkten auf jeden von uns äußerst liefremdend, denn du hast von vornherein das private K.1־ piteil und die Arbeit des Einzelnen n!)gelehnt. Aber da wir die große Vcrantwortung des Augenblicks erkennen, haben wir beschlossen, dich noch einmal zu rufen und aus deinem Munde zu hören, was du uns zu sagen hast. Denn wir denken nicht daran, vor dem Oedland znriickziiweichen, solange noch die geringste Mög- ]irhkeit bestellt, in ihm Fuß zu fassen.“ ״Meine Verehrten!“ — sagte Agar energisch — ״Wie ihr nicht ans freien Stücken in dieses Oedland gekommen seid, so habt ihr auch jetzt nicht, die Freiheit, es -wieder aufzugoben. Das im Oedland begonnene Werk wird weilerleben, aucli falls ihr es auf ״(dien würdet. Nur euch selbst würdet ihr in dem Augenblick aufsreben. in dom ihr aus dein Oedland in die Welt zurürkkehren wurdet. Das Werk selbst, aber ist zum Leben verurteilt. Denn die Arbeit, die hier Müdigkeit und Schweiß ansgesäf haben, und der Glaube, den hier JeehiH eingepflanzt hat, sie sind die wahren Fundamente des Werkes im Oedland, und keine Hand wird sie zu entwurzeln vermögen. Und nun rufe ich euch nochmals dazu auf. an dem ZusnmmenschlufS dieser drei teilz.unehmen: Kapital, Arbeit und Glaube. Ja, Ich ״gehe noch weiter und behaupte, daß sich diescr Genossenschaft das gesamte Oedland anschließen wird: denn die Kinder des Oedlands gehen nicht etwa mit Vorbedacht auf die Zerstörung aus, sie erscheinen vielmehr nur, wenn der innere Zerfall hei uns um sich greift.; erst, dann kommen sie aus ihren Zellen und kreisen um uns wie der Geier über dem Schlacht fehl. Wenn aller die Quelle der Arbeit sprudelt, werden auch die Kinder des Opdlatids kommen und lernen, Arlieitsleulc wie wir zu werden. Dir, Nassem, ist das Vermögen des toten Jecliiel »!!vertraut. Dieses Kapital soll in einen ,Jecliiel-Fonds1 verwandelt werden, der für das geeinte Werk im Oedland verwendet werden 9011. Zur Teilnahme an diesem Fonds rufe ich euch alle auf, wenn euer Herz wirklich auf eine Heimat und ein Leben in Ehre gerichtet ist. Das soll ein Fonds werden, der nach Verlauf von zehn Jahren zu zehn Millionen Dunum Boden im Ocdlnnd amvarlisen soll, zu ackerhereilem Boden mit einem zu seiner Bestellung bereiten und in allem ausgerüsteten Arbeiisliecr. Dieser Fonds, wenn er jetzt gegründet wird, wird von morgen ab die stillstehend« Mascln'ne, das ganze Werk in Bewegung setzen. Denn während das private Kapital nur auf" dem ihm eigenen Wege wirken konnte, wird das Gesninlwurk im OMInnd alles umfassen. Seid nicht «!״herzig gegen diesen Fonds, denn in ilm* verkörpert sich die mächtigste Fähigkeit eines Volkes, neue, unversieghare Quellen der Arbeit und des Lebensunterhaltes zu eröffnen.“ Während die Anwesenden noch verblüfft dasaßen, wurde die Abstimmung über den Vorschlag Agars bezüglich des ״Jcchicl-Fonds“ bereits vorgenornmen. Die!«eilte schwiegen, als ob sie noch zwischen ״ja“ und ״nein“ schwankten. Aber Agar, der dein Gang der Abstimmung mit Scharfsinn folgte, sagte mit erhobener Stimme: ״Die erste Spende für den ,Jechiel-Fonds‘ ist die ,Statiori Müde‘ mit der Kraftquelle des Oedlandflusscs!“ Andere folgten ihm, fast gegen ihren Willen, nach und spende len große Summen, in Form von barem Geld, Beton, Boden und anderem Brsilz. Und als die Spenden immer mehr und gröfkir wurden, fühlten alle, daß mit diesem Anwachsen des Fonds sich neue, weite Perspektiven eröffneieu. Einen Augenblick lang sah sich jeder wie aus der Wirklichkeit gchoben, in der er zu atmen gewohnt war. Aber dann kam das Gefühl, daß gerade in diesem gesammelten Golde «ine hohe praktische Idee liege, die imstande sei, den Xlut aller Beteiligten zu stärken. ״Agar!“ — sagte Nassem — ״du hist ein Mann des Wunders. Du hast etwas zuwege gebracht, das wir alle für einer* Traum oder eine eitle Phantasie gehalten hätten.“ ״Nicht ich habe das zuwege gebracht“ — antwortete Agar — ״das Oed 1 and hat das Wunder getan.“ ״Die erste Frucht, die uns der verdorrte Boden und der glühende Himmel darmchen“ — sagten die Anwesenden wie umnebelt ״l«eute des ,Jechiel-Fonds‘!“ — schloß Agar seine Rede lächelnd — ״Nun ist es an jedem, sich seiner Arlieit zuzuwenden. Denn das Werk geht einer neuen Station entgegen. Auch die Arbeitslager bedürfen neuer Kräfte. Von morgen früh an soll das heute geeinte Werk sich um den ,Jechiel-Fonds‘ zusammenschlioßcn. Als Symbol für die Idee dieser neuen Einigkeit schlage ich vor, den ,llügel der Ruhe‘ am Ufer des großen Sees wieder zu errichten. Er sei ein Zeichen, daß wir mit ruhigem Geiste und starker Hand daran gehen, dort neues!«eben aiifzubauen, wo bisher Seuche and Tod herrschten, den Frieden aufzurichlen, wo das Schwert mähte, und die Arbeit, wo Nichtstun zu Hause war.“ (Fortsetzung folgt)