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Jüdische Rundschau · 1935-12-06 · Heft 98 (6.12.1935) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 98 (6.12.1935)
Date
1935-12-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 98, 6. XII. 1935 JOD ISCHE RUNDSCHAU Seite 9 Zwei Romane Friedrich Heydenau: ״Hejo und Hlla“, Roman (S. Fischer Verlag). Der neue Roman des jüdischen Oesterreichers Heydenau bedeutet tür die Leser seines ״Leutnant Lugger“ keine geringe Ueberraschung. Zwar wetterleuchtet auch noch in dieses Buch das Erlebnis des Weltkrieges hinein — denn sein Held ist ein in Wien verbliebener russischer Kriegsgelangener, der Kosak Iwan Grymaloff —, aber die Stadt selbst ist nun zu einem Fremdkörper geworden, in dem sich Menschenwesen und Menschenschicksal wie in einem Exil vollstreckt — und als Heimat und Schoß menschlichen und überbau, t jeglichen Lebens tut sich die Natur und ihr Mysterium auf. Mit den gleichen Vorzeichen, wie das Schicksal Iwans und seiner Boschena, des primitiv-triebhaften Liebespaares slawischer Rasse, wird das Schicksal einer japanischen Magnolie und zweier japanischer Kirschsträucher versehen. Das Liebespaar und das Trio der drei Sträucher im Stadtpark sind Fremdlinge, also Schicksalsgenossen, also durch gegenseitiges Verständnis und Mitgefühl verbunden. Von dieser mehr allegorischen Voraussetzung bis zur märchenhalt-symbolischen Erschließung der Pflanzen für die Sprache ist nur ein Schritt — allerdings ein gewagter. Heydenau wagt ihn, indem er zwischen Mensch und Pflanze eine mystisch-schwärmerische Distanzlosigkeit herstellt, in der, wie in einem neuen Paradies, der naturnah schweigende Mensch kaum ein geringeres Wunder ist als die menschcnnah fühlende und redende Pflanze. Diese gibt sogar in schöner mythischer Anomalie dem Iwan und der Boschena zwei poetischere Namen: Hejo und Hila. Eine solche um- und umgekehrt« Welt hat natürlich auch literarisch ihre eigenen Gesetze. Wie Heydenau sie aufstellt, vollstreckt und erfüllt, das beweist sein dichterisches Talent. Das Anthropomorphe, das er den Pflanzen, Vögeln und Fliegen gegenüber sien erlaubt, macht er durch die Nahrhaftigkeit wett, mit denen er seine Menschen schildert. Er läßt diese nicht etwa in einer dunstigen Märchenhaftigkeii verschwimmen, sondern schneidet ihre Umrisse hart und derb aus einem Schicksal heraus, dessen Gültigkeit eben dadurch gewinnt, daß es auch das Pflanzliche und Krcalürliche in sich begreift. Es steckt viele und gute Holzschnitzerarbeit in diescin Buch, das nichts anderes schildert als einen kleinen Liebesroman zwischen zwei derb bäuerlichen Menschen. Aber über ihm liegt die Macht einer magischen Verzauberung, wie sic oft auch über der Mache alter primitiver Holzligtiren liegt. Im einzelnen Schnitt allerdings, d. h. im Wort, verläßt den Dichter bisweilen die Sicherheit, Er schreibt manchmal dünne bikllose Sätze hin. Aber das Ganze hat Umriß und Inhalt, Haltung und Gehalt. Ein überaus lesenswertes Buch! hs, Paul Dobranicki: ״Die Tondowskis. Eine Familie geht nach Palästina“. Roman. Joachim Goldstein-Verlag. Berlin 1935. Der Titel des vorliegenden Romans läßt die Aufzeigung mühseligen Ringens arbeits- und aufbauwilliger Menschen um eine Existenz im Lande der Väter mit seinen Erwartungen und ■Enttäuschungen vermuten. Statt dessen gibt Dobranicki ein — übrigens gut beobachtetes — Bild aus dem kleinbürgerlichen Leben des ihm aus eigener Anschauung vertrauten polnischen Judenstädtchens, das die Tondowskis wegen des Niederganges ihrer Schneiderei verlassen. Das Milieu wird nach Palästina verpflanzt. Hier lösen sich die Spannungen. Tragödien münden in Glück und Zufriedenheit der Beteiligten aus. Die handelnden Personen sind unkomplizierte, unverbildete Menschen: sie steigen empor zur höchsten Stufe wirtschaftlichen Erfolges, wie der Begabteste der Tondowskis; sie fallen, wie die schöne Rahel. Seelische Konfliktc mutet der Verfasser seinen Figuren nicht zu; und bis aut eine vereinbarte einjährige Probeefie des Henoch (Hendrik) geschieht nichts Eigenartiges, nichts, was sich nicht auch ebensogut in einem anderen Lande als Ercz Israel liätte ereignen können. Außer ein paar Namen von Jerusalemer Sehenswürdigkeiten (bei denen ihm ein Irrtum in bezug auf die Hebräische Universität widerfährt) fehlt es dem Roman an Lokalkolorit wie an psychologischer Vertiefung der Charaktere und Geschehnisse, die der Verfasser im ganzen spannend und glaubhaft erzählt. Es genügt ihm, zu zeigen, wie drei glückliche Ehepaare unter dem frohmachenden Sonnenschein des Heiligen Landes ihre Heimat gefunden haben. — Aut den Ton fröhlicher Lebensbejahung gestimmt, bringt dieser anspruchslose Unterhaltungsroman über eine müßige Stunde leicht hinweg. Das ist wohl auch die Absicht des Verfassers. E- Wölbe Agnons Preisnoyeile S. J. Agnon: ״Im Herzen der Meere“ (Schocken-Verlag 1935), Der Verfasser der weltbekannten Erzählungen: ״Und das Krumme wird grade“ und ״Der Verstoßene“ ist für seine oben genannte Novelle mit dem Bialik-Preis für Literatur gekrönt worden. Dies ehrt den Dichter wie die Preisrichter. Es war lange gewiß, daß Agnon zu den klassischen Prosaisten des Neuhebräischen gehört; daß aber unsere modernen Literaten in Erez Israel diesem so ganz in mystische Frömmigkeit getauchten und in volkstümliche Ueberlieferung versponnenen Romantiker den Kranz zuerkennen würden, war nicht ebenso gewiß. Einen Agnon kann man nur würdigen, wenn man vom Dichter mehr Empfindung als Erfindung verlangt und die Verklärung des Alltags für einen würdigen Vorwurf der Poesie, ja für eine Heiligung Gottes durch das Wort betrachtet. Dies alles findet sich bei Agnon. Sein Geheimnis ist die Sprache, erlauscht aus den ewigen Urquellen unserer herrlichen Literatur, die Jahrtausende umspannt, in vielen Epochen ihr Angesicht gewandelt hat und heute Aufersteliung feiert. Haben dem Dichter schriftliche Aufzeichnungen des Führers jener ersten Alijah von Chassidim aus Bucacz vor mehr als 50 Jahren Vorgelegen, die er nun wie ein Gustav Freytag oder Wilhelm Raabe verwendet? Es kommt nicht darauf an; wir müssen ja auch Reb Chananjas Ueberfahrt auf einer Art Zaubermantel in gutem Glauben hitinehmen. Mit Spannung verfolgen wir diese Reise zu einem heute so nahegerückten Ziele, als handele es sich um die Entdeckung des Südpols. Wir kennen sehr bald die Männer und die Frauen aus Bucacz, denen sich Reb Chananja zugesellt. Diesen umschwebt sein besonderes Geheimnis; er muß die Stunde der Einschiffung verpassen* um eine große Mizwa (die Entdeckung eines Zeugen für den Tod eines Verschollenen) zu üben und zum Lohne dafür durch ein Wunder noch vor den Genossen in Jerusalem einzutreffen. Mit diesen aber nehmen wir Abschied von Bucacz am Strypa, das in goldenem Mondetischein in ungewohntem Zaubcrgianz erstrahlt. Wir reisen in zwei Wagen (die Männer und Frauen getrennt!) durch Podolicn und Moldawa, lernen die Juden von Jassy und Galatz flüchtig kennen, die Setardim von Istamhul, und den Großtürken daselbst mit seinen 365 Fürsten. Wir erleben den Seesturm, der das arme Schiff nach drei Wochen wieder in Istambul absetzt, gehen mutig zum zweitenmal zur See und landen in Jaffa; wir reiten endlich über Ramie und Moza nach Jerusalem. — Die schlichte Novelle ist ein Hoheslied der Zionsliebe, die mit irdischen Dingen nichts mehr zu tun hat; die eine Liebe um ihrer selbst willen, und darum eine ewige ist. Dr. S. Samuel Jüdisch-spanische Romanzen Afberto Hemsl: Coplas sefardies. Edition orientale de musique, Alexandria. Das christliche Spanien der Inquisitionszeit hat sich mit Erfolg bemüht, die Spuren jüdischen Kultur- und Geisteslebens zu vernichten, so daß heute in Städten wie Barcelona, Sevilla und Granada kaum noch ein Denkmal jüdischen Lebens zu finden ist. Die Nachkommen der aus Spanien vertriebenen Juden haben nicht Gleiches mit Gleichem vergolten. Für die Treue, mit der sie vielmehr noch nach vier Janrhunderten an spanischer Sprache und Kultur hängen, ist die durch den jüdischen Komponisten lind Folkloristen Alberto Hemsi erfolgte Sammlung jüdisch-spanischer Romanzen ein neuer Beweis. Hemsi, der die noch heute im Volksmtind fortlebenden Romanzen in den jüdischen Kolonien von Rhodos und Saloniki gesammelt hat, führt damit die von dem großen spanischen Philologen Menendez PI dal in seinem Rotnanzero Judio-Espanol begonnene Arbeit fort. Auf der Iberischen Halbinsel selbst sind diese Romanzen längst aus denn Liederschätz des Volkes geschwunden, um nur noch in der Literaturgcschichte eine papierene Existenz zu fristen. Die von Hemsi wiedergegebenen Romanzen behandeln zum größten Teil nationalspanische Epenstoffe des Mittelalters und der Maurenkriege. Nur wenige Romanzen behandeln biblische Stoffe, wie den Kampf zwischen David und Goliath. Die Sammlung Hemsis ist dadurch besonders wertvoll, daß er es zum ersten Male unternommen hat, die zu jeder Romanze gehörige traditionelle Melodie festzulegen. Die Schwierigkeit dieser Arbeit darf nicht unterschätzt werden. Hemsi mußte erst die größstmöglicliste Anzahl von Versionen zusamnicnstcllcn, um die dem Inhalt und der Tradition am besten entsprechende Fassung zu ermitteln. Die von Hemsi bearbeitete Klavierbegleitung vereinigt in glücklicher Weise moderne Technik und Stimmungsgehalt der jahrhun« derte alten Melodien. W. A. (Barcelona) Ihr Ch*nnkkih . ftenehenki Hygiene und •ludentain ein prachtvollen Sammelwerk. Zu beziehen durch alle jüd. Huchhandlangen od. durch den Verlag Jae. Sternlicht, A 19 Das russische Judentum Die Lage der Juden In Rußland. Von der Mirzrevolution!917 bis zur Gegenwart. Von Abraham Heller, Verlag׳ M. & H. Marcus, Breslau. Diese Studie, die im Rahmen der ״Schriften der Gesellschaff zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“ erschienen ist, wurde als Dissertation an der Berliner Universität abgefaßt. Sie ist besonders in ihrem ersten Teil nützlich, der die historische Entwicklung von 1917 bis zur Stabilisierung der Sowjetmacht darstellt. Die Schilderung der tief eingreifenden Wirkungen der russischen Revolution und der mit ihr verbundenen und nachfolgenden furchtbaren Pogromperiode ist gerade durch ihre knappe Nüchternheit, und das reichhaltige Zahlenmaterial, das ihr beigegeben ist, erschütternd. Wir erleben nochmals den Zusammenbruch des russischen Judentums, seine physische Vernichtung, seine gesellschaftliche Isolierung und zum Teil auch kulturelle Auflösung. Nicht ganz so befriedigend ist der zweite Teil der Arbeit, der sich mit der Lage der Juden in der Sowjetunion beschäftigt. Der Hauptmangel dieses Abschnittes ist der, dal! die meisten statistischen Angaben, die ihm zugrunde liegen, aus den Jahren 1926 bzw. 1927 stammen, so daß die Darstellung teilweise nur noch «inen historischen Wert hat und die gegenwärtige Situation des russischen Judentums mir unvollkommen erfaßt. Obwohl gewiß nicht zu vergessen ist, daß es mangels ausreichender exakter Unterlagen für eine wissenschaftliche Arbeit schwer ist, die Darstellung an die Gegenwart heranzuführen.-— was im übrigen in einigen Punkten doch versucht wird —wäre es nützlich gewesen, wenigstens 1rj einem, abschließenden Sclilußteil auf Grund des vorhandenen Materials einen Querschnitt durch die aktuelle Lage der Juden in Rußland zu geben, wie sie sich heute darstellt. Dennoch bleibt auch der zweite Teil der Hellerschen Schrift wertvoll, da die Grundtendenzen, die er bis zu einer etwas zurückliegenden Zeit verfolgt, auch halte noch das Schicksal der russischen Juden bestimmen, die unter außerordentlichen Schwierigkeiten, beinahe völlig vorn!.eben des Jüdischen Volkes in der Welt abgefreimt, existieren, f ür uns besonders interessant ist in diesem Zusammenhänge die Schilderung des Schicksals aller gesellschaftlichen ()rganisationen, der jüdischen Religion, der hebräischen Sprache und der ziouistischen Bewegung in Rußland, die einer brutalen Unterdrückung ausgesetzt sind. oe. ״Wflste und Gelobtes Land". Unter den Geschichtsdar- Stellungen, die in den letzten Jahren auf dem Gebiete der jüdischen Historie erschienen sind, nimmt Elias Auerbachs Geschichte Israels von den Anfängen bis zum Tode Salomos: ״Wüste und Gelobtes Land“ eine besondere Stellung ein. Es ist ein Buch, das seit seinem Erscheinen im Jahre 1932 einen tiefgehenden Einfluß auf alle diejenigen chabt hat, die sich mit der Geschichte des alten Israels eschäftigten und denen Volk und Land in ihrer unzertrennliehen Einheit ans Auerbachs Darstellung lebendig entgegen-, traten. Das Buch ist bei aller wissenschaftlichen Fundierung wirklich auch für den Laien geschrieben und trägt das echte Lokalkolorit des Raumes an sich, in dem die geschilderten Vorgänge sich abspielten. Um so erfreulicher ist es* daß Auerbachs Werk jetzt einem noch größeren Kreis dadurch zugänglich gemacht worden ist, daß es vom Schocken- Verlag Berlin übernommen wurde und zu einem verbilligten Preise von 10 RM zu haben ist. Alle, die nach geschichtlicher Erkenntnis streben, und besonders auch die Kreise, die nach Palästina tendieren, können aus Auerbachs Darstellung nicht nur eine Fülle der Belehrung und der nationalen Fundierung erlangen, sondern darüber hinaus eine geistige Beziehung auch zu vielen Realitäten des heutigen Palästina gewinnen. —n. Der Tenor Mordechai Roth wurde vom Radiosender Warschau für Dezember verpflichtet. Aua dem Hebräischen von Dr. Maar Mayer, Jerusalem 28. Forttetisag Kacbdmek r«rbot*» Agar lenkte das Auto von der ״Station Müde“ in der Ilichtung nach Teura, zur Beratung der Finanzleute. Er saß am Steuer, mit seinen Gedanken ganz auf das Werk konzentriert, so wie er es in seinem Zimmer, auf dem Werkareal und in den Weiten des üedlands zu sehen pflegte. Agar wußte, daß die Werkleute nickt mehr ganz bei der Sache waren, daß ihnen jener Elan verloren gegangen war, den sie heim ersten Vorstoß zum Oedlandsfluß hatten. Das Lager des Werks ist kein festgefügtes Ganzes mehr, sondern mit sich zerfallene, von der Arbeit und der Erkenntnis, daß kein Ende der Müdigkeit abzusehen ist, mürbe gewordene Menschen. Agar erkannte, daß der Riß zwischen der Idee des Werks und dom Lager immer klaffender wurde, und daß auch seine Worte an die Delegation dos Lagers nicht imstande waren, den Riß zu flicken. Weder der Beton, noch die durch die Arbeit ihrer Hände eröffnete Kraftquelle reichten also hin, ihren unerschütterlichen Glauben ans Werk zu entzünden. Was den (reist des Werks mit dem Arbeitenden zu einem ewigm Bunde zusaimnenscli ließen könnte, wußte auch Agar nicht Das Auto kam an einem kleinen Hügel, am Ufer des poßen Sees, vorüber. Als Agar um sich blickte, sah er eine kleine Mcnschengruppe an Seeufer: drei Männer mit struppigen Bärten und eine Frau, die mit etwas beschäftigt ima so in ihre Arbeit vertieft waren, daß sie auf den Vorüberfahrenden nicht achteten. Agar war beim Anblick der I/eiite erstaunt. Er näherte sich der Gruppe mit dem Auto, um zu sehen, womit sie besehäftigt seien. Da sah er einen von ihnen dastehen und mit nackten Füßen D'lmibrei und Stroh kneten. Die Frau brachte vom See Wasser in Eimern und schüttete es auf den Brei, ein anderer fügte Sand und Stroh hinzu, ein dritter goß den Brei in Ziegel formen. An der Seit« lagen bereits in langer Reihe braune Lchinzicgcl zum Trocknen. Der Anblick dieser primitiven Arbeit, die mit großer Hingäbe ausgcführt wurde, erregte Agars Verwunderung. Er hielt an, stieg aus und grüßte die Arbeitenden, ״Was macht ihr hier?“ ״Wir errichten auf dem Gipfel des Hügels eine Lehmhfitle* — antwortete) der, der den Lehm mit nackten Füßen knetete. Der Sprecher schien Agar bekannt und als er ihm in die Augen sah, erkannte er den ״Bctonkünstler“ vom Werk. ״Bist du es, Uri? Und ist dies der ,Hügel der Ruhe‘ de» toten .lechicl?“ ״Ja, Ingenieur Agar. Wir sind jetzt zurückgekommen, um ihn neu aufzuhauen.“ ״Und was denkt ihr hier zu machen?“ ״Wir werden arlieiten und leben von dem, was die Erde und der See uns geben werden. Wir wollen 11ns bemühen, gerade Menschen zu sein, und das alte Hand wieder zu knüpfen, das Erde und Erdgeborene zusammenhält.“ ״Glaubt ilir wirklich, mit solchen Arbeitsformen in dieser Oede standhallen zu können?“ ״Wir sind genügsam. Das Brot, das wir aus der Erde ziehen, und das bißchen Liebe und Glauben, die dieser Winkel uns beschert, reichen für uns.“ Agar verstand nicht recht: ' ״Hast du, Uri, die großen Betonaufzüge vergessen und die Mengen, die du in einem Tag gegossen hast, daß du dich jetzt mit diesem Eimer und dem wenigen Lehm und Stroh begnügen kannst? Ist denn da» Arbeit? Der Schatten einer Arbeit ist es, Uri. Die Leut» vom Werk wollen jetzt sogar nicht» mehr von Beton- und Eisenhiaschinen wissen, und ihr solltet euch mit dem bißchen Lehm und Stroh zurechtfinden?" Uri blickte Agar an und schwieg. Auch die übrigen schwiogen, denn sie hallen nichts zu antworten. Da stellte ״Sturm- Sara“ die beiden vollen Wassereituer zur Erde und sagte: ״Du, Ingenieur Agar, die Seele des Werkes im Oedland, hast alles in Rechnung gezogen: die Wasserkraft, die rechte Mischung iles Betonbreis, die Benzin- und Petroleurnkraft und auch die Kraft der Hände, alles hast du in Krafteinhciten und Pferdekräften aufgeteilt. Aber etwas hast du nicht in Rechnting gestellt, denn es ist nicht berechenbar: «len Geist des Menschen. Du hast den (״•ist des allen ■lechicl außer acht gelassen, der durch sein Leben und durch seinen Tod ganze Schatzkammern von Liebe und Hingebung in diu Weiten des Oedlands ausgesät bat, und die sind mehr wert und stärker als der Beton. Denn Beton ist Menschemverk, der Geist aber ein Werk Gottes.“ Agar, der breit-stämmig und konzentriert vor der Gruppe stand, drang die Rede Saras wie ein Gebet ins Herz. ״Sturm- Sara“ fuhr fort: ״Seit den Tagen der Wellschftpfung, Ingenieur Agar, hat die Arbeit des Menschen nicht nur der äußere Zwang begleitet, sondern auch die Liebe. Und sie wird den Menschen auch in Zukunft hei seiner Arbeit in Eisen und Beton begleiten, wie sie ihn in der Vergangenheit hei seiner Arbeit in Stein und Holz begleitet hat. Für den Geist und die Liehe gibt es keinen Unterschied zwischen dem Mann des Betons und dem des Steins.“ Während sie sprach, hafteten die Blicke der Dastehenden an der Kahlheit, die den graßon Sec ringsum cimchloß. Sie sahen die faltigen Bergeinschnitte ringsum und die in den Se« abstürzenden Erd- und Fclsmasscii. Die Quellwasser fallen ständig in den See, und vom Sec strömt das Wasser in den Oedlandsfluß. Die Disteln reifen alle Jahre und geraten in Brand. Seihst das enggedrängte Schilf brennt, in züngelnden Flammen und weißen Rauchwölkchen. Und im Gesichtsfeld dieser Geschehnisse einer urzeitlirhen Welt erhebt sich eine kleine Lehmhütte, die Träume vom Segen der Erde und vom Glauben an den Menschen beherbergt. Agar stand da, wie einer der bärtigen Männer, die den Lehmbrei und da« Stroh knetaten, und auch in ihm bebte das Gelaet des »einen tiefsten Regungen ganz hingegebenen Menschen. Dann verabschiedete er sich mit dem Wunsche, daß dieser ״Hügel der Ruhe“ zu einem Hügel dee Lebens werde, und

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