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Jüdische Rundschau · 1935-12-06 · Heft 98 (6.12.1935) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 98 (6.12.1935)
Date
1935-12-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 98, 6. XII. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seit® ת BRIEFE AN DIE REDAKTION ״Schutz nationaler Symbole“ Haifa, 22. November An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Unter der Rubrik ״Briefe an die Redaktion" in Nr. 91 der ״Jüdischen Rundschau“ lesen wir einen Artikel, der sich u. a. mit dem Namen unseres Hotels befaßt. Wir haben daraufhin folgendes zu erwidern: Der Name Rion wurde in einem internen Wettbewerb gewühlt, an dem führende jüdische Persönlichkeiten aus Palästina teilgcnommcn haben, und der »orgcsrhkgene Name Zion wurde mit Stimmenmehrheit gewählt. Auch die Leitung der Orthodoxie, u. a. Herr Prof. Struck, hat diesen Namen gutgeheiSen und als erwünscht bezeichnet. Im übrigen beruht die Annahm«, daß die Wahl dieser oder ähnlicher Namen au* Ge• schäftsgründen gewählt werden, auf großem Irrtum und Un• kennt n is der hiesigen Lage. Denn gerade ein Hotel ist zu einem sehr großen Teil auch auf nichtjüdische Gäste ange- Leipzig C 1, 3. Dezember An die Schriftleitung der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W IS Tn Nr. 95 geben Sie von einer Mitteilung Kenntnis, der. zufolge die Erben Meyerbeers die Sperre über dessen Tage, büchcr und musikalische Arbeiten bis zum Jahre 1958 rerlänge« hoben. Sie knüpfen hieran vom Standpunkt der Ocffcntliehkeit die Bemerkung, daß es Ihnen zweifelhaft erscheine, ob die Erben einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens hierzu berechtigt seien. Ich vermag Ihren Zweifel leider nicht zu teilen. Unter rech tlichem Aspekt Hegt der Fall klar zugunsten der Erben. Sie sind die Eigentrimer des Nachlasses und halsen die Verfügungsgewalt über ihn. Es gibt kein Gesetz, das aus wissenschaftlichen oder künstle• rischen Gründen die Entachleierung von Geheimnissen vor■ schreibt, die von Ihren Trägern zur Privatsachc erklärt, werden. Die nichtjüdisrhe Oeffcntlichkeit erlebt in einem Fall, der eigentumsrechllicb noch krasser liegen mag. zur Zeit das Schauspiel eines Mcmstre-Prozesses, wiesen, und dabei besteht viel eher die Gefahr, daß diese Gäste durch betont jüdische Namen abgehalten werden. Die Wald jüdischer Namen geschieht also aus reiner nationaler Gesinnung und aus dem Bestreben heraus, in allen öffentlichen Dingen den jüdischen Charakter zu betonen trotz eventueller geschäftlicher Nachteile. In diesem Sinne sind auch Bestrebungen von maßgebliehen Persönlichkeiten und Parteien hier in Palästina im Gange, daß alle europäischen Namen von Hotels und Restaurants durch jüdische Namen aus der jüdischen Geschichte ersetzt werden. Sic ersehen daraus, daß man diese Dinge in Erez Israel anders betrachtet als fm Galuth. Hochachtungsvoll Hotel ״Zion“, Haifa (Unterschrift) *** Nachdem nun beide Ansichten in dieser Sache zu Wort gekommen sind, müssen wir die Diskussion über diesen Gegenstand, zu der wir noch einige andere Zuschriften erhielten, schließen. (Red.) Ein Prager Bankier ist Eigentrimer der Handschrift eines bis heute nicht im Druck erachtenentn Erstlingswerk» des Gehechischen Komponisten Dvorak. Die Erben des Meisters verlangen die vorübergehende Debetlawung des Werkes, um eine Abschrift davon nehmen zu könneu. Der Eigentümer verweigert die Herausgabe seines rechtmäßig erworbenen Eigentums, und man rechnet in Fachkreisen nicht mit dem Erfolg der irizwisehen eingomchten Klage. GeseUliclre Handhaben sind also gegenüber den Erben Meyerbcers nicht vorhanden. Unter jüdischem Aspekt ist die Sperre aber um so bedauerlicher. In einem Augenblick, in dem gerade in den Ländern, in denen Meyerbeer lebte und schuf, große Manien *eines Stammes zu ihrem Eigenleben zurückfinden, bedeutet das Pochen der Erben auf ihr ״Recht“ eine Verletzung de» aus der Zeit geborenen droit moral der jüdischen Oeffentlichkeit. Die jüdische Kunst hat in ihrem Ringen nach Inhalt, Ziel und Form einen wohl unverbrieften, aber um so stärkeren Anspruch ebenso auf das Leben wie auf die Eröffnungen seiner glanzvollsten Repräsentanten. 1864 starb Meyerbeer, 1915 wurde seine Mu-ik selbst in den Ländern mit ®Ojährigcr Schutzbist geioeinfrei; ein Interesse der Erben an der Cclu imhaltung posthumer Kompositionen ist schon im Hinblick auf die immer größer werdende Gefahr der Veraltung kaum anzunehmen. Viel wahrscheinlicher ist e», daß die autobiographischen und sonstigen zeitgenössischen Aufzeichnungen Meyerbeers geheim gehalten weiden sollen. Narb Lage der Dinge kann nur befürchtet werden, daß dies aus einem Geist heraus erfolgen soll, der nur zu gern vergessen lassen möchte, daß der berühmte Giacomo, der ״Stolz und Adoptivsohn Frankreichs“, einmal der kleine im Reis ■wagen zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) geborene Sohn Jakob Liebrnann des jüdischen Kaufmanns Jakob Herz Beer war. Worin der Hauptgrund für die Sperre 11 i e r i n liegen sollte, so kann man den mit des Großvaters Ruhm belasteten Enkeln nur sagen, daß in dieser Hinsicht nichts mehr zu ״verderben“ ist. Wer aus unserer Um« 1t Kunstwerke von Juden meidet, der meidet auch die des luden Meyerbeer i wer sie spielt und schätzt, spielt auch diese und sic nicht zuletzt. Gewiß ist die Verwaltung eines bedeutenden kiinstleri-chen Erbes eines schwierige Aufgabe, die nur mit Vcrantworlungsbewußtsein, Takt und Sachkenntnis gelöst werden kann. Daß sie lösbar ist, hat z. B. Adele Strauß, die Flericrmaiis-Adole, die dritte (jüdische) Frau und Witwe des (nichtjüdischen) Walzerkönigs Haifa, 25. November An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Eine erhebliche Zahl der Ein- Wanderer Kategorie A I trägt sich mit dem Gedanken, hier in einer Autobus-Kooperative als Chauffeur unterzukommen, und ohne Zweifel haben Hunderte von Menschen dabei ihr Auskommen gefunden. Seit kurzer Zeit jedoch sind von der Regierung neue Vor- Schriften erlassen werden, die es Neuemwanderern unmöglich machen, einen Führerschein für Autobusse zu erhalten. Schon immer forderte man eine minbewiesen. Es gilt schließlich, nicht nur die eigenen Wünsche dem Interesse der Oeffemlirhk< it anzupasson, sondern zugleich den mutmaßlichen Willen des Erblassers nach Möglichkeit zu erfüllen. Auch dieser wesentliche Gesichtspunkt muß gegen das Verhalten der Erben Meyerbeers sprechen, für das ein Mann, der seinem letzten Willen gemaß — Jude in der Stunde des Todes wie in der der Geburt ־— von Paris nach Berlin überführt wurde, um auf dem jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee beigesetzt zu werden, sicherlich kein Verständnis hätte. Feber die Sperre׳ des Nachlasses Meverhccrs aber wird die Geschichte der Juden und ihrer Kunst liinwcggehen, denn ihr Weg führt von Narnensiarnung (bei Mcyerbccr lag lediglich eine familiär begründete Namens- Addition vor), Mischehe und Taufe, dem Preis, den Vielzuviele gerade unserer Arrivierten für die Aufnahme in ein geistiges Europa entrichten zu müssen glaubten, zurück, nein vorwärts zum Stammesbcwußtscin, zur eigenartigen jüdischen Kunstloistung. Wenn am Ende dieses Weges dereinst Genien stellen, in heimischer Erde wurzelnd, aus der freien I״ebensvielfalt eigener Gemeinschaft Eigenes und damit wahrhaft Universales schaffend, dann wird auch die jüdischc Kunst.Galuth mit ihrer steten — unsteten Paarung jüdi«chen Wollens und nichtjüdisehen Können*, mit ihrer ivmptomauschen Erscheinung des ahasverisf'hcn Bajazzo und ihrem oft nur allzu fragwürdigen Kunst- Betrieb zu Ende sein. Hochachtungsvoll Dr. Josef F re u d e n t h a 1 destens zweijährige Fahrpraxis, wobei man jedoch ausländische Führerscheine anerkannt hat. Nun Ist Voraussetzung. daß der Anwärter einen zweijährigen palästineiisischen Fahrausweis für Privatwagen oder Taxi besitzt, bevor er überhaupt zur Prüfung zugelassen wird. Es bleibt also den jetzt nach Erez Israel kommenden Intercssenten nur übrig, den Führerschein fiir Privat-, Taxi- oder Lastwagen zu erwerben. Hierbei sind außer einer sehr strengen Fahrprüfung keinerlei theoretisehe Kenntnisse erforderlich. Schalom Siegbert TT e i 11 r o n Der Nachlaß Meyerbeers Palästinensische Führerscheine Eine süddeutsche jüdische Komponist in Gertrud Schweizer, Mannheim, eine Schülerin von Waltershausen in München und von Toch, als er in Mannheim lebte, legt eine Anzahl Kompositionen vor. Von komponierenden Frauen hört man wenig, und man begegnet ihnen meist mit Mißtrauen. Anscheinend liegt dem weiblichen Geschlecht das Schöpferische in der Kunst, die sublimiertestes Gefühl gestalten muß, nicht, weil ihr eigenes Naturell so nahe mit dem letzten Urgrund dieser Kunst verwandt ist. Dieses vorausgeschickt, müssen die Arbeiten von Gertrud Schweizer als sehr beachtenswert bezeichnet werden. Sie beherrscht die kleine Form ausgezeichnet und ist in ihrer ganzen Tonsprache zwar von Toch beeinflußt, aber doch selbständig genug. Die zwei Sonatinen und eine große Anzahl kleinerer Stucke für Klavier, von denen 20 ״Kinderstücke“ anläßlich eines Preisausschreibens für Jugendmusik vom Verlag Hansen in Kopenhagen preisgekrönt und gedruckt wurden, sind Musik, die auf der Grenze der Spätromantik zur Moderne liegt, oft herb klingend, aber formal gebändigt und inhaltlieh wertvoll. Die Lieder, ein Liederzyklus erschien im Verlag deutscher Tonkünstler, sind an Wert verschieden, am besten gelingen der Komponistin rhythmisch profilierte Gesänge oder Humoristiken «ach Wilhelm Busch, während eine große Form, wie der 91. Psalm, mit Kammerorchester und Orgel, zu sehr in kleine Stücke zerfällt und des großen Zuges entbehrt. Früher sehr oft in den Sendern Süd- und Westdeutschlands und in Konzerten zu Gehör gebracht, ist es heute, da diese Möglichkeiten nicht mehr bestehen, Pflicht dc-r jüdischen Konzertgeber, in diesem Falle der Pianisten und Sänger, sich um diese wertvollen Werke zu kümmern und sie einzuführen. Dr. Oskar Gutt itiann Die Leitung der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugencl-Alijah. Nachdem Herr M. Schattner seine Mitarbeit m Berlin infolge seiner Rückkehr nach Palästina aufgeben mußte, wurde eine Umbildung der Geschäftsführung der Arneitsgcmeinschaft notwendig. Es war außerordentlich schwierig, aut die Unterstützung von Herrn Schattner zu verzichten, da er der Arbeit der Jugend-Alijah durch neue Ideen und unermüdliche Iniiia ive immer wieder neuen Auftrieb gab. Herr Schattner hat sieh schon zu Beginn seines Palastina-Auienthalts für die Mitarbeit im Board zur Verfügung gestellt. Es ist nun gelungen, Frau Lola H a 11 n - \V a r b u r g und Herrn Landgericlitsrat Rau in viel stärkerem Maße als bisher für die Arbeit heranzuziehen. Frau Hahn hat sieb entschlossen, in die Geschäftsführung einzutreten, so daß jetzt eine Leitung geschaffen wurde, bei der Frau Hahn und, wie bisher, Fräulein Eva Stern die Geschäftsführung innehaben, während Herr Landgerichtsrat Rau als Finanzdezernent die Verwaltung und Kontrolle der finanziellen!־'ragen iibernommen hat. Warnung Im Rheinland versucht, wie schon von 1m* gemeldet, ein angeblicher Werber, namens Herbert Zwang, der sich auch ״Frank" oder ״Strauß“ nennt, unter mißbrüuehlicher Benutzung von Formularen unseres \>rläge* Abonnements, Anzeigen-Aufträge und Geldbeträge zu erhalten. Wir warnen hiermit öffentlich vor diesem Beirüger und machen darauf aufmerksam, daß unsere Bezieher-Werber mit einem Ruhigen Ausweis versehen sind und Abonnements-Gebühren ausschließlich auf hierfür gedruckter» Quittungen entgegennehmen. Anzeige:,.Weißer sind niemals berechtigt, Gelder für uns 81 kassieren. Jüdische Rundschau Vertriebs •Abteilung und Anseigen-Verwaltung Inder JÜDISCHEN BÜCH-VEREINIGUNG ist soeben erschienen AHNEN und ENKEL ROMAN VON R. FRANK WERDEN AUCH SIE MITGLIED! Großer Bueherfolg B. KLAR BIALIK Leben für ein Volk Illustrierte Ausgabe Lainen RJlf Ml Erft® Auflage nach H Tayen rerfriffen * Zweite Auflage soeben erachteten * Ucberali erhältlich. Verlag Josef Bell Wien 1, Rabenetelg UNiMt toritn, Townteiaiutrofta 16 Mamburg, JunafornsHag 43 tCötn a. Rh., Hotiasfroß» 113 VEdKAÜfSGESCHXFtBi tssen! UmbockentraRs 10 Bochum Kortumstraß« 6T Ssian.AmHauptbahriheflO Frankfurt-M! BoßmarktH W0M08rtai-Elberfeld.Herzo8str.3B Zentrale• Offenbach a.M. Wir erwarten wo® unseren Lesern die Bevorzugung unserer Inserenten Sie erhalten 4 wertvolle Bücher 101 Jahr, In Ganzleinen gebunden Mitglieds-Beitrag vierteljährlich 3.25 ML Anmeldung erbeten an die Geschäftsstelle JÜDISCHE BUCH-VEREINIGUNG E.V. 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