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Jüdische Rundschau · 1935-12-03 · Heft 97 (3.12.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 97 (3.12.1935)
Date
1935-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 97 3. XII. 1935 Verband Nationaldeutscher Juden aulgelöst Die Tagespresse meldet: ״Wegen staatsfeindlicher Einstellung seiner Mitglieder wurde der Verband Nationaldeutscher Juden gemäß § t zur Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 mit sofortiger Wirkung aufgelöst und sein Vermögen beschlagnahmt. Außerdem wurde der Verbandsfiihrer, Rechtsanwalt Dr. Max Naumann, Berlin, in Schutzhaft genommen, weil er durch bewußt unrichtige Angaben Ober die Betreuung von Juden durch das Winterhilfswerk des deutschen Volkes die Maßnahmen der Reichsregierung hinsichtlich des Winterhilfswerks in hohem Maße gefährdet hatte.“ Die Entlassung jüdisch er Arbeitnehmer In der ״N S.-S o z i a 1 p o 1 i t i k“ wird zu zwei Berliner Arbeitsgerichtsurteiicn Stellung genommen. In beiden Fällen handelt es sich um die Frage, ob in der Entlassung eines jüdischen Arbeiters eine unbillige Härte nach den heute herrschenden Anscliauungeii erblickt werden könne. Das eine Urteil bejaht die Frage, während das andere eine unbillige Hirte verneint. Das eine unbillige Härte bejahende Urteil führt aus, daß es widersinnig sein würde, zwar die Anwendung des Kündigungsschutzes auf Nichtarier zu bejahen, aber dann zu sagen, daß N'ichtarier schlechthin arbeitslosen Volksgenossen ihre Arbeitsplätze einzuräumen hätten, ln der ״NS.-Sozialpolitik“ wird dagegen erklärt, daß dieser Begriindung keinesfalls b e i g e p f I i c h t e t werden könne. Dadurch, daß ein Urteil in der Kündigung eines nichtarischen Arbeiters eine unbillige Harte nicht erblicke, lehne cs doch keines! alls die Anw endbarkeii des Arbeitsordnungsgesetzes auf niditnrische Arbeiter ab. lis werde immer aut die Lage des einzelnen!'alles rnikommeii. tirundsätzlicli sei aber zu betonen, daß n i c h t a r i s c he (i e f o 1 g 8 c h a f t s m i t - g 1 i c d e r :1 risc h e 11 zu weiche!1 11 ä 11 c!1. Die Hochschulunruhen in Polen Warschau, 2־. I hvember. (JTA.) Auf Grund der Ergebnisce einer Reihe von Haussuchungen konnte die Liquidierung einer a 11 t i s e in i t i s c 11 c 11 St u d entenojg a- 1 ת s a t 1 o 11 iluri bgcliilut werden, die an den jüngsten Ausschreitu!1 gen an den I loch-duilen die Schuld trägt. Acht Studeuten mul zwei Arbeiter, die an der Spitze dieser Organisation standen, wurden Verhaftet. Sie weiden sieh demnächst vor Cierieht zu verantworten haben. Auch in Wilna wurden Führer einer illegalen nationaldemokratischen Organ Kation verhaftet, die man für die Drahtzieher der Aiosehrcituiigen in der letzten Zeit hält. Die Untersucliung gegen sie wurde eingeleitet. Inzwischen haben die natioiialdemokrafisclieii Studenten der Wilnacr Universität abermals versucht, die jüdischen Hörer aus der medizinischen Fakultat hinaus/udrangeu. Sie forderten die zwangsweise Absonderuiig der jüdischen Studenten und Zuweisung der letzten Bankreihen in den Horsäleii an sie. Die jüdischen Studenten lehnten jedoch diese Forderungen energisch ab und behielten ihre Plätze. Das Schnellgericht in Warschau hat drei Nationnldemokrafen wegen Teilnahme an den jmlenfeindlichen Ausschreitungen am 9. November, bei denen Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte zertrümmert wurden, zu je drei Wochen Gefängnis verurteilt. Fine Abordnung reclitsoppositioneller Gruppen der polruschen Studentenschaft überbrachte — nach einer Meldung des ״Ost-Fxpreß“ — der Warschauer Rektorenkonteren / die Forderung, daß künftig auf allen Hochschulen in den I försnlcn die jüdischen Studenten von d l11־ p o 1 n i s eben getrennt sitzen sollten. Stipendien sollten jüdischen Studenten künftig nur in beschränkte! Zahl zugeteilt werden. Die Rektorcnkonferenz hat die i onh rungcii der Studenten a b g e 1 c h 11 t und erklärt, <hß von irgendwelchen Unterscheidungen zwischen den Studentuigüipiicii der Hochschulen keine Rede sein könne. Falls die Stu dein 1;1 auf diese Ablehnung mit neuen Unruhen ant- Worten sollten, wollen die Rektoren die Hochschulen s e h I 1 e ß e u und neue Immatrikulationen der Studenten anordnen. Auf Antiap der nkitljüdi-dieu Stadtverordneten Frau Prof. R u l » w ז l.;1 hat der Stad trat von Warschau einstimmig eine ReMilufiun getaut, in der die judenfeiiiillidien Ausschreitungen an d011 Warschauer 11otdisehulen verurteilt werden. Vor dun Gebäude der Universität in Posen sammelten sich etwa 2!;ut1 Stini.!!teil an, die sieh unter Anführung tiatioiud.iuitoktati-dier Lleim nie in geschlossenem Zug unter judi ntriiulh« 11,11׳ knien gegen das jüdische Viertel bewegten. Auf dem Aitcn Via! kt :,trlliui sieh den I )cmonstrantei! größere Abteilungen von Polizei zu Fuß und Pferd entgegen und Dann ihn an), f me Anzahl von Studenten wurde verhaltet. Stark■■ I'oli/rialiteiiuiigeii bewachen das jüdische Viertel. Am L e in b e r g er Polytechnikum ist es abermals zu jinlt'üfcindiu'hcn Ausschreitungen gekommen. Neun jüdische Studenten wurden verletzt, zwei von ihnen so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mufften. Die Vorlesungen und Lieblingen an der Hochschule wurden eingestellt. In Kiele c wurden von Nationaldemokraten Stinkbomben in jüdische I adelt geworfen. Eine Abordnung der Jüdischen Gemeinde hat im Ztiouniiunihaiig damit hei den Behörden interveniert und wirksamen Schutz, für die jüdischen Handel- und Gewerbetreibenden ge fordert. In einem Krankenhaus in Radom ist der 56jährige jüdische Einwohner Poznanski den ihm?״gefügten Verletzungen erlegen. Gegen eine jüdische Firma. Der ״Schwäbische V o I k s b o t c“ vom 23. November berichtet aus Geislingen: Kreishandwerksmeister Barth wendet sich mit folgender Erklärung an alle Volksgenossen von Geislingen und Altenstädt: ״In letzter Zent sind für verschiedene Neubauten, darunter auch solche, bei denen der Eigentümer Staatsbeainter ist, die Herde und Offen von der jüdischen Firma Heinrich Bissinger, Neu-Ulm, Augsburger Str. 22, gekauft worden. Die hiesigen Flaschner-, Installateur- und Schlossermeister lehnen es für die Zukunft ab, Handlangerdienste für jüdische Firmen zu machen, und haben sich freiwillig verpflichtet, üasapparate, Herde, Oefcn usw., die seitens der Kundschaft von einer jüdischen Firma bezogen werden, nicht a u f z u s t c 11 e n und anzuschlicßcn. Ebenso wird das G a s w e r k in Zukunft solche Apparate nicht mit Gas beliefern.“ — Es wäre u. E. zu prüfen, ob eine solche Anordnung nicht unter den Begriff der Einzelaktionen fällt, die gemäß der zu den Nürnberger Gesetzen gegebenen Interpretationen entfallen sollen. Juden im Rechtsleben Am Freitag tagte in den Räumen der Akademie für Deutsches Recht die unter der Leitung des Präsidenten der Akademie für Deutsches Recht und Rcichsjuristcnführcrs, Reichsminister Dr. F r a n k, stellende Deutsche Landesgruppe der International Law Association. Reichsminister Dr. Frank stellte als Grundlage für die deutsche Mitarbeit u. a. den Gesichtspunkt auf: Künftig kann kein Jude mehr Vertreter deutscher Rechtswissenschaft, deutscher Rechtslehre oder deutscher Rechtsansehau 11 ngen sein. Aus diesem Grunde müsse sich auch das Ausland dazu bekehren, Juden, die die deutsche Sprache zu sprechen vorgeben, nicht als Repräsentanten des deutschen Volkes aufzufassen. Die Tagung des Reichsfachgruppenrates Rechtsanwälte des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen, die kürzlich im Hause der Deutschen Rechtsfront in Berlin stattfand, hatte, wie die ״Nationalsozialistische Partei- Korrespondenz“ mitteilt, als Ergebnis die Aufstellung von Leitsätzen. Der letzte Abschnitt der Leitsätze verweist auf die dringend gebotene Beschleunigung der D 11 r c h f ii h - rung der Nürnberger Gesetzgebung im Be• reiche der Anwaltschaft unter besonderem Hinweis darauf, daß Sofortmaßnahinen itt dieser Richtung vor entsprechenden Maßnahmen anderer freier Berufe oder der Wirtschaft bei der Anwaltschaft durchaus möglich sind. ln einem Rundschreiben des NS.-Juristenbundes wird erneut betont, daß die Vertretung von Nichtariern durch arische Anwälte stets auf eigene Gefahr geschelte, also vom Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen weder gern gesehen noch gefördert werde. Der BNSL)J. lehne es nach wie vor ab, sich bei Schwierigkeiten, die durch Vertretung von Nichtariern entstünden, schützend vor die betreffenden Bundesmitglieder zu stellen. Zu den Nürnberger Gesetzen Die Tagespresse meldet: Der Führer und Reichskanzler erließ unter dem 21. November eine Bekanntmachung, wonach der § 3 des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. September keine Anwendung findet auf die der deutschen Gerichtsbarkeit nicht unterstehenden Leiter und Mitglieder der beim Reich beglaubigten diplomatischen Vertretungen, auf solche Personen, die nach den allgemein anerkannten Regeln des Völkerrechts oder nach einem Staatsvertrag von der deutschen Gerichtsbarkeit betreit sind, ferner auf ihre Familienmitglieder, das Geschäftspersonal und die nichtdeutschen Bediensteten. Die Ausnahmebestimnnmg gilt auch für die Leiter und das Geschäftspersonal ausländischer Konsulate, soweit sie nicht die Reichsangchörigkeit besitzen. IN ALLER KURZE Der ״Amtliche Preußische Pressedienst“ teilt mit: ״Von unberufenen Kreisen wird immer wieder die Behauptung verbreitet, die Kammersängerin Frieda Leider sei nichtarisch. Diese verleumderische Behauptung ist unwahr. Die arische Abstammung der Kammersängerin Frieda Leider steht einwandfrei fest.“ Die ״National-Zcitung“, Essen, vom 24. November berichtete über eine Tagung der Gastwirte des Kreises Essen, in der Kreisgruppenleiter Theo üaßmann zu einigen grundsätzlichen Fragen Stellung nahm. Es sagte nach dem Bericht dabei u. a.: Die Bedienung der Juden in den Lokalen bleibe der Verantworttmg jedes einzelnen überlassen. Immerhin erwarte er, daß die Mitglieder der Kreisgruppe sich zu dieser Frage so verhalten, wie es einem Deutschen gezieme. Nach Meldung des ״Berliner Tageblattes“ ist in einer außerordentlichen Generalversammlung des Kaufhauses Jonass & Co. in Berlin beschlossen worden, die Gesellschaft in eine Kommanditgesellschaft umzuwandeln und verschiedene andere Transaktionen zu unternehmen, von denen vermutet wird, daß sie die Ueberleitung des Kaufhauses in arische Hände vorbereiten. Die ,,Landespost“ in Hildesheim berichtet aus Os nab r ü c k, daß das dortige Kaufhaus S. Alsberg & Co. in arischeu Besitz übergegangen sei. ln New York ist Franz Werfel eingetroffen, um der am 23. Dezember im Manhattan Opera House stattfindenden Uraufführung seines biblischen Schauspiels ״Der Weg der V' e rh ei ß u n g“, das von Max Reinhardt inszeniert wird, beizuwohnen. (Das Stück ist auszugsweise in der ״Jüd. Rundschau“ abgedruckt worden.) Im Hotel Pennsylvania in New York wurde unter dem Vorsitz von Dr. Henry Moscowitz eine Konferenz von Delegierten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten abgehalten, in der der 500 000 - D o 11 a r - D r i v e des Verband es ״Ort“ eröffnet wurde. Unter Führung des Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Fried man n, übergab eine Abordnung der jüdischen Aerztc Wiens dem Minister für soziale Wohlfahrt Dobretsbergcr ein Memorandum über die Zurücksetzung jüdischer Aerzte in staatlichen und städtischen Krankenhäusern und forderte, daß jüdischen Aerzten die gleiche Behandlung wie den übrigen Standesgenossen zutei^werde. In der neuen amtlichen Broschüre ״Das tschechoslowakische Abgeordnetenhaus in der vierten Wahlperiode“ steht hinter den Nainen Dr. Goldstein und Dr. Kugel der Vermerk ״Abgeordnete jüdischer Nationalität“. Damit wird auch öffentlich anerkannt, daß die ״Jüdische Partei“ durch das Wahlbündnis mit den tschechoslowakischen Sozialdeinokraten keineswegs ihre Selbständigkeit verloren hat. in Olszani (Wojwodschaft Wilna) sind durch eine Brand- Katastrophe 94 hauptsächlich von Juden bewohnte Häuser mit dem ganzen Inventar vernichtet worden. 500 Menschen sind ohne Obdach geblieben, der Schaden beträgt über 200 000 Zlotv. Mit Zustimmung des dem griechischen Kabinett angeftörenden Salon ikier Generalgouverneur Mandas wurde aut Vorschlag der Jüdischen Gemeinde zu Saloniki die bisher ,,Regie-Vardar“ genannte jüdische Vorstadt nach dem durch seine Judenfreundschaft bekannten Erzbischof Latas umbenannt. 4000 Dunam Boden aus 50000 blauen Büchsen Keren Kajemeth Lejisrael fJdd. Nationalfond■) E.V., Berlin W1B Postscheck-Konto: Berlin Nr. IBS 47 CkaHMMurft-k/dtöewetb ״ICUtdeA-JluHckcUau* Am Donnerstag, dem 5. Dezember, ist der letzte Ablieferungstag für die Werkarbeiten, die zu diesem Wettbewerb eingereicht werden. Die Arbeiten müssen bis spätestens Donnerstag abend im Besitz der Redaktion der ״Kinder-Rundschau“, Berlin W15, Meinekestraße 10, sein. Hirsch Hildesheimer Zar 25. Wiederkehr seines Todestages (6. Kislev / 5.12.) Männer von Energie und Leistung sind unvergessen in jedem Volke. Die Erinnerung an sie ist ein Ansporn für kämpfende und ringende Geister, deren Optimismus nie erlösche» darf. Wenn auch seit den 25 Jahren, da Hirsch Hildesheimer der jüdischen Weit entrissen wurde, seiner stets gedacht wurde, wo cs für Altes und Nettes zu kämpfen galt, so soll doch dieser Gedenktag nicht still vorübergehen. Als Sohn des großen R. Esriel Hildesheimer geboren, 1869 in Berlin und Haiberstadt, 1872 .1876 am Sophiengymnasium in Berlin, Schüler dann des von seinem Vater begründeten Rabbinerseminars und der Berliner Universität, 1879 Promotion in Leipzig■ mit einer Arbeit über ״Attrelius Victor de viris illustristribus urbis Romae“, 18S0 Dozent für jüdische Geschichte und Geographie Palästinas am Rabbitierseminar. Damit wird er in das wissenschaftliche und öffentliche Leben hineingestellt und bleibt dieser Arbeit treu bis zur letzten Stunde seines Lebens mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, mit mehr Anstrengung, als er vielleicht anwenden durfte. Dreifach ist der Faden seiner Betätigung: 1. Die Wissenschaft: aus seiner Dozententätigkeit gingen wenige, aber gediegene Arbeiten hervor, wie 1885 Beiträge zur Geographie Palästinas und zahlreiche Aufsätze in der Berliner jüdischen Presse. 2. Der Kampf für Recht: Seit 1878 redigierte er die von seinem Vater zusammen mit Dr. Enoch, Fulda, begründete ״Jüdische Presse“, durch die ihm Gelegenheit gegeben war, aufklärend über die wichtigsten Fragen des öffentlichen jüdischen Lebens sich zu äußern. Hier nahm er auch den Kampf gegen die Blut- Beschuldigung auf und veröffentlichte 1892 ״Die Blutliige“, 1894 die päpstlichen Bullert über die Blutbeschuldigimg. Von hier aus wurde er auch Mitbegründer des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur und stand mit an erster Stelle bei der Gründung des Hilfsvereins der deutschen Juden (1901). 3. Die Arbeit für neue Kolonisation Palästinas. Schon im Verein ,,Esra“, dessen Vorstandsmitglied und Reorganisator er seit 1884 war, widmete er sein Können diesen Aufgaben; bei Herz.ls erstem Auftreten schloß er sieh ihm sofort an, zog sich aber bereits vor dem 1. Zionisfcnkongreß vom politischen Zionismus zurück, ohne doch je das Band der Verknüpfung mit dein Heiligen Lande zu lösen. Im Gebet der Tranerfeier des Rablnnerseminars ist zu lesen, wie er seinen Schülern ״zeigte und sie lehrte die Wert- Schätzung des Heiligen Landes“, und sein Grabstein kündet der Geschichte, ״daß er Haupt und Erster aller Institutionen in Berlin und in Jerusalem, der heiligen Stadt, gewesen und kämpfte für das Recht und die Ehre seines Volkes gegen alle Widersacher“. Rabb. Dr. Pos n er, Jerusalem. Jüdische Schul-Sorgen I Zum ״Appell an die Verantwortlichen“ j Zu dem in Nr. 94 veröffentlichten Aufsatz von Kurt Herz, Ij Düsseldorf, über Fragen der Jüdischen Schüfe erhalten wir 1■ nachstehende Zuschrift, die wir zur Fortführung der Dis- ■ kussion veröffentlichen. (Red.) B Ein. Ruf, der die Trägen wachrüttelt, ist immer zu be- | grüßen. Nur hätte dieser anders klingen müssen! Ist es um eines Bonmots willen statthaft zu sagen: ״Das jüdische Schulwesen in Deutschland stellt zum großen Teil ein Museum dar, das leider jedoch nicht von Erwachsenen als eine Sehens- Würdigkeit, sondern von der Jugend als Erzicliwngsstätte besucht wird.“ Muß man wirklich, um das erstrebenswerte Neue noch begehrenswerter erscheinen zu lassen, das Bestehende verunglimpfen? Zu den einzelnen Forderungen sei dies bemerkt: Verständigung und Besprechung tut gewiß not. Aber die Aussprachen haben schon lange eingesetzt. Der Reichsverband der jüdischen Lehrervereine hat die Sammlung, die hier angeregt wird, schon lange vorweggenommen. Atchr als tausend Lehrer aller Schulgattungen sind in ihm organisiert. Der ״Pädagogische Ausschuß“ besteht bereits; an der lieberriifung von Lehrplänen wird eifrig gearbeitet, neues Areitsmatcrial liegt teilweise fertig vor (Fibel, Lescbogcn, Geschichtsinaterial). Zur Frage der Lehrerausbildung ist auf dem Delegiertcntag des Verbandes Stellung genommen vvorden. Die ״Jüd. Schulzeifung“ schließlich ist das pädagogische Fachblatt, das noch weiter ausgebaut werden soll. Dazu ist die Mitarbeit aller notwendig. Eine grundsätzliche Bemerkung sei zum Schluß gestattet: Es häufen sich die Fälle, wo offene Türen eingerannt werden. Mitunter aber wird eine methodische Einsicht, ein unterrichtliches Prinzip oder eine seelische Haltung ״entdeckt“. Solche ,,Forderungen“ und ״Entdeckungen“ gehören nun einmal dazu, wenn man neu in eine Materie kommt. Es sind Zeieben dafür, daß man allmählich in die neue Materie (d. h. in das jüdische Schulwesen) hineinwächst. Disziplin und echte Verantwortung jedoch verlangen, daß man sich mit (letten, die sich in langen Jahren um die jüdische Erziehung mühten, berät; damit und durch tägliche Kleinarbeit kann nun seiner Aufgabe meist am besten dienen. Die jüdische Schule ist im Umbau. Das ist die Feststeilung einer Tatsache, die zu keinerlei Werturteilen berechtigt. Die Lehrerschaft steht auf ihrem Posten. Johannes Wolff, Berlin Ein jüdischer Offizier im abessinlschen Heer. Eine jüdiscli-französische Zeitung weiß zu berichten, daß in der bunt zusammengewürfelten Armee des Negtts auch ein gewisser Ahraham Zogrosky dient, der vor zehn Jahren seine Heimatstadt Wilna verließ und sielt nach Paris wandte. Da er dort nicht weiterkam, trat er in die Fremdenlegion ein, wo er sieh auszcichnefe und einer der tapfersten war. Eines Tages jedoch fiel er als Gefangener in die Hände eines Beduinenstammes. Erst zwei Jahre nach diesem Mißgesebick gelang es ihm zu entfliehen, und er rettete sich, fast sterbend, auf äthiopisches Gebiet. Infolge der jüngsten kriegerischen Ereignisse wurde er Offizier in der abessinisehen Armee. Und die Zeitung fragt zum Schluß mit Recht: ״Nicht wahr, ein seltsames Schicksal für einen kleinen Kaufmann aus Wilna?“ ־- Der Zufall will es, daß eine andere jüdisch-französische Zeitung, die uns am gleichen Tage zuf’. '־־־ --- ־*- ■־־־ ’־•־ *—*'* ־־•־ ־־■־ " ■*־ "'־ ׳ ־״'־' ־J־ sehen Nationaibatik ernannt worden ist. 1

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