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Jüdische Rundschau · 1935-12-03 · Heft 97 (3.12.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 97 (3.12.1935)
Date
1935-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 97, 3 XII 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Für Einheit der Bewegung und Führung Das Prahlern der ״Belebung“ Nochmals die Frage der Verlegung der Organisation nach Palästina Von ADOLF BÖHM Auf den in der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 84 erschienen Artikel von Böhm, der die Revision des Kongreßbeschlusscs betreffend die Verlegung des Zionistischen Organisations-Departments nach Palüstina forderte, hat der bisherige Leiter dieses Departments, Berl Locker, im ״Uno!am“ erwidert (siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. 92 Seite 16}. Dabei hat er vor allem das Argument gebraucht, die beabsichtigte Neubelebung des organisatorischen Lebens erfordere diese Verlegung. Aus der Replik Adolf Böhms, mit der wir diese Erörterung schließen, bringen wir (etwas gekürzt) den sehr bcherzigenswerten Teil, der sich mit dem inneren Zustand der zionistischen Bewegung befaßt. (Red.) Es ist auf den ersten Blick bestechend, zu denken, dal) die Leiter des Organisationsdepartments, nachdem ihre jüdische Seele in London gehungert hat, in Palästina plötzlich aufleben und sie daun Feuerbninde in die Diaspora schleudern werden. Leider aber sind die Ursachen der Zerrüttung unserer Organisation, die Parteienzerklüftung, der Macht- Inniger der Parteiführer, der Mangel an common sense der Zionisten, die einer einmal gewählten Leitung nicht die nötige Autorität zubilligen usw., nicht so geartet, daß sie aufgehoben werden können, wenn das Department seine Impulse in Palästina empfängt, wo jene Zerklüftung übrigens noch ärger ist als in der Diaspora. Wenn die Luft von Palästina, wie es in der Ueberiieferung heißt, weise macht, warum zeigt sich das nicht darin, daß wenigstens dort die Judenheit ein Bild der Einheit und Geschlossenheit bietet, dort, wo die Auseinandersetzungen zwischen Juden und der englischen Macht, wie mit dem arabischen Volk die Notwendigkeit der Einigung täglich und stündlich fühlbar macht, während ihr Postulieren in der Diaspora mehr akademischen Charakters ist. Wenn daher der Entschluß, das Department nach Palästina zu verlegen, gegen den zugegebenermaßen die schwersten prinzipiellen und ideoiogis hen üriindt■ sprechen, wirklich keine andere Stütze hat, als die von Locker vorgebrachten Argumente, dann ist er, meiner Meinung nach, absolut nicht gerechtfertigt. Es geht nicht an, das Scheitern der Bemühungen um Belebung und Neuaufbau der Organisation seitens der tatkräftigen und fähigen Leiter des Departments — wie Lichtheim, Felix Rosenblüth, Locker — darauf zuriiekzuführen, dal) sie von London aus unternommen worden sind, wo, wie Locker sich ausdrückt, ein dürrer Boden für jüdisches Leben ist und nicht von Palästina aus. Welcher Zionist, der die Entwicklung handelnd und leidend mitgemacht hat, könnte eine solche Erklärung als zutreffend ansehen? Vor allem ist die ״Organisation“ kein von der allgemeinen zionistischen Entwicklung isolierter Bau, sondern sie ist die Zusammenfassung aller Zionisten, der Kampfplatz für ihre Meinungsschiachten, ihr Machtringen. Daher kann auch kein ״Department“, wenn es auch die tatkräftigsten Leiter hat, für sich allein die Organisation beleben oder erneuern. Locker sagt in seinen! Artikel im ״Haoiam“, daß es unverständlich sei, warum KKL und KH. ideologische Propaganda machen können, und das OrganisationsDepartment (O. D.) es nicht tun sollte. Der Grund dafür ist aber leider nicht aus der Welt zu schaffen: die Zionisten gehören verschiedenen Parteien an, von denen jede ihre eigene Ideologie hat, nach Totalität strebt (was ich an dieser Stelle schon in meinen vorjährigen Artikeln ausgeführt habe und auf dem letzten Kongreß von vielen Seiten ins Treffen geführt wurde). Welche Idee 11 Propaganda kann das Ressort machen? Eine linke, rechte, mittlere, religiöse, freidenkerische, judenstaatliche usw.? Oder eine rein ״zionistisclie“, nachdem nun auch der allgemeine Zionismus nicht mehr ein ״allgemeiner" geblieben, sondern selbst eine Partei geworden ist und sich in zwei Gruppen gespalten hat! Und wird der Chef des Departments, der ja selbst einer Partei angehört, nicht als derer! Vertreter angesehen und ihm, zumeist mit Unrecht, die Unparteilichkeit bestritten werden? Ist das nicht Locker selbst in Krakau widerfahren, trotz seines redlichen Bemühens? Eine Belebung und Erneuerung der Organisation kann allein vom ״Department“ aus nicht erfolgen. Die Voraussetzung dafür ist, daß die Exekutive, einmal gewählt, mehr darstellt als eine bloße Addition von Parteiführern und eine mit mehr oder weniger Erfolg um die Lösung. der praktischen Aufgaben bemühte Geschäftsleitung. Sie müßte nach innen eine sehr feste F ü h r u n g bekunden. Dazu ist aber notwendig, daß zunächst jedes Mitglied der Exekutive vom Moment seiner Wahl in diese aufhört, Arbeit für seine Partei zu leisten, für sie zu schreiben und zu reden. Das heißt natürlich nicht, daß das Mitglied der Exekutive, das eben auf Grund seiner Parteizugehörigkeit in diese gewählt wurde, seine Prinzipien verleugne. Aber nach außen und in der Haltung jedes Mitglieds in der Leitung selbst, muß klar erkennbar sein, daß es über jedem Parteiinteresse, auch über dem der eigenen Partei, die Gesamtnotwendigkeiten stellt. (Damit will ich nicht sage*!, daß das bisher nicht der Fall war; die letzte Exekutive hat sich so ziemlich dieser Forderung genähert und die Haltung Ben Gurions am Kongreß zeigt, daß auch ein sehr prominenter Parteiführer sich über jeden Parteihorizont erheben kann.) Denn wie soll die Organisation ״erneuert“ werden, was hauptsächlich dadurch ermöglicht werden würde, daß der entsetzliche Parteiegoismus zugunsten eines Primates der allgemeinen Interessen zurückgedrängt wird, wenn nicht durch die Leitung — und eine Exekutive sollte eben eine ״Leitung" sein — das Beispiel gegeben wird? Ich kann an dieser Stelle nicht alles weitere anführen, was zur Erneuerung der Bewegung beitragen würde. Ich habe darüber schon in diesen Blättern ausführlich gesprochen (Artikel: ״Die Aufgabe“ in Nr. 65 und Nr. 69, 1934). Hier können nur wenige Bemerkungen Platz finden. Die Gesundung der Organisation hängt, wie schon ange• deutet, von der Exekutive ab, von ihrer inneren Geschlossenheit, ihrem einheitlichen Willen — vor allem dem Willen zur Führung, und zwar zur Führung als Einheit einer zu einigenden Organisation — und ihrer strengen Unparteilichkeit. Dadurch wird sic sich so viel wirkliche Autorität verschaffen als nötig ist, um dein ärgsten Hebe[ unserer Pseudodemokratie zu steuern; der Vernichtung jeden Respektes vor dem, der einer anderen Richtung angehörf, womit aie stärkste bindende Kraft, die es in einer nur auf Freiwilligkeit basierenden Gemeinschaft gibt, aufgelöst wird: die gegenseitige Achtung und die Unterordnung unter die einmal gewählte Leitung. Das O, D. selbst kann im Rahmen seiner speziellen Aufgaben, wenn es auch nicht für sich allein die Organisafion zu sanieren imstande ist, sehr vieles dazu beitragen. Das erste ist die Sorge für geistige Propaganda, Instrukfion usw. Das Department überläßt das vollkommen den Parteien und der Privatinitiative. Ob es sich um Darstellungen des Zionismus und seiner Probleme handelt, Biographien oder Schriften großer Führer, wie sie in den letzten Jahren in verschiedenen Ländert! und Sprach 11 veröffentlicht worden sind oder um Palästinakunde (man denke z. B. an das Buch von Bonne und jenes von Herrmann, auch die Zeitschrift ״Palästina־“ ist ein Beispiel dafür), nirgends hat das 0.1). Inititative gezeigt oder wenigstens das gefördert, genutzt und in die richtigen Kanäle geleitet, was privater oder verlegerischer Initiative entsprang. Es hat daran vorbeigesellen, ajs ob das Dinge wären, die es nichts angehen. Die Schriften Herzls, ein vorzügliches In formationsbueh über Palästina u. a. m., das sind keine Privatangelcgcnheiten von Autoren und Veriagsanstalten, ihre Herausgabe darf nicht von einer Abschätzung des kaufmännischen Risikos abhängen, ihre Verbreitung nicht bloß von geschäftlicher Tüchtigkeit. Solche Werke zu nutzen, )st Sache des O. D. Dazu muß es aber nicht in Palästina sitzen. Das zweite, was das 0.1). z\1 mache״ hat und welche Aufgabe es auch in den letzten Jahren in Angriff genommen hat, ist die formale Sanierung der Organisation. Hierzu hat das O. D. vorzügliche Vorschläge ausgearbeitet, die leider nicht einmal alle in die «Öffentlichkeit gedrungen sind. Ich will hier nur kurz die zwei dringendsten der einschlägigcn Probleme berühren: Kongreßreform und Territorialverband. Daß die Reform des Kongresses noch immer nicht durchgeführt wurde, ist ein Armtiis-zeugnis sondergleichen für die gesamte Organisation. Ihr Inhalt ist hier, als allbekannt una unbestritten, nicht weiter zu diskutieren. Da sie aber ihrer Form nach eine technische Reform ist, erweckt sie kein Interesse, denn keine Machtfrage einer Partei oder eines Führers wird dabei tangiert, sondern es handelt sich ״nur“ darum, die Bedeutung, die Leistungsfähigkeit, die Autorität usw. unserer Organisation und ihrer wichtigsten Instrumente zu stärken! Das zweite Problem ist das der Schaffung der Territorialv erbände (T. V.). Der Kongreß hat hier halbe Arbeit getan. Wohl hat er die Schaffung der T. V., d. 11. die endliche formale Zusammenfassung aller Zionisten in je einen Landesverband beschlossen, aber doch wieder den Beschluß nicht strikt verbindlich gemacht. Es wird sich zeigen, ob das O. I)., hinter dem die Exekutive geschlossen stehen müßte, sich dazu aufraffen wird, die Schaffung der Territorialvcrbände energisch zu betreihen. Energisch: die bisherige Methode, zurückzitsclirecken vor den Parteihäuptern oder zionistischen Landesfürsten und in den elementarsten Forderungen nachzulassen, wenn diese böse Miene zum güten Spiel machen, hat nur die Folge gehabt, die ohnehin geringe Autorität der Leitung noch mehr zu schwächen. Nur ein unbeugsames Festhalten an der Forderung, daß die Geschlossenheit der Organisation der wichtigste Faktor unserer Kraft ist, nur ein bisher selten gehörtes Einsteher! eines Mitglieds der Leitung mit seinem Portefeuille für eine als richtig erkannte Maßnahme, kann der Exekutive und dem O. D. jenes Ansehen erwerben, das notwendig ist, urn die Zionisten zu einer Unterordnung ihrer Sonderinteressen unter das Gemeinvvohl zu erziehen. Auch diese Aufgaben bedingen keine Verlegung des O. D. nach Palästina. Im Gegenteil! Wie schon im ersten Artikel ausgefiihrt, wird es in die Zcrrisenheit, die dort im Lande herrscht, hineingezogen werden. Wenn Locker ״hofft“, daß das nicht der Fall sein wird, so stehl diese bloße Hoffnung gegen alle die schwerwiegenden Argumente, die gegen die Verlegung sprechen. Schon hören wir, daß ihre erste Folge die sein wird, daß das Department in Jerusalem, wo fäst alle Mitglieder der Exekutive residieren, aus ihrer Mitte statt eines einzigen zwei oder drei Leiter erhalten soll, die übrigens daneben auch andere Ressorts führen sollen; das O. D. wird also ohne ein allein verantwörtliches Haupt sein! Dazu werden noch die ״Untcrstaats- Sekretäre“ kommen, die nach dem Beschluß des Kongresses von den Parteien den einzelnen Ressorts zugewiesen werden sollen. Dieser Beschluß wird für die Organisation von sehr Soeben erschien: Das Buch der Kinder*Rundschau Das schönste Chanukkah -=־ Geschenk LAND DER JUGEND Eine Sammlung der schönsten Erzählungen, Aben« teuer, Erlebnisse, Lieder, Legenden, Gedichte, Spiele und Bilder aus den drei Jahrgängen der Kinder- Rundschau, der von der jüdischen Jugend stets mit Spannung erwarteten Beilage der ״Jüdischen Rund« schau", vermehrt durch neue Erzählungen und Bilder. Ein Buch, an dem die Jugend selbst mitgearbeitet hat, und das ihren Geist atmet. Aus dem Inhalt: Barak, das Füllen <von C.Z. Klötzel) — Wir erlösen den Boden — In einer Jemenitenschule — Vom Leben in Ben Schemen — ״Alijah" (Eine Bildererzählung von Ben Uri) — Kindergedichte von Bialik — Moschko und die Talmudfolianten — Bibbi, Ester und der Papagei <vo«1 MasdiaKalöko)—Prßfungzur Berufseignung u.v.a. m. 112 Seiten, 155X205 mm, mit 79 Bildern Halbfeinenband mit mehrfarbigem Titelbild Preis nur RM 2,85 Bestellen Sie bitte bei Ihrem Buchhändler oder direkt bei dem VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU G. «. b. H. Berlin W 15 Meinekcstr. 10 Gegen Voreinsendung des Betrages zuzügl. 30 Rpf, Porto Postscheckkonto der Verlagsabteilungi Berlin 715 76 schwerwiegenden Folgen sein. Demi zu den Momenten, die in unserer Organisation eine konzentrierende und integrierende Wirkung ausüben können, gehört vor allem, daß in unseren Ressorts eine Kontinuität herrscht und eine T r a d i t i o n der Arbeit sich herausbildet. Daß nun auch die Spitzen der Beamtenschaft, nicht mir die kessnrt,.1; ׳er, von Parteien nominiert werden sollen — also erstens Parteileute, die zweitens als solche ohne Erfahrung sein werden und drittens sicherlich in jeder Kongreßperiode ausgewechselt werden dürften — das ist der Gipfel des \V i d e r s i n n s, den unsere ״Demokratie“ bisher erklommen hat In soieben Beschlüssen und Maßnahmen liegt der Grund für die Zerrüttung der Organisation, nicht aber darin, daß ihr Sitz in keinem jüdischen Zentrum liegt. Zum Schluß kann ich es mir nicht versagen, eine Frage zu berühren, bei der es sieii meiner Meinung nach gezeigt hat, wie wenig unsere Organisation als einheitlicher bewußter Körper existiert: Es ist dies ihre Haltung gegenüber der ״Neuen Zionistischen Organisation“ (N. Z. ().). Die Schaffung dieser sogenannten ״Konkurrenz“ ist an und für sicli ein I mit Stoß in die leere Luft. Die Zionistische Organisation (als solche und in Verbindung mit den Niclitzionisleii in der Jevvish Agency) als Verkörperung des jüdischen Volkes und Trägerin von Rechten kann weder nachgealimt, noch konkurrenziert werden, noch Doppelgänger haben. Die N. Z. O. ist daher, auch wenn sie statt eines ,,Judenstaates“ einen jüdischen Kontinent ״verlangen" würde, in Wahrheit nichts als bestenfalls eine zionistische Partei, die fälschlicherweise glaubt, den Teil für und über das Ganze setzen zu können. Im Moment, wo sie sich loslöst von der faktischen und rechtlieben Repräsentation des jüdischen Volkes ist sie eine Vereinigung mit Zielen in Palästina (was schließlich auch die lea ist), aber sie ist nur dem angemaIlten Namen nach /ioms tisch. Denn es gibt keinen Zionismus au'lierhalb de r r e c 111 I i c 11 a 11 e r k a!1!11 e n V. 11 s a in!11 e 11 - f a 5 s u n g aller Zionisten, der Z i!> 11 1 s t i - c 11 e 11 Organisation. I)och dieser gegenüber ist die ״\. Z. O.“, lins nichts Aergcrcs zu sagen, ahtrünning und feindlich geworden, sie will sich an ihre Stelle setzen und sie ״in tausend Teile zerschlagen“, wie einer ihrer Führer geragt hat. Das heißt also, sie ist ״der“ Feind. Wie aber hat die Zionistische Organisation sieh dieser lieromratisehen Tat gegenüber verhalten? Mit Nachsicht, mit Ignorieren, mit Spott, aber nicht mit flammender Empörung und Anklage vor der jüdischen Welt. Diese Haltung ist weder weise, noch politisch klug, wie ihre Verfechter versichern, sondern .sie ist schwächlich. Sie war eine Offenbarung, wie sein־ durch das Ueberwuchern von Parteiwesen und Sonderinte ressen unsere Organisation in ihrem Einheitsgefühl und im Bewußtsein ihrer Sendung geschwächt ist. Angesichts dieser l äge heißt cs, alles zu vermeiden, was ein weiteres Absinken der inneren Kraft unserer Organisation mit sich bringen koimie. Diese Folge hätte, wie ich in meinem ersten .Artikel ausfuhrte, die Verlegung des Sitzes des O.l). nach Palästina. Ich sehe, trotzdem man mit ihr schon begonnen hat, auch nach Er- Wägung der von Locker angeführten Gründe, in dieser rein technischen Maßnahme kein Hindernis dafür, den Beschluß doch noch zu revidieren und den Sitz des Organisationszentrums in London zu belassen. Epilog zu den Budapest er Studentenunruhen Von unserem Berichterstatter Budapest, 28. November Unter der Ueberschrift ״Antisemitisches Stiiileiitenpnrlament“ bringen ״U i s a g“ und die übrigen Tngcsblätter Berichte über ein ״öroßlager“ des T 11 r u 1 - Verbandes, der als Spitzenorganisation der christlichen Verbindungen gelten will. Ais Einleitung wurdet! in den Ilörsälen gelbe Plugzetid verteilt: ״Schlaget nicht den Juden! Schlaget aber mit allen gesetzlichen Mitteln die jüdische Bank, Werl-statte, Fabrik und Geschäftsunternehiming. die mit ihm״ grausamen numerus milhis das Ungartum ans dem \viriscliaf 1 iiei!1 11״ dien ganz ausschaltet.“ In der Versammlung kam Rdchstagaangeordneier Dr. Josef Vegvüry auf die jüngsten Dcmotistrationen zurück und erklärte vor den Vertretern der!'resse, der Verband habe sielt von allen Ruhestörungen fe! 1!:u!;alten, liahe bisher nur für den studentischen numerus ebusus gekämpft. Das Gesetz müsse jetzt aber auf du g a 11 / e Front des Erwerbslebens ausgedehnt und ’awgwführt werden. Der zweite Redner war noch aggnmivvr. ln kultureller Beziehung werde das Land noch immer von Fremden beherrscht. Wir itasseit den Juden nicht, weil er Jude ist, sondern weil er uns unser Brot nimmt. Das. Judentum müsse einsehen, daß es eine Judenfragc gibt, über die wir uns gern mit ihm beraten wollen. Die Juden mögen rier christlichen Jugend die Tore der Privatwirtschaft öffnen, che es zu spät ist. Zum Schluß meldete ein Stiulciitenfuhrer die fünf Punkte an, deren Durchführung die Studentenschaft vom Minister des Innern gewünscht Italic: 1. Ermäßigung der Inskriptionsgebühren, 2. Unterkunft bei den l'nvafuniernelirnungen im Verhältnis ihrer Latidespro/enhinr in, anderen־ falls denselben ihre Steuer-, Zoll- und sonstigen ilegiinstigungen entzogen werden, 3. Maßnahmen zur Verböserung' der Volksgesundheit, 4. ein würdiges Lokal für die Zusammenkünftc der Jugend, damit diese sie nicht auf offener Straße ablialten müsse, 5. die jüdischen Universitätshörer sollen verpflichtet werden, das politische Verhalten ihrer LHern während des Krieges und der Revolution zu legitimieren, Dr. A. F. In memoriam SylvaJn Lövy. Dem verstorbenen Präsidenten der ״Alliance brachte Universelle“ widmet in der Pariser Zeitschrift ״Vendredi" der Dichter Jean-Richard B I o e 11 einen Nachruf, in dem er auch der berühmten M o 111 a g - A b e n d e in der Wohnung Levys in der Rue Guy de la Brossc gedenkt, die durch zwanzig Jahre hindurch staftfanden. ״Man traf dort Vizekönige von Indien, Maharadschas, arme Studeuten, Marcel Schwöb, Vandervclde, Rabindninath Tagore, Langevin, Paul Boyer, Philippe Berthelot, Forscher, budd'liistisehe Priester, Missionare, Gelehrte aus allen Weltteilen und junge Leute in Menge. Es gab nur billige Zigaretten und gekühltes Bier. Frohsinn, Geist, Kultur, Wissen, Jugend und Genie machten diese Abende zu einzigartigen Ruhepunkten im Leben von Paris und der ganzen Welt. Wieviele unserer Zeitgenossen mögen dort die entscheidende Orientierung für ihre Existenz erhalten haben?•“ Anläßlich der Fünfzehnjahrfeier des Keren Hajessod führte das österreichische Komitee der Jewislt Agency und des Keren Hajessod eine Reihe von Verntistalfunger durch. Nach der Wiener Erstaufführung des Keren I lajessod-Films ״Land der Verheißung“ fand ein Presseempfang statt, bei dem Satny Gronemann sprach. Die Veranstaltung hatte einen außerordentlichen Erfolg.

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