Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 97 (3.12.1935)
- Date
- 1935-12-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 2 JODISTHE RUNDSCHAU Ne. 97, 3. XII. 1935 Sinne, wie ja das Nürnberger Gesetz symbolisch auch von jüdischen Farben spricht. 2. Eine Möglichkeit ehrlicher Wirtschaftlicher Betätigung im Rahmen der freien Wirt- Schaft, um für die eigenen Angehörigen und auch für die Bedürfnisse der Gemeinschaft sorgen zu können. 3. Die Organisation einer Kultur- und Erz i e 11 u n g s a r b e i t, in Uebereiristimmung mit den mehrfach abgegebenen Erklärungen führender Staatsmänner. - 4. Schließlich die Möglichkeit einer geordneten Durchführung der Auswanderung. Ueber diesen Punkt haben wir mehrfach ausführlich gesprochen. Die Auswanderung schwebt vielen als Ziel vor, aber immer wieder ist daran zu erinnern, welche gewaltigen Hindernisse vor ihr stehen. Abgesehen von der seelischeu inneren Verwaelisenheit der Menschen mit diesem Lande, auch die l'iirnögliehkeit älterer Menschen, sich umzust eilen und eine Existenz zu finden. Auswan derung ist stets ein Wagnis, daher ist es der Jugend Vorbehalten (wobei Jugend auch über 35 Jahre sein kann). Viele jungen Juden würden auch dann, wenn die äußeren Verhältnisse in Deutschland für sie günstiger stünden, auswandern, weil Ehrgefühl und S c h a f f e n s w i 11 e sie dazu bringen. Aber die älteren und alten Leute sind ’es, die mit einer gewissen Hoffnung die Erklärung Minister Fricks über die ״Lebensmög'ichkeit“, die ihnen in Deutschland nicht abgeschnlften werden soll, vernehmen. Es sind diese älteren Menschen, für die wir plädieren. Wir glauben, dal) alle luden in Deutschland heute von jedem Versuch, in spezifische Angelegenheiten des deutschen Volkes eiii/ugrcifen, weit entfernt sind. Aber wenn gelegentlich gesagt wird, die Juden sollten hier als eigenes Volk, völlig abgesondert vom deutschen Volk, in einem geschlossenen Kultur- und Wirtschaftskreis leben, so muß inan sich die Frage vorlegen, wie weit diese Trennung im täglichen Leben gehen kann. Während bei der Kultur ein geistiges, immaterielles Moment mitspiclt, ist die Wirtschaft notwendig au ein bestimmte* Territorium gebunden, innerhalb dessen der wirtschaftliche Verkehr zwischen den auf diesem Raume vereinigten Atensdien eine natürliche Gegebenheit ist. Auch gelten auf wirtschaftlichem Gebiet noch weit mehr als auf kulturellem die territorialen Gesetze, denen alle in gleicher Weise unterliegen. Es liegt im Wesen der Sache, daß die Juden, selbst wenn sie es wollten, in I feutsdiland kein e i g e 11 e s W i r t s c h a f t sleben führen könnten. Die Versicherung, daß den Juden eine ״Lebensmöglichkeit“ bleiben soll, kann wohl nicht anders verstanden werden als eine Andeutung über ihre Berechtigung, innerhalb des Wirtschaftslebens in Deutsch- Land ihrer Arbeit und ihrem Erwerb nachzugehen. I)r. Trick hebt hervor, daß die Mischlinge tu w׳irtschaftlicher Beziehung den deutscliblütigen Personen völlig gleichgestellt werden. Daraus kann man wohl schlieflen, daß dies für die Juden nicht in diesem Umfang gilt. Wir kennen die /ahlreiehen Einschränkungen, die für Juden auch in wirtschaftlicher Beziehung bereits bestehen, doch der vor einem Jahr von Dr. Frick verkündete Grundsatz, daß es in der freien Wirt- Schaft ei!1 e 11 A r i e r ־ G e s i c h t s p u!1 k t nicht gibt, besteht noch aufrecht. Die Nürnberger Gesetze, deren Ziel die Blut rein heit war, enthalten keine ־wirt- Schaft liehen Bestimmungen Die Juden müssen sich in die :■,er erregten Zeit diese Lage immer wieder klarmachen, um sieh nicht durch übermäßige Nervosität beirren zu lassen. Audi für die Durchführung der Aus- Wanderung und firr den Aufbau des Kultur- und Gemcinde'ibcns. ist ein wirtschaftlicher Rückhalt lincntbelirlieh. Darum ist es besonders wichtig, daß Dr. Frick durch die Bemerkungen über die jüdische Lebensmögliclikeit verschiedenen Mißdeutungen ein Ende gemacht hat. Einwanderung1 in den ABC-St&aten Aeußerungen von Dr. Ruppin Dr. Arthur kuppin, der nach einer Studienreise durch Südamerika nach Genf gekommen ist, äußerte sich mit großer Z 11 v e r sicht über die künftigen Möglichkeiten jüdischer Ein- Wanderung und Niederlassung in den südamerikanischen Ländern. Ich habe, erklärte Dr. Ruppin, die wirtschaftlichen und kolonisntorischon Probleme in Argentinien, Brasilien und (ä 11 i 1 e studiert. Die siidamcrikamschen Länder sind reich an verschiedenen Naturschätzen, die bisher erst in geringem Ausmaß erschlossen sind. Vielversprechend sind auch die Aussich־ ten in der Landwirtschaft mit Rücksicht auf die klimatischen Verhältnisse. Diese Länder stellen jetzt im Begriff, sich schnell von der wirtschaftlichen Depression 7u erholen, und werden in der künftigen weltwirtschaftlichen Entwicklung eine bedeutsamt Rolle spielen. Wenn auch diese Länder, fuhr Dr. Ruppin fort, zur Zeit faktisch für die Einwanderung verschlossen sind, so besteht doch Grund zu der Annahme, daß die Einwanderungsheseliränkungen allmählich mit fortschreitender Wirtschaftlicher (iesundung w erden aufgehoben werden. Die Juden aus Deutschland, von denen einige Tausend sich bereits dort niedergelassen haben, passen sich eien Lebensverhältnissen ziemlich leicht an und finden ihren P1 a t z in dein Wirtschaftssyslcm des Landes. Die in den südatnerikanisebra Ländern lebenden Juden polnischer und anderer Herkunft sind ebenfalls mit ihrem gegenwärtigen Schicksal zufrieden. Neuen Siedlern bieten sich in den südamerikanisclien Ländern zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, doch werden gut ausgebildete CTfahrene Handwerker vermutlich besonders gern aiffgenommen werden, Dr. R u p p i n, der während seines Aufenthaltes in Südamerika wichtiges Material über die dortigen Verhältnisse gesammelt hat, wird in der ״Jüdischen Rundschau“ noch ausführlich über seine Eindrücke berichten. Die Genfer Experten-Beratungen Anhirii״ ־ der Vertreter der Jewish Agency Sämtliche jise che Organisationen legen Gutachten vor Genf, 29. November. (JTA.) Die Expertenkommission des Völkerbundes fiir die Neuregelung der Auswandererfürsorge hat im weiteren Verlauf ihrer Arbeiten Gutachten von R e g i e r u n g s v e r t r e t e r n derjenigen Länder entgegengenoinmcn, in denen sich aus Deutschland ausgewanderte Personen irt größerer Zahl aufhalten. Den Vorsitz hei den Verhandlungen hat der Pariser tschechoslowakische Gesandte Osusky übernommen. Es erschienen die Vertreter Frankreichs, Hollands, der Tschechoslowakei und anderer Staaten und äußerten sich über die Möglichkeit der Legalisierung des Status der Ausgewanderten in den betreffenden Ländern. Die Kommission will feststellen, welche Möglichkeiten in bezug auf die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt und Arbeitsrecht für diese etwa 30 000 Menschen bestehen. Der bisherige Völkcrbundskommissar für Auswandererfürsorge, James O. MacDonald, vertrat vor der Kornmission die Ansicht, daß der Völkerbund die Aufgabe habe, sieb nicht nur mit jenen 30 000 bereits ausgewand orten Persorien zu befassen, die bisher noch nicht endgültig seßhaft gemacht weiden konnten, sondern auch mit denjenigen, deren Auswanderung in großer Zahl künftighin noch z.u erwarten sei. Er empfahl der Kommission, die Errichtung eines eigenen, dem Völkerbund unmittelbar unterstellten Amtes unter der Leitung eines Staatsmannes von internationalem Ruf vorzuschlagen. Mac- Donald betonte weiter, daß dieses Amt seine Aufgabe nur dann erfolgreich werde durchführen können, wenn es eine enge Zusammenarbeit mit den zentralen jüdischen Hilfs- Organisationen aufrechterhalten wird. Auch von den Vertretern des Nansen-Amt es wurden de! Expertenkommission Aufklärungen über die Behändlung des Auswandererproblems und die bestehenden organisatorischen Einrichtungen gegeben, Zwecks Beschleunigung der Arbeiten wurden die Vertreter der jüdischen Organisationen eingeladen, der Expertenkommission ihre Vorschläge schon am 1. Dezember zu unterbreiten. Die bereits eingereichten Memoranden, die durch mündliche Erläuterungen noch ergänzt werden sollen, werden von der Kommission eingehend geprüft. Wie zuverlässig mitgeteilt wird, werden die Beratungen der Kommission bis einschließlich 5. Dezember dauern. ln einem offiziellen Communique des Völkerbundssekretariats wird erklärt, daß die Expertenkommission vom Völkerbundsrat ermächtigt sei, jegliches nützliche Material betreffend die Lage der Ausgewanderten zu sammeln. Der Völkerbundsrat werde, sobald ihm der Bericht der Kommission vorliege, alle ihm wünschenswert erscheinenden Maßnahmen noch vor seiner nächsten ordentlichen Tagung i. J. 1936 treffen können. Allerdings werde diese Tagung sich mit dem Problem noch befassen müssen. ln der gleichzeitig mit der Tagung der Expertenkommission stattfindenden Konferenz jüdischer Groß- Organisationen wie Jewish Agency, Agudah, Joint Distribution Committee usw., die bisher im Beirat des Mac- Donald-Kommissariats vertreten waren, hielt Dr. Arthur Ruppin das Hauptreferat, Außerdem sprachen der Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, Dr. Gold mann, und mehrere andere Redner. Ruppins Vorschläge Genf, t. Dezember. (JTA.) Als Vertreter der Jewish Agency erschienen Dr. Arthur Ruppin und Dr. Goldmann vor der Expertenkommission, um ihre Ansichten über die Möglichkeiten für Auswanderung und Ansiedlung von Juden aus Deutschland zu äußern. Dr. Ruppin befaßte sich mit Einzelheiten seines Pianes, etwa 200 000 Juden aus Deutschland in verschiedenen Ländern, darunter auch Palästina, anzusicdeln. Er ging insbesondere auf das Problem der Aufnahmefähigkeit Palast in as ein und beantwortete eine Reihe von Fragen, die die Mitglieder der Kommission an ihn stellten. Ueber den Inhalt des von der Jewish Agency der Expertenkommission vorgelegten Memorandums, zu dem Dr. A. Ruppin ergänzende Aufklärungen gab, wird mitgeteilt, daß u. a. die Schaffung eines Liquidationsinstituts vorgesehlagen wird, das die Liquidierung des Kapitals derjenigen Juden ermöglichen soll, die aus Deutschland auswandern wollen. Den Auswandernden,_ deren Zahl auf 25 000 bis 30 000 jährlich innerhalb der nächsten acht bis zehn Jahre geschätzt wird, sollen Kredite gegen Sicherstellung auf ihre Eigentuniswerte in Deutschland gewährt werden. Die Mittel der projektierten Liquidationsbank sollen im Wege einer mit Hilfe des Völkerbundes international garantierten A n 1 e i h e beschafft werden. Nach Dr. Ruppin gaben Vertreter anderer jüdischer Organisationen ihre Gutachten vor der Expertenkommission ab. Vorher hatten sich zu denselben Problemen Vertreter nichtjüdischer Verbände geäußert. Der Leiter des Nansen-Amtes, Major Johnson, der soeben von einer Reise durch Deutschland zurückgekehrt ist, legte der Kommission die Verhältnisse bei den aus dem Saargebiet Ausgewanderten, die der Fürsorge des Nansen-Komitees anvertraut sind, dar. Er gab bekannt, daß das Nausen- Amt zur Zeit bemüht ist, aus dem Saargebiet ausgewanderte« Juden die Niederlassung in Brasilien und Paraguay zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurde ein Sonderbeatiftragter des Nansen-Amtes nach Südamerika entsandt. Etwa S000 Juden und Nichtjuden, die aus dem Saargebiet ausgewandert sind, haben Nansen-Pässe erhalte«. Genf, 2. Dezember (JTA., telephonisch). Die Vernehmung der Vertreter jüdischer Organisationen durch die Experten-Kommission wurde am 2. d. M. mit den Darlegungen des Generaldirektors der lea, Louis O u n g r e, abgcschlossen. Der Kommission, die ihre Arbeiten am 5. 12. abzuschließen gedenkt und bis dahin noch eine Reihe nichtjiidischer Fachleute anhören will, liegen nunmehr 500 Projekte zur Bearbeitung vor. Eine gesarntjüdische Abordnung Nach dem von Dr. Ruppin für die Jewish Agency gehaltenen Exposee fand eine Beratung der Kommission mit einer Abordnung sämtlicher jüdischer Organisationen statt. Dr. Bernhard Kahn hielt im Namen der gesamten Delegätion eine Ansprache, die in folgenden Ausführungen gipfelte: 1. Der Völkerbund solle nach der Einstellung der Tätigkeit des MacUonald-Komniissariats eine Körperschuft cinsctzcn, die den Schlitz der Ausgewanderten unter unmittelbarer Aufsicht des Völkerbundes übernehmen soll. 2. Diese Körperschaft soll autonom und von einer Persönlichkeit von internationalem Ansehen geleitet sein. 3. Die Körperscliaft soll auch die Befugnis erhalten, Verhandlungen mit der deutschen Reichsregierung betreffend den Transfer jüdischen Kapitals aufzunehmen. 4. Staatenlos» Gewordenen soll arbeits- und paßrechtliclier Schutz gewährt werden. 5. Die Regierungen der Länder, in denen sich Ausgewanderte aulhalten, sollen sich diesen gegenüber in bez־ug" auf Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung weitherzig verhalten.״' 6. Es sollen Verhandlungen mit der deutschen Rcichsregierung zwecks Erlangung einer geordneten Auswanderung geführt werden. In den darauffolgenden Ansprachen erklärte der Vertreter der Jewish Agency, Dr. Goldmann, falls den Juden in Deutschland der Transfer ihres Vermögens ermöglicht werden wird, könnten jährlich 23 000 Juden aus Deutschland auswandern, davon 12000 nach Palästina. Nach Beendigung seiner Aussagen vor der Expertenkommission des Völkerbundes ist Dr. Arthur Ruppin aus Genf nach Palästina abgercist. Das H&usangestelltengesetz Auf der Jugendburg Hohenstein (Sachsen) fand eine Tagung der Reichsfachgruppe Haus geh ilfen im Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront statt. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Nürnberger Gesetzgebung. Der ״Informationsdienst“, der amtliche Korrespondent der Deutschen Arbeitsfront, berichtet darüber u. a.: ״Es konnte die gewiß interessante Feststellung gemacht werden, daß in wiederholten Fällen die Juden bemüht waren, anstatt der Hausgehilfinnen nunmehr deutsche Männer zur Arbeit in ihren Haushalten zu ver wenden. Diese und andere Bestrebungen, die neuen Gesetze zu umgehen oder in anderer Weise illusorisch zu machen, können nicht streng genug verurteilt werden. Es ist z, B. vorgekommen, daß Hausgehilfinnen, die in einem jüdischen Haushalt beschäftigt waren, unter den seltsamsten Begründüngen Befreiung von den Vorschriften des Gesetzes forderten. Dabei habe sich dann nachträglieh immer feststellen lassen, daß die Mädchen diese Schreiben gar nicht seihst verfaßt, oft sogar — wenn der jüdische Haushaitungsvorstand das Gesuch geschrieben hatte — nicht einmai etwas davon gewußt hatten. Sozialwalter Schmid stellte in Beantwortung aller Grenztragen eindeutig fest: ,Wir haben kein Interesse, daß Wege gefunden werden, die deutschen Mädchen das Verbleiben in einem jüdischen Haushalt erleichtern, sondern werden im Gegenteil fKan schenkt zu ChoHukkah! Anläßlich des kommenden Chanukkah-Festes (21.-28. Dez.) veröffentlichen wir zur Unterstützung der Firmen, die unserem Leserkreis Chanukkah- Geschenke empfehlen wollen, eine Sonder-Rubrik in Nr-100 vom Froilag, don 13. Dozembor IS3S Nr. 10! vom Dionoiag, den 17. Dozembor 1S35 Nr. 102 vom Freilag, den 20. Dezember 193S ttloH schenkt zu ChanuükaU! von uns aus nichts unversucht lassen, als Nationalsozialisten dieses wichtige Gesetz zu verwirklichen helfen!‘ Eine Anzahl von Hausgehilfinnen wird infolge der Oesetzesbestimmungen jetzt und in nächster Zukunft ihren Arbeitsplatz in jüdischen Haushalten verlassen. Diese Frauen und Mädchen werden nicht alle sofort in deutsehen Familien beschäftigt werden können. Es war also eine der Hauptaufgaben der Tagung, nach Möglichkeiten der materiellen und weltanschaulichen Betreuung der betroffenen Volksgenossen zu suchen. Aus den Reihen der Tagungsteilnehmer wurde folgender Weg vorgeschlagen: Es geht unter keinen Umständen an, daß die Mädchen, die nicht sofort Unterkommen können, einbetreut bleiben. Bei der Reichsanstalt muß erwirkt werden, daß eine Erwerbslosenbeihilfe zur Verfügung gestellt wird, die als Gesamtsumme zur Einrichtung von sogenannten Auffanglagern Verwendung finden soll. Es nützt nichts, wenn jede stellungslose Hausgehilfin ein paar!Mark in die Hana gedrückt bekommt; denn erstens würde die Summe nicht ausreiclien, um davon den Lebensunterhalt eines Einzelnen zu bestreiten und zweitens würden diese Vollesgenossinnen, die lange unter jüdischem Einfluß standen, nicht ideell und weltanschaulich erfaßt werden können. Die Einrichtung von Auffanglagern, die natürlich nur als vorübergehende Einrichtung zu denken sind, bietet den dreifachen Vorteil der materiellen Sicherstellung für die Zeit der Arbeitslosigkeit, der rassenpolitischen und w e 11 a n s c 11 a u ־ lieben Schulung und der beruflichen Weiterbi I düng. Schon heute kann man bemerken, so führte ein Tagungstellnchmer aus, daß viele deutsche Hausfrauen Frauen und Mädchen, die aus jüdischen Haushalten kommen, nur ungern in ihre Hausgemeinschaft aufnehmen, weil sie — und in Ansehung der tatsächlichen Verhältnisse oft nicht zu Unrecht — von dort her ungünstige Einflüsse befürchten. Um so notwendiger ist die Forderung nach weltanschaulicher Betreuung der Hausgehilfinnen, die lange Jahre hindurch unter jüdischem Einfluß standen. Zur Grundbedingung muß gemacht werden, daß die Arbeitsämter bei Stellenvermittlungen in erhöhtem Maße auf solche Hausgehilfinnen zurückgreifen, die in den Auffanglagern auf ihre Arbeit vorbereitet worden sind. Dieser Vorschlag wurde von allen Männern und Frauen, die an der Tagung teilnahmcn, als beste und notwendigste Lösung der schwebenden Frage bezeichnet.“ Hauptschriftleiters Dr. Robert Welt sch, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzcigtnlritcr u. verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, ik'rlm-Tcu.pelliof. Gültig: Anzcigen-Preisliste 4 vom 15. Oktober 1935. Verlag und An- «eigenverwaUung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Mcinckestr. 10. D.-A, Nov. 38 210, — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schöneb«rg.