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Jüdische Rundschau · 1935-11-29 · Heft 96 (29.11.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 96 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. r6 29. XI. 1935 JQDlSCHE RUNDSCHAU Seite 5 Wassermann-Premiere ״Lukardis“ im Kulturbund Hamburg Die Jüdischen Kulturbünde, immer noch auf der Suche nach geci,״rieten Stücken für ihre Theater, glauben wohl mit Recht, vor allem den Werken jüdischer Autoren verpflichtet zu sein. Wenn es schon keine jüdischen Stücke gibt, die dem Erleben dieser Zeit (womit wir nicht unbedingt ״Zeittheater“ meinen) entsprechen, so wünscht man sich ״jüdisch“ durch einen jüdischen Autor zu legitimieren. Aut diese Weise ist wohl der Hamburger Kulturbund aut ein spätes Drama ״Lukardis“ von Jakob Wassermann verfallen (das als Buch 1932 im Verlag S. Fischer, Berlin, erschienen ist). Wassermann ist gewiß ein prononeiert jüdischer Autor; aber in diesem schwachen iuück kommt weder sein Judentum, noch sein dichterischer Rang zur Geltung. Einmal nur wird in dem Stück ein prononciert jüdischer Naine genannt, es ist bezeichnenderweise der eines Gauners. Die Hamburger Aufführung hat diesen Namen wegretuschiert. Wassermanns Drania spielt zur Zeit der russischen Revolution von 1903, eine an sich bedeumngsvolle — auch jiidisch höchst folgenschwere — Epoche. Für das Stück ist aber diese Atmo- Krasnucha (Julius Hobler) sphärc nur ein recht Foto: K.״tan, ״-״,יו,״,וו inalt gezeichneter;Untergrund der eigentlichen Handlung: wie ein aus seelischer Unberührtheit und sorgfältiger Obhut plötzlich in ein Abcnteuer gefährlichster Art gestoßenes und das Leben zum erstenmal in seiner Wirklichkeit erfahrendes Mädchen sieh umformt und i!1 die frühere Welt nicht mehr zurück findet. Dies auch der Inhalt der Wasserinannschen Novelle, die der Dramatisierung zugrunde lag. Ein junger Offizier, Nadinsky, 'der wegen eines seiner Schwester zugefügten Unrechts gegen die Obrigkeit aufgebracht ist, geht bei einem Barrikadenkampf zu den Revolutionären über und wird dabei schwer verwundet, Freunde verbergen ihn, und eine Frau der Gesellschaft, die ihn pflegt, gewinnt ein solches persönlichcs Interesse an ihm, daß sie sich seine Rettung zur Lebensaufgabe macht. Sie sieht, da die Polizei ihm auf der Spur ist, keinen anderen Weg, als ihn in einem Absteigequartier unterzubringen, bis er den falschen Paß zur Flucht erhält. Dam bedarf es aber der Hilfe eines Mädchens, denn nur in solcher Gesellschaft ist die Anwesenheit in dem Hause flaubhaft. Sie überredet eine junge 18jährige Admiralstochter, ie sich zu dem Dienst bereit findet. Diese Lukardis bezieht nun mit den! Schwerkranken das Zimmer, in der Vorspicgclung, daß es sich 11m ein Liebespaar handle. Die schlaue Wirtin aber ist bald im Bilde und schreibt Erpresserbriefe. In den fürchterlichen zwei Tagen, die die beiden in dem schrecklichen Hause dtirchmaelien, in engster Berührung mit aller Art von Gemeinheit, ununterbrochener Angst vor der Polizei und in dem Bewußtsein, erkannt worden zu sein, bildet sich eine eigentümliche seelische Gemeinschaft zwischen den beiden, einander ganz fremden Menschen, und als der Offizier wirklich gerettet wird und mit falschem Paß abreist, bleibt Lukarilis in einer Art Verzückung zurück, unfähig, zu ihrem Verlobten, dem 50jähriget1 Staatsrat und Chef der Politischen Polizei, zuriiekzukehren. Das Drama bekommt seine eigentliche Spannung durch die Figur des Häuntlings der Revolutionäre, Krasnucha, der gleichzeitig als Spitzel im Dunste der Politischen Polizei steht und der in dieser Sache zufällig seinen beiden Herren dienen kann, der Revolution und der Polizei, denn durch die Befreiung des Revolutionärs schützt er gleichzeitig den Staatsrat vor dem gefürchteten Skandal, in den seine Braut verwickelt gewesen wäre. Bei der Aufführung des Hamburger Kulturbundes stand die Figur des Krasnucha im Mittelpunkt des Interesses. Julius Ko bl er bot hier die hei weitem stärk:!e schal!• spielerische Leistling des Abends. Er hatte etwas von der unbändigen Kraft und seelischen Maßlosigkeit des Russen, zugleich die zwiespältige Dämonie des Verräters. Dieser Krasnucha beschreibt sich selbst so: ״Es ist eine doppelte Natur in mir. Nicht daß du behaupten könntest, die eine ist schlecht, die andere gut. Sondern die eine will loskommcn vom Leibe, die andere will nicht weg vom Leibe. Die eine sehnt sich nach dem Märtyrertum, ehe andere will Macht, Macht, Macht... Es ist, als säße dir der Satan im Blute.“ — Wer denkt da nicht an Wassermanns Worte über die ״Polarität“, die er einmal auf den Juden angewandt hat? Es ist ein Problem, das den Psychologen Wassermann immer beschäftigt hat. Julius Köhler ’vermochte es, die souveräne Menschenverachtung dieses Verbrechers, der voll Ironie auf die geordnete und doch so verlogene Welt des anständigen Bürgertums hcrabschaut, ebenso fühlen zu lassen, wie das Unterwelts-Ressentiment, das sich gegen das ״Den Hund apportieren lassen und dann Fußtritt“ auf lehnt. Seine Persönlichkeit, seine wilde Trunkenheit und übcrschäumcndc Kraft beherrschte die Szene. Die anderen Darsteller sind nur in weitem Abstand zu nennen. Sie versuchten, sich mit Austana und Geschick der undankbaren Rollen zu entledigen, Anneliese Töpfer als Lukardis sah an mutig aus und hafte etwas von der kindlichen Ungewecktheit, die diese Rolle erfordert. Aber sie ist auch schauspielerisch gar zu sehr im Kindhaften stecken geblieben. Eigentlich liegt es ja nahe, daß dieses ״Puppenmütterchen“ sich in den ״Helden“, den sie zu betreuen hat, verliebt. Natürlich keine banale, ausgesprochene Liebe, sondern ins traumhaft Visionäre entrückt. Aber Fräulein Töpfer war etwas zu entrückt. Dieses junge Talent bedarf noch der starken führenden Hand des Regisseurs, die offenbar in diesem Falle nicht energisch genug zugegriffen bat. So wirkte ihre Darstellung und Sprache etwas farblos und monoton. Ihr Partner war Carl Heinz J a f f t, weit mehr Schwächling als ״Held“, der in dieser für einen Kavalier delikaten Situation nur quälende Jcelcnanalyse und blasse Pubertätsphrasen übrig hat. Lili Bef gast als Kupplerin Uglassewa fand die nötigen ordinären Akzente. Die alternde Frau, die ein mütterliches Interesse an ihrem ״Helden“ nimmt und dabei im Eifer ״ganz wild“ wird, verkörperte etwas hausbacken die auch in Berlin bekannte Rose Lichtenstein. Fritz Melchior als Staatsrat Kussin war in der großen Szene mit Krasnucha, die den Höhepunkt der Attffülintng . bildet, von gut beherrschter Haltung, bot aber in der Schlußszene eine etwas zu klägliche und nichtssagende Figur. Von Episodenrollen wären Kurt Appel als charaktcristiseher Darsteller des Scheusals Igor zu erwähnen, in anderen kleinen Rollen wirkten Georg Seilnitz (Polizei- Kommissar), Trude Hirsch als dezente Darstellerin der edriickten und eingeschüclitericn Frau Krasnuchas, sowie erthold Bernd und Kurt Schindler als Revolutionäre mit. Der Regisseur Hans Buxbaum versuchte, ,, v 1F S T , X ן lfVi^ * EXPRESS CO ETI) *«« MHAFTKUBIIRV AVE. - TKI/, TKÄP1K HAK Sa5׳« der Aufführung soviel Schwung zu geben, wie die etwas unzulänglichen szenischen Mittel und das Stück zuließen. Es war im ganzen ein interessanter Abend, der zeigt, daß auch die Kulturbünde!in Reich eigene Arbeit leisten und daß Anfänge vorhanden sind, aus denen sich etwas Wesentlicheres entwickeln kann. Denn daß diese Darbietungen — das gilt wohl für alle Kulturbünde — heute keineswegs den seelischen Bedürfnissen eines jüdischen Publikums, das nicht nur unterhalten, sondern zugleich auch erzogen und innerlich erhoben werden soll, genügen, ist bereits oft dargelegt worden. Mau empfindet es immer wieder schmerzlich, besonders wenn man bedenkt, wieviel guter Wille und Kraft in diese Arbeit hineingesteckt wird. Einer besonderen Erwähnung bedarf auch das Publikum. Diese Juden gehörten früher zur Theatergemeindc einer deutschen Großstadt, das nur am Besten Genüge fand. Nun sind sie ein Publikum für sich geworden, das willig und aufmerksam auch bei solchen Darbietungen mittelmäßiger Art mitgeht, weil es sein eigenes Feld ist. Wir sind ärmer geworden, zugleich aber auch reicher. Welche Verantwortung ist hier in die Hände der Kulturbünde gelegt! Demi dieses Publikum will geführt sein; cs ist /tim großen Teil fast so neu in seiner sozialen Funktion wie die jüdische Theatertruppe in ihrer. Beide müssen einander näher kommen und ihre eigentliche, über das rein Theatermäßige hinausgehende Rolle erst entdecken. sch. Zeitschriftensdiaii Romantik in neuer Retradifung Im Novemberheft der Zeitschrift ״Deutsches Bildurigs wesen“ veröffentlicht Karl B 1 e s s i 11 g c r einen Aufsatz über ״Wesen und Erscheinung der deutschen Romantik“, in dem er verstrebt, eine neue Betrachtungsweise der 'Romantik _ durchzuführen, die diejenigen Romantiker, die in irgendeiner Verbindung mit Juden standen, als undeutsch ablehnt. Es gehe zwei Arten von Romantik: der urnordischc Drang in die Weite und Ferne und auf der anderen Seite die Empfindsamkeit und Ironie. Es sei erschlitternd zu sehen, wie die deutschen Dichter in der romantischen Zeit dem Einfluß des Judentums verfallen seien, insbesondere trag« Berlin daran die Mitschuld. ״Die Geschichte der romantischen Schule in Deutschland bcginnt nicht mit Wackenroder und Tieck, sondern mit Moses Mendelssohn und Friedrich Nicolai.“ Auf die indischen HOLMES mm Salons eingehend, meint der Verfasser, ,,daß all diese Dinge zu einer Entsittlichung schlimmster Art 111 Irren mußten. ... Entscheidend ist die Tatsache, daß damals, als das Judentum in Berlin hochkam, in den von ihm beeinflußten Kreisen eine Sitten losigkeit schlimmster Art!herrschte, daß aut allen Gebieten von Philosophie und Kunst eine geradezu uferlose Verwirrung der Begriffe sich breitmachte. ..." Tieck, Brentano und Novalis werden schart abgeleimt Fs gebe zu denken, dal! ״Des Knaben Wunderhorn“ von deutschen Musikern nur gelegentlich vertont wurde, ״während der Ostjude Gustav Mahler die musikalische Ausdeutung dieser Sammlung geradezu als seine Lebensaufgabe betrachtet hat.“ Wer waren die Ainoriter? Der bekannte Alltestaincntler Anton J i r k 11 schreibt in der Zeitschrift für Rassenkiurde (Heft 3) einen Aufsatz: ״Wer waren die Amoritcr?", die bekanntlich Chamberlain als Indoeuropäer bezeichnet hat. ״Seitdem müssen die Amoritcr“, so sagt Jirkti, ״immer wieder dazu hcrlialtcn, wenn man alles Bedeutende und Große im Alten Testament als ,auf nordische Einflüsse zuriiekgehend‘ deuten will. Gerade in einer solchen Frage tvie dieser ist cs notwendig» wieder einmal mit aller Nüchternheit die Quellen reden zu lassen, unbeirrt von zeitgenössischen Tendenzen.“ jirku kommt dann nach eingehender Untersuchung zu folgendem Resultat: ״Die Amoritcr waren wahrscheinlich ein nichtsemitisches Volk, das in der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. im nördlichen Syrien ein Reich gründete, das vielleiffit tief nach Palästina hineinreichte. Allmählich werden die Ainoriter seinitisiert.... Damit, daß es sich bei den Ainoritern anfänglich wahrscheinlich um ein nichtsemitisches Volk handelte, ist noch lange nicht gesagt, daß sie Indogermanen waren; neben Indogermanen sind im semitischen Völkermecrc Palästinas, Syriens und Mesopotamiens noch Völker ganz anderer Herkunft aufgetaucht. Es ist notwendig, gerade bei den Amoritern immer wieder auf diese Grenze unseres Wissens hinzuweisen.“ Die Presseabteilung der Reichsvertrelung teilt mit: ״Herr Max Kaufmann bezieht sieh in einer von ihm aufgegebenen Zeitungsnotiz, sowie in einem Werbeschreiben aut einen Auftrag, den er von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland zur Sammlung nichtarischer Musiker erhalten habe. Wir stellen fest, daß ein solcher Auftrag von der Reichsvertretung nicht erteilt worden ist.“ Aus dem Hebräischen von l)r. Max Mayer, Jerusalem 26• Fortsetcaag Nachdruck v«rboI«B ״Und was kann ich tun?“ — fragte Abncr. ״Du hast seinerzeit bei dem Friedciismehl über den wahren Frieden gesprochen, der zwischen den Leulen des Oedlands, der Maschine und dem Arbeitenden erstehen soll. Ich bin daher jetzt gekommen, um dich zu fragen, ob du nicht den Weg siehst, auf dem dieser Frieden kommen kann.“ ״Der Weg ist einfach, Raschid“, — sagte Abncr — ״wenn die Jungen und Tüchtigen unter euch mit, ganzem Herzen zum Werke gehen und sagen: von nun an bis in alle Ewigkeit gehören wir der Arbeit.“ ״Und wer wird uns auf diesen Weg führen?“ — fragte Raschid, und der Fleck in seinem Auge leuchtete Abncr entgegen. »Wie du gesagt hast, so soll cs, sein״ — sagte Almer nach kurzem Besinnen — ״ich gehe mit dir, Raschid, zu den Zelten und werde den Leulen die Sache erklären. Wann wollen wir gehen?“ ״Die Stunde drängt, Abncr.“ Da stand Abncr auf, und mit ruhigem Blick teilte er Ruth sein Vorhaben mit: ״Ich werde einige Tage dort Zubringer» und dann wieder zuri'ickkorninen. Sei ruhig, Ruth. Die Burschen des ״Stabs“ werden sich, solange ich weg bin, um dich kümmern.“ ״Ich bin ruhig“ ׳— sagte Ruth und küßte ihn zum Abschied. Erst als Abncr sich mit Raschid zürn Wadi, das ins Oedland führt, entfernt hatte, kamen ihr die Tränen in die Angen, und bangen Herzens blickte sie in die Meile, die von heißen Nebeln und weißen Rnueliwölkchen der brennenden Disteln verhüllt war. Als Abncr und Raschid zum Gut N'ai'fs kamen, neigte sicli bereits der Abend. Vor ihnen stand das große Schloß, das ganz aus weißem Stein gebaut war. Neben dein Wasserbrunne.n unterhalb des Gutes saßen schweigend kleine Gruppen von Arbeitern des Oedlands, die neugierig auf die Kommenden sahen. Da, wo sic saßen, legten sich die Leute auf den Säcken zum Schlafen hin, die sie am Tag zum Schleppen der Stein» benutzt hatten. Ein blinder Maulesel drehte das Schöpfrad über dem Brunnen. Bei einbrechender Nacht kamen sie gruppenweise an dem Platz zusammen, wo Abncr und Raschid saßen und setzten sich uni sic. Es war finster, und nur schwache rote Lichtstreifen voll den brennenden Distelfeldcrn her strichen über die Versammlung. Einer dieser Lichtstreifen beleuchtete plötzlich ein Abner bekanntes Gesicht. Es war Cliassan. Abncrs rauste ballten sich unbewußt, und er biß sich auf die Lippen. Die Runde wartete mit Ungeduld, und Raschid flüsterte Abner zu: ״Sprich jetzt, denn die Leute warten auf deine Worte.“ Da sprach Abner: ״In dieser Finsternis um »ms herum weil) ich nicht sicher, zu wem ich spreche. Auch weiß ich nicht, was ihr aus meinen Munde zu hören erwartet. Aber ich denke, daß ich zu Leuten des Oedlands spreche, die, von Hunger und Arbeit geplagt, sich danach selmen, sich satt zu essen und ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Wenn dem so ist, so sage ich euch, daß die Furcht, die ihr vor dem Werk im Oedland habt, und der Fanatismus, mit dem ihr gegen das Oedland eifert, reiner Unsinn sind. Kann denn ein vernünftiger Mensch denken, daß das weite Oedland für ewig nur einige Zelte tragen wird? Eine einzige Stadt, die irgendwo im Oedland erbaut wird, wird r^ie größere Einwohnerzahl haben, als alle Oedlandsleute insgesamt ausmachen, und ein einziger Siedlungsort wird alle die jetzt zerstreut liegender! Zelte umfassen. Eure Furcht vor dem Werk ist sinnlos, und es ist an der Zeit, daß sie schwindet Wenn ihr diesen Platz verlaßt, 80 gibt es nur zwei Wege für euch: entweder eure Erbitterung in die Berge zu tragen und das Lehen von Weertageiern zu führen, oder eine vernünftige, geregelte Arbeit 7.11 beginnen.“ ״Mir gehen ins Merk“ -- antworteten die Leute. ״Mir gehen dahin, wo du uns hin/.ugehen rätst“, — sagten sie wie im Traum und selbstvergessen. ״Mir geben zur Maschine!“ ״M'ir gehen zur Arbeit!“ Da hob plötzlich einer einen Stein mul warf ihn in den Brunnen mit dem Ruf: ״Zur Arbeit!“ Nach ihn» hoben alle Steine und warfen sie mit steigern* der Erregung in den Brunnen: ״Zur Arbeit... zur Arbeit. , Abner saß traurig und mit schweren Gedanken beim A11* blick der in den Brunnen fliegenden Steine und der zunebmenilen Begeisterung der Leute. Wenn es ihm auch klar war, daß sie ihrem Zorn gegen die ihnen angetane Schmach der Knechtschaft Luft machen mußten, so war es ihm doch durchaus noch nicht klar, ob ihr Geist schon dazu fällig war, eine sinnvolle, ihnen und den anderen nützliche Freiheit, zu ertragen. Die Oedlundsleule warfen solange Steine in den Brunnen, bis der Steinhaufen die Quelle völlig verstopft hatte. Dann sagte Raschid zu Abner: ״Jetzt haben sich die Leute beruhigt. Nun Laß sie uns ins Merk führen.“ Er wandte sich den Leuten zu und rief: ״Laßt uns gehen!“ ״Ja, laßt uns gehen“ — antworteten alle und schüttelten nach altem Brauch ihre geflochtenen Zöpfe. Sie gingen in geschlossenen» Zuge. Ihnen schlossen sich alle Leute an, die in der ״Oedlandskonipagnie“ gearbeitet hatten. Auch andere junge Leute gingen mit. Der Zug der Leute unter Führung von Abner und Raschid wurde im Oedland bald bekannt, nur wußte man nicht recht, wobin es gehen werde. Als der Zug an den Zelten »orbeikam, erhoben sich di« Aellesten von ihren Plätzen, schüttelten den Kopf, und einige

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