Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 95 (26.11.1935)
- Date
- 1935-11-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 95, 26. XI. 1935 JOOlSCHeRUNDSCHAU Seite 13 Ludwig Hardt-Abend Der erste der beiden Abende Ludwig Hardts Im Bechs t e i n s a a I galt Heine» Peter Altenberg und Scholem Alejchcm. Kein neues Programm, aber Ludwig Hardt brachte die beiden größten Heine-Gedichte: ״Jehuda Halevy“ und ״Prinzessin Sabbath“ auch diesmal so farbenreich-malend, so glitzernd von Geist und leuchtend von Humor, daß immer wieder andere Versstellen zum Erlebnis wurden. Auch die beiden Prosastftcke aus Heines ״ttärnc“, die Legende vom Messias mit den goldnen Ketten und Moses Lümpchen aus den ״Bädern von Lucca“ wpren wieder in Pathos und Humor voll stärkster Wirkung. Von Peter A 11 e n b e r g aber hörten wir zwei neue Stücke, zwei Anekdoten, eigentlich über ihn, aber in Wirklichkeit von ihm zumindestens inspiriert. Nur Altenbergs Unbedingtheit konnte so folgerichtig raunzen, daß er zu wenig Aufsehen errege, viel zu wenig! Von seinen schönen Kinderstücken, die Hardt unvergleichlich liest, war die schönste ״das schwere Herz“. — Das Tewjelapitel von Scholem AI e jc h e m war trotz allem der Höhepunkt des Abends. Ludwie Hardts Tewjevortrag ist so tief hineingestaltet, hineingelebt, daß der melancholische Humor Tewjes, seine jüdische Ethik und seine jüdische Erhebung im gesungenen Gebet zu allergrößtem Erlebnis werden, auch wenn man die große ostjüdische Vortragskunst von Herz Großbart und Frida Blumenthal-Großbart früher hörte. Trotzdem steigerte Hardt den Tewje-Vortrag am Schluß bei der Verwandlung des hungrigen in den satt gegessenen und von Wodka fröhlichen Landjuden in Geste una Mimik zu farbiger ausdrucksstarker Kunst. Dieser Abend zeigte Hardts beste Mischung: Heiterkeit und Güte. Wir hörten als Zugaben Oedichte von Novalis, Wedekind und Claudios. R. M. ״Eine Stunde Schubert“ (zugunsten der Jüdischen Winterhilfe). Im Mittelpunkte dieses etwas zu langen Abends stand der Begriff ״Forelle“, als Lied, als Anekdote, als Quintett, und selbst Direktor Stahl, der zu Beginn in einer humorvollen und doch recht eindringlichen Ansprache für die Winterhilfe sprach, konnte nicht umhin, dieses wohlschmeckende Fischehen zu erwähnen. Die Meisterwerke Schuberts stellen die größten Anforderungen an Technik, Musikalität, Gestaltungskraft und Geschmack, die bei allen mitwirkenden Herren, dem Bratschisten Alfred Schicsinger, dem Violincellisten Gottfried Zcelander, dem Kontrabassisten Rudolph Lewy und — vor allem — dem Sänger Wilhelm Guttmann (sein ״Erlkönig“ war erschlitternd) in hohem und höchstem Maße vorhanden waren. Bei der Violinistin Charlotte Rosen und der Pianistin Erna Klein, die auch alle Begleitungen ausfiihrte, waren diese Voraussetzungen nicht alle erfüllt, das Kammermusikwerk litt darunter besonders. Außerordentliches Befremden aber erregte das Auftreten Camilla Spiras als Liedersängerin, nachdem sie vorher in ihrer charmanten Art eine nette Schubert-Anekdote vorgelesen hatte. Camilla Spira ist keine Sängerin, sie bringt Scluibcrt-Liecler wie Kabarett-Chansons. Und daß man an einem seriösen Schubert-Abend Stücke aus dem ״DreimSdcrlhaus“ vorzutragen wagt, daß dazu sich ein Künstler wie Wilhelm Guttmann hergibt, ließ den sonst sehr harmonischen Abend in eine schwere Dissonanz ausklingen. Da das (ausverkaufte) Konzert wiederholt wird, muß der letzte Programmtci! in dem ohnehin zu langen Abend gestrichen werden. O. G. ״Die Zerstörung Jerusalems" Der heutigen Generation bedeutet Ferdinand Hi 11er, 1811 in Frankfurt a. M. geboren, 1885 in Köln gestorben, Verfasser von über 150 Musikopera aller Art und einer ganzen Anzahl Feuilletons und Büchern, die noch heute lesenswert sind, nicht inehr viel. Als Zeitgenosse und Freund Schumanns urnl Mendelssohns, dem das eben in Berlin zum ersten Male (95 Jahre nach der Uraufführung, die 1840 Alle Mitarbeiter der Aktion für die Szold ־ Siedlung die ihre Sammlung noch nicht abgerechnet haben, werden dringend ersucht, den Sammetblock unverzuglich an das Büro abzusenden und den gesammelten Betrag auf das Postscheckkonto Berlin 282 47 (Keren Kajemetti Lei Israel, E. V.) einzuzahlen. KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Sekretariat für Groß-Berlin in Leipzig staftfand) aufgeführte Werk gewidmet ist, gehörte Hiller zu den Hauptvertretcm der musikalischen Romantik in Deutschland. Vom jüdischen Standpunkte aus ist in der Musik dieses jüdischen Komponisten kaum etwas zu finden, was eine Aufführung in heutiger Zeit rechtfertigt; aber der Inhalt des Werkes, die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier, die Figur des Jeremias, die ganze Haltung in der Darstellung dieses Ereignisses der jüdischen Geschichte und, nicht zuletzt, der zum großen Teil noch hohe musikalische und künstlerische Wert des ganzen, vor allem die interessante Instrumentation, machen eine Wiedergabe immer zu einem künstlerischen Genuß. Es war daher ein Verdienst des Leiters der jüdischen Chor- und Orchestervereinigung, Leo Kopf, wenn er anläßlich der 50. Wiederkehr des Todestages Hillers dessen größtes Chorwerk zur Aufführung brachte. Er wählte dazu mit Recht die spätere Fassung, weil sie den Inhalt klarer werden läßt una im Aufbau grandioser wirkt. Durch einige geschickte Umstellungen und Striche, deren ruhig mehr hätten sein dürfen, erreiente Kopf noch eine eindringlichere Wirkung des ganzen. Denn der Textdichter St ein heim, dessen Autorschaft übrigens nie (wie Schoeps in ״J.R•“ Nr. 93 irrtümlich meint) ein Gcheimnis war, verliert sich, wie alle Dilettanten, gern ins Breite Der schwere chorische Teil des Abends war ausgezeichnet, das Orchester hielt sich gut, wenn auch im Zusammenklänge noch manches zu verbessern ist. Von den Solisten sang Paula Li n d b e r g tonschön, stil- und ausdrucksvoll wie stets, ebenso Julius Peissachowitsch, der seinem schönen Ton aber noch mehr Temperament und Wärme geben muß. Die Sopranistin Hildegard Lind hat eine schöne Stimme mit guter Höhe und gutem Piano, im forte ist der Ton unbeständig, ihr Vortrag ist auch noch zu unfrei. Der Tenor Hermann Nahm wird erst sehr gründliehe Studien machen müssen, bevor er sich solche Aufgaben stellt. Die Neue Synagoge war gilt besucht, der Jüdischen Winterhilfe, zu deren Gunsten die Aufführung stattfand, dürfte ein erheblicher Betrag zufließen. Dr. Oskar Guttmann Aus den Vortragssälen Die Symbolik in der jüdischen Kunst. Im Rahmen der Kulturbund vortrüge sprach Rahe! Wisch 11 itzer über den Symbolkreis der jüdischen Kunst, und sie verstand cs, über dieses große Gebiet, unterstützt von wertvollen Lichtbildprobcn, einen kur/gefaßten Ueberbliek zu geben. Sie ging aus von den Symbolen, unter denen die nichtjüdische Umwelt das Judentum im Sinnbild darstellte. Als eins der ältesten Symbole erscheint der Skorpion, den wir als Symbol der Dialektik auf einem französischen mittelalterlichen Wandbild sahen. Die Herkunft der bekannten allegorischen Darstellungen der Synagoge und Kirche wurde von Rahe) Wischnitzcr aus jüdischen, hellenistischen und mittelalterlichen Handschriften erklärt. Das Judentum selbst benutzt zum Schmuck seiner synagogalcn und häuslichen Kultgegenstände: Thoravorhänge, Wimpel, Chanukkalilcuchtcr, Goldgläser und bei den Darstellungen aus Haggaiicn und mittelalterlichen Handschriften ganz andere Symbole. Hauptsächlich sind cs Tiere, der auch dem heutigen Juden bekannte Löwe, die weniger bekannten Symboltiere II irsch und Einhorn und Fische. Weitere bekannte Symbole wurden die Darstellungen der Tlioralade, die Thorarollen, die Gebotstafeln, die Menorah, der siebennrmige Leuchter, der Brunnen als Symbol der Thora, der üelbaum, ebenfalls als Symbol der Lehre, Allegorien der göttlichen Größe und der göttlichen Hilfe, die einzelne Hand oder die Segens- 11 ä n d e der Priester oder die ITiigcl der Cherubim, die oft aut Tiergestalten zu sehen sind. Sehr interessant war die Erklärung des Symbols der dreifachen Krone: die Krone der Thora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die noch häufigere Deutung dazu lautet die Krone der guten Werke. Auch die Entstehung des Magen David wurde von Frau Wisehnit/er erklärt und am Schluß wies sie auch darauf hin, daß auf älteren Darstellungen öfter Fahnen zu sehen sind. Nie rührte damit an das Thema, ob Juden Fahnen besessen haben. Die Darstellungen der sein־ wertvoller! Lichtbilder stammten /. T. aus den ältesten Kunstepochen, u. a. assyrische, babylonische Dar- Stellungen, eine Reproduktion eines jüdisch-römischen Sarkophags aus dem Lateran in Rom, ein wie ein Holzschnitt wirkendes Siegdluld, ein spanisch-jüdischer Teppich aus dem 14. Jahrhundert mit Thorarollen, die in rächen! liegend auf bewahrt wurden, also noch ohne Krone! Außerdem Re- Produktionen von sehr schönen Darstellungen auf römischen Goldgläsern, die man als Vorläufer der Miniaturen zu hetrachten hat. Frau Visclinit/er zeigte auch sehr schöne Bilder aus alten Handschriften und mittelalterlichen Haggadcn, u. a. der gehetzte Hirsch im Gaiter aus der Darm- Städter Haff gada des 15. Jahrhunderts, das Blatt mit Att-Me’aüe Alt-Metalle kauft zu den höcfislpr Tagespreisen Willi ßoldschmidt, Alt-Moabit05-97 Altpapier Herbert Cohn Berlin NW40, Hcldestraße SO/» Sammei-Nf, 05 Haaia 6216 Asphaltierungen o Pflasterungen Robert Wellers U׳ iS. 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