Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 95 (26.11.1935)
- Date
- 1935-11-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 jüdische Rundschau Nf. 95, 26. XI.!935 Tel-Awiwer Einzelhandel wirbt Von I)r. J. Adler, Tcl-Awiw Um die depressiven Tendenzen zu überwinden, die sich augenblicklich auch in Form einer Konsinnzurucklia.tung gcltend machen, und um zugleich durch eine intensive Tozereth- Haare;!־ Propaganda die industriellen Bcscliäftigungsmöglichkeiteri zu erweitern, bereiten gegenwärtig zwei wichtige Wirtschaitskorpersehaften, der Verband des Tel-Awiwer Einzel* handeis (״Agudath Hssoclirim beTelawiw•‘) und das Komitee für Palästina-Fr/.eugnPse (״igml lemaan Tozcreth-Haarez“) zum ersten;Male eine kollektive W erbewoche der Tel- Awiwcr Geschäftswelt vor. Unter der Bezeichnung ״S che tv 11 a H a!י i 7 a r o 11“ (Woche der Konsolidierung) wird sie von! 21. bis 28. Dezember, also während der Chanukkah- Feiertage, stattfinden. Im Hinblick auf den volkswirtschaftlich wichtigen Zweck der Uiiisnt/steigeruiig, der Auftrags- und Arbeitsbc Schaffung ha Iren die Tageszeitungen, die illustrierten Wochenblätter und zahlreiche gemeinnützige Organisationen dem für Palästina neuartigen Unternehmen ihre Förderung zugesagt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung wird ein allgemeiner Schaufenster -Wettbewerb stellen. Durch die hesondere Form des Preisausschreibens ist dafür gesorgt, daß das Publikum al’e, auch die entlegensten S Irni'e ister, sehen muß. Die Schaufenster werden auf Grund einer Abstimmung des Publikums prämiiert werden. Außerdem wird eine große M o d e s c 11 a u der paläsfitiensischen Textil- und Bekleidungsindustrie, ein Reklameball, eine M o t 0 r r ,1 <J- S t e r ״ fahrt, eine Ausstellung für Ci e b r a 11 c h s g r a p h i k und Werbedrucksachen stattfiijJcn. Die Theater, die Kouzertageiituren, die Lichtspiel־ häliser haben Sondervera iistainuigcn angekündigt. Die Motiafsschriff des 1׳iii/rihaiidclsVerbundes wird in einer populäreii Sondera11-״ßa!n• in einer ftr Palästina bisher unbekannten Masscnau finge er> . hciiicn, tnu.1 ihre Käufer werden eine Fülle von Vergiiustigimgirn v..<!:rt ml der Werbewotiie genießen. Die Vorp.opagaiKia lut bereits umfassend eingesetzt, nicht nur in Tcl-Awiw, sondern auch in den anderen Städten des I arides und in den Kolonien. Die Autobus-Kooperativen werden billige Sonderfahrten aus allen Teilen Palästinas nach Tcl-Awiw durchfuhren. Die Baubewegung J .c r u s a 1 e tu, 22. November. < J T A.) In Jerusalem ist in diesem Jahre taue be-״<׳dcrs starke Bautätigkeit zu verzeichneu. Unter den g r tß (I e r e 11 Bauten, die demnächst in Angiii! genommen uerden, sind zu nennen die Universitäts- Klinik auf dem Skoptis-licrg (Baukosten 100 000 Pfund), das Gebäude des JudaKtisclicn Instituts (18 <);)() Pfumt), ein Gebände für die_ Zwek׳-.!e!U׳ der An:g!״-Pa!csti!!e-Ba״k (30000 Pfund), ein San:Ji1!;11.-׳ci :11 aut dein Skupus-Berg (10 000 Pfund), 1 iandwerkcrhaiiser in Talpiot und in der Siedlung des Hapoel I lamisrachi (13 (HM) Pfund). 1־ insch 1 icßlich zahlreicher Privatliäuser wurden in Jerusalem 275000 Pfund in Bauten investi. rt. An Regierun ׳;sgeliäuden werden errichtet ein Haus für den Stellvertreter’ des High Commissioner, ein Haus für den Vorsitzenden des Obersten Gcrichtshofs, ein Gebäude für die Poü/cischule; ferner wird das Hauptpostgebäude erweitert, Kasernen, ein Krankenhaus für Geisteskranke usw. errichtet. Bis lahresende werden in Haifa •100 Hauser in Kirjat Chajim gebaut. Investitionen in der Industrie Jerusalem, 22. November. (JTA.) Bis zum linde des Jahres wird in einer Reihe neuer größerer Industriebezirke ein Kapital von einer halben Million Pfund investiert werden. Berücksichtigt man die von Anfang des Jahres an in vielen (iroßuiiteniehinungen (״Nesher“, Electric Corporation usw.) sowie in der Mittel- und Klcinindustrie investierten Kapitalien, so gelangt man zu einer Summe von etwa zwei Millionen Pfund, die im Laufe dieses Jahres in der Industrie neu angelegt wurde. Von den neugegründeten größeren Unternehmungen sind zu erwähnen eine Zenientfabrik mit einem Kapital von 23t)OOU Pfund, die Bierbrauerei in kischon 10 Zion (30 ()!Kl Pfund), eine Silikat- Ziegeln hrik in Nnrhal.tt Jeluida (iß 000 Df und), eine Reisnuilile in Haifa (33 0()() Pfund), die Glashütte Phünicia (30 (HK) Pfund) und eine Papierfabrik. Der ״Arbeitslosen-Fonds“ Jerusalem. (Paieor.) Im Anschluß an die Aktion für den ״Arbcitslosen-Fonds״) ״Keren Chosscr Awoda“), der gegenwärtig seitens der Hmtadruth in Haifa durchgt führt wird, vi. n",iiu1tl1e)1t One Leitung des i omis die Nachricht, daß der Pauls seit seinem Be-tdieii, in der Zeit von Januar 1033 bis ()ktaber!,H3, den Betrag von 3! 000 Pfund erreicht hat. 1.H) '׳(, dieses Betrages sind von den Arbeitern aufgebracht worden, die an den i onds einen regulären Mitgliedsbeitrag /;dileii. Man macht jetzt Anstrengungen in der Riehtung, daß auch die A r beit g e b e r durch einen Beitrag Sich an diesem Fonds beteiligen. Jugendliche Verbrecher ln der ״II a t v k u f a“ schreibt Dr. M. Berachjahu «inen sehr instruktiven Artikel zur f rage der Bekämpfung des jugendlichen Verbrechertums. Die Zahl der jugendlichen Verbrecher unter den Juden in Palästina hat in den letzten Jahren zugenommcii. Line statistische Tabelle zeigt in Jerusa- Dm im Jahre 10 il 73 jüdische jugendliche Verbrecher, in Tcl-Awiw 71. Die größte Zahl stellen dabei die aus dem Orient stammenden Gemeinden: Jemeniten (in Jerusalem 22 <0/׳), Mogrehincr (20,5 ״ ■׳), Kurden (H) «3), Babylonische Einwanderer (8 «;«), Grusiner (8 *>■»), persische Juden (8 ״/»). Barachjahu fand im Lande einzelne Orte, wo die psychische Debilität besonders groß ist, so die grusinische 'Kolonie bei Benjniuina, die jemenitische Kolonie bei Jabncel (״die Armut dieser Siedlung, das Wohnungselend, das einen Herd für Tuberkulose abgibt, sind eine Schande für den lisch uw“), Newc Schanaan hei Tel-Awiw und die alte Stadt in Jerusalein. Berachjahu schätzt die Zatii der schwachsinnigen Kinder unter den Juden Palästinas auf 16'JO. Er verlangt die Erriclttung eines Heims für schwachsinnige Kinder, das 150 Kinder aufiiehmen mußte. Ferner schlägt er vor: Hilfsschulen für schwachsinnige Kinder mit Werkunterricht, bcsonder«' Kduilkiaescn für zurückgebliebene Kinder, Errichtung eines Kinderdorfs nach dein Beispiel von Sehfeja oder Benscheinen unter Leitung eines erfahrenen Heilpädagogen, Einrichtung von Beobachtimgsstatioiien und Beratungsstationen, Tagesheime für Kinder, Abhaltung von Kursen für Heil- Pädagogik, besonders auch in den Lehrerseminaren. Die Regierung hat ein Institut für jugendliche V e rb rech er in Tulkerem errichtet, das aber ganz unter arabischer Verwaltung steht und den Anforderungen, die an ein solches Institut zu stellen sind, nicht entspricht. Berachjahu verlangt die Errichtung eines besonderen jüdischen Instituts. ״Jüdischer Humanismus“ Kulturarbeit unter den Einwanderern aus Deutschland Von Dr. Gurt Wormann, Tel-Awiw. Die Wintersaison hat begonnen, Plakate und Inserate werben für den Besuch von Theater, Konzerten, Vorträgen, Kino und Kabarett, von großen Volksversammlungen wie Vereinssitzungen. Der Wert dieser Veranstaltungen ist sehr verschieden, bloße Geschäftigkeit verbirgt sich oft hinter großen Worten und Gesten, marktschreierisches Pathos soll die Unzulänglichkeit der Leistung oft verdecken, ein an und für sich sympathischer Dilettantismus ist sich seiner Grenzen vielfach nicht bewußt. Es wäre falsch und ungerecht, nur das Negative in diesen Massendarbietungen zu sehen, wie das besonders Tel-Awiw gegenüber schon Mode geworden ist, man muß vielmehr den historischen, soziologischen, geistigen Ursachen der Mängel und Irrwege auf künstlerischem und kulturellem Gebiet nachgehen und von einer klaren Ziel- Setzung aus allmählich für Abhilfe und Umwandlung sorgen. Aus dem Kreis der neuen Alijah aus Deutschland sind aut einem wichtigen Gebiet kultureller Arbeit in den letzten Wochen zwei Ereignisse zu verzeichnen, die die Möglichkeit einer wirklich aufbauenden Betätigung beweisen. Es sind Ereignisse, die sich scheinbar am Rande des palästinensischen Lebens abspielen und keinen Ausdruck Sn großen Zahlen und Reden finden, die aber eine intensive wirksamkeit entfalten. Es sind dies die Eröffnung des zweiten Lehrjahrs des hebräischen Seminars der Hitachduth Olej Germania in Tel-Awiw und das Erscheinen der Broschüre in hebräischer Sprache ״Zur Frage der Kulturarbeit“, die, ebenfalls von der H.O.G. herausgegeben, die Referate und Diskussionen der ersten hebräischen Tagung der Einwanderer aus Deutschland im März 1935 enthält. ln der ״J. R.“ wird (in der Rubrik ״Bildung und Er- Ziehung“) informierend und kritisch über die Bildungsarbeit für Erwachsene und Jugendliche berichtet werden, es seien nur hervorgehoben: die vielen Sprachkurse, die Universitätskurse in Tel-Awiw, das Arbeiterseminar in Jerusalem, die sonstigen Veranstaltungen der Arbeiterorganisation, das Institut für Palästinakunde und das fiir semitische Wissenschäften, die Volkshochschule in Haifa, die Vorträge der Wizo, des Ichud, des K. J. V., der H.O.G. u. a. In diesen Rahmen gehört das Seminar der H.O.G., das bisher nur in Tel-Awiw und jetzt auch in Jerusalem organisiert ist, im Winter auch in Pctach-Tikvah eine Zweigstelle erhalten wird. In der ״J. R,“ (Nr. 86 S. 6) wurde das Programm des 2. Lehrjahres veröffentlicht, dort findet sieh auch ein Hinweis auf das Ziel des Seminars und den Teilnehmerkreis. Die Entwicklung des Seminars, das seine erste Zelle in drei hebräischen Kursen im vorigen Winter hatte, zeigt sich nicht nur in der ständig wachsenden Hörerz,1111־, sondern auch in der Vermehrung der Kurse. Für diesen Winter sind 15 Kurse gegenüber fünf im vorigen Semester vorgesehen. Ein sehr zweckmäßig angeordnetes, erläuterndes Programmheft ist ein weiteres Zeichen des Aufstiegs. Schon der starke Bcsuch der Eröffnungsveranstaltung am 3. November bewies das rege Interesse. Ohgleich jeder feierliche Rahmen oder äußere Aufmachung fehlten, fanden sich weit über hundert Menschen ein. Die Eröffnung war eine bewußt schlichte Einleitung fiir die Arbeit und entsprach voll ihrem Geist. Der Leiferdes Seminars, Jaakow Sandbank, umriß kurz Voraussetzung und Ziele des Seminars und unterstrich die Verbundenheit zum Jischuw. Dr. Ernst Lewy überbrachte die Wünsche des Merkas der H.O.G. für das Seminar, dessen Bedeutung er verständnisvoll hervorhob. Nahum L e w i n erläuterte die Arbeitsmethode, die die Hörer zu aktiver Betütigung führen will und gab den Plan der Leitung bekannt, einzelnen Kursen kleine Gruppen von ca. 15 Teilnehmern zu einer besonders intensiven Arbeit anzuschließcn, eine sehr begrüßenswerte Absicht. Nach diesen kurzen Ansprachen begann Sandbank den einleitenden Vortrag zu seinem Kurs über neuere jüdische Geschichte. Er gab einen weitgespannten Uebcrblick über den Zeitraum von der Vertreihung aus Spanien bis zur Emanzipation, der in diesem Semester behandelt wird. Er hob anschaulich hervor, wie das Erlebnis der Geschichte unerläßlich für das Verständnis der Gegenwart und für jede Vorbereitung der Zukunft Ist, wie es die Grundlage für Umschau und verpflichtende Vorschau darstellt. Von dieser Einstellung ist das ganze Seminar beherrscht, von ihr aus wurde sein Plan gestaltet: Land und Volk Palästinas in Vergangenheit und Gegenwart in seinem Werden und seinen verschiedenen Ausdrucksformen zu erkennen, erworbenes Wissen und neue Einsicht für die Lebensgestaltung nutzbar zu machen. So wurde das Seminar nach der künstlerischen Seite hin erweitert, wie nach der Ökonomisch-soziologischen Seite. Es erscheint besonders wichtig, daß sowohl die arabische Bewegung, wie die eng- 1 i s c h e Kolonialpolitik in den Kreis der Betrachhingen eingezogen wurden, weil, bei aller notwendigen Kon- Zentrierung, gerade für die Erziehung und Bildung in Palästjna die Einengung des Horizonts eine große akute Gefahr ist. ln der ersten Woche wurden zehn Kurse eröffnet, fünf weitere beginnen im Dezember. Fast alle haben eine sehr hohe Teilnehmerzahl gefunden, im Durchschnitt 60 Hörer. Die früheren Besucher sind beinahe vollständig wiedergekehrt; vertreten sind im Seminar alle Altersschichten, neben Einwanderern der letzten Alijah finden sich Juden aus Deutschland, die schon lange hier leben, aber auch zahlreiche Angehörige aus andern Herkunftsländern. Die Dozentenschaft zeigt eine ähnliche Zusammensetzung. Die meisten Hörer haben mehrere Kurse belegt, weil sie selbst die Notwendigkeit einer umfassenden Weiterbildung empfinden. Der größte Teil kommt nach anstrengender Berufsarbeit in die Vorlesung. Es ist zu hoffen, daß das Seminar, das naturgemäß nur geringe Hörergebühren erheben kann, finanzielle Unterstützung findet, daß eine innere Stabilisierung durch enge Verbundenheit von Dozenten und Hörern erreicht wird, und daß die Hörer selbst — ohne Vereinsmeierei — zu einer wirklichen Volkshochschul' gemeinschaft sich zusammenschließen. * Ueber den ״Kinus“, die erste hebräische Tagung der Einwanderer aus Deutschland, ist in der ״J. R.“ (Nr. 30 S. 6) berichtet worden. Nunmehr gibt die oben erwähnte Broschüre ein zusammenfasseiides Bild. In sämtlichen Reden wird hervorgehoben, daß keineswegs eine ״jüdisch-deutsche“ Kultur angestrebt wird, sondern daß alle Teilarbeit der Einwanderer aus Deutschland dem Ganzen dienen, in das Ganze münden soll. Wenn aus dem Kreis dieser Alijah, gestützt von Menschen, die schon lange in Palästina leben, aber dem deutschen Kulturkreis angehört haben oder ihm durch langjährigen Aufenthalt in Deutschland verbunden sind, eine solche Kulturtagung und ihr praktisches Ergebnis, das hebräische Seminar, geschaffen werden, im Licht und in der Kritik der Oeffentlichkeit, so ist es notwendig, die Gründe dafür zu erkennen. Selbstverständliche Voraussetzung für alle kulturelle Beteiligung ist das Erlernen der hebräischen Sprache. Die kulturelle Problematik ist aber dadurch keineswegs gelöst, denn die Menschen, die mit großer Intensität hebräisch gelernt haben, wollen nun mit Hilfe der alt-neuen Sprache ihr kulturelles Verlangen bcfriedigen, finden jedoch keine entsprechende Atmosphäre. Sie müssen erkennen, daß der Jischuw kulturellen Aufgaben nicht immer die notwendige Aufmerksamkeit widmet, daß keine öffentlichen Institutionen, auch die jüdischen nicht, Träger der Bildungsarbeit, soweit sie über die Schule hinausgeht, sind. Diese Menschen, die in Deutschland zum großen Teil sehr aktiv am geistigen Leben teilgenommen haben, beginnen min in kleinen Kreisen, in Zellen neue kulturelle Wirksamkeit mit jüdischem Inhalt. Die kulturelle Autoemanzipat i o n ist in diesem Sinne vielfach schwieriger als die politische. Das in der Broschüre veröffentlichte große Referat von Jaakow Sandbank könnte auch in der jüdischen Bildungsarbeit In Deutschland starken Widerhall finden, weil es vielfach dem Ideenkreis Bubers wie der allgemeinen Haltung der deutschen und skandinavischen Volksbildung verwandt ist und doch zugleich aus jahrelanger enger Vertrautheit mit dem palästinensischen geistigen Leben eigene Wege geht. Sandbank zeigt die Begrenztheit aller bloßen Wissensvermittlung, die Verwaschenheit des alten Begriffes ״Bildung“ auf, er legt die besonderen Schwierigkeiten in Palästina durch die Verschiedenheit der einzelnen Teile des Jischuw und durch das Eindringen mannigfacher Strömungep * m eine noch nicht gefestigte Gemeinschaft dar. Kultur kann nur in Verbundenheit mit der Vergangenheit immer wieder sich erneuern. Nur aus der Erkenntnis unserer Begrenzung und Bindung, — Sandbank vermeidet mit Recht das Wort ״Religion“, weil es in diesem Zusammenhang mißverstandlieh sein kann —, können wir aus Eigenem Kultur erneuern und sie für das Individuum wie für die Gemeinschaft lebensformend machen. — Leider fehlte in dem begrenzten Rahmen des Referats die Möglichkeit, den Gehalt der Vergangenheit, die Werte der Tradition, den produktiven Ko 11s erv a t i s m u s, der sich mit einer sozialistisch fundierten Gemeinschaft durchaus einen kann, eingehender darzustellen. Auch der neue Strom, der der Kultur aus dem Erleben der Gegenwart, aus neuen Schöpfungen und besonderen üeschchnissen zufließt, ist vielleicht gegenüber der Verpflichtung der Tradition zu wenig hervorgehoben. Sandbank fordert einen neuen Humanismus, der der jüdischen Welthaltung gemäß ist und unsern Beitrag zur geistigen Weltdiskussion darstellt. Ein Teil der Diskussion war der Sprachenfrage zugewandt. Hier hatte das zweite Hauptreferat, das von Nahum Lewi n, eine gute Grundlage gegeben, da es eine anschauliche Uebersicht über die zweijährige Arbeit der H.O.G. auf diesem Gebiete vermittelte und darum auch über die Tagung hinaus von bleibendem Interesse ist. In diesem Aufsatz konnte nicht das kulturpolitisch ungemein wichtige Problem der geistigen Situation der Ein- Wanderer, die noch nicht genügend das Hebräische beherrsehen, behandelt werden. Außerordentlich groß und schwer sind die Aufgaben der Kulturarbeit in Palästina. Die hier besprochenen Versuche sind ein kleiner, aber ermutigender Beitrag. (Wie die II. O. G. mitteilt, kann die oben erwähnte hebräische Broschüre von Organisationen zum Preise von 2 Piastern [ca. 24 Pf.[, bei Einzelbestellungen für 3 Piaster zuzügl. Porto bezogen werden. — Red.) Von der Woche Nach Beseitigung gewisser juridischer Schwierigkeiten hat der Waad Lcumi die Arbeiten zur Anlage eines Kat a sters der jüdischen Bevölkerung 1J a I ä s t i n a s in Angriff genommen. Sobald der Kataster fertiggestellt sein wird, können die Wahlen zur Asselat Haniwcharim, der Jüdischen Nationalversammlung Palästinas, ausgeschrieben werden. Die arabische Zeitung ״El Dschamea el Islamia“ hat eine Zuschrift des High Commissioners veröffentlicht, in der erklärt wird, daß die Uebergabe der Ländereien von Kuskus T a b 0 u n an die jüdischen Eigentümer zur Zeit nicht er* folge. Auf Anfrage hat die Regierung diese Nachricht be* stätigt und erklärt, der High Commissioner habe auf die Gesellschaft Meschek dahin eingewirkt, daß sie nicht auf die Uebergabe dränge. Die Kolonie Sichren Jakob, um deren Entwicklung sich der verstorbene Baron Rothschild besondere Verdienste erworben hat, telegraphierte an die Familie Rothschild nach Paris, sie möge die Beisetzung der Gebeine des Barons und seiner Frau In Sichron Jakob genehmigen. Bei der Trauerfeier, die von Vertretern aller jüdischen In* stitutionen und vieler Kolonien beschickt war, sprach im Namen der Jewish Agency Rabbi Fischntann. Anläßlich der Ankunft des Sowjet-Dampfers ״Grusia“ in Palästina, der einen regelmäßigen Dienst vom Schwarzen Meer nach Palästina einleiten soll, wendet sich die jüdische Presse Palästinas dagegen, dafl ein regelmäßiger Verkehr und Handel mit Sowjetrußland geduldet wird, solange die dortigen Auswanderungsbeschränkungen und die Verfolgung der Zionisten andauern. Zum Sekretär des Arbeitsdepartments der Exekutive der Jewish Agency wurde Herr Meyerowitsch ernannt, der auch das Referat fiir See-Angelegenheiten innehaben wird. ln Tel-Awiw fand die Feier der Grundsteinlegung für einen neuen Block von Arbeiterwohnungen statt, der seitens der Hisiadruth im Norden von Tel-Awiw unter dem Namen ״Arbeiterheimstätten“ errichtet wird. Der Block umfaßt 78 Wohnungen. An der Feier nahmen Vertreter einer Reihe von Institutionen teil. (Palcor.) In Reha via (Jerusalemer Wohnviertel) soll demnächst ein Postamt eröffnet werden. Unter dem Namen Palestine Plate Glass & Paint Works (Shepherd, Tobias & Co.) Ltd., Haifa, und mit einem Kapital von £P 15 000 ist eine Gesellschaft für Be- und Verarbeitung und den Vertrieb von Spiegelglas und Spiegeln aller Art in Palästina und dem Vorderen Orient in Gründung. In einer besonderen Abteilung wird sich die Gesellschaft auch mit der Fabrikation bestimmter Farben beschäftigen. Die Gründer der Gesellschaft sind die Londoner Glaswerke, Shepherd Tobias & Co. Ltd., und der palästinensische Glashändler S. Bein, Haifa. Das unter der Leitung von Leonhard Weißbrem bekannt gewordene Hotel Gat-Rimmon errichtet an der See- Promenade von Tel-Awiw einen Hotel-Neubau, der allen Anforderungen an modernem Komfort entspricht. (Schluß des Palästina-Teils)