Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 95 (26.11.1935)
- Date
- 1935-11-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 95 26. XI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Ahasver und Bajazzo Wiedersehen mit ״Prominenten“ Vor! PRQSPERÖ. Damals, als sic abtraten von der vordersten Rampe der deutschen Bühne, war ihr Abschied auch der Beginn unseres Abschiednehm ons von einer Welt, deren Faszinationen immer und überall die jüdischen Menschen, als Gestalter und als Betrachter, in ihren Zauberkreis gelockt haben. Nun wurden die geliebten Scheinwerfer unter zwingendem Hebeldruck in eine andere Richtung dirigiert. In der Beleuchtungszentrale, jin Rücken des Publikums hoch über den Rängen, wurde umgesclialtet. Die Juden auf der Szene standen plötzlich im Schatten. Die Juden im Parkett, sich bereits im großen esellschaftliclien Organismus und seinem breiteren Lichtegel an den Rand gedrängt sehend, spürten über ihren Köpfen die Strahlen eingezogen; sie verließen nach und nach den gewohnten Ort der Spiele und der Feste. Nun erst, als die oben merkten, wie die tausendfältige Resonanz ihrer Popularität im weiten Raum verstummte, mögen sie eine Art Verbundenheit gefühlt haben mit den Juden unten, um die sich, nach demselben Gesetz, allmählich Dunkelheit und Stille breitelen. Man erkannte wohl auf beiden Seifen des Proszeniums die Gemeinsamkeit des Erlebnisses: daß da eine Trennung war, hinter der gleichermaßen von der Bühne und vom Parkett aus ein Weg begann ins Unbekannte; daß man Abschied nehmen mußte, ohiie sich mit Ueberzeugung zurufen zu können: Auf Wiedersehen! Im Bereich des Theafers waren stets die Sentiments beträchtlich engagiert. Jetzt wurden sie von den besonderen Umständen so sehr gelockert, daß mancher Schauspieler — gewiß auch verführt von der täuschenden Optik des Theaterreichs — in ״seinem“ Publikum ein« jüdische Dominante entdeckte, deren Fehlen ihm unerträglich schien und die ihm das Ende seiner Karriere, also — denn die Zaubereien der Kulissensphäre haben im Komischen wie im Tragischen ihre eigene Logik! — ״das Ende des Theaters“ bedeutete. Langsam sank der eiserne Vorhang. Für die Juden im Publikum wars das Ende eines Zeitalters. Das Spiel war aus. Die Lichter sind ausgelöscht. .... Aber eines Tages setzt man sich in den D-Zug und fährt hinaus in die Umwelt. Man ist bepackt mit der ganzen Problematik unseres heutigen Daseins; in einer Ecke aber dieses schweren Gepäcks hat die Erinnerung an das ehemalige Theater ihren Platz. Man möchte*wissen, in welchen neuen Lebens raum der Weg dieses und jenes Protagonisten mündete. Denn für uns sind alle Auswirkungen der Einen schicksalhaften Ursache ein einziger aktueller Komplex, Sind wir dann in einer Theatermctropole des Auslands angekommen, so wird unser Interesse alsbald einigermaßen befriedigt. In einer Theaternotiz, auf der Inseratenseite einer der großen Zeitungen lesen wir zwischen neuen die alten Namen; wir sehen die Bilder bekannter Schauspieler, Musiker, Regisseure in Filmzeifschriften und in Magazinen; auf Litfaß- Säulen, an den Reklamewänden der Boulevards sind dick aufgepinselte Farben und üppig verbrauchte Druckerschwärze die blicklenkenden Wegweiser zu manchem Theaterereignis mit einem unserer Bekannten im Mittelpunkt; an Häuserfronten, über Theater- und Kiuocingängen künden vornehme Neonröhren und verschwenderisch arrangierte Glühlampen vom Wirken der damaligen Prominenten, die man draußen, je nach der Gegend, mit den Prädikaten ,,Star“ und ״Vedette“ atis/cichncte. Schließlich wird man ihrer auch persönlieh habhaft: in einem Hotel des Wiener Rings oder der Champs-Elysees, in einem Londoner Filmatelier oder anderwärfs aut einer Theaterprobe. Und sofort stellen wir mit einiger Ueberrasehtmg fest, daß wir, unsere Probleme und unsere Reminiszenzen im Gepäck, mit falschen Prämissen gekommen sind: Wir erkennen nämlich, daß diese Stars und Vedetten durchaus nicht — wie etwa wir — in neuen Verhältnissen und unter veränderten Bedingungen leben; wir sehen, daß das Erlebnis, das auch für sie eine eiein c n t a r c Wende zu sein schien, in Wirklichkeit mir eine rasch abgerollte Episode und ohne Einfluß auf die Ertolgskurvc ihrer Laufbahn war! Man überzeugt sich schnell davon, daß Persönlichkeiten ihrer Gattung Seltenheitswerte repräsentieren, deren Terrain, weit über einen national oder sprachlich bedingten Bezirk hinaus, die Kulturzone Aus dem Hebräischen von J)r. Max Mayer, Jerusalem 25. Fortaetcaas Nichtlrnck verboten ״Audi ihr werdet vergessen, daß es ein Oedland gibt“ — sprach er weiter und rückte an der Mauer einen Stein an seinen reellleri Platz. Uri und Ruth sagten ihm Lebewohl und gingen naciidenklieh ihres Weges. ״Wir müssen uns sputen,“ — sagte Ruth, ״denn am Abend ist Abner schwer zu finden.“ ״Auch ich habe Eile, denn sonst werde ich die Leute vom ,Hügel der Ruhe‘ niebl mehr antreffen“ — antwortete Uri. Sie beschleunigten ihre Schritte. Als sie ins Gebiet von Tiiura und seine Wasscranlagcn kamen, erkannten sie sogleich die Burschen des ״Stabs״ an ihren roten Halstüchern. Rutil winkte von ferm: mit der Hand und eilte vor Uri 11er. ״Abner!“ — rief sie mit leuchtenden Augen und mit vom langen Weg erhitzten Wangen. Auch Uri kam heran und sagte lächelnd: ״Hier, ALrmr, bringe ich dir Ruth und übergebe sie dir wohlbehalten und gesund.“ ״Bleib hei uns, Uri, ruh dich aus und iß!“ Aber Uri scliiilleite ablehnend den Kopf. Abner und Ruth reichten ihm die Hände: ״Viel Glück, Uri, zum ,Hügel der RuheT* Uri sagte noch lächelnd au Ruth: ״Erzähl Abner, was der alte Fellache gesagt hat...* Damit ging er. Abner war über das frohe und zuversichtliche Gesicht Ruths sehr erfreut. Er führte sie an einen stillen Platz, dort ließ er sie sich setzen und streichelte ihr das Haar. ״Wie bist du hierher gekommen, Ruth?“ aller Erdteile sind. An solchen Werten mit internationaler Spannkraft ist offenbar die Welt seit den Meiningern, seit Caruso, seit dem Russischen Ballett nicht reicher geworden. Noch immer ist die Nachfrage, auch die Aufnahrncbereitschaff, selbst in unserer Zeit einer fast universell sich etablierenden Autarkie so überaus groß, daß die internationale Wirkensmöglichkeit erstrangiger Darsteller, Sänger, Dirigenten, Tänzer, Maler, Regisseure, Musiker gleich welcher Herkunft für diese kein Problem ist. Der Einzelne mag gefühlsmäßig mit seiner engeren Gemeinschaft mehr oder weniger verbunden sein. Grundsätzlich jedoch leben und wirken sie in der Gesetzmäßigkeit der Artisten. Ihre Physiognomie zwar entstammt nachweisbar einer bestimmten Landschaft, die sie formte; ihr expansiver Trieb hingegen sprengt meist jede regionale und soziale Bindung; noch auf einer vollständig nationalistisch organisierten Erde wären sie ״Weltbiirger“ kraft ihrer international interessierenden Leistung. Der bürgerliche Mensch strebt, auch wenn sein Weg sich ändert, stets zu einem Ziel; daß vielen Juden in Deutschlatid das früher klar erkennbare Ziel entrückt ist, bedeutet für sie oft den Verlust ihres Lebensinhalts. Der Theatermetisch — der Artist — indes kennt nur Stationen; wo er Erfolg hat, dort ist er ein Angelangter, um freilich gleich darauf zu neuen Erfolgen, zu neuen Stationen vorzustoßen; hat er dennoch ein Ziel, so liegts im Irrationalen: auf dem Tanzenden Stern. Noch immer rollt der Grüne Wagen über die Erde, und es ändert sein Wesen nicht, daß er heutzutage modisch geformt und maschinell angetrieben ist: ein Schlafwagenabteil, eine Schiffskabine, ein Kompressor oder ein Flugzeug. Das erste Gespräch mit diesen Menschen draußen gibt uns die Erkenntnis, daß sie Wanderer sind nicht aus Zwang, sondern aus Neigung. Besinnen wir uns nur recht, so wanderten sie nicht erst seit jenem Tag, da der Eiserne Vorhang fiel. Wir dürfen darum nicht erstaunt sein, weil dort, wo man vielleicht einen Trauerflor vermutete, nach wie vor die bunten Bänder flattern. Man mochte glauben, einen Ahasver anzutreffen. Man fand jedoch den alten B a j a z z o (dessen Schicksal allerdings, sofern er nicht in der ״Spitzengruppe“ wandert, oft genug ein Teil der Tragödie ist). Immerhin gabs in einer Pariser Winternacht eine Veranstaltung, deren durchaus komödiantischer Stil merkwürdig, im Widerspruch zum unproblematischen Anlaß und überaus einprägsam, das ungeschminkte Profil des ewigen Fremdlings zeigte Das war, als im pompösen Theätre Pigalie Max Reinhardt zur Hauptprobe der ״Chativesouris“, der französischen Fassung seiner Berliner .,! I e - d er m a u s“ -1 n szen i er u n g, auch vielen anderen Emigrierten den Bühneneingang hatte öffnen lassen, und als man dann in den eleganten Logen einen Teil jenes Publiiuims gewahrte, das von dem Bild der ehemaligen Reinhardt-Premieren im Gedächtnis geblichen ist. Nun waren sie heimatlos, diese Männer und Frauen eines noch kürzlich sieh konsolidiert wähnenden Bürgertums; fremd waren hier auch, zwischen Juristen, Aerzten, Kaufleuten, Studenten die bekannteren Köpf«, die Leute vom Bau, Schauspieler, Theaterdirektoren, Architekten, Autoren, Journalisten, Kritiker, die trüber in Berlin oder in der deutschen Provinz gewirkt haben. Erschien Reinhardt am Regiepult in der fünften Parkettreihe, so fehlte bei diesem oft geschauten Auftritt auch nicht Reinhardts ״Stab“: der technische Direktor, der Beleuchtungs-Chef, Maler, Administratoren, Musiker, die Direktrice des Kostümateliers, die Sekretärin, der Dramaturg, diesmal obendrein zwei Dolmetscher, die unbeamteten Berater — es schien alles genau wie damals. Nach der Ouvertüre und nachdem die Bühne sich lustig geöffnet hatte, demonstrierte sich eine Wiederholung des Berliner Originals: diese eigenwillig zur Revue umgeformte Komödie, die jedoch in Paris noch viel mehr als ehedem von ihrer ursprünglichen Struktur entfernt worden war und die sich jetzt in der Tat als die ״Operette ä grand spectacle“ präsentierte, die in hundort ״echos“, zwischen Arc-dc-Triomphe und Bastille auf zehntausend Plakaten versprochen wurde. * Reinhardt, von jeher gewohnt, ״Prospekte nicht und nicht Maschinen“ zu schonen, war von den großartigen technischen Möglichkeiten dieses kostbaren Theaters dazu verleitet worden, mit vollem Einsatz sämtlicher Dreh-, Schiebe-, Versenkbühnen ״Heute morgen habe ich das Lager verlassen und hin einfaeh gekommen“ —• anlwortetc Ruth lustig und fügte flüsternd 11 in zu: ״Wenn du wüßtest, Almer!“ Abner wußte alles. Er umarntte sie und freute sieh, daß sie so guler Dingo war. ״Du bist wirklich tapfer, Ruth!“ ״Von nun an müssen wir uns ein richtiges Heini suchen, Almer. Wir können nicht, all unsere Tage im Wanderzelt verbringen. Wir br;»urhen jetzt eiisrn bestimmten Lelicnsplan. Auch wird die Arbeit mir schon schwer.“ ״Sorg dich nirlil, Ruth, es wird sieh für uns schon ein ruhiger Winkel finden,“ ״Und auch du» Abner, mußt jetzt mehr bei mir sein, du weißt nirlil“ — flüsterte Ruth ihm heftig und erregt zu, und sah mit Sorge, daß Abners Gesicht sich mnwölkte — ״von nun an müssen wir unsern Weg sicher vor uns sehen.“ ״Mas kann man in diesem Oedland sicher vor sich sehen?“ — Abner deulete auf dir Abemlnelxd, die sich über das Oedland breiteten'— ..seihst innerhalb der Ihrtonmaucrn gibt es nichts Sicheres. Vielleicht gibt es Leute, di«: sich einbilden, daß sie und ihr Haus, sie und ihr Gewinn sicher seien, aber sic sehen nicht mehr als ihre Nasenspitze. Ein« Kampffront, ist es, Ruth, und was heute sicher erscheint, ist morgen ungewiß und umgekehrt.“ Ruth wollte ihm nicht widersprechen. Sie liebte seine mutigen Augen. ״Komm, lliilli, wir wollen uns ein Zimmer suchen. Du, die frühere ,Tochter des Lagers‘, wirst, auch eine tüchtige ,Frau der Front‘ werden“ — — Abner stützte sie beim Aufstehen und beide gingen nach Teura. Auf dem Wege sagte Abner: ״Wenn du um dich blickst, sichst du. daß es liier nichts gibt, das sicheren Bestand hätte. Auch nicht die Stein- und Betonbauten. Hier rechts steht ein großes, finsteres Gebäude, das ein reicher Kapitalist, namens Basrhan, errichtet hat. Man hat die Fabrik mit den modernsten Maschinen ausgestattet, und doch liegt der Ran jetzt öde und fest verschlossen. Iin Augen- Mick braucht man diesen Bau weniger als irgendeine Lenm- Mitte hoch oben auf dem Berg. Das Zelt im Oedland ist ihm überlegen. Denn wenn der starke Wind das Zelt ciiiwirft, so geben seine Besitzer hinaus und richten es mit dem Hammer in der Hand von neuem auf. Wenn ein Zeltvorhang zerreißt, nähen die Frauen einen neuen aus Ziegenhaaren, Die Leute und in generöser Entfaltung aller übrigen Hexerei die nach klassischem Muster formjjerecht gezimmerten drei Akte des Johann Strauß in eine phantastische Gaukelei aus Licht, Farbe, Grazie, Witz und doppelten Böden umzubauen. An* gesichts dieses fabelhaften Monstrums konnte sich mancher Kenner des Pariser Geschmacks fragen, ob da die Franzosen mit dem nämlichen Enthusiasmus niitgehen würden wie zuvor mit der anderen, orthodox inszenierten ״FledcT* maus“, die Bruno Walter — vor seinem sensationellen Erfolg mit dem ״Don Giovanni“ in der Opera — dirigiert hatte. Die Adele war in beiden Aufführungen Lotte Schöne (neben Lotte Leonard und Lotte Lehmann eine der drüben längst populären ״trois Lottes‘׳)• Die Reinhardt- Inszenierung leiteten wie in Berlin musikalisch Erich Körrig old, choreographisch Grete \V i e s e n t h a 1. Man sah und hörte ein Ensemble von Pariser^ Vedetten; auifallend der große Komiker Dorville als Frosch; wunderschöne Frauen, brillante Tänzer — ein fulminantes Schauspiel. Die fünf Stunden dieser nächtlichen I lauptprobe waren himmelblau gefärbt; die Minuten hüpften unbedenklich dahin mit dieser übermütigen Symphonie in Dur. Und dennoch war die Atmosphäre im Haus dunkelrot und schwer. Man brauchte nicht erst die Ohren zu spitzen um zu merken, daß über den Walzern eine drückende Decke lag — eine Elegie in Moll. Das ״grand spectacle", das sich vor uns produzierte, war deutlich iibersehnitten von einer Welle aus Wehmut, Besinnlichkeit und wohl auch aus Heimweh. Das kam aus den Logen, überflutete die Sperrsitze, die Ränge, schliefilich das Orchester; und beobachtete man genau dieses spontane Eindringen einer wohlbekannten Vergangenheit in diese klingende, glitzernde Gegenwart, so konnte der Vorgang gespenstisch scheinen: wie der Grüne Wagen vorwärts galoppierte, hoffnungslos verfolgt von den Menschen und «len Idealen eines verloschenen Planeten. Der Weg des Bajazzo und der W e g Ahasvers hatten sich in dieser W i n t c r n a c 111 gekreuzt. * War man nunmehr auf dieser Station bereits über das Wesen des ausgewaiiderten Theaters und unversehens auch üliei seine Beziehung zum jüdischen Teil seines früheren Publikums einigermaßen ins Bild gesetzt, so konnte man auf der weiteren Reise seine vielfältigen Manifestationen objektiver registrieren. In Los Angeles setzte Reinhardt erfplgrcich die anscheinend noch immer nicht abgeschlossene Serie seiner Soinmernaclitstraum-Ins/enieruiigen fort; hier wie in Hollywood, wo kurz darauf Reinhardt auch den Film — ״Midsuininer-N'ights-Drca 111“ -- drehte, leitete die Musik, die dem Film ebenfalls zugrunde gelegte Mendelssohn-Partitur, abermals Korngold. (In den kalifornischen Ateliers traf der weitgereiste Magier außer manchem allen Mitarbeiter auch seinen Sohn Gottfried Rer!1 11 a r d t, der damals in Berlin eine reizvolle Aufführung von ״Pünktchen und Anton" zeigte und der soeben im Bcnieh Ernst Ltibifsclis als Film- Autor und gleichzeitig als I'ilm-Rcgisseur in Erscheinung tritt. Auch ein anderes Faniilienereignis ist in Amerika Tatsache geworden: die Ehe mit 1 lelene Tliimig.) Erik C11 ar eil laut mit wesentlicher Unterstützung seines Malers Ernst S I e r n und des Komponisten Werner Richard Hey mann in Hollywood den grandiosen Film ״Die Karawane“ 'fertiggestellt, nachdem er in! Pariser Theätre Mogador das Jubiläum der 1500. (in Worten: fünfzehntemdertsten) Aufführung seiner Revue-Operette ״l’Aubcrge du Cheval-Blanc“, der französischen Version des ״Weilten Röfil“ hat feiern können. Einen ähnlich weit-wirkenden Triumph mag W. R. Heymann konstatieren, wenn er jetzt — zwei Jahre nach der Pariser Premiere seines ,,Prinz von Monaco“ — wieder nach Frankreich kommt und noch immer aus dem Mund der Bürger und Arbeiter, der poilus una der marins und fast schon von den Spatzen aut den Dächern pfeifen und singen hört: ״Die Li die der Matrosen“, diesen Filmschlager, der nun populärsten französischen Volkslied geworden ist. Audi Kurt Weil! hat sieh draußen durchgesetzt — mehr freilich mit den Songs der I )reigroschen- Oper als mit seinem neuen Ballett etwa, das sich, auf Anhieb wenigstens, von seinem Pariser Start aus eine breitere Resonanz noch nicht erwirken konnte. Zweifellos jedoch wird Weil! allenthalben von gewichtigen Musikern zu den profiliertesten Erscheinungen von internationaler Gültigkeit gezählt. Fine erfolg-sichere Interpretin hat Weill in Mariannc Oswald gefunden, die am deutschen Kabarett ihre Karriere wenig beachtet begann, die neuerdings jedoch unter den erstrangigen Vedetten des Pariser Podiums und der Music-Halls außerordentliches Interesse' findet. Erfolgreich des Zeltes kennen die Zeilen, zu denen Hnrm und liegen kommen, und daher!01 Ion sie rerlilzeilig ihre Zeih orliän 0״ auf Esel und!reihen di!■ Herde ins Tal. Aber wenn >0 ein großer Bau öde daliegl. so lahmt er durch -ein Schweigen auch die Krafl derer, di1׳ ihn errieldrl haben und mm nicht ein noch aus wissen.“ Als Abner und 1111111 sieh ein Zimmer crmirte[ halten, machte sieh Rull! daran, es gemülüeli r 111/unehlen. Ztiin erstenmal irr ihrem l.rhm riehlele sie eine Wohn-Iälte mit Uclrcrlcgiing ein. Denn liier sollte Muier uaeli der Arbeit des Tages Ruhe finden, mul liier sollte .eieh die Wiege des Kindes stehen. Es schien, als uh d l« klein!• 1 ’i'nii 1 1. das -1e auf dm Schultern mit sich grlirnrht hatte, un/ähl |ge Dinge zur \ erschöne rung <les Zimmer•; eiilhiell. Sie ordnete alle Finzelheilen, so. als 11״ sie sidmn immer einen! 1,a 11 -11,111 geführt hätte. Und in der Tat wäre das kleine Zimmer bald für den Fremden verschlossen und zu einer kleinen isolierten Welt geworden, wenn nicht die Burschen des ״Stabs“ gewesen wären. Anfangs waren sie nur gekommen, um ein wenig im Zimmer zu sitzen, mit Hi 1111 zu plaudern, nlier im Laufe «ler Zeit zog es sie immer stärker in fliesen Winkel, als oh «*3 ihr eigener wäre. Mit schworen Schrillen und Irehäbigen Rewegütigen traten sie ein, füllten das Zimmer mit Zigarettenrauch, ohne «laß Ruth ihnen wehren konnte. Diese Kaineradschnft sollte besagen: Rnlli. du gehörst 7.11 uns. Zwar liisl du schwanger und wirst bald Mutier werden, aber lau׳ uns brauchst «tu diel! nirlil zu schämen, wir sind ein ״Sinh“. Und noch weiter sollte «lies® Freundschaft besagen: eine gute und liebe Karneradin bist du, Ruth, und wenn du (lieh ein bißchen um uns kümmerst, stehen wir dafür wie Soldaler» bereit, «lein Heim zu schützen. Allmählich begann Ruth, sie auch zu verköstigen und ihre Kleider insland zu halten, und das Zimmer wurde wie von seihst das Zimmer des ״Stabs“. Hier saßen sie lange Stund! a an den Abenden, Iris sie;111!' ihren Plalzen eiiisrhliefen. Manchmal kam aucli Uri, um das Zimmer des ״Slah “ zu bmichcn, und mit ihm seine Kameradnr vom ״Hügel d e Ruhe“, denn sie hatten ihre Vorbereitungen zur Rückkehr zur« Hügel noch nicht beendel. Die Herde, die ihnen in der Nacht des l'eberfalb geraubt worden war, hallen sie nicht zurückerhalten. ״Sturm Sara" halte einige Male an den Toren des Hauses Nasson geklopfl, aber nichts ausrichlcn können. Sara sprach in großer Erregung über die Attacken, die sie gegen