Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 94 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653911--27737-2689189- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 94, 22. XI. 1935 — und zwar einen sehr negativen — Ausschnitt aus der Juden (rage, aber es erschöpft in keiner Weise das große Phänomen Judentum. Ein jüdischer Betrachter soll vor alle dem, was das Buch enthüllt, die Augen nicht verschließen, aber er muß auch wissen, daß es noch anderes gibt, noch ein anderes Judentum; und daß im Grunde jeder Jude (wie vielleicht jeder Mensch) zwischen zwei Richtungen stets zu wählen hat. * Eine ausführliche Behandlung des Materials dieses Buethes können wir an dieser Steile nicht vornehmen. Sic würde gleichfalls ein Buch erfordern. Wir müssen uns mit einigen fragmentarischen Hinweisen für den jüdischen Leser begnügen. Nur nebenbei sei auch auf den biologischen Teil der ■Arbeit ein,gegangen. Viele, auch belastende Tatsachen, die in dorn Buche erwähnt werden, müssen von jüdischer Seite als richtig anerkannt werden. Wir ״ riben nur, daß die Darstellung zuweilen au Symptomen haften bleibt. Für uns handelt cs sicli darum, auch die Ursachen und die Motive der jüdischen .Situation zu begreifen. Wenn z. B, art der Hand einer ausführlichen Statistik und gestutzt auf iudlselK‘ (Quellen die Degeneration und der nachlassende 1, e b e 11 s w i! 1 e dir jüdischen Kasse aufgezeigt wird, so mul! man fragen, was hierdurelt bewiesen werden soll, lat die Auflassung richtig, dann wurde durch einen natürliehen Vorgang, wie I heülmher es prophezeit hat, das deutsche Judentum untergehei!, und man verstünde nicht, wieso die von!11!11 drohende (iefalir so überschätzt werdet! kann. Soll aber durch diese!־'est^telhmgeii die Minderwertigkeit der j 11;11 -׳■ e 11 < r!!■!;!•"-ן׳• uacligewie-ei! werden, so mul! doch gefragt werden: Ist denn dieses Nachlassen des Lebenswillens so sonderbar V Wer soll denn den Mut haben, unter den LrbensYct־h.1Hr,!s.,eu, in die die jaden \ ersetzt sind, mit diesem unln unliebe■« < iefuhi des unter <1011 Lul'U‘11 schwankenden Bodens, mit dieser jahrhundertealten Lrfaitrtmg van Vcrtreibttnsr, Wandern׳!g und bitterer Not, Kinder in die Welt zu setzen? Nicht über die;!!!sinkende (ieburtcnzlffer sollte man suai «1111!׳<!!!׳, snndern uiur dt 11 dennoch bestehenden Lebenswille!! tun/!liocii! Schuhs:!!. Atsch die Zahl der Srlb-tnioi <|e wird angeführt, die bei den Juden! prozentual hoher io als!in den Niditjuden. Aber wir wissen doch, daß Selbstmorde nicht ein Zeichen der״ ,Minderwertigkeit eines Volkes >1111 mii'sen, sondern häufig die Selbstmord-Statistik her:!::ge/ng 111־ w ird ab Beweis für eine objektiv tinerträgliehe Notlage. Der (iehanke einer ״Minderwertigkeit1' der jüdischen Ra'se im ״ra -sei! k und lieh —er rer hu 11g-״wisse nseh aft!ich er.“ Sinne wird aiK!1 v״t1 Hans b. K. (1 u n t 11 e r (,.k’asscnkunde des jtiilisr 'tu! Volkes״ S, eü) ausdriH'lduh a b g e I c h n t. Günther erküii, es handle ucli vielmehr um ״ra-M-clt-bedingte Andersartigkeir. Aber wichtiger als diese biologischen sind die geistlgen Fragen. Der Hauptteil des Buches ist den! Nachweis gewidmet, da 1! die Juden in Wirtschaftsleben, in Presse, Politik und Kultur vorherrschend waren, dal! sie als Träger von Korrupt io ns- Affären, Kuitu!Bolschewismus und l In Sittlichkeit das Volksleben vergiftet Baben. Die angeführten Tatsachen können nicht bestritten werdet!, aber erst ihre Gruppierung ist es, die zu den erwähnten Ergebnissen fuhrt- Das Buch verwahrt sich gegen den Himvaml, daß es sich nur um ״Aus• nahnicrrscücinmigcn“ handele. Ein objektiver Jude wird auch nicht!f-iignen können, dal! tats.'k'hlich ein großer Teil der jitdisehen Gesellschaft in den (irofNtädten sich z. B. von den Zeitungen repräsentieren ließ, die in dem Buch abgeleluit werden. Dabei müssen freilich noch große Wertunterschiede gemacht werden. Vielen der angeführten Juden worden ja keine ehrenrührigen Tat-•adien vorgeworfen, sondern cs wird lediglich ihre politisch(• oder goDtige 1 laltung verurteilt, lieber die soziologischen und p-ve!mlogiwhcii Gründe dieser Haltung konnte m,1nehes Auf'.I.irendc gesagt werden, aber wir wollen uns (schon aus der Notwendigkeit einer Begrenzung) vor allem mit den für 1ms am meisten beladenden Abschnitten befassen, also mit zwei (1 r 1t p p e 1t von luden, über die offen gesprochen werden soll. Auf der einen Seite die skrupellosen (icldverdiener, von denen einigte in die bekannten Korrttpfionsskamiale verwickelt waren, auf der anderen Seite die Literaten, die alle ernsten Dinge als Freiwild zynischer und geistrdäicilndef Spielerei behandeln zu dürfen glaubten und vor allen! keinerlei durch ihr Judesein gesetzte Grenze oder Pflicht anerkannten. ZlIlüH!1 g die Juden der Korruptionsskandale. Hier s;tger, wir freimütig: wir bet• ,־ichten dies nur teilweise;D״, I'iüf ״j;1!oDw \:!eek genheit. (irr!,tu so wie viele Ne. htjuih'i! gigoi ,10-..: Nut/iiielier der kapita.i-tiwli-burgerle h! 1; 7rtect/.!:ig Ak'i'u'1 empfinde;!, o :tin'li viele Juden. (rrnke Teile der i d e :1 1 i s t i ׳: c 11 e ti j i't d i י r h e n J ti g c n d wurden in vc־r:׳:’!1.־c1!cn!a:1 rzehute!1 gerade durch diese Er- Sfhcinungrri zu eiii-1 Alreiinimg der kn|);l.1li-ti-.chet1 burgerlieh• 1! t w;f g.,n;;etmien, und vor allein der Zionismus in W'odri.roivi b, r;!:;te \ 1 ui Anfang au auf einer scharfen <־, r ״ n f r< r j; s f ן;;e,;e!1 de:! '1 v pus des rige!1 ■-׳dicht igen, nuteri.iii-tkehen, -<1/11-״!1׳ fri! uenc-n Juden, der keinerlei Vcrant* worturigsgelhihi gegenüber seinem Judentum hatte. Ja, diese ethische <irunduiwtelluiig brachte uns auch zu einem Versti'imlnis inr das, was in der n.itionaf-empfimlendon dcutsehen Jugend vorgeht. Das Buch wundert sich, daß in der Broschüre von Ktojankcr diesem Verständnis das Wort geredet wird. Es sei ge-tatlet, hier aus ettietn Leitartikel der ״j u d. R 11 ti <1 s c I) a u“ v o!11 4. I) e / e nt b e r 1931 einen Absatz 711 zitieren, wo es im Anschluß art einen Hinweis auf verschiedene weltanschauliche Aetilkrungcn aus deutschem Lager |1eip,t: .A3 11 gi"!w4f:1, d,*1 en D; wi'uung at'.l'i'Ve״! gs;׳oti 1Dn )ufii״D1en 111׳ i ivi'ki .,11111 •! ן, tu d :eider Sött! ■u• 11! 1!.1,׳I! .,״11׳ ,gl!׳! ja! 11,״t3) ־emmi 11 ,alt ™1:1.*״rn׳lrn in, srlte» 1 >1■ 1 riiirin Tfil der rkuo-clitn jiie'i'mi (»i'iuid.u C,Imin n, tur die ^ci'niir wir \>1 ״l.indtne haben m!!',,cn. Iו■'! .׳*׳ die Abu <u!׳־Dng v:,!1!1, r! KnW fUjregU'1׳,׳,eiH״im1ngeT; des — wie nem r, nenn! — he!!' ign; Sya:■!!!rl ,־׳ r Ab-eii-u vor einer geKtigen 1 Inltung, d!׳r im י f nmde ni! liw heilig ist, die in anfgefii,' •(׳־,irr S, 11 w g,׳! eri;t kgl׳, eit aiies mit te: 1, ei •■::hm Mitteln z;1 beiieir., hm gl.mb: und dann in eutseln i-ienden Momenten kl.!״lieh vrw.iw. Wir 1,0111־!mit mir au die Komigt i,׳10׳Skandale der letzten Iahte zu (lenken, an d11’׳rn leider mehrmals atirh Juden beteiligt waren. Wer etwa den Sklarek-Proreß rerfolgt, dessen Berichte täglich die Zeitungen füllen, wird begreifen, daß sich gerade der bessere, der idealisti-che Teil der deutschen Jugend angewideft von dieser versumpften Welt abwendet. Und nun sagt man den jungen Menschen, hieran seien .,die Juden“ schuld. Alle die Anomalien der modernen Gesellschaft mit ihren Börse ״jobben! und Generaldirekteren, die in der Zeit der Prosporitv hinter eitlem Sehleier verdeckt waren und sieb jetzt enthüllen, dieser ganze Rattenkönig von Gemeinheiten, dies alles weckt die Sehnsucht nach etwas Neuem, nach Abbruch und Neubeginn, Aufbau vor! Grund auf, Sehnsucht nach Adel. Heldentum, Größe. Nur Buiiatiseinuin kann die großen Erfolge des Nationalismus nur aus ״wirtsehafiliehen“ Gründen erklären wollen. Ein solches Wach-Uim. be-׳;n11<׳rs unter der Jugend, wäre unmöglich ohne sittliche Triebkräfte. Ist nicht der Zionismus aus älmlirhcn Wurzeln entstanden? Am Anfang des Zionismus steht Ilerzls ״Mausehel“. stellt die Ablehnung des schauspielernden, kri׳1׳׳l1cn,rhc״, gesehäfte luarhendm Judentums der assimilatorischen Aera. Der Zionismus rar dem Kriege hat viel von deutschen Denkern gelernt, etwa von Fichte und Lagarde. Auch wir wußten, daß Cs auf neue I.ebensgrundlageri, auf Riirkkehr zu den Müttern ankoauiit, nicht auf gesdiicklc Dialektik. Instinkt-Bewegung nennen sie sieh! Schrieb nielrt Martin Huber vor etwa 25 Jahren: ,Das ist das rechte Judentum, in dein der Geist Wille und die Erkenntnis Instinkt geworden ist‘!“ Und doch müssen wir uns gegen den Eindruck wehren, als ob alle Juden Schieber seien oder als ob dieses Schiehertuni etwas spezifisch Jüdisches sei. Es gab genug Juden, die produktiv und nützlich an der Wirtschaft mitarbeiteten (sogar die Aufzählung in diesem Buch beweist es), ebenso wie es nichtjüdische Schieber gab. Und die große Masse der arbeitenden und sich plagenden!furchsclinittsjuden ist von all dem weil entfernt. Es gibt eine Judenfrage, die sich auch wirtschaftlich und sozialethisch äußert (auch hierüber kann hier aus Raummangel nur a!1deutend gesprochen werden). Aber primär ist etwas anderes. * Nun noch ein Wort über die L i t e r ater!. Wenn man diesen Menschen gesagt hätte, sie dürfen, weil sie Juden sind, dies oder jenes nicht schreiben, so wäre wahrscheinlich Entrüstung und Gelächter die Antwort gewesen. Denn was wußten diese von ihrem Judentum, was wollten sie davon wissen? Es waren völlig Entwurzelte; nicht ganz durch eigene Schuld, sondern durch die Entwicklung eines Jahrhunderts, das allenthalben religiöse oder ״mythische“ Bindüngen zerstört und damit den Menschen, die in eine neue Welt versetzt waren, mehr noch als anderen den seelischen Halt genommen hat. ln diesen! Buch wird (mit Recht) angekreidet, welche Respektlosigkeiten und zuweilen Gemein- }!eiten sie sich (gegenüber dem Deutschtum erlaubten; aber sie haben das Judentum nicht weniger verhöhnt. Die widerliehen Szenen aus einem Stück Walter Mehrings z. B., die das Buch abdruckt, sind für das Judentum und jüdisches Empfinden in gleicher Weise beleidigend. Uns ist es nichts Neues, daß es diese Entartung gibt. Wir können sie aber nicht als echtes Judentum, als unser Judentum, und am wenigsten als repräsentativ für das Judentum gelten lassen. Es sind nicht Produkte des Judentums, sondern Verfallserscheinungen einer en tjudeten Generation. Viele der in dem Buch zitierten Aeuflerungen von Juden sind typische Dokumente eines wurzellosen Intellektualismus. Sogar das jüdische Rassebewutitsein ist für manche dieser Literaten nur ein Gegenstand unernsten Spiels und leerer Prahlereien, während sie ein positives Verhältnis zum Judentum und vor allem ein Gefühl der Verpflichtung dem Judentum gegenüber gar nicht kennen. Wir gehören zu den Juden, die das Assimilantentuim stets abgelehnt ha heu. Wir waren der Ansicht, daß auch das Verhältnis zum I )eutsclitum nur dam! auf gesunder Basis gestaltet werden kann, wenn der Jude seine jüdisch« Art bejaht und mit allem guten Willen, aber auch mit dem Respekt der Distanz, an das deutsche Kulturgut herarigeht. Wir sprechen also!1 i c h t für uns, wenn wir sagen, daß die Juden nicht einzig und allein nach den literarischen Exzessen einzelner Individualisten beurteilt werden können. Es gibt da eine große Zahl von Nuancen, und eine Verallgemeinerung ist unmöglich. Wenn man aber den Anteil der Juden an deutschem Lfenken und an deutscher Kunst prüft, dann muß ntan bedenken, daß eine unübersehbare Menge von jüdischen Menschen ein ganzes Jahrhundert lang mit größter Liebe und Verehrung und auch mit allem Respekt am Deutschtum, an den Werken deutschen Geistes und an den großen deutschen Persönlichkeiten gehangen hat. Und auch diese gehören mit zu dem Thema ״Die Juden in Deutschland“. Wir sehen jetzt von politischen Dingen ah, wir sehen davon ab, daß in gemischtsprachigen Gebieten, etwa im alten Oesterreich, die Juden jahrzehntelang das Deutschtum verteidigt habet!, sehr häufig auf Kost e n des Juden! u m s, und daß allen diesen Menschen ihr Deutschtum viel wichtiger war als ihr Judentum. Aber auch auf dem Gebiet des Geistes bestand diese Zuneigung. Sie führte dazu, uni nur ein Beispiel zu nennen, das rührend ist und doch fast ans Groteske streift, daß Hermann Cohen sich abmühte, unter Heraufbeschwör«ng aller möglichen philosophNdten, theologischen, metaphysischen Argumente eine innerliche Affinität zwischen Deutschtum und Judentum aufzuzeigen, da dieser Maut! in tiefster Seele zerbrochen worden wäre, wenn er einen Gegensatz zwischen den beiden hätte /!!gehen müssen. Wenn Hermann Cohen, sicher ein für die vorige Generation repräsentativer Jude, schrieb: ״Wir atmen, wir denken und dirhtcji, arbeiten und schaffen, unter dom Schulz Hart unter der Leimiig des dein sehen Geistes. Seine Ehre, sine unaufhörliche Verjüngung, seine unendliche Aas- Wirkung ist die Losung Unserer Arbeit“ — so befand er sich auch nach unserer Meintmg in einem entscheidenden Punkt, nämlich in seiner Identifizierung mit dem Deutschtum, im Irrtum; aber auch als seine Gegner können wir die subjektive Ehrlichkeit und edle Gesinnung gegenüber dem Deutschtum nicht bestreiten. Ganze Generationen von Juden sind erzogen worden in tiefster Ehrfurcht vor den Namen Bach und Beethoven, Goethe und Hölderlin, Kant und Fichte; so sehr liebten sie das alles, daß sie das Gefühl der Distanz verloren, das sich aus dem Blutinstinkt ergibt. Ja selbst die Exzesse der jüdischen Ironie, für die in diesem Buch wahrhaft erschreckende Beispiele gegeben werde«, können in ihrer letzten Ursache vielleicht -- wenigstens teilweise auf das Gefühl der enttäuschten, der unglücklichen Liebe zurück geführt werden. Dies finden wir schon vor einem Jahrhundert bei Heine und etwas Aehnliches bei den kleinen Erben, die etwas plump in Heines Fußtapfen wandeln. Denn unglückliche Li ehe, Verlust des eigenen Lebenssinns, kann Menschen (oft ohne daß sie selbst es wissen) in den ״Nihilismus“ treiben. * Das Buch ״Die Juden in Deutschland“ bemerkt am Schluß: ״Es Hegt aut der Hand, daß ein derartiger Versuch immer mit Mängeln behaftet ist, denn die unendliche Verästelung und Kompliziertheit des psy - c h i s c h e n und physischen Geschehens, das hier analysiert werden soll, sprengt zuweilen alle Gcfächer der wissenschaftlichen Methode.“ (Sperrung von uns. — Red. ״J. R.“) Auch w i r betrachten die Judenfrage als ein überaus kompliziertes Problem. Aber wenn wir unseren Beitrag zu ihrer Erkenntnis in einem Satz formulieren sollten, dann würden wir sagen: Der Kern der Judenfrage liegt (was auch in diesem Buch an manchen Stellen erkannt, aber doch nicht in seiner ganzen Tiefe erfaßt wird) nicht in dem Verhältnis des Juden zum Deutschturn, sondern in dem Verhältnis des Juden zum Judentum. Nur von dieser Basis aus läßt sich auch das Verhältnis zum Deutschtum wieder in Ordnung bringen. Wir Nationaljuden lieben und ehren die Werke des deutschen Geistes nicht minder, ja gerade wir werden niemals vergessen, was wir deutschem Geiste danken, aber wir sind durch unsere Einsicht in das Wesen von Volkstum und Volksseele davor bewahrt, uns mit dem Deutschtum zu identifizieren, oder gar als Wortführer des Deutschbims zu gebärden. Und darum bedarf cs auf jüdischer Seite des Studiums der Judenfrage. Daß das Verhältnis des Juden zum Judentum während der Einanzipationszeit zerstört wurde, daran sind zwar die Juden, die, geblendet von dem neuen Erlebnis, sich selbst verloren hatten, schuld, aber sie sind nicht allein schuldig. Die Umwelt des auf die französische Revolution folgenden Jahrhunderts hat es ihnen fortgesetzt eingebleut, daß sie auf hören müssen, Juden zu sein. Die Juden wurden in diesem Gedanken erzogen, vielen ist er noch heute Bestandteil ihres Wesens. Wei darf sich wundern, wenn viele von ihnen haltlos und wurzellos geworden sind? Da ist viel gutzumachen. Es ist eine große Tragödie. Für den Juden ist die Judenfrage durch die Auf- Zahlung der Tatsachen dieses Buches noch lange nicht erschöpft. Für ihn heißt sie: Wiedereroberung des moralischen Bodens und Halts im Judentum, Herstellung des gestörten, ja oft verfemten Gefühls- Zusammenhangs mit dein Judentum, und dann — Aufbau an einem Neuen. Sie heißt: Ja-Sagen zum Judentum. Dann wird es — so hoffen und vertrauen wir — auch einen neuen Weg zur Umwelt geben, auch in Deutschland. Die Judciifrage hat für den Juden heute viel Bedrückendes. Aber es gilt für ihn, was Martin Bitber 1909 (in seiner ersten Rede) sagte: ״Die Selbstbejahurtg des Juden hat ihre Tragik und ihre Größe. Denn wenn wir uns bejahen, dann fühlen wir die ganze Entartung mit, aus der wir unsere kommenden Geschlechter befreien müssen.“ Die Dreihundertjahrleier der Hoch« deutschen Gemeinde in Amsterdam Amsterdam, IS. November. (JTA.) Die Leitung der Amsterdamer Hochdeutschen Gemeinde versaminelte sich in ihrem Sitzungssaal, um die Glückwünsche der jüdischen Körperschaft en entgegen/unehmen. Für die portugiesische Gemeinde sprach deren Vorsitzender, Mr. de Pcreicra, der einen mit dem Wappen der portugiesischer! Gemeinde geschmückten Pokal überreichte. Eine große Anzahl von Organisationen übermittelte größere Geldbeträge zum Teil für Bettenstiltuugen in den Krankenhäusern. Die holländischen Gemeinden außerhalb Amsterdams schenkten einen kunstvollen Aktenschrank, der aus der Zeit der Begründung der Amsterdamer Gemeinde stammte. Die Lehrer der Gemeinde widmeten ein Bild des bekannten Malers Momiikendamm, das den Djmplin. in den! siel! die Synagogen der Hochdeutschen Gemeinde befinden, darstelit. Für die• Berliner Gemeinde sprach Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, der eine seltene Radierung der Netten Synagoge in der Oranienburger Straße übergab und auf die brüderliche Verbundenheit der Hochdeutschen Gemeinde in Amsterdam mit der Berliner Jüdisdtcn Gemeinde Itinwies. Die Anspräche des Berliner Vertreters wurde mit besonders herzliehet!! Dank entgegengenommen. Die Amsterdamer Hochdeutsche Gemeinde wird in nach״ ster Zeit eine große neue Synagoge im Süden Amsterdams errichten, also in einer Gegend,'in der außerordentlich viele aus Deutschland stammende Juden wohnen, auf deren Anteilnahtnc an den religiösen Institutionen der Gemeinde ganz besonderer Wert gelegt wird. Mauptsrliiiftleiter: Dr. Robert W e 1 t s c h, Berlin - Charlottenburg B (.״׳! ' verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt I. oewenstein, Berlin W 15. Anzeigcnleiter 11. verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: 11 ermann F i n 11, lifrlin-Tempclliof- Gültig: Anzcigen-Prcislistc 4 vom 15. Oktober 1035. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rumlschaii, Berlin W 15, Meiuckestr. 10. D.-A. Oktober 37 237. — Druck: Siegfried Sc-holmi. TÜn.-SrhonetKrg. Sachgemäße u. schleunige Durchführung Ihrer AUSWANDERUNG nach Gcneralrepräsentanz in HAIFA Dipl.»Kaufmann Dr. Paul Schnurmacher HO US Ei IF. Wisst CHAMBER OF COMMERCE Haifa, I*. O. H, 1S6 * Telefon 197 VERMO'GENS׳ Amtsger.»Rat a. D. Dr. Aschner Oberreg. «Rat a. D. R. Kempner Berlin W1B, Melnekestr. 9. ) 1 Bismank 2856 <9'k-\l a. 15>/,-19 Uhr) LIQUIDATIONEN 4 TRANSFER-PROJEKTE Palästina und anderen Ländern Eigenes Büro in TEL* AVIV Dr. Jur. W. Marx, Tel »Aviv 18 Sch*to*1 Alelchetn Sir, Ecke Ben Jehtida Rotd ANLAGEBERATUNG