Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 93 (19.11.1935)
- Date
- 1935-11-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 93, 19. Xi; 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 5 Zu Tolstois 25. Todestag / (20. November) Nach Kischinew Der große Russe üraf Leo Tolstoi, ״Dichter, Bauer und Aristokrat in einer Person“ (1828—1910), hat bei dem modernen Moskauer Rabbiner Salkind Minov in reiferen Jahren die Bibel studiert, Hebräisch und selbst Aramäisch gelernt, um auch die Aggada in der Ursprache zu prüfen. Nach dem Pogroin von Ktseliinevv (1903) nahm Tolstoi lebhaften Anteil an dem furchtbaren Geschehen. Ein versöhnendes Wort des Mitgefühls und der Menschenliebe drang aus Jasnaja Poliana, dem Stammsitz des Grafen, mitten in das Chaos. In einem Kreise junger Schriftsteller, die mit Erfolg bemüht waren, den jüdisch-deutschen Dialekt zur jiddischen Schriftsprache auszubilden, ist zuerst der Plan entstanden, durch ein literarisches Sammelbuch den unglücklichen Brüdern in Kischinew׳ eine kleine Beihilfe zu leisten, und auch Graf Tolstoi um einen Beitrag■ dafür zu bitten. Dem jüdischen Novellisten, Schalem Aleichem, der ilun diese Bitte unterbreitete, sagte der russische Dichter bereitwillig zu. In der Folge entwickelt sich ein lebhafter Briefwechsel zwischen Tolstoi und den Herausgebern des Sammelwerkes. Es würde zu weit führen, diesen vollinhaltlich zu reproduzieren. Nur eine für Tolstoi besonders charakteristische Stelle sei angeführt: ״Was mein Verhältnis zu den Juden anlangt“, Tführt Tolstoi aus —, so sollte cs, glaube ich, allen denjenigen klar sein, die sich für meine Auffassung der menschlichen Dinge interessieren. Mein Verhältnis zu den Juden kann kein anderes sein, als ein Verhältnis zu Brüdern, die ich nicht darum liebe, weil sic Juden sind, sondern darum, weil wir und sie, wie überhaupt alle Menschen, Kinder eines Gottvaters sind, und diese Liebe heischt von mir keine besondere Anstrengung, da ich Juden begegnet bin und Juden gekannt habe, die sehr gute Menschen gewesen sind.“ In jenem Sommer 1903 hat der große russische Meister ״Drei Legenden“ geschrieben — drei kleine Dichtungen, voll abgeklärter, tiefer Weisheit und edelsten Empfindens. Den Ertrag dieser Dichtungen, die gleichzeitig russisch, deutsch, englisch und jiddisch erschienen, hat der Dichter für die Hinterbliebenen der unschuldigen Opfer von Kischinew und Hornel bestimmt. Ihr Wert aber liegt nicht darin allein, sondern weit mehr noch in der symbolischen Bedeutung dieser Kundgebung. Memel. Leon Schein haus Tolstois Illustrator Aus Leonid Pasternaks Erinnerungen Von Hermann Swct, Jerusalem Im Herbst 1928, zum 100. Geburtstag von Leo Tolstoi, arrangierten die beiden Tolstoi-Museen in Moskau und Leningrad Ausstellungen von Zeichnungen und Bildern, die Tolstoi selbst oder Szenen aus seinen Werken zum Gegenstand hatten. Dabei stellte sich heraus, daß die meisten Gemälde und Graphiken, Radierungen und vor allem Illustrationen zu den Werken von Tolstoi dem Pinsel des Juden Leonid Pa st er- ת a k entsprungen sind. Im Moskauer Tolstoi-Museum allein sind drei Zimmer mit Tolstoi-Zeichnungen angefüllt, die die Signierung des Malers Pasternak tragen. Zum Jubiläum schickte der Maler dem Tolstoi-Museum eine wunderbare, bis dahin noch nicht an die Öffentlichkeit gelangte Zeichnung, die den Besuch Tolstois beim russischen Philosophen Feodorov, dem Bibliothekar des Rumianzew- Museums, zur Darstellung brachte. Tolstoi besuchte Feodorov oft, und hier, an den Bücherregalen der reichen Bibliothek, führte er mit dem russischen Philosophen angeregte Gespräche über rcligionsphilosophische Themen. Auch der berühmte russische Mystiker Wladimir Solowioff war dort ein häufiger Gast. Pasternak skizziert in seiner Zeichnung ein gemeinsames Gespräch in der Rumianzew-Bibliothek: Feouorov, an der Barriere des Empfangszimmers sitzend, die Arme nach seiner Art verschränkt und die Hände in die Aertnel vorgraben, rechts die flammenden Augen und der ehrwürdige Bart von Solowioff und ihm gegenüber, in einen Bauernpelz ,gehüllt, das Genie von Jaßnaia Poliana. Auf seiner Ausstellung von Palästina-Bildern und Zeichnungen, die Pasternak während der von dem Kunstverleger Alexander Kogau vor Jahren veranstalteten Expedition ins Heilige Land geschaffen hat, fragte ich damals den Meister, wie es dazu gekommen sei, daß gerade er, ein jüdischer Maler, von Tolstoi mit der Illustrierung seiner ״Auferstehung“ beauftragt worden sei. Schon früher, erzählte mir Pasternak, habe ich für die Beilage des Journals ״Sevver“ Tolstois ״Krieg und Frieden“ illustriert. Tolstoi kannte mich nicht persönlich, ließ mir aber sagen, daß meine Illustrationen ihm sehr gefallen hätten. Auf der traditionellen Frühlingsausstelhmg der Moskauer Maler im Jahre 1893 hing mein Bild ״Die Debütantin‘•, welches großen Beifall fand. Meinen ersten Erfolg halte ich schon vorher mit dem Bilde ״Ein Gruß aus der Heimat“ errungen, das direkt von der Ausstellung weg von der berühmten Bildergalerie Tretjakovv erworben wurde. Tolstoi kam zu der Aus- Stellung. Ich war gerade im Saale. Einer meiner Kollegen stellte mich ihm als den Autor der erwähnten zwei Bilder und als den Illustrator seines ״Krieg und Frieden“ vor. Tolstoi begrüßte mich sehr warm lind lud mich zu sich ein; seit damals datiert unsere Bekanntschaft, die sich in den darauf folgenden Jahren zu einer wahren Freundschaft entwickelt hat. 1111 seihen Jahre lud mich Tolstoi nach Jaßnaia Poliana ein. wo meine Frau und ich später häufige Gäste geworden sind, 1898 nahm Tolstoi seine ״Auferstehung“ in Angriff. Fs ist bekannt, daß der Ertrag dieses Werkes den I)uchoboren, einer religiösen Sekte, die in Rußland verfolgl wurde, sich in Kanada niederließ und dort ein Asyl fand, zuiloß. Tolstoi bat mich, die Illustrierung seines neuen Werkes zu übernehmen. Der Roman wurde dann in der populärsten und verbreitctslen Zeitschrift Rußlands, ״Niva", gedruckt. Ich begab mich nach Jaßnaia Poliana, um mich sofort in die Arbeit zu stürzen. Am Tage las ich das von Tolstoi jeweils fertiggestellte Kapitel im Manuskript, ain Nachmittag beim Tee diskutierten wir gewöhnlich den Charakter der II!ustrati*־ua1, und in der Nacht zeichnete ich. Alle Personen der ״Auie.rjeliung“ haben, wie bekannt, lebendige Vorbildc׳. Als ich Tolstoi einmal meine ersten Entwürfe von Nechludov zeigte, sprang er auf und erklärte: ״Zum Donnerwetter, Ihr Nechludov ist doch wirklich dem Menschen ähnlich, der mich zu dieser Figur inspirierte.“ Tolstoi arbeitete damals sehr intensiv. Der Verlag drängle ihn, und er wurde gezwungen, Fast täglich ein neues Kapitel zu schreiben, das ich noch in der folgenden Nacht zu iiiustrieren hatte. Auf diese Weise verfertigte ich innerhalb von sechs Wochen 33 Illustrationen. Wie anstrengend die Arbeit war, läßt sich leicht ermessen. Ich habe m.ch nach Erledigung dieses Auftrages wochenlang erholen müssen. Tolstoi war mit meinen Zeichnungen sehr zufrieden und hat jede einzeln zensiert, wie es in der Schule üblich ist. Viele Illustrationen hat er mit ■einer ״fünf“ und einem Kreuz ausgezeichnet, nach russischem System die allerhöchste Zensur. Die Originale meiner Illustrationen, die im Moskauer Museum hängen, tragen noch heute die eigenhändigen Randbauerkungen von Tolstoi; sie sind deutlich lesbar.' Die berühmte Gerichtsszene in ״Auferstehung1 wurde von Tolstoi mit einer satirischen Spitze geschrieben. Ich bemühte mich bei der Illustrierung, diesen satirischen Ton zu unterstreichen, und habe die Figuren des Staatsanwalts, des Richters und besonders des Advokaten leicht karikiert. Als Ich Tolstoi die Zeichnung zeigte, brach er in schallendes Gelächter aus und erklärte belustigt: ,,Sie sind noch frecher als ich . . .“ Eine interessante Episode spielte sich mit meiner Skizze von der Exekution ab. Dieses Kapitel machte auf mich einen sehr starken Eindruck. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen und brachte die Zeichnung am Morgen Tolstoi. Sie beeindruckte ihn so tief, daß ihm Tränen in die Augen kamen. Plötzlich faßte er sich au den Kopf und rief aus: ״Was habe ich angerichtet! Gestern erst habe ich an Marx (ein Deutschrusse, Verleger der ,Niva‘) telegraphiert, er solle das ganze Kapitel streichen. Aber es macht nichts, ich werde es gleich wieder cinfiigen lassen.“ Stellen Sie sich meine Lage vor! Ich habe energisch protestiert und mich bemüht, auf keinen Fall zuzulassen, daß Tolstoi meiner Zeichnung zuliebe die Komposition des Romans irgendwie änderte. Tolstoi versteifte sich aber eigensinnig und verlangte, daß meine Zeichnung doch in dem Roman Platz finde. Wir stritten lange und kamen schließlich zu folgendem Vergleich: Tolstoi ergänzte das vorletzte Kapitel um einige Zeilen, und meine Zeichnung konnte auf diese Weise in den Roman aufgenomineu werden. Das waren die glücklichsten Monate meines Lebens, und wenn ich mich jetzt an die Stunden erinnere, da ich mit Tolstoi debattiert und gearbeitet habe, 90 erscheint es mir wie ein ferner, guter Traum. ״Hat Tolstoi mit Ihnen einmal über Juden und J u d e 11111 m gesprochen?“ ״Selbstverständlich wußte er, daß ich Jude bin. Er hat mir einmal ernste Vorwürfe gemacht, warum ich nicht Hebräisch sprechen kann.“ Ich erinnere mich an folgendes Erlebnis: Zu Tolstoi kam des öfteren ein Jude, Dr. Liebermann, der sich dauernd mit ihm über religiöse Probleme unterhielt. Einmal, als ich zum Mittagbrot erschien, fand ich Tolstoi sehr verstimmt. Auf meine Frage, was geschehen sei, erwiderte er mir: ״Mir scheint, icii habe eine große Sünde auf meinem Gewissen. Liebernianu hat sieh gestern laufen lassen . . Tagelang konnte sich Tolstoi nicht beruhigen. Tolstoi hatte außer mir noch andere jüdische Freunde: den Schriftsteller Tenerotno (Feinstem), den bekannten Pianisten Goldenweiser und viele mehr. Tolstoi besuchte uns oft, wenn er nach Moskau kam. 1 SOS erschien das berühmte Trio von Tsciiaikowsky. Wir veranstalteten in unserer Wohnung einen Musikabend, und meine Frau, eine Schülerin von Lcschetitzky, spielte zusammen mit dem berühmten Geiger Grzimaly und dem Cellisten Brandukoff dieses neue Werk. Tolstoi kam mit seinen beiden Töchtern Tatjana und Maria. Nach dem Konzert blieb er zum Essen, und wir haben ihn — den Vegetarier — mit sauren Gurken und Oliven bewirtet. Tolstoi und Auerbach Von S. M e i s e I s Bei seinen Lebzeiten war Bert hold Auerbach, der Schöpfer der deutschen I )orfnovelie, in der ganzen zivilisierten weit berühmt.!111 Jahre 1831 veröffentlichte Auerbach seine Er- Zahlung ״Neues Lehen“. Darin wird die Geschichte eines Grafen Engen Falkenberg erzählt, der unter dem Namen Fugen Baumann ein neues l eben beginnt. Graf Falkenberg hat sein altes Leben von sich geworfen und ein neues hegonneu. Er trifft in einem Dorfe eirt Sc 11 u I m eist er 1 e in, Fugen Baumann mit Namen, das etiropamüde ist lind nach Amerika auswandern möchte. Der Graf gibt ihm die Mittel, nach Ame i' a aus/uwandern, indes er selbst als Baumanns ״Tauschmann“ in Europa bleibt, Graf ralkenberg neun! sich fürderhin Eugen Baumami und wird ein schlichter Schulmeister. Mühselig arbeitet er mm an seiner Sclbsterzielunig und an der Erziehung des Baiiernvolkes. Es waren zehn Jahre nach dem Erscheinen dieser Er- Zahlung, da trat eines Tages ein Fremder in Auerbachs Zim- 111er mit den Worten: ״I c 11 hin E u gen B a u m a n n“. Auerbach erschrak ein wenig, denn er dachte, ein Mann, der im wirklichen Lehen Eugen ßaumann hieß, wolle ihn wegen Namensmißbrauch vor Gericht laden. Doch der fremde Be- Sucher beruhigte ihn bald. Er erzählte dem Schwarzwalddichter, er sei ein ausländischer Graf, der genau wie Eugen Baumann oder eigentlich wie Graf Eugen Falkenberg auf sei- 11cm Gute eine freie Volksschule gegründet habe, er sei selbst ein D01 fschulmeister geworden, der die Bauernkinder unterrichte, kurzum, er sei ein wahrer Doppelgänger Eugen Baumanns. Der seltsame Besucher war — Graf Leo Tois t o i. Gleich dem Helden in der Aiicrbaclisclien Erzählung war auch Leo Tolstoi in die Begrenztheit der Bauernwdt hinabgestiegen und hat auf seinem Gute jasnaia Poliana freie Volksschulen gegründet, in denen er höchstpersönlich die Bauernkinder unterrichtete, Fibeln, Rechenbücher, Grammatiken für sie verfaßte und vor allem das Samenkorn des Guten in das junge Bauernherz zu streuen versuchte. Auf eine bisher wenig gekannte Einflußnahme Auerbachs, nämlich auf Tolstois Anschauung über die Musik, weist Romain Rolland in seinem Werke ״Das!.eben Tolstois“ hin. Danach hätte der Einfluß Auerbachs auf Tolstoi bis auf die Abfassung der Schrift ״Was ist Kunst?“ und der ״Kreutzersonatc“ fortgewirkt. Aus dem Hebräischen von Dr. Max Mayer, Jerusalem £7OerQßcXt 23. SortactEimg ftsehdrack »prl.n!»n Je weller Almer sprach, um so wütender wurden die Blicke, die ihn durchbohrten, und um so befremdeter fühlte sich die Hunde. Schließlich stand Awiwi auf und flüsterte ihm mit verhaltenem Zorn ins Ohr: ״Schweig, Almer! Deine Morte sind liier nicht am Plalz!“ Die Blirke• Harris' waren immer schärfer auf Almer gerichtet. Es lag in ihnen eine Drohung, von nun an diesen Burschen genauer unter seine Lupe zu nehmen. Aber Almer war bereits zu!11 Weggehen aufgeslanden: ״Ich habe -offen mit euch gesprochen, denn wenn ihr auch Zelte und wir Betonhfuiser bewohnen, so ist cs doch unser geineins,mies Schicksal, miteinander zu leben lind 7.11 arbeiten." — Damit wandte er sich und ging. Die Aollcslon des Zeltes saßen kauernd, als ob sie den Worten keine Beachtung geschenkt hätten. Der einzige, der mit steigender Aufmerksamkeit ziigehört hatte, war Raschid, Jedes Wort hatte sieh tief in sein Gehirn eingogrnben, mul auf seinem narbigen, von Hitze und Kälte verzehrten Gesicht leuchtete das hiebt einer tiefen Erkenntnis, Er sprang von seinem Platze und lief Abner nach: ״Abner, was war das mit dir? Was bedeuten die Worte, «Ile aus deinem Mumie kamen?“ ״Ja, so ist cs, Raschid. Sonst wird das Schwert uns gegen- Bcilig vernichten wie in der Sage, die du mir in der Plutnadit erzählt hast. Du wirst meinem Lehen auflauern, und ich werde.in der ersten Bestürzung auf dich schießen. Das Blut von Unschuldigen wird vergossen werden. Das Blut des alten Jechici wird dich niemals zur- Ruhe kommen lassen.“ Raschid verhüllte sein Gesicht. ,.Wohin gehst du jetzt, Raschid?" — fragte Abner, Aber Raschid machte eine müde Ilamlbovcgung und kelirle langsamen Schrilles zu den Zelten zurück. Als Abner nach Teura ziiriickkchrlc, waren dort bereits alle Einzelheiten seiner Rede bekannt. Die hei seinen Worlen zugegen gewesen waren, sagten, daß Almer durch sein« Rede ein großes l!!glück hülle icnirsaehen können, da er di« Jnslinkte der Zelte neu gereizt habe, und nur den vernünfligen Reim'ilningi'U Harris’ sei es zu verdanken gewesen, daß cs nicht soweit gekommen sei. 19. KAPITEL E n 11 ä נו s CI. 1111 g Der Tod Jechiels, die verschlossenen Wege des Oedlands und die Isolierung des Werklagers erzeugten ein« tri'ilx' Stimmung imler den Arbeitenden. Sie kamen .«ich wie Leute vor, die auf einem Vulkan pflügen und Rauten errichten, ohne zu wissen, daß es ein Vulkan ist, bis die E,av;1 aus seinem Schlunde liervorbrichl. Auch nachdem sieli die Lage beruhigt hatte, wirb die Verdrießlichkeit irr» Lager nicht, ohne daß die Leute recht wußten warum. Drei Jahre lang hatten sie dem Werk ihre Hand geliehen, und vor ihnen liegen weitere Jahre angestrengter Mühe ohne jede Aussicht auf Ziel und Ende, Die durch ihrer Hände Arbeit gewonnen« Kraft strömt jetzt in die Lerne und hilft dort Leben für andere nnfznhancn, sie selbst aber bleiben müde. In ihren Herzen setzte sich mehr 11ml mehr die Erkenntnis fest, daß sie nichts haben und mich in aller Zukunft nichts haben werden außer der Mühe des Tages. Diese Erkenntnis lähmte ihre Kraft. Die Arheilen am Fluß waren beendet, und Aibeilskolonnen nun liefe!• ins Ödland gesandt worden, um durch das «lichte Gestrüpp hindurch Wege zu pflastern und Unebenheiten für die naclikoiiittionden Maschinen ausztigleiolien. Das feste Beionwerk war hinter ihnen geblieben, und bevor sie noch recht zur Besinnung kommen konnten, waren sie, wie der Hebel einer Maschine, von neuem in der Richtung auf die Oodnis in Bewegung gesetzt worden. Die Arbeitsleute machten ärgerliche Gesichter, aßen mit Unlust ihre Mahlzeiten und blickten mit schwerem Herzen auf ihr ruheloses Dasein. ״Wohin soll es jetzt von der ,Station Müde' aus gehen?“ ..1-1 es nidil gleieligü111e. wohin es geht? Jedenfalls geht es nicht zur Ruhe" - s<> bnmmile l--ar, der IT!11 ror der Eokoinolive 11 1, indem er -eine M;-rinne!den׳ die Selnenen laufen ließ, um den Sirene zu prüfen, der gestern!11 der neuen Richtung gelegl wurden war. ״Arm mm irehl’s zu Sp.izierviineell ins!•’rele. 11,1 . 11a“ — saclen die beule, «Ile mit el-erin•!! Stangen die Schienen rechts oiler links hoben und senk len. ״Gellt nur spazieren, bis (*11111־ die Seele vor A ergniigen aus dem Leibe führt" —• brummt l-sur, und •;einer Maschine entfährt ein greller Pfiff. Selbst die Röder der Lokomotive II I sind durch den Staub des üetllands slark milifeimmmeii und knarren ratternd über das neue Gleis. AVährend die neuen Schienenwege lustlos angelegt werden, geht auch die Li-en-, Holz-, Stein- und Zementarlx׳it in der ״Station Müde“ nur mühselig voran. Breiter und Latten, Teile von Gerüsten und durch den (iebraucli beschädigte A'erselialttngen werden auf dem Hof der Station zu immer höheren Stößen «ufgedapelt., Alles, was Jangs dem BoloiibeU und den Dämmen aufgelesen worden war, wurde hier gesammelt: ganze Haufen verrosteten, abgenützten Eisens und unbrauchbar gewordener Loren. Zeugen der Myriaden von Kubikmetern Erde und Stein, die hier weggeschafft worden waren. Neben den großen Abeeliiiieiiworkstülten hatte sich allmiihlieh auch ein Park von repar.ilur- und reiirigimgsliedtirfligen Maschinen;mgesammclt. In den Alascliinensiilrn standen lievvegungslos nicht mehr arbeitsfähige AA’nsserpumpen und ansrangierte Liifiprcßmasehmen. Nur ein kleiner Dieselmotor lief noch ohne Anstrengung und setzte die Roparalurwerkstatte in Boirieb. Auch die Leute vom Steinbrnrii brachten ihre Luft- und llnndhiiinmer, verließen die brüHiige Steilwand und waren in» Begriff, sich einer neuen ltasa 11 wand anderswo zuzuwenden. ״Jetzt gehen wir geradesvvegs in die Hölle“ — sagten die Stcinh,•111er. ״Und auch dort wird man uns nicht lassen“ — anlwortoten andere Gruppen. Die Leute waren gereizt und verdrießlich. Alsein Beamter des AA'erks an Jizcliak vorbeiging und zu ilun, sagte: ״Hallet euch bereit, Leute vom Steinbruch, in den nächsten Tagen