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Jüdische Rundschau · 1935-11-19 · Heft 93 (19.11.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 93 (19.11.1935)
Date
1935-11-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 93, 19. XI. 1935 Wie g-eKlalle ich den §chabR1al? Für Schabbat, 23. November Wocltenabschnltt ״Chaje Sara“ (1. B. M. Kap. 23, 1-25, 18.) I. Nach Besprechung des üräberkaufes von Abraham gehe man ausführlicher auf die Höhle Machpcla ein. Woher hat diese Höhle ihren Namen? (s. Rasch! zur Stelle). Nach L B. M. Kap. 49, 29 31 sind in dieser Höhle die 3 Stammvater und außer Rahel auch die Stammütter bcgraben. Nach Ansicht der jüdischen Ueberlieferung liegt als 4. Paar dort Adam und Eva. ln der letzten Zeit hat durch die bekannten Vorfälle mit dem üerer Rebben die Höhle Machpcla die jüdisch« ()Öffentlichkeit wieder beschäftigt. Bekanntlich gilt die Hölile Machpcla jetzt als arabisches Heiligturn. Es ist nur erlaubt, bis zur 7. Stufe in die □ruft hinabzusteigein Die Höhle Machpcla liegt bei Hebron. Das gibt uns Gelegenheit, uns ausführlicher mit dem Schicksal dieser Stadt zu befassen. Hebron war die erste Residenzstadt des Königs David und gilt überhaupt als eine der ersten Städte Palästinas (s. die Bemerkung in 4. B. M, Kap. 13, Vers 22). Hebron gehörte zu den ״.Arba Haarazot“, so nannte Wan die 4 Städte Jerusalem, Hebron, Tiberias und S,1fed. Diese 4 Städte waren der Hauptsitz des alten Jischmv, über den, wir uns in diesem Zusammenhangetwas ausführlicher unter-" halten. — Da Hebron als eine heilige Stadt gilt, hat man den Versuch gemacht, durch Ueberfübnmg der bekannten Jeschiwa aus Slobotka in Litauen, die Stadt Hebron zu einer jüdisch-wichtigen Stadt zu machen. Seit den Unruhen 1929, unter denen die Jeschiwa in Hebron besonders zu leiden hatte, ist die jüdische Einwohnerschaft Hebrons erheblich zurückgegangen. Während bis /um Jahre 1929 über 00 ל Juden in Hebron lebten, sind es jetzt mir noch ganz wenige. Im Zusammenhang mit der Erschließung׳ des Negew wird Hebron wohl wieder eine gröbere Bedeutung für die Juden erhalten. Literatur: Jüdisches Lexikon und alle Palästina-Reisebücher. II. An Hand der Verse Kap. 21, Vers 3, Vers 7, Vers 12 und 2i achte man auf die verschiedenen Bezeichnungen für Gott. Abraham spricht einmal vom Gott als Gott des Himmels, und nachher vom Gatt des Himmels und der Jirdf. An 1 tarn! der Bemerkungen von Raschi zum Vers 7 begründe man diese verschiedenen Bezeichnungen und weise dann darauf hin, daß!dieser immer vom Gott Abrahams spricht. Während also für Abraham, wie aus dem Text hervorgeht, stets von einem absoluten Gott die Rede ist, spricht Elieser immer von einem persönlichen Gott Abrahams. Für das Judentum ist erst eine Verbindung des persönlichen lind absoluten Gottes richtunggebend geworden. So sprechen wir immer in unseren Gebeten, insbesondere in der Einleitung zur Sdiemone Essre, von unserem Gott und dem Gatt unserer Väter. III. Man beachte die interessante Formulierung hei dem Tode A 11 r a 11 a in s, von welchem /um ersten Male aus- «sagt wird: ״er wird eingesanunelt zu seinem Volke". Dieser usdruck findet sieh nur hei einigen wenigen Groben, womit zum Ausdruck gebracht wird, daß diese Großen in Israel in das jüdische Volk für die Dauer eingehen, daß sie im Bewußtsein des jüdischen Volkes ewig weiterleben. Man stelle fest, bei welchen jüdischen Persönlichkeiten sich dieser Ausdruck noch findet. Ais Haftarah liest man das I. Kap. des 1. Buches Könige. Der Zusammenhang mit unserer hidra wird insbesondere durch den 1. Vers liergesfellt, der fast gleichlautend ist mit dem 1. Vers des Kap. 21 aus unserem Wochenabschnitt. Auch inhaltlich sind gewisse Aehnlichkeiten festzustellen. I. E. Was ist eine Haftarah? Zu der Wochensidra, die jeden Schabbat im Gottesdienst aus der Thora vorgelesen wird, gesellt sich eine entsprechende ..Haftarah“. Wir tun gut, uns einmal über F.nt- Stellung, Wesen und Sinn dieser liturgischen Einrichtung za unterhalten. Wir werden dabei vom Inhalt des Wochenahschnittes der Thora ausgehen lind zum Vergleich die angcbängte Haftarah heran ziehen. Wir fragen uns dann: Was ist und was will die Haftarah eigentlich sein? Welches Das Buch der Kinder״Rundschau LAND DER JUGEND erscheint in wenigen Tagen Eine Sammlung der sdiönsten Erzählungen, Aben* teuer, Erlebnisse, Lieder, Legenden, Gedidite,Spiele ■ und Bilder aus den drei Jahrgängen der Kinder- Rundschau, der von der jüdische!) Jugend stets mit Spannung erwarteten Beilage der ״Jüdischen Rund« schau", vermehrt durch neue Erzählungen und Bilder. Ein Buch, an dem die Jugend selbst mitgearbeitet hat, und das ihren Geist atmet, Aus dem Inhalt; Barak, das Füllen (von C. E. ICIoetzel) — Wir erlösen den Boden — In einer Jemenitensdiule — Vom Leben in Ben Schemen — ״Alijah" (Eine Bildcrerzählung von Ben Uri) — Kindergedichte von Bialik — Moschko und die Talmudfolianten — Bibbi, Ester und der Papagei (von Mascha Kaleko) — Prüfungzur BeraFseignung u. v.a. m, 112 Seiten, 155X205 mm, mit 79 Bildern Halbleinenband mit mehrfarbigem Titelbild Das scfiönste Chanukkah * Geschenk Preis nur RM 2,85 Bestellen Sie bitte bei Ihrem Buchhändler oder direkt bei dem VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU G. tn. b. H. Berlin W 15 Meinekestr. 19 Gegen Voreinsendung des Betrages zuzügl. 30 Rpf, Porto Postscheckkonto der Verlagsabteilwng: Berlin 715 76 ist ihre Bedeutung und was wissen wir von ihrer Einführung? Welches waren ihre geschichtlichen Voraussetzungen? Zinn Ausgangspunkt unserer heutigen Unterhaltung ne!1men wir am besten die Bezeichnung ״Haftarah“ selbst und versuchen, uns über die eigentliche Bedeutung des Wortes lind den Sinn dieser Einrichtung klar zu werden. הפטרה bedeutet Abschluß (הפמיר abschliellen, wofür noch später der Ausdruck ׳השלים beschloß, gebraucht wurde). Demnach hat der Haftarah-Abschnitt die ihm vorangegangene Vorlesung aus der Thora abgeschlossen. Dabei achtete man darauf, daß die Haftarah irgendwie sinngemäß mit dem Inhalt der Wochensidra verwandt sei. Der Haftarah- Abschnitt wurde meistens aus den Propheten gewählt, wobei natürlich nicht immer die eigentlichen Propheten, sondern auch die biblischen Gesc 11 ichts bücher (wie Josua, Richter, Samuel, Könige), die inan im Gegensatz zu den Propheten, den ׳נביאים אחרונים kurz die נביאים ראשונים nennt, dazu verwendet wurden. Entscheidend hierfür war immer der eigentliche Inhalt .des Thora-Abschnittes. Man vergleiche z. B. die Haftatttfh *,der fetzten Schabbate, etwa der Sidra Noach, Lech Idchäg, wajers( und die des heutigen Schabbat — Derjenige, dtr zuletzt5 zur Thora aufgerufen wird, heißt auch ״Maftir“, der Abschließende, mit ihm wird die Vorlesung aus der Thora abgeschlossen, und er trägt dann den bestimmten Abschnitt aus den Propheten vor. Im Gegensatz zum Thora-Abschnitt liest die Haftarah nur eine Person vor, die auch minderjährig sein kann, ein Beweis für die geringere Bewertung dieser Vorlesung. Wann die Propheten-Lektion zu einem feststehenden Bestandteil des Gottesdienstes geworden ist, entzieht sich ganz unserer Kenntnis. Wir wissen nur, daß zur Zeit der Entstehnng des Christentums die Vorlesung aus den Propheten allgemein üblich war. Die ältesten christlichen Quellen kennen diese Einrichtung bereits. Man ziehe vielleicht die Stelle in Lukas 4, 16 ff. heran. — Eine jüdische Legende berichtet in diesem Zusammenhang, daß zur Zeit der Rcligionsverfolgung durch die Syrer (175—164 v. Chr,), als das Verbot des Thora-Studiums trnd die Konfiskation der Thora-Exemplare verhängt worden war, zum Ersatz, hierfür die Vorlesung ans den Propheten eingeführt wurde. Man unterhalte sich auch anschließend daran über die Zahl der Haftaroth, die ursprünglich für den Drei-Jahres- Zyklus der Thora-Vorlesung weitaus größer war als jetzt. Als der einjährige Zyklus der Vorlesung der Thora eingeführt wurde, kamen manche Haftaroth in Fortfall, und manche haben sich noch in den verschiedenen nicht-aschkcna&iscficn Riten, so z. B. bei den Sephardim, erhalten. — Ein fester Haftarah-Zyklus hat sich für die Zeit vom 17. Tantunus bis zum Schluß des Jahres erhalten; es sind die Schabbate der drei Strafandrohungen (von! 17. Tammus bis zuin Schabbat vor Tisclia be-Aw) und die der sieben Trostabschnitte. — Einen Sinn in der Haftarah sah man noch darin, daß man an den Text der Propheten-Lektion aller• lei Erläuterungen und predigtartige Auslegungen ankmipfte. Die Vorlesung der Haftarah ist von einzelnen Benediktionen umrahmt, die ebenso wie bei der Thoravorlesung am Anfänge und am Schlüsse gesprochen werden. Wir tun gut, in diesem Zusammenhänge einige dieser Benediktionen in Auswahl zu lesen und zu besprechen. Wir werden dabei besonders auf die zwei mittleren Benediktionen, die nach der Haftarah gesagt werden, wegen ihres nationalen Inhaltes aufmerksam. Die erste enthält eine Bitte für das verlassene Zion und die andere eine solche für den künftigen König der Erlösung, den Messias. An Literatur sollte man Elbogen, ״Der jüdische Gotte»- dienst" S, 174 ff. und Jikl. Lexikon unter ״Haftarah“ heranziehen., J. M. Kartelltag des KJV. Der diesjährige Kartelltag findet am 23. und 21. November in Berlin, Logenbaus, Kleiststr. 10, statt. Er wird «ingeleitet durch ein Zusammensein der Bundesbrüder mit ihren Angehörigen am Sonnabend-Abend. Hierbei wird Bbr. Egon Rosenberg über ״die Aufgabe des KJV. im deutsehen Zionismus“ referieren; anschließend wird der Kongreß- Bildstreifen sowie ein weiterer Palästina-Film vorgeführt. Die sachlichen Beratungen am Sonntag werden eingeleitet durch ein Referat von Bbr. Benno Cohn über ״Zionistische Arbeit in Deutschland‘•. Anschließend Bericht des Präsidiums, Generaidebatte, Abstimmung über die Anträge und Wahl des neuen Präsidiums. Der ffechaluz-Hadati teilt die Verlegung des Kibbuz ״Charuth-Cheruth“ nach Blankenese, Steubemveg 36, mit; die Hachscliarah-Möglichkciteii haben sich dadurch erweitert. Liederabend Herta Gliickmann in London. Am yergangenen Montag gab Herta G I i'1 c k m a n n in London einen Liederabend mit reichhaltigem Programm, das als Wesentliebes eine Gruppe Schumann-, Brahms- und Mahler-Lieder (״Wo di« schönen Trompeten blasen“, ,,Rheinlegendchen״) umfaßte. Diese Wahl verriet gepflegten Geschmack — einzig die beiden schwachen Lieder von Kowalsky paßten nicht hinein — tind bot der Sängerin vorzügliche Gelegenheit, den vollen, satten Klang ihres Alt zur Geltung zu bringen. Besonders das tiefe Register schien sehr ergiebig und tragfällig zu sein. Die Stimme neigt im allgemeinen mehr zu breiter pastoser Linie als zu leichter, flüssiger Diktion. Technisch am besten gelangen der Künstlerin Lieder von mehr getragenem Tempo, die der Tonentwieklung genügend Zeit ließen (״Schneeglöckchen“, ״Auf den! Kirchhof“ und das erste Mahler-Lied). Hier war auch Gestaltung und Ausdruck am stärksten. Die ziemlich dicht gefüllte Aeolian Hall spendete reichen Beifall. Dr. M. C. ״Dybuk“ als Oper. Die kgl. Oper in Rom wird die diesjährige Saison mit einer Aufführung der Oper ״Dybuk“ von Lodovico Rocca eröffnen. Die Oper, der das bekannte gleichnamige Schauspiel von An-ski zugrunde liegt, hat bei ihrer Uraufführung ari der Mailänder Skala im vorigen Jahr einen außerordentlichen Erfolg gehabt. Für die Aufführung in Rom wurden die berühmtesten Sänger Italiens verpflichtet. Die Premiere wird seit Wochen mit größter Sorgfalt vorbereitet. Der Ausstattung und dem choreographischen Teil wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. ANTWORTEN DER REDAKTION Max Herrmann, Elberfeld. Wie Sie aus der ״Jüdischen Rundschau" ersehen haben dürften, hat der Präsident der Universität Jerusalem, Dr. Mag 11 es, in der vorigen Woche eine Erklärung veröffentlicht, die für eine unbedingte Ncutralisicrung Palästinas eintritt. Dies entspricht also den von Ihnen vorgetragenen Gedankengängen. rieht Ihr an eine nein׳ Stelle!׳‘ -- fuhr plötzlich der sonst so liberlegte, Ji/.rhak inTti״ auf. und aus seinem Munde kam es nriI verhaltenem 7,1 •in : .,M ושיו \x!1• utü—eii, werden wir gehen, aber dich werden wir nicht fra::cn!׳• Dii׳ S11׳!n 1) 1 m lilcu te wunderten sich über die, grundlose Gcrci/t li 'it deschwclc-.aincii, bescheidenen Jizchak. Sie klopfteilihm auf die Schulter und sauten : ״Heule hi-l auch du aus der Jacke gefahren!“ ■lizcliak war wahrend der le|/len Tage in großer innerer Errcgum: und sein Denke״ hörte nicht auf, eine klare Antwurl und die |• r.1 er!■ ]־!ach dem Endzweck zu heischen. Soll dieses ruhelose Leben wirklich solang(‘ Fortdauern, als er noch die Kraft hat, aufrecht zu stehen') Und wenn ihn die Kräfte verfassen werden, den Hammer zu schwingen, soll er den jungeil Schultern Dawids zur Last fallen, der, wie er, zur Arbeit lieranwliehst? Jedesmal wenn er Issar traf, sagte ilun dieser; ,,Mas denkst du, ,lizcliak, vielleicht ist es jetzt Zeit geworden, all dies zur Großmutter des Teufels zu schicken? Mir wollen doch Arieli rufen und über den Zeitpunkt und den Ort, wo wir siedeln wollen, sprechen.“ \Y enn Jizchak auch nicht ausdrücklich ziistimintc. so war er jetzt in seinen! Herzen doch sein״״ dafür. Am Tage, da ihm die Sache mit dem Beamten passierte, sagte er zu sich selbst: ״Die Geduld ist wirklich bald zu Ende.“ Und zu Issar sagte er: ״Mir wollen jetzt Arieli rufen und hören, was er uns in sagen hat und falls .. .“ - er schwang seinen Arni in weil״rn Bogen wie immer, wenn es ihm schwer fiel, seinen Geilajiken auszudrücken. Arieli kam. Er erschien in der ״Slalion Müde“, ohne daß man ihn gerufen fiällo. Als er Jizchak und issar vorfand, sagte er ihnen mit betretener Stimm«, daß er mit ihnen und den arideren Kameraden, die es betrifft, sprechen wolle. Auf seinem Gesicht war zu lesen, daß er den Kameraden etwas Wichtiges niilzuteileri halte. Als Arieli diesmal den Leiilen die Lage der Dinge vörtrng. fühlte er eine gewisse Furcht, Freilich war es nicht seine Schuld, wenn die Einanzinslitute in dm Tagen der Panik erschlittert worden waren, und der ans den Ersparnissen der 1/euto gebildete Fonds nicht mehr ganz sicher war. Ein Teil dieses Fonds war bereits auf verschiedene zur Siedlung notwendige Verbindlichkeiten verwandt worden, aber wer weiß, ob die Gegenseite sich noch an ihre Verpflichtungen halten wird? Und als sich Arieli der wenige» Worte, entsaun, die seinerzeit. Jizchak mit einem Schlag auf den Tisch gesagt hatte: ״Unser Geld ist schweres Geld und falls...“ schlug die Lurcht in ein Gefühl der Reue um. Mit dieser Empfindung blickte Arieli iri den ersten Minuten auf die Leute, die sich in einem Zimmer versammelt hatten und in Erwartung seiner Rede ihre Köpfe auf die Arme stützten. Arieli wußte, daß die Leute nur auf ein Ziel losslenertön : zu erfahren, ob der Fonds erhalten und ob er imstande sei, als Grundlage für die Siedlung zu dienen oder nicht. In seinem Herzen wußte Arieli, daß diese Hoffnung auf so schwachen Füßen stand, daß inan sich kaum an sie halten konnte, Er wußte nicht, welche Worte er wählen sollte, um den Leuten das kurz und bündig klarz.umachon. Aber nachdem er zu sprechen begonnen hatte, bekam er bald wieder seine innere Sicherheit. ״Die Situation ist in» Augenblick freilich sehr kompliziert“ — sagte Arieli — ״und es ist nicht zu verwundern, wenn in den Tagen der allgemeinen Panik das Siedlungswerk um eine gewisse Zeit liinausgeschoben werden muß. Die Hauptsache ist, daß wir an der Idee fcslhalton. Mer die Lage genauer prüft, weiß, daß es sieh um eine vorübergehende Krise handelt, und wenn auch dieser Febergang schwer ist, so werden die an Erfahrungen reichen Arheilsleiite sicherlich nicht die ersten sein, die verzweifeln.“ Die Versammelten hatten den Kopf mit ihren Händen bedeckt und zum Redner nicht aufgeschaut. Auch brauchten sie jetzt nicht, mehr weiter zuzuhören. Mil aufgewühltem Herzen halten sie vernommen, daß das einzige Ziel, nach dein sie strebten, iri weite Ferne gerückt war. Jizchak war furchtbar in diesen Angenblirken. Die Narbe in seinem Gesicht zitterte vor Erregung, seine Gesichtslmil spannte sich in vrzweifelter Anstrengung, vor den Ohren der Versammelten einen mächtigen Protest gegen die LeirJd Fertigkeit zu erbeben, mit der man mit dem Arhoitsmann umspringt. Aber er fand nicht die rechten Worte. So stand er auf, hob seinen Kopf, ging mit schweren Schritten an den Tisch, schlug mit der flachen Hand darauf, und brachte nur das eine AV urt hervor■ ״A u s!“ — Dann verließ er das Zimmer. Nach ilun gingen auch die anderen weg. ״Ich habe es von vornherein gewußt, daß unsere traurigon Groschen eine, trügerische Stütze in diesem Oedland sind, in dem sogar das große Kapital noch nicht recht Fuß gefaßt hat“ — sagle Jizchak draußen zu Issar. ״Hier ״eilt alles zmn Teufel“ — brummt« Issar, und sein breiter Schnurrbart hing ilun bis auf die Mundwinkel herab. Er ging mit. lässigen, breiten Schritten n«ben Jizchak. Al s sie ins große Eßzimmer eintraten, wußte bereits das ganze Lager um den Stand der Dinge, und als die beiden an den Tischen vorbeigingen, um sich einen Platz zu wählen, wurden sic mit leichten Sticheleien empfangen: ״Von jetzt an wird Issar'nur mehr von Früchten aus sei• nein l'ardcß leben“ — sagten die Leute, ״Wen(1 ihr wollt, so nehmt mich doch mit auf euer Gut, ha-ha-ha.“ ״Mir werden euch niilndiincn“ —• setzte Jizchak seine Mütze schief und freute sich, daß sich seine Erregung im Getriebe des Eßsaals gelegt hatte. Als Ilulh Issar eine Schüssel saubcrgcwasclicner Frücht© und Gemüse brachte, so wie er es liebte, verging sein Herz vor Sehnen. Denn auch unter der Schale dieses verdrießlichen Mechanikers lebte die. Sehnsucht nach einer schönen Seele, die an seiner Einsamkeit teilnähme. Aber Ruth war all die Tag© während Abners Abwesenheit traurig und beachtete kaum di© Feldblumen und Immortellen, die ihr Issar, wie früher, zu bringen pflegte. Kinns Tages war Ruth gewahr geworden, daß sie Schwanger sei, und da Abner fern von ihr war, fühlte sie sich sehr einsam in dein großen Lager. Mit ihrem Geheimnis isoliert,© sie sich immer mehr von den Menschen des Lagers. Sie sah zwar Uri täglich in den Mittagsstunden am Tische sitzen, aber auch zu ilun zog es sie nicht. Ruth kam allein zu ihrer Arbeit in den großen Speisesaal und ging allein wieder in ihr Zimmer. Ihre Gedanken kreisten um die Zukunft, um Abner und um das zarte Wesen mnler ihrem Herzen. An die Stell© des großen Lagerlehens trat; die kleine warme Welt, in der cs genug PI alz gab für ihr Denken, ihre Lieh© und ihre Mutterfreuden. Lächelnd ertappt« sie sich bei den vielen kleinen Sorgen, die ihren Lcbeiisrauin immer mehr ausfüHlcn.!Fortsetzung folgt)

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