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Jüdische Rundschau · 1935-11-15 · Heft 92 (15.11.1935) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 92 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 16)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 92, 15. Xi. 1935 Zur Verlegung des Orgranisatl ans - Departements Der in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 18. Qkt. d, J. veroffentl.chtc Artikel von Adolf B ö 11 m, der sich gegen die Verlegung des zionistisc' :n Organisations-Departements nach Jerusalem ausspricht, wird auch von dem hebräischen zionistisehen Zentralorgan ״Ha 01 am“, London, wiedergegeben. Im Anschluß daran setzt der bisherige Leiter des Organisations-Dcpartcmeuts, Berl Locker, die Gründe auseinander, welche zu dem Beschluß der Verlegung des Departements geführt haben. Im Gegensatz zu Böhm, der außenpolitische Gesichtspunkte in den Vordergrund schiebt, betrachtet Locker es als wichtigste Aufgabe des Organisalions- Departements, i.dall von der Fxckutive aus eine völlig« Reorganisation der gesamten ii:.,we11״!»|; inatigunrit und diirehgelührt wird, und das kann ni! ht dttr• 11 Zit^oilare und!!riefe allein ge-eliehen, sondern «s wird die lünl-eiidung von sp• zivilen KniKsircn der Exekutive in die rnci-ten Fami!1, mul zwar für lungere Zeit, notwendig sein, um diese Reorganini!i<m in der Riehttiug der Vereinheitlichung der Ilewegung durelizuiulneti. Fi, 110,11 meltr: es ist im gegenwärtigen Augeiiljüi'k eine X, 11!,« de: ui 1!g, \’er: io 1 ung und Sy-tetnat isierung der }•an?.en 7.1<>i)i-1 i.e!;.׳n 1' lopogand 1:י rI ei! no'womlig. um) hei dieser •Aufgabe imiö die Exekutive die leitende Rolle übernehmen .. . Au! tirund vieri.dirigi.r Eri.Fn 1mg bin i< 11 zu der Ucbcrzcugutig geltommen, dali sie von I.uudim aus nicht oder nur sehr unvollkommen Retau werden kann,.. Von l’j)!stin.i aus wird die notwendige Aibeit der orgariisauui.chen und id!׳<)logisel1en Eniiuciung der Bewegung virküch lebendige 1 n 11njLse erh.dteu könne».'* Locker führ( w.'ier aus, daß die Bewegung verstehen lernen müsse, daß organisatorische Probleme ebenso wichtig sind wie Kolonisation und Politik. Dazu sei in den letzten Jahren wichtige Vorarbeit geleistet worden. Es sei aber ein sinnloser Zustand, daß es heute zwar eine Propaganda des Keren Hajessod und Keren Kaj e m e t h gibt, aber Leine zionistische Propaganda im eigentliehen Sinne, und diese sei nur möglich, wenn das Departetnent in lernsaletn eine harmonische Zusammenarbeit mit d!n bereits dort domizilierenden Fonds leistet, liebergeltend zu den politischen und ideologischen Argumenten Böhms führt Locker ans, daß die zionistische Leitung gewiß nicht von den momentanen Interessen des Jischuw abhängig werden dürfe, alter gerade eine gute zentrale Leitung in Erez Israel könne den jischuw starker beeinflussen. Wirklich s c 11 w v r w i e!: e 11 d sei das Böhmsehe Argument, daß die zi'ini'twellen \ö!trete!■ in London mit der Regierung und mit <i! 11 Yolkeihuml ab 1. Ölung der Gesaintbewcgung und nicht als pa'lastinensi.wlie Ambass.idcure verhandeln. ,.! wnd gi'viö <!.1:011; 211 .!oiua! .111 ס, daß 11.1<i1 .1<1L'״n bin dar Li 1, 'au: I׳.. via in u 7 n w , ■ 1. a: a 1111:;1 ,1: \ vöiayueg 1־ ir o,!!!■11 ::mts »lud! Jia» ,dem nyr:!:1 0.11׳! \ ׳ in: 11■ Ir 1 ung dir |»!11' 1 -: hell Kuinnvkuiz dio l.undu. •7 T, öo, <;:r 1' ■!•!,ut 1v•׳! ׳mg iit'iie sei. 111 17>7:1<>7 laeeeiit |a tun h \!:e!7■׳!,.!;ooooho i I ׳: ,,unaue:! ׳ uu׳i ni!'lu etwa eine (iiaoiinli -a 11,111 11(7 1 j;1 :ן K \ 1■ ku 1! ve. Do Yi 1;״!״diungiai mit der L* .!;iiiiiK'1 R.,'• oieg u'. a 11:11 wie bigiei von l’ia ■i 10111:11 oder von dem ini: der i re:!d :■ 1 tu; •a: n׳nu;0 - :>e:!'a 11071 Mitglied dvt laxekulive gi'iamn ine :da!! - eb wie!:!-1:17 - in! Namen der Geoamii xckii! iu־. \Yu1n <o ,!:!:׳,.״ui l'o!1׳i׳״i.e!1 1 »ej >a 1 7 ment in London audiidem;nah g:!1::g7 d: 11 lüan einer erweis e.eu 17a!1־aganda71t igkeit tu der bninaatuai t/:1f!;tinikn: durelizunihien, dann glaube ich, daii die von!11:1171 liorl.a!!:׳nnehmu׳ Ge:al!r kemiowegs eintreten wird, jeden!jlls io e! gui, dal! div.cs l'rnbkin von ilnn in solcher bchaitc ange-ehnitien wuide, und die Exekutive wird gewiß alles tun, Um diese Gelahr zu vermeiden.’־ Inzwischen wurde, wie an anderer Stelle des Blattes gemeldet, das Organisations-Departement in Jerusalem unter Leitung von Ben Qurion, Grünbaum und Rabbi fisch m a 11 n konstituiert. Das Ergebnis der KKL-Aktion zu Ehren von Miß Szold Die Aktion, die der Keren K a j ent e t h Lejisrael in Deutschland zu Ehren von Miß Henriette Szold durchgeführt hat, und deren Zweck die Beschaffung der Mittel für den Boden der!:toten Siedlung der Jt1gen<l-Alijal! aus Deutschland war, kann nunmehr im wesentlichen als abgeschlossen geilen. Wenn es innerhalb weniger Wochen }׳düngen ist, den für den Bodenerwerb dieser JugetuKieJIung erforderlichen Betrag ötif/uhringen mul damit die Errichtung dieser Siedlung niöglieh zu macken, so ist dieein Beweis für die große Popularitat, deren -ich Miß Szold, die Einrichtung der Jugend-Alijah und nicht zukt/t der Keren Kajemeth Lejisrael unter den Jude!! in DeuF.ehlan.i rühmen darf, aber zugleich auch ein Zeichen für duimmer mehr wachsende Verständnis der Juden in 1 )eut-xhlimd für die großen Aufgaben des Keren Kujrmetli, durch planvolieti Erwerb von zusammenhängenden grtd!1׳reu Bod, :diadieil eine .-v-temaüsdte Besiedlung Raki-tma- und Hutnit einte Erweiterung der Alijah-Mögliehkeiten zu s! unffen. Alle :;idEercn judi-clicn Organisationen haben sich 111 11 ■ ז -!1־11( 1 11־ di e-17־ Aktion gestellt. Die Zionistische Verein! •!!g )!:!׳ I icut-ihlai! 1, die 1 rauenarbcitsgemeinschaft für Ihd.i .:i.wt {\\d/m, der Judi-eiic Frauenbund, die Logen- Ye r!)i!1;Je, die (1:u!e1: >:le\: rl'unde, der Makkabi und die r. ioni-li-ehen jugend:׳:«!.le haben einmütig den von der Reichs- ■Vertretung׳ der lud׳•!! in I )1 ut-chlaiid, der ZVfl>. und dem Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde erlassenen Aufruf in die Tat um gesetzt Zahlreiche führende Einzelpersönliehkeiten haben sieh spontan diesem Aufruf angeschlossen. Folgende jüdische Gemeinden, Vereine, Stiftungen und Logen haben sich teils mit sehr namhaften Beträgen an dem Erwerb des Bodens für die erste Siedlung der Jugend-Alijah beteiligt: (1 r 111 c i 1111 :' 11: KEeil;״ h, Erfurt, Dresden, OhcrUauscn, Lcip- *ig, Wollin. RaUr.-l.iihr. Ro'kllnglmu-en, (; rr i i 011!lagen, Hannover, fSicdtrsteUcn, Erankfurt!1:1! Main. Mannheim. Soest, Freiburg, Duis- Burg, Rinteln. Neuß, l'or-t, Pei-kre'mbaii), Grossen, Münsterberg, Wiesbaden, Alt-Ramin, Ikßra, Salzwedel, Stendal, Köln, Kydtkuliiien, Görlitz, Ilemlmrg, Nord he im. *hiukimigshüfen, Hamberg, Stettin, Op• peln, (lueli, Menden, Chcnmiiz. K.iwl. F r a u e n v c r e i 11 e: ()< 1-, .\eisse.!)artenstein, Blcielierode, lirnsheim, Siegen. Mo-öacli. Altona, Tradicntnirg, Insterburg, (iltrgau, Evdtkul1m׳n, Alti-nkirelien, M.-filadbach, Kütiigsberg, Chemnitz, Verden, Wiesbaden, liurgkundstadt, Barsinghat1-.cn, lloppstätten, BirkcnfeUl. M!1 nncr-Chct-rot h: Brüdergesellsrhaft Peiskretsciiam, Clicxt lah-Kadi-el'.u Ei-cnai!1, Miinner-Chewrah Wolfliagcn. S! i i l u n g e!!!1 1, :1 l,!־gen: H;uo:: von Cnhn-OppenlH'mi־ Stiftung de! oracl. Kuhiisgetn: inde in Dessau, 1 lauxmannsche Stiftung I’eiskrctseham, Alexander und Fanny Simortsdie Stiftung Hannover, Vereinigte Wai.v ■nhauser der Heiiiemannst'hen Stiftung des israel. Sirmitisclifn SY.u-enb.nises Hannover, Gnrßlog« für Deutschland und eine Anzahl anges. 1:17.—;ner Bne-Britii-Logen. Line Reihe weiterer jüdischer Gemeinden und Institutiooen, deren Namen wir demnächst veröffentlichen werden, haben ihre finanzielle Unterstützung zugesagt. BRIEFE AN DIE REDAKTION Die brennende Auswanderungsfrage Berlin .MO, 10. Nut. 1635 An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Ich bin einer von denen, die nicht nach Palästina können, weil sie zu alt sind (37 Jahrei, und weil sie nicht die 1000 Pfund haben. In Ihrer Statistik geben Sie selbst an, daß annähernd 45 0׳ה der deutschen Juden in den höheren Altersklassen über 35 Jahren sieben. Ja, was soll denn mit uns gesehehen? Ich habe die Versammlung ■n der Gemeinde mit einigen Frcunden besucht. .Vach Schluß derselben haben wir uns vergeblich bemüht, herauszufinden, was die Redner an Posiiiveni uns bieten konnten. IJa& die Alten nicht uuswandern können, und daß die Jugend nach Palästina gehen muß, das wissen wir allein. Daß die meisten I-änder für Einwanderung geschlossen sind, haben wir auch sclioii gewußt. Daß die Auswanderung eine geregelte suin muß, wird stell ebenfalls jeder VerniinHigdenkende sagen. Aber wo sind die wirklich piaktischen Totschläge dieser Refereuten? Wo ist die Organisation der Auswande! ungslustigen? ln welches Land können wir geschlossen geben? Mit welchen Regierungen hat man verhaude 11? Wie will man für die Alten sotgen? (Herr Dir. Stahl sagte ja, daß für diese gesorgt werden wird.) Lieber diese allein interessierenden so ungeheuer wichtigen Fragen halte ich nichts geholt. Ich hin der Aufforderung der Referenten des llilfs- Vereins gefolgt und habe die-en aufgesueht. Dort sagt man jedem, der keine Verwandten int Ausland hat, daß man ihm zur Zeit nicht helfen könne. Dazu braucht man Hunderte von Menschen nicht stundenlang warten zu lassen. Ich erkenne selbstverständlich die enormen Fei-tutigcn des llilfs- Vereins an, der ja schon mehr als 10 000 Juden ins Ausland verholten hat. Aber ich sage mir, daß das keine Organisation für die Masse ist, die heraus Genf, 8. Nov. 1935 Sehr geehrte Redaktion! ln Xr. 90 Ihrer geschätzten Blätter lesen wir unter dem Titel ״Jüdische Winterhilfe“ auch von der schönen Absicht, Kindern muß, um zu leben, die kein Geld und keine Verwandten i:11 Au laud hat. Ich schätze, daß heu'e wenigstens 100 OOQ Juden heraus wollen und müssen. Wir können nicht jahrelang warten, denn bis dahin sind wir verhungert. Wir wollen keine Schnorrer werden, wir wollen arbeiten und aufbauen, denn wir sind in den besten Manneyjahren. Soll das Schicksal all dieser Juden daran zugrunde gehen, weil ein Herr ״Irgendwer“, ein unbekannter Jude die Initiative zur Organi- .Mition ergritt'cn hat? Soll alles an der so unglückseligen Prestigefrage und an Kompetenz- Streitigkeiten zugrunde gehen? Ich als Laie kann nicht beurteilen, ob der Plan des Herrn Aris gut oder schlecht ist, aber die zuständigen Stellen sind verpflichtet, jede nur greifbare Moglichkeit mir dem nötigen Ernst zu prüfen und ihre ganze Kraft und ihre guten Verbindungen daranzusetzen, um den jüdischen Massen zu helfen. Bisher haben sich die Lander mit Kreiraum gegen jede Eitizclimmigration gesperrt, weil sie fürchten müssen, daß der Einzelne früher oder später ihnen zur Fast fällt. Haben die zuständigen Stellen aber einmal bei diesen Ländern angefragt, ob sie ni'ht geneigt wären, große geschlosscnc Massen aufzunehmen, die sich selbst erhalten wollen und dem Lande zu einer neuen Konjunktur verhelfen können? Haben diese Stellen schon ernsthaft den Plan geprüft, eine intcrnationalc jüdische Akticngc- Seilschaft zu gründen, welche das notwendige Kapital zum Aufbau hergibt? Ich fordere diese zuständigen Stellen öffentH.h auf, endlich die Initiative zu ergreifen, und zwar mit der allergrößten Eile. Das jüdische Haus brennt!!! Wir brauchen dringendst schnelle Hilfe. Hochachtungsvoll Einer von Hunderttausend Harry I riedländer weniger bemitttlter Familien durch eine ,,Spielzeugaktion“ eine Chanukkatifreudc zu bereiten. Fs wärt vielleicht für viele Kinder der bedachten Kreise sicherlich keine geringere Freude, unter der Menomii auch ein Buch als Geschenk zu sehen. Wir möchten daher Vorschlägen, für Chanukkah eine Aktion zu organisieren, die unPr dem Ruf ״Ein Chanukkah-Hucii für das Kind“ die geeignete Jugendlitcratur (alte und neue) zu sammein hätte. Die Ausführung dieser Anregung dürfte keinen Schwierig- Berlin, 12. Nov. 1935 An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W 15 Ich erlaube mir, darauf hinzuweisen, daß Herrn Schalom Den- Chorin in dem Aufsatz ״Was liest Erez Israel?“ ein kleiner Irrtum unterlaufen ist. Das Buch ״Jean Christophe“ von Rolland ist nicht von Herrn Kopclevitz Dortmund-Brackel, 10. 11. 1935 An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Zu dem Artikel ״W a s s e r im Gal 11“ von C. Z. Kloctzel in der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 90 vom 8. November möchte ich Ihnen nocli folgendes mitteilen: Als Dr. Walter Stern (der ein Verwandter von mir ist) vor ca. 2>/ä Jahren seine Aus- Wanderung *voilteieiu le. wurde ilirn von Kölner Freunden ״ans Herz gelegt“, in Palästina nach Gold zu suchen, worauf Stern lächelnd antwortete: ״Gold nein, aber W a s s c r, das ist Gold für Palästina!“ ״Und wenn es möglich ist, genügend Wasser in Palästina zu linden, dann körrnen dort gut und gern fünf Millionen Menschen leben.“ ln einem seiner ersten Briefe (also vor 22/י Jahren) sehreiht Dr. Stern u. a. folgendes: P r Anfang war schwer, ni: ht in beruflicher Hinsicht, sondern in körperlicher. Klima und Lebensweise sind völlig verseht den voit dem bisher Gewohnten, so daß man sich nur ganz langsam einlebt. Mir ging es so lange gut, wie ich mich in Haifa aufhielt. Doch vollständig anders ist es in den ländlichen Kolonien zu leben. Das erfordert von vornherein sowohl eine völlige Um- Stellung der Gesinnung wie auch der Gewohnheiten und nicht zuletzt auch eine bewußte Anpassung des Körpers an die harkeiten begegnen, und vielen Kirn (lern würden wir damit eine große Freude b׳.־reiten. Eine solche 11 ilisavbcit, so bescheiden sic auch sein mag. sollte alle Be- U'iligten und Veri :(lichteten gleichzeitig erinnern, daß wir ein Volk des Buches sind. Mit Zionsgruß Emanuel Weiner ins Hebräische übertragen worden, sondern von Dr. Jevin im Verlage Sztybe! noch in Berlin. Es ist derselbe Dr. Jevin, dessen Originalarbciten zur selben Zeit in der ״Hutkufah“ erschienen sind und der weiteren Kreisen aus seiner Tätigkeit als RevisionMenführer in Erez Israel bekannt ist. Schalom! Dr. Me rk i n un Bedingungen. Leben kann liier nur der, der zu arbeiten versteht, die Arbeit bestimmt hier den Lebenstakt eines jeden, sie fragt nicht danach, wer es ist, der sic tut. sondern wie einer sie tut. So ist denn auch auf dem Lande die Herufsumsehichtmig der Juden eine Staunenswerte Tat-ache giworden. Hier gibt es tatsächlich nur noch Arbeiter und Bauern, die einst allerdings etwas andetcc, waren, (ielclii te, Aerzte. Anwälte, Inyjrnk'tire usw. Um! woran ich außerdem gezweifclt hatte, weil ich cs eben für unfaßbar hielt, daß nämlich Juden imstande sein würden, ein verwahrlostes Land in ein fruchtbares zu verwandein, aus Sümpfen Kulturboden zu machen. Städte und Dörfer zu bauen, die ständig sich an Umfang vergrößern, eben dies sehe ich als eine Tatsache, die urn so höher zu bewerten ist, als die Arbeitsbedingungen vielfach schwerer sind als in Europa. ... Mancher könnte hier viel verdienen . ■ .,!loch liier gibt es eben so etwas wie ein jüdisches Gewissen, was dem Einzelnen verbietet, sich auf Kosten der (ie-amtheit zu ber״i׳:hcrn. Denn Palästina ist in seiner überwiegiiulen Mehrheit ein Land des verwirklichten Sozialismus! Verschiedene Stillen i(1 diesem Schreiben werden die Leser der ..Jüdischer! Rundschau“ vielleicht interessieren. Gruß und Schalom Carl Herzberg Bfidier zu Chanukkah Romain Rollands Lebersetzer ״Wasser im Golil" ANTWORTEN DER REDAKTION Otto Lew, Frankfurt a. M. Die palästinensischen Flächenmaße sind: 1 Pik - 0,575 qm; 1 Dunam (16 l»ik) 919 0m. Ein palästinensisches Pfund (CP) hat den gleichen Wert wie ein englisches Pfund, dessen Wert Sie aus jedem Kurs- Zettel ersehen können (gegenwärtig zirka 12,25 RM.). D. H. In L• Es ist uns bekannt, daß der aus Deutschland stammende jüdische Journalist Esriel Carleb ach in jüdischen Zeitungen des Auslandes ein völlig verzerrtes Bild von den Transaktionen der Haavara gegeben bat. Sie können sich aus den in Nr. 91 der ״Jüd. Rundschau״ erschienenen ausführlichen Darlegungen eines verantwortlichen Fachmanns darüber informieren, nach welchen Grundsätzen die Haavara arbeitet. Kein mit den Dingen vertrauter Zionist hat jemals geleugnet, dal) sich bei dein Transfer Schwierigkeiten ergeben, die in den objektiven Verhältnissen begründet sind und daß vor allem die Menschen, die sich zu spät entschlossen haben, einige Zeit warten müssen, weil andere schon vor, früher vorgemerkt sind. Aber wer die Materie halbwegs kennt und nicht nach Gassengeschwätz urteilt, wird ohne weiteres anerkennen, da ft hier, wie wir im Leitartikel der letzten Nummer schrieben, ״durch Umsicht und Organisationstalent wenigstens auf einem Teilgebiet Erfolge erreicht wurden“, die einer großen Zahl von Juden die Gründung einer neuen Existenz ermöglichten und gleichzeitig der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas entscheidende Impulse gaben. Wer kann verantworten, dies zu stören? M. S. In Breslau. Die Acußerungen von Friedrich Nietzsche gegen den Antisemitismus in seinem Briefwechsel mit der vorige Woche verstorbenen Schwester, Elisabeth Förster-Nietzsche, finden Sie zusammengestellt in dem von Prof. Alfred Baeumler (dem bekannten National- Sozialisten) herausgegebenen Band ״Nietzsche in seinen Briefen“, Verlag Alfred Kröner, Leipzig, S. 408 ff. Es wird dort einleitend von Baeumler bemerkt, daß Nietzsche der Antisemitismus unsympathisch war, obwohl er selbst ״antisemitischen“ Gedankengängen nicht ferngestanden habe. Es werden dann eine Reihe von Aeußerungen, die sich gegen den Antisemitismus wenden, zitiert. In den Briefen an die Schwester, die von inniger Vertrautheit erfüllt sind, schreibt Nietzsche (S. 436 a, a. O.): ״Eine der größten Dummheiten hast Du, mein armes Lama, gemacht — für Dich und für mich! Deine Verbindung mit einem antisemitischen Che? drückt eine E r c m d h c i t gegen meine ganze Art zu sein aus, die mich immer von neuem mit Groll oder Melancholie erfüllt. Du sagst zwar, Du habest den Kolon isator Förster und nicht den Antisemiten geheiratet und dies ist auch richtig; aber in den Augen der Welt wird Förster bis an sein Lebensende der Antisemitenchef bleiben.“ — Im weiteren Verlauf des Briefes spricht sich Niei/tchc nochmals eindringlich gegen den Antisemitismus aus. In dem Brief an seine Schwester vom 3. Mai 1888 (a. a. O. S. 460) schreibt er die rührenden Worte: ״Und wir haben uns doch lieb sehr lieb, wenn wir auch einander wehe getan haben: Du mir durch Deine antisemitische Heirat und ich Dir durch mancherlei ungerechte und unbillige Vorwürfe über diese Heirat?“ E. de Vries, Amsterdam. Die Aussprache des Ajin als Gutturallaut ist auch in Palästina in Anlehnung an das Arabische immer mehr im Vordringen und wird sich von dort aus vielleicht auch in Europa einführen lassen. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Zu dem Aufruf aller jüdischen Organisationen haben wir noch nachzutragen, daß die Vertretung der Unabhängien Jüdischen Orthodoxie Deutschlands sich dem utrut angeschlossen hat. Damit hat sich der Reichsbund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden in Halberstadt, die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums e. V. in Frankfurt a. M. und die Landesorganiisation der Agudas Jisroel in Deutschland in den Dienst der Jüdischen Winterhilfe gestellt. Persönliches, Jacob T e i t e 1, durch jahrzehntelange soziale Tätigkeit hekannt und geschätzt, begeht am 15. Novemher seinen 85. Geburtstag. Er war vor dem Kriege der einzige jüdische Richter und Staatsrat in Rußland. Unzähligen Mensphen war Teitel ein unermüdlicher, helfender Freund. Schon vor dem Weltkriege veranlaßte er westeuropäische Organisationen — Hilfsverein der Juden in Deutschland, Alliance Isratilite Universelle und Jewish Colonization Association — sich an der Jugendfürsorge in Rußland zu beteilien. Gleich vielen anderen verließ auch Teitel Rußland nach em Umsturz. Er begann sofort damit, ein Emigrantenhilfswerk aufzubauen, in dem er noch jetzt in hervorragender Weise wirksam ist. Die Zentralstelle für Jung-Wizo-Arbeit in Deutschland, Sitz: Frankfurt a. M., bittet alle Jung-Wizo-Gruppen. die der Zentralstelle noch nicht angeschlossen sind, um Adressenangabe. Anschrift: Friedei Simon, Frankfurt a. Main, Rhön- Straße 39. Als. Nachfolger für den verstorbenen Dozenten Heinrich Speyer wählte das Rabbinerseminar Breslau Rabb. Dr. E. E. Urbach, der mit Arbeiten über die Tossafistcn an die Oeffcntlichkeit getreten ist. Die Großloge für Deutschland VIII. U. O. B. B. hat ihre diesjährige Fcstnummcr zum Ordeustag dem Thema ״J u - d e n t u m und Gebe t“ gewidmet, mit Beiträgen von Richard Koch, Jos. Carlebach, Else Rabin, Dienemann, Italiener, Arno Nadel u. a. Jüdische Frontkämpfer der k. k. Österr.-ung. ArmeeI Das Bundesministerium für Landesverteidigung in Wien verleiht ehemaligen Frontkämpfern und Kriegsteilnehmern die österr. Medaille gegen geringe Gebühren. Auskunft kostenlos, gegen Freikuvert, durch I. Rosenstock, Mannheim, Luisenring 60.

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