Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 92 (15.11.1935)
- Date
- 1935-11-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr.?2, ]5. XI. 1935 Briefe aus Mallorca / Von Arthur Segal Gelegentlich der Eröffnung der Segal-Ausstellung in den Räumen von Frau Dr. London, Joachimsthahr Str. 7-8, las die Schauspielerin Camilla Spira Stücke aus dessen Briefen vor. Wir glauben, daß diese Briefe, die das Naturgefühl und Künstlertum des Malers so eindringlich offenbaren, bekannt zu werden verdienen, und geben daher mit Zustim• mung der Adressatin, Frau Ratkowshi-Braun, einige Abschnitte hier wieder, denen wir Stellen aus anderen Briefen Segals hinzufügen. (Red.) der Bildung der künftigen Generation, die Bestimmung ihres Schulprogramms, des Lehrzieles, der Schulgestaltung hängt ganz von der Ansieht der Eltern ah. Und warum sollen Elter«, die im Hebräischen nur eine Art Esperanto, ein Verständigmigsinittel für den Notgebrauch sehen, Verständnis dafür haben, daß der jungen Generation der Weg zu den jüdischen Werten der Jahrtausende gewiesen werden muß? Hat doch nicht einmal die jetzige Generation der Ostjuden das Verständnis für die Notwendigkeit dieses Weges in die Vergangenheit. Man beachte auch dies: Die Assimilationskraft Palästinas war bis vor kurzem gegenüber der jungen Generation durchschlagend. Daß Kinder untereinander nicht hebräisch sprachen, wäre undenkbar gewesen. Honte ist es eine häufige Ersefieinung, Kinder zu sehen, die vor zwei Jahren nach Palästina gekommen sind und untereinander immer noch Deutsch sprechen, auch wenn sie in die hebräische Schule gehen. Das landsniannschaftliche Prinzip hat auch hier den Sieg davongetragen, indem sich die Kinder der Einwanderer aus Deutschfand in gewissen Schulen konzentriert haben. Das mag in mancher Beziehung gut sein, unter dein Gesichtspunkt der Volk.\vcrdung ist es zweifellos eine GefaJir. VI. Wir dürfen das Problem nicht der nächsten Generation zusclieben, es ist unsere eigenste Frage: Wie bilden wir aus Einwanderern Gemeinschaft? Buber hat einmal gesagt, ein Kreis entstehe nicht dadurch, daß sich die Peripherie zusainmenschfießt, sondern durch das Zentrum. Dies ist die entscheidende Frage: Gibt es für dies« Einwanderer ein Zentrum, das sie z 11 s a in m e n s c 111 i e li t? Wir dürfen die Augen nicht davor schließen, daß der Zionismus als Partei für Palästina dieses Zentrum nicht bedeutet. Der Zionismus ist in Palästina von den Parteien abgelöst worden, die allein wirklich gern ein Schafts bi!de 11 de Kräfte haben. Aber diese Kräfte bedeuten gleichzeitig eine große (]«fahr, denn sie einigen und veruneinigen zugleich. Es wäre freilich schon, wenn wir sagen könnten, die Reli g i o n ist eine eiiiheitsbilclende Kraft. Aber die Wirklichkeit zeigt nichts davon, und wir sollen uns darüber keine!Illusionen machen. Der ״Aufbau des Landes“ wiederum (Birnau Haare/) kann nicht ein geinemsdiaftshiklendes Ideal sein, solange nicht alle in der Art, wie das Land aufgebaut werden soll, übereinstimmen. ln unserer gegenwärtigen Lage sehe ich nur eine Kraft, die stark genug■ wäre, gemeinscliaftshildcnd zu wirken : das Hebräische, und zwar das Hebniisclie als die Sprache unserer großen Vergangenheit und deren Literatur. Könnte die Begeisterung für das 1 lebrüische die׳ Herzen entflammen, so wäre ein Zentrum der Gemeinschaft sbildtmg gegeben, das uns fehlt. Ob wir dazu fähig sind? Die Antwort liegt bei jedem Einzelnen: in Palästina und in der Diaspora. Man denke nur daran, weich gewaltige Kräfte am Anfang des 19. Jahrhunderts die deutschen Romantiker in ihrem Volke lebendig machten, als sie den Blick der Gebildeten auf die Schätze der deutschen Vergangenheit zuriiekwandten. Könnten wir für unsere Vergangenheit eine solche Begeisterung entflammen, so wäre das Problem unserer Geineinschaftsbildung gelöst. Das wäre ein Weg; vielleicht gibt es bessere. Vielleicht nicht einen Weg, sondern viele. Wie dem auch sei: das Wichtigste ist zunächst einmal, daß wir die entscheidende Bedeutung des Problems erkennen. Irrtümlich wurden, wie uns der Vortrupp-Verlag mitteilt, bei der Preisreduzierung von Hirsch: ״Praktische Judentumskun d c“ die Preise verwechselt. Die richtigen Preise sind folgende: kartoniert RM. 2,40, Leinen geb. RM. 3,20. Basler Hof, Basel I Das gut geführte Haus Zimmer ab Frs. 4.50 | Wißt Ihr, daß ich immer mehr das objektive Natiirhild als die einzige Zuflucht aus dem flüchtigen Chaos der KunstanffasMingen sehe? . . . Dazu batten wir die Mandelblüte! Blüten im Februar, dazu ein Lieht 7.11m Yerriirktwerden, und ein Duft, eine Zartheit der Farben und eine Mannigfaltigkeit der zartesten Fefslöne, wie ich sie noch nie erlebt habe, die junge Natur! Es ist so erfrischem! und erfreuend, so rein und beglückend, daß ich nur die eine Sehnsucht habe, den einen Drang, alles zu malen, malen, malen! Ich möchte die Bäume, morgens, mittags, alx'iids Regen den Himmel, gegen dunkles Laub, gegen die Stadt als Hintergrund, gegen das Meer, gegen den Hohen Gott malen. Denken Sie ein Grün der Wiese, darauf die weiße und!)laß rosa Fülle von Blüten, dicht dabei dunkles, verworrenes Geiisl.. aus diesem blinkend ein strahlendes Flimmern über dieser Bhitenprachl! Am Horizont erheben sich di(' hellen, fremdartigen Häuser der Stadlperipherie als helle, leuchtende Flerke von unglaublicher Mannigfaltigkeit, mit den wundervollen allen, verwitterten Ziegeldächern darüber, vor dein blauen Berge und darülx'r ein Himmel, ein Himmel, daß man im Himmel zu sein scheint, und ein reines, frisches Licht, daß man jung und llimineisstürmer wird, und weile, weile Felder und (veiler, weiter Baum, und dann Hiigel und Felsen, und dazwischen Mamlelbaum bei Mandelbouin, weiß und blaß rosa und lieht, und zart. OI1, je länger icli liier hin, desto mehr sehe ich hier Schönheiten: Schönheit des Frühlings, nein, eine schönere im Sommer, nein, den Herbst, nein, manchen Miniertag mit Sonne, mit 18 Grad Marine. Ich habe viel gemalt, und es ist manches Schöne entstanden. ... M'as halie ich mir Mühe gegeben! Erwarten tue ich nichts. Ich will in dem Brief nicht all das Trülie und Schwere־ erwähnen mit. all der Sorge, es soll ein hoffender Brief worden, wir gehen, nein, wir sind im Frühling von Mallorca, frh will malen, ich muß malen, ich bemitleide beinahe jislen Menschen, der nicht malt, jawohl, es ist mir gleich, ich muß malen; denn ich sehe nichts als Farlien und Formen und Helligkeiten und Dunkelheiten, das ist meine Natur, ich kann halt malen nur und sonst gar nichts. Kulturbund - Fragen Wir erhalten folgende Zuschrift: Die jüdischen Kulhirbiüide und besonders die Berliner Organisation hat offenbar mit größeren Schwierigkeiten auch in der Programmgestaltung zu kämpfen, als von außen her erkennbar ist. Es allen recht zu machen, ist gewiß unmöglich, aber die Linie des׳» sc 11 w ä c h St en Widerstandes zu wählen, ist eines Unternehmens, dessen Zweck Kultur sein soll, nicht immer würdig. Wenn z. B. Klage darüber geführt wird, daß in den Vortrags-Veranstaltungen fast immer die gleichen Referenten zu Worte körn men und häufig der einzige Themenkreis des deutschen emanzipatorischen Judentums abgegrast wird, so erscheint es ratsam, darauf hinzuweisen, daß die anderen jüdischen Lebensbereiche nicht bloß aus dem 19. Jahrhundert in aller Herren Länder wohl ein ergiebigeres, breiteres und mindestens so aktuelles Gebiet für Vorträge wären. Der gelegentlich zu hörende Einwand, das Publikum des Kulturbundes fühle sich bei der Behandlung von Themen, die es schon kennt, besonders wohl, erscheint unangebracht, denn mit der ״Entdeckung“ von neuen Gebieten hat inan es bisher noch kaum versucht, und überdies ist es ja Sache des Kulttrrbundes, sich, nämlich der Kultur, das Publikum zu erziehen, Aus einem anderen Briefe: M'cnn ich auch besessen bin vom Farben rausch de* Früchte.,., meine Angen sehen nur Farben, Farben, Licht, Licht, Schatten, Schalten, ich sehe nicht; die Dinge, sie gehen vollständig verloren; wohin ich sehe, sehen meine Augen, mein Gehirn, Farbe. Helligkeit, Form, Verhältnisse: groß, klein, ich bin ganz und gar Sclumschinc geworden..., Zitronen, die ganz grün sind und solche, bei denen das Griin mit dem kommenden Zitronengelb kämpft. Laßt sie z. B. von zwei Seiten beleuchtet sein, daß bläuliche Glanzlichter spielend erzeugt werden, in der Mille werden sie ganz, dunkel, so daß sie sich mit dem dunkelbraunen Tisch verbinden... leuchfende Gesirhl.stoile, die aus dem Dunkeln herausglühen ... Die Natur malt immerzu Bilder, Bilder, sag ich Euch, daß mir der Atem vergeht, joden Augenblick anders, jedes anders, eine Kostbarkeit; ich bedauere jeden, der nicht malt, der nicht sieht, er kommt; mir vor wie unvollendet, was will er in der Mell? Ich bin besessen, ein Fanatiker des Malens. Mo nehme ich die Kraft, und die Zeit her, ich möchte nie aufhören, von einem Bild in das andere hineinleben, das Ganze eine Kontinuität, von fließender Farbe, die sich lebendig formt und fügt, das Leben erfaßt von Millionen Seilen, nie endend; denn immer neuartig und herrlich... Aus einem Brief vorn 10. Oktober 1935 an seinen Schüler, den Mahr 11.: Es wird sehr gut sein, wenn Sie nach P alästina gehen, ich würde nicht mehr lange warten, dort werden Sie wichtige Aufgaben haben, vielleicht komme ich auch hin und Frau B., und alle müßten auch liinkornmon, und dort müßten wir ,,die Gruppe der jungen Naturalisten“ machen (und stark für gute Malerei kämpfen). Es tut not, daß dort eine strengere Kunstaiiffassung lebendig wird__ besser dafür als für etwas anderes seine. Kräfte zu gehen! Aus einem Brief vom September 1935: Mir haben Pflichten dem Judentum gegenüber..., und wenn Sic in Palästina sind: erst recht der Malerei treu sein, Sie haben eine große Aufgabe, vergessen Sie das nicht. Viel-!eicht sehen wir uns iri Palästina, — vielleicht? statt sich von den nicht 7,u vielen, die überhaupt Wünsch« äußern, allein bestimmen zu lassen. Wenn aber eine Veranstaltung, wie der erste Dichter' Abend dieser Saison, ein Mißerfolg nicht nur aus orgfanisatorischen Gründen werden mußte, so kann man dem Kulturbund nur mit einer Liste von jüdischen Autoren aufwarten, die seit dem Bestehen des Unternehmens nicht oder so gut wie nicht zu Worte kommen konnten, obwohl keiner von ihnen unter dein Niveau der bisher aufgetretenen stehen dürfte, z. B.: Ernst Blaß, Ludwig Strauß, Karl WoIfskeM, Max Brod, Franz Werfel, Ernst Lissauer, Egon Frieden, Ernst Weiß, Walter Benjamin, Efraitn Frisch, Leo Matthias, Otto Zarek, Oskar Baum, Alice Berend, Alfred Mombert, Else Lasker-Schiiler, Margarete Susmann, Ludwig Fulda, Georg Hirschfeld, Felix Salten, Martin Beradt, Felix Braun. Eine andere Anregung betrifft den T 11 e a t e r - S pi el - plan. Vielleicht könnte man für den nächsten Sommer, um die unglücklichen Experimente der Vergangenheit nicht zu wiederholen, Austau schgastspiefe mit anderen jiidisehen Ensembles arrangieren. Und vielleicht ist es auch nicht überflüssig, bedeutende jüdische Dramatiker zu nennen, von denen hier bisher nichts aufgeführt worden ist, z. B.: Anski, Heijermans, Perez, Dramatisierungen von Scliolem Alejchem und Mendele Mocher Sefarim, dessen 100. Geburtstag demnächst zu feiern ist, Lengyel, Nathansen, Fr. Langer. —i. allen Luden sehläm'i-Ilcn sieh <<׳h\varz(\ 1eicl1tl>0We״lielto Ge- .stallen cnllang, die längs <!cn!■eisen mul den dnzwischenli(,genden Slriiurliern «lahi iikroehrn. Die Patrouillen warm lotmilde, D;e ganze Oedland war zu einem Feind(' geworden, der immer naher kommt. Der Moni! war bereits rot unter״og.׳m gen, als die Schüsse n!1 der Nordgrenze plötzlich wieder auf Hack ritcn. In der Finsternis wech-cllen die Feuer funken auf he i! len Seilen.' In ganz ,](1iiia wußte man, daß jetzt etwas gesch»־h1׳n sei. Nach einigen Augenblicken kam ein Hole ׳zu den Posten Almers und niel- (ictrdie Liri/ellieilf'it: nach M01!d1mtcr״ar1u' lialx■ die Bewegung im 1\ ei/eiifeld, das ,),pr( angrcnzl, zogen« mimen. Dort hätten die Leute, die vom ״Hügel der Holle'‘ gekommen waren, ihre Herde übernachten lassen. M egen ihres A ielios hätten sie ('S vorgezogen, dort auf dem M eideplalz zu bleiben. Sie hätten nicht nach L'mra seihst kommen wollen. Die!״eilte seien von der VA eide am Jag und «lern \\ aehtdiensl in der Nacht müde gewesen. Dem aut lauernden Feind(' sei cs gelungen, unbemerkt in ihre Herde einz.ubrechen. Als man es wahrnahm, sei bereits alles in Dunkel gehüllt, gewesen. Die Herde sei ins Mei/.enfeld getrieben worden, und die Leute hätten in den Meizen geschossen, von wo ihnen ein starkes Gegen Teuer geantwortet halte. Hilfe, die dort hinkam, sei auf einen der Leute vom ״Hügel der Hube“ gestoßen, der mit dem Gewehr in der Hand der Länge nach auf der Erde lag. Als man näher untersuchte, halte es sich herausgestellt,, «laß er tot sei. ,.Wer war es?“ ..Ein Mann mit einem Barte, wie alle Leute vom ״Flügel der Hube.“ Irgendein Ausweis wurde hei ihm nicht gefunden. Nur sein zerrissener Al;011«׳!, der llirtcnslab und das Gewehr.“ ״Und die anderen?“ ״Die anderen schossen von ihren Platzen aus weiter. Wir sahen die Schüsse, die von dort, kamen. Dann wurde ich hierher geschickt. Die Schüsse «ler Gegenseite liaben seitdem nachgelassen. Anscheinend hat. man sieh mit dorn Forttreiben der Herde begnügt,“ Bei Anbruch der Morgenröte war liier keine Spin des nächtlichen Kampfes mehr zu sehen. Alles schien ruhig wie immer. Die Wachtjmsten, bleich, vor Kälte fröstelnd im«! abgespannt, sogen die Luft des blauenden Morgens tief in sich ein. Patrouillen meldeten, daß die Zelte nicht mein־ Im*!einander ständen, sondern sich in Gruppen zerstreut hätten. Anscheinen*i seien Streitigkeiten um die Beule ausgebrochen. Die Leute von Teura atmeten auf. Als in den Straßen Tewas Leutnant Harris erschien, hoch zu Roß und seihstsicher, wie jemand, der Immer zur rechten Zeit kommt, lud man ilin zu einer Versammlung ein, die die Besitzer der großen Unternehmungen in Teura gerade einberufen hallen. Baschan war der Hauptredner: ,.Die Unterbrechung׳ der Arbeit auch nur für einen Tag bedeutet den Verlust von einer halben Million Pfund, ganz abgesehen von den anderen, mehr mittelbaren M’irkumjcn. die durch diese Unterbrechung entstehen. Wir stehen mit «lern M’ellkapilal in Verbindung, und der Geruch des Schicßpulvors ist imstande, diese Verbindung zu schwächen und das Vertrauen zu unseren Unternehmungen, das wir 11ns mit soviel Mühe erworben haben, ins Schwanken zu bringen. Wir müssen sofort 7,11 unserer alter! Lebensordriung zurürkkehren, und von heute ab muß die Maschine wieder in Gang kommen. Ich fordere Sie, meine Herren, auf. mir einhellig zuzuslimmen. Irgend etwas Ernstlich« ist ja nicht, vorgefallen, es war dies nur ein Traum des OeJlands, der auch nicht die geringste M'irkung auf die gesunden und sachlichen Grundlagen gehabt bat, auf die unsere Unternehmungen in Teura gestellt sind.“ ..Ich hin bereit, nach Kräften dalx•! zu helfen“, sagte Harris mit einem höflichen Lächeln auf seinen dünnen Lippen, nachdem er den Worten Basch ans aufmerksam gefolgt ־war. ״Das Kapital, das es verstanden hat, überall in der M'clt zur Ausbeutung der natürlichen Bodenschätze vorzudringen, wird auch in diesem Oedland den rechten M'eg finden, die Unternehmungen zu entwickeln, mit denen es begonnen hat. M'ir sind sicher, daß wir dabei die Unterstützung der aufgeklärten Staatsmacht auf unserer Seite Imbon.“ Das Gesiebt, Harris' hellte sich noch mehr auf als zuvor. M ortlos wandte er stell, z.urn Gehen, bestieg sein Pferd und trabte langsam am Abhang de« großen W adi entlang. Als er dann wieder vom Wadi heraufkam, lud er einige aus Teura ein, mit ihm zu den Zelten liinahzukommen. Unter den Geladenen waren auch Awiwi und Almer. Etwa zehn Leute saften iin Automobil, das zu den Zellen hinabfuhr. Die Aoltcsten, die im Schatten eines großen Zeltes in «ler Bunde saften, erhoben sieh und kamen den Gästen mit ehrerbietigem Gruß entgegen. Unter dem Schulz der ruhigen blauen Augen Harris' hockte *Ile Hunde nieder und schlürfte aus Schalen den schwärzen Kaffee. Dann wurde am Spieß gebratenes Fleisch gereicht. Hascliid saß Abner gegenüber und senkte seine Augen zu Boden. Er hatte, in brütende Gedanken versunken, ganz vergossen, den Brnlen zu berühren, der gereicht wurde. Rings! um Raschid besprach inan sich in ruhiger Unterhaltung, an der nichts mehr von den» Ausbruch des Vortags spürbar war. Die Sitte der List und die Konvention des Schweigens über- «leckten «las vergossene Blut und die geraubte Beute. Harris sagte vorsichtig: ״Gebt euch gegenseitig die Hand, und Friede sei in euren Wohnungen! So rein lind fest gegründet wie dieser Friedensbund soll auch der Friede■, sein!“ Das Schweigen der Hunde sollte diese Worte besiegeln. Aber Abuers Mund cnlfubren Sätze, die ans Obr aller drangen : ״Der Frieden, geschlossen über dem Friedensopfer, wird so schnell, wie er zustande gekommen ist., wieder dahinsein!‘1 Raschid schnellte von seinem Sitz auf. Den Anwesenden seinen cs, wie wenn ein kalter Luftzug über den Behang «1« großen Zeltes dahinwehte. In Harris’ Augen flackerten blitzende Funken gegen Almers Gesicht, der mit, fester Stimme fortfubr: ״Bewohner Tihiras und Männer des Oedlands! Ihr seid erfahrene Leute, erwägt es wohl und überlegt es mit Vernunft! Glaubt ihr wirklich ehrlichen Herzens, daß das Friedensopfer noch seine Frische bewahren wird, wenn die Elektrizität und die Maschine ins Oedland kommen? Ihr, Männer des Oedlands. habt euch erhoben, weil ihr an den Beton und die Leute, die mit ihm arbeiten, nicht; glaubt; ihr seid zurückgewichen, weil der Beton stärker ist als ihr und ihr nicht gegen ihn kämpfen könnt. Wenn ihr wirklich Frieden wollt, so reicht der Maschine und den!■amten, die mit ihr arbeiten, eure llaml. Schickt die ,.Oedlaridkompanie“ ins Werk zuriiek und wühlt nicht die Launenhaftigkeit «les Friedens und der Rache, die uns schließlich alle kinderlos machen wird. Auch dem Oedland wird daraus kein Nutzen erstehen. Denn wenn wir, die Arbeiter in Beton und Eisen, das Oedland verlassen, werden an unserer Stelle Fremde kommen, die es mit gezücktem Schwerte nehmen werden. Denn es ist nun einmal «las Schicksal «les Oedlantls, in Kulturland verwandelt zu werden. Mir kommen, um in ihm zu arbeiten und zu leben. Und auch ihr sollt mit uns arbeiten und leben. Gebt und verkündet den Zelten jenseits der Berge die Kraft der Elektrizität, die dem Menschen zu Hilfe kommt. Ihr müßt begreifen, und alle Bewohner der Zelte mit euch, daß das ganze Oedland des Arbeitenden harrt, und daß «ler arbeitende Mensch bereehligt und verpflichtet ist, in jedes Oedland zu gehen, es mit seinen Händen aufzubauen und in ilnn ein sinnvolles menschliebes Dasein zu errichten..“ (Fortsetzung folgt}