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Jüdische Rundschau · 1935-11-15 · Heft 92 (15.11.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 92 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 92, 15 XI. 1935 hält« entwickeln können, ist eine Vereinigung von Natur und Vernunft, von Geist und Instinkt. Unsere Väter waren, innerlich gesehen, nirgends helmatlos, weil sie ihre seelische Heimat mit sich trugen. Wir waren oft heimatlos, trotz äußerer günstiger Stellung. Heimat ist kein äußerer Rahmen; heimisch sein, innerlich hineinpassen, seine Seele mit der Seele des Milieus verschmelzen, — das ist ein psychologischer Prozeß. Man kann in Palästina jüdisch heimatlos sein, und man kann in jedem anderen Lande jüdischheimisch, d. h. wurzeltest sein. Seine Eigenart erkennen, in ihr leben, — das ist alles. Begreifen, aus welchen Quellen unsere Kraft fließt, das ist das Gebot unseres Seins. Wir können es nicht vermeiden, daß der Nachbar uns falsch beurteilt, aber wir selbst müssen unsere Art, unser Wesen richtig erfassen. Wir können das Milieu draußen nicht ändern, aber ein neues )irdisches Milieu können wir schaffen, in dem wir alles Schöne liebevoll pflegen. Draußen herrschen kalte Winde, flüchten wir uns in die bescheidene jüdische Stühe, wo Herzenswärmc uns entgegenströmt. Wir können es nicht rindern, daß unsere Kinder in der Staatsschule als fremde angesehen werden; aber wir können sie in Schulen schicken, wo sie sich wohlfühlen, wo sie das Jüdische al* Stolz und nicht als Schmach empfinden. Wir können das Schicksal nicht ändern, aber daraus etwas gest alten, — äußerlich für die Stunde, innerlich auch für die Zukunft. Wir kennen nicht die Wege der Zukunft, aber wir fühlen, daß eine gesunde Zukunft für uns nur eine wahrh a f t jüdische Zukunft sein kann. Wir können es nicht verhindern, daß täglich jüdische Existenzen vernichtet werden, aber wir können brüderlich empfinden, menschlich helfen. Wir können an uns arbeiten, Bereitschaften für die Lehens Wandlungen schaffen. Wenn Spinoza alles aus der Perspektive der Ewigkeit beurteilt haben will, so ist das eine alte jüdische Auffassung. Das Judentum rückt alles in die Sphäre der Ewigkeit, und nur «o kann man den jüdischen Problemen gerecht werden. Wer jüdisch denkt, muß da« Judentum als ein ewiges Element *rischen, darin ruht Kraft und Trost, und nur so können wir alle Widerwärtigkeiten des Lebens überwinden. Es hat keinen Sinn, die bittere Wirklichkeit zu verhüllen, aber auch nicht schwarz zu malen. Unser Schicksal ist schwer, aber unsere Ahnen hatten cs häufig noch schwerer. Haben wir unser Schicksal und unseren Beruf erkannt, dann werden wir uns auch den Weg zu neuem Leben bahnen. Ls ist Herbst. Draußen toben die Sturme, als wenn sie alles vernichten wollten. Aber, unserem Auge unsichtbar, keimt in der Tiefe der Erde neues Leben und auf «len Winter folgt ein E r ü h 11 ח g. Sehen wir nicht dasselbe Bild immer wieder in ih r jüdischen (1 c-c!!blite .־־ I olgt da nicht auf jede Epoche des Niederganges «1ine Zeit neuer Biutc? Das Judentum vorstand den Sinn der Zeiten, die Lehren der Natur. Die Gedanken fugten sich der Zeit, die Zeit den Gedanken, — alles im Rahmen der Ewigkeit. Verstehen wir die Zeit und ihre Forcierungen, dann ist viel gewonnen. Unser Weg fuhrt trotz aller Hindernisse aufwärts, Vorsehung und Geschichte sind die Wegweiser. Zu den englischen Wahlen Wir haben in der vorigen Nummer berichtet, daß im Verlaufe der Propaganda für die englischen Unterhauswahien, die am!4. d. M. stattgefunden haben, eine Reihe von Staatsmännern Erklärungen an die i ii d i s c h e n Wähler veröffentlicht haben. Außer den bereits genannten konservativen Persönlichkeiten hat auch die Rcichsleitung der Labotir Party eine Erklärung erlassen, worin sie daran erinnert, daß die Labotir Party sich schon während des Krieges für die Idee eines Jüdischen Nationalh t i m s in Palästina einset/e und daß seitdem die Jahreskonfcrcnz der Partei wiederholt die Unterstützung dieser Idee bekräftigt hat. Die Partei werde auch in Zukunft iiirc Sympathie und ihre .Mitarbeit heim Work des politischen und ökonomischen Wicilermifl aus in Palästina aufrechtcrlialten. Einer der Führer der Arbeiterpartei, Herbert ,Morrison, der als der kommende Manu der Partei gilt (/. R. in dein Bericht der ״Erankhirtcr Zeitung1׳ vom la 11. als der künftige Lahoiir-Premn׳rminister be/eiehnct wird), ist ein bcgeistertcr Bewunderer der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina, das er im vorigen Sommer besucht hat. Morrison hat in einer Wahlversammlung!n Whitechapel eine begeistcr♦׳■ Schilderung seiner Rciseeimhücke gegeben. Im Wahlkämpf in Whitechapel unterstützten die Po,11c Zion den dortigen Kandidaten der l.aboiir l'artv gegen den zionistiirhrii liberalen Kandidaten Jänner. In ’ einem anderen Wahlbezirk des Londoner Lastend hieben die beiden um das Mandat kämpfenden Kandidaten vor der zionistischen Ortsgruppe \\ ablredeu, in denen sic eine t 'iilerstiit/ung lies Z.ioni*miss in Au-sidit stellten. Auch in Manchester haben die verschiedenen Kandidaten an einer zionistischen Ver- Sammlung tcilgenon!nun und ihr Interesse für die Palästinapolitik bekundet. In einem Wahlbezirk .Manchesters hat übrigens der konservative Kandidat Duekworth, dem als Kandidat der Labour Party ein Jude (Lesbe Lever) gegenüberstand, sich zu antisemitischen Aeiißcrungeii hiureißen lassen, was zu Protesten von jüdischer und nicht jüdischer Seite führte. Im übrigen aber sind, wie schon erwähnt, in diesem Wahlkampf jüdische Fragen so gut wie gar nicht erörtert worden. Not unter den •luden Bessarabiens Bukarest, 12. November. (JTA.) In vier Distrikten auqnessarabiens ist eine Hungersnot ausgebrochen von der insbesondere auch die dort lebenden jüdischen Landwirte und Kleingewerbetreibenden auf dem flachen Lande ertatü worden sind. Zehntaiisende jüdische Familien entbehren da* tägliche Rrot. Der KäHcuinbnich der letzten Tage hat die Not verschärft. Die jüdischen Gemeinden und Organisationeu Altrumäniens und der Bukowina haben Hilfsaktionen zugunsten der Notleidenden eingelcitct. Jn der bessarabischen Hauptstadt K i s c 11 i n e w fand ein von der Jüdischen (ieineimle e!nberufener Kongreß der jüdi* scheu Gemeinden Ressarabiens statt, an dein fast 150 Delegierte aus allen Teilen der Provinz teilnahmen. Dur Kongreß, der unter der Leitung des Vorsitzenden der Kisclünewer Jüdischen Gemeinde stand, war Maßnahmen zur Bekämpfung der Not in den jüdischen Landgemeinden und der Schaffung eines bessarabischen Gemeindeverbandes gewidmet. Jenseits der Parteie Entwicklungen Von Max Grünewald, Mannheim Jewish Agency Bis in die jüngste Vergangenheit bewegten sich Unterhaltungen mit Nichtzionisten in ucr Sprache der Nuancierungen. Der Wille zur Mitarbeit am Palästina-Werk, die Mitarbeit selbst waren vorhanden; aber in der Beurteilung dessen, was Palästina zu bedeuten hat, gab cs Vorbehalte und Abgrcnzungen, und die Kunst der Dialektik, von den Lehrstühlen vertrieben, feierte wahre Triumphe in dem feinen Abwägen von pro lind contra. Hält man nun diese Auseinander- Setzungen gegen die Tatsachen, wie sie von der Wirklichkeit vorgeführt werden, bekommt man einen sonderbaren Eindruck: Jurten werden von der Geschichte unsanft aus den Sätteln gehoben und haben alle Mühe, auf beide __ Beine zu stehen zu kommen; anstatt dessen schreiten sie auf Spitzen einher. In Luzern fand im Anschluß an den Kongreß eine aus vielen Ländern beschickte Tagung der Nichtzionisten der Jewish Agency statt. Bemerkenswert war an ihr der Wille, zu einer festen Organisation zu gelangen. Das war schwierig und wird cs noch lange bleiben. Denn diesem Teil der Agency fehlt es an mancherlei: es fehlt ihm an einem entwickelten Gruppenbewußtscin. Eine Anzahl von Männern und Frauen sind als Einzelpersonen versammelt. Unter ihnen gibt es bemerkenswerte Gestalten, aber sie sind gleichsam unverbunden, eine Versammlung von Notabcln, die vielleicht einen Anhang hinter sich haben, aber kein Volk. Dabei sind sic zum Teil durch ihre soziale Arbeit mit den Massen des Volkes verbunden, dies aber auf eine Weise, die die gesellschaftlichen Gruppierungen ihrer Herkunftsländer keinen Augenblick vergessen läßt. Man war also In clcn Kommissionen und auch im Plenum darum bemüht, dem nichtzionistisehen Sektor eine festere Gestalt zu geben. Dabei wurde die E'rage des Namens der Gruppe diskutiert: ״Nichtzionistcn“, das klingt wie eine Verneinung und entspricht nicht dem wahren Sachverhalt. Die Zionisten, die an der Tagung teilnahmen, beteiligten sich in freundschaftlicher Weise und waren nach Kräften bemüht, den Namen mitzufinden. Aber cs gelang nicht. Es kommt ja aber nicht auf den Namen an, sondern auf den faktischen Beitrag und wirkliche Mitarbeit. Und darin können sich viele Nichtzionisten mit Zionisten messen. Durch die Reden mancher ״Nonzionists" ging ein religiöser Ton, man führte die Sprache des religiösen idealismus, der noch nicht der direkten Anwendung auf das Volksleben ausgesetzt ist, aber dafür auch weit entfernt ist von politischen Aspirationen und Ressentiments, wie wir sie bei einem Teil des Misraehi finden. Es fehlt nicht an kritisehen Gängen durch das Palästina, wie es wirklich ist. Bei alledem war aber ein echtes Verständnis zu spüren für diejenigen, die dein Aufbau unmittelbar dienen, also auch filr die palästinensischen Arbeiter. Ein durch das Politische noch nicht verbrauchter religiöser Idealismus, der im Westen sicli in Philanthropie erschöpft und leicht Abstraktionen verfällt, fühlt sich dem Idealismus von Menschen verwandt, die das Leben eines Volkes fcsthalten und für den neuen Aufbau einstehen. In einem solch vorurteilslosen und. menscliliehen Verhältnis zur Arbeiterschaft aber steckt viel mehr an Hoffnung als die beste Organisation der Nonzionists sie zu geben vermag. Dan Programm der Reichsverlre’ung Die Rcichsvertretung hat ein neues Programm verfaßt und dafür die Zustimmung fast der gesamten Judenheit in Deutschland erhalten. Wir wissen nicht, ob die Verhältnisse es gestatten werden, daß dieses Programm eine ״halacha lerna’asse“ wird. Es ist müßig, sich jetzt damit zu heschäftigen, wieviel besser es gewesen wäre, wenn man schon im ahre 1033 zur Vorbereitung und Ausführung Wirtschaftichcr Maßnahmen gekommen wäre, die von verschiedenen Seiten vorgeschlagen wurden, und deren Notwendigkeit nicht bestritten werden konnte, deren Ausführung damals aber leichter vonstatten gegangen wäre. Wortfeehtereien haben uns viel Zeit gekostet und einen nutzlosen Verbrauch an Energie. Nun wird zum erstenmal in einer offiziellen Verlautb'arung der Rcichsvertretung auf die Notwendigkeit, der Auswanderung hingewiesen. Das geschieht in einem Zeitpunkt, in dem die verstärkte Auswanderung im Gang ist. Sie erstreckt sich nach zwei Richtungen; nach Uebersee und nach Palästina, wobei, abgesehen von einem ersten andersartigen Versuch, die Wanderung nach Uehersee nur als F.inzelwanderung erfolgt, während das Charakteristische der Palästina-Aus Wanderung auch jetzt noch in der Wanderung von Gruppen mit einheitlicher Ausbildung liegt. Gleichzeitig mit dem Programm wurde ein Antrag zur einstimmigen Entschließung gebracht, wonach in Zukunft alle Richtungen zur Führung der Geschälte in den Gemeinden und Verbänden herangezogen werden sollen. Die Reichsvertretung selbst will auf die Durchführung dieses Beschlusses hinwirken. Es entspricht dieser Beschluß der Bedeutung, die der Zionismus nicht erst in den letzten Jahren wohl auf allen Gebieten des jüdischen Lebens hatte, und der tatsächlichen Wandlung, die im Verhältnis zu Palästina cingetretcn ist. Im Verlauf dieser Wandlung ist aus der zäh verteidigten ״Religionsgemeinde“ eine Volksgemeinde geworden, in der auch diejenigen Teile des kulturellen Lebens, die mit dem Religiösen keinen direkten Zusammenhang haben, ausgebaut und verwaltet werden. Dieselben Männer, die früher diese Totalität bekämpften und die liberale Vorherrschaft errichtet und erhalten hatten, führen heute Gemeinden und Verbände. Manche von ihnen sind müde. Manche haben aus dem Umschwung ihrer Gesinnung erkannt, was sie vordem leugneten, andere aber haben nur nachgegeben. Man kann keine reine Freude an einem Beschluß haben, der so spät und unter solchen Bedingungen kommt. Aber die Wahrheit gebietet, auch den Zionisten einen Vorwurf nicht zu ersparen. Weder eine völlig palästinazentrische Einstellung noch die Erbitterung über ein jahrelanges Unverständnis auf der Seite der verantwortlichen Führung gab das Recht dazu, daß die Judenheit in Deutschland so von führenden Zionisten entblößt wurde, wie das tatsächlich geschehen ist. Auch die Tatsache, daß diejenigen Männer, die in Deutschland verblieben sind, daß die Mitarbeiter des Palästina-Amtes, des Hechaluz usw. eine gewaltige Arbeit geleistet haben und noch leisten, vermag diesen Vorwurf nicht aufzuheheri. Der Verfasser dieses Artikels erhält, wie andere auch, Briefe von ausgewanderten Juden aus aller Welt. Unter den Briefschreibern sind solche, die außerhalb Palästinas ihr Rrot verdienen und sich mit Erfolg bemühen, Bürger einer neuen Welt zu werden. Aber damit sind sie keineswegs zur Ruhe gekommen, auch dann nicht, wenn ihre Existenztrage glücklich gelöst ist. Auch für diejenigen, deren Haitung im Fortgehen wir kritisch behandelt haben, bleiben zwei Fragen, die sie mit über die Grenze nehmen und die sie nicht zur Ruhe kommen lassen. I>ie eine lautet: Was kann ich für mein Volk tun, wie kann ich im Hinblick auf dieses Volk meine Existenz sinnvoller als früher gestalten, in einem höheren Sinn als dem der bloßen Existenzerhaltung. Diese Frage, nicht von allen, aber von den besten der Aus- Wanderer gestellt, kann nur an Ort und Stelle beantwortet werden; in dem Grade und Maße, wie das neue Volksbewußtsein sie erfüllt, in der Art, wie sic das gemeinschaftliche Leben anpacken, ohne in alte Irrtümer zu verfallen. Die z.webe Frage heißt: Welche Gestalt nimmt nunmehr die jüdische Geschichte an, welche Vorstellung sollen wir haben von der Zusammengehörigkeit dieser Welt? Das Geschichtsbild Es sind eigentlich eine ganze Anzahl von Fragen damit angeschnitten, in ihrem Mittelpunkt aber steht die Frage — nach dem Mittelpunkt. Wir haben lange ohne diesen Mittelpunkt gelebt. Es scheint, daß das nun nicht mehr geht, daß man ihn nicht mehr nur spekulativ in sich selber finden kann, auch nicht in einer vergeblich angerufenen Menschheit, sondern in einer Gemeinschaft, die einen bestimmten Raum ausfüllt und in ihm sich kräftig entfaltet. Nicht ,,letzte“ Fragen sind hier zu beantworten, mul nicht ״letzte“ Ziele zu erreichen; über sie haben wir keine Macht. Sondern es geht um ein neues Geschichtsbild, das sich in gleicher Weise fiir die palästinensischen wie für die verstreuten und wandernden Juden im Bewußtsein durchsetzt. Dieses Geschichtsbild darf kein Phantom sein, sondern etwas, in dessen Erreichung der Wille und die nahe Bestimmung unseres Volkes sich in gleicher Weise teilen. Palästina allein, obschon die Kräfte des Willens ״och auf lange hinaus sich darauf konzentrieren müssen, Palästina allein liefert uns dieses Geschichtsbild nicht. Es entsteht erst in der Verbindung mit dem ganzen benachbarten Orient. Palästina bedarf des friedlichen Zusammenhalts mit dieser Nachbarschaft, aus vielen Gründen bedarf cs seiner, aus wirtschaftlichen, aus strategischen und anderer! Gründen. Ob nun das palästinensische Judentum fortschreitend die ihm vorläufig gesetzten Grenzen überschreitet oder ob schon vorher Stützpunkte jüdischer Ansiedhingen geschaffen werden — wir täuschen uns wohl nicht darüber, daß unsere zukünftige Geschichte wieder östliche Mittelmeer־ Geschichte wird. Es könnte sein, daß wieder so etwas entsteht wie die hellenistische Geklimmte, mir mit einem kräftiger in sich begründeten jüdischen Palästina und einem stärker in sich ruhenden jüdischen Geiste; damit wollen wir das Ende weder berechnen noch bedrängen. Die Aktivierung dies französischen Zionismus Von unserem Berichterstatter K., Paris, im November In den letzten Tagen haben die lang erwarteten Bc- *prechu ״gen über die Gründung einer zionistiichen Föderation in Frankreich stattgefunden. In einer ersten Vorbesprechung, an der Vertreter aller in Frankreich arbeitenden zionistischen Gruppen und Insti• tutionen teilnabmen, zeigte sich, daß zwischen den Vertretern der größten politischen Gruppen im französischen Zionismus bereits Unterhaltungen stattgefunden hatten, die eine Uebcreinstimmung über die Notwendigkeit eines zionistischen Zusammenschlusses in Frankreich ergeben haben. Es zeigte sich aber andererseits, daß die Schwierigkeiten, die sich einem solchen Zusammenschluß entgegcnstcllten, größer waren, als man ursprünglich angenommen hatte. Schwierig zu lösen ist einmal die Frage des Beilritts der Zionistischen Organisation Ostfrankreichs, die bisher eine erhebliche Selbständigkeit im Rahmen des französisehen Zionismus besaß. Auf der anderen Seite zögern auch die Arbeitergruppen, ihre Selbständigkeit und ihre Organisation zugunsten einer engen Zusammenarbeit im Rahmen der neuen gesamtfranzösischen Organisation aufzugeben. Nimmt man zu diesen Schwierigkeiten noch die Frage der Stellung der Fonds, sowie die Differenzen zwischen den ver■ schiedeiien ״nationalen“ Gruppen — französische, östliche, deutsche und sephardische Juden — hinzu, so kann es nicht überraschen, daß die Besprechungen auch diesmal zu keinem endgültigen Ergebnis geführt haben. Die Frage, ob die neue Zionistische Organisation in Frankreich nur ein Dachverband der einzelnen Verbünde, die sonst ihre Selb- *Findigkeit behalten, sein soll oder oh der Zusammenschluß bereits in der organisatorischen Einheit, in der Ortsgruppe, beginnen soll, hat noch keine Lösung gefunden und wird der Entscheidung des Aktions-Comites Vorbehalten bleiben. Es ist unzweifelhaft, daß diese neue Verschiebung viele aktive Zionisten in Frankreich schmerzlich enttäuschen wird. Vielfach besteht der Eindruck, daß die Führer der Parteien und Gruppen zu sehr im Rahmen ihrer überlebten Formeln geblieben sind und daß die dringende Notwendigkeit besteht, durch Heranziehung neuer Menschen eine innere Umgcstaltung des zionistischen Lebens in Frankreich herbeizuführen. Ilauptschiifileiter: Dr. Roheit W c 1 t s c h, Berlin - CharloUenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin \V 15. Anzeigcnleitcr u. verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Herlin-Ten1[K־lhof. Gültig: Anzeigen-Freiliste 4 vom 15. Oktober 1935. Verlag und Anzeigenverwahung: Jüdische Rundschau, Berlin W!5. JVIeirickestr. 10. D.-A. Oktober 37 237. — Druck: Siegfried Scbolem. Bln.-Srhünebcrg. Sachgemäße u. schleunige Durchführung Ihrer AUS WA N D E R U N G GeneraUepräsentanz in HAI FA Dipl.-Kaufmann Dr. Faul Schnurmacher HOUSF IEW1SH CHAMBER OF COMMERCE: Haifa, P. OB». Telefon 197 V r m 8 g e n 11 i q u i 4 a t i o 11 e n! Amtager.-Rat a. D. Dr• Aachnar Oberreg.-Rat a D. R< Kcmpner 1«*?י •*1•י Hataakeatra»• 9 / Telephon! Jl Bjimarck 2856 «eben dem Pelä.tln«. Ami / 914 bi• 11 Uhr und 16H bi• 19 Uhr Traailiraroiikt« t Anlaea nach Palästina und anderen Ländern Eigenes Büro in TEL-AVIV mit Dr. jwr. W. Marx, Tel •Aviv 18 Schüiom AI eichen! Str.» Ecke Ben Jehud• Hoa«J

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