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Jüdische Rundschau · 1935-11-12 · Heft 91 (12.11.1935) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 91 (12.11.1935)
Date
1935-11-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 91, 12. XL \§3S Wie gestalte ich den Schabbai? Aus dem Reich För Schabbat, 16. November Von unseren Berichterstattern Wochenabschnitt ״We'jera" (1. B. M. Kap. 18, 1-22, 23) I. Man lese und bespreche ausführlich den Abschnitt von Kan. 18, 23—33 unter besonderer Herausarbeitung der Oesichtspunkte, nach denen Abraham mit Gott ״verhandelte“, um eine Schonung der Stadt Sodom zu erreichen. Auf die Feinheiten der Darstellung ist besonders im Genesiskommentar von B. Jacob hingewiesen. Er steht nach dieser Darstellung gar nicht als der ״Feilscher“ dar, als den ihn viele jüdische und nichtjüdische Kommentare liinstellen wollen. Im Mittelpunkt steht das Interesse um die Errettung der Stadt, die als ein Kulturzentrum der damaligen Welt zu betrachten war. II. Das Kapitel von Hagar in der Wüste wird ausführlich besprochen. Man weise auf die verschiedene Einstellung von Abraham und Sara zu Hagar hin und versuche, sie psycho logisch zu deuten. Auch Hagar wird von Gott angesprochen und auch ihr wird verheißen, daß ihr Sohn zu einem großen Volk werden wird. Da Jischmael bekanntlich als der Stammvater der Araber gilt, benutze man diese Stellen unseres Wochenabschnittes als Ausgangspunkt für eine Unterhaltung über die Araberfrage. Als Ha/tareh wird aus Könige 2, Kap. 4, Vers 1—37 gelesen, das die Geschichte von Elija bei der Sunamitin enthält. Der Zusammenhang mit unserem Wochcnabschnitt besteht darin, daß in Vers 16 dieser Frau mit denselben Worten wie Sara verkündet wird, daß sie einen Sohn haben wird. I. E. Die Sodom - Geschichte Wir lesen an diesem Schabbat im 1. B. M. 18, 16—19, 28 die Erzählung vom Untergänge Sodoms, dieser einst in uralter Zeit blühenden und an Vegetation reichen Gegend am Toten Meer. — Wir werden dabei auf den Abschnitt 18, 23—33 besonders ein gehen, in dem die dringende Fürbitte Abrah a m s um die Gerechten Sodoms enthalten ist. Hier hat der Erzähler jenen tief-sittlichen Gedanken zum Ausdruck gebracht: Macht Gott etwa keinen Unterschied zwischen den Gerechten und Ungerechten dieser Welt? Im Namen der sittliehen Weltordnung verlangt Abraham, wie im übrigen später die Propheten, daß Gott in seinem Zorne nicht alles verdirbt, daß er dein ganzen Orte der Gerechten wegen vergebe. Hier, sehen wir, spielt schon zuerst jener Gedanke eine Rolle, wonach der Gerechte, der Zaddik, Fürbitte bei Gott für die sündhafte Welt rinlcgen kann. Wir werden diesen Gedanken aufnehmen und versuchen ihn zu vertiefen, indem wir auf die Rolle des / addik als Für bitter vor Gott im Talmud und besonders aber im Chassidismus ausführlich cingehcn. Wir gehen dann dazu über, 1ms über die Vernichtung Sodoms zu unterhalten und fragen uns nach dein Sinn dieser Erzählung, -- Die schauerliche Landschaft des Toten Meeres hat die lebhafte Phantasie des antiken Menschen beschäftigt und ihn zum Nachdenken angeregt. Man fragte sich in alter Zeit: Wie kommt es, daß in der! Gewässern dieses eigenartigen Meeres kein Lebewesen existieren kann, daß sein Element ver-!lichtend und tötend wirkt? Und man gab sich zur Antwort: Wegen der Sündhaftigkeit der Menschen traf diese Gegend der Zorn Gottes und sie wurde gänzlich vernichtet, so daß sie auch heute noch Tod und Verderben um sich aasbreitet. — Und auch ein geologisches Phänomen will diese Geschichte erklären, ln der Nähe des Toten Meeres sah man ein Gebilde aus Salzstein, das einer Frauengestalt ähnlich w׳ar. Das ist, sagte man sich, eine versteinerte Frau. Als das Gottes- Eericht diesen Flecken Erde heimgesucht hat und die Frau ots, trotz dem Verbot, hinter sich blickte, wurde sie zur Salzsäule. — Das Sagenmotiv von der Verwandlung eines Menschen in einen Stein war auch anderswo bekannt, und wir finden es, oft variiert, in anderen Kulturkreiscn sehr verbreitet. — Man wird gut tun, einzelne Prophetenstellcn, die auf die Sodomgeschichte Bezug nehmen, heranzuziehen und sie zu besprechen, u. a. Jes. 1, 10; 3, 9; 13. 19; Jer. 23, 14; 49, 18; Arnos 4, 11; Zcfanjah 2, 9. Es isl auch von besonderem Interesse, die Stellung der Alten zu den Sodoinitern zu besprechen. In der altjüdischen Tradition wurden ihnen allerlei üreueltaten wie 1. B. Unbarmherzigke-it gegen Arme, Unduldsamkeit geg-en Fremde, Beugung des Rechts usw. zur Last gelegt. Gleich dem Sintflut- und Turmbaugeschlecht galten die Sodomiter als das von Gott verworfene Geschlecht, das auch keinen Anteil an der zukünftigen Auferstehung haben wird (so Mischna Sanh. 10, 3). — ״Die Leute von Sodoin sind nur infolge des Uebermaßes an Gutem, das ihnen Gott hatte zuteil werden lassen, hoffärtig geworden... Sie sprachen nämlich: Da aus der Erde uns Brot hervorwächst und in ihrem Inneren Goldadern vorhanden sind, was sollen uns da die Wanderer und Fremden, die nur zu uns tommen, um uns Mangel zu bereiten? Kommt, laßt uns ein Gesetz machen, das den Wanderer von unserem Lande fern hält...“ (Sanh. 109 a). — An einer anderen Stelle wird Gottes strafende Antwort an die Sodomiter mitgeteilt: ״Fürwahr, für das Gute, das Ich euch im Ueberfhiß habe zuteil werden lassen, wollt ihr <i*en Wanderer aus eurer Mitte vergessen machen? Ich werde euch von der Welt vergessen machen. Allein Gottes Zorn währt nicht ewig und in den Tagen des Messias wird Er auch Heilung und Erlösung an Sodom schicken, ״ln der zukünftigen Welt, wenn Gott Israel heil«! wird, wird er auch Sodom heilen“ (Tanchuma zu Wajera § 22). — Wir tun gut, diesen herrlichen Gedanken aufzunehmen und uns darüber eingehend zu unterhalten: Es gibt keine Erlösung des Volkes ohne gleichzeitige Er• lösung der krankenden Welt. Die Erlösung Israels ist hier in die kosmischen Erlösung hinein gestellt. An Literatur wäre noch etwa Josephus, Jüd. Altert. I, 11, 1 und Bin-Gorion ״Der Born Judas“ zu berücksichtigen. Die Opferung Isaaks Wir lesen diese Geschichte (!. B. M. 22, 1—19) die uns wegen ihrer Zartheit und Tiefe besonders rührt Sie will uns in ihrer Schlichtheit einen Begriff von der Gottesfurcht Abrahams vermitteln, der seinen einzigen Sohn hingibt, wenn es Gott so gefällt. Das Motiv dieser Erzählung ist, sagen wir uns bei der Besprechung, die Versuchung des Gerechten und wie er die schwerste Prüfung, die je einem Vater auferlegt wurde, in Gläubigkeit und Gehorsam gegen Gott besteht. — Man versuche noch in der Besprechung andere Motive und Tendenzen herauszuarbeiten, etwa die: Die Geschichte verurteilt aufs schärfste die Sitte des Kinderopfers, wie sie damals im Vorderen Orient üblich war. Gott, will uns die Geschichte lehr«!, begehrt kein Menschenopfer. Das Leben des Menschen ist unantastbar und heilig. Er bringt sich stündlich und täglich als Opfer im Kampf um die Reinheit dm Lebens, um die Erlösung der Menschen dar und bedarf nicht der Darbringung auf dem Altar. Im Midrasch wird Isaak als der Anfang der menschlichen Leiden, der erste, der von Leid tramgesuent wird, angesehen. Altenburg-Meuselwlti. Am 27. Oktober hielt die Ortsgruppe ihr« Generalversammlung ab. Augsburg. Am 23. Oktober sprach Schura Oscherowitsch, Giwath Brenner, vor der Ortsgruppe, und dem Snif Hechalur über ״Pie Bedeutung Palästinas lür die jüdische Jugend“. Bentheim. Am 27. Oktober referierte Hans Berkowicz über das Thema: ״Zionistische Organisation und die Aufgaben der Juden in Deutschland“. Der Abend führte mr Gründung einer Ortsgruppe. Beuthcn. Am 29. Oktober sprachen in der 7.00. Erich Kopp, Glei. witz, über ״Iwrit“ und Fritz Tau, Beuthcn, über die 1-ehnittei Tagung. Bretlau. Der Vorstand der Synagogengemeinde veranstaltete mit dem Rabbinerseminar eine Trauender für Dr. Heinrich Speyer. Es sprachen Dr. Freyhan für den Gemeinde Vorstand, Dr. Albert Lew. kowitz für das Seminar, cand. Wcchsberg für die Hörer.schalt, Rahbincr Dr. Simonsohtr für die jüdische Schule und Dr. Walther Lus für die Breslauer Zionistische Vereinigung. Burgiteinfurt. Am 27. Oktober sprach Hans Berkowicz, Westerbeck, über: ״Zionistische Organisation und die Aufgaben der Juden in Deutschland“. Im Anschluß hieran konnte eine Ortsgruppe von *irka 30 Mitgliedern gebildet werden. Duisburg. Am 24. Oktober sprach Dr. Wassermann, Oberhäusern, über das Thema ״Palästina-Herbst 1935“. Frankfurt am Main. Die ZOG. veranstaltete am 29. Oktober einen Abend über zionistische Gegenwartsfragen. Dr. Hans Pomeranz gab einen Rückblick auf den Kongreß. Georg Guthmann schilderte die Eindrücke seiner Palästinarcise. Gleiwlti. Am 16. Oktolrcr sprachen Fritz Tau, Reuthen, und Dr. Werner, Gleiwitz, in der ZOO. zu Fragen der Auswanderung. Hagen. In der Generalversammlung am 31. Oktober wurde der bis• herige Vorstand S. Lewin und B. ■Sichel einstimmig wiedergewählt und S. Stein als neues VorstamLmitglied hinzugcwählt. Halle an der Saale. Am 26. Oktober veranstaltete die ZOG. einen Oneg Schabbat. Das Referat hielt Prediger Cohn, Aschcrsleben, unter dem Leitwort ״Von Arlosoroff Iris Raw Kuk“, Karlsruhe. Die Winferarbeit der ZOG. wurde cingeleitet mit einem Vortrag von Dr. Schloßhcrg über ״Die politische Entwicklung der zionistischen Bewegung; Dr. Kurt Licht sprach über seine Palästina■ reise, und Dr. Pomeranz brachte den Kongreßbericht. Königsberg. Der Tod von Simon Gittclniann bedeutet einen herben Verlust für die Gemeinde. Gründliches Wissen — jüdisches wie allgemeines — verbunden mit tiefer Religiosität, Demut und echter Menschenliebe bildeten die charaktctischcn Wesenszüge dieses Menschen. Er »rar jahrzehntelang Vorstandsmitglied des Vereins ״Bikkur Cholim“, ebenso war er einer der Begründer der zionistisehen Ortsgruppe. Laupheim. Die Mitglieder der Zionistischen Vereinigung haben sich mit der Ortsgruppe Ulm zusammcngcschlossen und bilden mit ihr die zionistische Gruppe Ulm-Lauphcim, Der 1. Vorsitzende ist Dr. Richard Strauß, Ulm, Stellvertreter Herr Hauptlchrer Salli Silbermann. Leipzig. Am 31. Oktober feierte Herr Samuel Hodes den 80. Geburtstag. Der Jubilar gehört dem Vorstand der Gemeinde an und ist Mitglied zahlreicher wohltätiger Institutionen, um deren Errichtung und Verwaltung er sich große Verdienste erworben hat. Ludwigiburg. Am 25. Oktober eröffnete die ZOG. ihre Winterarbeit mit einem Vortrag von Walter Orbacti, Stuttgart, über ״Jüdische Selbstbesinnung und Selbsthilfe“. MSnsttr. Am 3. November sprach Dr. Wassermann, Oberhäuser», über: ״Das heutige Palästina und seine Bedeutung für die Juden in Deutschland. Ergebnis einer Palästinareise“. Ankündigungen Jüdischer Kulturbund Rhein-Ruhr: Komödie der Irrungen, von Shakespeare: Köln: 14., 21., 23. und 24. November, 20.15 Uhr, Gemeindehaus: Essen: 16. und 17. November, 20.30 Uhr, Jugendheim; Wuppertal: 18. und 19. November, 20.30 Uhr, Frauenklub. Konzert: Richard Dresdner (Tenor), Kurt Rahmer (Bariton): Krcfeid: 18. und 19. November, 20.30 Uhr, Niedcrreeinischc Loge. Dela Pcissarhowitsch (Bariton) und Hermann Nahm (Tenor). Lipinskaja: Dortmund: 19., 23. November und 2. Dezember, 20.30 Uhr, Gemeindehaus. — Kölnt Deutsche Maccabi-Boxmelsterschaftcn. Am 16. und 17. November Im Gemeindehaus. Am Start: Noichkcs, Brantweln, Frank«, Kronteid, Neumann u. a. m. — Stettin: Am 18. November, 20.30 Uhr. Synagoge, Rosengarten 9-10. Vortrag Rabbiner Dr. Max Nußbaum, Berlin, über: ״Zionistische Lebenshaltung in unserer Zeit“. Familien - Nachrichten Herr Nahuni Frank el und seine Gattin, Leipzig, Bosestr. 2, begehen am 15. November die silberne Hochzeit. Bar Mizwah -Termine Am 16. November — 20. Marcheschwan: Gert Stein, Sohn von Willi Stein, Beckum (Westfalen), Oststr. 35. So heißt es an einer Stelle: ״Isaak wünschte sich Leiden. Er sprach vor Gott: Herr aller Welten, ein Mensch stirbt ohne Leiden und das Maß der strengen göttlichen Gerechtigkeit macht sich wider ihn geltend; wenn du aber zuvor Lei• den mit ihrer Läuterungskraft über ihn bringst, dann macht sich das Maß der strengen Gerechtigkeit nicht wider ihn geltend. Gott sprach zu ihm: Bei deinem Leben, du hast etwas Gutes gewünscht, und bei dir werde ich den Anfang damit machen.“ _______ J• M• Studiengesellschaft für Ueberseesiedlung. Wir erhalten folgende Mitteilung: Nach Fühlungnahme mit den zuständigen Stellen hat die Unterzeichnete Geschäftsstelle die Aufgabe übernommen, Gebiete außerhalb Palästinas ausfindig zu machen, die für die jüdische Kolonisation geeignet sind. Sic will die in Frage kommenden Gebiete in bezug auf Boden• Beschaffenheit, Klima und wirtschaftliche Verhältnisse stiadieren, die unter Umständen nötig werdenden Expeditionen aussenden, sowie alle mit den Siedlungsmöglichkeiten zusain• menhängenden Fragen klären. Die Geschäftsstelle bittet Geo• graphen, Aerzte, Kaufleute, ehemalige IColonialbeamte, die über Erfahrungen in überseeischen Ländern verfügen, sich zur Mitarbeit zu melden mit der Angabe, für welche Gebiete sie zuständig sind. Alle Mitglieder der Geschäftsstelle arbeiten ehrenamtlich. Mitgliederbeiträge werden nicht erhoben. Zur Bestreitung der laufenden Kosten werden freiwillige Beiträge von Freunden der Studierigcscllschafl dankbar angenommen. Die Geschäftsstelle arbeitet als reine Studiengeselfschaft. Versprechen macht die Geschäftsstelle nicht, da sie aus ihrer bisherigen Arbeit die großen Schwierigkeiten ihrer Aufgabe kennt. Dennoch hofft sie, in absehbarer Zeit zu positiven Ergebnissen zu gelangen. — Geschäftsstelle zum Studium und zur Förderung jüdischer Ueberseesiedlung, Berlin NW 89, Cuxhavener Str. 18. Grunwald. Von der F. W. J. Die Pressestelle der Reichsvertretun g der Juden in Deutschland teilt mit: Als Nachfolger des zun! Direktor der General Mortgagc Bank of Palestine in Tel- Awiw berufenen Dr. Ernst Lehmann ist von der F. W. J. (Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von in Deutschland wohnhaften oder wohnhaft gewesenen Juden m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158) neben dem verbleibenden Geschäftsführer, Direktor Friedrich Borchardt. Rechtsanwalt Dr. Alfred Levi zum Geschäftsführer bestellt worden. Dr. Levi war Jahre hindurch als Treuhänder, Kredit- und Insolvenzfachmann der ״Hermes“ Kreditversicherungsbank A.-O. Berlin, tätig. Der rheinisch-westfälische Rabbinerverband hielt seine diesjährige Herbsttagung in Dortmund ab. Nach Begrüßungs- Worten des Vorsitzenden hielt Rabbiner Dr, Esche! bacher (Düsseldorf; einen Nachruf auf Oberrabbiner Kuk s. A., dessen Lebensbild er besonders aus dessen Werk ״Cha• wausch P’er“ zeichnete. Hernach berichtete Rabbiner Dt, Neu mark, Duisburg, über die Erfahrungen in der neu• gegründeten Arbeitsgemeinschaft aller Lehrenden, die zum ersten Male Rabbiner und Lehrer in sich vereinigt, Bezirks• rabbiner Dr. Auerbach, Recklinghausen, sprach über Auf- §aben und Tätigkeit des Bezirksrabbiners, wobei er die esonderen und vielseitigen religiösen und gemeindlichen Probleme der kleinen Gemeinden hervorhob, für die nach Ansicht des Referenten besonders zu sorgen sei. Zum Schluß sprach Rabbiner Dr. Appel, Dortmund, an Hand der Richtlinien der Reichsvertretung über die dem Rabbiner erwachsenden Aufgaben. An fast alle Referate schloß sich eine Aussprache, deren Ergebnisse zuni Teil Gegenstand der nächsten Arbeitsgemeinschaft sein werden. Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Fritz Hing Charlottenbiirg, loachimsthaler Strafte 43-44 Mltyllad der Jüdischen Gemeinde Tvtvfon Bismarck 6906 ZcMtadmr *Um StedtM*■ Briefe an die Redaktion Schutz nationaler Symbole Brünn, Ö. November 1935 Sehr geehrte Redaktion! Ich lese nicht nur den redaktioncllen Teil Ihres sehr geschätzten Blattes eifrig, sondern auch den Anzeigenteil, da ja gerade die geschäftlichen Anzcigen einen guten Einblick in das Getriebe des Alltags gewähren. Und da sind mir in Ihrem Palästinensischen Anzeiger wiederholt Annoncen unangenehm aufgefallen, die mir als Mißbrauch nationaler Symbole erscheinen. Schon der Name Hotel ״King David“ erschien mir nicht sehr geschmackvoll, aber im werden den Erez Israel ein Hotel ״Zion“ zu benennen, ist anfechtbar. Zion ist für die jüdisch-religiöse und philosophische Gedankenwelt der Sitz von Gottes Weisheit und Gerechtigkeit, von wo die Lehre ausgeht, wie wit bei jeder Aushebung der Thora hören, Zion ist ftir das Judentum ein hochster Begriff geworden, der uns von den Zeilen der Propheten her bis zu Theodor Hcrzl emporhob und unser moralischer Leitstern wurde. I)ic Residenz des göttlichen Geistes als Bezeichnung fiir eine Fremdenherberge zu verwenden, ist, kurz gesagt, eine Profanierung, ja Blasphemic, llohc Begriffe und große Namen sollten vor jeder Art geschii ft lieber Verwertung beschützt werden, sonst können wir in Erez Israel ein Restaurant Max Nordau, Cafe Theodor lletzl oder eine Tanzdiele Achadltaaiu erleben. In hiesigen Zeihingen stand vor einigen Wochen zu lesen, daß ungarische Studenten einen ähnlichen Mißbrauch mit dem Namen eines Xalionalhelden durch eine kräftige Demonstration rasch abstelllen. Ich habe diese Zeilen in der Erwartung an Sie gerichtet, daß sie, in Ihrem maßgebenden Blatte abgedruckt, vor das Auge einer palästinensischen ktilturcllen Instanz gelangen, die hoffcntlich den Unfug abstdlen wird, ehe er sich zu einer nationalcn Schande auswächst. Hochachtungsvoll Dr. Josef Kapp *״* Leider müssen wir hinzufügen, daß die Befürchtungen des Einsenders von der Wirklichkeit schon vielfach erreicht sind, da tatsächlich die Wahl von Namen für Vergnügungsstatten aller Art in Palästina ziemlich skrupellos ist. (Red,) Für ein jiidisdies Orchester Berlin SW 61, 30, Oktober Sehr geehrt« Redakiton! Vor zirka 14 Tagen ist eine Notiz in der ״Jüdischen Rund• schau“ erschienen, nach welcher Hubermann in Wien im Begriff ist, ein Orchester zusammenzustellen, mit allerersten jüdischen Solisten, um io den großen Städten Palästinas und auch in den Siedlungen Musik in hochster Vollendung den Palästinensern zu bieten. Was ich mir erlaube zur Dis• kitssion zu stellen, ist die Bildüng eines Orchesters, bestehend aus den genialsten jüdischen Musikern und Dirigenten, welches neben seiner Tätigkeit in Pa■ lästina gerade in anderen Ländern durch seine überragenden Leistungen zeigen soll, welche künstlerische Fähigkeit im Juden• tum herrscht. Hochachtungsvoll S a 11 y B. Kulturbund für Mitteldeutschland. Nach langen Vor• arbeiten ist nunmehr die Gründung des Jüdischen Kulturbu ndes für Mitteldeutschland, Sitz Weimar, vollzogen worden. Den Grundstamin der Mitglieder stellt die jüdische Bevölkerung der Städte Weimar, Jena und Apolda. Die Leitung hat Opernsänger Emil Fischer über■ nommen. — Am 3. November fand die erste musikalische Feierstunde in Weimar statt. Die Kammermusikvereinigung des Frankfurter Kulturbund-Orchesters mit Hans Bass ermann spielte Streichquartette von Mendelssohn, Haydn und Schubert in künstlerischer Geschlossenheit. Berichtigung. In dem Bericht über die Palästina-Amts• Tagung ist in dem Teil über das Referat von Dr. Franz Meyer ein sinnentstellender Druckfehler unterlaufen. Es muß selbstverständlich heißen: ״Er stellte dabei klar, daß die Aguda eine gewisse Anzahl von Bewerbern Vorschlägen könne, die nach den gleichen Gesichtspunkten geprüft wür• den, die das Palästina-Amt bei allen anderen Bewerbern anwenden wird.“

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