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Jüdische Rundschau · 1935-11-12 · Heft 91 (12.11.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 91 (12.11.1935)
Date
1935-11-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 91, 12. XI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAÖ Salta 5 Transfer-Guthabens in Palästina erfolgen wird. Obwohl in einem schriftlichen Transfervertrag der Haavara mit jedem einzelnen Transferenten die Rechte und Pflichten beider Vcr• tragsteile genau festgelegt sind, obwohl ferner in der Anskurifterteilung über die Transferzeit immer wieder darauf hingewiesen wird, daß jede Schätzung die Aufrechterhaltung der am Auskunftstage vorhandenen Einfuhrmöglichkeiten aus Deutschland zur Voraussetzung hat, wird vielfach doch das Mißverständnis begründet, daß die Haavara verbindliche Zusagen für einen bestimmten Auszahlungstag erteile, sie dann nicht irinehalten könne und in ihren Angaben eine seriöse und zuverlässige Haltung vermissen lasse. Die außerordentliehen Schwankungen des Einfuhrgeschäfts von deutschen Waren nach Palästina läßt kaum eine zuverlässige Schätzung für einen längeren Zeitraum als 4 bis 8 Wochen zu. Es wird aber vielleicht zweckmäßig sein, sich vor Augen zu halten, daß die Haavara bei der Abwicklung des jetzigen Sonderkonto I eine Transferzeit von durchschnittlich 12 Monaten innegehalten hat, und hoffentlich auch bei der Erledlßung des Restbetrages dieses Transferkontos in den nächsten Monaten innehalten kann. Ob und inwieweit diese Transferzeit nach Abwicklung des Sonderkonto 1 in Zukunft erhalten bleiben kann, wird von der endgültigen Entscheidung der für 1936 zu treffenden Transferregelung abhängen, auf welche nachstehend eingegangen wird. Jedenfalls kann der Auswanderer nicht beanspruchen, daß zwei in ihren Voraus- Setzungen und ihrem Tempo so grundverschiede ne Bewegungen, wie der Auswanderungsdrang von Juden aus Deutschland nach Palästina und die Einfuhrmöglichkeit dcutscher Waren nach Palästina, dauernd in einem Gleichmaß gehalten werden. Es müssen stets aus der Vcfclärkung des Auswanderimgsdranges notwendigerweise Störungen und Stockungen in der Transferierung der Auswanderergufhaben eintreten, bis nach und nach durch die verschiedensten Maßnahmen der Warentransfer auf die erhöhte Basis gebracht werden konnte, Noch unberechtigter als die Klage über die zu hohe Transferzeit mutet der Einwand an, daß die Haavara bei der Auszahlung der Guthaben einen zu hohen Abzug vornimmt. Bekanntlich hat die Haavara bis Ende 1934 die Transferguthaben mit n4 "0, bis Ende März 1935 bis 90 »/o, bis September 1035 mit 85 «0׳ und von da ab mit 74 0/0 zur Auszahlung gebracht. Die Transfer-Organisationen und die hintei ihnen stehenden Banken verzichten auf Gewinn und betreiben die Haavara bzw. Paltreu als eine der Förderung jüdischer Auswanderung nach Palästina dienende gemeinnützige Institution. Die Abzüge beruhen mit Ausnahme des Ersatzes der entstellenden Verwaltungsunkosten auf der oben bereits erwähnten Notwendigkeit, durch eine Kursverbilligung der Mark und Preisausgleich eine Bonifikation an tlcn palästinensischen Besteller zu gewähren, da die deutschen Preise mangels Exportförderungszuschüssen in Deutschland höher sein müssen als die Wettbewerbspreise anderer Erzeugnisse auf dem palästinensischen Markt. Die Höhe dieser Bonifikationen ist stetig gewachsen, so daß es schon einer besonderen Verfeinerung der Geschiiftsgebarung der Haavara bedurfte, um die vorstehend erwähnten Abzüge aufrecht zu erhalten. Wenn zur Zeit für Preisausgleich und Verwaltungsunkosten ein Gesamtabzug von 26 «';0׳ vorgenomruen wird, und einzelne Waren aus Deutschland bereits eine Boriifikation erfordern, die über diesem Betrag liegt, so kann nur den! Wunsche Ausdruck gegeben werden, daß die Haavara recht lange in der Lage ist, den Abzug auf der Höhe von 26 <0/׳ zu belassen, und erst in hoffentlich längerer Zeit zu eiper weiteren Steigerung gezwungen wird. Hierbei muß der Auswanderer, wenn er gerecht denken und urteilen will, berücksichtigeil, daß die Kaufkraft in Palästina nicht dem Valutakurs von 12,25 Reichsmark 1 £P entspricht, soridem diese Parität nicht unerheblich übersteigt. Hierin liegt ein Ausgleich der dem Auswanderer durch den Abzug auterlegten Opfer. In vielen Fällen versucht der Palästina-Auswanderer vor oder nach einer Einwanderung nach Palästina die Schwierigkeiten des allgemeinen Transfers dadurch zu umgehen, daß er einen Sondertransfer durch Warenmitnähme oder spätere Warenbestellung anstrebt. Wenn dann die Haavara zum Schutze der palästinensischen Importeure und mit Rücksicht aut eine gesunde Marktpfiege ihre Zu- Stimmung zu vielen solchen Anträgen versagt, so wird wieder die Klage erhoben, daß die Haavara in engherziger, bürokratischer Einstellung der eigenen Initiative des Auswanderers entgegensteht und seine Pläne vereitelt. Diese Einwände sind ebenfalls nicht stichhaltig. Die Haavara widersetzt sich In etwa 10 Tagen erscheint klticler^u Hjdstluttt■ Eine Sammlung der sdiönsten Erzählungen, Aßen״ teuer, Erlebnisse, Lieder, Legenden, Gedichte, Spiele und Bilder aus den drei Jahrgängen der Kinder« Rundschau, der von der jüdischen Jugend stets mit Spannung erwarteten Beilage der ״Jüdisdicn Rund« schau", vermehrt durch neue Erzählungen und Bilder. Ein Buch, an dem die Jugend selbst mitgearbeitet hat, und das ihren Geist atmet. 112 Seiten, 155X205 «1m, reich illustriert, Halbleinenband mit mehrfarbigem Titelbild Das sdiönste Chanukkah * Geschenk Preis nur RM 2,85 Bestellen Sie bitte bei Ihrem Buchhändler oder direlst bei dem VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU G. m. b. H. Berlin W 15 Meinekestr. 10 Benutzen Sie bitte bei Voreinsendung des Betrages das Postscheckkonto der Verlagsabteilung: Berlin 715 76 nicht dem Erwerb von Waren, insbesondere Investitionsgütern, welche ftir den Besteller selbst zum eigenen Gebrauch benötigt werden. Sie gestattet Fabrikanten die Mitnähme oder spätere Bestellung von Maschinen mit Bezahlung aus dem Sonderkonto-Guthaben, Acrzteu den Erwerb ihres Instrumentars, jedem Privatmann den Erwerb von Einrichttingsgegenstiinden, Kleidung, Automobilen, Radioapparaten, Kühlschränken usw׳. für nachweislich eigenen Bedarf, und verlangt lediglich, daß ein solcher Nachweis in Form eines begründeten Antrags an die Haavara geführt wird. Zum Schutze der allgemeinen Interessen der ihr anvertrauten Auswandeningsguthaben muß die Haavara aber darauf bestehen, daß sich nicht der einzelne Auswanderer nach Palästina im Lande einen Käufer für irgendeine Ware sucht, die der Auswanderer dann mit seinen Transferguthaben bezahlen will und für welche er in einem privaten Transfer dann den palästincnsischcn Gegenwert von dem Käufer seiner Waren erhalten soll. Da in einem solchen Verfahren die Verlusttreudigkeit des einzelnen Transferenten den Verkaufspreis der Ware bestimmt, kann es gar nicht ausbleiben, daß das ganze mühsam aufgebaute Marktsystem für deutsche Transferwaren und ihr Preisniveau erschüttert wird, und daß eine Genehmigung solcher Einzclaktioncn nicht nur eine ungerechtfertigte Bevorzugung Einzelner, sondern auch eine illoyale Haltung gegenüber den von der Haavara geworbenen Käufern deutscher Waren darstellt. Die Haavara hat ein natiirliches Interesse daran, daß jeder Einzelne soviel wie möglich von seinem eigenen Transferguthaben für Einkaufe zum eigenen Bedarf verwertet und damit die Transfer- Verpflichtung der Haavara vermindert. Sie fördert deshalb jeden Antrag, der zur Befriedigung des Selbstbedarfs der Tran:־ferenten dient, wehrt sich aber gegen «ine Erschütterung der Sonderstellung, die ihr als einziger Organisation für die gemeinnützige Durchführung des Transferimports von den zuständigen Stellen gewährt worden ist. Es muß ferner von den Transfcrcntcn — um andererseits auch einmal eine Klage der Haavara andie Adresse ihrer ״Kunden" zu richten — erwartet werden, daß sie nicht nur während ihrer Transferzeit im eigenen Interesse, sondern auch später im Interesse der nachkommcndcn Schicksaisgenossen eine Bereitwilligkeit zur Aufnahme deutscher Waren in Palästina bezeigen, wenn ihnen nachgewiesen wird, daß diese Waren über die Haavara zur Transferierung der Auswandererguthaben verwandt wurden, ln dieser Einsteilung und der Ueberpriifung der geschilderten häufigen Klagen nach ihrer tatsächlichen Berechtigung, wird am besten die Vertrauensgrundlage geschaffen, die notwendig ist, um eine erfolgreiche Arbeit der Haavara im Interesse ihrer Auswanderer zu gewährleisten. In der Vorbereitung einer solchen Einstellung vor der Auswanderung liegt eine Aufgabe, die sich di« Auskunftsstcllen der Palüstina-Acmter in Deutschland, die beteiligten Banken und Devisenberater usw. angelegen sein lassen sollten, um damit uns in den Bestre!::1”gen zu unterstützen, das notwendige Verständnis für die Größe der Aufgabe zu erwecken, die den Palästina- Transferorganisationen gestellt ist. III. Die Zukunft des Transfers An der Wende dieses Jahres und beim Eintritt in das dritte Geschäftsjahr der Haavara stehen wir vor erneut in ungeahntem Umfange gesteigerten Anforderungen an die Transfcrfähißkcit der Haavara und der deutschen Einfuhr nach Palästina. In U e h e r e i n s t i in in 11 n g mit de 11 während des Inzer 11 er Kongresses vorbereit c t c n Entscheidungen wird für das neue Jahr danach gestrebt werden m i'1 ssen, die aus dem Transferimport zu erzielenden Devisen in erster Linie dazu zu verwenden, uni einer möglichst großen Anzahl von Au s w anderem so schnell und so billig wie möglich die ersten £ 1900 in bar zu transferier e n, die sie als U n - t e r 1 a g c für die Erlangung des Kapitalisten- Visums benötige n. Die hiernach verbleibenden Transfergtithaben, die bei unverändert aufrecht zu erhaltender Zuteilungspraxis der Auswandererberatungsstellcn und De- Visenbehörden entstehen werden, sollen im Wege des nachweislichen Eigenbedarfs der Transferenten und besonders durch die großen Transfersonderangebote befriedigt werden, denen in Zukunft mich erhöhte Beachtung gewidmet werden muß. Darüber hinaus werden ergänzende Wege beschritten werden müssen, die von den zuständigen Stellen bereits gestattet sind oder in Zukunft noch gewährt werden. Hierbei wird davon auszugehen sein, daß das Disagio bei neuen Ausftihrmöglichkeiten ein wesentlich höheres Transferopfer erfordern wird. Der Auswanderer wird deshalb in Zukunft damit reclirien müssen, daß die notwendigen Opfer durch eine, die sozialen Erfordernisse berücksichtigende Staffel der Abzüge differenziert werden, so daß die ersten £ 1000 Bar-Transfer am günstigsten fortkommen, weitere Beträge durch Paliistina-Translersonderangebote mit höherem Disagio transtcriert werden können und etwaige Spitzenbeträge mit noch höherem Disagio auf Transfersonderwegen erledigt werden müssen. Einzelheiten hierüber werden erst in absehbarer Zeit bekanntgegeben werden können, nachdem alle Vorbereitungen für diese Umstellung des Transfer-Systems beendet sind. In Anwesenheit militärischer und bürgerlicher Abordnungen wurde auf dem Friedhof von Budapest das neuerrichtete Grabmal für den vor einigen Jahren verstorbenen Feldniarschalleutnant Ritter Eduard von Schweitzer enthüllt. Schweitzer hat den höchsten militärischen Rang bekleidet, den ein Jude in der österreichisch-ungarischen Armee je erreicht hat, war außerdem ein persönlicher Vertrauter des alten Kaisers, den er öfter am Zarenhofe vertreten hat. Naif machte ein böses Gesicht. Er wandte sieh an einen seiner Leute und befahl, die Hunde auf die fremden Wanderer loszulassen. Als die Hunde mit lautem Gekläff auf Jechiel und Uri ]■ossprangen und ihre Zahne in die Säume ihrer Mäntel schlugen, frohlockte Nni'f in seinem Innen!: ״Jetzt vergeßt ,Mutter Ödland' lind auch den Weg zu ihr vergeßt!“ Die Ifunde waren bereits hinter ihnen gebliebou. Uri und Jechiel erkannten von ferne, von einer der Anhöhen aus, das ״Weiße Haus“ und die grauen Betonkolosse des Werkareals. Sio setzten sich ein wenig zur Ruhe und weideten ihre Angen In. der Dämmerung am Anblick des Oedlands, das ruhig und grenzenlos schön vor ihnen lag. Die friedlichen Töne einer Hirtenflöte, dies Zwiegespräch des!Menschen mit der Erde unter seinen Füßen und mit dem Himmel über seinem Haupte, waren hörbar. Wiederum strömte aus der Kehle Jechiels ein Lied. Diesmal war es nocli kraftvoller. Er schüttelte die wilden Strähnen seines Silberhaares, und mit festen! Schritt stieg er die Anhöhe hinab. Uri ging wie ein Schatten hinter ihm her. Im Tale unten kam ihnen eine Schar von Reitern entgegen. Sie sprengten auf ihren Stuten hin und her und riefen: o —• hol o — ho! Sie durchbohrten die Luft mit Rufen, Schüssen und geschwungenen Specrcn. Jechicl unterbrach sein Lied nicht Er ging auf die Beiter zu, streckte ihnen seine Arme entgegen, schüttelte die Malme seines Hauptes, und seiner Kehle entstieg ein Lied, das kein Lied mehr war, denn cs glich dem heiseren o — ho! der allderen Seite. Es schien, als ob der Rachetanz der Reiter des Oedlands ihn magisch anzöge. O — ho! drangen die Rufe der Reiter, das Schwingen der Gewehre und das Flattern der Gewiinder empor. O — liol hallte dpr heisere Ruf Jechiels, der der» Schüssen entgegen - ging, zurück. O — hol durchbohrte eine Kugel Jechiels Brust. Er hielt sich einen Augenblick aufrecht, dann wankte er und fiel zur Erde. Der Rachetanz tobte weiter, rings um den Körper des Allen, und die Flüche des Ocdlandssohnes gegen den M eißen, der ins Oedland eilidringt, Menschen und Kinder tötet, Dörfer mit. Kanonen verwüstet und ihre Mauern einreißt, hagelten in fiebernder Ekstase nieder. Uri wurde es schwarz vor Augen. Kr stürzte zwischen die Reiter, beugte sieh über den Körper des Allen und schützte ihn vor den llnfcn der Pferde. Er streifte den .Mantel Jecliicls von seiner Rrnsl und prüfte die Wunde. \]>er der Alte röchelte ihm nur nur!! entgegen: ,,Rillt sühnt alles.“ Uri halle nicht gemerkt. 111(0 der Tanz der Heiter aufgehört halle, und das Aul’h'itzen der Schüsse erloschen war, und daß zwei von den Reitern hinter ihm heran gekommen waren. Erst als sie ihre Schwerter!"!her seinem Ilntiple safcwangen, sprang I Ti von seinen! Platze, richtete sich auf und blieb wie gebannt stehen: ״Bist!ln cs wirklich, liasrliid?“ ״Ja, ich bin Raschid, und d!1 bist ein Sohn dos Todes“ —׳ ermannte sich Raschid, der beim Anblick Uris in Vcrwirrung geraten war, und der Fleck in seinem Auge blitzte wütend, ״Ihr alle seid Kinder des Todes!“ — schrien die Reiter ringsum mul lobten anf ihren Stuten in! Galopp rings um Uri, der regungslos stehcnpchlichen war. Aus der entblößten, mit silbernen Haaren bedeckten Brust Jechiels floß ein Blulstroin, der die Grasflächc unter ihm rötete. Plötzlich öffnete .lediicl die Augen, richtete sieh mit letzter Anstrengung auf, streckte seine Hand gegen die Reiter, gegen Uri mul gegen das Oedland und donnerte inil mächtiger Stimme: ״Sei gegrüßt, Mutter Oedland!“ —• dann sank er nieder und hauchte seine Seele aus, Die Reiter schraken zurück und verstummten. Das Feuer der Rache war erloschen. ״Rei len wir unsres Weg es!“ befahl Raschid, rill voran, und verschwand mit seinen Begleitern hinter der Anhöhe. Uri war allein mit den! toten Jocliiel geblieben. Er hol! seinen Kopf und sah, daß der klare Mond bereite über den! Himmel des Oedlands auf gegangen war. Er stand auf und lud den Leichnam auf seine Schultern. Langsam und mit Anslrcngung schleppte er sieh fort. Er wußte, daß er nicht die Kraft haben würde, mit dem loten Jechiel auf dem Rücken zum AVerkareal zu kommen, aber er dachte, ein Versteck zu finden, wo er Jechiel vor dem Auge des Geiers verbergen könne. Dam» würde er zur ״Station Müde“ gehen, um ein Auto zu holen. Da wurden hinter ihm PIVrdehufe hörbar. Nach wenigen Minuten näherte sieh ihm ein Reiter. Es war Raschid. Er stieg von der Stute und sagte gedämpft: ..Laß 1ms die Leiche auf- Pferd laden.״ Sie legte״ Jechicl auf den Sattel, banden ihn fest und setzten schweigend ihren \\ eg fort, indem sic zu beiden Seitea der Stute eiiihergiiigcn. Mährend des ganzen Weges sprachen sie kein Wort. Sie gelangten zu den Höhen gegenüber der!» Werk. Da blieb Raschid stehen: ״Hier binden wir die, Leiche los. denn ich muß zurück.“ Sie legten Jerliiol zu Roden. Raschid setzte sich in den Sal lei: ״Sag dem Uhawail ja Ingenieur, daß* ein Ueberfall auf das Werk nicht zu befürchten sei.“ — Nach kurzem Schweigen sagte er noch: ״Grüß den Chawadja und seino Leute.“ — Die Stute schnellt« vom Ort, Raschid schmiegte sich fest an sie und verschwand hinter den Anhöhen. Uri sah ihm nach, bis er verschwanden war. In seinem Herzen erwachte (,in Gefühl, das ihn auf die Knie zwang und ihm einen stillen, warmen Strom von Tränen in die Augen trieb. Er beugte seinen Kopf, küßte inbrünstig die Erde, und seine Lippen flüsterten bebend: ״Teil liehe dich, Oedlandserde, denn ich habe in dir tiefa Wurzeln geschlagen. In der Trauer, die über dich gebreitet ist, bist du mir teurer als eine Mutter. D11 läßt meine Seele! in Sehnsucht erbeben, um deine Schönheit und deine Oednis zu künden. Du bist, erhaben und liebenswert, uraltes, (rockenes Oedland. Gib mir die Kraft, dein Wehen in mich aufzunehmen und die in deiner Erde, deinem Wasser und deinem Blute ruhenden Keime der Zukunft zu verkünden!“ So saß Uri lang« neben der Leiche Jechiels, dem Workareal gegenüber, und betete mit liebendem, erbnrtmingsvollem und verzeihungsbereitem Herzen. Das Wassergefälle des Oed- 1 and Busses antwortete ihm mit dumpfem Rauschen. Sein Gesicht waT ruhig, als er zum Lager kam. Er erzählte vom Torf Jechiels und sogleich ging das ganze Lager mit ihm, den Toten cinzuholen. Auf dem Gipfel des Hügels neben der kleinen Kuppel, unter der Abu-FaJs, der Sohn der Berge, ruhte, wurde heim Anbruch der Morgenröte ein zweite» Grab gegraben. (Fortsetzung folgt)

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