Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 90 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 90, 8. XI. 1935 jüdische Rundschau Seife 7 Die Sprache der palästinensischen Kinder Solange die hebräische Sprache lediglich eine Schriftspräche war, war auch alle sprachliche Weiterenivvickhmg eine Sache des Buches, und in die Wörterbücher wurden auch immer nur die besonderen Wortschöpfungen und Stilbeso-nderheiten unserer Literatur aufgenommen, der Pajtanim, der Tibboniden, der rabbinischen Literatur, der Haskalazeit und der Meliza, Ach ad Haams und Merrdeles usw., die in den Zeugnissen des geschriebenen Wortes ihren Ursprung haben. Andere neue Wege konnte die Sprachentwicklung von dem Augenblick an schreiten, wo 7.11 dem geschriebenen das gesprochene Wort liinzutrat. Diese Entwicklung ist nicht alt, seit dem Auftreten Ben Jehudas sind erst 50 Jahre vergangen, Zeit genug jedoch, um einen Blick rückwiirts 711 werfen, auf das, was die Volks- und Kindersprache im Laufe dieser Zcitepoclie Besonderes zu schaffen vermochte. Diese Entwicklung hat ihre positiven wie ihre negativen Seiten. Die Bereicherung durch Neuschöpfmigen kann oftmals wenig erwünscht sein, besonders bei einer Sprache, die oft noch nicht genug gefestigt ist. W'o eine Generationenlange mündliche Tradition fehlt und durch ständige Ein- Wanderung der bisherige Sprachbesitz des Volksbewußtseins dauernd erschüttert werden kann, da macht sich das Fehlen eines Korrektivs, das Fehler und Barbarismen ausmer/t oder in die Schranken des ״Slangs" verweist und in den (legensatz zur normativen Sprache stellt, bemerkbar. Im Laufe der Zeit entsteht natürlich, genährt durch Schule, stilistisch einwandfreie Presse und ■das Buch ein im Volke wurzelndes Sprachbcwußfsein, aber oftmals sind die Grenzen noch arg verwischt. Das beweisen die vielen Anfragen z. B. an die Redaktion des ״Leschoncmi laam“ und die oftmals widersprechenden Antworten der Redaktion oder der die Antwort leistenden Philologen. Wir müssen also noch etwas Geduld haben, bis gewisse Sprachregeln lind -gewöhnlichen sich durchsetzen. Aufgabe dieser Ausführungen ist es nicht, Juden, die hebräisch lernen, Blüten volkstümlichen Hebräiscns als für eigenen Sprachgebrauch ru beherzigende Perlen darzubieten, doch ist es durchaus möglich, daß das junge Hebräisch sich Wortschöpfungen der Straße und des Kindes zu eigen macht und vielen Worten seine Sanktion erteilt, wo dies nicht bereits geschehen ist. Eine Reihe von Aufsätzen hat sich mit diesem Thema befaßt, vor allein hat Dr. J. Riwkai in mehreren Artikeln in der Zeitschrift ״Leschmiemi“ die ״Snrachlichcn Eigenhciten in dem Munde unserer Kinder in Erez Israel" dargelegt (in den Jahrgängen 5602 und 5693). Daniel Perski brachte in derselben Zeitschrift (5693, Lieft 1) ״Blüten Volkstumliehen J!eV:i>-.-|!s", Giftal M eisei in ihrem Ruch: ״Hajelcd b'ercz Israel“ manche Bcsomlerhd'cn aus Kindermund, Elieser R i e g e r in seinem Bliche über die Grundwerte (Oznr Milloth-Hajessod) u. a. Solange das Vermögen ■der Kinder, die Sprache der Erwaclisenen nachzuahmen, noch ungenügend entwickelt ist, kommt es zu Neuschöpfnngcn, die auf das Konto ״Verhall- Hornungen“ gehen. Sobald das Kind jedoch Worte erfindet, die dein Rhythmus und der Grammatik der Sprache Rechnun״ tragen, kommen Ausdrücke zustande, die eine Folge der kindlichen Spracherfahrungen darstellen. Dr. Riwkai bringt u. a. als Beispiele: Michtcwan .־= Briefträger (abgeleitet von Michtaw ־־» Brief). Mitbechan jemand, der in der Küche arbeitet (abgeleitet von Mitbach Küche). Barsan jemand, der den Wasserhahn repariert (abgeleitet von Beres Wasserhahn). Muscbinvijah Feil um» einer Kolonie (MVueliawa =־ Kolonie, das Kind hörte, daß man vom Tel Awiwcr Magistrat ab der ״Irijah“ sprach, ein Wort, das von ,.11׳■ . Stadt abgeleitet wird). St holend) — englisch (,.Schoter“ ist der Polizist, da die Juden ,.iwrith“ und die Araber ״arawith“ sprechen, nur der Polizist in einer unbekannten Sprache spricht, So spricht der Scliotcr eben ״st l.oteril h“). Bub männliche Puppe (Bubba ist die Puppe, Jelcd ist das Kind, Jalda das Mädchen. Suss das Pferd, Susso die Stute, warum abo nicht auch Bub für eine Puppe männlichen Geschlechts?). Ilakrin mit den Hörnern stoßen (abgeleitet von ״Keren“ Ilern. das Kind wußte nicht, daß das Wort .,Itakriti“ die Bedeutung ,.Bestrahlen‘‘ besitzt, und schuf das ,Wort: noch einmal, jedoch mit anderer Bedeutung), Mcguseham ׳= regendurchnäßt (abgeleitet von ,,Geschem“ Regen). Scherher Kakao (abgeleitet von ..Schaehor“ a> schwarz. Eins der Nahrungsmittel des Kindes ist der ״!.eben‘•, ein pnläsiinetisisrhes Milchprodukt, ״f.nwan“ ist der Ausdruck für ״Weiß“, liegt es nicht nahe, den dunklen Kakao .,Schocher“ zu nennen?'!. Naggor — tischlern (abgeleitet von ״Naggar“ Tischler). Cbarrlier Löcher bohren (abgeleitet von Chor I.ocli). Jfnssmieh mit einer Becke *urlecken (Sscmicha =* Bettdecke). Ssarech (oder auch ,.11 assrieh“) die Sehuhhänder zu-ehnüren (abgeleitet von ״Sseroehim“ — Schuhriemen), Hagrin in der Scheune arbeiten (abgeleitet von Goren Scheune). Dr. Riwkai bringt insgesamt 69 Wortschöpfungen verschicnlcncr Gattungen, darunter auch eine Reihe von Worten der Umgangssprache, für die sich Kinder eine besondere Ethymologie zurechtgelegt haben: ״Mitriiah“ Regenschirm wird von einem Kinde so erklärt: Mitrijah ist die Frau vom Motor. ״Zoref" ist der Silber- und Goldschmied, ein Kind jedoch glaubt, der Zoref wäre der Mann, der die Baracken macht (X.erif Baracke). ״llilchathcn“ ist der Ausdruck fiir ״ITeiralcn“, ein Kind hört, daß eine junge Dame sieh verheiratet, cs erklärt: Sicher ״hu mitchatan“ er heiratet — er ist der ״Chatan“־־־ Bräutigam, aber sie — ״hi mitkalta“ — ist die ..Kalla“ =s die Braut. ״Spinnes“ ist eine große englische Finna im Lande. Fan Kind erklärt den Namen folgendermaßen: das ist Ware, die man mit dem Schiff (Schiff heißt ,.Sscftna“) aus dem Ausland bringt. ״Pelilimus“ ־=־ Dorhlkorher (ein Kocher, der mit Petroleum und Spiritus bedient wird, heißt ״Primus“ nach der Fabrikmarke, ein Doch!kodier!reißt ״Mechonath-Pelilim“ und wird nur mit Petroleum bedient, Kinder unterscheiden der Kürze wegen: ,.Selm Primus lischu Fetilimus“). Gitfel Meisel bringt u. a. folgende Beobachtungen: ״Gesornaiim“ Schere an Stelle ״M issparajim“ (״Gasor" heißt schneiden). ״Ilitamlret“ — baden in der Wanne (.,Ambatja“ ist das Wannenbad). ,.Nlcbozaz“ eingeschrnutast (von ,.Boz“ =־ Straßendreck). ״Meptnderelh“ eine Frau, die seltsam gekleidet ist (von ״Ganderart“ ־= Smtzer abgeleitet). ״M. u ו■«“ =-= mit dem Rehwanze wackelnd (von ״Sanaw“ Schwanz abgeleitet). ״Machst hiehim“ — Fensterläden an Stelle von ״Terissim“ (abgeleitet von Chosrhech Finsternis). ״Meschurwal“ mit aufgekrümpelien Aermeln (von Scharwul Aermel). ״MLehtapcsch“ sich dumm stellend (von Tippeseh —- dumm »bgeleitet). ״Mitjachef" => jemand, der sich die Schuhe auszieht (von Jachef barfuß abgeleitet). Viele Jargonismen und Germanismen leben in der Sprache der Kinder. So kann matt hören: ,,Assel) Spritz“ -- an Stelle von .,I latiis majim•' (Aufforderung mit Wasser zu spri:?,!1). ״Assel) Spitz“ --o an Sti lle von ,. 11 a-ebchi, eth 11a fpparon“ (Auffordcrung, de״ l!leL!il1 zu spitzen). ,,Moscbeli'le“, ,.S'utia'ie“ -- die jiddi-clR׳ Ko-1'fonn ’1c wird seibat von jenicnitiselien und sefardi-rhen Kindern jj ,braucht. Daniel Perski bringt Beispiele von Verkleinerung»■ tarnt en: ״liaelmroneth“ (von linehura Mädchen), Cluiwiwoneth (von Chawhva liebe» M ideheu, 'J'ij)»<.1 iom-1 ii (von Tippscln) — dumme* Mädchen), Jaldonedi (von jalda »- kleines Mädchen) u. a. Aus Perskis Zusammenstellung entnehmen wir u. a. auch: ״Mcsuppntli“ ----- (von ,.Sefetli“ -= I’erh, arabisch ,,Sift“ abgeleitet), schlechtgelaunt. ״Kischrom“ talentiert (von Kisclianm Talcut abgeleitet). ״Goali“ — widerlich (von ..Goal-nclcach“ —: Hkcl abgeleitet). ״Ilistoded“ sich Geheimnis erzählen (von ״Sod“ ־= Geheimnis abgeleitet, in Ben-Sira steht fiir denselben Begriff ,,Tlistajed“), ,.llileliarben“ eine Nicdirin״.■ erlcirlen (eine Krkliirung sagt, ein Schüler hätte das in den Psalmen verkommende Wort ״Charbonc-Kaiiz“ nicht erklären können, seine Mitschüler riefen ihm darauf zu: Achaba (:!!erlioti du hast ('lierbon geges-on, und von da art diente das Wort dazu, um ein Versagen, Schlappe erleiden zu kennzeichnen). ״Ma’ul“ ־= mir Jacke versehen (von ״Me'il“ ־= Jacke abgeleitet). ״Xrsnaw“ hinterdrelngelmnd (von ..iw“ ~= Schwanz, abgeleitet). Auf Grtiml einer pro!!en Reihe von jahrelangen Lhitersucliungen, die Dr. Riwkai oder KiiKlcrgärfnerinncn und Mütter aut seine Veranlassting v01׳t;c׳nomtm11־ haben, mul gut allsgearbeiteten Statistiken gibt er einen linblitk in das Sprachlichen des jüdisch,en Kindes, das außerordentlich intercssant ist. Fritz M. c i r Fraenkel, Jerusalem Neue Firmen Nach Veröffentlichungen im palästinensischen Amtsblatt. Es wurden 16 Aktiengesellschaften, 89 Teilltabergeselischaften, 44 Genossenschaften, 1 ausländische Gesellschaft und 1 Teilliabergesellscliaft mit beschränkter Haftung registriert. Aktiengesellschaften: The Dtibek Ltd. (7i;:aretfen- und Tabakfabrik), Kapital £P 17CXHJ. — Dr. L. Adlerstein A Company Ltd. (Maschinen und Zubehör), Kapital CP!0 000. — Aptckmann Picture Ltd. IFilmhandel), Kapital CP 10 000. — Theincr Irrigation Ltd. (Landwirtschaft!. Maschinen, iitsbes. Bewässerungsanlagen(, Kapital £P 5000. — Assaff Company Ltd. (1 >n!ckerei, Verlag), Kapital £P 5000. — ״Alivah" Land Development Co. Ltd. (Immobilien), Kapital £13000: ׳. — The Rändelt Products Company Ltd. (Oel- U. Seifenfabrik), Kapital ,CP 5000. — The Loewy fk Sommerfeld Trust Co. Ltd. (Investition, Treuhand), Kapital .CP 3000. Genossenschaften: 21 arabische landwirtschaftliche Spar- und Darlehnsgenossenschaften, 5 industrielle Produktionsgenossenschaften, 6 landwirtschaftliche Sicdlungsgenosscnschaften, 2 vorstädtisehe Sicdlungsgenosscnschaften, 2 Absatzgenossenschaften, 2 Konsumgenossenschaften, 2 allgemeine landwirtschaftliche Genossenschaften, 1 Wasserversorgungsgenossenschaft. (Schluß des Palästina-Teils) B. NEUMANN An FLÜGEL / PIANOS) Üpp RARIO 11 Blsm.3716 « U r » ö r ■ t B d BBI Bl 20« | [Peppm61ler wäscht ן 1 jegliche Art Haus wasche schonend 1 I (Stück- und Pfundwüoche] 1 1 Dami!twi8cnerej Kar! PeppmöiierB.m.b.H. 1 Das beliebte EinKaufshaus 1 fUr Küchenmöbel, Haushalt- und Küchen- 1 artikel. 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