Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 90 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr.?0. 8. XL 1935 Zeitschriften-Umschau Ein französischer Essay aber Stefan Zweig In der ״Revue de Paris“ veröffentlicht Maurice Muref eine große Analyse des Werkes von Stefan Zweig, deren Gesamtergebnis ist, daß das poetische Lebenswerk Zweigs als besonders hochstehend zu betrachten sei, während seine Abstecher in die Wissenschaft als überflüssig empfunden werden. Aus dem interessanten Aufsatz möchten wir einige Worte Wiedersehen, die in bezug auf den ״Jeremias“ gesagt werden. Der Verfasser hält das Drama vom dramatisch-tcchnischcn Standpunkt aus für nicht besonders gut. Doch die Gesinnung, die aus dem Werke spricht, veranlaßt iiin zu einer eingehenden Betrachtung, in der er!!. a. schreibt: ״Jeremias" ist nicht nur gegen den Krieg gerichtet, sondern auch eine Art Apotheose des jüdischen Volkes, Zweig gehört selbst zu dem auserwählten, aber zu allen Zeiten verfolgten Volke. Es scheint, daß er, angeregt durch den Gegenstand, aus dem ,Jeremias1 das Drama Israels durch die Jahrhunderte machen wollte.... Der Messianismus Zweigs, dieser so jüdische Idealismus — erklären sie sich zum Teil durch Atavismus?... Eine einzigartige Mischung ist dieser ,Jeremias‘.., eine einzigartige Mischung von Weltfriedonsbestrebuiigcn und jüdischem Nationalismus. Zweig soll nicht denken, daß diese beiden Begriffe einander aussclilicßen. Er wird vielmehr zugeben, daß sie sich ergänzen und sich gegenscitig stärken." Geschichtsunterricht und rassisches Denken In der ״Deutschen Volksschule“ findet sich ein Aufsatz von Johannes Döring über ״Die Entwicklung rassischen Denkens im Geschichtsunterricht der Volksschule“. Der Verfasser stellt Beispiele auf, wie in ״zehn- bis vierzehnjährigen Kindern der Volksschule durch den Geschichtsunterricht der rassische Instinkt geweckt und die Kinder zu rassischem Denken geführt werden, woraus der Wille zum verantwortungsbewußten Handelt! dem Volke gegenüber erwächst.“ ״Die J u d e 11 f r a g e ist heute in anderem Geiste als in der Systemzeit zu besprechen. Wir sehen in den Pogromen des Mittelalters nicht mehr eine Mißhandlung armer unschuldiger Juden durch barbarische Deutsche, sondern wir wissen, daß hier eine Verteidigung ausgebeuieter Deutscher mit Mitteln der Verzweiflung stattgefunden hat. Diese Betraclitungen aber werden uns auch zu den Jmlengcsctzcn im neuen Reich führen und zeigen, daß Pogrome niemals die Lösung der Jttdenfrage!)ringen konnten, solange nicht eine klare Scheidung zwischen dem jüdischen und dem deutschen Volke cifolgte. Der Hinweis auf die Anwesenheit der Juden bereits in der K’ömerzeit verdeutlicht, daß das Jitdenproblcm ein durch die Jahrtausende deutscher Oeschichte sich hin/iehendes lind für das deutsche Volk bindendes (? Red.)!st. Die Rothschilds, die Judcncmanz.ipationen (? Red.) der achtundvierziger Revolution, an der Juden nicht ganz unbeteiligt waren, die beschämende Tatsache, daß ein Jude dein preußischen König die Kaiserkrone anbieten durfte und daß derselbe Jude der erste Reichstagspriisident des zweiten Reiches war, und die Frechheiten jüdischer ,Staatsbürger‘ in der Nachkriegszeit müssen besonders gewürdigt werden." Die christlichen Nichtarier und die neuen Gesetze fn der ״Christlichen Welt“ vom 2. Nov. findet sich ein Aufsatz von Martin R a d e ״Zur deutschen Judengeset/gebung“, in dem sich der Verfasser vor allem mit dem Problem der Halbarier beschäftigt, das durch die Niirnberger Gesetze noch nicht gelöst sei. Die Kirchen, schreibt er, seien daran ebenso interessiert wie der Staat, Zur neuen Schul r e g c I u n g bemerkt Rade, daß die Verfügung, sofern sie christlich getaufte Kinder oder Kinder christlicher Eltern betreffe, das kirchliche Interesse hcrausforderc. Der Verband der nichfarischen Christen ״beschäftigt sich sorgenvoll mit dieser Situation, Er kann berichten, daß die Berliner Unterrichtsverwaltung bereits der Errichtung einer Privatscliule zugestimmt hat, welche christlich-nichtarische Kinder autnimmt und über das Volksschul/iel hinausfiilirt, die bisher öffentliche Schulen besucht haben". Es sei von kirchlicher Seite her unmöglich, ״unsere getauften Christenkinder, ob halb- oder viertel- oder dreiviertel-arischer Herktinft, in die jüdisch-mosaische* Bekenntnisschule (oder Weltanscliauungssehiile) zu schicken.“ (Dies wird natürlich auch von jüdischer Seite keineswegs erstrebt. — A. d. R.) Schließlich erörtert der Verfasser die Bildung judenchristlicher Gemeinden, die in dieser Zeit eine Notwendigkeit sei. Die Rettung der Halbarier sieht er freilich nur in der Auswanderung. Er schreibt: ״Das Problem der Halbarier i-t, soweit wir schien, noch vielen gründlichen Nachdenkens wert. Uns dunkt, härter als die Juden geraten sie jetzt zwischen die Räder. Uns dünkt: Rettung bietet ihnen allein die Auswanderung- Am sichersten gemeinsame Siedlung ini fremden Lande. Dergleichen hat es immer ge- In der Werkstatt des Head-OSIice (Von einem Jerusalemer Mitarbeiter) e. j. Jerusalem, 2t. Oktober Das Zentrum, von wo die jüdischen Energien zur Förderutig des Keren Hajesuxl in Bewegung gesctz.t werden, befindet sich in Jerusalem. Es beschränkt sich auf eine kleine Anzahl von Menschen, die aber mit seltener Hingabe und immer neuen Einfullen ihrer Aufgabe obliegen. Dies ist um so erstaunlicher, als diese Menschen seit vielen Jahren in der Werkstätte des Hauptbüros arbeiten und durch die dauernde Beschäftigung mit dem gleichbleibenden Aufgabenkreis leicht der Routine und dem Bürokratismus verfallen müßten. Daß dem nicht so ist, — abgesehen von den besonderen Qualifikationen der Beamten im Hauptbüro des K. H, — ergibt sich aus der stetigen Veränderung der Verhältnisse in der jüdisehen Welt. Diese Wandlung zwingt, immer neue Wege zu beschreiten, wofern man nicht riskieren will, daß die Betriebsamkeit des Hauptbüros und seiner Delegierten in der ganzen Welt zum Leerlauf wird. Schließlich zwingt das Beispiel der in der ganzen Welt von verschiedenen Institutionen betri ehe nen Propaganda mit immer neuen Methoden auch den Keren Hajessod dazu, alte, ausgetretene Pfade zu verlassen und sich der modernsten Mittel zur Erregung der öffentlichen jüdischen Aufmerksamkeit zu bedienen. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt man, wenn einem die Leiter des Hauptbüros ihre Werkstatt zeigen, wo all die nötige Werbearbeit bis ins einzelne durchdacht und organisiert wird. Ich habe erwähnt, daß das Hauptbüro nur über wenig Kräfte verfügt. Aber daneben sind Photographen und Drucker, Zeichner und Statistiker, Schauspieler und Kinofachleute, Komponisten und Schriftsteller für den K. H. tätig. Mit 1 8MAIAIIHI ftir ,»•PI»•". LId«n, MVlWKSiIVVl Zimmer und Küchen geben. Unser Staat wird es ihnen nicht wehren.“ Wohin die Auswanderung gehen soll, sagt freilich Rade nicht; er bemerkt vielmehr nur resigniert: ״Angesichts der ungeheuren Aufgabe ... fehlt es an Rat und stockt die Tat.“ ״Antisemitische Hintertreppengeschichte“ Im Rahmen einer Besprechung des auch in der ״Jüdisehen Rundschau“ bereits allgezeigten Buches von Grau über Humboldt schreibt in der Zeitschrift ״Deutsches Volkstum“ der Mitherausgeber Albrecht Erich Günther: ״Grau will in seiner Arbeit zeigen, daß Wilhelm von Humboldt dadurch zum Träger und moralischen Vorkämpfer der Lmanzipation wurde, daß er unter jüdischer Einwirkung vom artgerechten und lebensgemäßen Denken abgewichen ist. Es liegt auf der Hand, daß dafür der Nachweis jüdischer Lektüre und jüdischen Umgangs noch keineswegs ausreichen würde. Viele bedeutende Menschen haben ihre Jünglings- Stimmungen in Heine hineingelesen, ihren Geist an Spinoza erprobt, ihre Gefühle aus Mendeissolinscher Musik herausgehört, ohne sich an das Judentum zu verlieren. Es wäre ein bedenkliches Mißverständnis der von Grau an gestrebten Geschichtsbetrachtung, wenn nun Zettelkastenbeflissene die Lebensläufe aller Großen nach jüdischer Lektüre usw. durchforschten und eine antisemitische Hintertreppengeseliichte aufbauten. Vielmehr bedarf es dafür einer gestalthaften Anschauungskraft, eines Blickes für die dramatische Dynamik eines Lebensganges, wenn wir nicht in eine psychologistische Suche nach ,,Einflüssen'• zurückfallen wollen, die wir uns eben zu überwinden bemüht haben.“ Judenbekämphang In der Monatsschrift ״Stimmen der Zeit“ vom November 1035 kommt Jakob Overmau S. J. in einer ״Kulturbericht“ überschriebenen Uebersicht über Ereignisse der letzten Monate auch auf die Judenhekämpfung zu sprechen, die sich ״in den Grenzen der Gerechtigkeit. Wahrheit und Gesetzlichkeit“ halten müsse. Hierfür werden verschiedcne, aus Pressenachrichten bereits bekannte Acußcrungen hoher Vertreter des Staates und der Partei angeführt. In diesem Zusammenhänge heißt es sodann weiter: ,,IloffcmhVh wird die voll General T)a|urgc in Aussicht gestellte polizeiliche Denkschrift über den jüdischen Anteil am Verbrechertum (״Frankfurter Zeitung“, 21. Juli 1935, Reichsausgabe) die Verhält niszahlen nicht auf die jüdische und nicht jüdisehe Gesamtbevölkerung, sondern auf die sozialen und wirtschalt liehen H Ä N DSCH UM־• LH DUR itt .1Hcn Dj-urtft! Ba c 11 a rac 11, Be f Iin '׳im'nm Grujtpen berechnen, aus denen beiderseits die Gesetzbrecher hervorgehen. l)a z. B, im Handel mehr Kigeutuni.svergehen Vorkommen als in anderen Berufen, so ergibt sich ein klares Bild erst aus. der Vergleichung der Gesamtzahlen jüdischer und nichtjüdischer Handler, nicht aller aus dem Anteil der Juden an der Ccsamthevölkcrting. Und selbst dann ist noch zu berücksichtigen, daß infolge der Tätigkeit des ״Stürmers" und ähnlicher Veröffentlichungen von einem grollen Teile des Publikums das Verhaken der Juden mit besonderer Schärfe beobachtet, wird,- wenigstens soweit dieses Verhalten irgendwie Mißfallen erregen kamt. Einer ruhigen Abwägung von Vorzügen und Fehlern, von Gründen und Gegeugtünden ist der ״Stürmer“ in diesen Dingen so unzugänglich, daß sein llauptschriftleitcr Karl Holz in Fettdruck erklären konnte (Nr. 31, August 1935): ,.Geistliehe, die zum Juden halten, die dieses Volk als auserwählt und Gottesvolk bezeichnen, die Angehörige dieses Volkes taufen oder diese Taufe gutheifjen, treiben Verrat an Christus, an der christlichen Religion und am deutschen Volk. Sie sind keine Gottesdiener, sie sind Diener des Teufels.“ Bekanntlich Hat aber Christus seinen Jüngern den Auftrag gegeben, alle Völker zu lehren und zu taufen, bekanntlich hat er seine zwölf Apostel sämtlich aus den Juden gewühlt, und ltckanntlieh haben die Apostel in der Kraft des göttlichen l’fingstgcistcs Tausende von Juden in die Kirche aufgetionmien. \V eil stellenweise das A n p r a n g e r n in der Judonbekämpömg wie sonstwo als geeignetes Mittel gilt, verdient die ablehnende Ent- Scheidung der amtlichen Kommission zur Vorbereitung des neuen Strafrechts Beachtung. Es könne ״kaum in Abrede gestellt werden, daß bei denjenigen, die von der Gelegenheit Gebrauch machen würden, den Verurteilten zu beobachten, weniger der Wunsch maßgebend sein würde, das Verlangen nach Gerechtigkeit befriedigt zu sehen, als die Freude an fremder Qual, an der Befriedigung von Neugier, .Sensationslust und andere minderwertigen Instinkten. Auch würde für die Justizverwaltung die mißliche Aufgabe entstehen, tätliche Angriffe auf die Ali-gestellten zu verhindern.“ (״Gcnnimiu“. Nr. 239, 28. Aug. 1935). Solche Erwägungen sprechen wohl auch gegen journalistische ״Anprangerungen“ im Sliie der früher so genannten Revolverpresse. .“ all diesen Leuten müssen Besprechungen abgehalten werden, was nicht immer ganz leicht ist. Dazu kommt, .daß man ununterbrochen, mit den zahlreichen Komitees in der ganzen Welt und mit Einzelpersönlichkeitcn, die sich als Freunde des Keren Hajessod betätigen, in Verbindung bleiben muß. Täglich langen Berichte, Beschwerden und Anregungen von den Delegierten des Keren Hajessod aus den verschiedensten Ländern ein. In jedem Lande gibt es spezielle Bedingungen, und man ist gezwungen, auf die Mentalität und die Umgangsspräche äußerst verschiedener Menschen einzugehen. - Da das Hauptbüro beispielgebend sein muß, ist es unbedingt notwendig, daß jeder Brief in kürzester Zeit seine Beantwortung findet. Denn wie könnte das Hauptbüro, was oft notwendig ist, Vorwürfe wegen Saumseligkeit machen, wenn es selbst mit schlechtem Beispiele voranginge? Um über den individuellen Briefverkehr hinaus stetige Be* Ziehungen zwischen den zahlreichen Mitarbeitern des Keren Hajessod itt allen fünf Erdteilen zu unterhalten, hat sich das Hauptbüro entschlossen, eine Art von Betriebszeitung herauszugeben, die alle zwei Monate erscheinen und den Mitarbeitern des Keren Hajessod in der ganzen Welt zugestellt werden soll. Mit einer Sprache findet man sein Auslangen nicht. Man wird diese Zeitschrift in drei Sprachen erscheinen lassen, wobei das Hauptgewicht auf die Illustrationen gelegt werden muß. Die verantwortlichen Leiter der Keren Hajessod-Arbeit im Hauptbüro sind sich bei all ihrer fieberhaften Tätigkeit über die Bedeutung und das Ausmaß des durch den Keren Hajessod zu schaffenden Werkes vollkommen bewußt. Das Hauptbüro hat alles veranlaßt, damit die Parole: ״Verdopjjelung der Keren Hajessod-Eingänge in der nächsten Zeit“ eine Verwirklichung finde. An der Einsicht der Juden in der ganzen Welt wfrd es liegen, ob dieses Ziel erreicht werden wird. IN ALLER KURZE Wie der ״Völkische Beobachter“ mitteilt, wird sofort nach dem Erscheinen der Durchführungsvorschriften zuni Rasscngcsdz ein Kommentar von Staatssekretär Dr, Stuckart und Oberregierungsrat Dr. Globke im Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern in der C. H. Beckschen Verlagsbuchhandlung München unter dem Titel ״Kommentare zur deutschen Rassengesetzgebung“ erscheinen. Der ״V. B." bemerkt hierzu, daß 'die Rassengesetzgebung zielbewußt auf ihrem Wege fortschreite und erwähnt dabei die Nürnberger Gesetze vom 15. September, über die er sagt: ״Aber diese Gesetze sind im wesentlichen zunächst Rahmengesetze, deren ganze Tragweite erst durch die Ausfiih• rungsvorschriften ersichtlich wird.“ Der Rheinisch-Westfälische Dienst des ״Deutschen Nach* richtenhüros“ meldet aus Köln: Die Große Strafkammer verurteilte einen 48jährigen jüdischen Angeklagten wegen Verbrechens der Rassenschande zu einem Jahr Gefäng• nis. Der Angeklagte hatte seit 1932 ein Verhältnis mit einem arischen Mädchen, das er auch nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre nicht abbrach. Im Gemeinderat des Ortes Judenbach (Thüringen) wurde über eine Anregung verhandelt, den Ort umzubenennen, da sein jetziger Name bei der Fremdenverkehrswerbung Schwierigkeiten bereite. Es wurde u. a. auch die Möglichkeit einer Ableitung des Ortsnamens geltend gemacht, die mit ״Juden“ nichts zu tun hat. Der Gemeinderat kam schließlich zu der Entscheidung, von einer Neubenennung des Ortes vorerst abzusehen. Unter den Kandidaten für die am 14. November statt* findende Neuwahl des englischen Parlaments befinden sich vierzig Juden, von denen achtundzwanzig von der Labour Party, sechs von den Kon! :rvativen, vier von den Liberalen und zwei von den Nation» liberalen aufgestellt wurden. Unbekannte Täter haben in der alten Synagoge in der Szajnachygassc in Lemberg eine Bombe zur Explosion ge• bracht. Die Synagoge wurde vollständig demoliert. Da sich zufälligerweise niemand hi der Synagoge befand, sind die Folgen des Anschlags auf Sachschaden beschränkt geblieben. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeieitet. Die von ״Nara“-Elcmenten in Warschau herausgege* bene extrem antisemitische Zeitschrift ״Warta“ hat einen Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte ver* öffentlicht. Der Aufruf wurde behördlich beschlagnahmt, die aut die Veröffentlichung hinweisenden Plakate wurden entfernt. In Tiaret, dem Zentrum des Getreidehandels von Oran (Algier) versuchen hauptsächlich atts Europäern bestehende antisemitische Gruppen Unruhen hervorzurufen. Die jüdische Jugend hat ein Selbstwehrkorps gebildet. Die Behörden haben Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen. Die beiden ersten Feldrabbincr, Aldo Sonnino und Amedeo Terracina, sind zur abessinischen Front abgegangen. Es ist beabsichtigt, einen dritten Feldrabbiner nach Erythräa zu entsenden, und zwar den Rabbiner E. C a t a r i - vas, der sich freiwillig zum Heeresdienst gemeldet hat. In Algier starb 86jährig der Schöpfer der jüdischen Kriegswaisenfürsorge Oberst Mayer, Kommandeur der Ehrenlegion, der allgemein als die prominenteste jüdische Persönlichkeit Algeriens galt. Im Alter von 112 Jahren ist in Czcrnowitz die älteste jüdische Frau Rumäniens, Mirjam Esther Moldawien gestorben. Ihre jüngste lebende Tochter ist 64 Jahre alt. In London fand eine Tagung der Anglo Jewish Association statt, auf der Präsident Leonard G. Mon• tetiore einen Ueberblick über die Lage der Juden in den Ländern Europas gab. Der Vorsitzende der Exekutive, Leonard J. Stein, berichtete über die Zuwendungen der Association für jüdische philanthropische und Erziehungszwecke im Ausland. Die griechische Presse weist darauf hin, daß an den M i 11 e 1 m e e r - S p i e I e n, die in diesem Monat in Athen abgehalten werden, außer griechischen, ägyptischen, französisehen und italienischen Mannschaften auch ein paläs ti׳• nensisches Team teilnehmen wird. Nach längerem schweren Leiden ist der Wiener Kornponist Bela L a s z k y im Lainzer Krankenhaus im 68. Lebens״ j'ahr gestorben. Die Chansons Bela Laszkys haben eine außerordentlich starke Verbreitung gefunden. Der neue Bonne Dr. Alfred Bonne, Leiter der Economic Archives for the Near East, hat uns soeben sein Buch ״P a 1 ä s t i 11 a, Land und Wirtschaft“ (Josef Singer Verlag A.-G., Berlin) itt dritter Auflage vorgelegt. Es erweist sich wieder als das vielfaltigste und wissenschaftlich fundierteste Werk in deutscher Sprache über die Struktur und Entwicklung der palästinen* sischcn Volkswirtschaft —, von einem vorzüglichen Kenner geschrieben und lebendig dargcstellt. Wer sich mit den wirfschaftlichen Verhältnissen des Landes vertraut machen will sei er Laie oder Fachmann — findet hier reichstes Material und übersichtliche Zusammenfassungen. Die zweite Auflage des Werkes schließt im April 1933. Die rapide Entwicklung, die Palästina seit diesem Zeitpunkt erlebt hat, mußte in der dritten Auflage berücksichtigt werden. Sämtliche Zahlen und Statistiken sind bis zum Abschluß des Jahres 1934, teilweise sogar bis 1935, ergänzt worden; in Zusammenhang damit hat sich auch eine Neubearbeitung des Textes als erforderlich herausgestellt, hn grundsätzlichen jedoch ist, wie Dr. Bonne im neuen Vorwort betont, ״die Darstellung in allen wesentlichen Zügen und in der Behänd• lung der wirtschaftlichen und sozialen Grundprobleine des Landes fast unverändert geblieben“. Das Kapitel ״Industrie und Handwerk“ hat die meisten Umarbeitungen und Ergänzungen erfahren; neu hinzugekonimen sind zwei Statistiken über die industrielle Entwicklung 1921-1933 und den Besitz an jüdischen Betrieben im Jahre 1933, ergänzt wurden die Abschnitte über Seiten- und Tex• tilindustrie, grundlegend erweitert die Berichte über die ״Nesher“-Zement-Werke bei Haifa (jetzt unter dem Titel ״Baustoffindustrie und Baugewerbe“) und die neueste industrielle Entwicklung und ihre Aussichten. Unter zahlreichen Aenderungen, die sich über das ganze Buch verstreut finden, erwähnen wir noch folgende neuen Statistiken über: Aufnahme und Klassifizierung sämtlicher Böden, Kcrnobsteinfuhr, Kartoffelanbau, -erzettgung und -import, Einnahmen, Ausgaben und Nettoüberschuß von 7 Siedlungskollektiven im Jahre 1933/34, Lohnentwicklung in Tel-Awiw 1931—1934, Groß• handelspreisc (Jahresdurchschnitt). Die Literaturangabe hat ebenfalls eine bedeutende Erweiterung erfahren. I. W, Anschlag« kostenlos la Refer. / Öegr. 1898 GroBas Lager In Cocos-, Boiicl*- u. Velourllufarn Fritx Stoehr Memhardstr. 18 fr□ hör« MDnzatr. 17 El Berolina nt••- '20