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Jüdische Rundschau · 1935-11-08 · Heft 90 (8.11.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 90 (8.11.1935)
Date
1935-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 8. XI. 1935 Juden als Verbrecher und deutschen Emigranten in Frankreich. Was die liolläntUsche Auswanderung betrifft, so ist es bekannt, daß stets nur «in kleiner Bruchteil in den indischen Kolonien writerkommen konnte. Ein ganz anderes Problem als das der europäischen Völker stellt die Ausvanderungsfrage für die gelbe Rasse dar. Mit besonderer Strenge wenden sielt bekanntlich die Einwandmmgsgcsetze aller außerasiatischen Länder gegen Chinesen und Japaner, und es ist nicht zu erwarten, daß sich an diesen Gegebenheiten etwas ändert, auch wenn die Auswanderung»• sperre im allgemeinen wieder gelockert worden sollte. Neben rassemäßigen Antipathien ist es vor allem die Befürchtung eines ungeheuren Lohndumpings, die man von der gelben Ein- Wanderung erwartet. Wir haben gesehen, daß das Phänomen der europäischen Massenarbeitslosigkeit nur die Kehrseite der Wanderungssperre ist, wenn auch die Arbeitslosen nicht immer dieselben Individuen sein mögen, die gegebenenfalls auswanderungsfähig wären. Umgekehrt muß aber auch berücksichtigt werden, daß die Wanderung ssperre sich aus — in jedem einzelnen Falle vom nationalen Standpunkt aus gesellen vielleicht nicht unberechtigten — Einzelmaßnahnteii zusainmensetzt, die durch partielle Krisen hervorgerufen wurden. Wenn Getreidewirt- Schaft in Canada und Argentinien, die Zuckerkultur in Cuba, die Salpetergewinnung in Chile usw. durch Maßnahmen curopäischer Autarkiepolitik unrentabel wurden, so ist es diesen Ländern natürlich nicht iibel/imelime!1, wenn sie zuerst den dadurch arbeitslos gewordenen eigenen Volksgenossen zu beschäbigen such teil. Primär- und Sekundärwirkung wird sich hier schwer auseinanderhalten lassen. Aber es steht fest, daß jeder Schritt einer kleinen oder großen Nation in der Richtung des Waren- oder Mensdienprotektionisnius sich auf die ganze WdtwirUrhaft auswirkt und schließlich, wie ein Bumerang, ani den Urheber raiückschlägt. Nachspiel der Unruhen in Grodno Warschau, 6. November. (JTA.) Vor denn Kreisgerichi in Gnu ino begann der Prozeß gegen 17 Teilnehmer an den ,uünc:nitiselieu Ausschreitungen in Groiifio während des Sehawuotlestes am 7, Juni. Die Unruhen brachen nach dem Begräbnis des ehemaligen Matrosen W'ladtslaw Kucz aus, der in einem Nachtlokal bei einer Schlägerei mit jüdischen Besuchern getutet worddi war. Die Schuldigen an diesem Vorfall sind vor einigen Wochen n! langjährigen Gefängnisstraten verurteilt worden. Bei den Unruhen wurden die Juden Israel Beric/ev, ski, der 2 Ij.ihrige Sohn des Leiters dies Syiiagou riieltors, und der 51 Ij .ihrige Gedalja Becher gelötet, 13 Juden /um Teil durch Messerstiche erheblich verletzt um! in 1?J jn!lUchen Hausern um! S3 jüdischen Läden die Fenster zerlrümmert und viele andere Zerstörungen angerichtet. Die Verlesung der Anklageschrift nahm den ersten Verhandlung-da״ vollständig in Anspruch. Als 1 tauptfiihrcr der Ausschreitungen werden in ihr der 25jährige Alfons Panasink und der 2.3jahritge Bdmtmd Z v g m a n s k i genannt. Ihnen wird zur hast gelegt, die Menge zu den Unruhen aufgehetzt 711 haben. Unter den übrigen Angeklagten befindet sich auch eine Brau. Die Angeklagten werden von fünf Advokaten verteidigt, fünf Rechlsanwälte vertreten die Geschädigten. Der bei den Unruhen augerichtde Sächselt aü c n wird mit 30 000 Zloty beziffert. Für die Ermordung der beiden Opfer wird ein symbolischer Schadenersatz von je einem Zloty gefordert. In der zweiten Sitzung begann das Verhör mit dem Hatipfangeklagt eti P a!1 a s i u k. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärte er, nach dein Verlassen des Friedhofs habe jeder einen Stein oder ein Stück Holz genommen und jeder habe gewußt, warum dies gescheite. Als der Staatsanwalt den Angeklagten fragt, ob er es bedauere, Juden mißhandelt und andere zur Teilnahme an den Exzessen aufgefordert zu haben, antwortet Panasiuk: ״Nein, ich bedauere nicht s.״ Es folgt die Vernehmung von ■10 Zeugen, die die Fest- Stellungen der Anklageschrift bestätigten. Die S elbsfthiifeaktion der Juden Polens V a r s c!1 a 11, 5. November. (JTA.) Die wirtschaftliche Sclbsthillckamp.vriie des polnischen Judentums macht auch in den kk׳in>׳ü Pi'ovm/orten, wo das wirtschaftliche Elend unter der judvehen Bevölkerung vielfach sehr scharfe Formen angenommen hat. erhebliche Fort-chritte. Es wurde in diesen Ort-eh.afteii du' unter den ges;eheuen Verhältnissen überrauchend holte Sinn me von über '331' 00() Z 1 o t v auf gebracht. ln P o 111 i s r 11 -' ו! י e r s c 11 1 e s i e n, das in den letzten Jaliieit t ine marke Zu« ,uidenuig von Juden aus Kongreßpolen iimt Gaii/im auf/uweis«•!! hatte, haben!׳lemcrkenswerte Bemühung 101 um Zuführung dieser Bevölkerungselemente zu p r o d 11 k t i v e r A r!1 fit i n der I n d u s t r i e eingesetzt. 1)0■ ,Mittel, die in ( )hersi hlesien durch die Wirtschaiiliihe Si Ibsllnikaktum aufgebracht wurden, sollen zuin Teil 7111־ Errichtung einer Eabrik verwendet werden, in der Juden in di r Webet ei atwgebihler Werden sollen, um später in jüdischen Tuch 1; 1 linken in Bielit; beschäftigt zu werden. In Skocvow wird die Ausbildung jüdischer Jugendlicher in Korbfierhterei und Leder•(iaianterieWarenerzeugung geplant. Die Juden in Lodz Herr Edward Rosset, Leiter der Statistischen Abteilung der Lodz er Stadtverwaltung, veröffentlicht eine Reihe von Daten, denen wir folgendes entnehmen: Nach dem Kriege hat die erste Volkszählung im Jahre 1021 staffgefunden, und zwar mit dem Ergebnis, daß Lodz 451 974 Einwohner hat. Bei der zehn Jahre später erfolgten Volkszählung erwies cs sich, daß diese Zahl bereits auf 505 467 gestiegen war. Am 1. Januar 1935 hatte Lodz 633 641 Einwohner. 1921 bestand die Lodzer Bevölkerung ans 53,5 °,'o Katholiken, 11 0׳״ Lutheranern, 0,1 ״!> Griechisch-Orthodoxen, 34,5״״ Juden und 0,6 0״ Angehörigen anderer Konfessionen. Der Nationalität nach waren ״״ 1,9 א Polen, 7 ״'« Deutsche, 30,7״״ Juden und 0,4 <׳v> Angehörige anderer Nationalitäten, Rot der letzten Volkszählung wurden die Einwohner nicht nach der Nationalität, sondern nach der Muttersprache gefragt. Die Zählung ergab, daß 337700 Personen Polnisch als ihre Muttersprache angegeben haben (50,1 0/0). Der Rest (40,0 ״ - ) entfällt auf die nationalen Minderheiten. Die stärkste Gruppe bilden die Juden mit Ober 200 000 Personen. Jedes■ einzelne Jude trägt eine große Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk. Denn es gibt kaum eine Menschengruppe in der Welt, bei der man 8» schnell und unbedingt die Zugehörigkeit jedes Einzelnen feststellt, besonders dann, wenn er sich etwas zuschulden kommen läßt. Er ist dann nicht mehr bloß Herr X., nicht ein Delinquent unter vielen Delinquenten, sondern der Jude X. Daruin ist jeder Jude, der sich etwas zuschulden kommen läßt, jeder jüdische Verbrecher, eine schwere Belastung der jüdisehen Gemeinschaft als Ganzes. Die eigentümliche Tatsache, daß bei jüdischen Verbrechern ihr Judentum hervorgehoben wird, während bei christlichen, polnischen, spanischen oder sonstigen Verbrechern kaum ein besonderer Nachdruck auf die Gemeinschaft, der sie zu gehören, gelegt wird, ist eine Realität von unleugbarem Schwergewicht, der wir ins Auge sehen müssen, weil sie einen Teil dessen ausmacht, was wir die ״J u d e n f r a g e“ nennen. Die abnormale Situation des Judentums zeigt sich in dieser kleinen Tatsache. Der klassische Fall der vorigen Generation ist die Affäre Dreyfus. Dreyfus wurde aus antisemitischen Motiven verdächtigt, weil man dem Juden besonders mißtraute; nach seiner Verhaftung sprach man keineswegs von dem Fall eines individuellem Genereistabsoffiziers, obwohl doch im Frankreich der dritten Republik alle Bürger als ״gleich“ galten, sondern man machte aus der Sache sofort eine Angelegenheit des Jude ת tu ins. Und so mußte es zwangsläufig auch wirklich zu einer jüdischen Sache werden. Manche konservativen französischen Kreise sind der Meinung gewesen, daß im Interesse des Prestiges der Armee eine Revision des Drcyfus-Prozesses hätte vermieden werden müssen, selbst wenn Dreyfus unschuldig war; auch heute noch können wir bei maridicn Schriftsteilem, die diese Epoche behandeln, zwischen den Zeilen lesen, daß sie das Verlangen nach Revision des Prozesses für eine Anmaßung der Juden halten. Stellen wir uns aber einen Augenblick vor, die Familie Dreyfus hätte ans ,״Staatsräson“ auf den Prozeß verzichtet (obwohl es dem Empfinden widerspricht, daß dem Prestige des Staates mit der Verfelimung eines Unschuldigen gedient gewesen wäre), dann hätte es für alle Zeit nicht mir geheißen: ״Dreyfus ist ein Verräter“, sondern man hätte gesagt: ״Der Jude Dreyfus ist ein Verräter!“, oder dann einfach abgekürzt: ״Der Jude ist Verräter“. Nun kennt die Geschichte viele klassische Fälle von Verrat, z. B. den Griechen Ephialtes, den Spanier Lopez usw., ohne daß jemand auf die Idee käme, nun zu sagen, ״die“ Griechen usw. seien Verräter. Aber im Fall Dreyfus hat nur die Revision verhütet, daß der jüdischen Gemeinschaft als solcher der Stempel eines furchtbaren Verbrechertums aufgedrückt wird. So ist nichts natürlicher, als daß die jüdische Gemeinschaft ein Lebensinteresse an der wahrheitsgemäßen Aufklärung des Falles hatte — noch weit über das Interesse an der Wahrheit und Gerechtigkeit hinaus, das ja auch für die nichtjüdischen Dreyfusards charakteristisch war. Der Fall Dreyfus ist ein« große ״Affäre“, die geradezu gescluchtsbildend war. Daneben gibt es natürlich die unzähliße־n kleinen Affären des Alltags. Welche Erniedrigung im Grunde für anständige und aufrechte Maischen Hegt darin, daß wir, notgedrungen, bei jedem Verbrechen oder jeder Lumperei, die ein Jude begeht, uns alle getroffen fühlen müssen! Unter der! sogenannten Großschiebern der letzten Jahrzehnte gab es einige Juden, die Masse der jüdischen Menschen geht aber ehrlich und arbeitsam ihrem Erwerb nach. Dennoch Jüdische Musik in österreidiisdien und französischen Verlagen Es wäre einmal eine interessante Arbeit, die Vertonu ngen Bialik sc her Lyrik zusamniennistellen und zu untersuchen, wie sich der hebräische Dichter im Geiste seiner musikalischen Zeitgenossen widerspiegelt. Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Literaturgeschichte. Jetzt wollen wir drei zufällig zusammeutreffende Kom- Positionen erwähnen. Die erste ist ein ״palästinensisches Lied“ (hachama me roch hailanoth nistalka), von Fernand Qu in et herattsgegehen und harmonisiert, 'zusammen mit Adonaj el racluim unter dem Titel 2 Chants hebraiques (hei Maurice Senart, Paris). Das Lied ist jedoch merkwürdig europäisch: mit seiner zweiteiligen Liedform, mit einer Coda, mit seiner im Orient fast unbekannten Frage- und Antwort- Symmetrie, mit seiner eindeutigen akkordischen Tonalität. Q u i n e t hat es schlicht bearbeitet und die latente Harmonik ganz ausgesprochen. Derselbe Text (nur aschkenasisch), aber diesmal mit allen Strophen, liegt komponiert vor von H. S. Lampel (Verlag Kaufmann, Leipzig). Dies ״Lied an den Sabbath“ eignet sich, für den Oneg Schabbat (die erstgenannte Kom- Position natürlich ebenso). Es ist einfach und unauffällig, enthält jedoch nur zu viel Floskeln von ״Liedern im Volkston“. An ihm kann die Distanz ermessen werden zwischen Volkstii mein dem und Volkstümlichem, auf die Gumlolt aufmerksam machte. Die dritte Vertonung Bialiks stammt von Israel Brandmann (Jibnehverlag, Wien). Natof natfa hadini'a und Hachnissini fächat knafech (mit Bratschenbegleitung). Dem hebräisehen Text ist eine gute deutsche Uebcrtragung von Ernst Müller untergclegt. Wer nur mit rein musikalischer Ein- Stellung an diese Lieder herangeht, der wird enttäuscht werden; er wirr! an Musik nichts Sensationelles entdecken. Etwas ist jedoch Brandmanu gelungen — den Geist des herrlichen Textes an7urühren, Bialiks Art andeutungsweise klanglich zu realisieren, seine Schwere, Orandiosheit, überhaupt diese anz eigene Mischling von idyllik und biblischer Wucht, randmann stellt alles auf Atmosphäre; er zieht weniger aus den Akkorden Farben, Leuchtkraft als Wärme, gefühlsdurchtränkte Luft (das ist allerdings nicht allzu schwer), die eine Art so beredtes und gedankenvolles Schweigen mit sich führt. Die ״Jüdische Hymne“ (aus der Symphonie) von Daniel Lazarus (Senart) ist ein wenig originelles Stück. Der Trauertriarsch (aus derselben Symphonie) ״zum Gedächtnis werden von vielen jene als charakteristische Repräsentanten der Juden betrachtet. Was •wäre geschehen, wenn Ivan Kreuger Jude gewesen wäre! Oewiß hätte man nicht vergessen, ihn stets als Juden zu bezeichnen. Niemand denkt aber selbstverständlich daran, das schwedische Volk als Ganzes mit ihm zu belasten. Vor einigen Jahren fand in Berlin ein Mordprozeß statt, der die furchtbare Verderbtheit einer kleinen Gruppe von Menschen zutage brachte. Damals hat die ״Jüdische Rundschau“ eine kleine Betrachtung veröffentlicht, die von vielen unserer Leser damals als übertrieben betrachtet wurde: ״Wenn Lieschen Neumann Jüdin wäre . . Auch diese Erörterung hatte ja nur deii einen Zweck, dem alle unsere Betrachtungen dienen: den Juden über das eigentliche Wesen der J uden frage die Augen zu öffnen. Wir schrieben damals: ״Worin bestellt die Juden frage? Sie besteht in folgendem: Keinem Menschen, nicht einmal einem Irrsinnigen, wird es cinfallen, die Tat und das Benehmen der Mettmann und ihrer Freunde als charakteristisch für irgendeine Gemeinschaft zu bezeichnen. Nicht einmal der erbittertste Deutsdwnfcind wird sagen: So sind d i e Deutschen, oder ähnlichen Unsinn. Und keinem Christliehen Deutschen wird auch nur im entferntesten der Gedanke kommen, daß er wegen der nationalen oder religiösen Zusammengehörigkeit mit diesen Verbrechern solidarisch gemacht werden könnte, er wird den Vorgängen des Prozesses mit völliger Unix;- fangenheit, mit der Er&cliiitlcrung eines menschlichen Beobarhters gegenüberstehen. Wenn aber Lieschen Xamumn Jüdin wäre, oder wenn Ulbrich Jude gewesen wäre, — die gesamte Judenheit Deutschlands und vielleicht weit über Deutschland hinaus würde sich getroffen fühlen, würde mit banger Sorge auf das Geschrei warten, das nicht ausbleibcn würde: D i e Juden.... In diesem Gefühl, in dieser paradoxen Situation, die die Gesamtheit mit jedem Individuum schicksalhaft verkettet, in dieser erzwungenen Befangenheit liegt die Judenfrage. Und von dieser Tragik, in der ein Volk nicht leben kann, uns befreien: das heißt Zionismus.“ Unter dieser Perspektive sehen wir die Dinge. Das ist eine Problematik, die schon weit über die Spezialfrage des Verbrechertums hinausreiclit. Denn asoziale und antisoziale Elemente gibt es bei alle n Völkern, natürlich auch bei den Juden. Wenn auch der Sozialplülosoph darüber Befrachtungen anstellen kann, wieso Menschen, die seit Jahrhunderten immer wieder nach kurzer Zeit entwurzelt werden, deren materielle Existenz keine Kontinuität hat, die immer wieder zu verzweifelt neuen Versuchen, ihr Leben zu erhalten, gezwungen sind, leicht haltlos werden können, so ist dies gewiß keine Entschuldigung• und Erleichterung; und gerade wegen dieser ungünstigen äußeren "Bedingungen, die das seelische Gleichgewicht der Menschen gefährden, ist ethische Einwirkung und Erziehung um so dringlicher. Die schwierige Lage der Juden macht es erforderlich, daß die jüdische Gemeinschaft als solche sich diesen Erziehungsaufgabe bewußt wird. Jeder einzelne Jude muß verstehen, daß er durch jedes Vergehen, das er sielt zuschulden kommen läßt, das gesamte Judentum in Verruf bringt. Vor allem aber ist es unsere Sache, für normale Lebensbedingungen des jüdischen Volkes zu sorgen. "Wenn wir dann soweit kommen, daß ein jüdischer Verbrecher als verbrecherisches Individuum, aber nicht als Jude ah gestempelt wird, dann ist ein erheblicher Teil der Judenfrage aus der Welt geschafft. Dann werden auch wir uns innerlich unabhängig fühlen und bei der Nachricht über ein Verbrechen, das wir verdammen, nicht auf den Gedanken kommen, daß wir uns dafür zu interessieren haben, ob der Verbrecher Jude ist oder nicht. der jüdischen Soldaten jedes Landes, die gefallen sind“ (vierhiindig Senart), ist wertvoller als die Hymne. In ihm steckt Technik und Geist der heutigen französischer! Schule. Der Klarinettist Simeon Bellison, Mitglied des 1918 gegründeten jüdisch - russischen Kamnierimisikcnscnibles ״Simro“, hat Stücke von G. Fitelberg, G. Weinberg, Levens«n zu einer Suite (eieren Teile aber auch selbständig bestehen können), zusammengefügt, mit den Titeln: Zur Trautmg, Canzonette, Jüdischer Tanz, Kinderreigen, Die Literatur für Klarinette und Klavier, die nicht sehr groß ist — die jüdische schon gar nicht — ist damit um einige gute Melodien bereichert worden. Auch die jüdische Chorliteratur ist wenig umfangreich. Die drei palästinensischen Volkslieder (Moladcti; Pakad adonaj; Hechaluz für gemischten Chor und Klavier von Aron M. Rot hmii Iler (Jibnehverlag, Wien), füllen eine Lücke aus und werden sicher in das Repertoire manches jüdischen Chores eingefügt werden können. Leider sind sie nicht immer stilgemäß harmonisiert. Wenn man eine reine Dreiklangsatissetzung nicht auf palästinensische Lieder anwenden will und Septakkorde einflicht, dann muß man — um nicht eine falsche Romantik zu beschwören — eine impressionistische Haltung einnehmen. Die Stimmen der!Jeder sind gut und selbständig geführt, rhythmisch interessant ist besonders das letzte. Die ״Fantasie über ein chassidisches Thema“ von Michel Stillmann (Jibneh, Wien), für Streichartett und Klar!־ nette ist ein schwierig auszuführendes WTrk. Um es ganz nach seinem Klangbild, auf ,las es sehr ankommt, beurteilen zu können, müßte man cs gespielt hören. Es enthält viel von echter jüdischer Gestik und östlicher Stimmung. Eine rechte Entwicklung, ein formaler Zusammenschluß will sich aber nicht ergeben. Eine Aufführung müßte jedoch gewagt werden, schon um des Geistes und der guten Einzelheiten willen. Es soll zuletzt eine Bearbeitung für Klavier und Violine, ein wirksames Zugabestikk, des jüdisch-amerikanischen Geigers Nathan Milstein (Univcrsalcdition, Wien), erwähnt werden. Ihr liegt das postume Cismoll noctunic Chopins zugrunde — ein liebenswürdiges, gewiß kein spätes Werk. Dr. H. N. Ilauptschiiftleiler: Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin - Charloitenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anrei״cnl״tcr u. verantwort lieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n 11. Bcrlin-Tontpclhof. Gültig: Anzcigen-Prei'-Iistc *4 vom 15. Oktober 1935. Verlag und An- «igenverwallung: Jüdische Runds! hau, Berlin W15. Mcinekestr. 10. D.-A. Oktober 37 237. — Druck: Siegfried Schob: m. Bln.-fv'hÖneHerg. Sachgemäße u. schleunige Durchführung Ihrer AUS W ÄNDERUNG nach P a 1 ä s t i n a und anderen Ländern Guneralrepriießtanz in HAIFA Dipl.-Kaufmann Dr. Faul Schnurmacher UOUSE 11:WI:דH CHAMBER OF COMMERCE Hallo, P. O B. 166 * Telefon 197 Vcrmägentliqiaid Amtsger.-Rat 8. D. Dr• Aachner Oberreg.-Rat a. D. R. Kempner Berlin W iS, MclnekestraAe 9 f Telephon: 1 ן Bismarck 28$6 aeben dem Palästina-Amt / 9K M* H Uhr ״״d 16 W bi* 19 Uhr tlenen / Trimlerf rojtkti Eigenes Büro in TEL-AVIV Dr. Jur. W. Marx, Tel-Aviv 18 Schalom Aleidheca Str., Ecke Ben Jchuds Road Anlagcheratung

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