Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 89 (5.11.1935)
- Date
- 1935-11-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 JÜDISCHE RUMDSCHAÜ Nr. 99, A XU 1935 Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern w ie gestalte ich den Scliabbat? Für Schabbat, 9. November Wochenabschnitt ״Lech leche“ I. Als Einleitung zu den mit unserer Sidra beginnenden Wochenabschniiten lesen wir aus dem Schocken-Altnanach auf das fahr 5605 von Benno Jacob: Die biblische Erzählung von den Erzvätern (Seite 3t). Nach den dort aufgezeigten Gesichtspunkten behandeln wir nun in unserer Sidra den Brit ben nabetarim (Kapitel 15). Die Verse 13—17 sind für unsere Zeit aktuell. II. Zur eingehenderen Befassung mit der Gestalt Abrahams ziehen wir die im Sefer Haag,־!da gesammelten Midraschim heran. Man versuch« einmal eine Ssiclia über Abraham in leidifern Hebräisch zu geben. Zur Vorbereitung kann man die Aggadot benutzen. _ III. Wir feiern in diesen Tagen das 15. Jubiläum des Keren Hajessod. Aus diesem Anlaß beschäftigen wir uns auf dem Oncg Schabbat ausführlicher mit der Einrichtung dieses Fonds. Man arbeite heraus, wie sich dieses Steuersystem von dem Steuersystem der Staaten, die über Staatsgewalt verfügen, unterscheidet und bewerte unter diesem Gesichtspunkt die Höhe der Eingang«. Man weise auch darauf hin, daß dem Steuersystem des. Keren Hajessod das alte jüdische System des Maasser zugrunde liegt. Ausführliches Material enthält die Rundschau vom I. November. Flugblätter und Broschüren sind überall bei den Vertrauensleuten des Keren Hajessod zu beziehen. Als Heftarah \vi rd Jesaja, Kap. ■10, Vers 27 bis Kap. 41, Vers 16 gelesen. Der 2. Vers des 41. Kapitels wird auf Abraham gedeutet. Die 1 laftarah ist besonders schön und eignet sich gut für eine nusfuhrlidie Behandlung. I, E. Von den Anfängen Israels Wir lesen in der heutigen Sidra hauptsächlich die beiden Abschnitte von der I! eru f u n g A 15 ra 11 am s 1, B. M. 12, 1—9 und von der B 11!1 d ess c 11 I i e ß u 11 g ü o 11 e s mit i h in 15, 1 ff. Sie sind für die Anschauung■ der Bibel über den Beginn und das Werden des Volke, be.sonders charakteristisch. In ihnen wird uns eine Antwort auf die Frage erteilt, wieso Abraham von Gott erwählt und zum Stammvater eines zahlreichen Volkes wurde. In seiner I leiinn! Aram N'aharaiin ergeht an Abraham der Ruf tiottes, aus der Heimat und seinem Vaterhaus aus zuziehen und in ein fernes Fand, das ihm Gott erst zeigen wird, zu gehen. Dabei soll man bei der Besprechung des Stoffes von der Voraussetzung ausgeiieri, daß für die antike Welt eine derartige Aufforderung eine unerhört schwere Prüftirug <larsfeilte: Sie liief! scheiden aus Heimat, Geschlecht lind anderen Fainiuetibaiiileii. Der antike Mensch lebt in der Heimat im sicheren Schutz der Sippe und des l'ami.ieuverbaildes. I>ie Fremde bedeutet fnr ihn Verbannung, in ihr fühlt er sich vogelfrei. Dazu kommt noch, daß Abraham das Ziel seiner Wanderung unbekannt gebiieben ist. Aber gerade in diesen fast unüberwindbaren Schwierigkeiten erprobt sich sein wahrer Glaube. Indem er nicht nach den Gründen der göttlichen Weisung fragt, hat er sieh für die Erwählung und den Segen Gottes würdig erwiesen. Voller Vertrauen, ohne Zauderrt und Zögern folgt er dem göttlichen Ruf, und darin wird seine unvergleichliche Tat erblickt. Abraham wandert nunmehr aus seiner Heimat aus, durchzieht das Land Kanaan und schlagt an verschiedenen Stätten, z. R. zuerst in Sichern, in Reth-El, in Hebron usw. seine Zelt* auf. — Wir werden gut tun, den Weg dieser Wanderung an Hand einer Karte oder einer Zeichnung zu verfolgen. Wir fragen uns in diesem Zusammenhang: Durch weiche Länder führte die alte Karawanenstraße vom babylonischen Osten nach dem Westen und nach Aegypten? Wie ging der Zug anderer Stämme vor sich, welche Länder waren für die Söhne der Wüste ein verlockendes und vielversprechendes Ziel? — Das antike Israel sab in der Einzelperson des Stammvaters sich selbst in seiner Urzeit, wie es als tkduinenvolk einst von Land zu Land, von einer Weidestelle zur anderen mit Troß und Vieh zog, bis es endlich in Kanaan, im verheißenen Laude, seßhaft werden konnte. Im Akt der B u n d e s s c h I i e li u 11 g, den wir nunmehr besprechen, kommt nicht nur der tiefe und bewährte Glaube Abrahams zum Ausdruck, sondern hier werden ihm zahlreiche Nachkommen, eine unendliche Volk/,1111, wie die Sterne am Himmel, verheißen. In dieser VerheiOung Gottes sah das Volk den sinn seiner V o I k w erd ting und seines Ldbeck. Die Feier des Sukkoth-Feste» stand diesmal im Zeichen des jüdischen Jugenderlebnisses. Rabb. Dr. Winter hat!« die Jugend von Mecklenburg cingeladen, und der Oberrat der mecklenburgisehen jüdischen Gemeinden hatte mit Freuden «!gestimmt. Mehr als 40 Kinder waren der Aufforderung gefolgt. Als Auftakt fand ein gemeinschaftlicher Gottesdienst statt. Was eine jüdische .Schule ihren Schülern geben kann, lernten die Kinder durch die Lehrer Rottenberg und I’ossenheitner kennen, die sie io lebendiger Form aan Schüßeben tcilnehmcn ließen. Der Eindruck vertiefte »ich noch durch den Onrg an den beiden Sukkoth.Tagen. Einen harmonischen Abschluß fand die Feier durch die Aufführung zweier Theaterstücke durch die Schüler der jüdischen Schule, die den begeisterten Beifall der jugendlichen Zuhörerschaft fand. Mannheim. Das jüdische Lehrhaus hat sein Winterhalbjahr begonnen. Es besteht großes Interesse an den Sprachkursen, vor allen Dingen in Hebräisch und Englisch. Das Lchrhuus wird die Vortragsabende stark einschränken und erst in die zweite Hälfte des Winters verlegen. München. Die Milgliederanmeldungen zum Jüdischen Kultur- Bund (Ortsgruppe München) sind so zahlreich angegangen, daß jede Veranstaltung doppelt, vielleicht sogar dreifach gegeben werden muß. Für die Spielzeit sind 16 reguläre Veranstaltungen sowie eine Reihe von Sondervcranstaltungen vorgesehen. Festlicher Auftakt war ein Liederabend von Paula Lindberg. In Kapellmeister Erich Erck fand sie einen zuverlässigen und künstlerisch miigestahcndeti Begleiter. — Im Großen Musc<»nssaal sprach auf Einladung der Wi*o-ü nippe und des Jüdischen Frauenbundes Helene Hanna Thon. Im Namen der Veranstalter begrüßte sie Frau Dr. Bertha Fraenkel, die darauf hinwies, daß die Palästina-Sache beute die Frauen aller Richtungen und Gruppen aufs stärkste angelie und weit ül>er die einer Partei liinnuNgewarlijeti sei. Frau Thon behandelte die Geschichte einzelner Städte und Siedhingspunkte und die Erschließung eirwelner Landstriche, wie (lei Scharon-Ebene, des Emek Jesrecl u. a, sowie kulturelle Fraget». Osnabrück. Eine Versammlung der ZOG. mit Dr. Kupferberg als Redner war sehr gilt besucht. Als besonders erfreulich Ist zu berichten, daß 10 neue Mitglieder gewonnen wurden. Auch die KKL- Aktion macht gute Fortschritte. Sollngen. Am 16. Oktober sprach Ifans Seidenlierg, Düsseldorf, vor zahlreichem Publikum über: Jüdisches Volk, wohin? Der Vortrag war eine wertvolle Grundlage für die im Anschluß daran beginnende erfolgreiche KKL-Aktion. Ulm. Am 5. Olttolicr sprach in der Zionistischen Ortsgruppe Rechtsanwall Dr, Tänzer, Stuttgart, über die Ergebnisse des Luierner Kongresses und über die kommenden Gemeindewahlen. Der Vortrag fand allgemeinen Beifall, Am Schluß ergab sich noch eine lebhafte Dy.u.vdori. Zahlreiche Xcuamnelilmsgcn *ur Zionist Ecli«« Ortsgruppe erfolgten noch an demselben Abend. —• In der überfüllten Synagoge sprach am 14. Oktober Kabb. Dr. Joachim Prim über das Thema: ,,Zur jüdischen Situation“. Zahlreiche Neuanmeldunger» .sowie Geldspenden für die Tischri. Aktion waren der äußere Erfolg diene* Abends. Wuppertal-Barmen. Am Vorabend des Simchath-Thora-Festes fand in der Synagoge ein Festgottesdienst statt, an dem — zum ersten Fortbestandes: Es Ist Immer wieder die unverbrüchliche Treue Gottes zu dem ersten großen Frommen, dein Urahnen Israels. — Abraham hat seine Gerechtigkeit vor Gott nicht durch seine Werke, sondern durch seinen u n־ beirr baren Glauben und tiefe Zuversicht bewiesen. Das war seine große sittliche Tat. — Man betrachte in diesem Zusammenhang die Schlichtheit dieser zutiefst religiösen Erzählung mit der ihr innewohnenden Wahrheit: Gott will im Grunde genommen nichts anderes als da« Herz des Menschen, das ihm vertraut und auf ihn hofft. Auch die Späteren sahen in Abraham das Vorbild des religiös-sittlichen Lebens und der Kraft des Glaubens. Der Midrasch deutet ihn als den gehorsamen und bewährten Diener Gottes. Ber. Rabba 39, 8 sieht im Auszug« Abrahams aus seiner Heimat auch eine Loslösung von der Heimatkultur, ein Abrücken von der Tradition des Vaterhauses. — ״Und du sollst ein Segen sein“ ברכה Lies: ״ בריכהWasser- TT: T " I teich“. Wie der Wasscrteieh die Unreinen reinigt, so sollst du die Fernen herbringeti und sie für ihren Vater im Himmel reinigen (Ber. R. 39, 18). — Bamidbar R. 14, 7 redet von Abraham als dem Menschen, der imstande war, aus eigener Mal« seit Bestehen der Gemeinde — *Ile Funktionen in traditioneller Weise ausschließlich von Schülern ausgefibt wurden, Al» Vor• betet fungierte der 13jährige Schüler Werner Frank, die Thora• Vorlesung hafte der 13jährige Michel K 6 s t i n R II her nommen, und der 14jährige Willi Goette hielt eine Ansprache an die Jugendlichen und die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder. — Da• Interesse Wr die Erlernung der hebräischen Sprache hat in den letrten Monaten stark zugenommen. Das beweist die Tatsache, daß Lehrer Jonas gegenwärtig sechs verschiedene hebräische Sprachkurse n leiten hat. Ankündigungen Bernburg■ Am S, November Vortrag Georg Josephsthal: ״Zar j4d>- sehen Situation“; 80.30 Uhr, Syn. — ZOG. Jeden Montag abend:,,Jüd. Geschichte von den Anfängen bis *ar Neuzeit“; Ref. Cohn, Aschersleben. — Breslau■ Der llerzl-Olub beginnt seine diesjährige Winterarbeit mit einer Vortragsreihe Uber: ״Palästina-Kunde“. Einleitend spricht am 7. November Dr. Hans Prinz (Breslau) über: ״Palästina im Rahmen der Mittelmeer-Politik“, Es folgen: 14. November: ״Geograplüe Palästinas“ (Rcf.: Bodzanowski); 21. November: ״Geschichte Palästinas“ (Ref.: Hamburger); 28. November: ״Flora, Fauna, Bodenschätze“ (Ref.: Schein); 5. Dezember: ״Wirtschaftspoli!isehe Betrieb• tungen“ (Ref.: Frost); 12, Dezember: Landwirtschaftliche Siedlungsformen“ (Ref.: Lustig); 10. Dezember: ״Aus dem palästinensischen Staats- und Vcrwaltiingsrecht“ (Gastreferent: Assessor Georg Joel, Breslau); 2. Januar 1930: ״Kulturelle Lage der nicht jüdischen Umwelt Palästinas“. Alle Veranstaltungen finden jeweils Donnerstag abend, 20.30 Uhr, Gartenstraße 25, statt. — Halle an der Saale: Zion. Ortsgruppe. Jeden Mittwoch abend Torbuth-Arbeit; Leitung: Prediger Cohn, Ascherslehen. — Jüdischer Kulturbund Rhein-Ruhr: Otto Bernstein, Reziiationsabcnd. Aachen: 7. November, Pianohaus Adam. Walther Ilcrtner rezitiert. Köln! 5. und 13. November, Gemeindehaus Gäciliensiraße. Krefeld: 6. und 9. November, Niedcrrh. Loge. Essen: 7. November, Jugendheim. Recklinghausen: 10. November, Gemeindehaus, (!■•!«•nkirchen: 11. November, Amos-Loge. Wuppertal: 12. November, Fniucnklub. — Landau: Am 6. Nov.: 1. Abend des Kurses ,.Grundlagen des Zionismus“. Referent: Dr. Licht, Mannheim. — Mannheim: Am lfi. Nov., abends 20.30 Uhr, in der August.Lamey-Loge, Vortrag Ben Ahären: ״Zionismus und Araberpolitik“. _ Familien״ Nachrichten Herr Adolf Becker, Stettin, Klosterstr. 5, begeht am 17. Nowember den 80. Geburtstag. Frau Rosalie Hameln, geh. Meyer, Hamburg, Gerhofstr, 12, begeht am 10. November den 75. Geburtstag, Bar Mizwah -Termine Am 9, November — 13. Marcheschwan: Benjamin Burschtyn, Sohn von Selmar Burschtyn, Leipzig, König-Johann-Str. 12. Am 9, November — 13. Marcheschwan: Leo Koppel, Sohn TO« M. Koppel, M.-Gladbach. Kraft heraus den wahren Gott und Schöpfer der Welt aus seinen Werken zu erkenn«!. Abraham gehörte zu den vier Menschenkindern, die von sich aus Gott erkannt haben. Es waren neben ihm Hiob, Hiskia, der König Judas, und der Messias, der König des zukünftigen Heiles. Es ist dabei Interessant zu beobachten, daß der Messias auch hier als präexistent gedacht ist, und daß sein Erkennen Gottes der Vergangenheit bereits angehört. Abrahams Größe und die Bewährung seines Glaubens wird durch eine besondere Huldigung Oottes an! Ende der Tag« ziiin Ausdruck kommen*. So heißt es ln Midr. TehiL 18, 29: ״In der Zukunft wird Gott der Könifj den Messias zu seiner Rechten und Abraham zu seiner Linken sitzen lassen. Allein das Angesicht Abrahams wird sich entfärben und er wird vor Gott sprechen: Mein Enkel sitzt zur Rechten und ich zur Linken? Gott aber wird ihn begütigen und zu ihm sagen: Dein Enkel zu meiner Rechten und Ich zu deiner Rechte n.“ Ueber die Anfänge Israels wäre an Literatur heran zuziehen: Dubnow Bd. I; Enc. Jud. Artikel ״Abraham“ und Bin- Gorion ״Sagen der Juden“. J. M, 10. KAPITEL W asserl l.s Raschid zu den Krisen am Oodlandsfluß kam, ließ er seine Stute am Mnßufrr ״rasen, während er sich srih'f aal die I'VlM'nstufen setzte und sich, in seinen Mantel wickelte, T) ie Senne war bereits jenseits der Berge unterste״,a״״rn. und di״ Reihen der elektrischen Lampen längs dem Werk waren erlciielilet. Raschid hatte von den geheimen Verbindungen, die die Stai n 111 o11 a 11 ן,I linyc mit den nahen und fernen Zelten knüpften, Kennlui' erhalten. Er wußle an eh ntn das Gären bei den Zellen, um die an״- und eingehenden Holen und die bis spät in die Nacht dauernden Beratungen der ums Lagerfeuer Sitzenden. Baselud fühlte, daß die Stunde nahe sei, in der die Wut des Oedlands ungehemmt lo-brnhen werde, bis schien ihm, als ob bereits die Stimmen des (Jedlands, Pferdehufe und Schüsse an sein Ohr drängen. Der alte (Jeist der Zelte umfing ihn und störte ihn aus seiner Buhe auf. Es war zu später Nachtstunde. Seine Stute stand still, riclitele ihre kleinen Oliren auf und blickle verwundert auf ihren! Herrn. Als Baschid sich ihr näherte, wieherte sie ihm leise mlgegen, Raschid sprang auf, schwang sich in den Sattel, und die Stute trug ihn im Galopp nach der andern Seite der Hüllen.- Die, Unruhe, die sich im Oedland bemerkbar machte und das plötzliche Verschwinden Raschids erregten unter den Leuten des Werks Besorgnis. .Man diskutierte über die sich •»spinnende Bewegung, über die heim Eintritt der Nacht sichtbaren Feuer zwischen den Bergfallen, Die Arbeit am Oedlandsfhiß ging in raschem Tem|x, ihrer Vollendung entgegen. Die Schleusen standen bereits fertig, um dag Wasser zu dämmen und dorthin zu senden, wo man es brauchte. Im Betonbett floß ständig ein Strom nach dem Staubeckeji, und an seinen Wänden zerschellte Tag und Nacht d«r weiße Wassrrsrhwall. Das ruhige Becken entlud sein Wasser mit voller M’ueht und der ganzen Wildheit urzeitlicher Naturkräfte in die eisernen Kamine. Die Wassernüssen, die unaufhörlich in die Schlünde aus Eisen und Beton stürzten, sausten in die Tiefe, brüllten, schäumten und entluden sich ins magnetische Räderwerk, um dort Tausende von Krafteinheiten zu erzeugen. Das Wasser strömt ein, gischtet, spritzt auf dio Bctonkolosse und wird dann wieder in das alte Bell des Oodlandsflusses abgeleitet. Der ganze Betonbau der Kraftstation war durch die aufschlagende Wucht des Wassers in stetem Beben gehalten. Aber auf dem obersten Balkon der Station, der in der Fülle des Lichtes blitzblank ins Weite leuchtete, herrschte Stille, und nur ein fernes, dumpfes Dröhnen und «in ständiges summendes Geräuseh des Räderwerks war hörbar. Die Zeiger bewegten sich vibrierend über den schwarzen Marmortnfeln und das elck- Irische Netz sandte seine Kraftströme in die Ferne. Die blinde Naturkraft war in wildem Schwalle eingeströmt, aber die gewonnene Kraft wurde beim Verlassen aer Station nach einer wissenschaftlich präzisen Einheit gemessen. Auf den Anhöhen gegenüber der Kraftstation blinkten acht parallele Drähte, die sich von Träger zu Träger spannten und mit ihnen zusammen in der Ferne verschwanden. In ihnen strömte die Kraft nach Teura. .Morgen fahre ich mit dem ,Stab‘ zu den Wasseranlagen in Teura“, sagte Abner eines Abends zu Ruth. Am nächsten Tag. noch vor Sonnenaufgang, rüttelte das Auto Abner und die Burschen des ״Stabs“ über die Unebenbeiten der Straße. Als das Auto sich dem Gebiete von Teura näherte, änderte stell das Bild. Streifen roter Erde durchzogen den Oedlandsboden. Da und dort standen junge Setzlinge und leuchteten in der Morgensonne. Ein mächtiger Pflug stak in einer tiefen Ackerfurche. Schwere Lchnischollen lagen mit dem Gesicht nach unten. Sie waren erst gestern aus dem Innern der Erde losgerissen worden und leuelileten noch feucht und fett. Das Pflugfeld erstreckt sich locker ■wie ein weiches Polster, hellbraun bis goldgelb wie der Sarul. Von den Sandwegen aus, dio von der! Außenvierlcln Teuras hierherführen, zerstreuen sich in den Foldern dio Leute zu Fuß oder auf Reittieren. Ein Traktor wälzt sich auf seinen Kettenschienen wie eine Schildkröte. An den Rändern der gepflügten F.rdo verteilen sich die Frauen der Zelte, um die vom Pflug losgerissenen und nach oben geschleuderten Wurzeln und die von der Egge zusamm&ngarafften Binsen zu sammeln. An der Seife des Sandweges verläuft das Band der in der Anlage begriffenen neuen Chaussee, deren fcslgestampfte Erdfiittming von kleinen Betonbrücken und -kaminen unterbaut ist. Diese Chaussee sollte Täura mit ihren Tochtersied- 1 ungen, die in der Umgebung emporschossrn, verbinden. Das Kapital war liier mit großem Schwünge über die Bodenflächen geschritten. Hügel waren eingeebnet, wildwucherndes Gestrüpp und Binsen nach unten gekehrt, und der Boden Furch© nach Furche von den Traktoren in weiches Ackerlnnd verwandelt worden. Von den hohen Stromträgern zweigon sich Drähte in die Pumphänser ab, die da und dort in der Ebene stehen. Die Fläche ist mit hohen Betonkarninen und kleinen Wasserreservoiren übersät, und dio Bowässerungsanlagen geben ihr ein industriell('* Aussehen. An den gespannten Eisengittern klettert, eine junge, grünende Akazie empor und Zypressensetzlinge deuten mit ihren Reihen die Wege und Grenzen in der Pflanzungszone an. Ir» der Morgenkühl© leuchten die frischen Kronen der zarten Setzlinge in hellem Grün. Das Auto hielt. Die Burschen stiegen ab und begannen di© milgebrachten Werkzeuge abzuladen. Sie nahmen die Gorät© und gingen damit In eine Betonzelle, die neben einem hohen eisernen Träger auf dem gegenüberliegenden Hügel stand. Dort legten sie die Werkzeuge zurecht und Überblickten di© Unebenheiten des Bodens, der liier Binsen und vereinzelt« Tercbinlhen hervorbrachte. Auf den Gipfeln der Höhen und in «len Tälern standen kleine Betonzellen, die Wasser aus den Tiefen saugen sollten. Auch neben dem kleinen Bau, an dem sie standen, lagen Eisen röhren und die Bestandteile einer Pumpmaschine. Ein rothaariger Mann kam Ihnen aus der Zelle entgegen. ״Die Bohrungen sind sämtlich fertig, und das ist dio letzte Pumjunaschine, die wir soeben montieren. Ihr könnt mit der elektrischen Anlage sofort beginnen.“ — So sagte der Rothaarige zu ihnen. Er war Fachmann für Brunnenbohrungen, Die Burschen wandten sich sofort ihren Werkzeugen zu, schnallten die Gürtel und Klettereisen an, stiegen an den Trif, - ־־־ ' " יי .י! ׳•• י־י י' . ״ Händen arbeiteten sie an den Drähten, den Isolatoren und der elektrischen Tafel bis zur Mittagszeit (ForUeuung folgt)