Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 89 (5.11.1935)
- Date
- 1935-11-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653906--27647-2689094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 89 5 NOVEMBER 1935 Zwei Ausstellungen Gebt für die Pfundspendel Der Jüdische Frauenbund und die angeschlossenen jüdi* sehen Frauenorganisationen, die die Sammlung der ״Pfundspende“ für die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Oemcinde zu Berlin übernommen haben, erwarten von allen jüdischen Hausfrauen Berlins, auch von solchen, die nur wenig abgeben können, daß sie die Sammlerin, die an ihre Türe klopft, empfangen, allwöchentlich Lebensmittel bei der Spendet für die Jüdische Winterhilfe Postscheck - Konto: Berlin 93446 ihnen angegebenen Stelle abgeben oder sich durch einen Geldbetrag, und sei er noch so gering, ablösen. Die Geldspende wird auf Wunsch wöchentlich oder monatlich abgeliolt. Der jüdische Frauenbund und die ihm angeschlossenen Frauenorganisationen fordern ferner nochmals Frauen jeder Eignung zur Mitarbeit auf. Die Bereitwilligkeit zur Mitarbeit ist zu melden bei nachstehenden Adressen: Bezirk Mitte (einschließlich Reinickendorf, Wedding): Frau Iliidc Rosenkranz, C 25. Gonlardstr. 6. — Bezirk Süden (einschließlich Neukölln, Britz, Treptow, Bniimscliulemveg): Frau Kentorowsky, Neukölln, Geygerstr. 17. — Bezirk Norden (einschließlich Weißensee, Pankow, fleincrsdorf, Hohenschönhausen): Frau Neihoff, NO 66, Prenzlauer Alice 15. — Bezirk Wilmersdorf-Schöneberg (einschließlich Dahlem, Gruncwald. I falensee): Frau Hamburger, GrunewaM, Jagowstr. 30, — Bezirk Westen-Kreiizberg (einschließlich Tetnpelhof, Mnricndorf): Frau Hanna Outtmann, W 35, liemilerstr. 36. — Bezirk Charlottenburg-Nordwcsten (einschließlieh Siemensstadt, Jungfernheide, Western!, Moabit): Frau Schuster, W 15, Kurfürstendnmin 214, und Frau Wrescliner, NW 87, Klopstockstraße 20, — Bezirk Osten (cinschlicfilich Lichtenberg, Rumrriclshurg): Flau Sonntag, NO 18, Große Frankfurter Straße 45-46, und Frau Kiwi, O 17, Sir.ו lauer Alice 35. — Bezirk Südwestliche Vororte (einschließlich Steglitz, Friedenau, Südende, Liehterfeldc usw.): Frau Winter, Steglitz, Feuerbachitr. 48• Schließlich werden dringend Autos benötigt, die jeden Dienstag, ab 14 Uhr, für die Dauer von 2 Stunden zur Verfügung stellen, um Lebensmittel aus den Hauptsainmclstellen zu den Ausgabestellen zu befördern. Das Büro der Abteilung ״Pftintlspendc“ zu Berlin befindet sich in BerÜn-Cirunewald, jagowstr. 30 (Tel.: H9, 0237). Die Bürostunden sind von Montag bis Freitag, von 1/210 Uhr vorm, bis 1/;2 Uhr nachm. Jüdische Winterhilfe Sonntag fand die allgemeine Haussammlung der Jüdischen Winterhilfe in Berlin statt. Tausende von ehrenamtlichen Helfern besuchten die jüdischen Familien, die mit großer Opferfrcudigkcit spendeten, und es war allgemein zu erkennen, daß die Jüdische Winterhilfe einen lebendigen ■Widerhall in den Herzen der Berliner Juden findet. Nun ist noch die Pfundspende der Aufmerksamkeit, besonders der Hausfrauen, zu empfehlen. Am nächsten Sonntag ist ״Eintopfsonnta g“, an dem die entsprechenden Spenden zugunsten der Jüdischen Winterhilfe erhoben werden. Zur religiösen Problematik in Palästina Vortrag im Lehrhaus Das Jüdische Lehr haus setzte seine Donnerstags- Vortragsreihe vor einer zahlreichen und interessierten Hörer- Schaft fort mit einem Vortrag von Isi Eisner: ״Zur religiösen Situation in Palästina“, die der Redner in vorbildlich objektiver und übersichtlicher Weise schilderte. Er ging von den religiösen Beweggründen aus, mit denen der alte iisc 11 uw ins Land gekommen ist, und stellte fest, daß eute die Lebenskreise der religiösen und der nicht religiös eingestellten Bcvölkerungsteile sich überschneiden; daß Palästina heute das Laboratorium ist, in dem sich das Schicksal des Judentums entscheiden wird. Die ״Verstichsbcdiiigungen“ sind hierbei zu berücksichtigen. Palästina ist ein Kolonialland, das durch Technik aufgebaut wird und viele Menschen dazu verleitet, die Technik höher zti schätzen als traditionelle Werte. Der alte Jisclmw ist auch heute noch von einer gewissen Bedeutung; ihm dart nicht vergessen werden, daß er die Kontinuität zwischen Volk und Land stets aufrecht erhalten hat. Die Arbeiterschaft Palästinas hingegen ist charakterisiert durch die Entwicklung des 19. Jahrhunderts una demgemäß wirkt sie darauf hin, das jüdische Volk zu säkularisieren. Echtes Pathos und Ethos ist ihr eigen — aber nach Meinung Eisners nicht in jüdisch-religiösem Sinne. Die Folge ist die ernste Auseinandersetzung zwischen den beiden Extremen, wobei bis heute eigentlich die areligiöse Haltung sich als die stärkere erwiesen hat. Das religiöse Judentum (das sich viel zu spät auf seine Pflichten gegenüber Erez Israel besonnen hat) hat verschiedene Versuche unternommen, seine Position wieder zu erobern, u. a. durch ein großes Schul werk. Aber die Atmosphäre der Umwelt verhindert die restlose Durchsetzung der Gedankenweit der _ Orthodoxie. Es besteht für die religiöse Jugend in Palästina ein Berufsproblem lind ein Bildungsproblem, Sie kann nickt in der gleichen Form weiterleben wie ihre Väter, sondern muß zu einer produktiven Lebensform übergehen. Zur Zeit befindet sich diese Jugend in einer entscheidenden beruflichen und geistigen Umwandlung. Besonderes Augenmerk wandte Eisner der Frage zu, wie sich Leben und Lehre zueinander in Zukunft zu verhalten haben. Nicht die Halacha sei erstarrt, sondern die Diskussion um sie. Es muß darum von den Rabbinen eine neue Handhabung des Schabbat ermöglicht «׳erden. Es gibt in der Halacha Möglichkeiten, das Gesetz dem Leben anzupassen. Zur Zeit befindet sich die religiöse Jugend Palästinas in vielen Dingen des täglichen Lebens infolge der Uneinigkeit der Rabbirien, die sieh nur schwer zu einer Fortent- Wicklung der überlieferten Formen entscheiden können, in einer äußerst prekären Lage. Dennoch sei zu erwarten, daß In Palästina das Chaos sich lichten werde, weil die in den Menschen schlummernden religiösen Kräfte stark genug sein werden, sie von einer bloß materiell eingestellten Lebenshaltung zu einer geistig und religiös mit den Kräften jüdlscher Tradition durchtränkten Lebensform hinzuführen. N. Im Jüdischen Museum Im Jüdischen Museum ist eine neue Ausstellung zu sehen, die interessante Leihgaben zeigt. Aus •der Frühjahrsausstellung ist gewiß noch das schöne letzte L Icbermaiingcmälde in Erinnerung: die Heimkehr des jungen Tobias, ■der seinem Vater sein Vermögen aus Indien zunickholt unter dem Schutz des Propheten Elias. Die jetzige Ausstellung zeigt als danken*- werte Leihgabe von Salnian Schocken die erste Fassung dieses Gemäldes mit der ganzen Frische des ersten Entwurfs. Der alte Vater geht hier dem Sohne vor das Zelt entgegen. Man sieht die gelbe Wüste, der sehr helle Himmel zeigt viel Gelb am Rand, ein hellrotes Kopftuch leuchtet auf, man sicht die Kamele, die Begrüßung selbst blieb skizzenhaft, aber genial in der Anordnung, der große Zug des Entwurfs wjrd sichtbar. Ebenfalls eine Leihabe von Schocken ist ein schönes spätes Gartenbild von iebermann, der rote Staudengarten in allen Schattierungen von rot bis violett, angefangen vom zarten Rosa in Weiß. Besonders schön ist hier das Gras mit den vielen bunten Blumen., Von Josef Oppenheimer gemalt (ebenfalls als Leihgabe Schockens) sieht man das Porträt von Salman Schockens jungem Sohn, ein sehr schönes Knabenporträt in weiß una gelb und graublauen Farben. Natürlich echt jungenhaft in der Haltung, beweglich und innerlich bewegt der Oesiditsausdruck, halb traurig forschend, halb schon wieder lächelnd. — Edith Samuels Puppen sind ebenfalls kleine entzückende Jungen. Man kennt sie schon alle: das Pärchen, der anschmiegsame Kleine, der Große, der den Arm fürsorglieh auf die Schulter des Kleinen legt,, der ״Lausbub“ mit den Händen in den Taschen, ein Kleiner, der am Rande sitzt, — man staunt, obwohl man sie kennt, immer wieder, daß soviel lebendiger Ausdruck aus Wollstoff und Wollfäden möglich ist. — Einige Leihgaben zeigen interessante Familienporträts. Eine, signiert von B. Lipschiitz, zeigt eine schöne jüdische Frau mit einem Kopfschmuck aus Seidenspitzen, Federn und Scidenband, das gescheitelte und gewellte Haar aus der Zeit der Bettina, Von einem unbekannten Maler ein Biedermeier-Herrenporträt aus Farnillenbesitz aus Dessau. Eine bemerkenswerte Neuerwerbung ist die Pallenbergmappe von Charlotte B e r e n d, farbige Lithographien, von denen zwei Blätter ausgestellt sind. Zawadil aus Fam. Scliimmek und ein Rollenbild aus einem ernsten Stück (Wcibsteufel), das Pallenbergs Art mit geringstem Aufwand an Geste zeigt. Wie immer zeigt Prof. Landsberger neue Arbeiten jüngerer Künstler. Von I. Asch heim ein schönes Blumenstikk. Von Paula N e u f e I d zwei Gemälde, von denen besonders der ,,Hafen aut Bornholm“ eine farbenfrische und gutgemalte Arbeit ist. Boote, Segel, spiegelndes Wasser und die rauchige Hafenatmosphäre sind in ■den Farben und in der Stimmung gut erfaßt. Das Mädchenbild ״Katja“ ist in den Farben ebenfalls gut, in roten und braunen Tönen flüssig gemalt, aber weniger glücklich In der Anordnung des Hintergrundes. Von Melitta Schiffer, einer jungen Malerin, sicht man hier ein klares schönes Selbstporträt und ein Blumenstück, einen Topf mit blauen Disteln auf dem Fensterbrett. Dies Gemälde zeigt zugleich ihre immer neue Art des belebten Semester - Eröffnung am Rabbiner-Seminar Mit einem Hinweis auf die Not der Zeit und die Notwendigkeit zu ״lernen“ eröffnete Dr. Weinberg das neue Semester des Rabbiner-Seminars und ehrte das Andenken des Rabbi Ktik, den auch mit den Dozenten dieser Anstalt gemeinsamc Interessen und persönliche Korrespondenzen verbanden, Dann sprach Rabbiner Dr. Alt mann über das Verhältnis des Maimonides zur Mystik. Man habe dies Verhältnis bislang nur von der Mystik her untersucht. Mit unzureichendem Erfolge. Während zur Zeit des Maimonides selbst und kurz danach von einer unüberbrückbaren Kluft zwischen seinem Rationalismus und dem nivstisehen Denken noch kaum die Rede war, erstand, der schärfer formulierenden Entwicklung sowohl der Philosophie wie der Kabbala immer deutlicher’ Rechnung tragend, 1m 14. Jahrhundert die Legende, wonach Ratnbam in seinen letzten Jahren dem Rationalismus quasi reumütig Valet gesagt und sich der Mystik zugewandt habe. Mit Seitdem entlarvt Alttnann diese Version als unhaltbar. In Wirklichkeit müsse man Sonntag, 10. November, 20.30 Uhr Brüderver einshaus, KurfürstenstraOe 115/116 Jubiläums *Kundgebung aus Anfaß des 15 jährigen Bestehens des Keren Hajessod Vorsitz und Eröffnung: Rabbiner DR. LEO BAECK Die Ansiedlung derjuden aus Deutschland in Palästina DR. MARTIN SOSBNRLUTH, London Leiter der Zentralstelle für die Ansiedtan f deutsdier Juden In Palästina Teepause 15 Jahre Keren Hajessod RüA«*au und Ausblick DR. MICHAEL TRAUB * Die Kundgebung wird cingcleitet und beendet durch Darbietungen des Orchesters des Jüdischen Kulturbundes unter Leitung »on Generalmusikdirektor Joseph Rosenstock Die Mitglieder des Administrative Committee und des Council der Jewish Agency in Deutschland Das Präsidium des Keren Hajessod für Deutschland i. A. Rabb. Dr. Baeck i. A. Dr. M Icliaet Traot Di« Zionistische Vereinigung für Deutschland LA. Dr. Siegfried Moaea Teejededk RM 1.7J Dunkler Anzug erbeten Eintritt nur gegen persSntldie Einladung. Gastftarten, soweit vor» ritt*, geg. adiriftt. Beiteilung heim Sekretariat des Keren Hajessod. Berlin W IS, Melnekestr.10. )1 Bismartk 754 t u. J 1 Bismartk 9t0i Postscheckkontos Berlin 153342 Bildes. Ein neuer Bildhauer fällt gleichfalls auf: Walter Cohn zeigt eine Plastik ,,schreitendes Mädchen‘‘ mit großem freiem Schritt und eine Bildnishüstc des Rabbiners Rosenthal, beides Leihgaben. Batos Geiger Tclniany und Viola Böhms Torso kannte man schon. Die Spiro-l.andschaft ״(!arten am Bodensee“ gehört mm dem Museum. — In einer Vitrine sind auch neue Leihgaben von Kultgcgenständen ausgestellt. Eine Taube als Sehabbailnmpe und ein Scderteller aus dem Jahre 17/9 aus Zinn, Leihgaben von Herrn Springer aus Stettin. Außerdem Medaillen, eine von W r 1> a, und Psominibikhseu aus dem 19. Jahrhundert. Von Hermann Struck sieht man die große Radierung nach Josef Israels: ״Ein Sohn des alten Volkes“, Arthur Segal In den Räumen von Frau 1 )r. London, Joachimsthalei Str. 7- 8, veranstalten zahlreiche Freunde des Künstlers Arthur Segal zum Teil mit Hilfe von Leihgaben aus Privatbesitz eine interessante und reichhaltige Ausstellung. Schon die Niunmernzahl äst so groß, wie man sie gar nicht erhoffte: 39 Gemälde und 12 Holzschnitte, darunter Arbeiten aus den 90er Jahren und um die Jahrhundertwende entstanden, Oemälde, die gewiß nur sehr wenigen bekannt waren. Die Aus- Stellung ist auf einen einheitlichen Ton gestimmt. Die meisten und schönsten Gemälde stammen aus den letzten Jahren der Blickpiuikt/eit, dein tunen Natur,1';s;m1s und der optisehen Plastik. Man sicht die Medizi ul'!,•!sehen, (das auf weißem Untergrund, das soziale Stilleium ״Arbeit und Sport“ mit den Tennisbällen und Tennisschlägern neben Hammer und Kelle, das ebenfalls schon 1933 bekatuitgewordene Sti'ieben mit den Tassen und ein ebenso schönes mit einer Porzellanschale aus der gleichen Zeit. Und in;!Ken diesen Sliäeben bewundert man immer an ו s neue die Material- und Werktreue des Malers, der hier die alte Meisterschaft riet־ großen alten Maler im modernen Motiv für sich erneut, wie es Manet in seinen Blumeitstüekcn und Van (iogii f,'ir jeden kleinsten Gegenstand gefordert hat. Die im Stilleben von manchem Maler nicht gebilligte Blickpunktlehre rechtfertigt sieh hei Scgatl um so strahlender in seinen I amlsehahen. Das Lupinenfehl mit dem schmalen Pfad zwischen den Fehlern, die Lauben aut Hiddensee, die glasklare Bildanlage des kleinen Gemäldes mit der schwarzen Laube, das schöne große Gemälde der von Wagenspuren zerfurchten rotbraunen Dortairalk• mit den meisterhaften Bäumen und den weißen 1 lauawn, die Feklbildcr mit dem hellblauen 1 Simmel, das Madchenportrat vor dem hohen roten Ziegeldach, die Baume auf einer Wiese, die an die Materiahreuc der Wiesen eines Phil. Otto Runge erinnert, all diese Bilder erschließen in Segals neuem Natnralismus seine vertiefte Naturhctraclitnng in wundervoller Weise. Sehr beachtenswert sind impressionistische Landschaften in Tupt und Striehtnanier (1903 und 1907) und ein Selbstporträt aus dem Jahre 1893, ganz in einer einzigen Farbe in dunkelbraun und seinen Abtönungen, auch Segals Modellierfähigkeit der heutigen optischen Plastik ist im Keim vorhanden. Camilla Spira las bei der Eröffnung Auszüge aus zwei Briefen von Arthur Segal. R 111 h M o r o I d beim Rambam zwischen praktischer mul theoretischer Mystik unterscheiden, und die Ablehnung aber praktischen, prakfikabeln, als Magie auftretenden Mystik durch Rambam ist ja bekannt. Aber nicht nur Magie, z. B. der Gebrauch von Amuletten, erfuhr diese Ablehnung, sondern selbst die Ab- Weisung der Paitanim, der iIvinnendiehter erkläre sich aus der Magiefeindschaft. Nun könnte man meinen, das Verhältnis des Rambam zur Prophetie wäre um so einwandfreier auf die Habenseite der Mystik zu buchen, dien weil es von aller ״niederen“ Mystik fern und rein dastehe. Die Erkennbarkeit des Prophetischen beginnt ja nach Rambam erst jenseits der philosophischen Erkennbarkeit, und also sei Prophetie ־— gleich Mystik? Aber der Rambam gehe doch als Philosoph an die Prophetie heran und erfasse die Sphäre des Geheimnisses durchaus rational. Zwischen seiner Art nuf/ufassen und der Mystik sei eine Strukturdivergen/ fesl/usteilcn, daher die Unvereinbarkeit. Wenn auch Rambam von Geheim* haltung spreche, so sei das nicht aus Mystik, sondern aus dem Aristokratismus der mittelalterlichen Aufklärung zu begreiicti. Dr. Aitmanns Schluß ist, daß mit der Ablehnung der praktischen audi das Schicksal der theoretischen Mystik bei Maimonides besiegelt sei. Unser Schluß ist, daß die Divergenz zwischen Mystik und Rationalismus sicli in der stets am Wort, arn Zitat haftenden geleinten und nichts als wissenschaftlichen Betrachtung von Phänomenen wie der Mystik, der Prophetie, erst recht der Prophetie beim Rambam eine Art ironischen Nachspiels leistet. Wenn man iiber das zeitgebnnden, vorn Rambam also mittelalterlich aufgeklärt formulierte Wort nicht, wie z. B. A. Meschei, zur psychologischen Deutung der Rolle lies Prophetischen bei diesem Denker vordringt, wird man ihm so wenig wie bei der Mystik gerecht. Davon abgesehen war Dr. Altmanns Vortrag schon in der Problemstellung, doch auch in der Exaktheit der Darstellung bemerkenswert. L. H. Kurt Singerscher Chor. Dr. Kurt Singer gab mit seinem Chor, dem früheren Aerztechor, unter Mitwirkung des Kultur bund Orchesters und -chores ein Konzert in der Philharmonie. Audi heute noch bestellt der Chor aus vielen Aerzten und ihren Angehörigen; die musikalischen Interessen dieser Kreise sind so stark, daß sie sich ihre Sing- und Kamtnernutsiknbende zu erhalten wissen. Ein anspruchsvolles Programm war zu bewältigen•. Kantaten von Bach, Schkksalslied von Brahms, Walpurgisnacht von Mendelssohn. Vom Klanglichen aus betrachtet hielt sich der Chor anerkennenswert gut; die einzelnen Gruppen waren auf ein gemeinsames Timbre gebracht, und selbst in den Höhen vermieden die Frauenstimmen die übliche Schärfe. Singer setzte alles auf monumentale al fresko-Wirkungen und auf pomphafte Fortissimi zusteuernde Steigerungen und ging bewußt an einer stilistisch ruhigeren, mehr zeichnerischen Gestaltung von intimeren Maßen vorbei. Neben Paula Lind* berg lind Julius P e i s s a c 11 o w i t s c 11, die beide, wie immer, mit Intensität und sicherer Technik der plastischen Formung ihrer Parte nachgingen, hatte es der Tenor Herrmann Nahm schwer, sich zu behaupten. Nach Ucberwindung einer anfänglichen Befangenheit ließ er Material erkennen, daß er noch technisch festigen muß. Bei unserem Mangel an Tenörcn könnte er eine Lücke ausfüllen. Am Flügel saß Gertrud Marcus. — Im ganzen war das Konzert, das viel Mühe und eigene Lust verriet, ein Erfolg — von einem vollbesetzten Saal herbeigeführt. Dr. H. N.