Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 89 (5.11.1935)
- Date
- 1935-11-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 89. 5. XI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 BRIEFE AN DIE REDAKTION Eine Reihe von Frauen aus allen Teilen Deutschlands war der Einladung des Verbandes jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit (Wizo) gefolgt und hatte sich am 28. und 29. Oktober im Logenhaus in der KleiststraQc zusarntnengefunden, um einige der Hauptprobleme der zionistischen Frauenarbeit zu klären. ״Die Arbeit der Wizo bedeutet eine Zwillingsarbeit — für Palästina und für die Golali“ — so formulierte die erste Rednerin, Miriam Scheuer-Goldes, das Ziel der Beratungen. Sie stellte Richtlinien für die künftige Arbeit auf — besonders für die Erfassung der weiblichen Jugend — die in dem Einen gipfelten: Mehr menschlicher Zusammenhang tut not! Die Wizo müsse stärkeren Einfluß auf die Mädchen- Hachscharah gewinnen; sie müsse sich der Kultura׳rbeit in stärkerem Maße annehmen. Der von Miriam Scheuer gestellten Doppelaufgabe der Wizo widmeten sich dann die Debatten und Referate der Tagung. Als wichtigste Probleme zeichneten sich dabei ab: die Zusammenarbeit mit den Jugendorganisationen, besonders mit dem Hechaluz; die Steilung der Jung-Wizo; die Werbung und Propaganda; endlich der Aufgabenkreis in Palästina, dem das Referat von Margarete Turnowsky- Pinn er gewidmet war. — Zur ideologischen Begründung der Wizo-Arbeit sagte am zweiten Tage Elfride Bergei- Grone mann, die neue Vorsitzende der Wizo in Berlin, nachdenkliche und Nachdenken erregende Worte. Erziehung zur Chibbath Zion, zur Zionsliebe, müsse in den Wizo- Gruppen geleistet werden. Der Weg zu dieser Erziehung aber sei die Einführung in die religiöse Tradition unseres Volkes. Vera Mahler, Margarete Moses und Irene Tugendreich ergänzten die ideologischen Ausführungen von Frau Bergel nach dem praktischen Gebiete hin. Frau Mahler und Frau Moses gaben einzelne psychologisch fundierte Rat- Schläge für die Werbung — besonders eindringlich zeichnete Frau Moses die verschiedenen Typen von Frauen, die heranzuziehen seien. Hierher gehören auch die Vorschläge von Frau Tugendreich in ihrem Referat über ״Aktuelle Fragen der Gegenwart und ihre Beziehung zur Wizo-Arbeit“. Er- Weiterung der Interessensphäre der Wizo ist es vor allem, was hier gefordert wurde. Einzelne Aufgab״־׳ d״r Wizo, wie etwa Haushaltslehrstellen, Haushaltshilfe, Clr'׳־zfürsorge u. a. wurden noch besonders zur Diskussion gestel. . Alle diese Referate galten in der Hauptsache der einen Hälfte der Wizo-Arbeit: dem Wirken für die Stärkung und Erweiterung der zionistischen Fratien-Aufgaben in der Gnluth. Der Arbeit für Palästina in engerem Sinne widmete sich dann Margarete Turnowsky-Pinner in ihrem Vortrag über ,,Die Wirklichkeit Palästinas“. Sie berichtete mit großer Lebendigkeit und unbekümmerter Wahrheitsliebe von de״: uns alle angehenden Unterfangen ״Wie die einzelne für sich Palästina erobert“. Die wirtschaftliche Einordnung, die gesundheitliche Eingewöhnung, endlich die geistige Einfiigung in die neue Gemeinschaft — das alles wurde klug und aus eigenen Kämpfen und Erfahrungen her dargestellt. Die Aufgabe de reinwandernden Frau in Erez Israel sieht Frau Turnowsky vor allem in der Sorge für Haus und Kinder; wenn diese wichtigste Aufgabe gelöst ist, werden sich AAöglichkeitcn der Betätigung in sozialer Arbeit, wo gesc!..״te Arbeiterinnen immer noch sehr gesucht sind, auf allen Seiten finden. Rahel Strauß schuf in letzter Zeit die für die Frau des neuen Jischuvv wichtige Organisation der ״Hauspflege“; erste Hilfe in Krankheitsfällen der Hausfrau, gegenseitige Hilfe unter Nachbarn — all dies wird noch weiter ausgebaut werden müssen. Die schönen und zuversichtlichen Töne der Frauen- Tagung klangen tröstlich und heiter wieder in dem Schluß- Abend, der nicht nur den Schluß der Tagung, sondern auch einen Abschied von de! bisherigen ersten Vorsitzenden Edith Hirsch bedeutete, die nacli Jahren treuer zionistischer Arbeit in Berlin jetzt mit ihrem Gatten nach Palästina übersiedelt. Frau Bergel-Groneirann überreichte der Scheidenden mit schlichten Worten, wie sie dem Charakter dieser selbstlosen und rein sachlichen Arbeiterin für die jüdische Gemein- Schaft am besten entsprachen, das Diplom ihrer Eintragung ins Goldene Buch. Dann vereinigten hebräische Lic-w. die Chemja Winavcr in froher, gemeinsamer Arbeit mit e'1׳em großen Kreise von Männern und Frauen ,,lernte“, noch bis zu später Nachtzeit die Gäste. Und, wie Joachim Prinz in halb frohen, halb wehmütigen Worten hervorhob: bei diesem klangreichen Abschiede zeigte sich nochmals der Charakter auch der Arbeit der zionistischen Frauen: Doppelt und doch eins — hier und Ercz Israel — eng verknüpft in Arbeit und Hoffnung. B. B.-St. Religionsgesetzliche Anfrage Berlin ff 24, den 3. Nov. 1935 An die Redaktion der ״lüdi. sehen Rundschau Zur Anfrage in Nr. 86 möchte ich folgendes bemerken: Ucbcr die Wartezeit zwischen dem Genuß von Fleisch und Milch gibt es Lehrmcinungcn zweier Poskim. Nach der einen genügt eine Wartezeit von nur 1 Stunde, nach der anderen ist eine Wartezeit von 6 Stunden notwendig. Der Kizzur ־ Schulchan * Aruch hat die ersehnerende Lehrmeinnng aufgenom• men. Im Osten hält man streng die Wartezeit von 6 Stunden. In Deutschland hat man 1. T. einen Zwischen(*»! scheid vorgenomntcn, indem man statt 6 nur 3 Stunden wartet. Es kann wohl möglich sein, daß inan in llol■ lantl allgemein nach der erleichternden Lehrmeinnng entscheidet. Heini Stern * Köln, den 3. November 1935 Es stimmt, daß es eine allge* mein-giiitige Entscheidung dieser München, 30. Oktober Der Artikel über den jiidisehen Friedhof in Kricgshabcr in Nr. 86 vom 25. 10. 35 enthalt bei der Gräbst ei111>cs>ch1־ei־ bting einen Irrtum: Die drei Sterne auf einigen Gr.ibs’einen bedeuten keinesfalls das Frage nicht gibt, da das Prinzip für die Entscheidung der Frage folgendes ist: In den Ländern, wo die Landbcvülkcrung zwischen zwei Mahlzeiten drei Stunden zu warten pflegt, muß man zwischen fleischig und milchig ebenfalls drei Stunden warten; da, wo man sechs Stun- (fen wartet, muß man sechs Stunden warten; man richtet sich also nach der Sitte der Länder, wo man weilt. Die Dezboren östlicher Länder setzen also eine längere Wartezeit; an, da man eben in ihren Ländern nicht so häufig zu speisen pflegte, als in den west liehen Ländern. So ior■ dert Josscf Karo (Schuhhan- Aruch) sechs Stunden, während kaschi m einer seiner Erklärungen zum Talmud nur eine Stunde verlangt. Nach einer anderen Ansicht aber muß man 24 Stunden warten. Regel ist also: Man richtet sich nach der Gewöhnheit der Bevölkerung des Landes. in dem man weilt. Daher die nach Ländern verschiedenen Bräuche. Josef L i 0 111 m a 11 n Wappen der damaligen Markgrafschaft Rurgau; denn HicM'r. bestand aus 3 roten Diagonalen auf weißem Feld —- «cnkrecht durch einen goldenen Pfahl durchschnitten. Die drei Sterne sind vielmehr als das von der Kamilic Ulmo angenommene Eamilienwappen anzusprechen. Das erste, im Artikel von Nr. 36 abgebildete Grabmal betreut nämlieh seit 1739 das Grab des K. Simon, Sohn de* Vorst. R. Lob Ulmo. Ein anderer Stein mit־ Stcrmvappen kennzeichnet das Grab des R. Jakob Menasse, Sohn des Mom׳s L’imo, gestorben 1695. I ntc-r einem weiteren Stein mit dem gleichen Wappen sehluinmerl der Landes- Vorsteher R. Simon Ulmo, Sohn des R. und Vor-,t. Komvil Ulmo. gestorben 1720. Dieses (icschlecht der Ulmo stammte, wie schon der Name erkennen h’ilSt. aus der freien Reichsstadt Ulm, also nicht, aus der Mnrkgrabchait Burgau. Der vnrgcna nnte Simon bbno hat sich durrh verschie- (lene Schenkungen ein dauerndes Andenken ge-iehert. So schmückt heute noch den Tvausiud der Aug.dmrger Synagoge ein von ihm sein! rzeii für die 1:.!׳; oe Krirgdiahcr gestifteter }»!achtvoller Thoravorhaiig. bezüglich der hei a! I i o. hen Krone sind mehrere Auslrgungen möglich. Sic begegnet uns aut Thora vor h.1 n׳um in!ז di n stellenden Löwen aL ,.Kiene des Lehens‘‘; auf G tah-t einen hedeutet .sie die ..Kum!׳ ilo W'uiij. tätigkeit“. Und die L׳nve!1 wei- >cn hier auf den ’I ,!11 nudg! lehrtrn hin. Der Löwe b: ja Ixkunnflieh das Wappen des S'am- Uno Juda. Kr kmnml aber <>!!ci anen ab figürliche \ er dmd >ii - düng von bandiienn; mien v׳u־ ab- י־. )genannte•, ..ivdcndes Wappcn“. wie der lür-cl! oder auch der Stern, Auf dein bindhnj in Knee-h.dn•׳■ weisen aber nicht ntn, wie der Artikel in \r. 86 erwähnte. (Iss Lcvilcngeschirr, sondern auch noch andere Em-!.!eine auf religiöse Funktionen der Kami! icneigenheiten hin, so da•• all iuiliseiir Motiv des ״aufgeschlagenen Gebelimrlies“ oder die ,,.«eg!«ernten ilande“ bei Nsihkoiumcn aus dem Priester- -lande, das ,.Oebtlsh״rn-1 des Scholaibl isrrs. das ,,Mobeimesser“ des Beeclmoißers. Und der ,,dr«: iarmipr Leuchter“ symbolisiert so eindrucksvoll eine Ohliegenhei! der Frau: das Liehtanzäindeii am S«'ha!!baU'ingang. t ierade dieses Sinnbild rührt an die tieistcn Enmfimtungen aus dem hau-lichen Familienkreis. Her Jude ist ja der erste, der die!■'rau von der Sklavin des Mannes zur Lebensgefährtin erhob. Nicht nur das Barock und Rokoko taaben au! die Formengclmng der Oralc-teine ein״«:- viikt; auch die limpirezcit und die kkosui.-äisehe Epoche schufen Reizvolles auf dein Friedhofe. Au!.',er den (, rabsteinformen wäre auch not!1 rnanrfirs über den hmhrhrn hebri i •eben Schrill- | )111,111״ zu sage«!. wii' er sieh in «1,11 <;! .!bei •I;,rillen so überau-, reizvoll mit «!,an Zen:oil ab- Aber dar /.Weck die •er Zeilen v«,!r ja nur, keine unne,!fige V e r in!1! n n g in der t ,rabociniicaon.::; 1 dk > ,nirnr; 1 zu las- ,,■11.!ela balle (iilan auch als Ni, bnuilr- «in iir-mlo,. lutercm,׳, ve'l 1• 11 ׳ das Kuli urbi-io- 11 ■rin•!1 in, 1 1 innin! Kl ums- 1, ,i ,ei in!iminar 1): ■•m-iU atioii verarbenel bähe. 1 >r. 1, 11 i s I) ii r r w a n g e r Der Frietthof in Kriegshaker Tagung des Palästina-Amtes Am vergangenen Sonntag fand im Berliner Logenhaus eine Tagung des Palästina-Amtes statt, an der neben den Berliner Mitarbeitern des Amtes die Zweigstellenleiter lind M? .:beiter aus der Provinz teilnalimen. Ueber die außerordentlich zahlreich besuchte Tagung, die eine große Fülle von Anregungen für die weitere Palästina-Amts-Arbeit brachte, werden wir noch berichten. Bücher skandinavischer Juden In der dänischen Zeitung ״Politiken“ vom 26. Okt. findet sich eine Besprechung zweier jüdischer Bücher, die in der letzten Zeit von skandinavischen Juden geschrieben wurden. Die Verfasser sind der norwegische Arzt Dr. D. Abrahamsen und der (vielen Zionisten auch von seiner Teilnähme am Kongreß bekannte) Dozent an der Universität Upsala (Schweden) Prol. Hugo Valentin. Das eine Buch heißt ״Ich bin ein Jude“, das andere Buch ist betitelt ״Antisemitismus“. Beides sind, wie ״Politiken“ hervorhebt, stolze Bekenntnisse zum Judentum und informieren in umfassender und sachlicher Weise über jüdische Fragen. Der Rezensent in ״Politiken“ bemerkt, daß die Lektüre dieser Bücher auch für Nichtjuden sehr wichtig sei, weil sic darin eine große Menge von Material kennenlerncn, das in jüdischen Kreisen, die sich schon fange mit jüdischen Dingen befassen, ':"eicht nicht einmal etwas Neues sei. iingo Adler (Mannheim) hat soeben 10 Lieder nach jüdischen Texten im Verlag Georg Sander (Mannheim) erscheinen lassen. AcUiunf: UicM1! Chanukkah-WaHbewerb der ״Kinder-Rundschau“ ln unserer letzten ״Kindcr-Rimdschau", die am 20. Oktoter erschienen ist. haben wir einen G 11 a n u k k a h - W e* t t b c w e r b;1!!gekündigt, der schon jetzt auf das größte Interesse der Kinder stößt. Der Wettbewerb bestellt darin, daß die Kinder selbst ausgeführte Werkarbeiten einzusenden haben. Jede Arbeit, die brauchbar ist, erhält einen Preis. Für die besten Arbeiten sind besonders wertvolle Preise ausgesetzt. IAic Arbeiten geben in das Eigentum des Keren K a j e in e 111 Lejisrael über, der die brauchbaren Arbeiten zu einer Ausstellung zusammenfassen wird, die in den Chanukkahtagen in Berlin stattfindet und bei der die Gegenstände zugunster des Keren Kajemeth verkauft werden. Geben Sie Ihren Kindern, sowe't dies noch nicht gescliehen ist, die ״Kinder-Rundschau“ ׳■om vergangenen Dienstag, damit sie Gelegenheit haben, sich an diesem interessanten Wettbewerb zu beteiligen! An die Teilnehmer des Schulungs-Seminars in Lehnitz! Wir bitten die Gesinnungsgenossen, die Mitteilung machen können über den Verbleib der während der Schulungswoche benutzten Wandkarten über den Vorderen Orient, sofort zu schreiben bzw. Einsendung der Karten zu veranlassen an das Palästina-Amt Breslau, tiartenstr. 23. Hamilon Haschalem. - Das seit längerer Zeit vergriffene hebräisch-deutsche Wörterbuch von M. D. Groß ist soeben neu erschienen und durch die Buchhandlung Ganzer, Berlin, zu beziehen. Aus dem Hebräischen von Dr. Max Mayer, Jerusalem 19 l*ort*eUun8 Nachdruck verboten Agar wußte im voraus, . daß der Augenblick kommen werde, in dem das Kapital seine Existenz verteidigen und auf die Tradition seiner Energie und seines 1 ntcrnf hmungsgeistes pochen werde. Er waudle sieii zur großen \\ andkarte und erwiderte: ״Das Werk dem Willen des Herrn Baschan zu unterwerfen, würde seinen Untergang bedeuten. Denn du, llaschan, hast nur die Ausbeulung der im Oedland noch verborgenen Sleinbriiche im Auge, ln deiner Phantasie siehst du bereits viele, neue Sleinbriiche und dor«11׳ zutage gefördertes Material in deine Werkstätten nach Teiirii gesandt. Aber die Oode rings uni deine Bergwerke bleibt best «hen. und sie wird schließlich aucli die Bergwerke selbst vernichten. Dann, bei den ersten Anzeichen eines Wankens, bricimt auch der Hinterhalt los, der im Oedland aut diesen Augenblick lauert. Aber auch der Arbeiter wird in seiner Verzweiflung der Zerstörung die Hand reichen, und dein, was noch nie 111 gt ׳fallen ist, der! letzten Stoß versetzen. Niehl dies ist rlas Werk im Oedland, meine Herren! Seht auf die Karte vor euch! liier ist ein Arbeitsprogramm für zehn Jahre: die Abriegelung und Ausgleichung von Tälern, die Rodung und Ausräucherung des Gestrüpps, die Anlage von Straßen und Chausseen, die Bloßlegung eines Arbeilslerrains. in dem es keine verborgenen Schleichwege und Hinterhalte gibt. Dieses ebene, vor allen Augen offene Terrain soll zu zwei Dritteln der landwirtschaftlich()!) Siedlung und zu einem Drittel den Fabrik-, Industrie- und zentralen Kolonisationsunlcrnclunungen zur Verfügung stehen. Für die Ameliorisalion von zehn Millionen Dunani Boden sind zwei Mil- Honen Pfund Sterling erforderlich, eine Summe, die nur das Zehnfache euerer bisherigen Inveslitionen in Teura darsleilt.“ Baschan wollte einige Maie Agar unterbrechen, aber Nassen hatte ihn zurückgehalten. Während des Schweigens, das nach Agars Bede eingetreten war, erhob sich Nassen, und auch seine Stimme war diesmal nicht wie sonst gedämpft; innere Erregung lag auf seinem Gesicht: ״Es ist klar, Ingenieur Agar, daß grundsätzliche Meinnngs- Verschiedenheiten zwischen uns bestehen. Nicht etwa Meinungsdifferenzen, die sich leicht überbrüeken lassen, sondern ein Kampf von Anschauungen, die lief in der Verschiedenheit der Lebensumslände wurzeln, in denen jeder von uns groß geworden ist. Wir verschließen unsere Augen nicht vor den großen Erfolgen, die du auf deinem Möge errungen hast, aller auch du solltest deine Augen nicht vor der Aufbauarbeit, die durch uns in Teura geleistet worden ist. verschließen. Du, Agar, stützest dich auf den Arbeitenden, aber auch wir sind Arbeitende, die nicht mit verschränkten Annen dasitzen können. Auch wir sind tatendurstig. Warten wir doch nicht auf den Augenblick, in dem die Gegensätze zwischen uns ihren Ausgleich finden. Das Loben stößt auch uns, wie es den Arbeilsmann antreibt Gehe jeder auf seinem Wege, und wenn sich schon jetzt ein Berührungspunkt zwischen uns gefunden hat, nämlich die Verwertung deines elektrischen Stromes in Teura. so besteht mich Hoffnung, daß sich im Laufe der Zeit noch andere Berührungspunkte zwischen uns finden werden. Denn Kapital und Arbeit sind wie Zement und Eisen, die man zu einem festen, allen AYidrigkeiteri standhaltenden Ganzen vereinen kann.“ Der Alpdruck, der iin Zimmer herrschte, hatte sich gelöst. ..Wir verlassen uns auf deine Worte, Agar, daß der Kraftström in einem Monat zu unsrer Verfügung steht“ — sagte Nassau sachlich. ״Im einem Monat werden sich zum erstenmal die Kraft der Arbeitshände und das Kapital zu einem Werk im Oedland zusammenschließen“ — antworteten auch die anderen und drückten Agar wann die Hand. Agar stand auf der Terrasse und verfolgte mit den Augen die vom Hügel hinabfahreiiden Autos, bis sie verschwtinden waren. Er merkte nicht, daß Raschid mit zögernden Schritten auf ihn zugegangen war, indem er seine S111 to am Halfter hinter sich herzog. ,,Friede sei über dir, hoher Herr!“ ״Auch dir sei Friede. Rasidiid“ . wrindle sieh Agar ihm zu . .,hast du etwas Neues zu mehlen?“ Ilasehid begann unter Schlucken zu sprechen: ״Ich hin hei den Zellen gewesen und habe den Leo.len gesagt, was du ln ,l’oliion hasl. Alter niemand hat auf meine Worte gehört. Sie glauben, die Hache (•olles liege auf dem AVerk wegen des B1111es von Alm-FaVs.“ Während Basrliid noch sprach, bcmerkle Agar plötzlich, daß die Zelle, die hi-lier auf dein dem Werkareal gegenüberliegenden Hügel standen, verschwunden waren. Baselud, der dem Blick Agars gefolgt war, schluckte aucli jetzt: ״Ja, Chawadjii. die Zelle sind 'ein Werk in die Berge w eggezogen.“ Nach einem Augenblick fügte er hinzu: ״Audi ieii werde wohl Weggehen müssen.“ ״Warum, Raschid?“ ״Die Zelle werden es nicht zulassen, daß ich bleibe, ln den Zelten sagt man, daß das Blut eines Oedlandssohnes auf dem Boden des Werks verspritzt worden sei.“ ״Raschid, sterben denn die Männer der Zelte nicht lüglieh im Zell oder auf dem Kreuzweg'?“ ״Freilich fallen sie, Ghawadja.“ ״Nun liisl du schon drei Jahre hei uns. Du hast uns gegen Krankheiten, gegen die Hochflut, gegen die Widrigkeiten der Natur und des Schicksals kämpfen sehen. 1 last unser Lehen gesehen, in dem es mehr Regelmäßigkeit und mehr Bewegtheit gibt als in dem <ler Zelte. Bleib bei uns, Raschid, auch die anderen werden •schließlich ziirOckkehrou ״Ich halie, Oiawadja, viele von den Leuten des Werks licbgewonnen. A bor die Zelle sind mir teurer“ — sagte Raschid mit zu Roden geschlagenen Augen, und während er sich zum Gehen wandte, entschlüpfte noch seinem Munde: ״AVisse, Chawadja, daß etwas sehr Schlimmes im A erz״g ist“ — damit ging er. Bei diesen Wollen richtete sieh Agar auf, und sein Blick schweifte lange Zeit hinter Raschid her. der seine Stute am Halfter führte und langsam den Hügel zum Werkareal Ihnabzog.