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Jüdische Rundschau · 1935-11-05 · Heft 89 (5.11.1935) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 89 (5.11.1935)
Date
1935-11-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 89, 5. XI. 1935 Palästinensische Wanderungen* Quer durch die Hule-Sümpfe Von Dr. Robert Beer, Haifa Die Straße Akko—Safed führt durch das Galil, den Schönsten Teil des Landes. Hinter Akko zweigt sie voll der nach Beyrouth führenden Straße 11 ich Osten ab, führt vor- Über an einem ״Tel“ (Hügel), unter dem wahrscheinlich das biblische Akko begraben liegt, und durchquert zunächst die einförmige Ebene, die weit rechts vom Karmel begrenzt wird. Allmählich wellt sich das Gelände zur Linken, wird zu Hügeln, zu einem Hühcn/ug; die Straße steigt; auch rechts treten Hügel auf, der linke 1 tiifienzug wird zu einer Bergkette, umi nun fahren wir in einem Tal voller Olivenhaine auf roter Erde der aufgehenden Sonne entgegen. Höher und höher steigt die Straße, höher werden die Berge zu beiden Seiten, und dann stehen wir an jener einzigartigen Steile, von der aus inan rechts im Hintergrund das!Meer und links nahe den Kinerethsee gleichzeitig sieht. jetzt biegt die Straße nach links ab, Safe«! taucht auf der Huli« eines Berges auf, nur noch überragt vom Har Kanaan mit seinen neuerbauteu Hotels. Wir fahren vorüber, und nun senkt sich die Straße in vielen Windungen in die Jordanebene hinab, immer angesichts der erhabenen Schönheit des Kinereth zu unserer Rechten. Bald taucht links auch der Mcrom-Sec auf, hoch überragt von dem imposanten Massiv des Hermon. Der Polizeiposten in Roscli Pi'iiah zählt uns ab, damit nicht mehr herüberkonunen als liinübcrgcgangcn sind. Dann folgen wir ein Stück der Straße nach Metullah, biegen rechts ab und verlassen in J e s s o d H a m a a 1 a h am Ufer des Merom- «der 11 11 lese es unseren Wagen. Spiegelglatt ist der blaue See. Die klare Luit und das Spiegelbild der braunen Berge lassen das syrische Ufer näher erscheinen, als es in Wirklichkeit ist. Zwar sind die syrischen Berge kahl wie die palästinensischen, doch wirkt ihr Anblick weicher; man spürt, daß sie mit einer Hülle vertrockneter Pflanzen überzogen sind, und da und dort verraten grüne Eiecken das Vorhandensein zahlreicher Quellen. Mit kralligen Umlerstößeii treiben Araber stehend unsere Boote um׳. ärts, dem 1 iermon entgegen, der sich zweieinhalb tausend Meter hoch in das ewig« Blau cniporrcckt und dessen Anblick durch einen vorgelagerten Wolkenstreifen noch tnajestätiseber wirkt. Wir blicken zurück zum palästinensi* sebeu t'lrr. Rotbraun spiegeln sich die Berge im blauen See, 111.111 umi lotbraun kräuseln sich die Wellen hinter unseren booten. Die grünen Baume und die roten Ziegeldüchcr von jco-od I lamaalalt, obwohl sie nur einen ״chmalcn Streifen des See״ einfassen, las-eil wiederum die Erinnerung an den Seliliersee auitauclieu. 111 seltsamem Gegensatz dazu liegt ein kurzes Stuck weiter .südlich ein farbloses arabisches Dori mit niedrigen grauen Lehmhütten und den! Minarett einer Moschee ׳ - eine Seltenheit in solch kleinen Dörfern. Der See ist seicht, sein Grund ist schlammig, seine größte Tiefe betragt nur •I bis 5 Meter. Die Boote können nicht bis /um t her fahren, wir müssen das letzte Stück im trüben lau wannen Wasser waten. Plötzlich spüren wir eine kalte Strömung — vor uns mundet ein kleiner Wild hach. Wir lagern uns neben ihn im Gras und erfrischen uns; üppiges Rrombecrgestrauch wächst um uns herum. Doch bald suchen wir Schaden auf. In der Nähe stellt ein einsamer Baum, in seinem Schatten liegen drei B e d u i n e 11 g r ä b e r, bedeckt und eingefaßt mit einfachen Steinhlöckeii. Der Unterschied fällt uns" auf zwischen den verwahrlosten, oft kaum mehr kenn fliehen Gräbern der arabischen Feilaclieniiörfer, mit dickem heißem Staub bedeckt, von keiner Einfriedung umgeben, von Wegen durchzogen, zertrampelt von Menschen und Vieh, ein Tummelplatz, für Kinder — und den Gräbern der wandernden Beduinen, zwar auch ungepflegt, denn der Stamm ist längst weiterge/ogen, aber unberührbar geheiligt *) Siche ״iüd. Rundschau“ 1934 Nr. 57, 64, 74 , 83. 96 und 1935 Nr. 4, 65, 70. und beschützt von dem Schatten des heiligen Baumes. Drückt sich hierin die *Sehnsucht des ewig in schattenloser Wüste wandernden Beduinen aus «rach Ruhe, Frieden und Geborgenheit? Wir zwängen uns durch die duftende Brombeenviklnis, überspringen das Bächlein, werden von einem Schwarm wilder Bienen zurückgetrieben und steigen etwas bergan, nunmehr durch gelbe vertrocknete Disteln, die unseren nackten Beinen einiges zu schaffen machen. Wir wandern in glcichbleibcndcr Höhe dem Seeufer parallel nach Norden, den Sümpfen entgegen. Wieder und wieder gluckert und plätschert cs, wieder und wieder durchqueren wir saftiggrün cs Gebüsch und springen über kleine Quellbäche. Dann stehen wir am Rand eines Wadis; unsichtbar unter einem Wald von Schilf rauscht ein Fluß. Es ist eine Art Schill, die wir bisher nicht kannten; er sicht Pahmvedelti ähnlich, denn seine Blätter stehen in regelmäßigen kurzen Abständen nur nach zwei Seiten. Ungemein schlank una fein wiegen sich die 4 Meter hohen Wedel im leisen Wind. Sie stehen so dicht, daß wir uns beim Durchqueren durch Zurufe Zusammenhalten müssen, denn das Dickicht gestattet keinen Durchblick mehr. Wir haben das Nordende des Sees erreicht, unter uns beginnt der Dschungel der Hulesümpf«. Zu dein bunten Blau, Gelb und Rotbraun des Sees und seines Hintergrundes tritt nun eine endlose dunkelgrüne Flache, von bellen Wasserstellen unterbrochen. Doch leider ist hier unserem Weiter* marsch ein Ziel gesetzt, denn vor uns liegt irgendwo ein arabisches Dorf, vor dessen feindlicher Gesinnung — es besteht zur Zeit ein üren/streit mit Jesstxi Hamaalah — man uns gewarnt hat. Bei einer M ü 11 1 e, die mit der Wasserkraft eines starken Quellbaclies betrieben wird, machen wir halt. Sie ist aus schwarzen Basaltsteinen gebaut und besteht aus einem einzigen großen Raum, in dem man sich erst an die Dunkelheit gewöhnen muß, obwohl das auf zwei steinernen Gewölbebogen ruhende flache Daeli nur aus Zweigen und Blättern bestellt. Der Raum dient gleichzeitig als Wohnraum, Eselstall und Speicher, ln einer Ecke rumoren im Boden die Mühlsteine, von wcißhestauh‘en Stcinblocken eingefaßt; In das Loch des oberen Mühlsteines fallen langsam die Getreidekörncr aus einem darüber hängenden Holzliehäiter, das Mehl wird zwischen den Mühlsteinen hcrausgcschleudert. Ein einziger scharfer Sonnenstrahl fällt durchs Dach herein und zeigt, wie die Luft voll von Mchlstaub ist. Vor der Mühle stellt eine cinmcterhohe schmale Beton- Säule ohne Schmuck und Inschrift, der Grenzstein. Die .Mühle ist bereits syrisch, der etwa 500 Meter breite Uferstreifen, ansteigend bis zu einer Höhe von etwa 50 Metern, ist noch palästinensisch. Die Hulcsümpfe sind eines der wenigen Gebiete auf der ganzen Welt, in denen Papyrus wächst, Papyrus —י von den Arabern ״Babirt‘ genannt — ist eine Art Binse mit einem dreikantigen ganz, glatten Stengel ohne jedes Blatt; an seiner Spitze wachst ein Büschel hellbrauner grannenähnlicher Gebilde, der bei jungen Pflanzen wie ein Büschel junger Kiefernnadeln aussieht und bei größeren Pflanzen kugelig nach allen Seiten herabhängt gleich einem Staubwedcl. Der gebräuchliche Ausdruck ״Papynisstaude“ Nt irreführend, denn jede Pflanze besteht nur aus einem einzigen Stengel. Ihre durchschnittliche Höhe ist zwei bis drei Meter. Der Araber verwendet den Papyrus heute nur noch zur Her- Stellung von groben Matten, die er als Fußbodenbelag benützt und aus denen er Strohhütten errichtet. Er schneidet ihn mit Haumessern, bindet ihn zu garbenähnlichen Bündeln zusammen und transportiert diese auf dein Wasserweg zum palästinensischen Ufer, wo ein ganzes Dorf von der Matten- Industrie lebt. Und zwar geschieht der Transport derart, daß etwa sieben serieller Bündel zu einer Kette aneinandergebangt werden; auf dem ersten Bündel sieht der Araber wie auf einem Boot und stößt sich mit einer langen Hol/stangc, die bis zum Grunde des Sees reicht, vorwärts. Lautlos, mit bemerkenswerter Schnelligkeit gleitet ein solcher Zug über einen Teppich gelber Seerosen dahin vor der gehei!nnisvollen grünen Wand, über der nunmehr auch der ferne Libanon seine Häupter enthüllt hat. Mulisani arbeiten sich unsere Boote durch die Blätter der Seerosen hindurch bis zu einer blätterfreien Rinne; in ihr drehen wir nach rechts und fahren in den Jordan hinein. Die geheimnisvolle Sumpfwand umschließt uns jetzt von beiden Seiten; in tropischer Ueppigkeit wuchern Papyrus, Schilf, und die verschiedensten Blattpflanzen derart dicht, daß cs unmöglich ist, auch mir einen Fuß an ״Land“ zu setzen. Der Jordan ist hier etwa sechs Meter breit und schlängelt skh in vielen Windungen durch die grünen Dschungeln. Schon geben wir die Hoffnung auf, einen Landungsplatz oder gar einer! Durchgang durch die Wildnis nach Westen, zur Straße nach Metullah, zu finden. Wir baden vom Boot aus; der Jordan ist erstaunlich kühl — er kommt ja auch vom Gebirge und hatte noch wenig Gelegenheit, sich zu erwärmen. Sein Wasser ist bräunlich trübe umi seine Strömung so, daß man gerade noch dagegen schwimmen kann. Von dem berühmten Tierreiditum der Huiesümpfe sehen wir nur wenig, einige Enten, Störche, einen Adler und kleine Vögel mit blaugrütt schillerndem Gefieder. Alles andere Getier kommt wohl erst in der Dämmerung zum Vorschein, die wir aber wegen der Malariagefahr nicht abwarten können. Wir ruderten noch ein Stück flußaufwärts und als wir gerade umkeliren wollten, entdeckten wir eine kleine ausgehauene Lichtung und von ihr aus einen Pfad ins Innere, von dem man in Jessod Hamaalah nichts gewußt hafte. Wir schickten Kundschafter aus, um zu untersuchen, ob der Weg weiterführe. Sie kamen nach wenigen Minuten zurück mit zwei wild aussclienden dürftig bekleideten Kerlen, jeder mit einem unheimlichen Haumesser in der Hand. Alte Lederstrumpferinncrungen wurden lebendig, als sie plötzlieh vor uns auftauchten und dann auf der kleinen Lichtung mit uns verhandelten. Sie erzählten uns, der Weg führe f' die Boote zurück, wobei wir uns freilich nicht ganz klar waren, was wir ohne sie machen sollten, wenn uns unsere Führer plötzlich im Stiche ließen. Aber wir hatten nichts Schlimmes von ihnen zu befürchten, sie waren freundlich und führten uns gut. Nun waren mir also mitten in den Sümpfen, auf einem fußbreiten Pfad, den wohl noch kein Europäer vor uns betreten hatte. Der dunkelgrüne Papyrus, über drei Meter hoch, stellt so dicht, daß man kaum vier Meter weit durch die Stengel blicken kann, zwischen denen ein leichter Dunst schwebt. Abgestorbene Stengel winden sich wie schwarze Schlangen schräg nach oben. Die Luft ist treibhausälinlich, feucht und warm. Wir stolpern auf dem schwankenden Boden über die abgeliauenen Stoppeln und halten uns zu beiden Seiten aii den Papyruswänden fest. Nim wechselt der Papyrus mit Schilf ab; die vermoderten Schilfwurzcln sind groß wie Baumstümpfe und mit einer grauen Schicht überzogen, die nachts wahrscheinlich fluoresziert. Wenn wir die dunkelbraunen Schilfkolben berühren, fliegt eine Wolke von Samen auf wie vom Löwenzahn. Noch einmal folgt Papyrus, diesmal etwas lichter, und zwischen ihm wächst überall zarter hellgrüner Farn, lieblich umspielt von den Strahlen der Naclimittagssonne, der wir entgegengehen. Ein letzter Wasserstreifen trennt uns vom Festland. Einer unserer Araber steht bis zum Hals darin als Pfeiler für die allzu schwanke ״Brücke“, die aus einem Papyrusbündel besieht. Nur wenige kommen nassen Fußes darüber, die meisten tauchen noch einmal tief hinein in des schlammige Moorbad. In einem fußtiefen, aber breiten Fluß mit Geröll waschen wir uns und unsere Kleider, die im wannen Winde schnell trocknen. Hier sehen wir von weitem auch die berühmten Büffel, die von den Reisenden so gerne photographiert werden. Dann geben wir ins Dorf und sehen den Arabern be! der Anfertigung der Papyrusmattcn zu. Die Straile ist nicht mehr fern. In einer großartigen Fels-Szenerie fallen an einer Stelle die sonst sanften Bei^je zu ihr ab, und hier entspringt unterhalb der Straße eine starke Quelle. Mit einem erfrischenden Trunk von dem vorzüglichen Wasser beschließen wir unsere Wanderung. Palästina - Bücher Hugo Hermann: Palästina heute. Licht und Schatten. Verlag I lamatarah, Tel-Awiw (Vertrieb Bibiion, TcTAwiw). Hugo 11 c r r 111 a n 11 hat im Jahre 1933 das wohl am meisten gelesene Paiüstina-Bueh geschrieben. ״Palästina wie es wirklich ist״ erschien zu einer Zeit, als unvorhergesehenerweise «ine ganz neue Schicht von Juden sich für Palästina zu inte!essiereii begann, Menschen, die bis dahin nichts von Pake t::1 a v, uf’.Un: Sie griffen dankbar zu dem 1511 ehe Hugo Herrmaim». Heim er war ihnen «in guter Freund und Wegweiser. Mit ״roher Geduld und in freundlichem Plauderton, mit großer Liebe zur Sache und zum L.eser zugleich, verstand er cs, die Menschen in ganz menschlicher und einfacher Weise in die komplizierten Probleme Palästinas «inzttfülircn und ihnen zugleich ein lebendiges Bild des Landes und des Lebens dort 7t! 1/chen. Und aus dem einfachen und schlichten Erzählen und Beschreiben tritt dns Ungewöhnliche der Sache, das 1 in/igartige dieser Umwandlung eines Landes und eines Volkes, Gudnicksvoll hervor, bemächtigt sich unversehens des Lesers, so daß er dieses Buch mit innerster Anteilnähme 11e4־. So war es, daß Hugo Ik'irmanns Buch 193'3 vielen Menschen zum ersten Male Palästina nalit'brachte — und gleich ganz nahe. Viele waren darunter, die aus persönlichen ü! Mulen sich mit Palästina zu beschäftigen be- Kannen; oft kamen Menschen ins Land, die kaum mehr von ihm wußten, als was in Hugo 1 lerrmanns Buch steht. Auf den Schiffen war dieses Buch eine beliebte und eifrige Lektüre. Und nun ist gewissermaßen ein zweiter Band hinzugekommen: ״Palästina heute. Licht und Schaft e n“. Inzwischen hat sich der Autor selbst in Palästina niedergelassen, und das Buch ist auch in seiner deutschen Ausgabe in einem Tel-Awiwer Verlag erschienen. Ein aktueiier .Anlaß darf nicht vergessen werden: Der Autor, der selbst mehr als zehn Jahre außerhalb Palästina im Dienste des Keren Hajessod für Palästina gearbeitet hat, widmet dieses Buch dem Keren Hajessod und seinen Mitarbeitern in aller Welt zum Abschluß des 15. Jahres seines Werkes. Der Keren Hajessod-Arbeiter ist sozusagen der stiite Heid dieses Buches. Er wird charakterisiert als der Mensch, der Führer und Clialuz zugleich ist, der sicli aufreibt in einem Nomadenleben, seine Familie der Unstetheit aussetzt, von Ort zu Qrt, von Versammlung zu Versammlung gejagt, oft an einem einzigen Tage in verschiedenartigen Funktionen für Palästina arbeitend, ohne Rast und Ruhe, immer weiter arbeitet, um schließlich einmal das Ende des Exulanten zu finden, eines Menschen also, der die Erfüllung dessen, wofür er gearbeitet hat, selbst nicht mehr sehen kann, Dieser stille Arbeiter, der nicht immer den rechten Dank findet, hier ist er besungen worden. Das vorliegende Buch ist zugleich eine kleine Geschichte des Zionismus und der Palästinasiedlung der letzten Jahre. Es wird hier geschildert, wie die einzelnen Siedlungen entstanden und mit welchen Schwierigkeiten die Verwaltung des Werkes zu kämpfen hatte, da immer 711 wenig Geld da war, Probleme, vor die die Zionistenkongresse der Nachkriegszeit gestellt waren, bis die viert« Alijah neue Probleme schuf, dann die Krise und die Arbeitslosigkeit eintrat, die den Keren Hajessod zwang, sein Geld statt für Siedlung für unproduktive Unterstützung®• zwecke auszugeben, bis der Umschwung kam auf dem Kanreli von 1927 und das neue Schlagwort der Konsolidierung, s war kein leichter Heilungsprozeß. Auch nicht immer fand er das Verständnis der jüdischen Welt. Aber auch diese schwere Zeit wurde überdauert. Die Kwtizah, ursprünglich eine umstrittene Siedhmgsform, hatte verschiedene Wandhingen durchzumachen, wirtschaftlich und auch menschlich, denn zugleich mit der wirtschaftlichen Konsolidierung ging der natürliche Prozeß des Aelterwerdcns der Menschen, die vor neuen Problemen standen, die die Jugend nicht kennt. Eltern kamen, ältere Leute aus Rullland, die sich in die Siedlungen der Jungen einzuglicdcrn verstanden, auch neue landwirtschaftliche Methoden, eine förmliche Befriebsrevolufion durch Heranziehung der Combine, der großen landwirtschaftlichen Maschine, amerikanischen Ursprungs, die zugleich mäht und drischt. Und so geht es weiter durch Emek Chefer bis zum Emek Hule, diesem neuen Gebiet, das jetzt der Erschließung harrt. Herrmann findet auch scharfe Worte der Kritik für die Mifistände, die sich in der palästinensischen Wirtschaft zeigen, der wirtschaftlichen Anarchie und des Einreißens der S|y?ku• lation, die Mißverständnisse der Leute, die ohne zionistisch« Vorbereitung, nur mit Geschäftsinteressen nach Palästina kammen und die Mißerfolge und Enttäuschungen, die sieh daraus für sie und andere ergaben. Ein eigener Abschnitt ist der Einwanderung der Juden aus Deutschland gewidmet. Er weiß wohl die Leistungen und die positive Bedeutung der deutsehen Einwanderung zu werten, aber er weiß auch lim die besonderen Schwierigkeiten und oft sogar Paradoxien, di« sich aus der Einwanderung einer geistig «ft völlig lmvorbereiteten Masse, mit den ihrer Herkunft eigenen Gewöhnheilen, in der neuen Umgebung oft ergeben. Daß dabei auch die Jugcnd-Alijah und das Werk Henrietta Szolds geschildert werden, ist nur eine Selbstverständlichkeit. Das letzte Kapitel enthält den Ausblick auf die Zukunft — einen Ausblick, der nach der ganzen Natur der Sache und des Buches nur eine Forderung sein kann an die Juden, sich glücklich zu preisen, daß sie an diesem Werk der Wiedervereinigung von Volk und Land teilzunehmen gewürdigt sind. Wer dieses. Buch von Hugo Hermann in einem Zug durchliest — und es ist 80 geschrieben, daß es sich gewissermaßen von seihst in einem Zug liest — hat etwas vom palästinensischen Geist und vom Geist des neuen Judentums in sich aufgenommen. Es ist kein pathetisches, es ist ein anspruchsloses Buch, aber es ist fesselnd und von innerer Bewegtheit, Sehr gute Bilder sind beigegeben, ihre geschickte Zusammenstellung gibt oft ein plastisches Bild von den Veränderungen im Lande hn Verlaufe von 30 oder auch nur 10 oder auch nur in den zwei letzten Jahren. Palästina. 188 Bilder. Nebst einer Uebersichtskarte und einer viersprachigen Bildbeschreibung. Eingelcitet und herausgegeben von Georg Landauer. Erich Lichtenstein-Verlag, Berlin. Das von Georg Landauer vor mehreren Jahren herausegebene Palästina-Bilderbuch, zu dem damals Sven Hedln ie Einleitung geschrieben hat, war der Vorläufer einer ganzen Reihe von Bilderbüchern über Palästina. In den letzten Jahren haben wir einen Aufschwung der Palästina-Photographie erlebt, schon dadurch, daß zahlreiche Berufsphoto• raphen, darunter auch solche aus Deutschland, nach Palästina amen und das künstlerische Niveau der Photographie gehoben haben. Aber auch der große Touristcnstrom trägt natürlich zur Verbreitung des Palästina-Bildes bei, da ja die meisten Touristen ihre Kamera hei sich haben; und wer hat heute nicht einen Bekannten, der bei der Erzählung von seiner Palästinareise ein Album mit Amateurbildern hervorzieht! Wenn jetzt irr der Reihe der Palästina-Bildcrpublikationen eine Neuausgabe des Buches von Georg Landauer erscheint, so sieht man auch aus deren Inhalt den Wandel der Zeiten. Es ist nämlich ein vollständig neues Buch geworden, zusammengestellt und eingerichtet von M. P. Block. Die Auswähl des Bildmaterials kann als besonders geglückt bezeichnet werden. Es ist nicht nur photographisch in der ganz überwiegenden Mehrzahl erstklassig, sondern cs verstellt es auch, in ungewöhnlicher Weise das wirkliche bewegte Leben des Landes ividerzuspiegeln. Da sehen wir die Menschen auf der Straße und auf dem Markt, sehen sie int Gespräch und bei der Arbeit, Araber, Juden und Europäer durcheinander. Ein großer Teil der Bilder ist begreiflicherweise dem arbeitenden Juden gewidmet. Wir sehen die neuen Siedlungeti im Werden und in der Vollendung, wir selten alte Juden, die mit dem Spaten zu arbeiten lernen, Kinder beim Lernen und beim Spiel. Neben den eindrucksvollen Bildern der unberfihmtcn majestätischen Landschaft Palästinas und des dem orientalischen Charakter des Landes «־!!!gepaßten arabischen Lebens stehen die Bilder der neuen Bauten, der Industriewerke und Kinos, der neuen Synagogen und Arbeiterhäuscr. Georg Landauer hat dem Buch eine instruktive Einleitung vorausgeschickt, in der in gedrängter Form die politische, materielle und geistige Entwicklung Palästinas dargestellt wird. Der Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird hier hcrgcstcllt. Landauer erläutert sehr plastisch den Inhalt und Sinn des Mandats und erörtert dann die Frage der Fassungskraft Palästinas. 111 kluger Vorsicht enthält er sich einer ziffernmäßigen Schätzung, weist aber darauf hin, daß durch die Intensivierung der Landwirt- Schaft und durch den Ausbau der Städte die Möglichkeit einer Vervielfachung der Bevölkerung bejaht werden muß. Sehr treffend wird der Charakter des Landes mit seinen vielen Gegensätzen geschildert und schließlich noch eine Uebersicht über die kulturelle Tätigkeit der Juden gegeben. Die Einleitung Landauers klingt aus in einer Darlegung der Bedeutung Palästinas für das gesamte Judentum. Die Erläutcrungen zu den Bildern sind — wahrscheinlich aus technischen Gründen ־— in einer separat gedruckten Beilage untcrgcbracht, die in deutscher, englischer, französischer und hebräischer Sprache die Titel der einzelnen Bilder enthält, wobei einige kleine Fehler unterlaufen sind 11ml auch manche Erklärung vielleicht etwas ausführlicher hätte sein können, obwohl dies für die reine Bildwirkung natürlich ncbensächlieh ist. Von den Photographen, die am meisten schöne Bilder beigesteuert haben, seien Lou Landauer, Jerusalem, Dr. P. S. Meyer, Mannheim, Nahurn Gidalewitsch, München, Herbert Sonnenfeld, Berlin, genannt. Diese Beilage ist auch mit einer Palästina-Karte ausgestattet, in der die neuesten jüdischen Siedlungen schon eingezcichnet sind. (Schlufi des Palästina-Teils)

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