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Jüdische Rundschau · 1935-11-05 · Heft 89 (5.11.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 89 (5.11.1935)
Date
1935-11-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 89, 5. XI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 BrilaMtär״ Jüdisches Zeit-Theater (Von unserem Berichterstatter) Barcelona, 1. 11. 35 Daniel .Strauß war es beschießen, nach mehr als 400 Jahren der erste Jude zu sein, der wieder eine Rolle in der spanischen Politik spielte. Er hat diese Rolle weder zur Zufriedenheit der Spanier noch der Juden durchgeführt. Strauß, Typ des die Welt durchziehenden Empresarios, der heute in Mexiko eine Stierkampfarena pachtet, morgen in Brüssel ■einen Eispalast baut, stammt aus Holland, ist aber mexikanischer Staatsbürger. Er kam nach Spanien, um den Boxkampf Schmcling-Paolino zu organisieren. Paolino und sein Manager waren es, die Strauß auf die Möglichkeit hinwiesen, den seit langen Jahren im Dornröschenschlaf liegenden S p i e 1 s a a 1 i n San Sebastian zu neuem Leben zu erwecken, und ihn mit führenden spanischen Politikern, wie dem Stiefsohn des spanischen Ministerpräsidenten Lerroux, dem Innenminister Salazar Alonso, dem Bürgerjncister von Barcelona Pich y Pon zusammenbrachten. Es wurden Verträge abgeschlossen', auf Grund deren die Minister lind Politiker am Reingewinn des Spiels beteiligt werden sollten. Zunächst mußte aber Strauß an seine Gesellschafter zahlen: Spesen, Aufwandsentschädigungen, Gelder zur besonderen Verwendung, sechsstellige Ziffern. Als er schließlich die Konzession zum Beginn des Spiels erhielt, wurde sie nach zwei Tagen widerrufen, offenbar, weil eine vereinbarte Bestecliungssuninie nicht pünktlich abgcfiilirt wurde. Die Affäre Strauß, die jetzt zu einer Regierungsk r i s e und zur Amtsentsetzung der beteiligten Politiker geführt hat, wäre für das Judentum nur von geringem Interesse, wenn sie nicht eine Flut von antisemitischen Zeitungsan griffen in der spanischen Presse hervorgerufen hätte. So brachte der ״Debate“, die Zeitung der klerikalen Rechten, der jetzigen Regierungspartei, sofort nach Bekanntwerden des Skandals unter dem Schiagwort ״Unerwünschte Ausländer“ auf der ersten Seile einen Angriff gegen die jüdische Einwanderung, die nach der Meinung des ״Debate“ unterbunden werden müßte, da sie zur Demoralisierung des spanischen Wirtschafts- und politischen Lehens und zur Vernichtung des spanischen Mittelstandes führe. In der gleichen Nummer brachte der ״Debate“ eine wohlwollende Besprechung des antisemitischen Buches von Rene Llanas ״El Judaismo“. Die Affäre Strauß wird für die jüdischen Einwanderer in Spanien voraussichtlich noch weitere Folgen haben. Sofort nach Aufdeckung des Skandals trat ein Ministerrat zusammen, der über Maßnahmen beriet, die in Spanien lebenden Ausländer unter schärfere polizeiliche Kontrolle zu stellen. VC׳. A. Die Sorgen der Juden Polens Warschau, 30. Oktober. (JTA.) ln der letzten Sitzung des polnischen Sejm wurde anläßlich der Debatte über den Gesetzentwurf, durch den der Regierung Vollmacht zur Herausgabc von Verordnungen mit Gesetzeskraft erteilt werden soll, das Problem der jüdischen Wirtschaftsnot und der unvollkommenen Verwirklichung des Gleichberechtigungsgrnndsatzes in bezug auf die Juden von den jüdischen Abgeordneten L. Min z borg und l)r. Emil Sommerstein aufgerollt. Abg. Minzberg (Agudah) sagte u. a., er glaube, daß der Ministerpräsident, als er von den 33 Millionen Bürgern sprach, auch die 3 Millionen Juden Polens im Auge gehabt habe. Er wies darauf hin, daß die Last der erhöhter! Einkommensteuer von den kleinen Kaufleuten und Beamten werde getragen werden müssen. Dr. Emil Sommerstein (im Namen des Jüdischen Klubs) sagte, er sehe sich genötigt, testzustellen, daß die jüdische Bevölkerung Polens von t a t s ä c h 1 i c h c r Gleichberechtigung weit entfernt sei. Seit fünfzehn Jahren, erklärte der Redner, haben wir uns bemüht, die Felder der Wirtschaftspolitik zu zeigen. Oft hat Wirtschafts,mtisemitismus die Gesetze und stets ihre Ausführung beeinflußt. Mit der Losung des Kampfes gegen die Vermittlung hat man eine Verfolgung des Fi a n d e 1 s durchgeführt, ohne zu beachten, daß an die Stelle des Hamlclsstandes Syndikate und Kartelle getreten sind, und daß der kleine Handwerker zugrunde gerichtet wurde. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht schwere Not. Alte und Junge warten aussichtslos auf Arbeit und Verdienst, cs wachsen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Insbesondere äußerte Dr. Sommerstein Bedenken gegenüber dem Plan der Erhöhung der Einkommensteuer. Zum Schluß erklärte er, die jüdische Bevölkerung habe viele Forderungen an/umelden und habe Ursache, an vielen Worten und Erklärungen zu zwciteln. Doch glaube der Redner an den guten Willen der Regierung, die eine Belebung der Gesamtwirt- Schaft des Landes anstrebe. * Der Redakteur der antisemitischen Zeitschrift ״Chaslo Podwawelkic", Eduard Kowalski, hatte sich vor dem Warschauer Gericht wegen Aufhetzung eines Teiles der Bevölkerung gegen einen anderen zu verantworten. Er wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Anläßlich der Scmcstcreröffnung in Warschau \׳cranstaltcten natioualdemokratischc Studenten nach einem Festottesdienst in der St. Anna-Kirche eine antisemitische traßenkundgebung. Der Zug־ wurde vor dem Universitätsorbäude von der Polizei aufgelöst. Ein Student wurde wegen Widerstands verhaftet. Während der Kundgebungen stießen die Studenten judenfeindliche Rufe aus, in einigen Fällen wurde versucht, jüdische Passanten zu mißhandeln. Von den Studenten verteilte Flugblätter wurden beschlagnahmt. Die Notlage des polnischen Judentums wirkt sich besonders schwer auf den Gebieten der kulturellen Tätigkeit aus. Der Herausgeber der Warschauer ״Literari• sehen Blätter“, Nachrnan Meisel, veröffentlicht einen Hilferuf an seine Leser und Abonnenten, das Organ, das bereits im zwölften Jahrgang erscheint und eine starke jüdische Kultur- Position ist, nicht fallen zu lassen. Des weiteren macht Meisel den Vorschlag, die jiddische Presse soll sich der nicht minder notleidenden jiddischen Büehervcrbreitttng annehmen. Dieser Vorschlag stützt sich auf ein palästinensisches Vorbild: Die Zeitung ,,Dawar“ habe in dem Monat seit Ch. N. Bialiks erstem Todestag fünftausend Exemplare der Gesamt• ausgabe von Bialiks Werken, also zwanzigtausend Bände, verkauft. Die Vereinigung jüdischer Aerzte Wiens hat dem Bundesminister für soziale Verwaltung ein Memorandum überreicht, in dem darauf hingewiesen wird, daß seit Mai 1933 bei Ernennungen von Hilfsärzten sämtliche jüdischen Anwärter grundsätzlich übergangen werden. Wir geben nachstehenden Ausführungen eines erfahrenen Theaterfachmannea Raum, da wir sie als förderlichen Beitrag einer weithin diskutierten Frage betrachten. (Red.) Indem man die Forderung nach einem zeitnahen Theater stellt — nach einer Schaubühne, die dem jüdischen Erlebnis nahe sei —, dar! man nicht verschweigen, daß das heutige ״unaktivistischc“ Kulturbund-Th eater wahrscheinlich viel weniger von seinen ursprünglichen Absichten geformt ist als von der Gegebenheit jener Bedingungen, die in hohem Grad seinen Spielplan, seinen Stil, seinen artistischen Standard bestimmen. Seine Situation, nicht nur sein Gesicht, ist durchaus dem früheren bürgerlichen Theater vergleichbar. Dessen häufig kritisierte Zeitferne und sein schwankendes Profil mochten mit Mangel an zeitverbundenen Autoren und in diesem Sinn aktuellen Stücken, andererseits mit seiner Abhängigkeit von den bewußt vielschichtig zusammengesetzten Besucher-Organisationen begründet werden. Heute mag das Kulturbund-Theater mit dem nämlichen Hinweis aut die Produktion und mit der Aufzählung all der Realitäten antworten, die seine Freizügigkeit und seine Unabhängigkeit sehr beträchtlich einschränken. Der Direktor des bürgerlichen Theaters bediente schließlich seine Kundscliaft (hier fünftausend, dort dreißig- bis fünfzigtausend höchst ungleich geartete Abonnenten) nach dem Grundsatz seines Kollegen im Faust: ״Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“. Der Kulturbund-Intendant könnte gleichfalls Goethe zitieren: ״Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.“ Denn für beide ist das Stiicke-Reservoir nicht eine spezifische dramatische Literatur; ihr Repertoire entstammt In etwa 14 Tagen erscheint LAND DER JUGEND Das Buch der Kinder-Rundschau Eine Sammlung der schönsten Erzählungen, Aben« teuer, Erlebnisse, Lieder, Legenden, Gedichte,Spiele und Bilder aus den drei Jahrgängen der Kinder- Rundschau, der von der jüdischen Jugend stets mit Spannung erwarteten Beilage der ״Jüdischen Rundschau", vermehrt durch neue Erzählungen und Bilder. Ein Buch, an dem die Jugend selbst mitgearbeitet hat, und das ihren Geist atmet. Das schönste Chanukfcah ״ Gesdienk 112 Seiten, 155X205 mm, reich illustriert, Halbleinenhand mit mehrfarbigem Titelbild Preis nur RM 2,85 Bestellen Sie bitte bei Ihrem Buchhändler oder direkt bei dem VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU G. m. b. H. Berlin W 15 Meinekestr. 10 Postsdiedckonto der Verlagsakteilungt Berlin 71576 der vielfarbigen, vielgesichtigen Weltliteratur. Heute wie ehemals spielt man Shakespeare, Lessing, Ibsen, Pirandello, Shaw — gewiß auch Beer-Hoftnann, Zweig, Werfel: also einen vieldeutigen Spielplan des guten Geschmacks (wie man ihn ehedem wohl nannte). Freilich zeigen beide Theater nicht nur diese Gemeinsamkeit der theatralischen Manifestation. In ihrer Wirkenssphäre ist herzhaft opponierend auch die aktivistisclic Tendenz erkennbar, die noch immer vom zeitnäheren Teil der Theateröffentlichkeit dem — sozusagen: — normalen Spielplan cntgcgengcstellt wurde. Die ״Freie Bühne“ lind das ״Junge Deutschland“ waren ebenso die faktischen Ergebnisse dieser Tendenz, sie waren ebenso Beispiele des ״Zeit-Theaters“ wie manche der jüngeren eindeutig poütisehen Bühnen. Allerdings: Was die Opposition gegen den Spielplan des Kulturbund-Theaters anlangt, so kann eine ernsthafte und zwcckvolle Betrachtung nicht den eminenten Unterschied der Kausalitäten verkeimen. Die ״Freie Bühne“, das ״Junge Deutschland“, die späteren politischen Bühnen waren sezessionistischc Erscheinungen, Absonderungen vom längst dominierenden Juste-Milieu. Hingegen ist bereits der primäre Kulturbund ein Organismus aus Sezessionisten. Zwar wirkt sein Theater wie eine Reminiszenz an das alte biirgerliehe Theater; seine ״Kleinkunst“ konserviert die Reste der Wilden Bühne, des Kabaretts Größenwahn, die bisweilen mit etwas Blauem Vogel auf Russisch-Romantisch gefärbt sind — hie und da auch mit Herrnfeld-Tönen und •Mißtoncn. Es kann jcdocll nicht übersehen werden, daß seine ursächliche Bestimmung eine durchaus andere ist und daß man sich — faule de micux — die heutige Gestalt gab, weil man nicht zu seinem Spezifikum finden konnte. Der Kulturbund ist wahrlich eine beispielhafte Zeiterscheinung. Die Tatsache seiner Existenz, seine Wesenheit, sein Publikum: an Kopf und Gliedern ist er von klarster Homogenität; er ist unverwcchselhar in seiner Originalität und er ist original in seiner Einmaligkeit. Jetloch nicht sein Theater, sondern erst die theatcrwillige Opposition gegen dieses Theater ist von der ihm adäquaten Prägung. Darum fordern die Opponenten ein Theater, das gleichermaßen das Signum der Zeit, des jüdischen Erlebnisses trage wie der Bund selbst. Ein jüdisches Theater in Deutschland ist — ganz anders als das ehemalige bürgerliche Theater vor ein spezielles dramaturgisches Problem gestellt. Der vormalige Theater-Dramaturg hieß ia doch nur so. Denn seine Funktion hatte sich immer mehr von der schöpferischen Tätigkeit eines Inspirators zur verwaltenden und sichtenden Arbeit eines Lektors gewandelt. Das war eine logische Auswirkung der ״normalen“ Theatcrführung: der normale Spielplan, dessen Quellen die anerkannte Weltliteratur nebst der gültigen und sich selbst anbietenden Wcltproduktion waren, benötigte den normalen (Dramaturg genannten) Lektor, der aus Vorrat und Angebot für jede Spielzeit ein Dutzend Stücke möglichst geschmackvoll zusammenstellte. Wer die letzten Jahre des bürgerlichen Theaters etwa in Berlin tätig jnitcrlebte, der weiß es ja: daß im Anfang, auch im Anfang eines neuen Theatcninternehinens, eine Vielheit an Stücken zur Auswahl bereit stand. (Was freilich keinen Direktor, keinen Regisseur und keinen Lektor davon abhielt, jeden Durchfall mit dem Nichlvorhandensein der ״richtigen“ Stücke zu begründen.) Das Kulturbund-Theater hingegen ist der seltene, vielleicht der einmalige Fall, daß eine Bühne etabliert war — bevor die ihr entsprechenden Stücke sich zur Formung eines Spielplans zur Verfügung stellten. Es wurde gespielt —• ehe ein angemessenes Repertoire geschaffen war. Man entlehnte dem alten bürgerlichen Theater die Form und das Betriebssystem, auch dessen ״Dramaturgie“, obgleich die neuartigen und wahrhaft beispiellosen Voraus- Setzungen und Bedingungen eines lebendigen jüdischen Theaters in Deutschland eine ganz und gar neue Betriebsmethode erforderten. Hier, bereits im Stadium der Geburt, wird die Diskrepanz zwischen Leistung und Bestimmung klar ersichtlich. Man schuf eine neue Ber-!hier Serienbühne, die darin hier und dort in der Provinz nachgestaltet wurde; die Schaffung des Studios jedoch, das artistisch, geistig, produktions- und auch publikumstcclinisch das erstrebte spezifisch jüdische Theater erst vorbereiten wird, die Gestaltung einer Institution, die mit Anwendung spezieller Mittel eine spezielle Bestimmung erfüllen soll, dies ist vorerst eine Aufgabe geblieben. Zu ihrer Lösung hat zunächst der Dramaturg das Wort. Er wird die Themata zu stellen und die Autoren zu finden haben, die den Stoff lebendig — das heißt: in Inhalt und Form zeitnah, eigentlich zeit-gemäß —- dramatisch gestalten. Selbstverstündlich ist nicht ein polemisches, ein gegen irgendeine Außenwelt angehendes Theater gemeint. Sein politischer, vielleicht kämpferischer Gehalt kann nur das Vorzeichen ״t ü r“, keineswegs die Tendenz ״gegen“ tragen. Es muß um Jüdisches gehen, nicht gegen Atißerjüdisdies, und es wird sich erweisen, daß das Judentum als historisches, als geistiges, als soziales Erlebnis, daß cs an Leistungs- und Pcrsönlichkcitswertci! mannigfaltig und reich genug ist, um jedem wissenden und gekonnten Zugriff ein interessierendes Resultat zu sichern. Auf private Anregung wird soeben an der Dramatisierung des 1 lerzl-Stoffs gearbeitet. Mit dem Drcyfus-Prozcß beginnend, wird der Weg ller/ls nachgezeichnet, seine Erkenntnis, sein Kampf, seine Konflikte; die Stationen Wien, Paris, Damaskus, Basel; sein glückhafter Erfolg und dessen Ueberschueidung mit der tragischen Ent- Wicklung in seiner I amilie — ein in der Tat erregendes und ein jüdisches Drama! Wegen einer Dramatisierung von S t r i n d b c r g s Hist ori sehen Miniaturen wird verhandelt. Moses als politischer Führer ist ein anderes Thema, das sich gleichnishaft und deshalb erlcbuisnah auf dem Hintergrund eines einzigartigen Geschehens clarbietct; auch hierfür ist der Autor bereits gefunden. Entdeckt man jedoch in der Bibel und in der Geschichte der Diaspora das speziell Interessante — statt des oft verarbeiteten Allgemein-(uiltigcn —, so wird die Fülle der Objekte unaiisschöpfbar sein. Der Kulturbund hat ein Preisausschreiben veranstaltet, und er hat auch hiermit ein Hilfsmittel einer unzeitgemäßen Befriebsfonn angewandt. Denn die Suche nach einem zu prämiierenden besten Stück kann nur Erfolg haben, wenn man das Vorhandensein vieler guten Stücke, das heißt: vieler geeigneten Stucke voraussetzen darf. Die Dnunalurgie des Studios wird vielleicht ebenfalls einen!׳־reis aussetzen: in anderer Art freilich und für die ihren Zwecken am besten entsprechende Gestaltung eines ganz bestimmten Themas. An die Stelle nicht-gegebener Voraussetzungen bringt sic inspiratorisch, eine klar tunrissene spezielle Aufgabe. Aclnilich wird sie, sozusagen in eigener Werkstatt, einen Kabarett-Stil schaffen, der original Und spezifisch ist. Fs liegt aut der Hand, daß eine solcherart Neuland bauende Bühne auch publikumstcclinisch auf die .überlieferten Methoden des bürgerlichen Theafers wird verzichten müssen. Das Abonnement, das mit einer einzigen Buhne verbunden war, die Besucher-Organisationen, deren Mitglieder mehrere Theater frequentierten, konnten diesen Instituten nur deshalb verpflichtet werden, weil die Theater ihrerseits sich im voraus zur Erfüllung eines a priori aufgestellten Programms verpflichten konnten. Das Programm, dann das Publikum,, das jeweils für eine Spielzeit auf dieses Programm abonnierte, schließlich die Jajiresverträge, die den Direktoren ein oder mehrere Häuser in einer Stadt meist verpachtweisc sicherten: dies waren die grundlegenden Elemente des so genannten Stehenden Theaters, mul natürlicherweise hat das Kulturbund- Theater, indem es dessen Seele, nämlich die Dramaturgie übernahm, von ihm auch die lebenswichtigen Organe sich aneignen müssen — aut daß es lebensfähig sei. Das Studio wird sein Publikum mit anderen, ihm adäquaten Mitteln finden; insbesondere siebt es sein Wirklings!;ebnet von vornherein nicht in einer einzigen Stadt, sondern überall dort in Deutschland, wo Juden in genügender Anzahl leben. Fs ist ja so, daß die im ganzen Reich gieichgestaltden Verhältnisse lind Dascinshedingungcn die früher regional bedingte Verschieden heit und ebenso die soziale Differenzierung innerhalb der jüdischen Bevölkerung immer mehr zu einer Einheit uniscrtmelzen. Selbstverständlich wendet sich das Studio vor allem an die aktiven, lebendigen, aulbauwilligen, also an die jungen jüdischen Menschen (wobei Jugend als Geistesverfassung, nicht als Lebensgcstalfcr zu gelten hat), aber es appelliert an diese Juden in ganz Deutschland. Daraus ergibt sich, daß seine Administration vvesentlieh derjenigen des Tourneetheaters in England und Amerika oder des Filmverleihs ähneln wird, indes nur ähneln; denn wie seine Dramaturgie wird sein ganzes Befriebssvstem seiner Eigcnwilligkcit aiigepaßt und spezifisch sein. P r o s p e r o Tagung der Jewish Agency-Gremien und Jubiläumskundgebung des Keren Hajessod Im Zeichen des 15jährigen Jubiläums 11 es Keren Hajessod findet am Sonntag, dem 10. November 1035, im Brüdcrvcrcinshaus zu Berlin eine gemeinschaftliche I aguiig der Mitglieder des Administrative Committee, des Council und des Initiativkomitees der Jewish Agency in Deutschland sowie des Präsidiums des Keren Hajessod statt. Dieser 1 aguiig kommt in Anbetracht der Maßnahmen, die für eine planvolle Ansiedlung von Juden aus Deutschland in PaDisti 11a zu treffen sind, eine besondere Bcdeutung zu. I>r. Martin R o s e n bl ii t h - London, Leiter .der Zentralstelle für Ansicdhmg deutscher Juden in!,;düstina, wird an dieser Beratung teifnehmen und über die bisherigen Ergehjiisse und Erfahrungen aus seiner. Arbeit berichten. Die Tagung, die unter Leitung des Präsidenten der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Rabbiner Dr. Bac.ck, steht, sieht ferner Berichte von Dr. Friedrich Brodnitz, über: ״Die 4. Counciltagung der Jewish Agency in Luzern“ und Dr. Michael Traub über ״Die konstruktiven Aufgaben des Keren Hajessod — Planung und Verwirklichung —“ vor. Am Abend findet eine große J u b i 1 ä u m s - K u n d - ebun g des Keren Hajessod statt, auf der außer den ednem der Tagung Vertreter der zentralen jüdischen Körperschäften das Wort ergreifen werden. Hauptgeschäft: Stadtbahnhof Börse Zweiggeschäft: Wilmersdorfer Str, 83 Oegr. 1826 Bettfedern, Daunen, Inlatta, Bettwlsclie, Daunensteppdecken, Bettstellen, Matratzen imw. Für inVMKI'l

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