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Jüdische Rundschau · 1935-11-01 · Heft 88 (1.11.1935) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 88 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner Randschan NR. 88. ז. NOVEMBER 1935 JUdische Winterhilfe Die Pressestelle der Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin teilt mit: Die Organisation der Jüdischen Winterhilfe konnte erst in zwölfter Stunde in Angriff genommen und durchgcführt werden. Das hat dam geführt, daß der finanzielle Erfolg im Monat Oktober zwar erfreulich war, aber es sind noch große finanzielle Anstrengungen erforderlich, um das Werk aurchzuführen. Deshalb muß sich in den nächsten fünf Monaten die Oebcfreudigkeit der Berliner Juden äußern.!Was dazu an organisatorischen Möglichkeiten vorhanden ist, wird voll ausgeschöpft werden, lieber die freiwilligen Monat»- spenden hinaus, zu denen sich ein großer Teil der Gemeindemttglieder verpflichtet hat, werden deshalb noch Hatissamm- Jungen kommen, die unter dem Titel ״Pfundspende“, ״Eintopfapende“ una ״Allgemeine Haus Sammlung“ stattfinden werden. Die ״P f u nd s p < n d e“ ist vorläufig nicht an einen bestimmten Tag gebunden. Sie wird durch den Jüdischen Frauenbund und die ihm angeschlossenen Frauenorganisationen durchgeführt. Die ״E I n t o p f s p e n d e“ wird am gleichen Tage, an dem das ״Eintopfgericht“ obligatorisch ist, zur Abholung gelangen, also zum erstenmal am 10. November. Die ״Allgemeine Haussammlung“ Ist auf Sonntag, den 3. November, festgesetzt worden. Die Sammler der Jüdischen Winterhilfe, die ihren Dienst ehrenamtlich versehen, sind im Besitze eines L i c h t b i 1 d a u s w e i s e s, den sie unaufgefordert vorzuweisen haben. Sammler, die nicht im Besitze eines von der Jüdischen Winterhilfe ausgestellten I.ichtbildauswekes sind, sind zu Sammlungen nicht berechtigt. Iri Be tri ■eben, die über eine größere Anzahl von jüdisehen Arbeiten! und Angestellten vertilgen, wird es sich als zweckmäßig erweisen, daß die Beiträge für die Jüdische Winterhilfe durch einen Betriebsobmann gesammelt werden. Es wird gebeten, »laß sich aus jedem Betrieb, in dein mehrere jüdische Arbeiter und Angestellte beschäftigt sind, de/ Jüdisehen Winterhilfe, Roscnstr. 2 t, ein Betriebsobmann zur Verfügung stellt, der es übernimmt, die Beiträge zu sammeln und an die Geschäftsstelle der Jüdischen Winterhilfe abzuführen. Die Listen der zu Betreuenden zeigen größere Zahlen als erwartet waren. Die Sicherung des Erfolges der Jüdisehen Winterhilfe ist also ־•־ wie nochmals betont sei — mir möglich, wenn die Hohe der /«künftigen Spenden jene, die bisher geleistet worden sind, nbertrifft. Darum ergeht an alle, die geben können, der verstärkte Ruf׳. Spendei der Jüdischen Winterhilfe! Einzahlungen können erfolgen: direkt an die Geschäfts- Stelle der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, C2, Rosenstr. 2 I, an das Postscheckamt Berlin, Konto Nr. 934 1b, sowie an folgende Banken: Gehr. Arnhold, W 8, Gehr. Hermann, W 8, j. Drevfuß <V Co., W. 8, E. J. Meyer, W 9, A. fi, Wasserimnut, W 8, Jacquier & Securii«, C2. Volksbank Iwria e. G.m.b. H., € 25, Kreditverein für Handel flnd Gewerbe e,G.m.b.H., N 21. Die Zuwanderung von «luden nach Berlin Wie wir bereits kurz in Nr. St vom 18. Oktober meldeten, haben die ״Berliner Wirts chaftsbcrlehtc“ «ine Statistik über die Zuwanderung nach Berlin veröffentlicht, in der auch d ic Zuwanderung von Juden behandelt wird. Es ist interessant, einige Zahlen aus dieser Statistik festzuhalten, ln der Zeit vom 16. Juli bis 31. Dezember 1034 sind insgesamt 3011 Juden nach Berlin zugewandert, darunter 1070 männlichen Geschlechts. 1968 (50״״) der Zu- Wanderer kamen aus dem Reich, die Mehrzahl von ihnen (72 «3) aus Preußen. Auffallend viele, 216 an Zahl, stammen aus Schlesien. 35 ״, kamen aus Gemeinden unter 50 00(1 Einwohnern. Aus dem Ausland kamen 13 iS (36°,״) Juden. 425 Juden (11 <•(,) kamen aus dcm AndanJ, ohne daß etwas Genaueres festgestellt werden konnte. Bei den aus dem Reich kommenden Juden ist cs klar, daß ca sich um diejenigen handelt, die infolge der Wirtschaftliehen Verhältnisse sich nicht mehr in den kleinen Orten halten können. Bei den aus dem Ausland kommenden Juden handelt es sich um Rückwanderer, die im Ausland keinen festen Fuß fassen konnten, Geber die liälfte hat sich nach der Statistik im Westen Berlins niedergelassen, und die Statistik will hieraus schließen, ״daß der gröbere Teil der Zugc/ogenen offenbar den Kreisen der wirtschaftlich besser gestellten Juden an gehört'‘. Von den Rückwanderern aus dein Ausland seien folgende Zahlen wiedergegeben: Die meisten kamen aus Frankreich (228), 141 kamen aus der Tschechoslowakei, 112 aus Polen, 126 aus Lettland, 112 aus Holland, 87 aus England und 67 aus Palästina. Die Statistik stellt bei dieser letzten Kategorie fest, daß 38 von diesen Palästina-Rückwanderern (also #52 0 0) aus Trl-Awiw, Haifa und Jerusalem kamen, also aus den städtischen Siedlungen. Interessant ist auch die 1׳ a in i I i t!1 - S t a t i s t i k. 1251 der aus dem Ausland Kommenden sind als Einzelpersonen gemeldet, 2% im Fanlilienverband. Es entfallen also auf eine nach Berlin gezogene Familie 2,6 Personen. Die Statistik bemerkt^ hierzu: ״Die geringe Stärke der zugezogenen jüdisehen Familien dürfte sich daraus erklären, daß bei der Rückwanderung häufig nicht alle Familienmitglieder nach Deutschland zurückkamen.“ Dr. Gutmann scheide( aus dem Schuldienst Zum 1. November ist der bisherige Schuldczcrnent der Berliner Jüdischen Gemeinde, Studiendirektor i. R. Dr. Outmann, aus seinem Amt geschieden, das er seit 1933 ehrenamtlich verwaltet hat. Dr. üutmann hat lange Jahre hindurch Im Schuldienst der Jüdischen Gemeinde gewirkt; insbesondere hat Cr als Direktor der Mittelschule in der Gr. Hambürg er Straße als Nachfolger Holzmanns wesentliche* für die Fortentwicklung dieser Anstalt geleistet. In seiner Amtszeit als Schüklezernent lag ihm die schwere Aufgabe ob, das jüdische Schulwesen auf eine neue und breitere Basis zu stellen. Seine pädagogischen Erfahrungen und seine Teichen Kenntnisse ermöglichten es ihm, diese Aufgabe im Rahmen des möglichen zu verwirklichen. Wenn auch noch nicht alle Wünsche erfüllt sind, die die jüdische Oeffentliehkeit in bezug aut unsere Schulen stellen muß, so ist doch in den letzten zwei Jahren ein gutes Stück Arbeit geleistet worden, für die nicht zum geringsten l>r. Gutmann Dank und Anerkennung gebührt Aus dem geistigen Leben Pie Arbeit der Bialik-Lehrstätte beginnt Am 30. Oktober eröffnetc die L e h r s t ä 11 e €11. N. Bialik der BZV. vor einem überaus zahlreichen Hörerkreise im großen Saal der Loge, Kleiststraße, das Wintersemester. Ein verheißungsvoller Auftakt, von dem man hoffen möchte, daß er ein Zeichen für die Lernbereitschaft auch in den kleinen Arbeitsgemeinschaften sein möge. Vor Eintritt in da» eigentliche Thema des Abends hielt S. T *chertok eine programmatische Rede über die Kulturarbeit nicht allein der Zionisten, sondern aller Juden in dieser Zeit. Inhalt und Form der jüdischen Kulturarbeit seien uns durch die Zeit aufgegeben: es gelte, einen eigenen jüdischen Bezirk zu schaffen. Und die Aulgabe sei, dieses innerlich müde Volk der Juden zu seiner Wiedergeburt fähig zu machen. Die Lchrsfätte lehre nicht eine ״Parteiwissenschaft“, sondern sie versuche, ein totales jüdisches Weltbild zu vermitteln. Insbesondere ist das Problem der hebräischen Sprache in den Mittelpunkt der Arbeit gerückt, das heute kein zionistisches Problem mehr sei, sondern ein allgemein jüdische*. Es gehört mit zu den kultureilen Aufgaben unscrcr Zeit, zur Gemein Schaftsbildung zu gelangen in einer jüdischen Gesellschaft, die ohne Qcscliichtsbcwußtsein ist. Darum hat sich die Lehrstätte die Aufgabe gesetzt, das geschichiliche Gefühl unserer Menschen wieder zu beleben und ihnen jüdische Geschichte so zu vermitteln, daß sie ihnen zu einer vertrauten und wesenseigenen Sache wird. Und endlieh ist notwendig die Herstellung einer engen Verbindung mit dem Aufbauwerk: die Oaluth muß die Probleme Palästinas kennen, um am jüdischen Leben teilnehmeti zu können. F>ic eigentliche Arbeit wurde sodann mit dein ersten Vortrag des Geschichts-Zyklus von Dr. Joachim Prinz aufgenommen, in dem er sich zur Aufgabe gesetzt hat, <«eschichte auf eine neuartige Form zu vermitteln. Es soll nicht nur wie üblich erzählt werden, sondert! in den Mittelpunkt der Darstellung rückt das Lichtbild. An diesem ersten Abend versuchte Prinz durch eine große Zahl sehr schöner lind den meisten natürlich schwer zugänglicher Bilder (das Jüdische Museum hatte sie bereitwillig zur Verfügung gestellt) das Wesen derjenigen Kulturen, mit denen das alte Israel in unmittelbarer Berührung stand, also insbesondere der baby- Ionischen und ägyptischen Kultur, plastisch aufzubauen. Das Ziel war zu zeigen, welche ungeheuren kulturellen Dintcmsionert damals bereits das Leben jener Völker gehabt hat, und begreiflich zu machen, welche Eindrücke auf die mit diesen Kulturen in Berührung kommenden Juden notwendigerweise einstürmen mußten und welche Folgerungen für die geistige Haltung des Volkes sich daraus ergaben. Für Mensehen, die die alte jüdische Geschichte nur aus der Bibel kennen, ist diese synoptische Betrachtung zweifellos eine wichtige Ergänzung und Erweiterung ihres Geschichtsbildes. Darüber hinaus werden die folgenden Abende wahrscheinlich dem Bewußtsein der Hörer noch näher stehen, wenn die Realien der jüdischen Geschichte in! Lichtbild behandelt werden, also der Versuch gemacht wird, au? Grund der erhaltenen Urkunden und der ausgegrabenen Zeugen jener Zeit das tägliche Leben eines Juden der Antike, seine Art, seine Kleidung, seine Wohnung, seine Sprache, kurz alles das, was ein Geschichtsbild erst zu vervollständigen vermag, zur Darstellung gebracht werden wird. Schon an diesem Abend war festzustellen, wie außerordentlieh stark dieser neuartige Versuch auf die Hörer wirkte und welche Fülle von Anregungen eine solche Geschichtsdarstellung zu vermitteln vermag. Daß sich bei dieser Form der Wissens- Übermittlung notwendigerweise Lücken oder zuweilen allzu allgemein gefaßte Bewertungen ergeben, ist nur natürlieh und wird zweifellos durch das Positive dieser Lehrmetliode ausgeglichen, Stürmischer Beifall dankte dem Redner für seine Ausführungen. Aber er galt sicher auch der Lehr- Stätte, die sich mit dieser eindrucksvollen Form der Arbeit ein Verdienst erworben hat. Dr, N. Orthodoxie und Zionismus — ein Bekenntnis Am 29. Oktober fand sich eine nicht allzu große, aber sehr verständnisvolle Hörerschar im Großen Saale des Logcnliatises Kleiststrafte zur Eröffnung des Rambam- Lehrhause* ein. Rabbiner, 1 «Irrer, Studenten und Seht'!- ler aus dem ״Bachad“. Rabbiner Dr. Altmann eröffnetc das neue Semester. Atu dem Arbeitspläne erfuhr man, daß das Lehrhaus sich neben den Vorträgen und Lerngc-incinschäften, die hier in Berlin selbst das alte ״Lernen“ wieder pflegen sollen, die wichtige Aufgabe gestellt hat, den kleinen Gemeinden eine Reihe von diesen Vorträgen und Lerngemeinschaften zu übermitteln — was gerade heute gewiß ein höchst notwendiges und dankenswertes Unternehmen ist. — Dann nahm der Redner des Abends, Rabb. Dr. Hoffmann, Frankfurt a. M., das Wort zu seinen Ausführungen über ,jDas gesetzestreue Judentum der Gegenwart. Erbe und Verpflichtung.“ 111 großen Zügen entwarf er zunächst ein Bild von den Wandlungen des Judentums in Deutschland im 19. Jahrhundert. Während in den Jahrhunderten vorher die verpflichtende Kraft der Sinai-Gesetze außer von einzelnen Sekten fast niemals angezwcifelt worden war — noch Moses Mendelssohn Spricht von der Verbindlichkeit der Ge¬ Die Aktion für die Szold - Siedlung wird beendet Wir bitten alle Mitarbeiter, die am 27. Oktober nicht zu Hause ange• troffen wurden, die ln Ihren Händen sich befindenden SammeKBIocks, die gesammelten Beträge und die eigenen Spenden an den KKL abzu« (Uhren, Postscheckkonto: Keren Kajemeth LefIsrael Berlin 28247 KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Sekretariat für Groß -Berlin setze bis zu einer neuen Offenbarung — glaubte das 19. Jahrhundert, in der erhofften und spater׳ erreichten politischen Gleichberechtigung der Juden diese neue Offenbarung gefunden zu haben. Das Pflichtenleben des jüdischen Gesetzes erschien nun nur noch wie lästige Fessel. Ziel war: die Aufhebung des ״Zeremoniellen“ und die Ersetzung durch eine rein rationelle und universalistische Ethik. Aber es gelang dieser Zeit nicht, ein neues Voll-Judentum zu schaffen. Ein Erbe aus diesen Tagen sind uns noch die vielfach«! ״Judentümer“ des 19. Jahrhunderts von der Reformbewegung bis zur Austritts-Orthodoxie. Daneben standen die National-Juden mit ihrer gleichfalls verschiedenen Haltung gegenüber dem Rcligkmsgesetz. Hoffmann sicht die Gründe dieser Entwicklung zunächst in opportunistischer Erwägung, der erst später philosophische Rechtfertigung folgte. Diesem Geschleckte war es nicht möglich, die Jugend dem Judentum zu erhalten. Da vollbrachten die Männer der Treue die von jedem jüdisehen Standpunkte aus rettende Tat: sie zeigten, daß die volle Entfaltung eines jüdischen Lebens auch nach der Emanzipation noch möglich sei. — Heute sind nun grundlegende Veränderungen eingetreten — Begriffe sind über Nacht verschwunden, die wir featbegründet glaubten. Aber die erwartete Stärkung des gesetzestreuen Judentums hat sich nicht vollzogen. ״Ja - Sagen zum Judentum“ heißt noch nicht ״Ja - Sagen zu den religionsgcseU.lichen Forderungen des Judentums“, Worin begründet sich dieses versagen? — Vielleicht in der allenthalben Herrsehenden Unkenntnis der religiösen Quellen; vielleicht auch in der Atomisierung des Judentums. Aber das gesetzestreue Judentum lud in den letzten Generationen auch selbst eine historische Schuld auf sich. Es hatte sich die Terminologie der Westjuden zu eigen gemacht und leugnete das Volkstum der Juden — es stand abseits, fremd dem Aufbau Erez Israels gegenüber. Wenn die Gesetzestreuen auch den politischen Zionismus nblehnten — warum haben sie sich nicht selbst — und längst schon! — am Aufbau Palästinas beteiligt? Zumal Ihnen Rabbi Zwi Kalischer schon vor 100 Jahren nachgewiesen hatte, daß die Hoffnungen auf den Messias und der Aufbau Palästinas nicht einander widerstreben — sondern geradezu einander bedingen. Auch um die Pflege des lebendigen Hebräisch haben sie sich viel zu spät erst bemüht. Ernst und nachdrücklich kam hier von einem gesetzestreuen Rabbiner das Bekenntnis: auch das gcsetzestreue Judentum trägt mit an der Schuld, daß heute der Gedanke Erez Israel nicht noch viel mehr Menschen erfaßt hat. Dies ist unser Erbe und unsere Verpflichtung: au» den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. ״Gott lieben“ — das heißt nach dem Ausspruch unserer Weisen: für ihn wirken in jedem Augenblicke unsere» Lebens. Aller den vordersten Platz bei dieser Arbeit inuß heute die Arbeit für den jüdischen Aufbau von Erez Israel einnelimeai. B. B. St Eröffnung des Wintersemesters der Lehranstalt Veränderungen Im Lehrkörper Am Montag vormittag erötfnete die Lehranstalt für die Wissenschaft des Juden tum 9 das Winter- Semester. Der Vorsitzende des Dozentenkoliegiums, Prof. Elbogen, begrüßte die zahlreich erschienenen Hörer und gab sodann die wichtigsten Veränderungen im Leben der Lehranstalt bekannt. In materieller Hinsicht wird eine Neuerung insofern cintreten, als künftig H ö r e r g e b ü 11 r e n erhoben werden. Der Lehrkörper der Anstalt hat entscheidende Umstellungen erfahren. Prof. G 111 m a n n hat nun endgültig den Ruf der Universität Jerusalem angenommen, nachdem er nahezu 15 Jahre an der Lehranstalt gewirkt hatte. Für ihn ist in das Dozentenkollegjum Rabbiner Dr. Max Wiener berufen worden. Der Talmiiddozent der Lehranstalt, Dr. Chanocii Albeck, hat einen einjährigen Urlaub nach Te 1- A wi w erhalten. Für ihn übernehmen Dr. Kahanc und Dr. Alexander G 1111 m a!1 n die Vorlesungen und Prüfungen. Ferner wird über Talmud Abraham Weiß'aus Warschau im Januar einige Gastvorlesungen halten. Als Dozent für Bibel- Wissenschaft ist Dr. Sistcr ernannt worden, der bereits seit Prof. Torczvners Fortgang an der Anstalt gewirkt hatte. Die Tatsache, daß vielen jüdischen Studenten heute der Zugang zur Universität versperrt ist, veranlaßt* die Lehranstalt, nunmehr endgültig allgemein־ Wissenschaftliehe Vorlesungen einzuführen. Dr. Metzger wird das Fach der Philosophie vertreten, Hans Friedländer liest über Psychologie, Prof. Eugen T ä 11 b I e r, Heidelberg, wird eine Vorlesung über Prähistorie abhalten, und Dt. Bernay, Freiburg, wird das europäische Staatensystem behandeln. In einer kurzen wissenschaftlichen Darlegung zeigte Prof. Elbogen, welche Bedeutung die allgemeine Wissenschaft für die Wissenschaft des Judentums besitzt und daß es kein Karäertum bei uns geben dürfe, das sich von der Welt ab•■ sperre. Wir brauchten den lebendigen Zusammenhang mit den Ideen der Zeit, 11m wirklich wissenschaftlich arbeiteh zu können. Vieles von den humanistischen Ideen, aus denen ursprünglieh die Wissenschaft des Judentums erwachsen ist, sei heute überwunden; nicht überwunden aber sei die Kultur der Persönlichkeit, die über die eigene Enge hinanswachscn wolle. Bildung sei zu erstreben,'nicht Oe- Ehrsamkeit. Wenn wir heute vor der Aufgabe stünden, eine eigene jüdische Kultur zu schaffen, so könne dies nicht bedeuten, daß wir tms vom europäischen Ödst zurückziehen. Mit modernen Mitteln muß dieses neue Leben aufgebaut werden. So wie Palästina nicht auf die Hilfsmittel der modernen Technik verzichten könne, so könne auch der geistige Aufbau in Palästina nicht auf die modernen wissenschädlichen Erkenntnisse verzichten. Nur auf der Gesamtheit aller Ideen des Judentums könne Palästina aufgebaut werden. N. Zur Situation der «luden Eine Wizo-Veranstaltung In einer zentralen Veranstaltung aller Gruppen der Frauen •Arbeitsgemeinschaft für Palästina nahm am 28. Oktober S. Adler-Rudel in klaren und überzeugenden Ausführungen eine ״Soziale Bestandsaufnahme der Juden in Deutschland“ vor, Obwohl sehr vieles auf Schätzungen beruhe, könne man doch schon heute ungefähr sagen, wo wir stehen. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Judentum hierzulande nicht aus eigener Kraft erhalten, sondern allein durch die Zuwanderung. Heute bestehen ein enormer Sterbe Überschuß und ein bedrohliches Oeb 1! rt e n m i n 11 s. Die U eberalter ung ist weit vorgeschritten: von den noch in Deutschland lebenden 440 000 Juden dürften mindestens 50 0/0 über 45 Jahre 8.1t sein. Nicht ganz 200000 von ihnen sind erwerbstätig bzw. erwerbsfähig,

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