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Jüdische Rundschau · 1935-11-01 · Heft 88 (1.11.1935) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 88 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr 88 1 XI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 17 BRIEFE AN DIE REDAKTION Der Aeratebedarf Palästinas rd-Awiw» «Jen 23׳ Oku 1935 Sehr geehrte Redaktion! In Nr. 79 der ״J. IU“ findet sich ein AuLatz über die Kupath Cholim (Arbeiter-Kranken- Lasse), dessen SehlulSabsttz jü־ dischc Acrzte uuftcthalh Palästinas zu iaUehen Schlüssen und Kntselilüssen verleiten Winnie. Es heilSt darin, daiS sich die Kupath Cholim gegen die Auffassrung wendet, daß cs in FaH'tina ru viele Acrzte gäbe, und es wird betont, daß die Kupath Cholim auch weiterhin noch Bedarf an Aer/ten habe. Zunächst einige objektive Fest- Stellungen: Von den 1000 judisehen Acrzfen, die in den letzten 2J4 Jahren ins Land harnen, konnten bloß 100 Aerzu* bei der Ktrpath Cholim Anstellung finden. Und sehnf dksc sind zürn allergioßten Ted nebenamtlich beschädigt (/utneist unter vier Standen täglich). Aus den Reihen der 900, von der Kupath Cholim nicht aulgenommenen Acrzte bewerben sich bei jeder Stellenaus-chreibung bis zu 20 bis 30 und noch mehr Actzte (aus einem Fach), <l;<Ti1t1tcr sehr quaiüi/irrtc Krittle. Fiele von ihnen, die jede Steile iinnchmcn winden, warten schon 1—2 Jahre vergeht ich auf eine Anstellung. Wenn mancher Spezialist im einem chirurgischen Fache die Privatpraxis einer Canzhig •praxis (mit Verbot der Privatpraxis) vorzicht, so erklirrt sich das (furch die Arbcits- und Gehaltsbedrngungen innerhalb der Krankenkas-c. Würde die Kupath ('hoüm ihre Arbeitsbedingungen dem Lebensstandard der palästincrvdschcn Bevölkerung anpasseii, würden zweifellos zu den vielen, sich vergeblich tun eine Stelle bemühenden Acr/.ten, bcsonders qualifizierte Bewerber um Ganzeigsstellen hinzukointucn. Obwohl in Palästina auf etwa 300 (jüdische) Seelen ein jiidb scher Arzt fällt, wendet sich die Jüdische Aerztc-Organisation La• bist Inas immer wieder gegen jede Beseliriinkmtg der Zulassung zur ärztlichen Praxis. Andererseits gebietet es das Gefühl der Vor• antwortung gegenüber den jü* dhr htm Aerztcn im Audande, cs zu verhindern, daß sie llnt- .scldd^e auf Grund von illut• sonsehen I Inf fnungen fassen. M it vorzüglicher Hochachtung I fi-tadriidi Refuith Iwrith (Jüd, Med. Vereinigung) l)r. R a b i n o w i t z, Sela. RcligionsgcsetzIUhe Anfrage Dresdcn־A., den 27. Okt. 1935 Verehrte Redaki ion! Unter ..Religio׳' ge-<’1 zlichc Anfrage“ in Nr. 86 gilt cs für Herrn de Wies ah feststehende Tatsache, daß die serli-stiind ige Wartezeit zwischen dem Genuß von Fleisch und Milch nicht auf e:ner llalacha, sondern auf Uebcrtrcibung beiuht. ]־11־ heimdet sich durchaus im Irrtum. Der ,,Ki/.zur-Schuir ha 11- Anu11־“, dessen Autorität von keiner Seite angiv. weilclt wird, schredbt tti Kapitel 46 Abs. 9 auviriiektirh diese Wartezeit vor. Wenn in Holland angeblich eine küirere Uhu kv.cit geübt wird, so hande lt es sieh entweder um Kranke, <dcnen die Uebortretung die-er Vot- <;e!.'•;׳ t »unlrii ist, oder aber um Juden, welche die SnrjNt-ge^et/.e nicht vor>chiilUmii ßig beobachten. S» halom! Hermann Markus Humboldt und die luden Riga (Latvia), d. 27. Okt, 1935 Redaktion der J üd Ischen Ru nd sch au“ Berlin Der Artikel ״Verändertes GeschiehMühi“ (..j. R,“ Nr. 86) dürfte leicht heim I)urclw:hmttsjeser den Kindruck erwecken, als handle es sich bei der Umwertung des 1 Iurnbold? •«dien Geschichtsbildes tatsächlich um eine ,,neue Erkenntnis“ der allerletztcii 9 age. ln Wirklichkeit hat uns Dubnow in seiner ,,Alfgemeinen Geschichte des jüdischm Volkes“ ein derartig plastisches und eindeutiges Bild vorn Wirken des ״Departeincntdirektors für Bildung und Kultus“, Humboldt, sowohl im Sitme seincs ״romantischen Idealismus“, als auch nicht minder in der Tendenz einer resttmd st hon11ngslo>rn Atomi-ierung der dein selten Judenhcit gegeben, daß diese zu den!angst ins rechte Licht, gestellten gerechnet werden muß. Scha Ion!! Seidctnafin Die Jahreszahl Bad Nauheim, 25. Oktober 1935 In Nr. 83 wird darauf aufmerk-am gemarkt, daß die jetzige JuhiC'zabl תרשנ״ר an das Motto Hcrzls: ,,Wenn ihr wollt, ist es kein Märchenאם חרצו אין זו אגדה.‘־ erinnert. Ich möchte darauf hüiwciscn, daß gerade die Bc- Zeichnung dieses Jahres תר צ ״ו durch Umstellung der einzelnen Buchstaben sich besonders zur Bildung neuer Wort formen eignet, wie dies aus folgendem Spruch zu crsc-hen i-t: אם לא חךגו דד^רית׳ וןךין »ת רן3ף לי?,? אל ק?יז* In diesem Spruch, in dem jeder, um der Not dieser Zeit zu entgehen. a ufgc i ordert wird, sein letztes Hab und Gut zusammcii/unehmen und nach Erez Lracl zu gehen. enthalten die vier Wörter ו$לח׳ ןדות׳ קלצי (5. Mo>e 14, 25) utul ftור tlie-clben Buchstaben, wie die jetzige Jahreszahl תרצ״ו■ Bekanntlich haben sich bc-oDder•, die jüdischen Mv-likur hei ihren Buchstaben- und Zahlendciüungcn an וחי־ vci-1 .׳ ncdeio!en Stellen der Bibel saldier und ähnlicher l ’in-tc!lungen bedient. } iochachtting-voli I)r. Leopold F r i n s t c i n In den Wintenmonaten werden unsere Schalter am Freitag stets eine halbe Stunde vor dem Beginn des Schabbat geschlossen. Ein neuer Sdiabbat-Vormittag-Gottesdienst. Nach seiner vor etwa IO Jahren in Berlin zu (jehör gebrachten neuen Freitag-Abend-Liturgie legt j. Dyinont nun eine Schabbat-Vorn1ittag־-Liturgic für die ■orgellosen Synagogen vor. Er vollendet damit ein Werk, über dessen Notwendigkeit gerade heute kein Wort mehr zu verlieren ist; denn die Musik, die immer noch in unseren Synagogen gemacht wird, entspricht nicht mehr dem musikalischen und noch viel weniger dem jüdischen Empfinden der Betenden, der Jugend aber bedeutet sic überhaupt nichts. Dymont geht, wie beim Abendgottesdienst, wieder von dem alten Nussach (das ist: Melodie) aus, wie er sich im Osten herausgebildet hat. Er mischt den überlieferten Chasanuth mit c 11 a s s i d i s ch e 1! Elementen, in denen sich Her״{•- brachtcs mit musikalischen Einflüssen der Umwelt findet. Manchmal klingen die Ncginoth durch. Das alles ist in einer großen Linie /usamrneiigefaßt und einheitlich gestaltet, wobei naturgemäß, noch dazu bei!!!!begleitetem Mannerchor, eine gewisse Einförmigkeit schwer vermieden werden kann. Aber der H a ti p t w e r 1 dieser I .iturgie ist ihr j ii d i s c I! e r Geist, i 1! r e jüdische Gesinnung. Und darum ist auch dieser Versuch sehr zu begrüßen, eine neue jüdischkultische Musik zu schaffen. Denn formell ist der Aufbau dieser Liturgie vorbildlich. Das ganze Schacharith-Oehet hat bis zur Schemona-Esra einen einheitlichen Nussach, der unschöne Omen-Gesang ist beseitigt, würdige Bestätigungen des Gesagten durch die Kehilla treten an Steile der angewöhnten. Die Totalität ändert sich dann grundlegend, ein klares F-Dur tritt hervor, auch hier die Bedeutung widerlegend, daß der Moll-Charakter ein Hauptkennzeichen der jüdischen Musik (man verwechselt Moll in it Kirchentonarten) ist. Naturlieh ist der westeuropäische Einfluß zu spüren, noch gibt es manche alterierten Akkorde und manche Sätzchen, die in der musikalisch-romantischen Vergangenheit wurzeln, aber das bedeutet wenig im Vergleich zu den besonders gclungcnen Stellen, wie das ״alla dan/a“ bei ״w’cnenu tliir’cnah“ in der Keduschab, das so glücklich den Chassidim abgelauscht scheint, oder das ״w’schomru“ in seinem einfachen Stil, ohne Takt in transponiert phrygischer Tonart. Auch beim Ausheben findet sich etwas sehr Bedeutsames: Dymont läßt das Sch in a Jisrael nach der feierlichen Bcracha, der vom Schofarblasen und der von ״Schechcjonu“ am Jom Kippur singen und benutzt das Motiv durchgehend fiir diesen ganzen Teil. Von Summstimmen ist häufig Gebrauch gemacht, besonders kunstvoll hei ״Jelii ro/on milfanecha“. Dr. O s k a r G ultmann Literarische Notizen Ch, N. Bialik hat bekanntlich auch eine Reihe jid* discher Gedichte geschrieben und einige von seinen wertvollsten hebräischen Gedichten, z. B. ,,In der Stadt des Würgens“, aber auch Verse anderer Autoren, darunter eine Zionidc tmd die Meergedichtc Jeliuda Halcwis und Heines ,,Prinzessin Sabbath“ ins Jiddische übersetzt. Diese Gedichte sind 1922 in einein von Bal-Mactischowes eingeleiteten Band in Berlin erschienen. Jetzt hat der Jüdisch-Nationale Arbeiter-Verband in Michigan (Ohio) eine jiddische Gesamtatisgabe von Bialiks Werken in zwei Bänden herausgebracht. Als Herausgeber zeichnet J. J. Schwarz, dem auch die Mehrzahl der Uebertragungen zu danken ist. An Stelle der unzureichenden Einführung der Berliner Ausgabe steht hier ein großer, erschöpfender Essay von dem bekannten jiddisehen Kritiker und Literarhistoriker S. Niger, außerdem enthält die Gesamtausgabe noch Bialiks Autobiographie. Selbstverständlich sind Bialiks eigene Uebertragungen auch hier verwendet, sie nehmen mit den jiddisch geschriebenen Versen eit! Fünfte! des Werkes ein. Ferner hat Schwarz außer seinen und des Dichters eigenen Uebersetzungen solche der besten jiddischen Dichter wie Abraham Reisen, A. Ließ!!!, Salman Schneur, Mani Leib, S. Ginsburg und Majofis aufgenommen. Schwarz seihst ist mit eigener Lyrik und mit wertvollen Uebertragungen von Jehuda Halevi, Ibn Esra und Gabirol ins Jiddische bekannt geworden. Zwei neue russische Filme behandeln jüdische Themata. Der eine, ״Biro-Bidjan“, schildert das Leben der jüdischen Einwanderer in dieser Gegend der Sowjet-Republik, der andere die Entwicklung der besten russisch-jüdischen Bühne und heißt ״Fünfzehn Jahre Moskauer jüdisches Theater“. Auf dem jiddischen B ü oliermarkl ist eine Hausse von Memoiren fest/ustclien. Nach den Lcbeiiserinnerungen Professor Simon Dnbnows, des Altmeisters jüdischer Geschichtsforschung, erscheinen die ״Episoden aus meinem Leben'• des Dichters Abraham Reisen bei Klet/kin in Wilna. Das W erk umfaßt fünf Bande, von denen die beiden letzten, ״In Amerika" und ״Durch den Weltkrieg״ demnächst folgen werden. - Der Verlag der literarischen Blätter in Warschau gibt Pere/ H i rs c I! b e i 11 s ״Meine Kinderjahre.“ in neuer Auflage heraus. - Der erste Band von Dr. Chajim S c h i t 1 o w s k i s ״Erinnerungen meines, Lebens" ist zum 7(1. Geburtstag des Autors von einem amerikanischen Komitee zur Feier des Jubilars veröffentlicht worden. -- Ebenfalls in Amerika erscheint eine Anthologie autobiographischer Jugendgesch: kten von Bialik. l.ießin. Schalem Alejchem, David Pinski, Pere/ Hirschhein, Abraham Reisen, Leon Kobrin, Mani Leib, Samuel Niger und Joseph Opatoschu. — Von besonderem Interesse dürften die Memoiren der f rau Percz-Laski sein, die jetzt in einem kleinen Bändchen erschienen sind. Die Autorin ist eine Verwandte von J. L. Perez, die im Hause des Dichters gelebt hat. Sic beschreibt mit ergreifendem Realismus des Dichters häusliches Leben, die traditionserfüllte Atmosphäre dieser Häuslichkeit, deren tragische Verwicklungen Perez zu uherhriickeu versuchte. Sein unglücklicher Sohn, der vom Schatten des großen Vaters sich ständig verfolgt wähnte, seinen Haß gegen den Vater schließlich auf das Judentum übertrug und auf die Verehrung, die seine kranke Frau dem Schwiegervater entgegenbrachtc, bis zum Wahn eifersüchtig wurde, sich abschloß, sich ״wie ein Engländer“ kleidete und mir englische Biichcr las, der Enkclsohn. ein strahlendes Kind damals und die große Freude des ״Alten“, heute längst erwachsen und eiern Judentum weit entfremdet, der im Gegensatz zu Perez, dem Heiter-Offenen, finstere getreue Freund J. Dirensohn, diese und andere Figuren aus dem Alltag J. L. Perez׳ und vor allen! er selbst leben in dem Buch der sich dankbar Erinnernden von neuem auf. Im Waklorff-Astoria-Hote! in New York fand kürzlich zu Ehren Max Reinhardts, der jetzt amerikanischer Bürgcr ist, ein Bankett statt, an dem 500 hervorragende Per- Ähnlichkeiten der New-Yorker Kuiistwelt und Gesellschaft teilnahmcn. Dabei wurde erklärt, Reinhardt würde gelcgentlieh der New-Yorker Wc'taiisstelliing 1030 New-Yorkcr Festspiele nach dem Salzburger Vorbild inszenieren. Die Urauffülirung von Frau/ Werfels (hier zuerst veröffentlichtem) Drama ״Der Weg der Verheißung“ mit Kurt Weills Musik in Reinhardts his/enienuig, deren Proben bereits im Gange sind, ist für Ende Dezember vorgesehen. L. H. Die (iäsle sclz.li'n sich jn die .N—el rings uni den Tisch und kelirlm vvieileT zu ihrer gewohnten Konzentration zurück. »Nassem begann in sachlicher und trockener Tonart: ״Ingenieur Agar! Du List wirklich des Beinamens eines ,l’ionii rs des Oedlnnds‘ würdig. Alter, wenn du auch der erste warsl, der seine I\ ra101ון>1'ו len und die in ihm verborgenen Möglichkeiten genlirit hat, so haben doch auch wir nicht ״ezögert, dir auf dimer Spur zu folgen und große Summen zu investieren. M ir bnlxm Baumul luduslrieimlernehmiingen errichte(, hallen grolie Bodenfläeiim erworben. Heute pflügen bereits hundert Trnkloreu den Erdboden \11״ Teura, in der Bielilting nach dom Innern des Oedlands. Heute stellen 1k!- reils fünfhundert Brunnen bereit und in der nächsten Zeit werden wir ihre Zahl verdoppeln. \ on der Kraflipielle. die dir zur Verfügung sieht, hängt es mm ab, daß die Brunnen von morgen au ihr M’asscr zu heben beginnen, und die Fabriken mit ihrer Arbeit cinsetzen. Das Kapital wird dann vor keiner rentablen Anlage im Oedland /,urüekselireeken, und deine elektrische Kraft. Agar, bis zum letzten ausnützen.“ Nassem batte seine M’orte mit einem freundlichen Kacheln beendet. Die Tafelrunde befiele ihre Blicke auf Agar, der seine Gäste auch seinerseits mit ruhigem, prüfendem Blick übersah. Agar, der sich bis heule auf die Arbeit, gestützt halte, wußte wold, dal.'* Arbeitslager allein zur Durchfülmmg des Merks im Oedland nicht genügen. Er genoß freilich die Unter- Stützung einiger (Iroßkapilalislen, die an dem külinen Plan, das uralte Ocdlnrit] in ein Kulturland zu verwandeln, Gefallen gefunden hallen. Sie unterstützten die Sache, wie sie eine Expedition zur Erkundung eines Krdnols oder zur Aufspürung geheimer Bodenschätze zu fordern pflegen. Der pseudo-philanthropische Charakter, der das M irken des Kujiilais unter Negern und Farbigen begleitet, war auch liier, wo es urn die Idee der Auferstehung des Oedlands ging, in!Irren Namen Agar sprach, unvermeidlich. Aber das war die Stütze eines schwanken Rohrs. Wie es ihm gelungen war, die Arbeitsicutc im Namen eines großen Ideals zusammcnziischweißen, so wollte er Jetzt die starke Potenz, die im Kapital liegt, für »•inen Plan gewinnen. Er wollte das große Anlagekapital ebenso beherrschen, wie er die Maschinen und Arbeitskolonnen in seiner Hand lulle. Indem er auf die verschlossenen und vorsichtigen Gesiebter seiner Gäste blickte, wußte er, daß nun die Stunde der lang erwarteten Entscheidung gekommen sei; er stand von seinem Plalzc auf, stellte sich zwischen die Karle des Oedlands und die Silze seiner Gäste und sprach mit ruhiger, fester Stimme: ״Meine Verehrten! Seit ich ins Oedland gekommen hin. warte ich auf das Einströmen des Kapitals. Ich werde mich an dem Tage glücklich .schätzen, an dem ich mit Sicherheit wissen werde, daß das Kapital sich dem M erke zur A erfügung stellen und mit seinem mürhligen Impuls die AVeiterarbeit der Arbeitslager in dieser Oednis ermöglichen und fürdem wird. Ich war stets um die Integrität, des ins Oedland kommenden Kapitals!«•sorgt, denn das Merk braucht Kapital und <las Kapital den Arbeiter. Diese meine Sorge hat mich veranlaßt, di!• Anlage des elektrischen Netzes in der Hiebtun״ nach Teura. wo ihr eure Energie und eure Fnternelimmigen konzentriert habt, /.11 beschleunigen. Die Stromträger liaiien bereit.s das Gebiet eurer Terrains erreicht, die Drähte sind gespannt, die Kraftipicllc habt ihr soeben mit eignen Augen gesellen. Zu F nrecht erblickt ihr in mir einen engherzigen Sehhisseüiülrr, der vor eurb den M eg ins Oedland verschließen will. Aller eines müßt ihr Geldleute wissen: daß im Oedland auch Kräfte der Zerstörung am A\ erke sind, von denen die Arbeit des Einzelnen und das Geld des Einzelnen elend zerschmettert werden können. Die Arlx'it dos Einzelnen und das Geld des Einzelnen mag überall in der W elt Erfolg haben, in diesem Oedland wird es wenig nützen. Denn auf ihm rulil der Fluch des Sumpfes und des Felsens; in ihm sind Kraft«• versteckt, die dazu bestimmt sind, Mensclienwerk zunichte zu machen; in ihm schreite', wie in uralten Zeiten der Mvllios des Schwertes und der Bache, und er wird auch ferner in ihm schreiten, solange Mensclienwerk die Oednis nicht vollkommen unterwürfen hat. Mit tiefem Schmerze, alier aus begründeter Erkenntnis muß ich euch offen sagen, daß die Zahlen, die iilierall in der Welt richtig sein mögen, in diesem Oedland sich als falsch erweisen. Sowohl eure Zahlen, wie auch der in der Idee große Versuch des allen ,)erhiel auf dem ,Hügel der Hube' müssen scheitern. Nur ein einziges und besonderes Geislosideal kann hier standhalten und die Fahne eines neuen Glaubens für die Welt, den Okzident und den Orient, bissen: das Ideal der Arbeit! Diese Kraftslation, die ihr mit eigenen Augen gesehen habt, ist in der wohlüberlegten Absicht geschaffen worden, das Werk in Bewegung zu setzen, das in die Oednis der Steppe (•indrintren soll. Die 1 iiigrabema-clmion, das Hodtmgsverfah״ ren, die Banarlieii. das lloclipiimpen des (jnmdw assers, die der Erschließung des Oedlands dienenden M erkslällen, sie alle werden von dieser S!.*11 < 111 ihre Krall bc/irhen. 1• 1ir andern Bedürfnisse der Indu-Irie wird nur ein kleiner l 1‘bersrlmß bleiben, und dieser wird zu eurer Aer(ü11״ng -teilen. Aber!«•vor jeder von eurh seinen per-otd!ehe!1 Gedanken nachgehl, wiederhole jrh iim'linia!-, daß das Merk des Einzelnen in diesem Oedland zu 1ölli״er Stagnation verurteilt kt.“ Die Versammelten halten sich während der Bede Agars uiigf'iltildi״ und voll Ki-taimens abwechselnd von ihren Sitzen erhoben mul wieder gesetzt. B a ׳> י ii a 11, der Besitzer der Steinbrüehe, war mit stark gerötetem Gesiebt krampfhaft auf seinein Sessel hin und her genickt, und als Agar seine Bede beendet hatte, atmete er mit der ganzen Schwere seiner Kor- ]lulenz: ״Du hast, nicht viie ein Mann der Praxis gesprochen, Ingenieur Agar. Du kennst wold die Kraft des Lagers, aber weißt du auch, was der Einzelne verinac':’ Der Einzelne, der mit seinen Mißerfolgen mul seinen M ilägesclneken ringt, der aber nach schwerem und jahrelangem Kampf das Meite gewinnt und weiß, daß seine eigene Kraft ihm zur Seile gostanden hat. Audi liier im Oedland. Agar, fällt, wer fallen soll, und hält sieh, wer Fuß faßt. Im Ringen zwischen Erfolg und Mißerfolg baut sich das Merk des Einzelnen auf, und aus dem Merk des Einzelnen haut sich das Gesamt werk des Oedlands auf. Irl» bin nicht dagegen, Agar, daß wir bestimmte Geldsummen in dein Merk stecken, und vielleicht stecken wir soviel hinein, wie du nur forderst: aber von mm an sollst du bei allem, was du mit deinen Arbeilskolonnen beginnst, wissen, daß du nicht mehr in den Arbeitsmethoden des Merkes freie 11 aud hast wie bisher. Sowohl dem Arbeiter als auch dem Oedland gegenüber bist du von min an der \ er- Inder des Kapitals.“ Den Anwesenden war der große Gegensatz in den hier aiifeiuandersloßendcn Anschauungen klar. Die Meinung Baschäm schien ihnen richtiger, denn sie versprach ihnen die Kontrolle über alle vorhandenen und späterhin zu eröffnenden Kraftquellen des Oedlands, die ja damit ihren Industrieuntcrnehrniingen zur Verfügung stehen würden, (Fortsetzung folgt)

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