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Jüdische Rundschau · 1935-11-01 · Heft 88 (1.11.1935) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 88 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHA.0 Nr. 88, t. XI. 1935 Von der Woche Zur Arbeitslase Eine Beratung in Tel-Awiw T e 1 ־ A w i w, 29. Oktober. (JTA.) Im Arbeiterheim ״Beth Brenner‘* fand eine Vollversammlung des Tel-Awiw er Arbeiterrates statt, an der auch Vertreter des General- Sekretariats der Histadnrth Haowdiin teilnalunen. In der Sitzung wurde die Lage auf dern Arbeitsmarkt in Tel-Awiw und im ganzen Lande ausführlich behandelt, ln dein Hauptreferat wurde betont, daß es auch in völlig normalen Zeit es in Tel-Awiw einige hundert vorübergehend Arbeit*- lose gab und daß diese Zahl infolge der Panik der letzten Zeit um einige hundert gestiegen ist. Diese Erscheinung sei jedoch unwesentlich, wenn man bedenkt, da.II die Zahl der beschäftigten Arbeiter in Tel-Awiw etwa 25 000 beträgt. Die jüdische Wirtschaft Erez Israels sei kräftig genug, um vorübergehende Schw ierigkeiten zu überwinden. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, eine stärkere Beteiligung Jüdischer Arbeiter an Regierungsunternehmungen und -arbeiten zu sichern, da die jüdischen Positionen auf diesem Gebiet in letzter Zeit schwacher geworden sind Es gelte auch einen verstärkten Kampf für Awodah Iwrit und Tozeret Haarez. Es wurden einige Resolutionen in diesem Sinn gefaßt. An die wirtschaftlichen Körperschaften des Jischuw und insbesondere an die Stadtverwaltung vcm Tel- •Awiw wurde die Aufforderung gerichtet, neue Arbeits- Möglichkeiten in dieser Zeit zu schaffen. In einer besonderen Resolution wird erklärt, daß im Hinblick auf die großen Arbeitsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und bei Regie• rungsunternehmungen, ferner im Hinblick auf die bedeutenden Möglichkeiten der Entwicklung von Industrie und Handwerk und auf die objektive Notwendigkeit einer stärkeren Baubewegung der Arbeiterrat von der Regierung eine verstärkte Alijah von Arbeiterclc menten nach Pa• lästina fordert. Persönliches Der französische Oberkommissar von Syrien, Graf de Martei, besuchte Jerusalem und war bei Chefsekretär Hartorn Hall zum Lunch. Er reiste sodann nach Beirut. Im Monat Adar feiert Bürgermeister Meir Di7.engoff sdnen 75. Geburtstag. Es wurde ein Komitee gebildet, in dem Vertreter des Stadtrates und aller Teile des Jischuw vereinigt sind. Als besondere Ehrung für den Bürgermeister ist die Er- Öffnung eines neuen öffentlichen Gartens geplant, der den Namen Gau Meir führen soll. Julius Simon, der Bevollmächtigte der Palcstine Econorme Corporation, New York, ist am 20. Oktober in Palästina eingetroffen. Die landwirtschaftliche Abteilung der Histadruth hat ihm ein Memorandum überreicht, worin die Unterstützung der P. E. C. für verschiedene Projekte erbeten wird, insbesondere für die Vollendung der sogenannten ״Ansiedlmig der Tausend“, für die Wasserversorgung verschiedener Siedlungen zwecks Ermöglichung intensiver Wirt- Schaft und schließlich zur Fundierung der in den letzten iahren teils aus eigenen Mitteln, teils aus Keren Hajessodtittein angesiedelten 700 Arbeiterfamilien. Die von Julius Simon vertretene Palestine Economic Corporation hat für die Landansiedlung von Arbeitern stets großes Interesse gezeigt. Zum irakischen Konsul in Haifa wurde Kazem Eff. Dueili, ein Beamter der irakischen Gesandtschaft in London, bestellt. Sein Konsulatsbezirk erstreckt sich derzeit über ganz Palästina. Jerusalem Aut das Drängen der Bevölkerung von Jerusalem, die sich zum Abschluß der Trockenperiode vor schwerste Wassernot gestellt sicht, hat sich die Regierung mit London ln Verbindüng gesetzt, um die fehlenden .Maschinenteile für das Wasserwerk R a s - E I -1: j 11 - J e r u s a 1 e m sofort herzuschaffen. Man hofft, daß die neue Wasserversorgung Mitte November anfangen wird zu funktionieren. Die Palästina-Regierung hat beschlossen, .Maßnahmen zur Erhaltung des eigenartigen Charakters der Altstadt von Jerusalem zu treffen. Die alten Baudenkmäler werden unter Schutz gestellt und jeder Plan einer baulichen Ver- Änderung muß vorher einer besonderen Kommission zur Prüfung und Genehmigung vorgclcgt werden. Die Leitung der Post begann in diesen Tagen mit dem Ausbau der T clcphonvcrbindung zwischen Jerusalem und T e I - A w i w. Man hofft, daß dadurch bald eine Verbesserung des Dienstes, über dessen Uiuulänglichkeit. allgemein geklagt wird, clntreten wird. Aus den Siedlungen Die Regierung hat nach langem Verhandlungen eine Subvention von ,£ 1000 für eine Chaussee von der Station Ch ed er a h nach P a r <1 es s Chaiina bewilligt. An den Ausgaben beteiligen sich die Pica und die Siedler von PardeM Channa, Meged und Tel-Alon. Sämtliche landwirtschaftlichen Siedlungen im Etnek Chef er (Waadi Hawarit) haben der Palästina-Regierung eine Denkschrift überreicht, in der gefordert wird, daß noch in diesem Jahr eine durch das Emck führende Chaussee gebaut werde. Vor kurzem fand bei Kerkur die Gründungsfeier einer neuen Siedlung ״A i n Irtin“ statt. Der Boden wurde zum Teil vom Nationalfonds, zum Teil von den Siedlern selbst, die für diesen Zweck 4000 Pfund investiert haben, erworben. Vorläufig leben in der neuen Siedlung 35 Familien, die Zahl soll jedoch in nächster Zeit auf das Doppelte erhöht werden. Für die Arbeiter der Schuhfabrik ״Keter-Jizchak“ hei Rischon-le-Zion wurde eine Wohnsiedlung tingeweiht, die vorläufig fünf Häuser mit 16 modern eingerichteten Wohnungen enthält. Die Fabrik beschäftigt 60 Arbeiter und produziert täglich 300 Paar Schuhe. Auf Oiwat Schon! ro 11 in Nahalal wurde eine neue Siedlung ״David Jose! jacobi“ gegründet. Anläßlich der Feier des 25jährigen Bestehens von De- £a n i a h hat die Kwuzah eine Denkschrift veröffentlicht, in der der bisherige Weg dieser Arbeitsgemeinschaft geschildert wird. Den letzten Berichten zufolge leben jetzt in den Kolonien Palästinas ohne Bc1־ ijck-ichtigurig der Kibbuzim -1512 Ein- Wanderer aus Deutschland. Von ihnen sind 1300 als landwirtschaftliche Arbeiter tätig. Verschiedenes Der Merkas der Agudat Jisrael in Palästina teilt mit, daß die Agudah ,-ich an der Wahl des neuen Oberrabbiners der Knesset Jisrael naht beteiligen werde, da sie diese Wald als eine innere Angelegenheit des Waad Leumi und seiner Gemeinde Jerusalem ansieht. Ir! Jerusalem fand die sechste vom Verband der Hebräisehen Lehrer organisierte pädagogische Tagung der Lehrerschaft Palä-tmas statt. Besondere Aufmerksamkeit wurde den pädagogischen Problemen des Unterrichts in paliistinensischer Landeskunde gewidmet Anläßlich der Tagung!and auch eine Ausstellung von Seit ul erarbeiten aus dem Gebiet der Heimatkunde, Karten, Tabellen, Photomontagen u. dgl,, statt. Acht Palästina-Lin Wanderer aus [,ölen, die trotz ordnungsmäßiger!Sichtvermerke /tu־ I. am düng in Haifa nicht zugeiassen wurden. 11 alte ח gegen die englische Regierung auf Ersatz der Reisekosten und Entschädigung für den mit •der Reise verbundenen Zeitverlust geklagt. (Es handelt sich um die im Zusammenhang mit dem Bestechungsverdacht gegen einen Beamten zunickgcwiesencit Reisenden.) Für die Levante-Messe in kommenden Frühjahr wird eine Sonderschau der Orientschiffahrt und der an ihr interessierten Häfen geplant. Für diese Ausstellung liegen bereits Anmeldungen aus mehreren [.ändern vor. Die Stadtverwaltung von Haifa beschloß, einen Betrag von 150 000 Pfund als Budget für öffentliche Arbeiten auszusetzen. Diese Budgetierung bedarf jedoch noch der Be• stätigung ■durch die Mandatamacht. Wie das Jaffaer Zitrus Syndikat bekanntgibt, hat die neue Exportsaison am 1. Oktober mit der Verschiffung von 6000 Kisten Grapefruit begonnen. Die Reife der Grapefruit ist in diesem Jahr früher eingetreten und man er• wartet, daß für dieses Frühobst hohe Preise erzielt werden. Die diesjährige Oesamtausfuhr von Grapefruit wird auf eine Million Kisten geschätzt. Zwischen Bukarest und Ludd soll ein regelmäßiger Luftdienst eingerichtet werden. Das erste Flugzeug, das die Strecke zur Probe durchflogen hat, traf in Litdd ein. Im ersten Halbjahr 1935 Naben 1470 Schiffe in den Häfen Palästina* angelegt gegenüber 1224 im ersten Halbjahr 1934. Die Tonnage ist von 2,95 auf 3,74 Mill. Tonnen, somit um 27»/״, gestiegen. Zahl und Tonnage der in Jaffa eingetroffenen Schiffe ist gegenüber dem Vorjahr etwas ge- ®unken, dagegen hat der Verkehr in Haifa bedeutend zugenommen. Diese Verschiebung dürfte zum Teil darauf zurückzuführen *ein, daß der Jaffaer Hafen im Winter für schwere Güter geschlossen war. Außenhandel Die ״Palestine Post" berichtet aus Bern, daß Verhandlungeia zwischen der Jewish Agency und Schweizer Exporteuren zu einem Beschluß der Schweizer Regierung geführt haben, nach dein die Schweiz künftig mindestens ein Drittel der Warenmengen aus Palästina beziehen wird, die es nach dem englischen Mandatslande ausfüiirt. Die Schweiz lieferte im Jahre 1934 1,1 ״/o der palästinensischen Gesamteinfulir. (Bedeutsam an dieser Nachricht ist die Tatsache, daß die Jewish Agency, die als solch-e ja keine Regierungsinstanz darstellt, in diesem Fall wirtschaftspolitische Verhandlungen mit Instanzen anderer Länder, die auf eine Steigerung ihrer Einfuhr nach Palästina bedacht sind, führen konnte. — Ad. Red.) In den ersten neun Monaten 1935 hat Polen, verglichen mit dem gleichen Abschnitt des Vorjahres, seine Ausfuhr nach Palästina von .6,8 auf 11,2 Millionen ZI. steigern können. Die Einfuhr Polens aus Palästina ist gleichzeitig von 0,9 auf 3,2 Mill. ZI. gestiegen. Kürzlich weilte in Palästina eine japanische Handels-Abordnung, die alle Länder des Nallen Ostens besucht hat. Es wurden mit ihr Verhandlungen über etwaige Käufe der Japaner als Gegenleistung für den starken japanischen Import nach Palästina geführt. Die Abordruing erklärte sich mit den ihr unterbreiteten Forderunen amt er der Bedingung einverstanden, daß Japan die aus aliistina bezogenen Waren auf beliebigen anderen Märkten wieder absetzen dürfe, eine Bedingung, die von den palästinensjschen Exporteuren z u r ü c k ge w i e sen wurde. Eine Zollverordmmg vom 3. lü. 1935 bestimmt, daß eingeführte Eier künftig die Aufschrift ״imported“ in allen drei Landessprachen (englisch, arabisch und hebräisch) tragen müssen. Der Verkauf ausländischer Eier ohne diese Kennzeichnung' wird verboten. Nach einer Mitteilung der ungarischen Handelskämm er hat die ungarische Regierung die Einfuhr von 50 000 Kisten Orangen jährlich aus Palästina nach Ungarn genehmigt Kapitalerhöhungen Laut Veröffentlichung Im palästinensischen Amtsblatt: Palestine Foundries & Metal Works Ltd, von £P 45 000 aut 1P 100 000 (durch Ausgabe von £P 55 000 Ordinary Shares zu £P 1). — The Palestine Mercantile Bank Ltd. von £E 50000 auf £E 1O0 000 (durch Ausgabe von £E 50000 Shares zu £E 1). — The General Mortgage Bank o? Palestine Ltd. von £P 250000 auf £P 1000 000 (durch Ausgabe von £P 750 000 Ordinary Shares, eingeteilt in 150 000 Shares zu £1* 5. Die originalen 60 000 Ordinary Shares zu £P 1 werden in 10 Shares zu £P 100 untergeteilt). - ״Kallia“ Seasitle & Health Resort Company Ltd. von £P 20 000 auf £P 40 000 (durch Ausgabe von £׳P 20 000 6«/* ׳״oiger ktimulativer, zu tilgender Preference Shares zu £P 1). ־— Israel Bank Limited von £P 2000 auf £P 25 000. Die Israel Bank Limited firmiert in Zukunft: The Near East Bank Ltd. — ״Zori“ Pharmaceutical ft Chemical Products ,Manufacturing Co., Ltd. von £P 4000 auf £P 7000. — Palestin-e Automobil Corporation Ltd. von £P 4000 auf £P 5000. (Palnews.) Ein Jahr rabbinlscher Tätigkeit Als im vorigen Jahre die national-religiöse Vereinigung ״I c hu d“ in Tel-Awiw begründet wurde, war man sofort entschlossen, den Rabbiner Dr. Emil Levy, dev damals in der Synagoge Pestalozzistraße zu Berlin amtierte, als Rabbiner der neuen Qcmeindegnippe zu berufen. Am Sukkothfeste trat er sein Amt an, und es ist jetzt ein Jahr, daß er seine neue Wirksamkeit in Tel-Awiw hat. E6 wäre ein Irrtum zu glauben, daß sich hier eine ,,deutsch-jüdische“ Gemeinde gebildet hätte. Das lag weder in der Absicht der Begründer noch in der des Rabbiners. Vielmehr haben sich unter Voran tritt deutscher Juden Stam* mesbrüder aus vielen Ländern zusamincngefunden, die jüdischnationale Gesinnung mit dem Bestreben verbinden, Würde und Schönheit im Gottesdienst zur Geltung zu bringen, die Jugend ethisch, zu erziehen und ästhetisch zu befriedigen, den neuen Olim die hebräische Sprache zu vermitteln und ihnen den Weg zur jüdischen Kultur zu erschließen, und die in Erez israei eine Heimat nicht bloß für die Juden, sondern auch.für Judentum schaffen wollen. Sie fügen sich organisch und organisiert in das Leben der Kehilla Jaffa—Tel-Awiw ein, und werden von dieser 80 sehr als ein untrennbarer Teil der Gemeinschaft betrachtet, daß der ״ichud“ eingeladen wurde, einen Vertreter kt den Ausschuß zur Wahl eines Nachfolgers des Oberrabbiners Ahronsohn za entsenden. Der ״Ichud“, der time angesehene Stellung im Leben der Gemeinde Jaffa—Tel-Awiw einnimmt, gruppiert sich um seinen Rabbiner Dr. Levy, der als Mittelpunkt an allem teilnimmt, das auch anderen Kompetenzen zug-ewlesen ist. Freilieh mußten einige ״deutsche“ Neuerungen eingeführt werden. Der traditionelle Gottesdienst, der zu dem Feiertagen den großen Saal des ״Makkabi“ hinzunehmen mußte, erinnert an die schönsten Gottesdienste kt Berlin oder Breslau. Die Feier der ״Bar-Mizwah“, die bi allernächster Zeit das erste halbe Hundert erreichen wird, hat bereits Nachahmung gefunden, so besonders in der großen Synagoge. Die Knaben werden vorhtf in besonderen Kursen vom Rabbiner ln das jüdische Lebern und in die Kenntnisse vom Judentum eingeführt, und nachher wird die reifete Jugend auf diesem Wege weiter geleitet, wobei auch hier Rabbiner Dr. Jakob Nacht Verständnisvolle Unterstützung lebtet. Es ist natürlich, daß in einem Ko- 10ni«rti0fl«lat1de, wie es Erez Israel (und zumal in Tel-Awiw) ist, die Weihe des Lebe« leicht verloren geht. Dieter Gefahr und der des Levantinbmus wirken der jehud“ und betondem »ein Rabbiner entgegen. Darum mußte auch Einfluß auf die Schulen genommen werden« und der Anfu!g dazu ist viel* versprechend. Arabische Einigkeit Von unserem palästinensischen Korrespondenten ' gl. Tel-Awiw, 25. Oktober Das wichtigste Ereignis dieser Tage ist die neue Annäherung zwischen den arabischen Parteien. Hier hatte sich die Spaltung, die im Jahre 1929 überwunden schien, wieder bemerkbar gemacht und die letzten Jahre haben verschiedene schwere Prcssefehden und auch Ver• leutndungskampagnen zwischen dem Mufti von Jerusalem und seinen Gegnern gesellen. Als die Aktion wegen de* Waffenschmuggels cinsetzte, gingen die Parteien zuerst gesondert vor und aoeh in der letzten Woche entspann sich ein Streit zwischen dem Mufti und den übrigen, wann und von wem der Tag für den Proteststreik angesetzt werden sollte. Jetzt ist es aber gelungen, alle Gruppen an einen Tisch zu bringen. 111 der Sitzung der arabischen Jugendföderation in Jaffa waren Vertreter der palästinensisch• arabischen Partei (Mufti), der Partei der nationalen Verteidigung (Naschaschibi), der Reformpartei von Khaldi und noch Gruppen aus Nablus vertreten, so daß die Zusammenkunft bereits als repräsentativ für das palästinensische Arabertum angesehen werden kann. Es wurden eine Reihe von Resolutionen angenommen und in einem Memorandum der Regierung übermittelt. Es werden die mannigfachsten For• derungen genannt: eine ״Entwaffnung der Juden“, worunter die Araber sowohl die Zurücknahme der versiegelten Waffenkästen verstehen, die die Regierung nach den Uebcrfällen von 1929 den jüdischen Siedlungen stellte, als auch Beschlagnahme aller sonst befindlichen Gewehre, von denen die Araber anscheinend große Mengen bei den Juden vermuten; die Auf- «rlegung von Kollektivstrat'en für das Gebiet, in dem der Schmuggel entdeckt wurde und für die verantwortlichen jüdischen Institutionen; ein Verbot an das Schiff, das die Waffen nach Palästina brachte, je wieder palästinensische Häfen anzulaufen (!) als Abschreckung■ für andere Schiffe; Einsetzung von Patrouillen zur Verhinderung des^ Waffen- Schmuggels und schließlich die Einsetzung einer britisch-arabischen Untersuchungskommission. Es scheint, als ob auf die arabische Führung nicht nur litische Momente eingewirkt haben, sondern auch die irtschaftspanik, die in den letzten Wochen durch Palästina ging und einen Rückgang in der Schnelligkeit des jüdischen Siedlungsverkes möglich erscheinen ließ. Der Prozeß uni die Pica-Böden auf dem Berge Kanaan bei Safcd wurde jetzt erneuert. Bekanntlich hat die Pica den Boden vor einigen Jahren erworben und für ihn bereits die Kuschane erhalten. Die Araber behaupten jedoch, daß die Kuschane ungesetzlich seien, da die Böden den Mohammedanern vor 400 Jahren durch den Sultan Selim ge• schenkt worden seien und daher als ״Wakf“ (religiöses Gut) angesehen werden müßten, die unverkäuflich seien. Der Rechtsvertreter der Araber gab zu, daß er keine do■ kumentarischen Beweise hierfür habe, und daß der Boden nicht unter den ״WakD-Gütern verzeichnet sei. Das Gericht beschloß, den Prozeß auf zwei Monate zu vertagen. In dieser Zeit sollten beide Parteien Beweismittel beibringen. Die feierlichere Gestaltung der Trauungen, die würdigere Form der Beerdigungen, die Teilnahme des Rabbiners und der Mitglieder des ״lchud“ an den freudigen und ernsten Ereiguissen innerhalb der Gemeinschaft schließt diese zu einer Art weiter Familie zusammen und hebt das nationale Gefühl zu dem einer ethischen volksbewußten Gemeinschaft. Die fast wöchentlichen Vortragsabende, die Schiurim und Kurse tragen jüdisches, historisches, literarisches, kunstgeschichtliches Wissen ui weite Kreise, auch außerhalb des ״Ichud“, und die ״Chewra Kadischa“, die im Gegensatz zu anderen Gewohnheiten, ehrenamtlich die Liebesdienste den Kranken, Sterbenden und Hinterbliebenen leistet, wird vorbildlich werden. Ein sozialer Ausschuß nimmt, so weit ihm das möglich ist, Einfluß auf die soziale Arbeit in Tel-Awiw, die der Entwicklung bedarf. Ueberhaupt ist die Gemeinschaft, die sich um Rabbiner Levy gruppiert, bestrebt, sieh einerseits in das hebräiche pa• Rstineiisische Lebe» voll einzuftigen, andererseits kulturelle Vorzüge, die in ihr infolge der Bildung und Erziehung vor• Banden sind, nicht zu verlieren, sondern sie zum Besten der Gesamtheit wirksam zu machen. Die allwöchentlichen Beleh• rangen, die der Rabbiner beim regelmäßigen Gottesdienste gibt, sind zur Hälfte hebräisch, zur Hälfte in deutscher Sprache, um auch den Neuangekommenen die Möglichkeit zu geben, ihnen zu folgen. Der Rabbiner, dem selbstverständlich die im engeren Sinne religiösen Fragen vorgelegt werden, muß das Netz seines Wirkungsfeldes sehr weit spannen, und wird damit noch mehr zum Mittelpunkte einer tätigen Ge• meinschaft, die ausgehend von der nationalen Grundlage der jüdischen Gemeinschaft das religiöse Leben bereichern und vertiefen, das soziale Leben veredeln, das gesellschaftliche Leben verbessern und. verschönen will. Der ״Ichud“ und Rab- Liner Levy wollen die nationale Wirklichkeit mit religiöser Weihe und Innigkeit schmücken und das religiöse Leben im «ebtjüdischen Sinne national unterbaue«. Erst ein Jahr ist es, seit unser Rabbiner in unserer Mitte weilt. Aber mit Freuden stellen wir fest, daß er uns bereits jetzt den richtigen Weg führt. Heinrich Loewe Bar Mizwah - Termine Am 9. November — 13. Marchesehwan: Rnfad Feuerring, Sohn von Isaak Feuerring, Jerusalem, Upper Talbich. Am 9. November —- 13. Mnrchewhwan! Rüben Wöllstein, Sohn von Dr. Georg Wöllstein, Jerusalem-Kecbawia-Beth, AHasfestr. 8, (Schluß des Palästina-Teils)

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