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Jüdische Rundschau · 1935-11-01 · Heft 88 (1.11.1935) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 88 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Pmschan NR. 88, 1. NOVEMBER 1935 Am Barometer der Versuch einer Analyse (Von unserem Palästinenser ,:cn Korrespondenten) gl. Tel-Awiw, 21. 10. 35 Beruhigung? Die große Frage im Lande ist noch immer: Beruhigt sich die Wirtschaftslage oder vvird sich der Schreckschuß der Kriegspanik, der in den letzten Wochen so argen Schaden anrichtete, zu einem realen (Jebe! auswachsen, das bleibende Spuren hintt-rlassen wird? Bisher haben sich die Verhältnisse noch nicht völlig geklärt. Nach der ersten großen Erregung, die Zinn Hamstern von Lebensmitteln lind zum Abheben der Depositen von den Banken führte, und die auf der Angst vor einem neuen Weltkrieg beruhte, hat das Barometer der Wirtschaftslage mannigfache Schwankungen aufgewiesen. Nach den beruhigenden Erklärungen der führenden Wirtschaftssteilen und dem Telegramm des High Cominissioners aus London war eine gewisse Glättung der Wellen eingetreten. Dann folgte die Angst vor den Sanktionen. L>ie Ueberlegimg, was die Anwendung der Sanktionen des Völkerbundes für Palästina bedeuten könnte, fachte die Besorgnis von neuem an. Die Frage der Freiheit des Palästina-Imports stand ebenso zur Debatte wie die der technischen Durchfiihrung der Einwanderung durch italienische Häfen. Spekulanten benutzten diese Tage der neuen Erregung zur weiteren Erhöhung von Lcbcnsmittclpreisen, obwohl doch niemand einen Beweis dafür erbringen konnte, daß schon jetzt auch nur die leiseste Importbehinderung bestände. In den Banken spiegelten sich jedoch diese Angsttage nicht wider. Hier blieb die Lage relativ ruhig. Es gelang, die eine besonders gefährdete Bank endgültig zu stützen und damit einen Bankrott zu vermeiden, der um sich herum viel Unheil angericlitet hätte. Die Großbanken haben sich jetzt die Arbeitsgebiete aufgeteilt und versuchen weiter, der Wirtschaft die nötigen Erleichterungen zu geben. ,Diese Bemühungen haben an manchen Stellen bereits ihre Früchte getragen. Es ist interessant, daß der ״Misrad Kablani“, die grolle Baukooperative der Arbeiter, einer der größten Bauunternehmer von Tel- Awiw, der «inen Monat hindurch kaum neue Aufträge erhielt, seit der Mitte des Monats wieder stark mit Neukalkulationen beschäftigt ist, weil neue Bauprojekte ihm zur Ausführung übergeben werden. Hier haben wir ein Zeichen, daß es trotz aller Panik Kreise gibt, die sich rasch besonnen haben und dabei sind, ihre Pläne weiter auszuführen. Wie geht es weiter? Eine Analyse der augenblicklichen Situation, die eine Basis für Berechnungen der Zukunft geben kann, ist nicht leicht, da Wir kaum statistisches Material zur Verfügung haben und matt sich zu einem guten Teil mit Schätzungen begnügen muß. Eine erste Frage, die Antwort verlangt, ist: wieviel Arbeiter sind durch die Panik bisher freigesetzt worden? Die Antwort wird verschieden erteilt. Bei dem ungenügend organisierten Arbeitsmarkt im Lande, wo nur ei» Teil — wenn auch ein großer — durch die Arbeitsämter versorgt wird, andere sich frei an werben lassen, gibt es keine amtliehe Statistik, Optimisten und Pessimisten geben je nach ihrer Auffassung höhere oder niedrigere Ziffern. Es handelt sich aber keineswegs dabei nur um Arbeiter, die jetzt durch die Panik aus der Arbeit geworfen wurden, liier ist eine bcträchtliche Zahl von Arbeitern in den Kolonien mitgerechnet, die jetzt tote Saison haben und in dem Moment, wo die Orangenemte im richtigen Umfang einsetzt, untergebracht werden können, ln der toten Saison sind auch in anderen Jahren in den Kolonien Wochen hindurch Unbeschäftigte gewesen. Weiterhin ist in dieser Zahl jene Gruppe von Mensehen eingerechnet, die auch in der Zeit der Prosperity keine Arbeit finden, Menschen, die, wo es sich trifft, etwas verdienten, aber nicht in feste Arbeit kamen. Also ebenfalls eine Kategorie, die man als Arbeitslose zu rechnen hat, die aber nicht durch die Panik freigesetzt wurden. Und schließlich muß man damit rechnen, daß sieh unter der Masse eine Anzahl findet, die kurz nacli der Einwanderung sind und sich noch nicht ״eingeordnet“ haben. Die Konsequenz ist also, daß die Anzahl der durch die Panik eigentlich arbeitslos Gewordenen im Verhältnis zur Zahl der Arbeiter im Lande heute noch sehr gering ist. Bei einer Untersuchung der Arbeitsplätze, aus denen sie kommen, ergibt sich folgendes Bild: Betroffen wurde von der ICreditrestriktion insbesondere der Bau. Hier wurden Bauten gestoppt, Pläne verzögert, und damit Arbeiter freigesetzt. Dabei scheint das Gesetz zu wirken, daß die besonders gewiegten Facharbeiter weiter Arbeit linden, aber halbgelernte und ungelernte es schwerer haben. Von den Bauten ging ein Einfluß auf zwei Wirtschaftsgebiete aus: einerseits wurden bestimmte Industrien und Werkstätten mitbetroffen, die in erster Linie mit dem Bauwesen liiert sind. Zweitens engte sich dadurch, daß manche die Arbeit verloreii, andere ängstlich iin Ausgeben wurden, der Konsum ein, und in manchen Zweigen spürte man eine Senkung im Handelsumsatz. Bei den wirtschaftlichen Analysen im Lande werden häufig auch die Komplikationen in manchen I n - dustriebetrieben in Bausch und Bogen der Panik zugeschrieben. Das ist ein Fehler, denn bei der Industrie hat es noch lange vor den kritischen Tagen Schwierigkeiten gegeben, die in erster Keilte auf einem ungenügenden Zollschutz beruhten. Die junge jüdische Industrie muß sich eine Schirtzmauer gegen das Dumping europäischer und japanischer Waren schaffen, dem sie ausgesetrt war. Diese Frage steht in keinem Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Wochen. Die Industrie ist nur soweit in Alitleiden schaff gezogen, als es sich um Baugewerbe handelt und da anscheinend auch nur bei kleineren Unternehmungen. Man ersieht aus diesem Bilde, daß es »ich heute in der Wirtschaft noch um keine echte Kr isenerschein u n g handelt. Was vorlag•, war ein Einbruch von Nervosität, Palästinawirtschaft der den Wirtschaftsablauf verlangsamte, an einigen Stellen so stark, daß die Räder still standen. Diese Nervosität hat die Wirtscliaftskurve umgebogen. Nachdem sie in den letzten Jahren der Expansion ununterbrochen steil nach oben verlaufen war, sich im Sommer ein wenig abflachte, hat sie in den letzten zwei Monaten eine Biegung nach unten erhalten. Diese Biegung wird sich jedoch wieder ausgleichen, wenn es gelingt, die Krise des Vertrauens zu überwinden. Und das liegt heute durchaus im Bereich des Möglichen. Es liegt im Bereich des Möglichen, weil die Grundzüge der Wirtschaft, die uns in den letzten Jahren die Prosperität beschert hat, unverändert geblieben sind. Wir haben heute ebenso wie vor der Panik eine starke Einwanderung und ein noch stärkeres Nachdrängen im Gallith. Wir haben auch roch heute ein weiteres Einströme 11 von Kapit a I, das freilich vorläufig zurückhaltend abwartet, aber mit dem Moment, wo eine freiere Luft weht, wieder zu lnvestitionen bereit ist. Wir haben heute eine weit breitere ökonomische Basis als früher. Und wir sind stark mit englischem Kapital verknüpft. Die Bedeutung dieser Tatsache hat sich gerade in den letzten Wochen gezeigt, als die Barciays Bank unverzüglich helfend in die jüdische Wirtschaft eingriff. Zwai wichtige Aufgaben Die Panik hat eine schwache Stelle der Pafästinawirtschaft aufgedeckt, von der Eingeweihte auch vorher schon wußten, die aber niemals gründlich behandelt worden ist: den übermäßigen Kredit. Mari hat oft Besuchern und Neulingen gegenüber lächelnd auf die unbegrenzten Möglichkeiten hingewiesen, die man in Palästina besitzt: man baut Häuser, Siedlungen, Unternehmungen mit den geringfügigsten Kapitalien und ,dreht sich dann durch“. Wechsel, auch auf kleinste Summen und für lange Frist sind überall üblich, man bezahlt die Arbeiter damit, macht damit Einkäufe, benutzt sie für Bestellungen und als Betriebskapital, Die Schwierigkeit, langfristige Kredite zu bekommen, zwingt auch bei Investitionen auf lange Sicht vielfach zu Kreditaufnahmen auf kurze Zeit. Der Wirtschaftsablauf ist auf die reibungslose Diskontierung angewiesen, wenn er ohne Störungen vor sich gehen soll. Es kann keine Diskussion darüber geben, daß die Wechsel Wirtschaft im Lande einen zu großen Umfang angenommen hat und daß besonders die klei- Deren Banken hierbei zu weit gegangen sind. Die Störungen der letzten Wochen sind Wecliselstörungen. Die verengerten Kredite beraubten blitzartig Werkstätten, Unternehmungen und auch Läden der normalen Arbeitsmöglichkeit. Als ehe Barciays Bank in Jerusalem einer Delegation kleiner Händler und Handwerker erklärte, daß sie bereit sei, weiter Kredite zu gewähren, die früher andere kleinere Banken gegeben hatten, daß sie aber die nötigen Unterlagen brauche, erklärten die Delegierten, solche Unterlagen seien schwer zu beschaffen, da es sich um Kleinunternehruungen handele, die keine Bücher führen und keine Belege vorruweisen hätten. Alan kann vielleicht sagen, daß in gewissem Sinne die Restriktion der Kredite eine Gesundung der Wirtschaff herbeiführen kann, die sich in letzter Zeit zu stark aufgebläht hatte. Aber es ist wiederum kein Zweifel, daß diese Gesundung mit schmerzhaften Operationen verbunden ist, dal! Existenzen dabei aufs Spiel gesetzt werden und daß bei der herrschenden Nervosität auch die Verweigerung■ eines unberechtigten Kredites von neuem zu Beä!1gstigungen Anlaß gibt. Die Schwierigkeiten der letzten Wochen werden weiteren Kreisen die Augen über die Gefahren einer übermäßigen Kreditwirtschaft geöffnet haben, und es wäre wichtig, hier aufklärend und richtunggebend einzugreifen. Eine zweite dringende Aufgabe besteht darin, es gar nicht erst zu einer eigentlichen Arbeitslosigkeit kommen zu lassen. Was in den letzten Wochen geschehen ist, ist keineswegs irreparabel. Bei einer Rückkehr des Vertrauens, für die durchaus Aussicht besteht, kann nach kurzer Zeit die zeitweilige Stockung wieeier in volle Flut, die Arbeitslosigkeit in Arheitermangel um geschlagen sein. Aber bis wir so weit sind und um diesen Umschwung zu erleichtern, müssen die jetzt Beschäftigungslosen sofort in Arbeit gebracht und damit der Konsum und Umsatz wieder gehoben werden. Die Möglichkeiten für eine derartige prophylaktische Politik sind vorhanden. Die Munizipalität von Tel-Awiw hat große Arbeiten vor, die nur etwas beschleunigt werden müssen, um alle Leute zu beschäftigen, die Arbeit verlangen. Die öffentlichen Arbeiten der Regierung bilden ein weiteres großes Reservoir, das aus dem Ueberschuß der Regierungskasse reichlich gespeist wer- Neubauten i Die Synagoge ״Yeshurm“ «m Eingang von Rehaviah Jjtsk. ra. -׳m,, ,T«lr Irv, den kann. Wenn es sich auch heute um einen geringen Pro* /entsalz von Arbeitern handelt, der beschäftigungslos ist, so ist doch die subjektive Lage des Einzelnen zu berücksichtigen; und wenn heute auch bei vielen noch beträchtliche Reserve« vorhanden sind, so darf eine weitsichtige Politik nicht warten, bis sie sich aufbrauchen. Der Start neuer großer Unternehmutigen wird zudem auch die Privatwirtschaft wieder ankur- Türkisch» beln und damit auch mittelbar zur Ueberwindung der Stagnation beitragen. Die Munizipalität Tel-Awiw hat bereits ihre Absicht kundgetan, die Arbeiten aus der neuen Anleihe zu beschleunigen, aber der Apparat scheint wieder einmal sehr schwerfällig zu arbeiten. Es gilt, ihn anzutreiben. Wenn es sich ■dann herausstellt, daß die Vorsicht übergroß war, die Wirtschaft sich von selbst reguliert und Arbeiter für die öffentlichen Arbeiten rar sind, kann die Einwanderung die entstehenden Lücken ausfüllen. Die Entwicklung der jüdischen Industrie Jerusalem. (Paicor.) Wie altjährlich hat die Statistisclie Abteilung der Jewisli Agency in Jerusalem auch in diesem Jahre im August eine Untersuchung über die Lage der jüdischen Industrie Palästinas durchgeführt. Die Untersuchung umfaßte vor allem die Zahl der in den Unternehmungen beschäftigten Arbeiter, sowie die G r ö B e ' der Produktion im Vergleich zum Vorjahr. Die Untersuchung erstreckte sich auf 571 Fabriken, in denen 9902 Arbeiter beschäftigt sind und die 40 ״,ö der gesamten jüdischen Industrie-Unternehmungen des Landes bilden. Die Fabriken, in denen die Zählung vorgenom* men wurde, wurden, uni ein genaues Bild von ihrer Entwickhmg zu erhalten, in zwei Gruppen eingctcilt, und zwar in alte Fabriken, d. h. solche, die bis Ende Dezember 1933 gegründet worden sind, und neue, die nach dem 1. Januar 1931 entstanden sind. Die erste Gruppe umfaßt 366 Fabriken mit 7951 Arbeitern. Die Zahl der Arbeiter ist im Laufe des Jahres, «I. h. von August 1931 bis August 193b um 12,3 ",0 gestiegen. Am stä’kstcn haben die Zahl ihrer Arbeiter die Druckereien und Papierfabriken (um 22 ״/o), die Unternehmungen für Textilien, Kleidungsstücke und Metallproduktion (uni llflö) und die Unternehmungen für, Baumaterialien (tun 12»״) erhöht. Das Anwachsen der Zahl der Arbeiter in eien übrigen Industriezweigen ergibt folgendes Bild: in der Holzindustrie um 8 ״ö, iin Holzhandel um 10 ׳,״», in Unternehmungen für Lederwarcu 5 »/״> Varia 8 °A>. Die Jahresproduktion der Fabriken, in denen die Zählung vorgenommen wurde, beträgt CP 2500 000. In den sechs Monaten Juli bis Dezember 1931 betrug die Produktion der Fabriken KP 1084 100, in den sechs Monaten Januar bis Juni 1933 KP 1 232500, d. h., daß eine Steigerung von 10' n vorliegt. Am stärksten ist die Produktion in den Unternehmungen für die Herstellung von Baumaterialien, für Druck- und Schreibmaterialien (um 20 0״) und in den Metalltabriken (um 18 0׳״) gestiegen. Die zweite Gruppe — neue Industrieunterneh* m trugen -- umfaßt 205 Fabriken, die 2251 Arbeiter beschattigen. Die Zahl der Arbeiter ist in diesen Fabriken im Laufe des letzten Jahres stark gewachsen. In manchen Unternehmungen betrug die Steigerung bis 46 0/0, andere haben die Zahl ihrer Arbeiter um 25 »ö erhöht. Diese 203 neuen Fabriken, in denen die Zählung durchgeführt wurde, sind nur ein Teil der neuen Industrieunter* nehmutigen die in den letzten 1!; Jahren gegründet wurden. Neben ihnen sind weitere 39 Fabriken entstanden, die über 360 Arbeiter beschäftigen. Die neuen Fabriken umfassen folgende Wirtschaftszweige: Holzindustrie mit 637 Arbeitern, Textilindustrie mit 303, Bekleidungsgewerbe mit 116, Metall- Produktion mit 784, Hol/produktion mit 489, Lederproduk• tion mit 253, Druck- und Papiergewerbe mit 100, chemische Industrie mit 280, Produktion von Baumaterialien mit 346, Ekkirizitätsgewerbe mit 63, Varia mit 115 Arbeitern. ״Bauen und Planen“. Unter diesem Merkwort geben die Palästitia-N'ach: i.:h;en (Verlag Ernst Köstenbaum, Berlin SW 19, Neue Grünstr, 30) eine R a u - N u in in e r heraus, die eine gute Uebersicht über das palästinensische Bauwesen bietet. Die Ausgabe enthält interessante Ausführungen über die Bauweise, Mictsprtise, Rautransfer und Transferpraxis, Bauvorschriften und -Gesetze sowie Abhandlungen über die in den letzten Jahren erfolgten Neubauten. Zahlreiche Abb i I d 11 n g e n beleben den Text und geben ein klares Bild von der Entwicklung der Architektur i!1 Palästina. Für jeden, der in Palästina bauen enter siedeln will, bringt dieses Heft wichtiges Material und zahlreiche Anregungen, n Jerusalem י"*־ Das Ilauptpostgebäude in der Jaffasiraße Foiei: M. Y, Bas*G4m<l •״**«*״. ..?«/II .,nscS'ä<?;9p" :KaU *" p׳‘2 וזי MODE PARF U M KO PF WASS E R ־CZEAU DE COLOGNE• BADESALZ t

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