Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 87 (29.10.1935)
- Date
- 1935-10-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite סו JOD!SfcH'f RONDSCHAO Nr. 87, 29. X. 1935 Weitere Normalisierung Das Neueste in Kürze Nach einem Telegramm der Palcor aus Jerusalem vom 25. Oktober hat sich das Wirtschaftsleben in Pa- ISstina weiter normalisiert. Es ist eine weitgehende Beruhigung eingetreten, und die Depositen fite Ben In die Banken zurück. Die finanzielle Position im Lande wird jetzt als durchaus gesichert bezeichnet, und man könne ohne Bedenken sagen, daß die durch die Kriegsfurcht entstandene Krise völlig überwunden ist. Die infolge der Stimmung in der letzten Zeit zum Stillstand gekommene Baubewegung wird nunmehr auch in Jerusalem wieder aufgenommeii, nachdem sie früher schon in Haifa und in Tei-Awiw erneut eingesetzt hat. Eine Anzahl neuer Bauvorhaben wird gemeldet. So wird ein großes Eckhaus an der Kreuzung der Jaffa- und der Ben-Jehuda-Straße mit einem Kostenaufwand von 20 000 Hund durch Aufsetzung weiterer vier Stockwerke ausgebaut. Ferner wird demnächst in dem Viertel Sichren Mosche mit der Errichtung neuer Gebäude begonnen. Jerusalem, 27. Oktober. (JTA.) Vor einiger Zeit wurde in der Umgebung von Akko auf Anordnung der Militärbehörden mit der Errichtung von AI i I i t ä r b a r a c k en begönnen, au deren Bau mit außerordentlicher Beschleunigung earbeitet wurde. Jetzt wurde der Befehl zur Einstellung ieser Arbeiten gegeben. Dies wird dahin gedeutet, daß keinerlei außerordentliche militärische Sicherheitsmaßnahmen mehr für erforderlich gehalten werden und daß für Palästina keinerlei Kriegsgefahr bestehe. Die Beruhigung der Öffentlichkeit macht demzufolge weitere Fortschritte. Der ehemalige Vorsitzende der Palästina-Exekutive der Jcwish Agency, l)r. Arthur R 11 p p i 11, hat sich nach dem Ltizcrncr Kongreß nach Argentinien begeben und ist zur Zeit mit Studien über die Verhältnisse der dortigen landwirtschaftliehen Siedlungen beschäftigt. Nach Palästina wird Dr. R tippin Anfang Dezember 711!üekkehren. Einer Meldung der arabischen Tageszeitung ״Fclestin“ zufolge wunden in Libanon 21 jüdische junge Leute bei dem Veroich, die palästinensische Grenze ohne Erlaubnis zu überschreiten, verhaftet. In Haifa wurden drei T s c h c r k e s s e!1, frühere Offiziere der türkischen Armee, unter dem Verdacht der Beteiligmig an dein Attentat auf Kanal Atatürk verhaftet. I >ie Ihil.i'tina-K’egierung hat ein (jesuch der Stadtverwalfung von Haifa, ihr einen 7.11 schuß von 26000 Pfund zwecks I!erst elliing des (ileichgewiclits im städtischen Haushalt zu gewahren, ahgelehnt. Eine außerordentliche Sitzung des Stadt!■ afs wurde ein berufen, tun einen netten Weg für die Ausbalancierung des Etats zu finden. Die Test id.'ibnk ״l),rh 1׳ d da“ bei Haifa, von der berichtet wurde, daß sie den Betrieb infolge jajv.111i.sch011 und russischen Dumpings einstelleu mul He, gibt bekannt, daß sie trotz ihrer infolge dieses Dumpings schwierig gewordenen Lage w c i t e r g e 1 i! 11 r t werden wird. Es wird jedoch darauf bingewiesen, dal! der gegt mviirtigc 20״..ige Einfuhrzoll auf die Dauer zum Schutz gegen die Einfuhr billiger japanischer und russischer Textilwaren nicht ansreichen kann. Mcrchawia. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß in dem Abschnitt über Mcrchawia, der in Nr. 81/82 der ״Jüdischen Rundschau“ aus dem S.umntTbuch ״Jisrael, Volk und Land“ abgedruckt war, die Jihresangaben falsch sind, ln der Tat wurde Mcrchawia 1910 erworben und im Januar!911 besiedelt, nicht, wie in dem erwähnten Absatz steht, 1901. Dementsprechend sind auch alle anderen Jahreszahlen um zehn Jahre später anzusetzen. Besuch in Deganiah (Fortsetzung von Seite 9) Das dauert bis Mittag, dann wird gegessen - - besonders einfach und nur kalt , dann bis 3 Uhr geruht, und dann zieht alles über die Felder nach Deganiah B, wo die weiteren Wettkämpfe im Laufen und Hocksprung, Diskuswerfen usw. stattfinden. Wir kehren schon um fünf zurück, spazieren durch den wunderbar schattigen, fast waldartigen Pardcss von Deganiah B, trinken Tee im Speis es aal der Nachharkwti/ali und wandern wieder nach A, wo mir Mirjam die von (outen umgebenen Schulgebäude zeigt. Nach den! Abendessen wird im Musiksaal wieder Musik gemacht, wobei ich einen Chawer ntr (feige begleite. . . . Ihn .*'!־■:■;;:■■tag sieht g.111/ anders aus. Hm halb fünf noch ist es dhmmrig - wird geweckt; um fünf zieht nach etwas Tee mul Brot Mirvam mit den Chawerotli in die Fehler. Ich stehe um sieben lihr auf, wandere durch die Farm, komme mir unter all den Arbeitern etwas deplaciert und im Wege vor. jeder hat seine Arbeit, keiner kümmert sich um den (ia>t, keiner hat Zeit für ihn. Selbst wenn man die (iastfreundscliaft der palästinensischen Kwu/.ot ausnutzer! wollte, man konnte es einfach nicht, ohne mit zuzugreifen. Um 1, ,9 kommen die Arbeiter und Arbeiterinnen in ihren Möschen und blauen Blusen vom Felde zurück zum Frühstück. Dann muß ich mich von all den netten Menschen verafaschieden. Ich warte mit viel leichterem Gepäck, aber um ein schönes Erlebnis reicher auf den Omnibus nach Tiberias. Wirtschaft Aus dem Irak wird mitgeteilt, daß die Irak Petroleum Company daran geht, eine zweite, der ersten parallele Röhrenleitung von Mossul nach Haifa zu bauen, um die Ausbeutung des Oels zu beschleunigen. Aus Syrien kommen beruhigende Nachrichten über ein Abflauen der Kriegspanik. Die Preise für Lebensmittel sinken, da das Aufkäufen von Vorräten nachläßt; die Goldpreise sind gefallen. Auch aus Aegypten kommen ähnliche Berichte. Die Einnahmen der Regierung betrugen im Monat August £ •150191. Die Ausgaben £ 352 268. Der Ueberschuß der Regierung belief sich am Ende des genannten Monats auf £ 824 515, Bei Artuf haben die Vorarbeiten für den Bau der neuen großen Zementfabrik begonnen. Die Leitung der Eisenbahnen errichtet für das Unternehmen eine Zuleitungsbahn zur Strecke Jaffa—Haifa. Die Gesellschaft nimmt Tiefbohrungen für Wasser vor. Die Regierung berichtet über die erfolgreiche Durchführung von Tiefbohrungen in verschiedenen 'Teilen des Landes, darunter auch im Süden, der in besonderem Maße unter Wassermangel leidet. Mehrere Bohrungen in der Gegend zwischen Gazah und Beer Schcwa lieferten freilich Wasseradern, die zu versalzen sind, um landwirtschaftlich von Nutzen zu sein. Bei der beginnenden Exportsaison der Zitrusfrüchte in Palästina zeigt sich eine steigende Nachfrage für Zifronen mit Anziehen der Preise. Es scheint, daß die Alex Baerwald Zur Gedächtnisausstellung in der Steimatzki ־ Galerie» Jerusalem Zu der am 27. Oktober, Alex Baerwalds fünfjährigem Todestag, eröffneten Jerusalemer Ausstellung seiner Architekturzeichnungen, Bilder und Graphiken möchie ich einige erklärende Worte sagen. Man verzeihe, daß ich dies nicht einem Sachverständigen oder Gelehrten überließ, aber in sechsundzwanzig Jahren glücklichen, schweren und arbeitsreichen Zusammenlebens glaube ich, wie vielleicht kein zweitter, Einblick in das künstlerische Schaffen des Verstorbenen gewonnen zu haben. Ueber den Werken von Alex Baerwald waltete ein unglücklicher Steril. Dieser Künstler konnte nur - von Todesnähe gequält — unermüdlich und von einer Kunst zur anderen wechselnd, schaffen. Aber er war keine Kämpfernatur. So kam es, daß die wenigsten der bei ihm bestellten oder in Wettbewerben preisgekrönten Projekte zur Ausführung gekommen sind. Sein schönes Gymnasium für Jerusalein-Rehavia blieb so ungebaut wie der herrliche Entwurf zu der großen Synagoge in Tel-Awiw, die schön und kühn gedacht war wie der Florentiner Dom. Das Tachkemoni-Gymnasium in Tel-Awiw mit seiner geschlossenen Straßenfront und dem heiteren Arkaden-Schulhof hätte der Stolz der Stadt sein können, wenn ■die aufgebrachten großen Gelder nur annähernd für den Bau verbraucht worden wären. So blieb der köstliche Entwurf in unwürdigster Ausführung im Erdcschoß stecken. Aehnlich die Haifaer Synagoge, die als uine liegen bleibt, nachdem Alex Baerwald auf Wunsch des Bestellers bis zum Tode an den* Projekt gearbeitet hat. Der Aufbauplaii für das zerstörte Safed und sein reifstes Werk, der Theater-Entwurf für die Habimah, dem er seinen letzten Erholungsurlaub opferte, sind unbekannt geblichen. Aber auch die fertiggcsteilten Werke von Alex Baerwald wahren fast alic nicht das Gesicht, das er ihnen gab. Die Ausführung der städtebaulichen Projekte widerspricht seinen Idealen. Bauten sind durch Aufstockungen und Er- Weiterungen unkenntlich geworden, sogar das Technikum in Haifa wird durch die Neudeckung seiner Kuppel entstellt, und die Uebcrleitung vom viereckigen Afittelbau zum Sechseck der Kuppel fehlt. Aus diesen Gründen scheint cs besonders berechtigt, Alex Baerwalds Werke — wie dies vor drei Jahren in der Technischen Hochschule zu Charlotfcnburg geschah, einem Publikum im Original vorzuzeigen, damit jene, die ihn gekannt haben, sich wieder seiner erinnern und die anderen, die Jungen, die Neuen, ihn kenneniernen in seinem Kampf für Reinheit und Wahrhaftigkeit, die aus seinen Werken spricht. Es gibt kaum eine architektonische Aufgabe, mit der sich der Verstorbene nicht künstlerisch auseinandergesetzt hätte. Stadtbebauungspläne, Siedlungen, große Bäderanlagen am Tiberiassec, Monumentalbauten wie Museen, Banken, Krankenhiiuser, Synagogen, Rathäuser und Theater, Privatvillen und kleine und kleinste Häuser. Sie alle beweisen, daß Alex Baerwald an jede Aufgabe mit dem gleichen heiligen Ernst herangetreten nt Baerwald haßte jede Unklarheit _ und jedes Ungefähr. Wenn er einen Auftrag erhielt, entwickelte sich sofort Vor seinem geistigen Auge intuitiv der Grundriß als ein geitalienische Belieferung des englischen Marktes mit Zitronen dieses Jahr geringer ist als üblich. Die Siedlungen i!n Emek Chef er (Wadi Chawarith), die im vorigen Jahre schwer unter <le!1 schlechten Vir• bindungen mit Tel-Awiw und Haifa litten, weil sie durch die starken Regen wochenlang von der Umgebung abgeschnitten wurden, haben sich mit der dringenden Forderung an die Regierung gewandt, den Teil der Chaussee Tel• Awiw —Haifa, der durch die Gegend führt, bald fertigzustellen, um den! Tal die Mühsale des Vorjahres zu ersparen. Die Regierung verspricht, bestimmte Teile des Weges beschleunigt auszuführen. Politik, Sesellschaft und Kultur Das Beruhigungstelegramn* des High Com• missioners aus London an die Palästina-Regierung wird von der arabischen Presse in Palästina und den umliegenden Ländern ■weiter lebiiaft kommentiert. In Palästina greift die Presse auch weiterhin die Regierung an, die auf die dringenden Forderungen der Araber nach einer Zügelung der jüdischen Expansion schweige und statt dessen die Erklärtmg über Ruhe im Mittelmeer abgäbe. Aus Aegypten wird von den Zeitungen die Frage gestellt, wie sich die Friedens- Proklamation von Sir Arthur Wauchope init den lebhaften kriegsvorbereitungen in Alexandrien vertrage. Die Regierung beginnt mit dem Bau dreier neuer Krankenhäuser für Infektionskrankheiten in Jerusalem, Ramallah und Jaffa. Für Tel-Awiw wurde Z. Mathevv als britischer Richter aus Uganda berufen. schlossenes Kunstwerk und erst dann! aus Notwendigkeit und Raumgefühl geboren, aus dem Wechsel von Fläche, Oeffnungen und Terrassen die Fassade. Er war mit den einfachstcn Zweckbauten einverstanden, und sein Abscheu galt nur dem Billigen, Schlcchtgebauten. Alles Minderwertige, Provisorische hielt er liir verschwendetes, hinausgeworfenes Geld. Dabei ist billig nicht mit sparsam zu verwechseln. Aus Sparsamkeitsgründen vermied Baerwald fast alle Ornamentik. Um sie schön und sachgemäß auszuführen, fehlte es nicht nur an Geld, sondern auch noch an kunsthandwerkiieher Ge- Schicklichkeit. Und in seiner Beurteilung von Handwerk und Material war Baerwald genau so streng und kon/essionslos, wie er sonst nachsichtig und gütig gegen die Schwächen seiner Mitmenschen war. So sind z. B. ■die Zacken auf dem Dach des Technikums in Haifa durchaus nicht als Zierde gedacht, sondern als Schutz und Brustwehr eines einsam in eine Bergwüste gestellten und Uoberfällen ausgesetzten Gebäudes. Nur bei der Anglo-Palestinc Bank in Haifa sind die in Sandstein schön ntotlcliicrten Nachbildungen jüdischer Sehekaiim zugleich geistreicher, belehrender und belebender Schmuck. Dieser Hau der Anglo-Palestine Bank ist vor acht ahren noch eine Tat gewesen, deren Größe man ermesset» ann, wenn man ihn mit anderen Bauten im Merkas Mishari vergleicht. Zum erstenmal war wohl liier ein Bau bis ins kleinste von außen und innen durclidetailiiert und seine handwerkliche Ausführung nur von Juden, von jüdischen Schlossern, Steinmetzen, Zimmerleutcn musterhaft ausgeführt. Ich traf neulich einen jener Bauarbeiter. Er erzählte mir: ״Wenn Adon Baerwald mit unserer Arbeit unzufrieden war,» zerstörte er sie unbarmherzig, aber er machte dabei irgend-? einen Scherz, den wir nicht mehr vergaßen. Und den Fehler' machten wir auch nicht zum zweitenmal.“ Damals wurde ein neuer Standard unseres Handwerks geschaffen. Die Verfolgung eines besonderen ,,Stils“ lehnte Baerwald ab. Bei den von ihm bevorzugten Steinhaufen knüpfte er an die arabische Bauweise an, die sich in Jahrhunderten als geeignet und schon für den Orient erwiesen hat, bei Betonbauten bediente er sich moderner Baufor1nen,_ die sich mit flachem Dach, geschlossenen, nur von kleinen Oeffmmgen unterbrochenen glatten Flächet! wenig von orientalisehen Bauten unterscheiden (Kraftwerk in Tiberias, Kolonie- Krankenhaus in Afule usw.). Natürlich litt aber Alex Baerwald auch unter den be* schränkten Verhältnissen. Einmal kam es fast zu einem Konflikt, weil er für fünf Pfund eine Steinbank anbringen ließ, die dem Gebäude erst seinen schönen Maßstab verleiht! Von all diesen Kümmernissen flüchtete sich der geplagte Architekt dann zu freieren Künsten, wo er unabliängig seinen künstlerischen Neigungen frönen konnte. Es war sein letztes und höchstes Glück, seine geliebte blaue Bucht von Akko mit ihren wechselnden Wolken bildern ׳und die heilige Stadt Jerusalem und die geheimnisvolle Schönheit des Karmel in Farben und in Graphik immer neu zu schaffen. Zeitlos wie seine Bauten, wollen auch seine Bilder keine besondere Richtung oder Tendenz vertreten, sondern nur der Freude am ewig Schönen Ausdruck verleihen. Wenn diese Freude und Anbetung in den Herzen der Beschauer noch einen Widerhall erweckt und rin lächelndes liebevolles Gedenken an den Toten — dann hat diese Aus- Stellung ihren Zweck erfüllt. Lotte Baerwald (Schluß des Palästina-Teils) Die Forderung der Stunde — Neuer Boden für neue Kolonisation Spenden an den KEREN KAJEMETH LEJISRAEL, BERLIN W15, MeinekestraßelO * Postscheckkonto! Berlin 282 47 BRILLANTEN ANKAUF VERKAUF Perlen FubUelne J1 2690/ <1. Leu ■' BtriinW, KurfUr«ten<lamm 234 ft. d. Gadlohtniskireh# Tabakwaren - Großhandlung LEON RAKOWSKlv Berlin W 33, LUtxow.tr. 27. T«t. 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