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Jüdische Rundschau · 1935-10-29 · Heft 87 (29.10.1935) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 87 (29.10.1935)
Date
1935-10-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 87 29 OKTOBER 1935 Jüdische Winterhilfe sucht Helfer Sämtliche jüdischen Frauen-Organisationen Berlins haben die Sammlung und Verteilung der Ffuiidspetide Groß-Berlins übernommen. Zur IMtrchfi'tlming dieses Werkes bedürfen sie ehrenamtlich arbeitender Hilfskräfte jeder Eignung. Es werden benötigt: a) Frauen, die organisatorisch begabt sind, b) Frauen, die geeignete Räume besitzen, um bei sich Haupt- und Ncbensammelstcilcn einzuricliten, c) Frauen, die bereit sind, als Werberinnen und Sammlerinnen zu arbeiten (Adressenmaterial vorhanden), d) Frauen, die in den Ausgaberauinen die Pfundpakctc zusammenstelien. Ferner benötigen sie dringend Autos, die jeden Dienstag nachmittag ab 14 Uhr aus den Sammelstellen di-e Lebensmittel in die Ausgabestellen befördern. Schriftliche Angebote mit genauer Adressenangabe werden erbeten an die zuständigen Bezirksleiterinnen: Bezirk Mitte (1-im-chlit-ljlich Reinickendorf, Wedding): Frau Hilde Rosenkranz, C 25, Gun'.aidslr. 5. — Bezirk Süden (einschließlich Neukölln, liritz, Trcgtow, Baunisrlmlenwi g): Frau Kantoro»־slty, Neukölln, (leygerslr. 17. — Bezirk Norden (einschließlich VVcißcnscc, l’ankow, IlcincrMlorf, Hohenschönhausen): Frau Neihoff, NO 55, Prenzlauer Allee 15. — Bezirk Wilmersdorf-Schöneberg (einschließlich Dahlen», (irunewald, 1 lalcnsec): Frau Hamburger, Gruncwakl, Jagow.tr, 30. — Bezirk Westen-Kreuzberg (einschließlich Tempcllioi, Mariendorf): Frau Hanna Gtitimann, W 35, Bendlerstr. 3G. -. Bezirk Charlottenburg-Nordwesten (cinscliließlieh Sicmcns-tadt, Jungiernlieidc, Weaiemi, Moabit): Frau Schuster, W 15, Kurfürslcndiiniin 214. — Bezirk Osten (einschließlich Liehtenberg, Ruirmtelsbuig): l’rau Sonniag, NO 18. Große lיraתkfurter Sir. 45-46. — Bezirk Südwestliche Vororte (einschließlich Steglitz, Friedenau, Südende, LichtcrkMc usw.): Frau Winter, Steglitz, Feuerbarl1.tr, 48. Wir klopfen an alle Türen .. . Dia ״Jüdische Rundschau“ begleitet die ereten Sammler Am Sotinabcml-Abcnd war die letzte Besprechung auf unserem Stützpunkt. Noch einmal wurden die Sammler irtstruiert, alle Fragen beantwortet, noch einmal wurde jede Straße genau unterteilt. Und fcstgcskllt: Die Organisation steht. Eins der ersten greifbaren Resultate dieser Arbeite- Wochen — 2000 ehrenamtliche Sammler werden morgen von Tür zu Tür gehen. Und wir sind drei von diesen 2(K)0. 80 Kartothekkarten mit Adressen hat jeder von uns bekoin- MITTWOCH, 30. OKTOBER 20.30 Uhr / Logenhaus, Kieiststr. 10 Eröffnungs-Veranstaltung des Arbeitsjahrs 5696 (1935/1936) S. Tschertok ״Die Lehrstätte in der jöd. Kulturarbeit“ Rabb. Dr. Joachim Prinz ״Jüdische Geschichte im Bilde der Zeit“ (mit Lichtbildern) Erster Abend des Zyklus ״Antike“ 3 Abende für Mitglieder der BZV RM 0 90 für Nichtmitglieder. . . RM 1.50 Einzelabend.RM 0.75 Vorverkauf: Anzeigenannahme, Mcinekealraß• J0; BZV-Heim, KantstraÜe 54; Konditorei Hansa, Flcnsburßcr Siraiie 19: Buchhand uns! Safes, Grenadicrstraüe 30 / Auskunft und Prospekte im Sekretariat der Kultur-Abteilung der BZV, Berlin W 15, Meinekeatraße 10 אסון חנביאליק 11׳ ווווסוודוווו irunta בברלין JCeJ^sCcdtt& CfL. fi. Bicdlk des ßeslinss J£jöyuj4'1scJu&*v Oerejnjc^ nxj Oper im Kulturbund Der Barbier von Sevilla In allen Mitsiklexicis steht tadelnd bemerkt, daß Rossini nur den ״einfachen Kontrapunkt“ studiert habe. Wenn man den ״Barbier“ hört, hat man immer nieder die Empfindung, daß es anscheinend damit auch geht» wenn sonst nur das genügende Genie vorhanden ist. Und Rossinis Oper, mit 24 Jihren in knapp zivei Wochen komponiert, ist noch heute wie vor über 100 Jahren die unverwelkte Blüte der italienischen BuÄo-Oper, die damals Schubert und Beethoven so in Ent- Von links nach rechts: Graf Almaviva (Dago Mcvberl). — Rosine (Rita Atlasz). — Figaro (Fritz Lcchner). — Dartolo (Gerhard Rechner F Foto: J. *bnhm 4 . ׳ 'i■/! d zücken versetzte, daß dieser durchaus eine Oper in diesem Stile schreiben wollte, und daß der Komponist des ,,Freischütz“ in einem Briefe äußerte: ״.... wenn mir das Zeug sogar schon zu gefallen anfängt. . Heute, di die Romantik und Pafhetik überwunden ist, haben wir einen besonders empfänglichen Sinn für die spielerisehc Unbeschwertheit dieser kostbaren Musik. Hiervon ging bei der Aufführung im Kulturbund der musikalische Leiter Rosenstock aus; mit leichter Hand, minutiös ausgefeilt, erstand diese geistreiche Partitur zu {rischestem Lehen, das Orchester hielt sich vorzüglich. Auch die Regie Singers betonte mit Recht die komische Oper; sie hielt das Ensemble straff zusammen, rief aber durch manchen kleinen Zusatz, wodurch oft etwas neben der Handlung vorging oder sich bewegte, bisweilen den Eindruck der Unruhe hervor, bei der kleinen, aber geschickt ausgenut/ten Huhne doppelt gefährlich. Die Bilder und Kostüme Gondel ls waren gesell!nackvoll wie intnier. Lechncr hat für den Figaro die schöne Stimme, sein Spiel entbehrte aber der letzten Gelöstheit und des lebendigen Temperaments, das sein weiblicher Gegenspieler, Rita Atlasz, irt höchstem Maße besitzt. Sie gab die Rosine, eine Nachfolgerin der alten Colonibine-Figtir, recht tinbiirgerlieh, mit schöner Stimme und sauberen Koloraturen. Für den Almaviva Dago Mcybcrts gilt dasselbe wie für den Darsteller des Figaro. Die I lohe und die Koloraturen scJiciuen seinem baritonal gefärbten Tenor noch ,Muhe zu mjdten. Seine Ateniffihrung ist nicht elrt-tisch genug. Pc c 11 11 t׳ r als Bartolo war stimmlich und darstellerisch vier Höhepunkt des Abends, seine endlich einmal nicht iiberliet/te Arie ein Kabinettstück. Neben ihm vortrefflich, nur ein bißchen trocken, Olitzki als Basilio. Auch die kleineren Rollen waren ansprechend besetzt, nur die Arie der Mar/eiline wäre zu entbehren. Der Beifall des vollen Hauses war mit Recht sehr groß. I >r. Oskar (1 u 11!!1 a n n men. ״Zu besuchen zwischen elf und drei Uhr“, wurde dazu gesagt... Pünktlich um 11 Uhr stehen wir am nächsten Morgen vor dem ersten Haus, das wir zu besuchen haben. Das Haustor ist verschlossen, wir müssen läuten. Der Hauswart öffnet uns, zunächst ist er ein wenig erstaunt, als wir sagen ״Jüdische Winterhilfe“, aber nachdem wir ihm erläutert haben, um was cs sich handelt, gibt er uns freundlich an, wo die einzelnen Familien wohnen. Das ist wichtig, denn wenn man eine ganze Tasche voll Adressen mit sich herumschleppt, muß jeder Leerlauf vermieden werden. Unsere erste Adresse. Es öffnet uns ein älterer Herr, — wir brauchen nicht viel zu sagen, wir wurden erwartet. Höflieh bittet man uns, näher zu treten und gibt die Spende. Wie sich doch so mancherlei geändert hat in drei Jahren!... Wir wollen uns selbst gegenüber ehrlich sein: Es war nicht immer ein ungetrübtes Vergnügen, für jüdische Dinge und Zwecke die Klingel zu ziehen! Heute steht niemand mehr abseits, niemand schließt sich aus. Wir verabschieden uns und suchen die nächste Familie aut. Reichlich wird gespendet. Und nicht nur das, man fordert uns angesichts des gräßlichen Wetters auf, uns aufzuwärmen oder eine Tasse Kaffee zu trinken. Man versteht nicht, daß wir ablehnen. Immer weiter. Von Haus zu Haus. Jeder gibt, soviel er kann. In einem Gartenhaus wohnt eine völlig verarmte Familie. Wir scheuen uns fast, bei dieser offensichtlichen Not, die Gabe, di« man uns bringt, au zunehmen. Aber ruan drängt sie uns auf, und wir nehmen sie schließlich, um diesen beiden Menschen, die selbst dringend der Hilfe benötigen, nicht vor den Kopf zu stoßen. Es war nur Kupier, das sic in unsere Büchsen warfen. Aber es wog schwerer als so manches Silberstiicle... Wir klopfen an alle Türen.,.. 111 unseren Büchsen klappern Markstücke und Groschen, In den Körben unserer sammelnden Frauen häufen sich die Pfimdspendcn. Und immer wieder müssen wir notieren: Kleider abholen, Wäsche abholen und. .. Spielzeug. Und das ist ein besonderes Kapitel. Offenbar haben auch unsere Kleinsten begriffen, um was es geht. Ohne die üblichen Tränen und Widersprüche zählen sie aut, was sie ihren armen Kameraden neben den Chanukkah- Leuchter legen wollen. Ein großer Sprung. Vom Westen in den Norden. Hier wohnt die ärmere jüdische Bevölkerung. Aber der Wille zu helfen ist in diesen Häusern der gleiche. Wieder klappern unsere Büchsen, wieder reiht sich Notiz an Notiz. Man gibt nicht nur, mau nimmt inneren Anteil an unserer Arbeit. Man erkundigt sich nach den Erfolgen, ergänzt unser Adressenmaterial, wenn Familien neu zuge zogen sind. Rasch wird eine neue Karte ausee-eh!!eben, mul dann gellt es wieder weiter. Treppauf, treppab. Von II bis 3 Uhr. Und pünktlich wie wir begannen, können wir wieder aufhören. Von den St) Familien, die wir besuchte!!, hat keine ״Nein“ gesagt. So zogen 21)1)() freiwillige, ehrenamtliche Sammler durch Berlins Häuser, nicht gezahlt die 1 lelferinnen des f laucublindes und all die anderen, die sich in den I)iend dieser Sache stellten. Egon Wurinanii Kundgebung des Bachad Am 26. Oktober veransialtete der Keren Thora Wa’Awoda in Verbindung mit dem Brith C h a 1 u z i m D a t i i m eine große Kundgebung im Logenhaus, die außerordentlich eindrucksvoll verlief. 1111 Mittelpunkt des Abends stand eine Rede von Rabbiner Dr. Alexander Altmann, der über das Thema ״Juden -- wohinV“ sprach und einleitend bemerkte, daß die Antwort auf diese Frage von der Jugend im Saale bereits gegeben ist. Dennoch berge sie so viele Probieme in sich, daß es trotz der eindeutigen Antwort nötig sei, über sie zu sprechen. Es sei vor allem die Erkenntnis zu verbreiten, -daß es keine persönliche Frage sei, solldem eine Frage des jüdischen Volkes; und jeder einzelne müsse die Kraft haben, sein Schicksal nicht von dem des Volkes abzulösen. Die Idee der Erneuerung werde heute unterstützt vom Zwang der Erneuerung■. Nicht nur die Zionsliebe führt nach Palästina, sondern auch die Selbstsucht. Dies sei in gewissem Maile zu begrüßen, weil so die Idee nicht nur Idee bleibe, sondern eine praktische Gestaltung erfahre. Aber Palästina wachse nicJit von selbst, sondern in der Arbeit müsse der Blick immer wieder auf die Idee zurückgelenkt weiden. Wir Juden suchen keine Zwischenlösung, sondern unsere Heimat, das Rand der jüdischen Verwirklichung. Zu iltin weisen uns die (.111:1 In/im den Weg. Und nur Heroismus könne in dieser Zeit gestaltende Kraft h־!be:1. Aber nur dann, werde sich in Palästina der Traum erfüllen, wenn es ein heiliges Land wird und kein (lolus; wenn alle begreifen, «lall die Probleme des Aufbaus nicht bloli Wirtscliaftliche seien, sondern Probleme der Seele. Stürmischer Beifall dankte dem Redner 111r seine uiifreißeiiden Ausfallrnngen. Außerordentlich eindrucksvoll war der Bildstreifen, der anschließend gezeigt wurde. Er gab einen Eiubliek 111 die Arbeit in C iehringsliof und in einzelne CiiaUizheiinc des Bachad. N. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Mittwoch, den 30׳ Okt. 20.30 Uhr Berolina-Festaäle Scbönhaui, Allee 28 LUhtbildstrcifen ״Der X1X. Zionistenkongreß“ Gruppe Nordring Mittwoch, den 30• Okt, 20.30 Uhr (Conditorei Hansa Flensburger Str. 19 Vom Leben einer Kwuzab Gruppe Ticrgarteo Mittwoch, den 30• Okt 20.30 Uhr jCtiserdamm 78 (Jüd. Schule) Erster Abend des Zyklus ״Geschichte des jüditchen Auf* bans in Palästina" Reh: Dr. Walter Schwarz. Gruppe Westend Sonnabend, den 2.N0V. 20.30 Uhr Spandau, Lindenuier 12 (Synagoge) Rabb• Dr• Max Nußbannt Zionistische Lebenshaltung unserer Zeit* Bezirk Spandau Sonnabend, den 2. Nov. 20.30 Uhr BZV-Heim Landsberger Str.87 Oaieg Schabba! Bezirk Friedrichshain Sonnabend, den 2. Nov. 20.30 Uhr Konditorei Hansa Flensburger Str. 19 Chug iwri Bezirk Hansa Sonnabend, den 2. Nov, 20.30 Uhr BZV-Heim Roscnthaler Str. 44 Chag iwri Bezirk Zentrum-Nord Sonntag, den 3. Nov, 17 Uhr BZV-Heim Landsberger Str. 87 Chug iwri Bezirk Frtcdrichshaia Sonntag, den 3. Nov. 18 Uhr BZV-Heim Landsberger Str. 7 Saichah für Leichtiortgeschrittene Bezirk Friedrichshain Donnerstag, den 31. Oktober, 20.30 Uhr, Jüdischer Club, Joachimsthaler Straße 13 Geheimrat Prof. Dr. H. Strauß ״Krankheiten u. Ernährung!• Schäden bei Juden “ Eintritt für Mitglieder der Ärztegesellschaft frei, für Gäste 50 Rpf. an der Abendkasse Aerztegese ll&chaft Hlr Palästina der BZV MAX RIEGEL [orm PariaerStr.28/29 |0tO ך J 2 Oliv« 5567 M. d. j. Hondw.-V Lief. d. Krankend.. "■ 0*r dfU mmmmmmmmmmmmmmmmmm Otrumpf loh: D. ROSENSTOCK STEGLITZ, SchloOitraBa US All 1.11. SPANBAU, Kloster.tr. 13 Wiener Strickmoden Strümpfe r Trikotagen & BAUCHWITZ Pautsborner Sir. 2" Nahe Olivaer Platz Teielon J 7 (Hochmeister) 5112 יי״״ז *׳״«״ד•, privat-Autos 6. 1713 LEON Die pte Unterhaltung Donnerstag JEDEN Sonnabend u. Sonntag | Konzert — Tanz Musikscha u| Tanz-Spiele Das Spitzenorchester:| | Leon Jordan nnd 7 Solisten | Humor und Spiele: Helmuth Wollt Erik Elken vf für Mitgl. d. jüd. Gemsirtchafl 0: Daitien. £•: Mäntel Maßanf., neue Modelle, Umarb., bill.Stotfar*., Alte SchOtzenstr. 11II Am Alrxanderplatj. KINO-SPIELPLAN VON DIENSTAG BIS DONNERSTAG Residenz Bosambo 5, ל u. 9»׳־ Charl., Kantstr. 130 b. övOaillUW Pelze Anfertigung, Repaiat. Kürschnerei JigOttlS NW 7, AlbrecMstr. 23. Kant• Kbnlgswalser Lichtspiele,ChnrI., Kantstr.54 mit Willi Forst, Faul Hörbiger Wo-ab 5 Uhr. So ab 3 Uhr Carola Höhn. Jgl■ h jibcti Zutritt Bevorzugen Sie bilte die ■ich bei uns empfehlendem Kino■ ״ Puamaiion Wo. 4,45. 7.9.15. So. »b 3 Uhr '<>. «r.hrfolje, wegen 1״־!״ ־«.) Regina- Wels* Fcrdl in Lichtsp..'Oi׳i!mersr}flrfef Str 95 AII8S Ulßfl’fl flßTO HUflf) SctilOter-Theater Han* Attser* Schlfiterstr. 17, nahe Kantstr. ^**!!?^*2? 5, 7,9. 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