Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 87 (29.10.1935)
- Date
- 1935-10-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 87, 29.X. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Wie gestalte ich den ichabbat? Aus dem Reich Für Schabbat, 2. November Wochenabschnitt ״Noach“ (I. B. M. 6, 9 bis 11, 32.) I. Wir unterhalten uns heute über die sieben noaeliidischen Gesetze, die nach jüdischer Auffassung für die ganzcMcnschheit verpflichtend sind. Sie leiten ihre Legitimation nicht ausschließlich aus der Thora her, und wer von den Nichtjuden sieh zu ihnen bekennt, bat den vollen Anspruch, als in seiner Welt vollgültig betrachtet zu werden. Welches sind diese Mizwot? — An Literatur benutze man das Jüdische Lexikon unter: NoachkJische (jesetze. II. Mit Jüngeren bespreche man die Geschichte von der Sintflut. Ausführliches Material, das einer eingehenden Bearbeitung bedarf, befindet sich in dem üencsiskommentar von B. Jacob, im Zusammenhang mit der Geschichte vom Regenbogen lerne man mit den Kindern den Segensspruch, den mar, spricht, wenn man einen Regenbogen sieht. III. Am 3. Marcheschwan ist die ״Jahrzcit" eines der bekanntesten Chassidini-Rahbis, Rabbi Israel von Rizen. Diese Jahrzeit wird in der ganzen Welt von chassidischcn Kreisen gefeiert. In Martin Buber: ״Die chassidischcn Bücher“ befinden sich S. 541—553 schöne Aussprüche des Rabbi Israel, die sich sehr gut zum Vorlesen und zur Behandlung eignen. Man wird bei dieser Gelegenheit ausführlicher über die Bedeutung der chassidischcn Bewegung sprechen, wozu in den Werken Martin Bubers sich viel leicht zugängliches Material befindet. Als Haftarah liest man: Jesaja Kap. 54, Vers 1—17, Kap. 55, Vers 1-5. I. E. Die Sintflutgeschichte Unsere heutige Lektüre bildet die Erzählung von der Sintflut I.B. M. 6, 9-8, 22, die wir einer eingehenden Besprechung unterziehen. Wir haben hier ein Traditionsgut aus uralter israelitischer Zeit vor uns, das, wie wir wissen, aut gewisse babylonische Zusammenhänge hinweist. Berichte und Geschichten von einem schweren überschwetnmungsartigen Strafgericht, das über die entartete und sündhafte Menschheit verhängt wird, und von der Errettung eines einzigen Frommen waren in vielen Kulturkreisen verbreitet. — Es dürfte nicht uninteressant sein, auf manche Parallelen der Sintllutstage, besonders etwa bei den alten Babvlonicrn, einzugelie». Dort heißt der Held der Errettung und der Liebling der Götter Utnapischtim, und ihm gehen die Götter den weisen Rat, sich ein Schiff zu erbauen und allerlei Lebenssamen auf das Schiff mitzubringen, um von der allgemeinen Vernichtung gerettet zu werden. — Auch gewisse sprachliche Eigentümlichkeiten unserer Erzählung verraten einen Rest früherer mythologischer Vorstellungen, es sind Bilder — wie wir heute sagen — von poetisch-anschaulicher und kindhafturwüchsiger Ausdrucksweise. So 7. ß. wenn in 7, 11 die Rede ist von dem unterirdischen Ozean, dem Tchom rabba, aus dem die Quellen der Uebcrsclnvemmiingsfluten aut die Erde dringen. Auch oberhalb der Hiinmelsfeste stellt man sich eine Art von Falltüren, Fenstern und Gittern vor, um den katasirophalen Ausbruch der Wasser zu veranschaulichen. Wir werden gut tun, die spätere jüdische Tradition bei der Besprechung der Sintflutgeschichte heraimi/iehen. Das Sintflutg(.׳schlecht gilt den Alten als das verworfene und entartete Geschlecht schlechthin, das demzufolge keinen Anteil an (kr Auferstehung und am zukünftigen Leben haben wird (Alischna Sanhedrin 10,3). — Weswegen die übrige kosmische Welt mit in das Strafgericht Gottes hineinbezogen ■wurde, erklärt folgende Stelle (Sanhedrin 108 a): ״Gott wischte alles Bestehende weg, das auf der Oberfläche des Erdbodens war“ (I. B. M. 7, 23). — ״Wenn der Mensch gesündigt hat, was hat das Tier gesündigt, daß es mit bestraft wird?“ Es wird im Namen des R. Jehoschua b. Karcha gelehrt: Gleich einem Menschen, der seinen! Sohn das Brantgcmach herstellte und allerlei Speisen zuin Modizeitsmahl zuriehtete. Nach etlichen Tagen starb sein Sohn. Da erhob sich jener und warf das Brautgemach über den Hauten. Er sprach: Habe ich es denn nicht bloß wegen meines Sohnes gemacht? Jetzt, wo er tot ist, was soll mir das Brautgemach? Auch Gott sprach: Habe ich denn das Vieh und das Wild nicht bloß wegen des Menschen erschaffen? Jetzt, wo der Mensch gesündigt hat, was soll mir das Vieh tina das Wild? — Man sollte diesen wunder- Von unseren Be Bielefeld. Dr. Capell, Düsseldorf, sprach am 1. Oktober in einer überfüllten Veranstaltung der ZOG. über: Palästina im Aufbau — Ergebnisse einer Kei-c. Dessau. Am 20. Oktober sprach bei einer Simcha!!)-Thora-Vcrunslallung der jüdischen Oeimünde Landgerirhtsrat i. R. Altert hum, Leipzig, über ״Erneuertes Judentum“. Dortmund. Am 3. Oktober sprach l)r. Hans Cape!!, Dii-scMorf, über: Palästina, eine werdende jiiili* he Welt. Die Versammlung muhte vor Beginn wegen Ueberfüllung geschlossen werden. Duisburg, tn der Arbeitsgemeinschaft der ZOG. gab Hans Seidenberg, Diisseldot f, einen Situation-hcrich! des Aufbauwerke-, und ,-teilte die zionistischen Konsequenzen aus der Lage der Juden in der Golah dar. Frelbnrg I. Br. Der Rynagogcnrat hat in seiner Sitzung vom 15. Oktober 1935 beschlossen, den Arbeitsplan der Reichsvcrtrctung tatkräftig zu unterstützen. Demgemäß ist er dem Jüdischen Aufbauwerk E. V. (Keren Itajeswxl) beigrtreten. Ferner werden für die erste Siedlung der J u g e n d.-A 1 i j a h aus Deutschland, dem Keren K a j c m e t h - L e j i s r a e 1, aus St il 111n״.-rnitU׳l11 200 KM, überwiesen. Weiterhin werden in das Verzeichnis der für das Angeloben von Thoraspenden zugebt—enen Einrichtungen aufgenommen: Keren Ka jemeth und Keren Jlathora. Hamborn. In der Svnagnge sprach am 16. Oktober Dr. Capell über: Palästina im Aufbau —• Ergebnisse einer Reise. baren Gedanken in einem Gespräch aufnehinen und zu vcrtiefen versuchen: Alles auf der Erde ist für und um des Menschen willen erschaffen worden. Das ist letzter Sinn der Schöpfung. Der Mensch aber in seinem Mutwillen vernichtet alles, so daß mit ihm auch alles Kreatiirliche zugrunde geht. Das Turmbaugeschlecht . Sehr sinn- und lehrreich ist auch die Geschichte vom Turmbau in Babel, die wir im I. B. M. 11, 19 lesen und eingehend behandeln wollen. Hier wie anderswo tritt uns ebenfalls eine Fülle von Fragen entgegen, mit denen sielt das antike Judentum beschäftigt hat. Man fragte sich: Woher kommen die Unterschiede unter den Menschen, die verschiedenen Sprachen und ihre verschiedenen Ausgangsortc und Sitze? Wie entstand aus der einstigen Einheit die jetzige Vielheit, womit erklärt sich das Durcheinander in der Welt draußen, daß ein Volk die Sprache des anderen, daß ein Mensch den anderen nicht versteht? Und man versuchte sich daraut eine Antwort zu gehen: Gott hat die Menschheit gewaltsam auseinandergesprengt, weil sie im frevelnden Uebcrmtit ein übermenschliches Werk begann. Der liomo technie 11s rebelliert gegen das Prinzip des Geistes und will in seinem Wahn, im Gefühl seiner großen technischen Erningeuschaften gegen Galt kämpfen. Diese Ueberheblichkeit wird furchtbar bestraft! Es ist die Zerstreuung, die Trennung der Menschen voneinander. Die Kraft, die in der Einheit liegt, wird gebrochen. Die Hybris wird mit Aufteilung und Auflösung bestraft. Den Alten galt auch das Turmbaugeschlecht als das verworfene Geschlecht, das neben den anderen keinen Anteil an der Auferstehung haben wird (Sanh. 10, 3). Die Sundhaftii;keit des ״Dor haflaga“ wird der des Sinlflutgcschlechtes (דור המניל' gleichgestellt. Auch ihnen galt die Verwirrung der menschlichen Sprache als die höchste Strafe, als das grüßte Unglück, das die Menschheit seither getroffen hat. Sanhedrin 109 a wird im Namen des R. Jirmija b. Eleasar überliefert: ״Sie (die Menschen des Turinbaugesehlcchtes) teilten sich in drei Gruppen. Die eine sprach: Wir wollen emporsteigen und dort (auf dem Turm) wohnen; die andere sprach: Wir wollen emporsteigen und Götzendienst treiben, und die dritte sprach: Wir wollen emporsteigen und gegen Gott kämpfen. Die erste Gruppe zerstreute Gott, die zweite wurde zu Affen, Geisten! und Nachtgespciistern verwandelt, und die dritte, deren Sprache verwirrte Gott.“ J. M. Der 2. November ist der Jahrestag der Bai tour- Deklaration. Es kann also an diesem Schabbat die Bedeiitung dieses Dokuments für die jüdische Geschichte hesprachen werden. (Erste Anerkennung des jüdischen Volks und des Zionismus durch eine Großmacht; Inhalt der Deklaration; Vergleich mit Cvrns.) richterstattern Hamburg. Die (>!! ׳.;nippthat den Tod von Ihr! Weißberg Ln Tcl-Awiw zi.1 I.-uhI;i־;e! 1. Fr war einer der aUenen, treuesten und zuverlä.^igsien Miiarciier in der Oiippuppe -eil ihrem Iknteiicn. Neuwied. Hie 1H׳t:<j;r;.;ninf!cie zioui-t hon• .\1 iifi^prim-inodsaft. hatte am 14. Oktober zu eitu*!11 Vortrag von 1)1*. (',iptdi, 1 >1i י“!.. Ido:). in der Synagoge eingeladen. Die (leniuiiidu war fa-1 vollzählig c?rs<!denen und die Ausiulmmgun des Kclervnfcn iandm IcIihaUon JDilall. Oberhausen (Rheinland). Vor fa-t dur gauztii flcmeindu *piach am 22, Oktober Dr. S. W.o 5׳!ma!1n über Ihd.!-t iihUcLo. Mit Spaninnig folgte man senu-n A1:״du’1! imgrn. Die Whkung des Vortia^tD konnte die Ort.-gnijipe ans /ahheiOnu Nuiaiuneldungen ersehen. Trier. Am 2. Oktober puacli II,un Seideuberg, Dus-tddo! S. über das ].!odenproblem der Jugeiid-Alijab. Der vor uberuilltein Saal gehaltene Vortrag löste starken Heilall au-. Ankündigungen Bamberg. Z0<L Am lü. .Ntaember J-'dmvoitiag: Sport in Erest Istael. Keieiat: ,.Zur zbmbihrheu - Breslau: Am 3. Noveinber, 20.30 l.'hr, sprießt IhoL 11 uim Ki-rh jm Jü.Jw’h-Kv)11M;r- VitiDen (leiiieindtu dein in der Le" in;,; b י!bn: ,3 i ־. «u t. ״pkiube und Nüfui wb •e'Dcba'.rk — Am Vcunu'Mg mm 3h! Ihm. Kbrh vor «1er Jüdi-elien Aer/te.-ehai; in de! I.e11;p-1, ■pe ,.I! r.uiia! iun auio« Humor Keilexe‘*, — Am 7. Xowinbei: .\!׳en I dr-' I n 1:1110 vcu- Z\k!׳m, Ju-ep! 1 und burb Schwarz. — Dortmund: Dr. Neubvrgcr. I >ii ■mddni f, gjbt atu 2״!,,: .(.־ ■ t, 0;!) I kn י L; ■!.!ח k -aal den Ivongi (־!hu■! irht. -—־ r.ümia: Am 5. V ׳!:!;׳ .-־:! k .1״ < pii um! Ihn iר Sebw.iiz. ׳— I rankfurt am Main: buk ■ k. - I.■! H..1 ־.!■>. int Novembei he״mne1t f<>!;;<ndc! . iu e! :iug : 5 \ •1! ,׳,0 .־..י-■ i.ihipprr: Vau lh\־( bol! :gie j uc!;-<־!: e1׳ M.׳k!!! u m.i 1'! m ׳ : t. 21 30.״ .',r, ii.iojttsvn;u;;og(\ 9. Novemho׳. K: . Leu!. ,1 ׳ : Sd:! i.m;•.1■ Kunstiihunp und Wo!!!rim; n9..10 ,1 ׳)! in, Mi-0.0;:■!:,■ :;;.־ K. 11. Nu vanher, boüe!'ifjk: K-1! : >. ■ ׳193 .■■..-.•:?■־•ן׳, t".r. M\׳־u. ' ׳ K. Die Aib. ii -״em< in -1!־.! " en n« *11 l ־. N u■■•!, <׳ •». W. Mm ■ mt und <b (iu! hin.ni!1 (WH. . v,;! ׳ ...1! ״׳ h!;!10!,;h.M om. Iho h :/U Ii beiden l’ala-1 i!!a- \ o; h י - u 111 ■ ־ ז h v! 111 סי bei.. gm1׳ h D4;.׳ m ,:!der an eiheiu Alien30 .!׳, t )kn!!!:1!1:;׳- ,!־;le1!־.!v00־. IbnosO/ 11. 11:1׳;■mim׳ Ad ״!:׳״gi im 1!חk,!!t 11:11 2 ׳. hl l in, h. k :?׳׳..''׳■!״•: d:•.. ׳;111!״ um 21 Ihr p׳'mk!b1!׳. A י .׳׳2 0 ־ b, -;:n .19 13 י ';:;, min m der ^^h'-vtc^d ■\D-,g״(׳ ׳;e T k,1 1h: ■:'׳׳ \ ח: : v •o Di. l\j'b: M.־11'׳• Hut /ui 1- "־-‘mph••״\ -.׳!,׳n <11־ mv M b! m1. Mhpmt d! am I hiilTI 'T;.; ־!' ,11 י. \;, k :־ ס i: K 0 1! י! - ^«;•i '1 A!b׳.-'.,׳ in den D:.1k rmmlimlm?A 1 :־. A% d m i .1 < hülrl bc- Halberstndt: Am 20. t >\י b־m k ■!,׳!h |-<־;b S :mm■׳!'kl.׳vier) und Boris Sohvmiz ()’סוסיו:■), - Main/: ho lohd.mi- -■וין:! hi Dr. 1 1;ms Pomeran/ über die ,/i! •.!:!!:;־!!.! ,;! >U; ,0 ־׳■■׳-■ :!mi ]hv,1'p;11j.; naeli dun XIV. Ronpii. id״!.-'יי .'.■3 1!■!; ־hm. 2׳׳!! 1!3 ׳, mi bunord(;- .-;mh . Marienwerder (Westpreußen): A:n th -ז!!)1!;ןי R. m;!! 1.1 m 111 >1 ■1 : .. I .m׳סס \!■! 1׳ 1 ׳ - /!;Im;:•1׳ ־!. : I\ odm ־' in dir Sni• agnge. —- München: Die!-r.i.-lit i-he K 1do10.׳;״m ind«׳\ ׳! ratn» .dtm guuciii-om mit dem t)!uring ־!'!!׳ b1i;s׳!n׳n } ugi w 1\!! I bi mlo Miinfhrns nach dem!klndkum von Dr. Kdn.oil Strauß (K:ank!ur!) als ׳/.,veiuTi Tugendiiih! er - Sd!!dninp-kurs: d ie-e- I .!brtm einen Singktu's, ries* 5mm j.eiüme Direktor Karl Adler, SiuHparf, übernommen hat. Der Kurs findet vom 1. hb3 <־. Nnvember im Sit/imp-mud der I'!׳aelithohen Ku lumpen!rinde M 1in11 ׳ en Uatt. Di!׳ T<■ il: u! m 1e' »ediiigungen lind Kurs/eiten ־'!lui voll llaih Lamm, Mum'hmi 22, Sei 1! ie ß i arh (Fernruf 239 01}, zu eilmhen. -- Münster (Westfalen): Am 3. November ver.m-iahet die /י Ml. eineti \’׳<rhag mit i )!־. Wa -mmn! 111, Oberhausen, über (hm Tluina: .,!km hruti<.;e l’ald a ina und -,eine Bedeutung für die Juden in Deut sohl,md. — K!geimi> eine! Pal.u-t inareise‘‘. Familien - Nachrichten Herr Ludwig Mahler. Frahkiurt am Main, Blumeimtraße 10, beging am 27. Oktober den 70, Orbtu mia;;. Bar Mizwah-Termine Am 2. Novciiil'1'1 ״. M..1■!1, ,: Iv.i,!: K 11 : ״!! o! 7. Sohn des \׳ יז-ו*ך! I m g R •: iii.ni/. uni i r.!1! Näv:,:, S.'hihdicr, Bies- 1.1״, Sri,!,,!Sir. 53 Arn 9. .X• .■!r.'>,13 —!׳. M.;r.!״'■>. Mva.,: I .<.> K .u z. Solui von Max Kat/., Nümi,ng-\Y.,!> ov-tt. 1. Aus dem Hebräischen von 'Dr. Max Mayer, Jerusalem 17. Fortietiong Ntchdrack verboten Häufig kamen zu ihnen die Leute des Werks, und das Gespräch drehlc sieh immer um die Einzelheiten der Uebcrschweiriitiiing. Unter den ersten, die sieh beeilten, .lizehnk zu besuchen, war Issar, Führer der lxikomolive III, der bis spät in die Kaelil, bei ihm saß und erzählte: ״Irn Finstern konnten wir iiiehls unlersrheiden. Wir sahen nur den Wasserschwall, der den Damm durchbrach und sieh in breitem Strom ins Betonhelf, ergoß, das zum Slaubecken hinabz.ivlil, 1111 Dunkel hörten wir ein Aufprall en mul Knarren und wußten nicht, was es hedeniet. Aller als es Morgen wurde, erkannten wir den Ort nicht mehr. Das Wasser war genau so schnell, wie es cingcbroehcn war, verlaufen. Das ist po mit den Regengüssen im Oedland: sie brechen von den Bergen los, überflute.» das Tal und wälzen sich mit dem Fluß südwärts. Das Betonbett und die Fundamente der Kraft- Station waren mit ,Morastsumpf bedeckt, den das Wasser hier- 11er getrieben halle. Die Kanäle und Abflußöffnungen, die EisensUängc und Maschinen — alles war verstopft mul mit Morast bedeckt. ,Nur da und dort ragten die Krane einer Maschine, ein Lokoiuotivkainin, übereinaiidergehiiiiftes Eisen und Holz, zerstörte Baugerüste und ein wie durch ein under hängen gehl!ebener Balken hervor.“ ״Und der Ingenieur Agar?“ — fragte Jizchak. ״Sein Gesicht war wie von einer Wolke uimhislert. Er ließ llasdud zu sieh rufen und beauftragte ihn mit der Durchföbriuig der Beerdigung Abu-Fals'. Dann versammelte er das Lager und sprach zu uns. Er sagte, daß wir heute bcweisen Könnten, ob wir richtige Arbeitsieute sind. Er sagte ferner, daß wir Werkloule nicht ins Oedland gekommen seien, um nur unser läglirlies Arheilspensnm hinter uns zu briiijren, vielmehr seien wir eine Arheilsarmee, der es aufgegeben sei, immer wieder zu arbeilen, bis sie im Oedland eine Heimat für den an Körper und Seele müden Menschen anfgerielilet hat. Dann wurde das Zeichen gegeben, und das Lager׳ setzte sieh in Bewegung, um Ahii-Fals zur letzten Ruhe zu geleiten. Mir stiegen einen Hügel hinan, der übers Werkareal schaut, und dort befahl der ,Alte‘ ihn zu beerdigen. Dann ging!׳!! wir wieder zu unserer Arbeit hinunter. Aon da an arbeiteten wir Tag und Nacht schichtweise in den Morastpfülr.cu. Als wir an di« Schienen kamen mul <1 ie Tmkomoliven wieder zu arbeiten begannen, ging die Arbeit schneller voran.“ ..Und die ,Oedlandkompanic‘?“ ..Die packten ihre Bündel und gingen. Man sagt, sie hätten das M’erk, den Beton, das Eisen und den Satan lautschreiend verflurlit, der gekommen sei, die uralte Ordnung des Oedlands zu ändern. Sie sagten, Gott lialve diesen Ort verflucht. Seither sind sie nicht mehr zur Arbeit gekommen. Ihre Spuren sind wie auspelösrlit. Nur der Knalie Fais hatte lange auf dem Hügel neben «lern Grab gesessen, und war dann in die AVerkstätle zurückgekehrt. Der ,Alte' befahl, das Grab zu tmiz.äunen und ringsum Bäume zu pflanzen, ,letzt ist man damit beschäftigt, die Schäden des Einsturzes, die die Hochfhil verursacht hat. nusz111>e«orn. Es bt ein Jammer, daß der arme Alm-Kais dabei ums Lehen gekommen ist.“ Jedesmal, wenn Leute des M’erks Jizrliak besurhten, schlossen sie das Gespräch mit der Erinnerung an den Tod Abu-!•’als’. Dann saß die Runde in stummer Trauer. Manchmal unterbrach der eine oder andere das Schweigen: ״Weißt du, Jizchak. seit der Uebcrsrhwcnimnng möchte ich am liebsten das Merk mul das ganze Oedland verlassen.‘׳ ״Und wohin willst du gehen?“ ״Siedeln. Besser ein trockenes Stück Brot, aber Ruhe dabei,. ,.Auch ich meine 90“, sagte Chan na. Boi diesen Worten spannte sich die Gesichtshaut Jizchaks und unter großer Anstrengung ordnet er seine Worte: ״M’ir, die Menschen mit den zehn Fingern, haben keinen anderen Platz außer irn Werk. Wenn wir allein zum Kampf mit dem Oedland auszögen, würde dieser Kampf ungleich schwerer sein als die Arbeit im Werk. Wir können uns mit Nassen oder!len iil!ri”1׳n G1׳hllc!1l11׳! nielil vergleichen. Die lassen 11:1 Oedland ן *! lü een nnd plan/en, n!me aul den Ertrag des Jahres angevv i1!./ 11׳,<׳ -ein. M!r 11!11 ::׳..:׳׳en mü- -en vom I;!׳.)״ an, da vvir auf den l)!Hleu ziehen. \״n ihm!'ro! zum E-sen fordern, denn -on-l leiden wir llnncer. \11 Stelle der regelmäßigen, durch die Ma-rliine ve! nrhielen \rheit, würden vvir unsere Kraft an de״ kahlen Buden, an den Vv erh-el von Sturm und Reizen vergeuden und am Taw״ der Entbehr!!׳״: verzvveifein. Die Idee des ..Ulen“ Et die ehrliche und starke hleo der Arbeit. \ nn ihr sollten vvir mehl ahw riehen. \ iclleirht kommt noch der Tu:!•, an dein der Mann an den Boden herangellt wie an die Ma-rhine. Daun wird er mit dem M asser und der Sonnmwarme arbeilen. wie er heule mit dem Hammer und dem Bad arbeitet, und dann wird auch an uns die Reiho kommen, auf eigener! Boden zu ziehen.“ So pflegte Ji/elink zu sprechen und bemüh!« sich, seinen Gedankengang der l!!mde klarzumaclu'ii. Al!er die Idee des Siedeins halte sich bereits in den Herzen Balm gebrochen, Es liefen Gerüchte über steigende Bodenpreise im Oedland um. Der Hunger nach Boden war gewachsen. Man erzählte von Leuten, die von ihrem Tagelolm Groschen um Groschen sparten mit der Absicht, sich ein Stück Boden zu erwerben. Auel! die Kameraden Jizchaks sprachen unaufhörlich auf ihn ein. Einmal wurde eine Beratung in seine Baracke einberufen, zu der ein junger Mann mit bleichem Gesicht und nervösen Bewegung(•» eingeladen war. Das war A r i e 1 i, der allen als Fachmann in Bodensachc» und eifriger Belürvvortcr des Arbcitersiodhmgsgedankons bekannt, war. Di« Leute saßen, um den Tisch und st reckten zu Ehren des Ruhetages ihre müden Körper und schlaf fei! Muskeln auf dem Boden der Baracke aus. Arieli sprach und bewies die Richtigkeit seiner Worte mit Zahlen. Aber je klarer und hegründeier ihm seine Gedanken schienen, um so mehr verlor erden Kontakt inil seinen Hörern. Er schlug ihnen vor, einen Fonds aus Spargroschen zu gründen und sich damit einen Kredit zu verschaffen, und mit Hilfe dieser beiden an die praktische Diirchfiilining des Siedln!igsgedankens zu gehen. Aller je mehr Arieli die Einfachheit dieser Sache beweisen wollte, um so schwerer fiel es den Anwesenden, ihm zu folgen, denn alle konnten nur mit Mühe die Hauptsache, auf die es ankam, begreifen: