Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 87 (29.10.1935)
- Date
- 1935-10-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 87, 29 X 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Die Juden im Einzelhandel Der ״Völkische Beobachter“ vom 27. Oktober veröffentlicht einen Aufsatz.: ״Die Judcnfra.gc im Einzelliandel“ von i)r. Franz H a y 1 e r, Leiter der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel, in dem cs einleitend heißt: ,,ReidiMiunLter Dr. Frirk hat in Saarbrücken kürzlich mitgeteilt, 11 a!'* man in /.iKaimmmluing mit den A114ührung-bestimmnngeii zu den Nürnberger Jiulengcseizen sieh teilweise aiirli mit der wi r t s c h a! t I i c h e n T ii t i g k v i t d c r J u tl c 11 befassen werde. Die Nürnberger Gi'-rtzc lücten eint• Grundlage, 11111 die Judentrage in der Wirtschaft einer srhriitwoben. aber wirklich umfassenden Losung ent -pier IkmuI dem Part eiprogr.imm ent gegen/1!1 ׳!bren. B-vor durch «len Führer dieser At1-g,1ng>|>1mkt nicht an״cs׳otzt war, muhten die Yoi^chlage und Aktionen gegen die wirUrhaitliehe Steilung der Juden irud.st eng und liiekenbatr bleiben. Ks tauchten Ansiebten auf, die sieb die Lonnig der Judenfrage wohl etwas leichter machen wollten, als cs die ganze Schwere der programmatischen l’orderung der NSI).\P. zuliiöt: in einer vdelgekoenen Zeitschrift wollte man H. vor einigen Monaten die Jnlen'rage in der Wirt* schaft. schon aL gelbst bezeichnen, wenn der national-ozialistisclie Staat die wirf «־hui! lid 1e Betätigung der Juden .auf Handel und Verkehr beschränke‘. Die■ Befürworter sicher yioinungen konnten nicht erstaunt sein, wenn sic aus den Kreisen deuiseher Katifleutc recht geharnischten Wideioj 1!uch fanden. Der H a n d e 1 ist nicht nur eine wirtschaftlich, -sondern auch n a t i o n a 1 ן) o 1 i t i s r h wich•■ t 5 g c ],'unkt i o n. Fi s geht also nie 11 t a tu d a ß m a n s o entscheidende A u i g a b e n w i e d i e des Handel s m ehr oder minder lei e h t e n Simits detn Juden ausliefert. Wenige Monate später schien auch die Kniwicklung einen fast genau entgcgengcsei zien Weg zu gehen: Aus lx*reehtig!cm l’nwillen über den erneut bcitte! kharen Aiisdehnungsdiimg der Juden in der V. i! t schuf ז verbuchte!mm gnade im L i n z c 1 h;1 11 d e 1 durch K c n nzeic h n u n g v o n C » e s c h ii i t e n einen scharten Trennmigss, rieh zwischen dem deut-clien Kaufmann und <lcrn jiidiM'hen Händler zu ziehen. Aber auch bei den Aktionen zur Kennzeichnung d e u t scher G es c 11 ä i t e zeigten sich von vornherein Mängel, Lücken, ja Geiahten. Ks fehlte vor allem an einer einheitlichen 11c- Stimmung der Merkmale eine-•, ,deut>ehen Hör Lind. So kam cs, daß au verschiedenen Orten bestimmte Betriebe als deutsche Geschäfte gekennzeichnet wurden, die nach den Grund sätzen in anderen Gebieten eine solche Bezeichnung unter gar keinen Umständen erhalten hätten. Den wirklich rattiiüer! getarnten jüdischen Betriebern könnte auf die-e Webe ungewollt geradezu ein Vorteil gegenüber denjenigen jiidbehen Händlern gegeben werden, die auf Tiiusehtmgsversuche vorziehten. — Bei allen Mängeln haben die bbherigen Kennzeiehnungsak! Ionen im Kin/.elh,1 ndel doch letzten Endes den Nutzen gehabt, zu zeigen, daß man h i t: r m i t K i n z c 1 a k t ionc n n ich! w e i - ter kommt, ja «L ß geradezu durch sic die Gmmkmfgahe der Zuiü( kdrängung des jüdhehen Kinf'lus-es aus der deutschen Wirtschaft gekündet werden kann. N u r c i n c wirklich alle Id i 11 f I u ß - gebiete des J 11 d c n tu m s in der Wirtschaft berücksicht i g c n d e, schritt weis e, a b er p l a 11 m ä ß i g v o r ־ geti lv b < n e R c g c 1 u n g 1) ring t tj n s hier der E r f ü 1 - 1 u n 1> ׳׳ e s P a r! e i ן> r o g r a m m s n ä 11 er.. Der Verfasser erörtert sodann die Frage des jüdischen Einflusses in der gesamten Wirtschaft und stellt die These auf, daß dieser Einfluß auch außerhalb des Einzelhandels bedeutend sei. Er kommt zu folgendem Schluß: ,,Wenn somit -eine /.ariiekdiängung deo jiidbehen Einfluss in der Wirt schalt sieh nicht auf einzelne Wirü^rhaii'-stufen beschränken darf, sondern sieh nach einem wirklich alle Zusammenhänge und Verflechtungen der Wirtsehait (auch mit dem Audand) benick-bhtb gernlen Plan vollziehen muß, so hat doch der Einzelhandel aus volkswirtschaftlichen und \cr b rauchspol it i Das Wiener Chajes•״ Realgymnasium im neuen Heim Von unserem Korrespondenten J.R. Wien, 25. Oktober Im Rahmen einer schlichten, aber überaus cindrucksvollen Feier fand am '23. Oktober die •offizielle Einweihung des neuen Schulhauses des Ch a j c s ־ R e a 1 g y m - nasiums in der Staudinger Ciasse im XX. Bezirk (s. ״J. R.“ Nr. 79) statt. I>i« Feier, die durch die Anwesenheit offizicller Vertreter des Bundesministeriums für Unterricht, des Stadtschulrates und des Bürgermeisters von Wien, sowie durch die Spitzen und Repräsentanten des jüdischen Wien ihren offiziellen Charakter erhielt, war mehr als bloß die Einweihung einer Bezirksschulanstalt. Etwas von dem Geist des Namensgcbcrs des Chajcs-Realgyinnasiums, des Oberrabbiners Prof. 2\vi Percz Chajes erfüllte die Atmosphiire. Alle Redner des Abends haben dem Gefühl des Dankes an Chajes Ausdruck zu geben gesucht. Vom Oberrabbincr Dr. Feuchtwang, dem Nachfolger Chajes’, der als erster seine Ansprache mit Gedenkworten an seinen großen Vorgänger cinieitete, bis zu den Klängen des Kinderchors schwang überall der Name Chajes, der zum Begriff geworden ist, mit. (Es muß erwähnt werden, daß die Gründung des Gymnasiums im Jahre 1919 auf die Initiative des Kulturausschusscs des Jiid. Nationalratcs für Oesterreich und seines Vorsitzenden Adolf Böhm zurückgeht. — A. d. Red.) Von außerordentlich starkem Eindruck war die Ansprache des Direktors der Schule, Dr. Victor Kellner, der seit Bestehen des Gymnasiums die Anstalt mit größter Hingabe leitet. Ein Großteil der Anerkennung und Sympathien, deren sich diese jüdische Lehranstalt nicht nur in der jüdischen Jugend Wiens, und in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung, sondern auch bei allen Unterrichts Behörden erfreut, galt an diesem Abend nicht zuletzt diesem verdienstvollen Schulmann. Palästinafilm in. Genf Genf, 27. Oktober. (JTA.) Auf Einladung der Verfretung der Jevisfi Agency for Palestine beim Völkerbund wohnten am 20. Oktober sämtliche Mitglieder der Ständigen Mandatskommission mit dem Vorsitzende», Graf Theodoli, an der Spitze, die Vertreter der Genfer Regierung, alle beim Völkerbund akkreditierten Diplomaten, das Konsularkorps einschließlich der Vertreter von Staaten, die dem Völkerbund nicht angeboren, etwa 300 Beamte des Völkerbundsekretariats und des Internationalen Arbeitsamtes, unter ihnen die leitenden Männer dieser Institutionen, Vertreter aller in Genf ansässigen internationalen Organisationen, die meisten Professoren der Genfer Universität, etwa 60 Pastoren und andere geistliche Würdenträger und fast 1(» Vertreter der Schweizer una der internationalen Presse einer Vorführung des Keren Hajessod-Films ״L a n d der Ver h e i 15 u!1 g“ in dem großten Lichtspieltheater Genfs bei. Der etwa 1200 Plätze fassende Saal war vollkommen gefüllt. Der Film fand bei den Gästen stärksten Beifall. s c 11 e n G ründc n den bcs o n d c r e n \V u n sch, auf dies e 111 G c b i c t so s c 11 n c U vorwärts z u k o r» m e n, w i c dies n a c 11 Ansicht der Partei- und Staats{ ii 11 r u n g nur irgend möglich ist. Nach dem Parteiprogramm und durch mehrfache Anordnungen des Stellvertreters des Führers ist es den Parteigenossen untersagt, in jüdischen G e :י c h ä f - ten zu kaufen. Die dadiitch natürlich im Einzelhandel verstärkte Tendenz jüdischer Ge-cliäftsleute, .־,ich unter irgendwelchen neutial oder gar arisch klingenden P'iimennainen zu tarnen, führt auf die Datier zu unerquickliolicn Mißverständnissen Und Kon! 1 ikt c n. Wir iniF-en den Wunsch verwirklichen, den kürzlich Gauleiter und O 1) 1' r p r ä s i d c n t Koch aut einer Tagung des Einzelhandels so formulierte: ,Sorgen Sie dafür, daß der deutsche Kon-umcnt den deutschen Kaufmann findet.‘ Eine künftige Kennzeichnuitg deutscher Ge-chäfic müßte aber nach einheitlichen Gesichtspunkten, in richtiger Form und unter wirklich gewissenhafter Nachpriihing de* Ein/ellalles erfolgen. Nicht minder wirlit ig i-t o, zu verhindern, daß Juden, die aus andeien Tat igkeit *herrirhon verdrängt wurden, sich nunmehr dem Ihmdel zuwenden und in bestimmten 'Peilen des Handels ihren an 1-i<d1 schon bedenklich hoben Prozentsatz noch vergrößern. Bei dieser Feherlegung sollten wir manche Erfahrungen am vergangenen /eiten nicht vergessen. Das ganze Schwergewicht der na t ionalpo!it io ium Bedeuning eines verantwortung-bewußt handelnden deutschen Kaulmannstum» als Treuhänder der VolDver-orgung wird erst in kritischen nationalen Perioden voll deutlich. Wir haben in Deutsehland au* der Kriegs- und Nachkriegszeit dafür .sehr eindringliche Beispiele. Die richtige Lösung der Judenfrage im Handel ist also eine Aulgabe rechtzeitiger Vorsorge. K i n IC i n 7. e 1 11 a 11 d c 1 s s e h 11! z g c s e t z, das rl i e E r ö f f ת u n g neuer G c s r h ä f t c nicht nur von der h i n r c i e h c n d e n Sachu n d F a c!1 k u n d e. s o n d e r n 11 uc!1 v o m Nachweis Wirtschaft*-!11! d s t a a t s ין o 1 i - t i s c h c r Zuverlässigkeit abhängig in a c h e n w ii r d e, könnte den Ansatzpunkt zur wirk4* a m c n A u * s c hatt u n g 1! e d c n k 1 i c h e r IC nt wickln n g c n di e s er Ar t biete n.“ Sodann erörtert Dr. Hayler die Frage der Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses. Er fordert, ״daß bei kirnttiger Ausbildung des Lehrlings Vorkehrungen getroffen werden, die bei etwaiger Lehrlingsausbildung in jüdischen Betrieben den Einfluß des Juden ausschaltcn. Trotz solcher Sicherungen wäre die Ausbildung von Lehrlingen in jiidischon Betrieben eine Not- und Uebcrgangslösung. Daher muß man in solchen Fachzweigen des Einzelhandels und in Orten, wo der jüdische Wirtschaftseinfluß besonders stark ist, ihn schrittweise so weit zurüekdriingen, daß mindestens bald eine vollständige Nachwuchsausbildung auch durch arische Geschäfte allein gewährleistet ist.“ Abschließend heißt es: ,.Ein seif über hundert Jahren übermächtig gewordener jüdischer Einfluß in der Wirtschaft kann nicht durch lokale Experimente, sondern nur durch eine gesetzlich fundierte, auf die totale I. ö - 5 ring der Frage schritt vvei.c hin/ielcnde Ar heit bekämpft wer! len. Es liegt nicht hei einzelnen (Iruppen Otter Orgt ni-at Ionen, die Marsch- Geschwindigkeit und dir jeweiligen Etappen dies«- großen Reinigung.■;- aklion anzugelten, sondern die Führung der Partei Ito-timmt gerade auf diesem Ocbiet maßgeblich auch die Gewt/c-arbeit des Staates. Audi die Wirtschaft hat die Auigalx׳, sieh für die jeweiligen Lösungen, auch wenn sie Einztllösungen sind, Ixrcilziilialten. Sie darf datiibcr nicht vergessen, daß der Einfluß der Juden riet zu umfassend isf, als daß man ohne Teillösungen - - als haappen einer langaus-?rhniienden Säiibcrungmi'hcit des Nationalsozialismus in der Wirtschalt — auskommen Pinnte.“ ״Nichtarier“ und y,Juden11 Die ״Frankf. Zig.“ vom 26. Oktober beschäftigt sich mit der Frage der Termini ״N i c h t a r i e r“ und ״Juden“ auf □ rund von Presseangriffen, durch die das Wort ״Nichtarier“ abgelehnt wird. Der Artikel sagt hierzu u. a. folgendes: ,.Der Begriff des Nichtariers hat sich an Hand der deut« sehen Gesetzgebung selbst als Abkürzung; entwickelt. Alle jene ncucicn Gesetze, welche doulsehe Staatsangehörige jüdischer AhMammung betrafen, sprachen bis etwa zum letzten Nürnberger Parteitag, soweit uns bekannt, ist, auwhiirßl Li* von arisclier oder nichiari.-rher Abstammung und vermieden da* Wort ,.Juden". Noch das Wehrge-cfz enthalt z. B, in § 15 die 1׳ oirnulienmg: .Per-onen 1־» icht arischer Al>starnnnmg.‘ Au!׳h BaiU'irl ien*t*tcilcn ufid Beborden verwandten bis in die letzte Zeit den Aufdruck nichtariwh als unvermeidlichen Sammelbegriff, etwa Harn Hinkel, wenn er unter dem 20. August von ,nichfar■beben Berliner Kino!heaferbe-äi/erii‘ sprach. Das alles geschah mit gutem Grund: Alle jene nämlich, welche -- um den bekanntesten Fall zu nennen — von dem ,Gesetz über die Wiederherstellung des Beruidx'amien! uni-ö nb Nirhtarier erfaßt wurden, hauen nur das eine gemeinsam, daß *ie nicht oder nicht rein arbcher Abstammung waren. Es fohlte ihnen aber (und zwar weit, mehr als der Hälfte der iioge-amt Botroifenon) die andere Kigense■huft, die von manchem in dem Begrüf ,,Jude‘ mitgedacht wird: die Möglichkeit, ja die Fälligkeit, Mitglied der jüdischen Gemeinschaft, die eine Reügion-gemcin-ohuft ist, 7.u sein oder zu werden.... Das R.as>eprinzip fragt nur nach der Abstammung; neben der Abstammung bestehen aber jene r e I i g i ö s e n U n t e r - schiede weiter, und die daraus folgenden Grenzen sind schwer, teilweise überhaupt nidif aus der Welt zu schaffen, .... Wenn man sich dazu entschließen würde, einen christlichen ,Ilalbarier‘ in Zukuuft einfach ,Juden‘ 7m nennen, so würde man damit nur wesoniliehe Tatsachen verschleiern, man könnte aber rieht erzwingen, daß der Betreffende, wenn er auch von der einen Gemeinschaft au.gcschlossen wird, sich der anderen anschlö.s.se. Denn dafür müßte er seine Koniession wechseln. Ks lassen sich auch unter dem Begiilf ,Juden‘ schwerlich für alle Betroffenen die gleichen praktischen Konscqttcnzcn ziehen. Beispielsweise ließe siel! wohl kaum denken, wie man die Kinder eines katholischen I lalhjuden in eine jüdische Konfcssionsschulc schicken könnte. In allen Fragen, die mit dem Glauben Zusammenhängen, aber auch in Angelegenheiten der Kultur, in denen sich christliche: und jüdische Elemente oft stark voneinander unterscheiden, mögen die Dinge \iclfach nur verdeckter, aber nicht, weniger schwierig liegen. Ein Thcatcr-aii! k etwa, in dessen Milte!- punkt. Elemente jüdischer Religiomgcschichte Mehen, hat für den Juden ganz andere Bedeutung als z. B, für einen christlichen Halbjaden In dieser Richtung liegen die Gründe dafür, daß die aus praktischen Bedürfnissen der letzten Jahre enf-tnndene Anlehnung von rhristliehen Nichtariern an jiidi-ehe Organisationen relativ 1mbedeutend geblichen ist. IN ist anzunehmen, daß viele, daß wohl die meisten Juden selbst den Wunseh haben, .Juden4 genannt zu werden. Aber das macht den Begriff ,Nichtarier‘ nicht überflüssig. Denn der Begriff ,Nichtarier‘ ist nur ein Au ־druck der Tairsaehc, daß bei denen, die von der ,Ariergesetzgebung‘ Ixttroffcn werden, Unterschiede vorbanden!)leiben, die nicht übersehen werden können.“ In der Tat bringt die Zusammenfassung der hier richtig charakterisierten verschiedenartigen Elemente unter dem Begrift ״Nichtarier“, der sozusagen eine juristische Hilfskonstruktion ist, Schwierigkeiten mit sich. Fht das jüdische Leben scheint uns nur der positive Begriff Jude zulässig. Verschärfung’ der spanischen Fremdengeselzgebung Von unserem Berichterstatter Bartel o!1 a, 2. 10. 35 In Auswirkung der französischen Fmudtiigest'izgcbung, die nicht nur eine grolle Anzahl spanischer Arbeiter aus Frank.re'r!1 nach Spanien /urüekfluteu ließ, somlern auch AnlalJ der Wciterwanderu ng einer beträchtlichen Anzahl der Emigranten aus Deutschland von Frankreich nach Spanien wurde, hat Spanien seine F r e 111 d e 11 g e s e t z g e b u n g weiter verschärft. Nach dem bisherigen Rediis/usfand war Ausländern die Betätigung als Aerzte, Rechtsanwälte, Architekten und in sonsligen von einer staatlichen Approbation abhängigen Berufen nicht gestattet, und die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer von der Erteilung der Arbeitserlaubnis abhängig gemacht, die nur in seltenen Fällen an Spezialisten ausgegeben wurde. Dagegen war den Ausländern selbständige Arbeit als Kaufleute, Vertreter, selbständige I laiitkverker usw. ohne weiteres gestattet, so daß sich die jüdischen Emigranten in der Mehrzahl diesen Berufen zuwandten. Mach den neuen Verordnungen dagegen ist auch die Ausübung einer selbständigen Tätigkeit dem Aus- Länder nur gestattet, wenn er im Besitz einer ״carta de idcnli-dad profesional“ ist. Richtlinien über die Ausgabe dieser Identitätskarte sind bisher mir insofern gegeben, als der Antrag־ auf Erteilung im Staatsanzeiger veröffentlicht werden muß, damit jeder Spanier, der eine wirtschaftliche Schädigung in seiner Berufstätigkeit fürchtet, Einspruch erheben kann. Wie sich die neuen Vorschriften in der Praxis auswirken werden und wieweit insbesondere Identitätskarten mit der Begründung, daß genügend Spanier in dem betreffenden Fach tätig seien, verweigert werden, laßt .-ich noch nicht übersehen. Unzweifelhaft ist jedoch sowohl die gege׳״A artige Regierung wie auch die offenthehe Meinung freiiulenfeindlieh und nicht zuletzt auch feindlich gegen eine jüdische Einwanderung eingestellt. Typische Stininuings/eiclieil sind die wiederholten antisemitischen Artikel in den großen Zeit« ngen ABC, Ahora und I )ebate wie auch die Tatsache, daß ein kürzlich erschienenes Buch von Rem'• I alias ״Das Judentum“ vom Verlag unter einem Schutzumschlag mit eiern Aufdruck ״Vl'ie kann sich Spanien vor der jüdischen Ein- Wanderung schützenV“ vertrieben wurde. Mit der Verordnung über die Identitätskarte‘ in engem Zusammenhang stellt die Bestimmung, daß die Aufenthaltscrlanbuis, die bisher ohne Schwierigkeiten gewahrt wurde, an Ausländer, die für eigene (Hier fremde Rechnung arbeiten, nur noch dann erteilt wird, wenn sie im Besitz der Idcntitätskarte sind. \X'. A. Antisemitische Propaganda in Rumänien Czernowitz, 21. Oktober. (JTA.) Anläßlich des in Czcmowitz abgchaltenen cu/istischen Treffens, hei dem der Antisemitenführer A. C. Cuza mul der ehemalige Innenminister Oda via n Goga vor etwa 20 000 zum großen 1'e.il vom flachen Lande her zusammengckornmeiien Teilnehmern sprachen, waren in Czernowitz Plakate mit dem von der Versäumt lang sodann beschlossenen Programm der national-christliche» Partei angeschlagen. Neben radikalen Maßnahmen gegen die Juden enthält das Programm schwere Beschimpfungen der jüdischen Bevölkerung Rumäniens, -- Während das Cuzistcntrcffcn in Czernowitz ohne Ruhestörung verlief, versuchte eine grollere Gruppe Studenten auf der Rückkehr vom Treffen einen Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung von B r i n c e v a, Kreis Balti in ßeßarabien, zu veranstalten. Am 21. Oktober fielen etwa 50 Studenten über die Juden 11er und verletzten eine Anzahl von ihnen. Die Bevölkerung organisierte unter der Führung des Bürgermeisters, der Jude ist, einen Widerstand. Die Angreifer wurden zunickgetriebcn. Auf beiden׳ Seiten wurden sieben Personen schwer und neun leichter verletzt. Ein Student soll seinen Verletzungen erlegen sein. G«gen Ausschreitungen in Litauen Kaunas, 22. Oktober. (JTA.) Innenminister Genera! Julius Caplikas hat eine Abordnung des litauischen Rabbinerverbandes empfangen, die den Innenminister auf die antisemitische Propaganda ,itifmerk-ain 111,achte, die im Anschluß an die Ausschreitungen, die sich vor kurzem in Tclschi ereigneten, in der ganzen dortigen Gegend getrieben wird, ln einigen Ortschaften seien die Agitatoren bereits von Warten zu Taten übergegange». In zwei Ortschaffen 11 äffen nur im letz len Augen blick dureli das Eingreifen der Polizei ähnliche Vorfälle wie in Telsdii verhütet werden können. Der Minister versicherte der Abordnung, daß weitere Atiss-chreiUmgen gegen ■die jüdische Bevölkerung nicht gtxitildet werden würden. Die zuständigen Behörden seien streng angewiesen geworden, Itir die Atifrechterhaltiing von Ruhe und Ordnung zu sorgen. Der Militärkommandant von Telsein hat 18 Personen, die sieh au dem Zertrümmern der Fenderscheiben der dortigen Jeschiwa beteiligt haben, zu Freiheitsstrafen verurteilt. Die Gleichstellung aller BürgerinPolen Warschau, 24. Oktober. (JTA.) In einer Plenarsitzung des polnischen Sejm entwickelte Ministerpräsident Ko seial kowski das Progra 111 ווו der Regierung, wobei er insbesondm den Grundsatz enger Zusammenarbeit aller Bürger ohne Unferschicd von Nationalität und Religionsbekenntnis mit dem Staat unterstrich. Die Behörden, erklärte der Ministerpräsident, seiet! verpflichtet, alle Bürger ohne Unterschied gerecht und in gleicher Weise zu behandeln. Per von der polnischen Regierung ernannte Lodz er Stadtrat hat die von der nationaldemokratischen Mehrheit des aufgelösten früheren Stadtrats beschlossene Arierbe Stimmung für die Verleihung der städtischen Preise für Kunst, Wissenschaft und Literatur aufgehoben. ♦ ln Leszno (Distrikt Posen) isf es zu Ausschreitungen gegen eine Gruppe jüdischer Marktfahrer gekommen. [>ie Händler wurden mißhandelt und ihrer Ware beraubt. Die Ordnung wurde von der Polizei wiederhergestellt. Der griechische Ministerpräsident und Königliche Rege nt, General Kondylis, hat in Athen eine Abordnung der Juden Griechenlands empfangen und ihr erklärt, die Juden Griechenlands würden in ihm einen aufrichtigen Verteidiger ihrer Interessen finden. Sämtliche g r i cc 11 i s c 11 c n Schi f f a h r t s g e s e 11 * s c 11 affen haben infolge eines Matroscnstrdks und gewisscr Anordnungen der Regierung, die sie als schädlich für ihr« Interessen erachten, den Dienst nach Haifa, Jaffa und Alexandrien eingestellt.