Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 86 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JODtSCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 86, 25 OKTOBER 1935 Die Waffen-Affäre Arabischer Generalstreik? lieber die Waffensclmitiggcl-Affäre, über die wir bereits berichtet haben! verbreitet jet/t auch DNB einen vom 22. Oktober ans Jerusalem datierten Bericht, worin es heißt: ״Als das einer jüdischen Reederei in Tel-A%vi\v angegliederte Schiff ״Leopold If.“ dieser Tage in Jaffa unter anderem eine Ladung weißen /.eineiits löschte, entdeckte die Hafenbchiirdc, in den Zement fassen! verborgen, M a 11 s e r p i s t o - len und eine große Menge Munition. Der Empfänger der Waffensendung hatte bereits die Flucht ergriffen. Die _ /!!fällige Aufdeckung dieser illegalen jüdischen \f aifenehihihr nach Palästina hat unter der arabischen Bevölkerung grolle Erregung hervorgenifen. Der Jude Kattan, für den die Waffenseiidung bestimmt war, wird iii der arabischen!,resse als Strohmann der von jüdischer Seite immer wieder ahgestrittenen jüdischen Militär- Organisationen Palästinas bezeichnet. Die Presse berichtet, daß die Polizei viele hundert Mauserpistolen, sowie fast 400 000 Schuß Munition beschlagnahmt habe. Die arabischen .Zeitungen klagen England der stillschweigenden Du!־ dung dieser Waffeneinfuhr an und rufen die arabische Jugend zur Selbstverteidigung gegen jüdische Angriffsabsichten auf. Die Erregung der Presse ist so groß, daß die Man- <l»tsregierung wiederholt zur Mäßigung mahnen mußte und das Verbot einiger Zeitungen angedroht hat. Die Angelegenheit beschäftigt jetzt bereits das englische Kolonialamt sowie die Londoner Blätter. Sämtliche arabischen Parteien rufen die arabische Bevölkcnmg /um Ci e neralstrci k a m S o n n a b e n d, d e m 2(>. Oktober, auf. Der Streik soll den gesamten Verkehr, alle. Berufe, einschließlich der Acr/.tc, Lehre»■ und Anwälte, sowie die Schulen, Banken und alle Ladengeschäfte umfassen. Die arabischen Parteiführer überreichten am Dienstag der Mamlatsregierimg eine. D e n k s c 11 r i f t, die folgende F o rderu ngen enthält: 1. Beschlagnahme aller sieb in jüdischem Besitz befindlichen Waffen; 2. Auflösung der angeblich durch die Regierung den jüdischen Kolonien zur Verteidigung überlassenen Waffenlager; 3. Polizeiverstärkung an Küsten und Grenzen zur Verhinderung illegaler jüdischer Einwanderung; 4. Verschärfte Untersuchung jüdischen Zollgepäcks; 5. Ersetzimg der jüdischen Zollbeamten an wichtigen Stellen durch Araber und Engländer. Da Sonnabend, der Tag des arabischen Generalstreiks, jüdischer Feiertag ist, werden Zusammenstöße befürchtet.“ * Zu dem geplanten arabischen S t r e i k wird von der JTA. aus Jerusalem ferner berichtet: Dadurch, daß der Streik an einem Schab bat durchge führt werden soll, an dem die jüdischen Geschäfte ohnedies geschlossen bleiben, soll offenbar nach außen hin der Eindruck erweckt werden, daß es sich um einen allgemein von allen Bewohnern des Landes gutgeheißenen Streik handle, b/w. daß das arabische Element im Wirtschaftsleben ausschlaggebend sei. Gleichzeitig wird so den Führern der Streikbewegung eine schärfere Kontrolle derjenigen Geschäfte ermöglicht, die die Streikparole nicht befolgen. Der von der Muftipartei gegen den Willen der übrigen arabischen Parteien schon fiir Die nstag, den 23. Oktober, proklamierte Streik war so gut wie gar nicht zu bemerken. Ob der Generalstreik tatsächlich stattfindet, ist bis zum Schluß des Blattes nicht bekannt. Polizeiliche Maßnahmen T e I - A w i w, 24. Oktober. (JTA.) ״Haarez“ berichtet daß die Polizei zur Verhütung überraschender Angriffe von Arabern auf Juden im Zusammenhang mit dem für Sonnabend angekündigten Generalstreik alle Fahrzeuge durchsucht und die Straßen in der Umgebung von Hebron und Jerusalem überwacht. Im Auftrag der Kriminalabteilung der Palästina-Polizei begibt sich Captain Riggs nach Belgien, uni dort an der Untersuchung über die Absendung der geheimen Munilionsladung tcilzunehmen. Vorher wird er mit Scotland Yard (Londoner Polizeipräsidium) in London Besprechungen abhalten. Ein Abessinier verhaftet Je r u s a I e m,. 24. Oktober. (JTA.) Die Polizei in Tripolis (Syrien) veröffentlicht eine Erklärung! wonach ein gewisser B u t r u s Luis, Kirchendiener der Jer 11 Salem ej abessinisehen Kirche, von ihr unter dem Verdacht verhaftet wurde, in die bekannte Munitions-Schmuggelaffiire verwickelt zu sein. Luis ist vor einigen Tagen ohne Paß aus Palästina geflüchtet. Es sind deutlich« Anzeichen dafür vorhanden, daß die in der Zementladung auf einem belgischen Schiff in Jaffa entdeckte Munition fiir Syrien bestimmt war. Die Polizeibehörden, die sich mit der Untersuchung der Affäre befassen, haben entsprechendes /Material in Händen. Inzwischen geht die arabische Hetze gegen die Juden weiter und nimmt bed r o h I i c h e Formen an. Nach einer Versammlung in Jaffa haben die arabischen Führer ein zweites Memorandum in dieser Angelegenheit an die Regierung gesandt. Lehrerstreik vermieden Jerusalem, 2t. Oktober Im letzten Augenblick ist es!Klungen, den Ausbruch eines Streiks der hebräischen Lehrer in Palästina zu verhülen. Verhandlungen am 20. Oktober, abends, führten zu dem Ergebnis, daß in der Gehaltsfrage eine Einigung zwischen der Schiedskommission des Waad Letimi und den hebräischen Lehrern erzielt wurde, während die übrigen Forderungen der Lehrer abgelehnt wurden. Am 21. Oktober wurde nach den SukRoth-Ferien der Unterricht in den hebriiischen Schulen Palästinas wieder aufgenommen. Die Finanzlage der Regierung Jerusalem, 22. Oktober. (JTA.) In der ״Offieial Ga- 1 ette“ wirtl das Budget der Palästina-Regierung für das vom 1. April 1035 bis zum 1. April 103() reichende Finanzjahr veröffentlicht. Die Ausgaben sind mit 4 863 877, die Einna!: en mit 5 S56 410 Pfund präliininiert. Unter den Ausgaben stehen an erster Stelle diejenigen für öffentliche Arbeiten; hierfür ist ein Betrag von über einer Million Pfund vorgesehen. Die Reserven der Palästina-Regierung betrugen Ende August 1035 5S2I515 Pfund. Sollte jedoch der monatliche Venvaltungsüberschuß bis /um Jahresende ebenso hoch bleiben wie in den ersten fünf Monaten des Finanzjahrs, so wird der Ueberschuß dieses Jahres allein über dreieinhalb Millionen ausmaclieii. Ein syrischer Schriftsteller über den Zionismus Jerusalem. (Palcor.) Dscliemal fiele B e 11 a m, einer der bedeutendsten arabischen Schriftsteller, der zahlreiche Bücher über politische und soziale Fragen geschrieben hat und der Führer der Jugend- und Frauen-Organisationcn in Syrien mul der Präsident der wirtschaftlichen Akademie i!1! Libanon ist, hat vor kurzem Palästina .besucht. Er verölfenilicht jetzt in der Damaszener arabischen Zeitung ״Al- Ajam“ einen Artikel über Palästina, in dem er 11. a. schreibt: ״Die zionistische Bewegung, die vor dem Kriege nur ein Traum war, ist nach dem Kriege verwirklicht worden und zeigt heute eine Leistung, die sich auf wissenschaftliche und landwirtschaftliche Grundlagen stüt/t. Die Stärke der jüdisclien Leistung in Palästina kommt nicht nur in der landwirtschaftlichen und wissenschaftlichen Tätigkeit zum Ansdruck, sondern auch in der militärischen, die sich nach außen als Sportbewegung be/eichiict. Diese Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf Männer, sondern auch Frauen nehmen an ihr teil. Die Erfolge der Juden sind vor allem auf ihre Hartnä-ckigkeit und Ausdauer hei <1 er I >111 chset/uug ihrer Be- Strebungen zurückzufü 11 reil. Als klassisches Beispiel kam! die Wiederbelebung <1 er hebräischen Sprache dienen, die im Laufe einer kurzen Zeit aus einer toten Sprache zu einer Sprache des Volkes geworden ist. Dieselbe Ausdauer zeigen die Ein im abessinisclwn Kloster in Jerusalem befindlicher Platz, der von den Abessiniern ah Stelle, da Abraham den Isaak opfern wollte, heilig gehalten wird. Foto: M. v. H״! - c;«vri«l Ein abessinisdies Heiligtum 'fl#' Juden auch auf wirtschaftlichem Gebiete. Es wird keinem Juden cinfallen, irgendeine Ware ausländischer Herlamft zu kaufen, wenn er weiß, daß diese Ware auch in Palästina hergestellt wird. Man kann, so schreibt der Autor weiter, den großen Nutze!!, den die Entwicklung Palä>tinas Syrien gebracht hat, nicht leugnen. 12 ׳• , des gesamten syrischen Exports des Jahres 1031 wurde nach Palästina verkauft; ferner bat Syrien grolle Einnahmen von den Sommergästen und der großen Anzahl von Touristen, die aus Palästina nach Syrien kommen. Fs gelien ferner viele syrische Arbeiter nach Palästina und verdienen dort sehr gut, aber nicht nur Arbeiter, auch viele Kapitalisten und Fabrikanten Syriens sind nach Palästina gefahren, dort reich geworden und haben für das erworbene Geld in Syrien großes Vermögen erworben. Dies wird sich sicherlich in der Entwicklung des Landes auswirke!!. Die Araber, so schreibt der Autor, können von! Zionismus manches lernen.“ Wieder ein Opfer des Dumpings Infolge des ausländischen Dumpings mußte die Fa• b r i k für Kleideru 11 d W ä s e h e s t o f f e ״I) s c 11 c d - da“ bei Haifa geschlossen w e r d e 11,. nacliil em erst vor lair/em die Seidenfabrik ״Mesehi“ und die Wirkwarenfabrik ״Gerew“ dem Mangel an ausreichendem Zollschutz zum Opfer gefallen sind. Diesmal sind japanische und russische Konkurrenz, die Ursache für die Betriebseiinstellung. Die Ständige Kommission für Handel und Industrie ist zur Untersuchung der Ursachen der Schließung der Fabrik ,.Meschi“ zusammengetreten, hat aber keinerlei Maßnahmen gctroflcn. Sie wird die Angelegenheit im November, wenn der Bericht einer Unterkommissioti vorliegen wird, nochmals besprechen. In Wirtschaftskreisen wird darauf liingewicsen, daß die Bemühungen der Kommission daran scheitern, daß immer nur die E i!1 /, e 1 f ä f 1 c behandelt werden, allgemeine Maßnahmen für einen wirksamen lndustriescluitz jedoch außer acht bleiben. Der Rabbi nische Rat f!n Hause des sephardiseben Oberrabbiners Jacob Meir fand eine Sitzung des R a b bin! s c 11 e 11 R a t c s statt, in der beschlossen wurde, sofort Schritte zur Neuwahl des Rates ein/uleiten. Der Waad ׳ Feuini wurde ersucht, seine Vertre-ter für die Wahikonimissian zu benennen, die Statutengemäß je zur I lälfte ans Mitgliedern des Kabbinischen Rates und des Waad Fellini bestehen muß. Die Lizenzsperre für Aerzfe Nach neuesten Meldungen muß laut Information des Palästina-Amtes damit gerechnet werden, daß die l.izenzsperre fiir Aerzte Gesetz wird, und zwar schon zum 1. Dezember. Der Flaggentag des Keren Kajemeth Wie bereits in der vorigen Nummer berichtet, fand zu Sukkcth die Uebergabe der Keren-Kafcmelh-Flagge an die Schulkinder der Kolonie-Schule von Chcdera statt. Unsere Bilder zeigen: Links: Die letzten Inhaber der Fahne, die Schüler von Rischon Lezion, übergeben die Fahne den Gewinnern von 56S6, den Schulkindern von Chcdera, Auf der Tribüne Vssischkin zwischen David Yellin und Grünbaum, — Hechts; Die Gewinner der Fahne, marschieren durch ein Ehrenspalier von Schulkindern. t'uio•: 0״>»hke», ■)•״ו*•״» Ä$i׳: •Sp