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Jüdische Rundschau · 1935-10-22 · Heft 85 (22.10.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 85 (22.10.1935)
Date
1935-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 85 22. X. 1935 Franz Rosenzweigs Mission Geistige Hachscharah Eine zionistische Volkshochschule Von Neil y 1. ugcl Aus der T s c h e c 11 o s I o w a k e i wird uns feschriehen: Wer in Luzern die Koiigreßredcn der palästinensischen Delegierten aufmerksam verfolg! hat, der konnte sich kaum dem Eindruck ciit/Jchcn, da(1 'diese Menschen, die vor acht, zehn oder höchstens zwanzig Jahren ()st- oder Westeuropa verlassen haben, den inneren Problemen und Bedürfnissen des Go'ahjiiderstiunx Verständnis-, ja interesselos gegeniiberstchcii. Das palästinensische Judentum hat ein solch stark« Eigenleben ausgehildet, dali es alle Nahrung, die zur Entwicklung dieses Lebens notwendig ist, ans dem eigenen jungen Erdreich zieht. Unerfüllt allerdings blieb für uns bisher der Traum vom ״kultureller Zentrum“. Wenn man unk in der K 11 11 11 r d e b a 11 e auf dem Kongrosse nichts;;ruleres zu sagen weiß, als dali wir Hebräisch lernen solle*;,, so hat man wohl damit eine natürliche Forde- ״mg »!!;,gesprochen, deren Notwendigkeit kein Mensch bezweife'ai wird, der mit dem jEdiuw i!1 irgendeinem äußeren oder innerlichen Zusammenhänge steht, man'hat aber gar nichts zur Lösung der Frage beigetragen, auf welche Weise Tausende ■und Ahertausende von Juden, die den Werdegang des Nationaljudenttum und des Zionismus nicht mitcrlcbt haben, heute aber von der Problematik ihres Judeseins ergriffen sind _ — unu dies trifft auf die gesamte jüdische Jugend und auf eine große Zahl Erwachsener in Mittel- und Osteuropa und vielleicht auch Amerika zu -- wie diese Menschen in systematischer WcEe in die (ied.inkengänge der jüdischen Renaissance eilig( fuhr! weiden können. Die inei-ten ku turellen Einrichtungen Palästinas — wenn wir von ganz wenige! Au-mahincn und dies insbesondere auf dem ücbictc der Me 11/511 mul der Architektur abscheri, können wir wohl sagen, fa-t alle kultiireilen Einrichtungen Palästinas - sind \n;1 riN-i'chen Juden geschaffen worden oder haben zummdt >t das (icpi.ige erhaltr:1, das ihnen russische Juden gaben. Es mag kenn Zw. bei sein, daß einer dieser Ostjuden es war, der, als er aus Kiew floh -״ - er war Minis,er in der letzt(!!, von den B! wiieu iE eil ge.slui /teil Regierung — auf seine m Wege nach Pala-liiia in!,rag iialtmaciite. liier wurde er Professor au der t d, 1ennE1 11*11 .׳׳ hiiv ersität und liier, im Ihr/eii laii'opa-, von wo aus vor thm Weltkrieg; die Eelire Martin litib'1 o in die Whh gegangen ist, hat er auch vor i.ngi fahr einen! Jjhir ein. Iiistilutiou geschaffen, die allem Anscheine nach dazu l)estnmnt i־-t, einen! Peil des (ialutlijudentums zum kulturellen Zent; um zu werden. Am W. (Jhtobi r I'ijl f.imi in 1 im 111 Saal des Prager Beth Ha,am die erste Vorlesung der ״/, i o 11 1 s t i s c hen Volks- 11 o c h s e h 1! I e״ statt. Prof. (1 o I d 1■ I m;1 n. der Schöpfer der Anstalt, Inelt einen kurzen einleitenden Vortrag und Max Br od *seine erste Vorlesung aus dem Zyklus ״Rassentheorie und judeiifrage''. An 3״n I lorer und Hörerinnen waren itn Schuljahre l'Mt 15 an dieser Volkshochschule immatrikuliert und 3(1 |)oz1-nten. durchweg lierv1׳!!■■ragende Fachleute, als Mitnrbeiter gewonnen worden. Eni die an dieser Volkshochschule gehaltenen Vorlesungen einem weiten Interessentenkreis zugängiieh zu machen, wurden sie vervielfältigt und in Form eines F c r n 11 n t e r r i c h t s an TO Fernhörer verschickt. Dies der bescheidene Anhang. Ohne daß die Frage der (hager Zionistischen Volkshochschule in Luzern in die offiziell(׳ Debatte aufgenornmen wurde, haben die zionistischen Behörden den Ernst und die Wichtigkeit dieser Institution erkannt und ihre materielle Existenz sicher(!(.stellt. Sie haben allerdings eine wesentliche Erweito rung des Betätigungsfeldes gefordert, die auch den lutentionen des Begründers und Leiters durchaus entspricht. Das Vorlesungsprog r a tu m für das Jahr 5600 gliedert seinen Wissensstoff in drei große Zyklen. I. Zyklus: ״Nationalproblein und Judeiifrage1' ,‘׳. Zyklus: ״Zionismus•‘ und 3. Zyklus: ״Palästina und das Aufbauwerk“. Unter den Lektoren sind 11. a.: Dr. Arthur Bergmann, I>r. Max Brod, Prof. I >r. (ioidelman, 1)1־. Leo UuLlhammer, Dr. Leo Lauterbach. Adolf Pollak, Dr. Josef Rutcisen, Manche der Lektoren haben sich auch bereit erklärt, ihre Vorlesungen über Einladung irgendeiner ZiojiEtisehrii Ortsgruppe des In- oder Audaiides daselbst zu wiederholen und Prof. I Dr. (,ioidelman hat mit seinem sechsstündigen Kursus ״Soziologie des j11JEchr!t Volk«״, den er in mehreren Proviti/Städti'ii ahlialt, den erOen Seitritt zur Schäftung einer zionistischen \V a 11 d e r s c I! ti I e gemariit. Aus der F'ulle des Materials sollen folgende Vorlesungen in jiddischer und deutscher spräche im Drink erscheinen: ״Grundlagen des N.ninnn'pn!bk-ms", ״Jüdische Galuthwirt- Schaft", ״Geschichte des Zionismus“, ״Die zioni - ti-dien Fände“ ״Verfassung der Zionistischen < *rg.inisati״ ,“״״Pa’üstiin-l.atidesktmde", ״JudEche W irt ■11:1 סי ft in Palästina'‘. ״Geschichte der jüdischen Koloni-mtien", ״Die zioiii׳,tische Arbeiterschaft und ihre Stellung im Aufbau PMidiiias"', .Manche die-er Vorlesungen Werden auch als Ein/1 Ibroscliiiren käuflich sein, im aligi :iieiiicn soll aber das Prinzip des Fernunterrichtes gewahrt bleibe״, der einzelne Fernhörer kann im Ans di lud an die Vorlesung׳•!!;m (1. •n betreffenden Dozenten Anfragen richten und eine Pi!111111 g über jeden Kursus :!biegen. Fliese Prüfungen sind \ ״r allem für die Jugend vorgesehen, die die, Absicht hat, nach PakKtiua zu gehen. Denn ebenso wie von diesen Menschen eine körperliche Vorbereitung gefordirt wird, wie man verlangt, daß sie der hebräischen Sprache mächtig seien, ganz ebeiiso sollte es zur Voraussetzung der Zertifikatserteiluiig werden, daß sie einen Nachweis über ihre geistig« Hachscharah erbringen. (Atnm,: Die Adresse der zionistischen Volkshochschule lautet: [1•,־!יg, Dlouhä 41 II. Daselbst werden Anmeldungen für das Abonnement der Fernkurse von Einzelpersonen und Hachscharaligruppen c n t ge g eng e 110111men und alle sonstigen Anfragen gerne beantwortet.) Vom Weltverband Allgemeiner Zionisten. Man schreibt uns: Arn 8. Oktober fand in K r a k a u eine Sitzung der Leitung des Weltverbandes 11er Allgemeinen Zionisten unter dem Vorsitz von Dr, I. Schwarz hart statt, an der auch das Mitglied der Exekutive, Dr. F. Rotten streich, teilnahm. Es waren ferner zugegen: die Vizepräsidenten des Verbandes, Leon Lewite, Warschau, Dr. Eirii! Schmorak, Lemberg, die Mitglieder der Leitung: Dr. Fekiblum, Krakau, Mgr. Leon Salpeter, Krakau, Dr, A. Stupp, Lemberg, Ing. M. Landau, Lemberg, sowie die Vertreter der jtigendorganisationen, Mondschein (Harioar Hazioni), Nielitliruiser (Akiba), Ing. Weiler (H. A.Z.), Ing. Thon (Haschomcr Halettmi). Die gegenwärtige Situation in der zionistischen Bewegung und im Allgemeinen Zionismus wurde ausführlich besprochen. Es wurden Beschlüsse gefaßt bezüglich des Arbeitsprogramms der Koalitionsexekutive, der weiteren Propaganda des Weltverbandes, mit besonderer ־Berücksichtigung von Kongreßpolen, in der Angelegenheit der endgültigen Vereinigung der allgemein-zionistischen Jugend verbände und deren liomogencr Zusammenfassung. Zimt Schluß verabschiedete der Vorsitzende mit herzlichen Worten Dr. Rottenstreich vor dessen Abreise nach Jerusalem. Rosenzweigs Einstellung zum Judentum macht Epoche, weil sie nicht von Anfang an Tradition war. Er hat sie sich mit einer Gewalt erarbeitet, die sonst ein einzelner Privatmensch nicht aufgebracht hätte; er mußte es, als wäre es seine Aufgabe gewesen, den deutschen Juden, denen einige Jahre nach seinem Tode die Rückkehr ins Judentum als letzte moralische Rettung und zugleich als ein unvorstellbares Verlangen erscheinen sollte, den Idealfall einer Heimkehr vor- und vorauszulcben. Nach seiner Jefiuda Halevi-Uebertragung durfte er sagen, fortan gebe es für ungenaue Uebersctzer keine Ausrede mehr; nach seinem Hineinleben ins Judentum gibt es auch für Halbundhalbjuden keine Ausrede mehr. Während einer Zeit kosmopolitischer und kosmo-״religiöser“ Bestrebungen hat Samson Raphael Hirsch das Judentum als Orthodoxie konstituieren, stabilisieren und sterilisieren müssen, um es zu verteidigen und einen Rest zu retten, Rosenzweig konnte bereits die Sterilität jener Bestrebungen konstatieren, konstituieren und stabilisieren, um das Judentum neu zu gewinnen. Die Entwicklung, die er vorfand, hatte von der erstarrenden Religiosität über Bibelkritik, Religionskritik, Theismus, Antitheismus, Antireligiosität, Matcrialismus, Matcrialismuskritik, mystischen Skeptizismus, Rclativismus zum Indifferentismus geführt, der Weg von Spinoza bis zu Fritz Mauthner und seinen Glauhenslosigkcitsgenossen um die Jahrhundertwende war abgeschlossen, das religiöse Gefühl gegenstandslos geworden, — also konnte, durfte, mußte Rosenzweig die Religiosität von neuem, vom Anfang beginnen. Vom 19. Jahrhundert her gesehen ist seine Rückkehr ein Rückfall, eine private und lediglicli konfessionelle Sache, vom 20. Jahrhundert her der entscheidende Schritt voran, eine öffentliche, religiöse, also allgemeine Angelegenheit: der Rückgriff ins Eigentliche, der sonst auf Erden zunächst mir in der Idee vollzogen wurde, durch Bcrgso«, Unamuno, Tolstoj; beim Judentum schlug die Idee als Zionismus in Politik, in Wirklichkeit um, der Rückgriff aufs Eigentliehe wurde Rückkehr ins Land, zur Landarbeit, zum Volk, zur Sprache, zur religiöser! und nationalen Vorstellungswelt. Die Rolle, die Rosenzweig innerhalb der jüdischen Rückkunft anheimfiel, ist von vollkommener Beispielskraft. Die schnell fertige Legende hat sie umnebelt; seine Briefe dokuinentieren, wie sein von vornherein kräftiges Grundgefülil für das Religiöse — vielleicht als einer äußersten Steigerung des Sozialen, Nationalen und Moralischen — Stoff suchte, dem Nächstliegenden, dem Christentum, zutrieb und während einer letzten Prüfung vor der Ablehnung, besser: Ablegung, aufs Judentum fiel wie das Eisen auf den Magneten. Rosenzweig ״akzeptierte“ das Judentum mit Haut und Haar, nicht auf einmal, nicht mit einem Salto mortale, sondern mit einer gewissem ״Hygiene des Zurück“, aber mit magnetischer Konsequenz, nämlich mit Widerstand, mit der Vorstellung, der letzte Liberale zu sein, mit ־reforrnatorischen Vorbehalten, die er bald aufgab (das liegt in der Sache, z. B. schrieb er am Schabbat, zwar nichts Berufliches, aber zum Vergnügen, zum ״Oneg Scliabbat“, his ihn ein Orthodoxer einmal zum Schreiben nötigte, da gab er cs auf). Gleichermaßen erklärte er sich für einen dezidierten ״Nichtzionisten“, während sein Lebenswerk als ein neuer großartiger Kulturzinnismus weiterwirkt. Wenn man einen Eisklumpen in flüssige Hochofenschlacke wirft, schmilzt er nicht, sondern ringsherum bildet sich eine bimssteinartige Isolierschicht, in der das Eis sicli über den Siedepunkt hinaus erhitzt und als ״Bimssteinbombe“ explodiert: in dieser Weise ist die Entstehung von Weit- IN ALLER KÜRZE Dr. Paul Minkowski, ein Jude, ist 7um Vizepräsidenien der Bank Gospodarstwo Krajowego, einer staatlichen Agrarbank, die den Rang der zweiten Nationalbank Polens cinnimmt, ernannt worden. Zu tri Direktor des Fine Arts College in Philadelphia, der bedeutendsten Kunsthochschule Amerikas, ist der ji'idisehe Bildhauer Boris Blei ernannt worden. Das College verdankt seine Entstehung einer Stiftung von einer Million Dollar, die von einer Schülerin Bleis, der Bildhauerin Stella Eikins Taylor, errichtet würde. Prof. Dr. Hermann Groß mann, früher Privatdozent an der Universität Berlin, dann an der Hochschule in Brüssel, ist einem Anerbieten der Regierung von Persien gefolgt, der medizinischen und philosophischen Fakultät der Universitat Teheraii eine naturwissenschaftlich-technische Abteilung anzugliedern. Professor Dr. A. Buschke ist anläßlich des internationalcn f)ermafologenkongrcsses in Budapest zum korrespondierendeti Mitglied der Ungarischen Dermatologischen Ge- Seilschaft ernannt worden. Ende Oktober wird der im Auftrag des Keren Hajcssod hergestellte Palästinafilm ״Land der Verheißung“ in G e n f führenden Persönlichkeiten der Völkerbundskreise vorgeführt werden. Aus Polen sind vorige Woche zwei Auswanderungstransporte nach Palästina abgegangen, von denen der eine 450, der andere 350 Personen umfaßte. Audi das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Dr, Rottenstreich, hat sich mit einem dieser Transporte nach Palästina begeben. Wie uns aus Wien berichtet wird, fand dort unter dem Protektorat des englischen Gesandten Sir Wallford Selb}־ ein Tee zugunsten des Aufbaufoitds für das Habima-Haus in Tcl-Awiw statt. Den Vorsitz führte der englische Konsul in Wien, Capt. Taylor. Frau Margot Klausner schilderte in einer längeren Ansprache die Ziele und die gegenwärtige Lage der Habima. Anschließend wurde eine Spcndenzeichnung vorgenommen. Das Ergebnis der Volkszählung in Oesterreich liegt mmmehr vor. Die Gesamtbevülkerung im österreichischen Rundes Staat beläuft sicli auf .6760 233 Personen. Davon sind 6 112(158 (90,4 0/0) Katholiken, 191 181 (2,8 ׳״») Juden und 293 452 (4,4 ״/o) Protestanten. 106 080 Personen (1,6 ®/o) sind konfessionslos. In einem Leitartikel würdigt der Londoner ״Daily Telegraph“ vom 17. d. M. den gewaltigen Wirtschaft- Gelten Aufschwung in Palästina, der durch die jüdische Einwanderung erzeugt worden ist. Die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina, die Lord Balfour 1917 proklamiert habe, sei durch. Ursachen, die damals nicht vor- Systemen aus Eis erklärt worden, und wenigstens die Ent- Stellung eitles Weltanschauurigssysiems wie des jüdischen bei Rosenzweig ist analog zu erklären als Explosion eines längst zu Eis erstarrten Judentums, das in die glühende Schlacke dieser europäischen Epoche getaucht nicht schmilzt, sondern sich isoliert und dann erst siedet. Wenn es noch nötig ist, Rasenzweigs Vorbehalte gegen den Zionismus als lediglich taktische Aeußerungcn, also nicht als Einwändc Regen, sondern als Forderungen an den Zionismus zu erklären, so berücksichtige man folgende Brief- Zitate aus der Zeit seines Uebcrgangs vor und im Kriege: ״Es gibt eben keine Ostjiulenfrage, es gibt nur eine Judenfrage“ (S. 95). ״Bei Herzl merkt man auch, daß und in welchem alle kritischen Zweifel übersteigenden Maß der biblische Moses eine historische Person gewesen sein muß“ (S. 117). ״Das Verhältnis zum Hebräischen ist der springende Punkt“ (S. 126). ״Der Zionismus, wenn und soweit er überschwenglich (wahnsinnig, bewußt unmöglich) ist, ein Volk, aber viel mehr als ein Volk, das Volk will,... man kann ihn nicht anzweifeln, weil man cs nicht darf. Er ist heilig wie alles ,Wahnsinnige*. Der Zionismus aber, der ein ,Normales‘, ein jüdisches Glück... will,... hat die gleiche Wichtigkeit wie etwa unsere — Börsianer, die uns einen jüdischen Reichtum schaffen... All das fristet uns das Leben.,.“ (S. 158), Zur Erläuterung des Wortes Wahnsinn (S. 129): ״Deswegen soll sich kein Mensch vor dem Wahnsinn fürchten; er ist die Bestimmung des Menschen, man soll sich nur davor fürchten, dieser Bestimmung nicht würdig zu sein.“ Am realistischsten formuliert Rosenzweig seinen ״Zionismus“ in einem Brief vom 1. Mai 1917, der durch die prophetische Vorwegnah me seiner eigenen späteren Wirkung in unserer Zeit der Nivellierung aller Diskussionen unheimlich wirkt: ״Achad Haams Konzeption ist also (unbewußt) ganz richtig; nur indem Palästina sich in Zusammenhang weiß mit Berlin und Lodz oder meinetwegen in Zukunft New York und Valparaiso und Tobolsk (was weiß ich!), nur dadurch wird cs jüdisch bleiben und kann dann auch eine wirkliche Lebensfristung für uns werden. Meine Stellung ergibt sich daraus. Nicht so sehr meine Lebensstellung als meine posthume, denn ich werde erst posthum meinen Mund ganz auftun. Ich werde, weil ich hinvvegsehc über die Wege, den Juden dieser jetzt kommenden Zeit die Einheit des Ziels erleuchten.“ Rosenzweigs skeptischste Acußenmg zum Thema (S. 270): ״Erst war der Zweck, das Vereinsstatut, dann erst das Volk. Infolgedessen ist Geistigkeit bei tms nationale G e s 11 11 cl heit. Wenn der Zionismus alle Juden nach Palästina führte, so würde cs nach 290 Jahren keine Juden mehr geben. Aber da er nur ein jüdisches Zentrum schaffen wird (was er weiß) und dieses Zentrum (was er nicht weiß) von der Rücksicht auf die ״Peripherie“ beherrscht werden wird, nicht wie er hofft umgekehrt, so bedeutet er letzthin wenig, nur eine neue Saugwurzcl in die Erde...“ Also war Rosenzweig kein Zionist, fast ein Feind des Zionismus? Fs handelt sich um heterogene Elemente. Ein lediglich politischer, organisatorischer Zionismus wird mit Rosenzweig, der seinen ganzen Menschen eingesetzt hat und den ganzen Menschen fordert, wenig anfangc-n können; dein in Rosenzweigs Sinne ״überschwenglichcn“ Zionisten wird seine Kritik und sein Postulat unabsehbar viel bedeuten. Es handelt sich nicht darum, daß Anschauungen über das Judentum diskutiert werden, sondern daß das jüdische Eis zum Sieden und zur ״Explosion“ kommt. Leo Hirsch ausgesehen werden konnten, wesentlich unterstützt worden. Zmtr Schluß fordert das Blatt die britische Industrie auf, sich mehr für den palästinensischen Markt zu interessieren, da nur ein Fünftel der gesamten Einfuhr aus England stamme. Unbekannte Täter schleuderten eine Höllenmaschine gegen das Lokal der revisionistischen Partei irr Stanislau (Osfgalizicn). Das Haus ging in Flamme» auf. Menschenleben sind dem Anschlag glücklicherweise nicht z.utn Opfer gefallen. Wie die ״Frankfurter Zeitung“ vom 17. 10. berichtet, hat das a n Ir a 11 i s c h e Staatsministerium angeordnet, daß anläßlich des Reformatioirsfestes in allen Schulen darauf hin/uweisen sei, daß Luther der Wegbereiter für deutsche Cieistcs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit gewesen sei und das deutsche Volk nicht nur zum Kampf gegen Rom, sondern auch gegen die internationale Macht J u d a s aufgerufen habe. Wie der ״F i 1 m k u ri er“ rnitteilt, wurde eine weibliche Angehörige der Rekhsfachschaft Film wegen rassenschänderischer Beziehungen aus der Fachschaft ausgeschlossen. In Riga wurde unter dem Namen ״Schalom AI ec hem“ ein Marionetten- Theater gegründet, das speziell für Frcz Israel bestimmt ist. Vor seiner endgültigen Etablierung in Palästina wird das Marionetten-Tlicater eine Tournee durch Lettland, Polen, Rumänien und andere Länder unternehmen. Die Spielhüchcr sind zum großen Teil Bearbeitungen der satirischen Schriften Schalom Alechems. In der Notiz ״Ein Siebziger" in Nr. 83 der ״J. (?.“ ist zu berichtigen, daß Leon Sc licinliaus seit 1901 (nicht 1911) Vorsteher der Alten Synagoge ist, seit 1902 der Vertretung der Memeler Jüdischen Gemeinde angehört. Die Breslauer Neue Synagoge ist anläßlich einer Renovation nach dem Entwurf von Heinrich Tischler neu ausgemalt worden. Zugrunde lag die Tendenz, den Raum eindringlicher zur Wirkung zu bringen. In diesem Sinne hat man tragende und getragene Glieder durch abweichende Beinalung gesondert, bat man die der Steilkuppe! innewohnende Richtung nach oben durch Auflichtung unterstrichen. In gleichem hellem Gelb wie die Kuppel leuchtet die Apsis, die dadurch als Blickpunkt deutlich erkennbar gemacht ist. Durch diese radikale Neugestaltung, die eine Ueberfiille plastischer und gemalter Ornamente beseitigt hat, ist ein Raum geschaffen worden, der modern im guten Sinne wirkt, ohne durch überbetonte Neuartigkeit seiner Bestimmung als Kultraum zu widersprechen. Dr. St. Büro des XIX. Zionistenkongresses. Ans London wird mitgeteiit: Das liquidierende Büro des XIX. Ziortisfenkongrosses hat seine Büros in Luzern geschlossen und befindet sich in Moravska Ostrava, Puchmajerova 1, CsJ. Republik, Telegramm-Adresse: Zionibüro Moravska Ostrava, Tel. 3663. Messe Code, Hauptgeschäft: Stadtbahnhof Bürso Zweiggeschäft: I Qegr. I Bettfedern, Daunen, Inlette, BettwSsche, Wilmersdorfer str. 83 | 1826 | Daunensteppdecken, Bettstellen, Matratzen usw. Für MSI'IIEIEI JÖDISCI Sei V« In < seit ein i raten u! eine ak hat und wichtige schieden Munizip: Steuer heit der ließ, wi Gegen zusammi rechtsste ihn die Jern gemisch, neu Rieh verwalt״ verschiec kann, si nationale giösen m der Abst sie seien jedoch r der Schi Bestcucr ihnen er die Stein an den S Regierun aligemeü zugute I gegen di mit bcsi Regierun die Insfi Kinder 11 treter d gegen <i su b ventii englisch, len aber der Stein Dies! 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